Sind Dicke Menschen 2ter Klasse?

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    • Hm, unsere Gesellschaft ist nun mal von einem bestimmten Ideal geprägt, dass man als Dicker nicht erfüllt (als Dünner auch nicht)

      Der neue Fitness Lifestyle in den Medien suggeriert, dass man anders nicht mehr leben kann/soll.
      Auf der einen Seite Produkte und falsche Ernährung, die für Übergewicht sorgen und auf der anderen Seite dieser Fitnesswahn!
    • Ich möchte jetzt keinen Thread wiederbeleben, in dem schon länger nichts mehr erörtert wird aber diese Frage, ob dicke Menschen Menschen 2. Klasse sind ist nicht ganz unberechtigt. Natürlich liegt das auch an jedem selbst, wie er sich selbst vorkommt oder auch daran, ob nicht viele Wahrnehmungen subjektiv sind, weil man als Dicker vielleicht auch irgendwie erwartet dass man dumm angemacht wird oder dass einem Sprüche hinterhergerufen werden.

      Das fängt ja schon im Kindergarten an, dass dicke oder pummelige Kinder von den anderen gehänselt werden und eines kann man sagen, dass Kinder mitunter die brutalsten und direktesten Menschen sein können und nicht immer so "unschuldig" sind, wie sie durch ihre Kulleraugen scheinen. Kinder nehmen schon wahr, wenn eben jemand anders ist und wenn dann noch zu Hause über bestimmte Personengruppen einschl. Dicke negativ geredet wird, wird das Hetzen und das Hänseln gegenüber "Andersartigen" noch befördert.

      Aber im Alltagsleben hat man schon den Eindruck, dass übergewichtige oder adipöse Menschen keine Menschenwürde mehr hätten. Gehört man zu dieser Menschengruppe hat man sich allenfalls nur noch zu schämen und gesenkten Hauptes zu laufen. Und schließlich hört man ja auch in den Medien, welche Krankheiten durch Übergewicht ausgelöst werden können und wie wie sehr "Dicke die Krankenkassen belasten". Kommt man zum Arzt, sieht man schon im Wartezimmer, was die Leute denken, vor allem, wenn auch Ärzte in den Wartezimmern Stühle haben, auf denen man gerade so draufpasst. Und selbst, wenn man gar nicht wegen dem Gewicht beim Arzt ist, gibt es wahrscheinlich schon Ärzte, die jeden Sch...ß auf das Gewicht schieben ohne, dass dieses überhaupt untersucht wird oder überhaupt nicht der Fall ist (bei mir ist es noch erträglich, da mein Hauarzt dicker ist als ich es bin und er immer betont, dass alles, was er mir in Punkto Gewicht anempfiehlt er eigentlich auch selbst machen müsste ;) ; allerdings sind meine Blutwerte immer in Ordnung, kein Zucker und kein Cholesterin, ich hoffe, dass darf man erwähnen).

      Allerdings muss die Diffamierung oder Diskriminierung nicht mal offen passieren. Ich würde mal sagen, es passiert öfters latent und unterschwellig. In öffentlichen Verkehrsmittel will sich niemand neben einen setzen, auch nicht, wenn der Bus, die Strassenbahn oder Zug brechend voll ist oder wenn schon bös geschaut wird, wenn man mit einer Hinterbacke zu einem Viertel auf dem anderen Sitz sitzt oder man sich in die Lehnen reinpressen muss und den Sitznachbarn trotzdem berührt. Genauso in der Gaststätte, wenn man einen anderen Stuhl wünscht ohne Armlehnen und man aufpassen muss, dass man ein Essen bestellt, welches nicht reichlich portioniert ist. Den bösen Blick hat man immer.

      Weiter geht's mit dem Kleiderkauf. Gut, wenn man es noch in "normalen" Geschäften kaufen kann, die sich bis zu einem gewissen Grad noch auf Übergewichtige eingestellt haben, blöd, wenn nur noch Versandhandel oder Übergrößenläden gehen. Betritt mal einer wie ich die Kleiderabteilung, dann habe ich schon das Gefühl, dass das "Beratungspersonal" die Nase rümpft. Kann natürlich auch Einbildung sein, weil man vielleicht hypersensibilisiert ist. Oder kauft man sich mal eine Brezel, weil man vielleicht wirklich den ganzen Tag nichts gegessen hat, ist man wahrscheinlich schon der unmäßige und willenlose Fette, der sich nicht zurückhalten kann. Essen in der Öffentlichkeit scheint für manche in Bezug auf Dicke ein absolutes No Go zu sein.

      Ganz offen ist schon die Diskriminierung, wenn Urlaubs-Clubs keine Übergwichtigen wollen oder den Eintritt verwehren oder wenn es schon Strände gibt, die nur für Schlanke sind. Ich habe sogar schon mal eine Disco gesehen, wo Dicke kein Zutritt gehabt haben. Man stelle sich vor, man würde dies mit ethnischen Minderheiten so machen oder mit Menschen mit Behinderung. Da ging ein Empörungsruck durch die Gesellschaft. Aber bei Dicken kann man das ja machen, die sind ja die einzigen die für ihre "Misere" was können. Da darf man das.

      Und was man uns alles noch so nachsagt: wir würden ständig schwitzen oder gar stinken und sähen noch unästhetisch aus. Wir laufen nicht sondern walzen und Schuhen mit Schnürsenkel sind ein kaum bewältigbares Problem. Und alles was unter der Gürtellinie ist, können wir eh nur sehen, wenn wir in den Spiegel schauen oder einen drunterheben. Ausserdem sind wir dumm und faul und würden nix anderes kennen und können als zu essen.

      Da stimmt es schon, was zu Beginn des Threads geschrieben wurde: Jeder mit einem "Makel" wird bemitleidet (obwohl wir oder zumindest ich kein Mitleid brauche) oder wird gleich Hilfe angeboten, der faule Dicke ist selbst schuld und soll selbst sehen wie er klar kommt. Selbst ein Alkoholiker, der obendrein noch seine Kinder und Frau verprügelt und die Nachbarschaft tyrannisiert bekommt noch mehr Verständnis. Da würde sich doch auch noch Leute dafür einsetzen, so jemanden nicht als "versoffenes Schwein" zu bezeichnen, weil's doch ein armer kranker Mann ist.

      Aber es ist halt oft so: Wir scheinen wirklich unsere Menschenwürde verwirkt zu haben. Und ich glaube nicht, dass sich das bessert, da ja Dicksein keinem Ideal entspricht und es ständig in den Medien als Negativum dargestellt wird.

      Liebe Grüße!
    • Erst mal Chapo' vor Deinem State,

      denn da ist alles drin, was alle Nicht-Dicken mal lesen sollten.

      In Zwei Punkten möchte ich jedoch ein wenig dagegen halten:

      Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass Menschen - egal ob dick, dünn, weiß, schwarz oder was weiß ich, wenn sie selbstbewusst auftreten auch respektvoll behandelt werden - oder aber doch zumindest nicht abfällig.
      Die Menschen haben schon doch auch ein gutes Gespür dafür mit wem "man es machen kann" und mit wem nicht.

      Der zweite Punkt ist die "Grausamkeit"der Kinder.
      Ich würde das nicht Grausamkeit nennen. Sie sagen was sie denken, spontan und ohne große Überlegung. Und wenn jemand dick ist, sagen sie das. Aber nicht von sich aus abwertend, sondern als Feststellung. Abfällig werden ihre Worte erst, wenn sie sie über bestimmte Personen von Erwachsenen gehört haben.
      Beispiel wie es eigentlich bei Kindern läuft:
      Straßencafe, neben mir eine Frau mit einem Kind. Eine sehr dicke Frau läuft auf der anderen Straßenseite. Das Kind guckt mit großen Augen. Man sieht wie es denkt... und dann fragt es auch schon die Mutter, warum die Frau so dick ist. Und jetzt - Hut ab vor der Mutter, der ich dies hinterher auch spontan sagen musste - fragt die Mutter sinngemäß das Kind, ob denn Lilli (wohl die Freundin des Mädchens) genauso aussähe wie es selbst. Vehement verneint das Kind und sie zählt den für sie auffälligsten Unterschied auf: Lilli hat doch ganz lange Haare!!!
      Siehst Du, sagt die Mutter, wir sehen eben alle ganz unterschiedlich aus.

      Das reichte dem Kind völlig.

      Und so wird das Kind zukünftig über jede dicke Person denken. Sie sieht halt anders aus, so wie Lilli ja auch anders aussieht.

      Wenn ein Kind abfällige Worte von sich gibt, hat sie sie von Erwachsenen gehört.
      Schlimm genug.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Itsme schrieb:

      Erst mal Chapo' vor Deinem State,
      Vielen Dank! :)

      Itsme schrieb:

      Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass Menschen - egal ob dick, dünn,

      weiß, schwarz oder was weiß ich, wenn sie selbstbewusst auftreten auch
      respektvoll behandelt werden - oder aber doch zumindest nicht abfällig.
      Die Menschen haben schon doch auch ein gutes Gespür dafür mit wem "man es machen kann" und mit wem nicht.
      Das stimmt vollkommen. Bekommen die Leute Gegenwind, lässt auch das Mobben nach, jedenfalls sehr oft, nicht immer. Viele Leute erwarten ja von uns, dass wir gesenkten Hauptes und mit Schamesröte durch die Gegend laufen. Ich muss sagen, dass mein Gewicht eigentlich bei meinen Kollegen kein Thema ist. Im Geschäft weiß ja jeder wie der andere tickt und kennt den anderen. Da wird man nicht auf die Kilos reduziert. Das muss ich schon sagen. Natürlich wird mal ein Witz gemacht aber das läuft dann eher unter der Rubrik "jeder ist mal dran". Anders sieht es leider im näheren Verwandten- und Freundeskreis aus. Da kommt sofort oder im Laufe des Tages irgendwann das Thema Gewicht, "gesund leben" und Folgekrankheiten auf die Tagesordnung. Es wäre ja nicht so nervig und schlimm, wenn das nur 15 oder 30 Minuten ginge - man kann sich ja drüber unterhalten - und nicht fast schon stundenlang oder das dies alle Stunde wiederholt wird. Das läuft dann nicht unter Diskriminierung, das läuft dann unter dem Motto: "Wir meinen es ja nur gut". Ein Freund sagte mal zu mir, er wäre deshalb manchmal so ironisch-sarkastisch "um mich wach zu rütteln, sonst täte ich ja nix." Gut, Wachrüttler brauche ich aber nicht, die sind ja nicht betroffen, ich muss ja mit dem allem leben und weiß ja schon selbst, wo der Hase im Pfeffer liegt.

      Allerdings stelle ich fest, dass da beim Thema "Dick", "Krankenkassenbelastung" und "Abnehmen" auch im Bekannten- und Freundeskreis nicht jeder Übergewichtige gleich im Fokus steht. Ich habe gemerkt, dass dies bei den beruflich und finanziell "erfolgreicheren" übergewichtigen Bekannten eigentlich nicht so passiert sondern eher bei mir oder anderen, die eher durchschnittlich sind oder gar noch drunter. Dass heißt, dass der Herr Stadtrat Soundso und der Herr Prof. Dr. Soundso und der Herr Geschäftsführer Soundso z. B. dick sein dürfen aber der Beamte Norberdi und der Bauarbeiter XY oder der Hartz IV-Empfänger YZ dies nicht sein dürfen. Schon auffällig und sonderbar, mit welchen Maßstäben da gemessen wird.

      Gut. Natürlich betreibt man Mobbing vornehmlich mit denen, mit denen man es machen kann. Das gilt ja nicht nur für Übergewichtige. Es gibt Leute, die sind nun mal "typisches Opfer". Vielleicht fügen sich halt viele in ihr Schicksal weil sie es Leid sind z. B. 30 Jahre lang im Job dagegen anzukämpfen, wenn sie es denn so lange überhaupt aushalten.


      Itsme schrieb:

      Der zweite Punkt ist die "Grausamkeit"der Kinder.
      Also ich bleibe da etwas bei meiner Behauptung, dass Kinder durchaus sehr "herzlos" sein können. Habe ich schon selbst so beobachtet und habe es auch immer bei den Kindern meiner Nichte so rausgehört, wenn die mal so aus dem Kindergarten berichtet haben, was die und der mit dem und jenen so angestellt hätten und später auch, was dann so aus der Grundschule so berichtet wurde. Ausserdem habe ich ja diverse "Freundlichkeiten" am eigenen Leib verspürt als ich noch in Kindergarten und Grundschule war. Ich war ja auch ständigen Hänseleien ausgesetzt.

      Natürlich meine ich nicht die ganz Kleinen aber wenn schon so das Selbstbewusstsein entwickelt wird, ich glaube so ab 4 oder fünf Jahren und sich schon im Kindergarten Freundschaften oder sogar Cliquen bilden ist das schon so, dass da "Andersartige" gehänselt und gemobbt werden. Da wird dann der Ruhige oder der Dicke oft Opfer. Und natürlich greifen auch Kinder das auf, was sie zu Hause über Dicke, über Hartz IV-Empfänger, über Leute mit Migrationshintergrund oder über Odachlose so meist Abfälliges hören. Oder wenn Eltern schon schauen, dass ihre Kinder mit den Kindern von "Unliebsamen" nicht zusammenkommen. Wenn ein Kind mal direkt ist finde ich das ja nicht mal schlimm aber Mobbing aus einer Gruppe heraus können auch Kinder ganz gut. In meiner ganz alten Wohnung hat sich ja auch mal ein kleiner Junge bedankt, als ich ihm die Haustüre aufhob mit den Worten "Danke du fetter Mann". Hat mich für den ersten Ausgenblick schon getroffen, musste dann aber doch lachen. :( ;) 8)

      Grüße
    • Es hat sehr viel mit Selbstwertgefühl zu tun, wie man in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird bzw. die Öffentlichkeit wahrnimmt.

      Der/die eine geht selbstbewusst durch die Welt und schaut den Menschen ins Gesicht, zieht sich nicht graumäusig an und versteckt sich nicht. Der/die andere tut alles, um nur nicht aufzufallen, so wie der Strauss, der den Kopf in den Sand steckt und glaubt, niemand sieht ihn. Dazwischen gibt es natürlich jede Menge Abstufungen.

      Jede/r ist in erster Linie mal für sich selbst verantwortlich und sollte alles tun, um sein eigenes Wohlbefinden zu stärken - sei das in Bezug auf Kleidung, Wohnen, Essen oder Partnerschaft oder was auch immer. Wer sich selbst mag, der wird in der Regel auch von anderen positiv - oder ggf. zumindest nicht negativ - aufgenommen.

      Ja - ich weiss, das ist leichter gesagt als getan. Und ich glaube auch, dass nahezu jeder von uns Leuten mit mehr Figur schon einmal Situationen erlebt hat, die verstörend, verletzend, beleidigend waren. Nicht immer hat man dann eine passende Entgegnung.....

      Ich ertappe mich auch immer mal wieder dabei, dass ich Leute anschaue und denke "Muss der/die so rumlaufen?" Das kann dann auch mal jemand sein, der viel Speck auf den Rippen hat, den aber auch noch entweder regelrecht zur Schau stellt (zu enge Hosen, Miniröcke, extrem knappe Kleidung, rausblitzende Unterwäsche usw.) oder sich anscheinend gar keine Gedanken macht, wie er aussieht - Hauptsache man passt irgendwie in die Klamotten rein. Dabei gibt es inzwischen wirklich für jede/n passende Sachen - auch für kleines Geld.

      Ich habe auch schon bei Ärzten die Erfahrung gemacht, auf das Gewicht reduziert zu werden. Je nachdem, um was es ging, hat mich dieser Arzt dann entweder zum letzten Mal gesehen oder ich verbitte mir diese Art und weise darauf hin, dass mein Problem wohl nichts mit Gewicht zu tun hat.

      Wenn Kinder Bemerkungen machen, liegt das wirklich in der Regel daran, was sie in ihrem Umfeld "gelernt" haben. Kinder plappern viel nach und können noch nicht so differenzieren.

      Ich habe aber auch das Gefühl, in den letzten Jahren sind "die Dicken" zahlreicher geworden, besonders die extrem Dicken. Woran das liegt, vermag ich nicht zu sagen. Das Angebot an Nahrungsmitteln ist natürlich drastisch grösser geworden - die Qualität nicht unbedingt besser. Viele Menschen können gar nicht mehr richtig kochen oder haben einfach keine Lust, längere Zeit mit der Zubereitung einer Mahlzeit zuzubringen. Also wird ein Fertiggericht aufgewärmt, das vordergründig sogar noch billiger ist. "Früher" gab es Schokolade rippchenweise, es wurde nicht gleich die ganze Tafel verspeist - man wollte ja noch länger davon haben, denn es gab sie nicht so oft. Heute ist Schokolade (nur als Beispiel) überall und in beliebiger Menge zu kleinem Preis verfügbar.....

      Ja - ich bin mir absolut darüber im Klaren, dass man Plus-Size Menschen nicht auf das Essen reduzieren kann und darf - es gibt körperliche Fehlfunktionen, die das Abnehmen bzw. Gewicht halten schwer machen. Und es wird vorgegaukelt, mit einer OP sei es ja so einfach..... Ich kann mich daran erinnern, dass es noch nicht sehr lange her ist, dass man eine Magenverkleinerung usw. erst bei wirklich ganz extremem Übergewicht genehmigt bekam - und auch erst nachdem man seinen Abnehmwillen vorher "bewiesen" hatte (indem man mittels Nulldiäten usw. einige Kilos abgenommen hatte). Heute wird ja schon bei einem BMI ab 35 gerne mal eine OP empfohlen. Das entspricht bei mir z. B. der Kleidergrösse 52 - was im "Übergrössen"-Sektor fast schon Normalgrösse ist. Das finde ich sowas von abartig....

      Ich halte es für wichtig, dass das Thema "anders sein" immer wieder auf den Tisch kommt. Ich glaube, jeder von uns weiss selbst, dass Übergewicht nichts Erstrebenswertes. Wenn es aber mal da ist muss man sich entweder damit arrangieren oder versuchen, es wieder los zu werden - dazwischen gibt es wenig. Und das A und O ist es, sich selbst leiden zu können - ob mit oder ohne Pluspfunde.
    • Zu den Kindern:
      Habe in dem Buch " von Po Bronson und Ashley Merryman "10 schockierende Wahrheiten über Erziehung" eine interessante amerikanische Studie gefunden, in der es um Hautfarben ging. ( 3. Kapitel)
      - Fazit: Kinder nehmen Unterschiede durchaus wahr
      - Kinder haben die Tendenz, sich in gleichen Gruppen zu sammeln: Alter, Geschlecht, Hautfarbe - je unübersichtlicher die inklusive Schule, desto mehr.
      In jungem Alter fühlen sie sich von Kindern angezogen, die ihnen ähnlich sind.
      - Kinder bilden Kategorien - bekommen sie keine Anleitung, denken sie sich was aus.
      - Akzeptanz und Toleranz sind nicht angeboren. Kinder erwarten Anleitung der Erwachsenen , Klassifizierung und Einordnung.
      Dass die Kinder nachsprechen, was sie zuhause hören, ist weniger ein Problem. Ein Problem war es jedoch, wenn die Kinder spürten, dass sie NICHT über Hautfarben sprechen durften.

      Bestätigt, was ich schon immer geglaubt habe: Der Mensch - auch Kinder - ist nicht von Natur aus emphatisch - er ist zur Empathie fähig. Akzeptanz und Toleranz sind nicht angeboren, sondern zivilisatorische Leistungen.

      Norberdi , das "Danke du fetter Mann" war vermutlich kein Versuch, dich zu mobben, sondern dich zu klassifizieren/ einzuordnen.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Tanzbaerin schreibt:

      "Ich halte es für wichtig, dass das Thema "anders sein" immer wieder auf den Tisch kommt."

      Ich halte das ebenfalls für fast mit das Wichtigste, denn wenn das schon in den Köpfen junger Menschen wäre, würde so manch eine Person nicht an sich " herum diäten" und würde somit nicht in den Teufels-Kreislauf von Abnahme - mehr Zunahme geraten.

      Würde einfach akzeptiert, dass wir alle unterschiedlich sind, würde man auch die Gene zu ihrem Recht kommen lassen, die einen Menschen so oder so gedacht hat.
      Man würde akzeptieren, dass jeder Mensch ein Individuum ist.
      Man würde niemanden aufgrund von Äußerlichkeiten diskriminieren.
      Man würde viel körperliches und seelisches Leid vermeiden.
      Man würde weder dunkelhäutige, noch dicke, noch behinderte Menschen (etc) abwertend behandeln.

      Viel Leid der Vergangenheit wäre niemals passiert.
      Viel Leid der Gegenwart wäre nicht vorhanden.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Meine eigene Mutter zählt mir bei jedem Telefonat jedes neue Schlank Präparat auf und bringt mir bei jedem Besuch sogar etwas davon mit. Immer mit den Worten " musst Du probieren, ich habe so und so viel Kilo abgenommen ".
      Obwohl sie genau weiß, warum ich so dick bin.

      Das hat bei mir zur Folge, dass ich eine absolutes Problem mit meinem Selbstwertgefühl habe. Ein Beispiel ? Ich kaufe nur sündhaft teuere Kleidung, weil ich denke, wenn ich so fett bin muss ich aber nach außen signalisieren " ich bin ordentlich, sauber und hübsch anzusehen ". Was natürlich völliger Blödsinn ist; ich bin in den Klamotten immer noch fett !
      Jedes mal wenn mich meine Verwandtschaft sieht lullt sie mir vor " so schlimm siehst Du doch gar nicht aus, Du bist hübsch. Und dann wird kräftig über die neuesten Diäten diskutiert. Sogar zur OP würden sie mir raten.

      Ich kann nicht gut in der Öffentlichkeit essen, ich bestell immer gesund und klein, obwohl ich gar kein Hunger drauf habe. Und wenn ich mich einmal traue, dann passiert das, was ich in einem anderen Thread beschrieben habe. Ich war bis heute nicht mehr in diesem Restaurant.

      Wenn also die eigene Verwandtschaft mein Gewicht nicht akzeptieren kann, warum dann die Öffentlichkeit ? Wir Dicken haben so viele Probleme dort, ich glaub' nicht mehr dran das wir groß was ändern können.

      Ich habe mit meiner Verwandtschaft über meine Krankheit offen gesprochen, aber es hat sich nichts geändert. Und eigentlich mag ich die meisten, ich möchte mich nicht von Ihnen distanzieren.

      Ich belege auch einen Kurs nach dem anderen ( Sprachen, Word, Excel , Buchhaltung usw. ), weil ich denke ich muss intelligent sein damit man Respekt vor mir hat. Ein Helfersyndrom habe ich sowieso.

      Ich ärgere mich über mich selbst !!

      Liebe Grüße

      Madame
    • Tanzbaerin schrieb:

      Es hat sehr viel mit Selbstwertgefühl zu tun, wie man in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird bzw. die Öffentlichkeit wahrnimmt.
      So ist es. Das man wenig Selbstwertgefühl vielleicht entwickelt liegt vielleicht nicht nur daran, dass man Übergewichtig ist, sondern auch daran, wie man seine Persönlichkeit entwickelt hat oder wie man erzogen wurde. Es gibt durchaus auch Übergewichtige mit ausgeprägtem oder "normalen" Selbstbewusstsein. Natürlich gibt es viele Übergewichtige, die das schon seit ihrer Kindheit sind, die WEGEN dem Übergewicht mangelndes Selbstbewusstsein haben aber das kommt nicht nur vom Gewicht alleine, sondern von dem, was daraus resultiert: Man ist ungelenk im Sport und trägt vielleicht zum allgemeinen Amüsement des Lehrers oder der Klasse bei. Oder man wird, wenn die Klassenbesten im Sport ihre Mannschaften wählen gar nicht gewählt sondern wird dann als "Übriggebliebener" vom Lehrer einer Mannschaft zugeteilt und man sieht dann, wie sich die Augen der anderen verrollen. Und tritt man neben den Ball oder kann nicht schnell genug hinterher rennen wird man noch angepöbelt und ist dann der Alleinschuldige, wenn die Mannschaft verliert.

      Und das pflanzt sich ja so fort: Man blitzt vielleicht bei den Mädchen (und auch als Dicker wünscht man sich ja hübsche) ab und getraut sich gar nicht mehr zu fragen und geht dann lieber gar nicht mehr z. B. in Discos weil man ja eh einen Korb erwartet oder man Angst hat, dass sich die anderen "Erfolgreicheren" oder "Attraktiveren" darüber zu Tode amüsieren (oder schlimmer: Mitleid signalisieren), wenn man ständig abblitzt. Und es geht dann weiter, wenn man Berufswünsche korrigieren muss, wenn man wegen dem Gewicht nicht genommen wird (natürlich wird es einem vielleicht gar nicht so oder höflicher gesagt) oder im Job den ersehnten Posten nicht kriegt. Das schlägt, wenn es ein Leben lang so geht, auf's Gemüt und auf's Seblstbewusstsein. Wenige werden wohl die Kurve kriegen und sagen: "Denen zeige ich's jetzt allen", die meisten werden sagen:"Eh kein Zweck" oder "eh alles egal, es ist halt mal so".

      Und wenn dann im Bekanntenkreis ständig kritisiert wird oder ständig irgendwelche Ratschläge erteilt werden, ist das auch nicht aufbauend, auch wenn doch alles ach "so gut gemeint ist". Dann ist man eben im Bekanntenkreis, im Job und in der Öffentlichkeit der "Willenlose" oder der "Undisziplinierte". Und auch - wer kennt das von uns vielleicht nicht - Diäten nebst Kuren keinen Erfolg bringen fördert das bestimmt kein Selbstbewusstsein. Nach meiner ersten Diät-Kur habe ich nun nach vier Jahren alles wieder drauf. Was sagte da eine Bekannte: "Da hast du Dich gar nicht lange gehalten, das ganze Geld für die Katz". Da schwingt der "Willenlose und "Undisziplinierte" wieder mit. Sogar der Chefarzt der Kurklinik hat mir prophezeit, dass ich höchtwahrscheinlich bald wieder so aussähe wie vor der Kur. Das sei jedenfalls bei den allermeisten so.

      Tanzbaerin schrieb:

      Jede/r ist in erster Linie mal für sich selbst verantwortlich
      Grundsätzlich richtig aber auch ein Totschlagargument. So reden sich z. B. Banken und Versicherungen raus, wenn sie die Leute über den Tisch gezogen haben oder wenn sie den Verbraucherschutz kritisieren. So nach dem Motto, "der ist doch erwachsen, der muss doch wissen, was er unterschreibt". Kann man lang darüber philosophieren aber nach diesem Grundsatz rechtfertigt sich auch der angelsächsische Brutalo-Kapitalismus (bin aber kein Kommunist oder Linker ;) ). Viele Leute nehmen auch das als Rechtfertigung, um anderen nicht zu helfen. Gut,trotzdem: Grundsätzlich richtig aber die Umstände zählen für mich auch dazu.


      Tanzbaerin schrieb:

      und sollte alles tun, um sein eigenes Wohlbefinden zu stärken - sei das in Bezug auf Kleidung, Wohnen, Essen oder Partnerschaft oder was auch immer. Wer sich selbst mag, der wird in der Regel auch von anderen positiv - oder ggf. zumindest nicht negativ - aufgenommen.
      Da ist auch so ein Casus-Knacktus. Ich bin überzeugt, dass sich viele Übergewichtige nicht mögen oder sich in ihrem Körper unwohl fühlen. Jahre und Jahrzehnte von Ausgrenzungen, Schmähungen, Abfälligkeiten und Frozeleien sowie Belehrungen und "gut gemeinte" Vorträge prägen. Man fühlt sich zwar nicht immer schlecht aber zumindest in der Öffentlichkeit oder im Job oder ausserhalb der vier Wände unwohl, weil man ja nicht viel Positives erwartet. Und sein Leid möchte man ja auch nicht klagen, weil man nicht als selbstmitleidiger Jammerlappen dastehen will, dem schlussendlich gesagt wird: "Bist ja selbst dran Schuld". Manchmal kann man ja froh sein, wenn man als der "gemütliche Dicke" betrachtet wird und nicht als der "ungelenke Fettsack", der nicht mal mehr auf die Straßenbahn rennen kann. Ich glaube, dass viele Übergewichtige ihre negative Einstellung schlichtweg mehr oder weniger gut positiv zu übertünchen versuchen.


      Itsme schrieb:

      Man würde niemanden aufgrund von Äußerlichkeiten diskriminieren.
      Diskriminierungen erfolgen oft latent und sind gar nicht mal auf den ersten Blick so offensichtlich. Das fängt bei der Bestuhlung in Gaststätten, öffentlichen Verkehrsmittel oder Arztwartezimmern an und hört in Kleidergeschäften auf. Natürlich müssen halt öffentliche Einrichtungen nach dem sog. "Durchschnitt" gehen, da gehört der Dicke nicht dazu. Aber wer ist nicht peinlich berührt, der im Lokal nach anderen Stühlen fragen muss oder wenn man laut mitgeteilt bekommt, dass für meine Größe nichts vorrätig gehalten würde, man solle vielleicht noch zu A... (hat mal Calmund Werbung gemacht) oder H... gehen (weiß ja nicht, ob man Ladennamen oder Kettennamen hier schreiben darf). Ich finde das Latente oft schlimmer als offene abfällige Bemerkungen, die man gerade noch hören soll oder Hinterherrufe. Es ist doch peinlich, wenn man sich im Zug in die engen Lehnsitze reinzwängen muss oder der Sitznachbar aufsteht und geht, weil er von mir eingezwängt wird. Und wer will schon der Bitte entsprechen, die Zwischenlehne hochzumachen?

      Und mal ganz ehrlich: es gibt auch Übergewichtige, die sich über andere Übergewichtige abfällig äussern. Da habe ich auch schon gehört, dass ein übergewichtiger Bekanner gesagt hat, er sei froh, noch nicht so "fett zu sein" wie XY und dass er doch um vieles beweglicher sei. Man ist doch manchmal froh, wenn jemand noch dicker ist, der die Blicke von einem selbst zu sich rüberzieht.

      Und ganz ehrlich: In der kurzen Zeit, in der ich mal "normal"gewichtig war, hatte ich auch die Tendenz mich abfällig über Übergewichtige zu äussern. Das ist so wie bei ehem. Rauchern, die die schlimmsten Nichraucher sind und am schlimmsten Raucher diskriminieren. In dieser "Normalo"-Zeit war ich sehr froh, "normal" zu sein. Ich wollte nie wieder dick sein, weil ich eben nur negative Erfahrungen gemacht habe und ich seit meiner Jugend immer "dick" mit "häßlich" gleichgesetzt habe. Allerdings war die Zeit dieses Daseins bei mir nur kurz. Wahrscheinlich (WAHRSCHEINLICH) habe ich deswegen wieder zugenommen, weil sich in meiner Schlankzeit auch nicht die Erfolge eingestellt haben, die ich erwartet habe. Ein Arzt sagte zu mir, dass sei das typische bei Schlanken, die mal Dick waren: zwar schlank sein, aber immer noch "dick denken". Gut, wenn er's meint.


      Madame schrieb:

      Meine eigene Mutter zählt mir bei jedem Telefonat jedes neue Schlank Präparat auf und bringt mir bei jedem Besuch sogar etwas davon mit. Immer mit den Worten " musst Du probieren, ich habe so und so viel Kilo abgenommen ".
      Das ist auch so was. Kaum taucht man im Freundes- und Verwandtenkreis auf, gehen die Übergewichtsgespräche los. Da wird zwar dann nicht mal über mich geredet sondern über andere Dicke aber gemeint bin vielleicht doch irgendwie ich. Da muss man sich anhören, dass die oder der nicht eingestellt wurden, weil sie oder er zu dick war oder dieser oder jene gekündigt wurden, wegen dem Gewicht oder dass man diese oder jene für diesen oder jenen Posten wegen dem Gewicht abgelehnt hätte. Und dann wird gesprochen, was man für Sport macht oder wird darüber geredet, was man gegen das kleine Weihnachtsbäuchlein unternommen hätte. Oder es wird sich amüsiert, wenn über Missgeschicke erzählt wird, die so manchen Dicken widerfahren können (z. B., dass ein Dicker auf der Autobeifahrerseite einsteigen musste, weil er nicht mehr in der Fahrerseite einsteigen konnte obwohl ein Schlanker das noch gekonnt hätte weil das Nachbarauto eigentlich doch in ausreichendem Abstand war usw.). Wer von uns kennt das nicht? Und das Thema Magenband habe ich auch schon aufgedrückt bekommen, allerdings bei manchem mit dem Hinweis, dass dies ein Unding sei, dass dies die Kasse zahlen muss, sind doch die Dicken selbst dran schuld.

      Naja,

      Grüße!
    • Wenn ich eure Beiträge lese, bekomme ich einen Kloß im Hals. Es tut weh zu lesen was manche von Euch erlebt haben und erleben und es tut weh, wenn ich z. B. folgende Worte von Madam lese:

      "Wenn also die eigene Verwandtschaft mein Gewicht nicht akzeptieren kann, warum dann die Öffentlichkeit ? Wir Dicken haben so viele Probleme dort, ich glaub' nicht mehr dran das wir groß was ändern können."

      und möchte dem etwas entgegen setzen und bitten, mal darüber nachzudenken:

      Es gibt dieses Forum seit vielen Jahren und seit etlichen darf ich mit dabei sein. Ich habe unendlich viele States gelesen, viele Probleme diskutiert, manchmal konnte ich raten, manchmal habe ich Rat bekommen.
      Nicht selten ist jemand völlig desolat hier aufgetaucht und man konnte miterleben wie dieser Mensch wieder aufstand, wieder Boden unter die Füße bekam und nach und nach standfest wurde.
      Kein Ding von heute auf morgen.
      Manchmal dauert so etwas Jahre, aber es gibt sie, diese Erfolge.

      Ich selber habe in einer Zeit, als ich mir einen Kopf um einen anstehenden Urlaub und die damit verbundene Badekleidung machte, tolle Unterstützung bekommen, die mit dazu beitrug, dass ich heute ohne Probleme in den Sonnenurlaub fahre.

      Ich habe hier im Laufe der Jahre so viele Denkanstöße bekommen und bin im Bereich "Dickes Leben" so argumentsicher geworden, dass ich heute ohne Probleme in der Öffentlichkeit für "unser" Thema einstehe. Und das nicht selten mit (für mich) verblüffendem Erfolg.
      Viele Menschen haben einfach ein pauschales Denken übernommen - ohne selber zu überlegen oder gar zu recherchieren. Manchmal braucht es nur einen Denkanstoss und die Sicht auf dicke Menschen ändert sich bei Ihnen.
      So geschehen vor wenigen Wochen wieder einmal.

      Ich sage im Genenteil zu Madam:

      Ich glaube dass wir was ändern können.


      Allerdings - bevor wir im Denken anderer etwas ändern können, müssen wir selber von dem, was wir sagen, überzeugt sein. Und da liegt sicherlich bei vielen von uns noch der Hase im Pfeffer.
      Nun ja...
      und da komme ich im Grunde auf das zurück, was ich bereits vorher schrieb:
      Es hat viel mit unserem Auftreten, unserem Selbstbewusstsein zu tun, wie Menschen mit uns umgehen.
      Ausnahmen gibt es natürlich immer - unbelehrbare Menschen, die es für ihr eigenen Selbstwertgefühl brauchen andere kleiner zu machen. Dummköpfe, die keine Lust haben zu denken oder aber es wirklich nicht können. Traurige Gestalten allesamt.
      Lasst sie doch reden. Brauchen wir solche Menschen?

      Ich halte Anstand zu solchen Menschen, weil ich sie nicht brauche. In vielen Bereichen des Lebens kann man sich seinen Umgang selber aussuchen.
      Mit manchen muss man einfach mal Tacheles reden, damit sie kapieren.
      Und mit manchen ist nicht zu reden.

      Trotzdem:
      Allein dieses Forum hat mich gelehrt, dass wir - das man - das sich etwas ändern kann.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Norberdi schrieb:

      Man blitzt vielleicht bei den Mädchen (und auch als Dicker wünscht man sich ja hübsche)

      Was war für dich als Teenager hübsch?

      Ausgehend von deinen Posts empfinde ich dich als sehr reflektiert. Umso erstaunter bin ich über diese pauschale Aussage, auch wenn sie natürlich auf deinen Erfahrungen und Wünschen als Teenager beruht. Dieses Vorselektieren und Bewerten nach optischen Kriterien erscheint mir doch etwas zu sein, was du zumindest in der Gegenwart und mit deinen Erfahrungen nun ablehnst.

      Ich wollte das einfach nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.
    • Norberdi schrieb:

      Man blitzt vielleicht bei den Mädchen (und auch als Dicker wünscht man sich ja hübsche)


      Lucie schrieb:

      Was war für dich als Teenager hübsch?
      Es hätte mich jetzt gewundert, wenn auf meine Aussage jetzt keine Reaktion gefolgt wäre, habe ich ein bischen erwartet.

      Für mich war u. a. als jugendlicher - und eigentlich auch heute noch, gebe ich zu - für mich hübsch, was nicht dick war/ist. Die Grenze zwischen schlank und dick, die man vielleicht mit "mollig" oder mit "ausgeprägten weiblichen Rundungen" bezeichnen könnte - weiß keine bessere Definition - hätte auch noch hübsch sein können. Allerdings sind und waren für mich die "Hungerhaken" auch nicht hübsch. Für mich war und ist hübsch, was dem "gängigen Schönheitsideal" entspricht und nicht extrem davon abweicht. Ich weiß, dass ich das jetzt holprig erkläre, weil ich nicht weiß, wie ich das erklären soll. Natürlich war für mich nicht nur das Übergwicht ein Negativkriterium, da gab's auch andere Merkmale, aber es war eines, obwohl ich selbst übergewichtig war oder eben als "ungelenker Dicker" wahrgenommen wurde.

      Ich habe sogar noch ein Spruch im Ohr, den manche sagten, wenn sich mal zwei Dicke als Pärchen gefunden haben: "Schwabbel auf Schwabbel". Und ich wollte nicht, dass dies bei mir mal so hieße.

      Natürlich war und ist dass sehr oberflächlich aber es ist nun mal so. Das erste, was bei einem Menschen nun mal auffällt ist nun mal die optische Erscheinung und das wir Menschen zunächt einmal nach der Optik gehen ist biologisch-genetisch und evolutionär mal so vorgesehen. Das mit den sog. "Inneren Werten" halte ich für zweitrangig oder gar nicht rangig. Das ist auch so ein Allerweltsbegriff.

      Da ich eben wegen dem Gewicht oder meiner Erscheinung gehänselt wurde und ich dies somit als den einzigen Grund meiner oftmaligen Ausgrenzung sah (wurde in keiner Clique aufgenommen), habe ich eben "dick" oft mit "häßlich" oder "unattraktiv" gleichgesetzt. Auch die Körbe der Damenwelt habe ich damit in Verbindung gebracht. Ein Mädchen sagte mal damals zu mir, "ich soll's doch bei einer mal versuchen, die in meiner Liga spielt". Das hat auch getroffen. In welcher Liga spielte ich denn, so wie es sich anhörte in einer ganz unteren. Und heutzutage hat man mir ja auch prognostiziert, dass ich beim anderen Geschlecht keinen Marktwert hätte. Allerdings hatte ich bei Damen allgemein keinen Erfolg, auch - man mag beruhigt sein - bei jenen nicht, die man jetzt nicht unbedingt als "hübsch" bezeichnen würde. Offenbar war ich ja auch nicht das, was Frauen sich unter einem "gestanden Mannsbild" vorgestellt haben.

      Auf alle Fälle war das alles sehr deprimierend und hat dazu geführt, dass ich die Erfahrungen, die man eigentlich in der Pubertät sammelt erst eineinhalb Jahrzehnte später gesammelt habe und da auch noch mit Abstrichen. Und je älter man wird, soll ja diesbezüglich auch alles schwerer werden.

      Lucia schrieb:

      Dieses Vorselektieren und Bewerten nach optischen Kriterien erscheint

      mir doch etwas zu sein, was du zumindest in der Gegenwart und mit deinen
      Erfahrungen nun ablehnst.
      Ja sind wir Übergewichtigen, Dicken oder Adipösen toleranter als andere? Wir gehören selbst zu oft Geschmähten aber haben doch zu anderen Gruppen und sogar zu Angehörigen unserer Gruppe auch nicht unbedingt immer tolerante und gute Meinungen. Ich versuche, zu jedem gleich freundlich zu sein, aber dennoch gibt es Übergewichtige, die man mag und welche, die man nich mag, genau, wie es gegenüber Schlanken ist. Ich kenne genug Übergewichtige, die sich sogar über andere Übergewichtige auslassen, wegen dem Gewicht. Sozusagen, dass man sich dann mit anderen vergleicht und sagt, gemessen an dem oder der bin eigntlich gar nicht so dick, obwohl man aus Sicht von Schlanken und "Normalgewichtigen" furchtbar dick ist.

      Es wäre doch sich selbst angelogen zu behaupten, wir Dicke achteten nicht auf die Optik, nur weil man uns auf die Optik und das Gewicht reduziert. Ich glaube, nur mal so als Beispiel, ob passend lasse ich mal dahingestellt, eine Jennifer Lopez fänden bestimmt mehr Dicke attraktiv als eine Cindy aus Mahrzahn. Gehe ich mal jede Wette ein, obwohl vielleicht Cindy hundertmal symphatischer ist. Aber das kommt erst nach dem zweiten oder dritten Blick. Ausserdem geht der Dicke schon automatisch höchstwahrscheinlich davon aus, dass er Jennifer Lopez nie kriegt.

      Wir Dicke bewerten doch auch andere oder nicht? Wir sind nicht schlechter als andere Menschen aber auch nicht besser. Gut was mich so stört ist, dass ich als "Angehöriger einer Gruppe" gelte sogar als einer "Risikogruppe". Und dass man auf uns einen "Selektionswortschatz" anwendet: der/die Dicke, der/die Übergewichtige, der/die Adipöse. Und alle Bezeichnungen haben einen negativen Touch und werden auch so verwendet, mit Ausnahme der Bezeichnung "Dicker", was auch positiv daherkommen kann in Form von "Dickerchen" oder "Dickerle" oder auch als "gemütlicher Dicker" (siehe bei Gerhard Klarner, dem gemütlichen Dicken vom ZDF +1990). Wir sind also eine Gruppe mit einer eigenen Bezeichnung und scheinbar keine Menschen. Die Adipösen, die Fetten, die Zigeuner, die Flüchtlinge, die Migranten, die Penner usw. Alles Bezeichnungen, die nix Positives verheißen und auch nicht so verwendet werden. Komischerweise hört man aber das Wort "Säufer" kaum noch, weil doch diese "armen Menschen" krank sind und man denen doch helfen müsse, gleichgültig, wie sehr sie ihr Umfeld in Mitleidenschaft ziehen. Und wir Dicke ziehen niemanden in Mitleidenschaft und werden behandelt wie Aussätzige

      Ich habe in meiner Jugendzeit die vielen Ablehnungen - auch und gerade bei Mädchen - auf's Gewicht und die Optik geschoben, allerdings, wenn ich mir darüber eindringlichere Gedanken heute mache, so waren das auch andere Gründe, die genauso ausschlaggebend waren. Aber das führt hier jetzt zu weit.

      Lucie schrieb:

      Ich wollte das einfach nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.
      Durchaus legitim und berechtigt und ich weiß, dass ich vielleicht eine gute Antwort schuldig geblieben bin.

      Grüße
    • Wieso sollte man als dicker Mensch kein äußerliches Schönheitsideal haben???
      Natürlich gefallen mir hübsche Männer! Er sollte gut angezogen und gepflegt sein , möglichst braune Augen ,und eine männliche, tiefe Stimme haben; bei Statur und Größe bin ich allerdings nicht ganz so festgelegt.
      Die frage ist natürlich "Ist mein Schönheitsideal mainstream ?" Wenn nicht, habe ich Glück und die größere Auswahl......
      Wenn er dann noch kluge Sachen sagt - perfekt :D

      Norberdi schrieb:

      Es wäre doch sich selbst angelogen zu behaupten, wir Dicke achteten nicht auf die Optik, nur weil man uns auf die Optik und das Gewicht reduziert.
      Ja, finde ich auch.

      Norberdi schrieb:

      Ja sind wir Übergewichtigen, Dicken oder Adipösen toleranter als andere? Wir gehören selbst zu oft Geschmähten aber haben doch zu anderen Gruppen und sogar zu Angehörigen unserer Gruppe auch nicht unbedingt immer tolerante und gute Meinungen. Ich versuche, zu jedem gleich freundlich zu sein, aber dennoch gibt es Übergewichtige, die man mag und welche, die man nich mag, genau, wie es gegenüber Schlanken ist.
      Eine Sache muss man unterscheiden. Ich fühle eine gewisse Gruppensolidaridät mit dicken Menschen, genauso wie mit Vegetariern. Das muss jedoch nicht heißen, dass ich alle mag.
      Seit Westerwelle weiß ich: Auch Angehörige diskriminierter Minderheiten können mies sein.
      Es ist auch nicht gesagt, dass die Partnersuche nur in "meiner" Gruppe statt finden muss. Das wäre so, als würde man mir vorschreiben, dass ich als Weiße nur einen Weißen gut finden darf.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • @ Norberdi

      Nur damit ich das richtig verstehe, bevor ich dazu was sage:

      DU hältst die "inneren Werte" für zweitrangig oder gar nicht rangig? Oder meinst Du, es ist bei den meisten Menschen so?

      Und zu dem Mädchen das meinte Du sollst Dich mal bei Mädchen umschauen, die in "Deiner Liga" spielen...

      Wenn ein Mann so etwas zu mir sagen würde, wüsste ich sofort, dass er nicht in "meine Liga" passt, da er offensichtlich oberflächlich, egozentrisch und dumm ist und ich würde mich bei ihm dafür bedanken, dass er mir über sich die Augen geöffnet hat. Ob er das allerdings verstünde so wie ich es meine, wage ich zu bezweifeln. ;) :P
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Lisa Cortez schrieb:

      Ich fühle eine gewisse Gruppensolidaridät mit dicken Menschen
      Ist es nicht schlimm als Mensch überhaupt "eingruppiert" zu werden? Sozusagen da die Dicken und hier die "Normalen"? Wenn den Dicken nix mehr passt oder wenn sie nirgends mehr reinpassen dann sollen sie gefälligst entweder abnehmen oder zu Hause bleiben?

      Gruppensolidarität ist auch so eine Sache. Ich habe mich ja nicht eingruppiert, ich wurde und werde von anderen eingruppiert. Allerdings ist es natürlich auch so, wenn es gegen Dicke geht, ich mich natürlich auch betroffen fühle. Allerdings ist es was anderes, wenn man Dicke allgemein angeht - als Gruppe - oder wenn jemand persönlich gemobbt wird. Da habe ich dann eher mit dem Gemobbten Solidarität als jetzt mit einer Gruppe, in der man mich reingesteckt hat. Bei einer Gruppenbeleidigung verteilt sich's auch besser und unpersönlicher, dass kann man irgendwie wegstecken. Nur ist es aber so, dass die allgemeine Empörung im Großen und Ganzen ausbleibt. Beleidigt man z. B. ethnische Minderheiten oder "Gruppen" wegen ihrer sexuellen Orientierung oder beleidigt man Hartz IV-Empfänger, Obdachlose oder Suchtkranke geht doch in einem großen Teil der Bevölkerung ein Aufschrei durch die Lande. Bei uns Dicken darf man das wahrscheinlich, der Empörungsaufschrei bleibt aus.

      Mögen, nicht mögen: Ich habe im Geschäft einen Kollegen, der sehr übergewichtig ist und eine leitende Position inne hat. Den mag ich überhaupt nicht. Von seinem Fachwissen und Können her ist er Top, von seinem menschlichen her eher Flop. Er kommandiert andere Kollegen herum und zeigt gerne, was für eine Position er hat. Bei dem fiele es mir schwer solidarisch zu sein, wenn über den geschimpft wird. Allerdings wird nicht über sein Aussehen und Gewicht geschimpft - nur belustigt registriert wenn er wieder eine große Tüte Süßigkeiten ranschleppt - sondern eben wegen seinem "Militärgehabe".


      Itsme schrieb:

      DU hältst die "inneren Werte" für zweitrangig oder gar nicht rangig? Oder meinst Du, es ist bei den meisten Menschen so?
      ICH meine das nicht so, ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei den meisten Menschen so ist. Wenn es als Jugendlicher oder junger Erwachsener wieder in Bezug auf Damen (oder Herren) in die Hose ging, kam wieder irgendjemand mit Sprüchen wie "jeder Deckel hat mal sein Topf", oder eben das mit den "inneren Werten". Sozusagen als Trostzuspruch. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass z. B. bei den meisten zunächst die Optik und das Äussere zählt und dann erst weit dahinter die inneren Werte kommen. Das mit den inneren Werten wird ja oft nur jenen gegenüber geäussert, die bei der Partnersuche weniger erfolgreich sind. So meinte ich das. Wenn eine "absolute Schönheit" oder ein "Superadonis" einen miesen Charakter haben, bin ich sogar froh drum nicht mit sojemanden bekannt zu sein.

      Grüße
    • Ja, das stimmt,
      der erste Blick ist zunächst meistens ausschlaggebend.
      Wir gucken eben bevor wir sprechen. Aber wie schnell kann sich dann ein "Bild" ändern?

      Ich habe das im Laufe meines Lebens so oft erlebt, dass ich mich nur aufgrund des Äußeren in einem Menschen total getäuscht habe, dass ich immer noch lerne, diese erste Einschätzung (oder böse gesagt "Einordnung") versuche weg zu lassen.

      Folgendes hat jetzt nicht mit Körperbau zu tun, ist aber ein gutes Beispiel dafür, wie sehr ich mich getäuscht habe.
      Eine Frau mittleren Alters sitzt mit ihrer Mutter in einem Straßencafe gleich nebenan. Optik und Sprechweise taten sie für mich sofort in die Ecke: Eher ungebildet und geistig sehr schlicht. Ich schreibe das hier so ehrlich wie möglich und ich schäme mich, das gebe ich zu, denn genau das (dieses fast unbewusste "einordnen") will ich nicht!
      Kurz und bündig:
      Nun sind ca. 2 Jahre vergangen. Dieses Cafe wurde zu meinem Stammcafe in dem in jeden Tag nach meiner großen Hund-Runde meinen Kaffee trinke und ich habe Frau und Mutter mittlerweile sehr gut kennengelernt. Beide sind mir ohne es übertrieben auszudrücken, sehr ans Herz gewachsen.
      Ich habe ziemlich schnell gemerkt, das mein erster Eindruck VÖLLIG daneben lag...

      Und noch mal zurück zum Grundgedanken:
      Für eine kurze Spielerei mag es reichen sich auf das rein optische zu reduzieren. Wenn man jedoch gern eine ernsthafte Beziehung möchte, dann wird das nur dann klappen, wenn man sich Zeit nimmt, die "inneren Werte" kennen zu lernen und zu schauen, ob man da harmoniert.

      Trotzdem, Du hast völlig Recht.
      Heute zählt bei sehr vielen (oberflächlichen) Menschen zunächst und überhaupt und sowieso nur die äußere Erscheinung, der berufliche Erfolg und Geld.
      Leider ist das so und das macht die Partnersuche nicht einfacher.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Itsme schrieb:

      Heute zählt bei sehr vielen (oberflächlichen) Menschen zunächst und überhaupt und sowieso nur die äußere Erscheinung, der berufliche Erfolg und Geld.
      Leider ist das so und das macht die Partnersuche nicht einfacher.
      Es macht die Partnersuche sogar sehr einfach: So jemand kommt nicht in Frage.

      Noch eine Frage: Könnt ihr das so aufschlüsseln, nach inneren und äußeren Werten? Wenn ihr euch verliebt - zählt da nicht eher das Gesamtpaket.?
      Ein Beispiel: Ein tiefer Blick - gefällt der mir jetzt, weil tief innerer Wert?) oder weil der Mann eben schöne Augen hat ( äußerer Wert)?

      liebe Grüße Lisa
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      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Zwei Weisheiten meiner Großmutter:

      - Einen Mann sucht man sich nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren.
      Was er so von sich gibt, was er sagt, wie er denkt ...

      - Ein Häßlicher bleibt häßlich, ein Schöner wird mit der Zeit häßlich, aber Sach' bleibt Sach'.
      "Sach' " soll natürlich das Vermögen bedeuten, das man mitheiratet.

      Ich hab mir damals meinen Mann nach dem stimmigen Gefühl ausgesucht, das ich mit ihm hatte. Äußerlich hat er überhaupt nicht meinem "Beuteschema" entsprochen - ich mag eher kleine, dunkle, knackige Feuertypen, und er war ein langer schlaksiger blonder Typ - blond mag ich eigentlich gar nicht - der mit der Zeit zu einem normannischen Kleiderschrank mutierte.
      Geld hatte er auch keins, also kein "Sach' " und - was mir meine Familie nie verziehen hat - auch keinen Doktortitel.

      Alles völlig wurscht. Es hat sich einfach richtig angefühlt. Es war eine Magie, die uns einfach hineingezogen hat.
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Wenn man so unterwegs ist, kommt einem ja immer erst das Äußere und dann das Innere entgegen. Diese Sekunden sind oft entscheidend. Natürlich kann man seine Meinung jederzeit revidieren. In die eine sowohl in die andere Richtung.

      Ich habe vor Jahren einen netten Mann in einem meiner Kurse kennengelernt. Er war sehr höflich und charmant. Wir haben viel miteinenander kommuniziert, gelacht und irgendwann gab er mir zu verstehen das er mich mag und sehr an mir interessiert ist.

      Er war sehr groß, rappeldünn, hatte krumme, schlechte Zähne und eine Glatze. Ich war damals schon recht propper will sagen, wenn ich den Raum betreten habe war mein Hintern schon da. Ich habe also nicht das Recht über Ihn zu denken " Gott ist der häßlich ". Aber genau das habe ich getan. Ich hätte Ihn niemals Küssen oder mit ihm intim werden können.
      Ich habe ihm dann freundlich gesagt, dass ich im Moment keinen Partner möchte und erst mal mein eigenes Leben in den Griff bekommen möchte. War natürlich völliger Blödsinn. Natürlich wollte ich gerne einen Partner, der hinter mir steht und mich so nimmt wie ich bin. Und das hätte er getan.

      Ich habe mich für meine eigene Einstellung geschämt und ich denke bis heute noch oft daran. Nicht weil es mir an Partnern mangelte, sondern weil ich einen netten Menschen abgelehnt habe, der doch irgendwie ein ähnliches Problem hat wie ich. Das Äußere.

      Und dabei ist es egal, ob eine dünne Frau vielleicht genauso gehandelt hätte.

      Madame
    • @Madame

      Ist es wirklich eine Art von moralischer Frage, ob wir jemand ablehnen "dürfen"? Oder daß wir auch "nein!" zu jemand sagen dürfen?
      Ist es eine Frage von "habe ich das Recht dazu, wo ich selber nicht perfekt bin?"

      Ich glaube nicht.
      Ich denke, die Anziehung oder Abstoßung zwischen Menschen wird auf ganz anderen Ebenen geregelt - und die liegen oft unter unserer Bewusstseins-Schwelle.

      Einmal gibt es natürlich den Fall, daß wir irgendwelche Paradigmen oder Sehgewohnheiten verinnerlicht haben. Manchmal sitzen die so tief, daß unsere inneren Entscheidungen auf ihrer Grundlage laufen. Und daß wir gar nicht mehr hinterfragen, warum uns etwas "gefällt", oder warum wir etwas für häßlich halten.
      Dazu können Sachen gehören wie "sollte schlank sein", "sollte perfekt enthaart sein" ... und vieles andere, was gerade "Mode" ist.


      Und dann gibt es den Fall, wo einfach die ganz natürliche Chemie doe Rolle der Entscheidungsfindung übernimmt. Ich kenne auch Leute, mit denen ich nicht aus einem Glas trinken könnte - geschweige denn sie küssen oder mit ihnen intim werden. Das geht einfach nicht - und frage mich nicht warum.
      Da sollte man sich dann auch nicht fragen "habe ich das Recht, mit ihm KEINE Partnerschaft einzugehen - wo ich doch so dick / wabbelig / runzelig / alt ... oder sonstwas bin?"

      Kurz gesagt, ich denke Du solltest Dir darüber keine Gedanken machen. Du hattest ganz bestimmt das Recht Nein zu sagen. Da gab es bestimmt triftige Gründe für, die Dein Körpersystem Dir mittels "Uuuaaahh, nein bloß nicht!" mitgeteilt hat. In der Sprache der Hormone und der Säfte ...

      Liebe Grüße!
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Hallo Issi,
      ich sehe es genauso wie du. Wo die Liebe hinfällt.... das ist schwierig abzuwägen und @Madame, charmant und höflich hat dir nicht gereicht, dich zu verlieben. Dein Verhalten war in Ordnung. Es wäre doch schlimmer gewesen, mit meinem Mann eine Partnerschaft einzugehen mit dem Gedanken: " Was Besseres kriege ich eh nicht" -dann hättest du ihn ja im Grunde belogen - mit seinen Gefühlen gespielt.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • @Issi und Lisa,

      danke für die netten Worte. Ich weiß ihm etwas vorzugaukeln wäre auch nicht richtig gewesen. trotzdem hat mich diese Situation lange nicht losgelassen.

      Wenigstens war ich höflich, obwohl ich mir da auch sehr unsicher bin, ob das der richtige Weg war. Fakt ist ich hätte mir eher die Zunge abgebissen, als ihm den wahren Grund zu sagen.

      Liebe Grüße zurück

      Madame