Von wegen "reality"

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    • Von wegen "reality"

      Als hätten wir es nicht schon längst geahnt, brachte das Magazin "Zapp" im NDR Fernsehen gestern einen Bericht über die sogenannte Doku-Soap "Frauentausch".

      Hier gehts zum Artikel zum Bericht

      Aber auch ohne diesen Bericht hätten wir auch weiterhin keine Aufrufe zu solchen "Reality-TV-Shows" genehmigt :cool2:
      [CENTER]Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
      [SIZE=1](Søren Aabye Kierkegaard)[/SIZE]
      [/CENTER]
    • Ich frag mich immer warum sich Familien zu so etwas hergeben? Geht es darum mal ins Fernsehen zu kommen?:confused: Wenn ich ein Fernsehteam hier in Berlin sehe mache ich einen großen Bogen um die :baeh:

      Tja, wers braucht ...

      die Teebeutelin
    • Man erinnere sich nur an den armen kleinen "Baloon Boy", dessen angebliches Schicksal halb Amerika bangend an den TV-Bildschirmen verfolgte und sich am Ende herausstellte: Papa Heene hatte das alles nur inszeniert.

      Sally schrieb:

      Nicht bedenkend, dass morgen schon kein Hahn mehr nach dem Gesicht von gestern aus dem Fernsehen kräht.
      Mr. Heene tat schließlich alles, um seine Familie und sich erneut ins Fernsehen zu bringen. Eine Weile eher waren die schon bei "Wife Swap" dabei (US-Vorlage zu "Frauentausch") und weil die leicht durchgeknallte Familie so gut beim Publikum ankam, wurden die noch für eine zweite Sendung eingeladen.
      [SIZE=1][CENTER]Accepting oneself does not preclude
      an attempt to become better.
      — Mary Flannery O'Connor

      You must learn from the mistakes of others.
      You can't possibly live long enough to make them all yourself.
      — Sam Levenson
      [/CENTER]
      [/SIZE]
    • Am gefährlichsten finde ich die ideologisch-politischen Botschaften, die in diesen Pseudo-Dokus transportiert werden. Mir scheint, da wird bewusst das Bild einer 'Unterschicht' gezeichnet, die es in der Realität so kaum gibt - vermutlich, um die Zuschauer auf weitere Kürzungen der Sozialleistungen vorzubereiten und für ein zunehmend repressiveres Sozialsystem zu 'werben'.
    • Aber die putzige Narumol und ihr frommer Milchbauer sind die Wahrheit!

      Schon in den Achziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden auf der Messe Consumenta in Nürnberg Leute gecastet für "Herzblatt". Das die in einer Beziehung waren, war den Machern wurscht. Zwei Leute von uns aus dem Kaff haben da mitgemacht und die hatten den Anwerbern auch gesagt, das sie liiert wären.
      "There is no business like showbusiness..." :girlnick:
      [SIZE=1]-[SIZE=1]O-[/SIZE][/SIZE]
    • Das ist ja mal voll Rattenscharf....
      vor allem, weil ich das mit dem "Frauentausch" schon woanders hingepostet hab....
      Da wird mir eine Dame, die ich kenne (und beim TV arbeitet) wohl einiges erklären dürfen...
      Obwohl...ich kenne die Frau schon ein paar Jahren....und das, was ich mitbekommen hab, ist wirklich seriös....nur will DIESE Sendungen kein Schwein sehen.....Die wird teilweise nachts um halb eins noch angerufen, und muß morgens um sieben schon auf der Matte stehen...Und die reist sich wirklich ein Bein aus, um die Sendung glaubhaft darzustellen-----aber es geht halt unter in "Frauentausch" und "Explosiv"---das ist doch das mit der Schrowange? naja, die kann ich eh nicht ab--eingebildete Ziege....gut aussehen tut sie, ja---aber der Rest....
      Ich kenne halt auch einen Fall mit der "Bild" aus dem Bekanntenkreis....wäre es nicht so schlimm, könnte man drüber lachen....
      Bin seit einiger Zeit sehr wachsam geworden.....und glaub nicht alles, nur weil es in der Zeitung steht....
    • Problematisch finde ich auch, wenn die Grenzen zwischen solchem Trash-TV und vermeintlich seriösen Formaten verschwimmen. "Deutschlands faulster Arbeitsloser" Arno Dübel, der schon in etlichen Soaps und Billig-Talkshows zu sehen war (unter anderem feierte er das 30jährige Jubiläum seiner Arbeitslosigkeit mit Geburtstagtorte), trat kürzlich als ernsthafter Diskutant bei Sandra Maischberger auf.

      Inwieweit seine Darstellung bei RTL & co. der Realität entspricht, kam überhaupt nicht zur Sprache. Im Gegenteil, es wurde noch der Chef der Arge Hamburg eingeblendet und die "Echtheit" der Situation implizit bestätigt. Da hätte ich von Maischberger mehr erwartet.
    • Danke für den Link. Mit den TV-Arbeitslosen ist es halt wie mit den TV-Dicken. Wenn überhaupt, lebt nur ein sehr, sehr geringer Prozentsatz so, wie in den einschlägigen Sendungen vorgeführt. Bei dem ganzen handelt es sich um Propaganda. Und man ahnt, zu welchen Zwecken ...
    • ... in der durch das Gerichtsurteil Hartz IV betreffenden Diskussion, habe ich gelesen, dass 90% der unter 56-jährigen Hartz IV-Empfänger sich arbeitswillig zeigen. Leider finde ich den Link nicht mehr.

      Es wird immer Arno Dübels in dieser Welt geben, ja. Aber ich bin auch fest davon überzeugt, dass die in der Minderheit sind. Ganz egal, ob die Zahl 90 stimmt oder nicht.
      [Body] Shaming doesn’t make people thin, or healthy. It just makes them hurt.
      [SIZE=1](Miss Rosie, Blogger)[/SIZE]
    • Bei der ganzen Diskussion um Hartz4-Missbraucher redet keiner von den tausenden, die eigentlich Anrecht auf "Stütze" hätten, aber aus Scham oder Stolz darauf verzichten.
      Die Westerwelles dieser Nation und alle, die ins gleiche Horn blasen, scheinen noch nicht in der Realität angekommen zu sein. Entweder leben sie selbst in "dekadentem anstrengungslosen Wohlstand", oder sie sind seit langem Rentner und erinnern sich nur an Zeiten, in denen es tatsächlich noch Arbeit für jeden gab, der welche suchte.
      In den heutigen Zeiten muss selbst ein Facharbeiter oder Ingenieur damit rechnen, nach dem befristeten Job erst mal arbeitslos zu werden. Und das Jahr bis Hartz4 ist schnell rum. Das wissen die Leute, nicht erst seit der Opel-Krise oder der Quelle-Pleite.

      Wenn im Mitarbeiterkreis einer tönt über die Arbeitslosen, die "faulen Stinker", denen man am liebsten möglichst erniedrigende Arbeiten zuweisen möchte (woher dieser Hass?!), sag ich immer: "Wenn es bei uns zu betriebsbedingten Entlassungen kommt, werde ich dafür sorgen, dass du ganz oben auf die Liste der zu Entlassenden kommst. Und jetzt überleg mal, ob du irgendwo noch einen Job kriegst..." Diejenigen, die so babbeln, sind meistens älter, schlecht qualifiziert, womöglich gesundheitlich angeschlagen, und dann werden die auf einmal ganz still.

      Westerwelle und Co. sollen mal ein Jahr von Hartz4 leben. Ob die das dann immer noch für Wohlstand halten?
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      (woher dieser Hass?!)


      Ich glaube, in etlichen Fällen handelt es sich bei diesem Hass um sich selbst nicht eingestandene Angst. Viele distanzieren sich durch solche Bemerkungen von Hartz IV-Empfängern, um zu verdrängen, wie schnell sie selber eventuell dazu gehören könnten. Diese Haltung wird durch Politiker, Vertreter der Wirtschaft, Journalisten etc. gefördert, die Arbeitnehmer und Arbeitslose, Rentner und jungen Menschen, Elternpaare und Kinderlose etc. in perfider Weise gegeneinander aufhetzen und ausspielen, damit sich die Wut nicht "nach oben" richtet. Ich frage mich, wie lange das noch funktioniert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kimmie ()

    • Wir hatten heute gerade ein Gespräch. Auslöser war ein riesiges Polizeiaufgebot am Frankfurter Hauptbahnhof, das uns auf dem Weg zum Zug begegnete. Bewaffnet bis an die Zähne, Pistole, Schlagstock, kugelsichere Weste, Helm, die volle Montur. Ich fragte einen, "Heimspiel oder Auswärtsspiel"? Antwort: "Die Eintracht spielt in Hamburg. Da müssen wir hin".

      Und ich fragte mich, warum es soweit kommen musste (?), dass Fußballspiele nur noch durch solche Maßnahmen einigermaßen gewaltfrei gehalten werden können. Eigentlich sollte man doch dort hingehen und ... Spaß haben? Sich meinetwegen auch aufregen, freuen, ärgern ... aber doch nicht die Köpfe einschlagen.

      Was das mit dem Thread hier zu tun hat?

      Wir kamen nachher drauf, dass es immer nur sehr, sehr wenige Menschen sind ... ein ganz geringer, kleiner Prozentsatz ...

      - von Fußballfans, die gewalttätig sein wollen
      - von Muslimen, die gewaltbereite Islamisten sind
      - von Hartz IV-Empfängern, die nicht arbeiten und sich drücken wollen
      - von ... (Liste beliebig erweiterbar)

      Aber dieser kleine Prozentsatz steht ständig im Fokus der Medien, ist Zentrum der Berichterstattung und macht uns allen das Leben schwer. So oder so.

      Wie man das ändert, weiß ich auch nicht. Aber mir ist es selten so klar gewesen wie heute.
    • Jou. Es ist zum Weinen. Gutes und Schönes steigert eben nicht die Auflagen, erregt keine Aufmerksamkeit. Only bad news are good news.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      Gutes und Schönes steigert eben nicht die Auflagen, erregt keine Aufmerksamkeit. Only bad news are good news.


      Stimmt, das gehört zum Wesen der Medien. Trotzdem finde ich, dass die verallgemeinernde Diskriminierung von Minderheiten (Arbeitslose, Moslems, Migranten etc.) durch Politik und Presse deutlich zugenommen hat und vor allem gesellschaftlich akzeptierter geworden ist. Und das finde ich schon gruselig.
    • Borderliner-Gesellschaft

      Kimmie schrieb:

      Stimmt, das gehört zum Wesen der Medien. Trotzdem finde ich, dass die verallgemeinernde Diskriminierung von Minderheiten (Arbeitslose, Moslems, Migranten etc.) durch Politik und Presse deutlich zugenommen hat und vor allem gesellschaftlich akzeptierter geworden ist. Und das finde ich schon gruselig.

      Da muß ich Dir absolut zustimmen. Wenn ich alles vorstehende nur lese, da wird`s einem Übel.
      Ich denke da gerade, das die Gesellschaft so verwirrt ist und schon gar nichts mehr spürt, da verhält sich die ganze Nation wie ein bordeline Erkrankter. Die spüren sich auch nur noch, wenn sie sich selbst verletzen.
      Vielleicht gehen deswegen diese "Reality-Grusel-Shows" so gut.
      Und möglichst dicht dran mir der Kamera an den kotzenden Obdachlosen, die erfrorenen Beine zeigen, oder die Leidenden in Haiti,oder sonstwo bei irgendeiner Katastrophe.
      Da wird der müde Fernsehzuschauer wach. Das spürt man noch, das reizt.
      Da wird gierig durch die Programme gezappt.
      Und Herr Westerwelle hofft nun, auf dieser "Welle" zu reiten, mit den gruseligen Hartz IV - Römern, die dekadent sich im Bett sielen.
      Da sollen die anderen heftig nicken - jou, der hat recht, den wähle ich, der schruppt diese Seuche weg.
      Nebenbei gesagt ist der Irrsinn doch dabei, das Harzt IV wirklich das unterste ist, wo man als Familie nicht von leben kann. Da ist es doch ein gesellschaftliches Armutszeugnis, das dann arbeitende Menschen nicht mehr!! verdienen können, so müßte das dargestellt werden. da liegt doch das Übel.

      Ryana
    • Ryana schrieb:

      l.
      Ich denke da gerade, das die Gesellschaft so verwirrt ist und schon gar nichts mehr spürt, da verhält sich die ganze Nation wie ein bordeline Erkrankter. Die spüren sich auch nur noch, wenn sie sich selbst verletzen.

      Sorry, aber das ist Quatsch. Borderline bedeutet weder, dass man verwirrt ist und gar nichts mehr spürt, noch dass man sich selbst verletzt.
      Borderline ist eine sogenannte emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, deren Hauptmerkmal die -Achtung- emotionale Instabilität ist.

      Sowas zu schreiben ist genau so ein Abfertigen und Über-einen-Kamm-Scheren. Auf einer anderen Ebene, aber nicht viel besser.
      Und falsch.

      Sombra, empfindlich
      [Body] Shaming doesn’t make people thin, or healthy. It just makes them hurt.
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    • sombra_blanca schrieb:

      Sorry, aber das ist Quatsch. Borderline bedeutet weder, dass man verwirrt ist und gar nichts mehr spürt, noch dass man sich selbst verletzt.
      Borderline ist eine sogenannte emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, deren Hauptmerkmal die -Achtung- emotionale Instabilität ist.

      Sowas zu schreiben ist genau so ein Abfertigen und Über-einen-Kamm-Scheren. Auf einer anderen Ebene, aber nicht viel besser.
      Und falsch.

      Sombra, empfindlich

      Es ist kein "Quatsch".
      Erstens habe ich nicht gesagt, die Gesellschaft ist borderline erkrankt, sondern verhält sich nur in diesem Detail so.
      Es sollte als bildliche Sprache dargestellt sein.
      Zweitens habe ich auch nicht "abgefertigt" sondern lediglich gesagt, das es mir so vorkommt, als ob sie es wäre, das bedeutet, das es kein Urteil, sondern nur eine Empfindung ist, die noch vieles offen läßt.

      Solche Sendungen gibt es zuhauf, die Medien sind ein Bild der Gesellschaft, denn wenn das niemand sehen wollte, würde es auch nicht in dieser massiven Art gesendet.

      Ich wollte damit ausdrücken, das es zu einer Reizüberflutung gekommen ist,
      und nur noch so heftige Ausuferungen gespürt werden.
      Deswegen erinnerte es mich an "borderline", was ich im übrigen sehr wohl gut kenne, aus 20jähriger erlebter Praxis.

      Und "die Gesellschaft" ist ja ein System, und das dies so massiv passiert, ist nicht von der Hand zu weisen. Da gibt es ja noch viele andere Sendeformen, die auf dieser Welle reiten, wie die "Pannenshows", die Gerichtssendungen, Talk-Talk und noch vieles andere !

      Also, da stimmt vieles nicht, an dieser Gesellschaft, und es ist gut, wenn man darüber spricht, wie es hier und woanders Gott sei Dank auch geschieht.
      Dazu gehören auch mal m.E. aufmerksammachende Äußerungen, um darzustellen, wie heftig und problematisch sowas ist.

      Ryana