Diät- und Ernährungsstudien mit "Geschmäckle"

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    • Diät- und Ernährungsstudien mit "Geschmäckle"

      arte.tv/de/videos/052711-000-A/schlank-durch-schokolade/

      Ein Video über "wissenschaftlich belegte" Ernährungs-Studien und Diäten

      ich persönlich fand es teilweise ein wenig anstrengend zu schauen, weil öfter zwischen scharfer und unscharfer Bild-Auflösung gewechselt wird.

      Aber ich habe darin eine neue Lieblings-Diät gefunden - Vorsicht Ironie -
      "bei der Werwolf-Diät darf man nur nachts essen" ...
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • :D ich finde es teilweise schon fast lustig.

      In den 80ern aß meine Mitbewohnerin in der Lernphase vor Prüfungen nur Schokolade und trank Rotwein dazu - sie hat dann immer abgenommen. Wir hatten auch schon überlegt, die "Schokolade- Rotwein- Diät " zu vermarkten.......

      Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, klppt anfangs wohl alles.....
      dass die Schokoladenstudie Fake war, stimmte mich aber traurig.
      Ich hatte mir ausgemalt, dass läge daran, dass Leute , die auch Schokolade essen, sich was gönnen, ein niedrigeres Stressniveau haben

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, dann klappt es immer mit dem abnehmen ^^
      Bei Galileo kam jetzt eine Sendung mit einer Pizza- und einer Fast Fooddiät. Selbst das hatte geklappt mit Gewicht abnehmen.
      Allerdings reden wir da nicht über die Werte innerhalb des Körpers und auch nicht, wieviel Muskelmasse dabei hops geht :whistling:
    • Mortimer schrieb:

      Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, dann klappt es immer mit dem abnehmen
      fragt sich halt nur: wie lang?

      Lisa sagt es schon: es klappt "anfangs".


      Lisa Cortez schrieb:

      ich finde es teilweise schon fast lustig.
      ich find's auch lustig/komisch.
      aber ich finde es auch traurig, daß "die Öffentlichkeit" so bewußt verdummt und veräppelt wird.
      Weil die Forscher selbst unter Veröffentlichungs-Druck stehen, weil fette finanzielle Interessen dahinter stehen, und weil man weiß, daß Viele inzwischen so verzweifelt sind, daß sie jeden Strohhalm ausprobieren.

      Ich stimme Dir zu, Lisa - Vorsicht Ironie - ich find's auch schade, daß die Schoko-Diät nun nicht die Lösung ist. Und die Werwolf-Diät bringt's auch nicht. Wahrscheinlich ist sie so gemeint, daß man nur essen darf, wenn der Vollmond auf den Teller scheint ...

      Aber - zurück zu ernsthaft - Sachen wie die Studie über die Schoko-Diät machen mich auch wütend, weil sie dicke Menschen in der öffentlichen Meinung noch mehr nach hinten drücken. So nach dem Motto - na siehst du, sogar Schokolade macht dünn, die müssen wirklich von Grund auf zu dumm sein, ihre Ernährung richtig zu gestalten ...

      Ich weiß, ich sollte mich darüber nicht aufregen. Von einem anderen Standpunkt betrachtet, sind solche Studien und Diäten wohl einfach nur merkurisch - aus der Energie Merkurs heraus verfaßt und veröffentlicht.
      Merkur war unter anderem auch der Gott des einträglichen Handels, der einträglichen Geschäfte - und er war unter anderem der Gott der Lügner und Diebe.

      "Die Welt will betrogen sein, darum sei sie betrogen", sagt das Sprichwort, und Goethe schrieb: "Darf man das Volk betrügen - ich sage nein! Doch willst du sie belügen, so mach' es nur nicht fein."

      Ich weiß aus eigener Erfahrung, welch mühsames Geschäft es ist, für sich selbst herauszufinden, wie der eigene Körper tickt, was einem gut tut, wie viel Bewegung und welches Essen für einen persönlich am besten funktioniert ... - aber genau da geht der Weg lang - imho.
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Mortimer schrieb:

      Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, dann klappt es immer mit dem abnehmen
      Eine recht veraltete und völlig überholte These, die sich bei ewig Gestrigen trotz Paradigmawechsel immer noch hartnäckig hält.
      Seit der Studie von Professor Peters wissen wir, dass sich "The Selfish Brain" ganz abseits von Kalorien oder Defiziten auswirkt.
    • Sahnestueck schrieb:

      Eine recht veraltete und völlig überholte These, die sich bei ewig Gestrigen trotz Paradigmawechsel immer noch hartnäckig hält.
      Seit der Studie von Professor Peters wissen wir, dass sich "The Selfish Brain" ganz abseits von Kalorien oder Defiziten auswirkt.
      Na ja.... irgendwie nimmt man schon ab, wenn man nichts mehr zu essen bekommt , sonst wäre man ja ein Übermensch .
      Nur - sobald wieder etwas gegessen wird, nehmen die Leute wieder zu , und zwar um so heftiger, je länger ihre Diätkarriere angedauert hat.
      Ich selbst war magersüchtig und bin seit 10 Jahren nun im anderen Extrem , und ich merke, dass mein Grundumsatz einfach recht niedrig geworden ist.

      Wenn Mortimer jung und männlich ist , kann sein, dass er eh schon einen hohen Kalorienbedarf hat,

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Sahnestueck schrieb:

      @Lisa: Kennst du die Studie und weißt worum es darin geht?
      Ja, ich kenne diese Studie schon seit längerem.

      Ich bezog mich auf eine ungewollte Hungersituation, eventuell nach einem Flugzeugabsturz oder einer Katastrophe / in einem Krieg , und meinte, das ist klar, dass in einer solchen Situation jeder abnimmt
      (interessant ist, das nicht jeder gleich viel )

      Gruß Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Wenn du sie kennst, dann wundere ich mich über dies:

      Lisa Cortez schrieb:

      irgendwie nimmt man schon ab, wenn man nichts mehr zu essen bekommt
      Es geht ja Mortimer wahrscheinlich nicht um ein zweites Philadelphia-Hunger-Experiment in extremo. Ich denke, das hat er wohl nicht wirklich gemeint.

      Und an dieser Stelle

      Mortimer schrieb:

      Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, dann klappt es immer mit dem abnehmen
      wird nur mal wieder das alte Klischée bemüht.

      Was er dabei vergessen hat: Wie lange lässt "The Selfish Brain" denn ein Defizit zu. Und an dieser Stelle kommen wir endlich mal an das "WARUM".
    • Vielleicht ist für Mortimer ja der Artikel dieses Threads interessant, in dem es ausführlich unter anderm um die typischen Klischées geht. Link zur deutschen Version ist auch im Thread.
      Viele Grüße

      Andrea - Seepferdchen-Admin


      ###############
      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz
    • Sahnestueck schrieb:

      Mortimer schrieb:

      Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, dann klappt es immer mit dem abnehmen
      Eine recht veraltete und völlig überholte These, die sich bei ewig Gestrigen trotz Paradigmawechsel immer noch hartnäckig hält.Seit der Studie von Professor Peters wissen wir, dass sich "The Selfish Brain" ganz abseits von Kalorien oder Defiziten auswirkt.
      Hallo Sahnestueck,

      also wenn Du schon so auf provokant intelligent machst, dann doch bitte richtig.
      The selfish Brain widerlegt in keinster Weise die Aussage, dass man mit weniger Kalorien auch abnimmt.
      Bei the selfish Brain geht es um eine Unterbrechung, einen Fehler in der Übertragung zwischen Gehirn und dem Rest.
      Vielleicht hätte ich es etwas genauer sagen sollen, dass man mit dem RICHTIGEN Kaloriendefizit abnimmt, aber deswegen ist das keine überholt These und es gab dazu auch keinen Paradigmenwechsel. Wir haben hier zwei unterschiedliche Ausgangsvorausetzungen: einmal mit gesunder "Lieferkette" und einmal mit "kaputter". Das ist wieder das berühmte Äpfel mit Birnen vergleichen.

      Danke fürs Gespräch!
    • sunny73 schrieb:

      Vielleicht ist für Mortimer ja der Artikel dieses Threads interessant, in dem es ausführlich unter anderm um die typischen Klischées geht. Link zur deutschen Version ist auch im Thread.
      Hallo Sunny,

      meintest Du den Post in der Huffington Post?
      Wenn ja, vielen lieben Dank für den Link, er war sehr gut und ich teile die Meinung daraus.
      Ehrlich gesagt, möchte ich jetzt noch lieber mit dicken Menschen zusammenarbeiten :D
      Da ich eh schon mehr in die Motivattions- und Selbstbewusstseinsrichtung gehe und erst an zweiter Stelle Sport und abnehmen, passt das auch in meine Gedanken.
      Und ja, es stimmt, Diäten funktionieren niemals :whistling:
    • Mortimer schrieb:

      Sahnestueck schrieb:

      Mortimer schrieb:

      Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, dann klappt es immer mit dem abnehmen
      Eine recht veraltete und völlig überholte These, die sich bei ewig Gestrigen trotz Paradigmawechsel immer noch hartnäckig hält.Seit der Studie von Professor Peters wissen wir, dass sich "The Selfish Brain" ganz abseits von Kalorien oder Defiziten auswirkt.
      Hallo Sahnestueck,
      also wenn Du schon so auf provokant intelligent machst, dann doch bitte richtig.
      The selfish Brain widerlegt in keinster Weise die Aussage, dass man mit weniger Kalorien auch abnimmt.
      Bei the selfish Brain geht es um eine Unterbrechung, einen Fehler in der Übertragung zwischen Gehirn und dem Rest.
      Vielleicht hätte ich es etwas genauer sagen sollen, dass man mit dem RICHTIGEN Kaloriendefizit abnimmt, aber deswegen ist das keine überholt These und es gab dazu auch keinen Paradigmenwechsel. Wir haben hier zwei unterschiedliche Ausgangsvorausetzungen: einmal mit gesunder "Lieferkette" und einmal mit "kaputter". Das ist wieder das berühmte Äpfel mit Birnen vergleichen.

      Danke fürs Gespräch!
      Erklär mir mal ein RICHTIGES Kaloriendefizit bei "kaputter" Lieferkette, bitte.
      Ich bin eine Signatur
    • Mortimer schrieb:

      Bei the selfish Brain geht es um eine Unterbrechung, einen Fehler in der Übertragung zwischen Gehirn und dem Rest.
      Lieber Mortimer, Du mußt schon entschuldigen - aber da muß ich mal ganz direkt widersprechen: NEIN, es geht NICHT um einen "Fehler".

      Es geht um eine, mögliche, kreative Strategie der autonomen Lebenskräfte und der autonomen Regulation der Drüsen, mit einer Situation klar zu kommen, die "so" in den Archiven Des LEBENS nicht vorgesehen ist.

      Es ist nämlich NICHT vorgesehen, dauernd in einem Kriegs-Modus zu leben, niemals Sicherheit zu haben, ständig damit rechnen zu müssen, die Lebensgrundlagen - Arbeit, Einkommen - verlieren zu können ...
      So was kann alles MAL passieren, aber kein lebenslanger Zustand sein.

      Und sich für die prekäre, schutzlose Situation, in der man dann lebt, auch noch schämen und sich nach links und rechts rechtfertigen und entschuldigen zu müssen.

      Die Lebenskräfte versuchen nun im Sinn der Evolution, Strategien zu finden, mit solchen, "so" nie dagewesenen Situationen umzugehen.
      Eine Strategie, die sie dabei offenbar ausprobieren ist: den Stresslevel hormonell etwas herunterzufahren, indem sie das Zusammenspiel der Drüsen und des Gehirns verändern.

      Das ist KEIN "Fehler".
      Wer zu der Gruppe gehört, die bei Dauerstress dick wird, hat KEINEN "Fehler" und auch keine "Unterbrechung" im Gehirn.

      Es ist, wie Susie Orbach schon vor vielen Jahren schrieb - damals wußte noch niemand was von selfish brain - "dick sein ist ein Versuch, mit äußerst ungünstigen Umständen zurecht zu kommen. dick werden kann ein Versuch sein, sich an äußerst unbefriedigende äußere Umstände anzupassen".

      Daß diese Entscheidung, mit den unerträglichen Umständen umzugehen, nicht bewußt oder halb-bewußt vom Individuum gefällt wird, sondern von den autonomen Lebenskräften "selbsttätig" in Gang gesetzt wird - nur das hat die Selfish Brain Forschung bewiesen. Nur das.

      Liebe Grüße
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Issi ()

    • @'Issi'
      Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Bis auf............

      @'Mortimer'
      Nett gegoogelt?
      Mit dieser so "fehlerhaften" und "ungesunden" Lieferkette schafft es der echte Typ B die Cortisolkonzentration im Griff zu haben. Eine Strategie, die offensichtlich funktioniert.
      Survival of the Fittest. Und eben die Anpassung an heutige Zeit und entsprechenden Dauerstress.
      Und gerade das so vermeintlich "richtige Kaloriendefizit" trägt beim Typ B natürlich dazu bei, dass es stressig wird.

      Prof. Peters Lösungsansatz ist "Raus aus dem Haifischbecken". Und er sieht gerade viele seiner Kollegen und natürlich auch gerne diese typischen Ach-iss-einfach-mal-weniger-und-mach-mal-Sport-dann-wird-das-schon-wieder-Verfechter darin herumschwimmen.

      Vielleicht also doch besser Autogenes Training statt Kalorien zählen. Dann überlebt nicht nur Typ B sondern auch Typ A vielleicht den Herzinfarkt, wenn er sich über meine provokante Intelligenz aufregt.:-))

      Immer schön freundlich bleiben. Und gelassen...
    • Hallo Sahnestück,


      Sahnestueck schrieb:

      Es geht ja Mortimer wahrscheinlich nicht um ein zweites Philadelphia-Hunger-Experiment in extremo. Ich denke, das hat er wohl nicht wirklich gemeint.
      Ich interpretiere in Aussagen nichts hinein bzw ich habe mich nur auf diesen Satz bezogen:

      Mortimer schrieb:

      Wenn das Kaloriendefizit groß genug ist, dann klappt es immer mit dem abnehmen
      imho ist das inhaltlich richtig, ich weiß allerdings nicht, was Mortimer außerhalb des genauen Wortlautes gemeint haben könnte.

      Eine Sachfrage an Issi:


      Issi schrieb:

      Es geht um eine, mögliche, kreative Strategie der autonomen Lebenskräfte und der autonomen Regulation der Drüsen, mit einer Situation klar zu kommen, die "so" in den Archiven Des LEBENS nicht vorgesehen ist.

      Es ist nämlich NICHT vorgesehen, dauernd in einem Kriegs-Modus zu leben, niemals Sicherheit zu haben, ständig damit rechnen zu müssen, die Lebensgrundlagen - Arbeit, Einkommen - verlieren zu können ...
      So was kann alles MAL passieren, aber kein lebenslanger Zustand sein.

      Und sich für die prekäre, schutzlose Situation, in der man dann lebt, auch noch schämen und sich nach links und rechts rechtfertigen und entschuldigen zu müssen.

      Die Lebenskräfte versuchen nun im Sinn der Evolution, Strategien zu finden, mit solchen, "so" nie dagewesenen Situationen umzugehen.
      Eine Strategie, die sie dabei offenbar ausprobieren ist: den Stresslevel hormonell etwas herunterzufahren, indem sie das Zusammenspiel der Drüsen und des Gehirns verändern.

      Es ist ja jetzt so, dass es Menschen iin der Geschichte nie gut ging. Man konnte Sklave werden, überfallen, verschleppt, es gab den Dreißigjährigen Krieg und andere Kriege, es gab Missernten, ein einziger kalter Sommer konnte ein ganzes Dorf in Gefahr bringen usw. Sicherheit gab es nie in der menschlichen Geschichte,
      würde ich sagen . Die 50rt - 70er Jahre der alten BRD waren eher eine große Ausnahme.

      Daher ist meine Frage: WAs ist ANDERS an der heutigen UNSICHERHEIT? Was ist der Punkt, in der sie sich von prekären Lagen früherer Jahrhunderte unterscheidet?

      Ich dachte immer, dass selfish brain hat mit der Umwelt was zu tun, also konkret mit der Fülle von Chemikalien, mit der man in Berührung kommt - da gibt es eine änderung, wir kommen etwa mit 2000 Substanzen mehr in Kontakt als ein Mensch des 19. Jahrhunderts.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      WAs ist ANDERS an der heutigen UNSICHERHEIT? Was ist der Punkt, in der sie sich von prekären Lagen früherer Jahrhunderte unterscheidet?
      Liebe Lisa,
      das ist eine wichtige Frage - und vielleicht finden wir hier tatsächlich gemeinsam ein paar Punkte heraus, inwieweit sich frühere Unsicherheit von heutiger unterscheidet.

      Ich finde jetzt die Stelle in "Das egoistische Gehirn" nicht, sonst hätte ich ordentlich zitiert - eine Sache die auf jeden Fall anders sein dürfte ist:
      selbst wenn es in früheren Jahrhunderten extremen Stress gab, und selbst wenn jemand zu der "Zunehm"-Gruppe gehört hat - so dürfte es doch eher selten genug Nahrung gegeben haben, um den Mehrbedarf des Körpers bei Stress zu befriedigen.

      Weiß nicht, ob es aus früheren Jahrhunderten irgendwelche medizinischen Aufzeichnungen zu diesem Thema gibt - aber in der Literatur gibt es Beschreibungen, daß manche Sklaven auch früher ziemlich dick geworden sind, sobald sie Zugang zu genug Nahrungsmitteln hatten. Ich denke da jetzt gerade an die "dicken Haussklavinnen-Mammys" in den amerikanischen Südstaaten.
      Die hatten sicher nicht nur jeden Tag Sklaven-Stress, sondern ganz bestimmt auch ererbte Traumata von ihren Müttern, die in den Laderäumen der Schiffe gekommen waren.

      Wer nicht das "Glück" hatte, ins Haus genommen zu werden, sondern auf den Feldern schuften mußte, der hatte nicht den Zugang zu genügend Nahrungsmitteln, und konnte nicht dick werden, auch wenn der Körper das "verlangt" hätte. Ob daraus dann ein viel zu früher Tod resultierte - ? Ich kann es nicht sagen, könnte nur spekulieren.

      Heute haben wir in der Regel Zugang zu genügend Kalorien, um dem Gehirn die Energie zuführen zu können, nach der es "schreit". Bezogen jetzt auf die westlichen Länder bzw die Länder mit westlichem Lebensstil.
      Daß diese Energiezufuhr dann außerdem mit Toxinen, Glutamat, Plastikhormonen usw. daherkommt, macht die Sache sicher nicht besser - wir wissen ja, daß diese Stoffe zusätzlich und auf anderen Ebenen zur Störung der hormonellen Regelung führen können.

      Wenn Du mich persönlich fragst, so würde ich sagen, daß EIN Aspekt - zumindest gefühlt - sich deutlich von "früher" unterscheidet: daß nämlich viele Menschen mit ihrem Stress schrecklich allein sind - und oftmals ihren Stress nicht einmal wahrnehmen und deshalb auch nicht vor sich selber zugeben können.

      "Ich? Ich hab doch keinen Stress? Ich hab doch keinen Mann, der mich nervt? Ich geh ja noch nicht mal arbeiten?"
      Ja, aber genau das IST der psychosoziale Stress - allein, wenig Einkommen, keine Arbeit ...

      Es wäre vielleicht nicht exakt die richtige Denkrichtung, wenn wir uns überlegen - wie haben die Leute früher das geschafft, trotz lebensbedrohlicher Umstände trotzdem dünn zu bleiben. Und dann den Betroffenen das neuerdings verfügbare Essen wieder wegzunehmen. Damit von außen nicht sichtbar wird, daß ihr Körper mit "dick" auf Stress reagiert.

      Besser wäre - imho - zu erkennen, was psychosozialer Stress mit den Menschen macht - bis hinein in die körperliche Ebene - bis hinein in die Zellebene - und dann lieber den Stress zu reduzieren, anstatt das Essen zu reduzieren.

      Na ich weiß nicht ob das jetzt hilfreich war, liebe Lisa.
      Jedenfalls alles, was ich im Moment dazu beitragen könnte.

      Ganz liebe Grüße!
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Issi und Sahnestück,

      ich möchte hier keine Grundsatzdiskussion starten.
      Ich sehe das Ganze etwas anders, aber Jedem soll seine Meinung gegeben sein.
      Reduzier Deinen Stress, das gehört definitiv dazu, da gebe ich Dir absolut Recht, allerdings ist das "Dick sein" an sich doch auch ein Stressfaktor für Einige, oder?
      Und für die, die das weg haben möchten, mit denen möchte ich zusammen arbeiten. Dass dabei DEFINITV mehr nötig ist als nur Sport oder bischen Ernährung, ist mir klar.
      Ich habe selbst tausende Euro in Weiterentwicklung gesteckt, die absolut nichts mit Sport oder Ernährung zu tun haben.

      Lange Rede, kurzer Sinn. Reduzier den Stress, vergiss aber alles andere dabei nicht und verfall nicht in eine Opferhaltung, weil "ich kann ja nichts dafür, das macht alles mein Gehirn und das ist evolutionär".
      Aber das sind nur meine zwei Cent.
    • Mortimer schrieb:

      Ich sehe das Ganze etwas anders
      Nun ja.................Das könntest du dann sicher mit Prof. Peters mal bei Gelegenheit ausdiskutieren.
      Bestimmt ist er - und die weiteren 130 Ärzte deutschlandweit - überaus daran interessiert, deine geschätzte Expertenmeinung zu seiner Studie zu hören.

      Mortimer schrieb:

      Reduzier den Stress, vergiss aber alles andere dabei nicht
      Du hast es nicht verstanden.
      Raus aus dem Haifischbecken = kein Stress mehr = alles andere regelt sich von selbst, weil das Gehirn nicht mehr "Friss was" signalisiert.

      Mortimer schrieb:

      und verfall nicht in eine Opferhaltung,
      Oh, oh........................Böser, kleiner Hai. Dicken-bashing? Hier? Dein Ernst?
    • Hallo Issi,


      Issi schrieb:

      aber in der Literatur gibt es Beschreibungen, daß manche Sklaven auch früher ziemlich dick geworden sind, sobald sie Zugang zu genug Nahrungsmitteln hatten. Ich denke da jetzt gerade an die "dicken Haussklavinnen-Mammys" in den amerikanischen Südstaaten.
      Die hatten sicher nicht nur jeden Tag Sklaven-Stress, sondern ganz bestimmt auch ererbte Traumata von ihren Müttern, die in den Laderäumen der Schiffe gekommen waren.

      ich weiß jetzt auch aus Südamerika, dass es ganze Bevölkerungsgruppen gibt, die ganz oft fettleibig und diabetisch werden, wenn sie in die stadt ziehen, also viele schwarzer und indigener Abstammung .
      und das bringt mich auf einen neuen Gedanken,
      der "neue " Stress, der schädliche Stress,
      kann der eventuell mit ENTWURZELUNG zu tun haben?


      Issi schrieb:

      Wenn Du mich persönlich fragst, so würde ich sagen, daß EIN Aspekt - zumindest gefühlt - sich deutlich von "früher" unterscheidet: daß nämlich viele Menschen mit ihrem Stress schrecklich allein sind - und oftmals ihren Stress nicht einmal wahrnehmen und deshalb auch nicht vor sich selber zugeben können.
      Genau , das Herausgerissensein aus kulturellem Kontext , einsam sein, keine Wurzeln mehr haben.
      Und dazu braucht man gar keine Fluchtbiographie ) obwohl sehr viele Deutsche die auch haben ),
      aber wir haben doch total unsere Wurzeln und Traditionen vergessen. Du kennst dich mit Mythen aus, du weißt was ich meine .

      Wolf -Dieter Storl beschreibt in seinem Buch "Ich bin ein Teil des Waldes" einen indianischen Schamanen, der sich darüber wundert, wie viele Europäer ihr Heil in indianischer, asiatischer Lehre suchen.
      Herr Storl sagt ihm, dass in Europa diese Dinge eben nicht mehr existieren, und der Indianer sagtsinngemäß: Aber die Berge, die Bäume, die Tiere , die sind doch noch hier. Ihr habt es nur vergessen."

      Wir sind nicht nur physisch, wir sind auch spirituell ziemlich einsam. Die Arbeit, der nächste Urlaub, das nächste Auto, Amazon und Co....das füllt uns nicht.


      Issi schrieb:

      Es wäre vielleicht nicht exakt die richtige Denkrichtung, wenn wir uns überlegen - wie haben die Leute früher das geschafft, trotz lebensbedrohlicher Umstände trotzdem dünn zu bleiben. Und dann den Betroffenen das neuerdings verfügbare Essen wieder wegzunehmen. Damit von außen nicht sichtbar wird, daß ihr Körper mit "dick" auf Stress reagiert.
      Nein, das hatte ich auf keinen Fall gedacht. Sondern : Verglichen mit den letzten 2- 3000 Jahren geht es uns gut. Jeder für uns führt materiell ein besseres Leben als ein mittelalterlicher Kaiser oder gar ein römischer Cäsar. Warum sind wir TROTZDEM so gestresst?

      Nicht Essen wegnehmen, sondern Stress wegnehmen, da bin ich ganz bei dir.


      Issi schrieb:

      Na ich weiß nicht ob das jetzt hilfreich war, liebe Lisa.
      Ich empfinde dich immer als hilfreich. :)

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      der "neue " Stress, der schädliche Stress,
      kann der eventuell mit ENTWURZELUNG zu tun haben?
      das könnte wohl möglich sein.
      Entwurzelung, kultureller Identitätsverlust weil die alten Traditionen gegen das neue Leben getauscht werden, verloren gehendes Selbstwertbewusstsein, in der Masse untergehen, die Familie nicht mehr als Rückhalt haben ... da spielt vieles mit hinein.

      Ich denke mal, daß wir in den nächsten Jahrzehnten lernen werden, daß diese "ungreifbaren" nicht materiellen Kräfte sich auf den Körper auswirken - und für den Menschen so essenziell sind wie manche Vitamine oder Aminosäuren.
      Wer hätte z.B. vor 50 Jahren gedacht, daß sich ein Gefühl der Unsicherheit in den Hormonen niederschlagen würde.

      Wäre überhaupt nicht überrascht zu erfahren, daß "Entwurzelung" auf so was Exotisches wie vielleicht die Darmflora wirkt - oder auf ein sonstiges System im Körper ???


      Lisa Cortez schrieb:

      Wir sind nicht nur physisch, wir sind auch spirituell ziemlich einsam. Die Arbeit, der nächste Urlaub, das nächste Auto, Amazon und Co....das füllt uns nicht.
      das mit der spirituellen Einsamkeit sehe ich genau so - und finde ich immer noch seltsam, weil es inzwischen so viele "Gruppen" und "Richtungen" gibt.

      aber die scheinen uns sich alle nicht wirklich zu füllen, sonst würden nicht so viele Leute sich immer weiter hergeholten Lehren zuwenden - buchstäblich, geographisch von weiter her geholt.

      Und weil wir so ausgehungert sind, und uns nicht die Zeit nehmen, die die Dinge brauchen, greifen wir nach spirituellen Fast Food und warten auf die Instant-Erleuchtung. Da müssen sich dann "Ergebnisse" oder "Erfolge" einstellen -

      und all die Richtungen, die so spirituell daherkommen, uns aber nur mehr Erfolg und Reichtum im gegenwärtigen "Real"-Kontext versprechen ...

      Aber das ist jetzt alles off topic und ein anderes Thema.


      Lisa Cortez schrieb:

      Nein, das hatte ich auf keinen Fall gedacht. Sondern : Verglichen mit den letzten 2- 3000 Jahren geht es uns gut. Jeder für uns führt materiell ein besseres Leben als ein mittelalterlicher Kaiser oder gar ein römischer Cäsar. Warum sind wir TROTZDEM so gestresst?
      Ja ich hab mich auch missverständlich ausgedrückt. Hatte es nicht so verstanden, daß Du das denkst. Wollte mehr ein allgemeines Statement machen.

      Ganz liebe Grüße an Dich, Lisa!

      ________

      Werde jetzt gerne noch was zu dem Wort von Mortimer sagen

      Mortimer schrieb:

      verfall nicht in eine Opferhaltung, weil "ich kann ja nichts dafür, das macht alles mein Gehirn und das ist evolutionär".

      dieser Begriff von der Opferhaltung wird heute ja gerne und oft verwendet - insbesondere von Leuten, die Betroffenen jedweder Situationen Ratschläge geben müssen oder wollen.

      Ich habe herausgefunden, daß es kaum je hilfreich ist, jemand aufzufordern, aus der Opferhaltung oder aus der Opferrolle herauszukommen. Da ist ein versteckter Vorwurf drin, und ich hab immer gemerkt, daß Leute - andere und auch ich selbst - bei dem Gefühl, etwas vorgeworfen zu bekommen, die Rollläden runtermachen. Dann hast du den Zugang zu ihnen verloren.

      Dann können sie vielleicht gute Ideen und Vorschläge gar nicht mehr annehmen, weil sie im Rahmen eines Vorwurfs daherkommen, und weil dann auch das Gute nicht mehr zu ihnen durchdringt durch den Rolladen.

      Mir ist im Lauf meiner jetzt doch schon reichlich vielen Jahre klar geworden, daß Argumente wie "Opferhaltung" nur einer einzigen Sache dienen: daß nämlich echtes Leid abgewehrt wird, und daß man nicht mehr ergebnisoffen, auch nicht mehr in einer Haltung des etwas-dazulernens mit den Betroffenen reden kann.

      Vielleicht weil man sich scheut anzuerkennen, daß immer klarer wird, daß vieles eben NICHT am Einzelnen liegt, sondern tatsächlich am Umfeld, an den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten, in denen jemand lebt.
      DA müßten wir etwas ändern, statt immer dem Einzelnen zu predigen: bessere dich, streng dich an, optimiere dich ... komm raus aus der Opferhaltung.

      Tatsache ist doch, daß bisher noch keiner "Die" Lösung für das Dick gefunden hat.
      Du bist nicht der erste, der an Bewegung und Essensmodifikation glaubt, lieber Mortimer.
      Wir hier im Forum versuchen etwas über das Dick zu verstehen. Schau mal in den Thread "100 Gründe für Übergewicht". Wir tragen hier unsere Erfahrungen und unser bißchen Wissen zusammen.

      Kein Grund uns durch die Opferblume anzudeuten, wir sollen mal aus der Schmollecke rauskommen, reumütig "mea culpa" sagen und den Hintern bewegen ...
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • @ sahnestück: ja so ist es, raus aus dem Haifischbecken! Das ist eine der besten Ideen/Theorien der letzten Jahre, bezogen auf das Dicksein.

      Lisa Cortez schrieb:

      Daher ist meine Frage: WAs ist ANDERS an der heutigen UNSICHERHEIT? Was ist der Punkt, in der sie sich von prekären Lagen früherer Jahrhunderte unterscheidet?
      ...gute Frage, Lisa, und tolle, differenzierte Antworten von Issi, danke schön an dieser Stelle! Ich hätte es auch nicht besser formulieren können.

      Meine 2 Cents: Viele Menschen leiden unter einer Verarmungsangst. Real geht es ihnen gar nicht wirklich schlecht, aber sie befürchten, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage verändern und sie im Zuge dessen verarmen könnten. Leider führt diese Ängstlichkeit dazu, dass sie weniger konsumfreudig sind, geiziger, weniger fair, weniger empathisch und andere Menschen aus eigener Ängstlichkeit viel mehr ausbeuten als z.B. noch vor zehn Jahren.... Als Freiberuflerin bekomme ich diese gesellschaftlichen Verwerfungen hautnah zu spüren. Aktuell leide ich unter den gierigen Gewerberaumvermietern der Stadt, die fast alle beschlossen haben, die Mieten innerhalb von wenigen Wochen in der gesamten Stadt um das Dreieinhalbfache zu erhöhen - völlig egal, ob andere ihre berufliche Existenz dadurch verlieren können..... Vielen Firmen wurde innerhalb von zwei Wochen gekündigt und da so viele gleichzeitig auf der Suche sind, wähnen sich die Gewerberaumvermieter im Schlaraffenland. Diese Vermieter machen tatsächlich fast ständig Urlaub, weil sie es "sich wert sind"... Klar gönne ich jedem einen tollen Urlaub, aber das geht deutlich zu weit. Auch Vermieter-Selbstverständlichkeiten werden abgewälzt. Da muss man selber die Fenster restaurieren trotz horrender Mieten, Böden verlegen etc. Man bekommt Mietobjekte, im Zustand vor einer eigentlich vom Vermieter zu zahlenden Baugrund-Reinigung, die man dann selbst übernehmen soll.... Da kann man dann wochenlang mit Staubmaske arbeiten.

      Anderes Beispiel: Diplom-Grafiker und Diplom-Grafik-Designer. Es gibt viele Online-Plattformen, wo man sich schon ab 5 Euro Designleistungen kaufen kann. Das heißt nicht, dass diese qualitativ schlecht sind oder dass zwangsläufig immer Grafiker weltweit ausgebeutet werden.... Das gleiche Logo wird in Modifikation, die extra kostet, an verschiedene Läden weltweit verkauft... Vielleicht hat der Grafiker Glück und es lohnt sich für ihn....

      Leider gibt es aber Bestrebungen, dass auch Städte als Auftraggeber gerne bei Designenlassen.de Aufträge vergeben. Viele Grafiker arbeiten dann wochenlang umsonst (also ohne jedes Geld), einer bekommt den "Hauptgewinn", den Zuschlag. Das kann man sich als Normalbürger nicht vorstellen. Wer so wie ich, das Fach studiert hat, weiß, dass es ein hartes Studienfach ist mit schon einer hohen Einstiegshürde (Eignungsprüfung) und man wie jeder ein Recht haben sollte auf einigermaßen faire Arbeitsbedingungen.....Die Geiz-ist-geil-Auftraggeber verschwenden gern die Lebens-und Arbeitszeit von Grafikern und denken sich wenig dabei. Mit anderen Berufsgruppen wäre das nicht im gleichen Maß möglich, weil es im Grafik-Markt eben diese strukturellen Verwerfungen gibt. Genauso wie im Schulbereich, wo es Honorardozenten gibt, die zum Elternsprechtag kein Honorar erhalten und im Krankheitsfall keine Lohnfortzahlung, von bezahlten Sommerferien gar keine Rede....Trotzdem liebt man auch als Honorardozent seinen Job.... Fair wäre natürlich mehr soziale Sicherheit und das man selbst entscheiden darf, ob man freiberuflich arbeiten möchte oder nicht. In vielen Branchen wird man nur noch als Freier [Ironie an] neu "angestellt" [Ironie aus]. Das liegt nicht an einzelnen Auftraggebern, sondern am System an sich.

      In den 70ern, selbst in den 90ern gab es noch nicht so viele unfreiwillige Freiberufler. Da ging die Gleichung für viele auf: toller Studienabschluss = toller Job = gutes Geld.

      Heute ist es leider schon öfters so: toller Studienabschluss = toller Job = wenig Geld.

      Ich wohne in einer Stadt im Osten, wo es einen der größten zusammenhängenden Niedriglohnsektoren Deutschlands gibt mit einem immensen Heer von jobbenden Akademikern, dem heimlich traurigen Akademiker-Prekariat. Und alle tun so, als ob sie noch Geld hätten....Hier kriegt man alles und alle für 9 Euro pro Stunde, Anglisten etc. völlig egal.

      Wenn alle wegzögen, wäre die Stadt um ein gefühltes Fünftel leerer... Das ist nicht die Lösung.

      Die Lösung wäre, dass die Geiz-ist-geil-Mentalität aufhören sollte, nein: muss.

      Das wäre in jeder Hinsicht besser.
      Auch für Cafés, für Bioläden, kleine ambitionierte Läden wie Radgeschäfte, also für alles, was die Welt besser macht. Auch für Reinigungsfirmen. Der Kampf um den billigsten Quadratmeter würde dann nicht mehr auf dem Rücken der Reinigungskräfte und der Umwelt ausgefochten.

      Lösung Teil 2:

      Auftraggeber müssen an den Sozialleistungen für Selbständige beteiligt werden.
      Es sollte Mindesthonorare geben als Äquivalent zum Mindestlohn.
      In der Schulbranche sollten alle Lehrer entscheiden dürfen, ob sie angestellt sein wollen oder selbständig.

      Lösung Teil 3:

      Zeitarbeitsfirmen sollten ethischer arbeiten.

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      Wir sind in einem Zeitalter der modernen Sklavenhaltung angelangt, allein die Clickworker..... von Textilarbeitern in anderen Ländern ganz zu schweigen....

      Ich trage gern und stolz Dinge aus dem Second hand Laden, klar kaufe ich auch mal was Neues ein, aber wenn ich etwas gutes im Second hand finde, ist das noch besser: niemand wird ausgebeutet, auch nicht die Umwelt. Und Kleider, die man dort kauft, halten oft viel, viel länger.....die Stoffe sind hochwertiger, die Schnitte individueller....
      Leider bin ich jetzt zu dick, um immer etwas Schönes zu finden.... Leute, die Kleidergröße 36-38 tragen, haben eine himmlische Auswahl. Nur warum ist es bei vielen immer noch verpönt, Gebrauchtes zu kaufen? Eigentlich gehört man damit zu den Vorreitern, die klimafreundlich agieren.

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      Der Hauptunterschied zu früher: vielen geht es gut. Vielen Menschen konnte Verdi helfen. Als zwanzigjähriges Verdimitglied konnte ich mit meinen Beiträgen allen helfen: Busfahrern, Krankenschwestern, Erziehern etc... Nur die Freiberufler bleiben außen vor. Es gibt eben auch zu wenige bei Verdi.

      Im Klartext heißt dies: in einem wirklich reichen Land geht es einem Teil der sehr gut ausgebildeten Menschen finanziell recht mau. Und das völlig unverschuldet. Das sind strukturelle Probleme, vorrangig aus der Geiz-ist-geil-Mentalität entstanden.

      Die sollte man nicht individualisieren.
      Da trifft keinen eine persönliche Schuld.

      Von einer Opferhaltung halte ich selbst wenig, weil ich eine Macherin bin.

      Aber wenn selbst Top-Ausbildung/Promotion nicht vor Verarmung schützen, was dann....

      Ich sehe auch bei anderen: man entwickelt sich immer weiter, bildet sich ständig - auf eigene Kosten !!! - weiter, macht eigentlich alles richtig, kann in 3, 4 Berufen excellent arbeiten: und doch reicht selbst das nicht mehr aus.

      Im Unibereich sollte man besser schlank, männlich, weiß und unter 40 sein, wenn man eine Professur erhalten möchte.

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      Das ist dann der reale Stress, der dick macht.

      Als mein Papa in den 70ern noch ein Zusatzstudium machte, das er übrigens nicht selbst finanzierte, wusste er: es lohnt sich. Und es lohnte sich tatsächlich sehr.

      Heute ist das leider nicht mehr so.

      Es fehlt einfach mittlerweile die Fairness, dass Leistung, Einsatz, finanzielle Aufwendungen, Studium, Fleiß, Können, Begabung, Loyalität, Mitdenken, ethisches Handeln, mitmenschliche Qualitäten, gute Zusammenarbeit belohnt wird. Selbst wenn man über Vitamin B verfügt, reicht das nicht in jedem Fall aus....

      Ich müsste gar nichts besser machen, "nur" jünger sein.... oder "super aussehen".....
      Neulich habe ich mal wieder von einer befreundeten Hochschulprofessorin gehört, dass es nur wenige gibt, denen sie so sehr eine Professur gönnen würde wie mir, aber ich würde wegen meines Gewichts im Fachbereich scheitern. Das würde sie nur ungern sagen, aber das wäre so.
      Als Lehrbeauftragte komme ich (an einer anderen Hochschule) noch gut voran, aber der Weg nach oben ist versperrt. Meistens ist mir das egal. Aber dann erwische ich einen Prof, wie er mir mit richtigem Abscheu auf Bauch und Po schaut....Dann fällt mir wieder ein: dass ich eben optisch nicht dazugehöre.

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      Schönheitswahn gab es auch früher. Aber früher konnten "weniger hübsche" Frauen trotzdem beruflich viel erreichen....
      Klar gibt es jetzt Bewegungen wie Adipositivity, die ich toll finde, es ist aber noch nicht überall, nicht in jeder Branche angekommen, dass dicke Menschen ebenfalls attraktiv sein können.
      Auch ältere Menschen werden im Berufsleben wenig geschätzt... mein Freund kann eine Bewerbung nach der anderen schreiben, Branche völlig egal...Die Gesellschaft ist eben viel zu sehr auf Aussehen und Alter fixiert, als ob das was mit der Stellenbeschreibung, mit Können, Kompetenz, Belastbarkeit und auch Aktualität zu tun hätte.... Als Frau Ü50 beherrsche ich viele Computerprogramme ziemlich gut, so dass ich sie zum Teil sogar unterrichte und trotzdem haftet an mir das Stigma des "Ältlichen"...Jüngere glauben oft nicht, dass ich das gleiche "drauf habe".... und gleichaltrige erst recht nicht....

      lg Goldi, sich immer wieder in Rage schreibend bei solchen Themen. tut mir leid wegen dem langen post....

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Goldkeks ()