"Dick" als politische Selbstbezeichnung

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    Bitte beachtet unsere überarbeitete Datenschutzerklärung sowie unsere ebenfalls überarbeiteten Forenregeln.

    • "Dick" als politische Selbstbezeichnung

      Liebe Alle,

      in den USA gibt es schon sehr lange eine "FatAcceptance"-Bewegung und auch in Deutschland verbreitet sie sich zunehmend.
      Tatsächlich gibt es hier mittlerweile relativ viele Menschen, die sich selbst als "fett" bezeichnen und es als empowernden Begriff verwenden.

      Meine persönliche Selbstbezeichnung ist "dick" und ja, aus politischen Gründen.

      Warum dick? Warum politisch?

      • Weil es eine Statusbeschreibung ist, die
        • keinen Defizit impliziert (im Gegensatz zu Übergewicht)
        • neutral ist und nicht "verhässlicht" (wie mE "fett") oder "verschönert" (wie mE "mollig", "moppelig", etc)

      • Weil Dickheit politisierend verwendet wird
        • Gesellschaftspolitisch im Rahmen der Bildungs(ferne)debatte, der Gesundheitsdebatte
        • soziologisch im Rahmen von Diskriminierung, Vorurteilen und Ausgrenzung


      und damit politisch ist.


      Ich kann mich nicht dagegen wehren, dass Menschen mich sehen, mich wahrnehmen, mich kategorisieren und damit politisieren. Meine Existenz wird zum Politikum, also nehme ich meine Dickheit und bin politisch damit.


      Dass ich mich auf der Straße zeige,
      mich nicht verstecke,
      bunte Kleidung trage,
      tanze,
      schwimme,
      liebe,
      Sex habe,
      keine Diät mache,
      mich nicht schäme,
      mich nicht beschämen lasse,
      mich bilde,
      dumm bin,

      aktiv bin,
      schwimme,
      faul bin,
      wohlrieche,
      stinke,...


      ... ist politisch (oder kann politisch sein), weil es eine öffentliche Wahrnehmung "Der Dicken" gibt. Vor allem gibt es in weiterer Folge eine öffentliche Einteilung in die "guten" und die "schlechten" Dicken.


      "Dick" als politischer Begriff ist für mich unabhängig von Kilozahlen und Außenwahrnehmung (i.S.v "sooooooo dick bist du doch gar nicht!" oder "wenn du dick bist, was bin dann ich?"), sondern ein Punkt der Eigenwahrnehmung, des Selbst-Verständnisses und meiner (politischen) Positionierung.


      Ich finde es unheimlich schade, dass es tatsächlich eine politische Aussage sein muss, zu sagen, dass ich finde, dass jede_r sein darf, wie er_sie möchte und in ihrer_seiner persönlichen Entwicklung frei und selbstbestimmt sein sollte.


      Keiner kann mir absprechen, dick zu sein. Keiner sollte mir absprechen wollen, dick zu sein. Keiner hat das Recht dazu, mir zu sagen, was ich außerdem noch so alles sein muss, wenn ich dick bin.
      Ich bin ich. Ich bin dick. Es ist Teil meiner Identität, weil es mich geprägt hat. Negativ - wie auch positiv.



      Was denkt ihr? Wie geht es euch damit?
      [Body] Shaming doesn’t make people thin, or healthy. It just makes them hurt.
      [SIZE=1](Miss Rosie, Blogger)[/SIZE]
    • Ein sehr schönes Thema.

      Ich sehe es wie Du. Es ist ein Teil meiner Identität und damit völlig okay.

      Im Zusammenhang mit meiner Erkrankung musste ich mir einiges anhören, weil viele denken, sie sei auf das Dicksein zurückzuführen. Dass ich abnehmen musste, zunächst, weil ich mir Schmerzerleichterung erhofft habe, dann weil ich unter ein bestimmtes Gewicht kommen musste, um operiert werden zu können, führte wiederum zu einer unglaublichen Erwartungshaltung bei einigen Leuten. So provoziere ich immer wieder damit, wenn ich sage, dass ich unter keinen Umständen schlank werden will. Die Leute verstehen nicht, dass das Dicksein zu mir gehört, meine Geschichte ist, dass ich von vielen Menschen, die mich sehr gern haben, seit Jahrzehnten dick wahrgenommen und akzeptiert werde. Ich freue mich, demnächst operiert werden zu können und auch wieder beweglicher zu sein, aber damit ist dann auch schon alles dazu gesagt.

      Das Problem ist, dass uns heutzutage vorgegaukelt wird, man könne den Körper in jede denkbare Form bringen ... notfalls mit dem Skalpell. Dass das aber oft mit einer unglaublichen Selbstverleugnung einhergeht, sehen die Leute nicht. Ich bin dazu jedenfalls nicht bereit.

      Mit steigendem Alter fällt mir die Selbstakzeptanz immer leichter und ich erlebe sie als zunehmend entspannend.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail.
      Ihr erreicht mich daher ausschließlich über die eMail-Adresse im Impressum.
    • Ich bin dick und stehe auch dazu, als ich mich entschlossen habe

      keine Diät mehr zu machen
      mir nicht den Magen usw. verstümmeln zu lassen,

      habe ich mich dazu entschieden zu Leben.

      Ich bin mehr als mein Gewicht!

      Im Laufe der letzten Jahre hat sich mein Weltbild über mich völlig gewandelt und seitdem kann ich mich viel besser annehmen.

      Selbstakzeptanz ist der Schlüssel zur Zufriedenheit, dann kommen auch immer weniger Sprüche und Anfeindungen.
    • sombra_blanca schrieb:

      [...] Ich finde es unheimlich schade, dass es tatsächlich eine politische Aussage sein muss, zu sagen, dass ich finde, dass jede_r sein darf, wie er_sie möchte und in ihrer_seiner persönlichen Entwicklung frei und selbstbestimmt sein sollte. [...]

      Solange es „Vertreter“ aus der Politik gibt, die sich öffentlich zu dem Thema Dicksein negativ äußern (Bildungs(ferne)debatte, Willensschwäche, hohe Kosten für die Allgemeinheit …) kann die Aussage „ich bin dick“ leider auch als ein politisches Statement ausgelegt werden.

      Wir lernen durch Vorbilder … negatives wie positives. Insoweit versuche ich, jeden Tag, eine dicke, aufgeschlossene, freundliche und positive Frau zu sein … mehr kann ich für mich und meine Mitmenschen nicht tun - „kleine gelebte Kommunalpolitik“ ;)

      Danke für das Thema!
    • melisah schrieb:

      Ich bin dick und stehe auch dazu, als ich mich entschlossen habe

      keine Diät mehr zu machen
      mir nicht den Magen usw. verstümmeln zu lassen,

      habe ich mich dazu entschieden zu Leben.

      Ich bin mehr als mein Gewicht!

      Im Laufe der letzten Jahre hat sich mein Weltbild über mich völlig gewandelt und seitdem kann ich mich viel besser annehmen.

      Selbstakzeptanz ist der Schlüssel zur Zufriedenheit, dann kommen auch immer weniger Sprüche und Anfeindungen.


      Seh ich genau so und war bei mir auch so. Und auch dass ich mich, wie Martina, mit steigendem Alter besser akzeptieren kann. Ich muss heute nicht mehr den geltenden Schönheitsidealen hinter herlaufen wie mit Anfang 20.

      Die Bewegung "FatAcceptance" finde ich super. Vielleicht ist es genau das, was in paar Jahren tatsächlich zu einer Akzeptanz von Dicken führt. Wenn wir uns für unsere Recht einsetzen. Eben genau so, wie Homosexuelle jahrelang lautstarkt für ihre Recht eingetreten sind und heute in der Gesellschaft grösstenteils akzeptiert sind.

      LG Finchen
    • ich finde " dick" auch den neutralen Ausdruck;
      " fett" ist beleidigend, aber auch die typische sich- Runtermache von Frauen,
      die vor dem Spiegel stehen und sich sagen: "Ich bin zu fett!", eigentlich fast nie:
      "Ich bin dick"; "fett" kann ich aus diesem Grund nicht so ernst nehmen.
      Im ärztlichen Bereich spricht man von " Fettleibigkeit", nicht von "Dickleibigkeit",
      was mir besser gefallen würde. Und dann gibt es noch die "Fettsucht" , auch nicht gerade ein schönes Wort.
      Ich denke, da gab es die Analogie des Wortes "schwul". Schwul war zuerst eine Beleidigung, bevor es von der Homosexuellenbewegung adaptiert wurde.
      genauso benutzen Dicken- Aktivisten das Wort "fett". Als kampfbegriff.

      Ich empfinde mich durchaus als Mitglied einer Minderheit ( obwohl sie wahrscheinlich die Mehrheit ist, aber das sind Frauen auch; das ist nicht das Problem; Mehrheit ist: die herrschende Meinung). Da wir keine geschützte Minderheit sind, greift bei Dicken die political correctness nicht....
      Die Erfahrung, die Schuld zugeschoben zu bekommen, habe ich zu allererst mit der psychischen Krankheit gemacht. Auch da meinen ja einige Menschen, man müsse sich nur zusammen nehmen und dann wird es schon wieder.
      Genauso sieht man das Dicksein: Sich zusammen nehmen, nicht soviel fressen,
      an der Dönerbude vorbeigehen :rolleyes: dann WIRD das wieder.:mad:
      Also eine Minderheit, der permanent eingeredet wird, sie würde endlich glücklich werden, wenn sie sich endlich der Mehrheit anpasst.
      Was würde man denken, wenn man Frauen ständig einreden würde, sie sollen sich endlich in Männer verwandeln; Homosexuelle in Heteros; Schwarze in Weiße? Jedem zumindest hier würde der Unsinn einer solchen Kampagne einleuchten.

      ich will aber nicht immer, nur weil ich dick bin, freundlich und aufgeschlossen sein müssen. Ich will nichts beweisen müssen.
      Das positive klischee von der gemütlichen, fröhlichen, stabilen Dicken ist auch nur ein Klischee.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Also eine Minderheit, der permanent eingeredet wird, sie würde endlich glücklich werden, wenn sie sich endlich der Mehrheit anpasst.

      ...ich will aber nicht immer, nur weil ich dick bin, freundlich und aufgeschlossen sein müssen.


      Der Mensch ist ein Herdentier. Wenn alle das gleiche denken, fühlt sich das Herdentier wohl, denn es wird bestätigt und es gibt keine Konflikte. Schert eines aus, gibt's Ärger, dass muss zurück in die Reihen. Ein Ausscheren wird zum Teil auch als Bedrohung der eigenen Anschauungen wahrgenommen. Wer möchte schon freiwillig seine Ansichten hinterfragen.
      In dem wir sagen, es ist o.K. wie wir sind, stören wir den "Seelenfrieden der Mehrheit" empfindlich. Denn wir verhalten uns nicht so, wie es von uns erwartet wird und es in ihren Augen korrekt wäre.

      Da hab ich's wie Du, das möchte ich auch nicht.

      LG Finchen
    • Lisa Cortez schrieb:

      [...] ich will aber nicht immer, nur weil ich dick bin, freundlich und aufgeschlossen sein müssen. Ich will nichts beweisen müssen.
      Das positive klischee von der gemütlichen, fröhlichen, stabilen Dicken ist auch nur ein Klischee. [...]

      Ich möchte auch nicht freundlich sein müssen, denn ich muss nichts beweisen.
      Ich bin auch kein Klischee nur weil ich dick bin und dabei noch von meinem Naturell her eher freundlich und positiv eingestellt.

      Bircan: Insoweit versuche ich, jeden Tag, eine dicke, aufgeschlossene, freundliche und positive Frau zu sein
      ... das dicke ist nur ein Attribut welches ich benannt habe und genau so sehe ich mein Dicksein - es ist nur ein Teil von mir!
    • Mir ist es egal ob ich mich politisch korrekt ausdrücke, mich selbst politisch korrekt sehe oder gesehen werde und ich persönlich mag das Wort "Dick" fast ebenso wenig wie das Wort "Fett".

      "Die ist viel zu dick"... "Boah ist die dick"... "dick und faul"...

      für mich gibt es auch im Zusammenhang mit "Dick" zu viele negative Gedanken. Ich selbst finde mich rund und rund ist für mich ein angenehmes, überhaupt nicht abwertendes Wort. Es bezeichnet für mich lediglich eine Körperform von vielen.

      Und was die Selbstakzeptanz anbelangt, denke ich, dass wir Älteren es viel leichter haben als die heutige junge Generation. Von älteren Menschen ab ca. jenseits der reiferen Jugend ;) erwartet man viel weniger diese so genannten Modelmaße wie sie junge Menschen glauben haben zu müssen.

      In nicht wenigen Bereichen hat das Älter sein echt Vorteile.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • sombra_blanca schrieb:

      Ich kann mich nicht dagegen wehren, dass Menschen mich sehen, mich wahrnehmen, mich kategorisieren und damit politisieren. Meine Existenz wird zum Politikum,
      ......
      Vor allem gibt es in weiterer Folge eine öffentliche Einteilung in die "guten" und die "schlechten" Dicken.


      Ja. Das ist generell so, dass jede/r, die/der vom Mainstream (und damit ist nicht die zahlenmäßige Mehrheit, sondern die "angesagte" veröffentlichte Meinung gemeint), ausgegrenzt, herabgewürdigt und kriminalisiert bzw in die unmoralische Ecke gestellt wird, mit dem Ziel, dieses unerwünschte Subjekt entweder so zu formen, wie es sein soll, oder es loszuwerden.

      Es gibt die "guten" Ausländer (sprich, die mit dem Doktortitel), und die "bösen" Ausländer, die selbstverständlich nur wegen der enormen Hartz-4-Summen nach Deutschland kommen...

      Es gibt die "guten" Muslime, die sich höchstens im Nachnamen von der sogenannten Leitkultur unterscheiden, aber wehe, wenn eine Muslima aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragen will - schon wird es zum Politikum.

      Wegducken und Maul halten ist schon immer der falsche Weg gewesen.
      Man muss sich einmischen, laut werden, seine Meinung äußern, wählen gehen, selber politisch aktiv werden. Natürlich eckt man manchmal an, wird angefeindet oder belächelt.
      Steter Tropfen höhlt den Stein. Man kann Entscheidungsträger beeinflussen, den richtigen Leuten die richtigen Worte sagen. Wenn viele dahinter stehen, kann sich was bewegen. Man kann auch Öltanker wenden.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sombra, ich könnte in deinem Eingangspost "Dick" gegen "Frau" tauschen und die Aussagen wären genauso wahr. Ich finde mich da 100% wieder.

      Im englischsprachlichen Raum gibt es keinen entsprechenden Ausdruck, sie haben "fat" oder "big", beides empfinde ich nicht als neutral. Obese hat schon wieder was pathologisches. Ich mag das Wort "dick" aber ich wäre zurückhaltend es einem Dicken gegenüber zu benutzen.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Ich bin dick. Ich hab braune Augen. Ich hab schwarze Haare. Ich bin eine Frau. Ich bin Brillenträgerin. Ich bin Nichtraucherin. Ich bin Vegetarierin. Ich zocke Computerspiele. Ich lese. Ich trinke Wein. Ich halte mich an Tempolimits und bescheiße aus Prinzip nicht bei der Steuer. Das bin ich.
      Und ich lass mir verf**** noch mal von niemandem vorschreiben, was, wann, wieviel ich esse, trinke, lese, zocke, was auch immer, solange ich niemand anderen damit schädige.

      Dann kommt immer das Argument, dass die bösen Dicken ja all die kostenträchtigen Krankheiten bekommen und somit der Allgemeinheit zur Last fallen.
      Und wer zahlt für die Verkehrsopfer, die ausgelutschten Schichtarbeiter, die Asbestkrebse, die Umweltgifte, die Depressionen und Burnouts, die Rückenleiden, die Lebensmittelskandale? Und wer tut denn den ganzen Zucker und das Fett und die ganzen Chemikalien in das ach so verpönte Fertigfutter?
      Gegen viele Gesundheitsrisiken wird nicht oder nur halbherzig vorgegangen, weil nämlich fettes Geld für einige und Krankheit für viele dahinterstecken. Oder Lobbyisten-Seilschaften. Das ist auch politisch.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      [...] Wegducken und Maul halten ist schon immer der falsche Weg gewesen.
      Man muss sich einmischen, laut werden, seine Meinung äußern, wählen gehen, selber politisch aktiv werden. Natürlich eckt man manchmal an, wird angefeindet oder belächelt.
      Steter Tropfen höhlt den Stein. Man kann Entscheidungsträger beeinflussen, den richtigen Leuten die richtigen Worte sagen. Wenn viele dahinter stehen, kann sich was bewegen. [...]

      Was Du gesagt hast, ist mir aus der Seele gesprochen ... :daumen:
    • Sophie schrieb:



      Dann kommt immer das Argument, dass die bösen Dicken ja all die kostenträchtigen Krankheiten bekommen und somit der Allgemeinheit zur Last fallen.
      Und wer zahlt für die Verkehrsopfer, die ausgelutschten Schichtarbeiter, die Asbestkrebse, die Umweltgifte, die Depressionen und Burnouts, die Rückenleiden, die Lebensmittelskandale? Und wer tut denn den ganzen Zucker und das Fett und die ganzen Chemikalien in das ach so verpönte Fertigfutter?
      Gegen viele Gesundheitsrisiken wird nicht oder nur halbherzig vorgegangen, weil nämlich fettes Geld für einige und Krankheit für viele dahinterstecken. Oder Lobbyisten-Seilschaften. Das ist auch politisch.


      ich bezahle mit meinem Krankenkassenbeitrag all die Sportunfälle, Raucherschäden , und Verhütungsmittel für unter 18jährige.
      #Ich treibe keine unfallträchtigen Sportarten, ich rauche nicht und bin schon lange Ü- 18.
      trotzdem trage ich mit bei.
      das nennt man SOLIDARITÄT.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Genau. Wir haben ein SOLIDARISCHES Gesundheitssystem.
      Und deswegen finde ich es unverschämt, wenn Dicke von Ärzten und auf offener Straße angefeindet werden, nur weil sie dick sind und eventuell all die teuren "Wohlstandskrankheiten" bekommen.

      Wer höhere Krankenkassenbeiträge für Dicke fordert, muss dies auch für Raucher, Gießereiarbeiter, Schwangere, Risikosportler etc. tun.
      Und somit unser komplettes Krankenversicherungssystem in die Tonne treten.

      Und wo wir schon dabei sind: sollen doch die Leute selbst für ihr Alter vorsorgen - weg mit der Rentenversicherung! Wer will, findet auch eine Arbeit - wozu brauchen wir dann noch die Arbeitslosenversicherung? Steuerfinanzierte Infrastruktur? Brauchen wir nicht. Wir heuern einfach Privatlehrer und private Sicherheitsdienste an. Bringen wir lieber unsere Steuern nach Liechtenstein.
      (Ich hoffe, jede/r Leser/in hat gemerkt, dass das nur beißende Ironie war...)

      Wenn man in der Richtung weiterdenkt, ist es logisch, dass "Fat Acceptance" als politische Bewegung wichtig und überfällig ist. Jeder Mensch hat ein Recht auf respektvolle Behandlung, egal welchen Gesundheitsstatus oder finanziellen Hintergrund er/sie hat plus alle übrigen denkbaren Diskriminierungsanlässe.
      Bei Dicken ist Diskriminierung derzeit noch gesellschaftsfähig. Die Argumente, die sogar intelligente Personen für eine mehr oder weniger versteckte Dickendiskriminierung vorbringen, sind hochpolitisch. Wollen wir eine soziale, solidarische Gesellschaftsform, oder das Recht des Stärkeren?
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:


      Wenn man in der Richtung weiterdenkt, ist es logisch, dass "Fat Acceptance" als politische Bewegung wichtig und überfällig ist. Jeder Mensch hat ein Recht auf respektvolle Behandlung, egal welchen Gesundheitsstatus oder finanziellen Hintergrund er/sie hat plus alle übrigen denkbaren Diskriminierungsanlässe.
      Bei Dicken ist Diskriminierung derzeit noch gesellschaftsfähig. Die Argumente, die sogar intelligente Personen für eine mehr oder weniger versteckte Dickendiskriminierung vorbringen, sind hochpolitisch. Wollen wir eine soziale, solidarische Gesellschaftsform, oder das Recht des Stärkeren?

      :applaus:

      Genau! Genau! Genau!

      :five:
      [Body] Shaming doesn’t make people thin, or healthy. It just makes them hurt.
      [SIZE=1](Miss Rosie, Blogger)[/SIZE]
    • Begriff
      dick / fett sind im allgemeinen Sprachgebrauch nicht unbedingt positiv besetzte Wörter.
      (Das hat sich sicherlich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. An Geringschätzung im Zusammenhang mit dick/fett kann ich mich Anfang bis Mitte der 60er Jahren nicht erinnern. Wer dick war - war stattlich.
      In mageren Zeiten war das Schönheitsideal "dick".)
      rund würde ich eher von meiner Wahrnehmung her, positiv einschätzen.

      Politik
      Ob sich öffentliche Meinung gegenüber der Gruppe "Dicke" verändern könnte, wie bei der Gruppe "Homo"? Das sehe ich kritisch.
      Die Gruppe* "Homo" ist wirtschaftsstark, da kann (political correct) toleriert werden .
      Die Gruppe "Dicke" ist wirtschaftsstark, wenn sie so bleibt wie sie ist. Da lassen sich viele Produkte umsetzen. Akzeptanz wäre kontraproduktiv.

      Bei mir persönlich heißt das nicht, still zu schweigen. Im kleinen Rahmen wirke ich durchaus aufklärerisch schon allein durch meine Person.

      mein Selbstverständnis
      Ich bin krank geworden.
      Ich bin rund geworden.
      Da mir nichts anderes übrigbleibt, nehme ich es an. Ich träume durchaus noch davon, wenigstens etwas von meinem Bauch loszuwerden.

      Schöne Grüße
      Jule
    • @ Julchen

      Jedes Wort hätte von mir sein können!

      Auch den Punkt, dass mit dem Thema "Dick" so viel Geld verdient werden kann um es zu ändern.
      Solange man Menschen einreden kann, dass nur schlank = schön ist, kann man Geld ohne Ende damit scheffeln. Warum sollte man das ändern wollen?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • An dieser Stelle passt das schöne Sprichwort: Von nix kommt nix.

      Nur durch Aufklärung und Präsenz kann etwas verändert werden.
      Klar ist, dass alle, die etwas davon haben, dass es bleibt wie es ist, da nicht gerade mitrennen und brüllen "Ja klar! Dicke sind auch Menschen! Dick ist ersteinmal nur eine Körperform, warum sollten für Dicke also andere Regeln gelten als für Braunhaarige?".

      Entwicklung ist Kampf.
      [Body] Shaming doesn’t make people thin, or healthy. It just makes them hurt.
      [SIZE=1](Miss Rosie, Blogger)[/SIZE]
    • Ich finde diese Bewegung auch eine gute Sache.
      Es sind alle Menschen gleich viel wert, egal ob dick, dünn, gross, klein etc und jeder hat das Recht so zu leben, wie er/sie möchte.
      Niemand hat das Recht jemanden herablassend zu behandeln oder abzuwerten, nur weil der andere nicht ins eigene Konzept passt.

      Mich nervt es immens, wenn bei Dicken eben sowas wie Krankenkassenkosten etc angeführt wird (dünne leben ja nie ungesund :rolleyes:) oder prinzipiell erwartet wird, das eine Diät gemacht wird usw.

      Ich fände es schön, wenn wir eines Tages in einer Welt leben, wo jeder den anderen erst mal akzeptiert und respektiert, dann wäre schon viel erreicht.
      Die persönlichen Präferenzen sind dann nochmal was anderes, aber die sollten in den meisten Lebensituationen ja keine Rolle spielen.
      Aber davon sind wir wohl noch weit entfernt.

      Ich versuche meinen Beitrag zu leisten, in dem ich Freunde/Bekannte die irgentwelche dummen Kommis gegen dicke auf der Strasse oder im Fernsehen abgeben darauf hinweisen wie sch... das eigentlich ist.
      Mehr kann ich als Einzelperson gar net, aber steter Tropfen....
    • WOW!!!
      Soviele kämpferische Meinungen die ich fast alle gerne zitieren würde!!
      Gefällt mir seehr gut diese Diskussion....ist nur vor längerer Zeit "eingeschlafen" schade!
      Möchte trotzdem gerne noch einen zusätzlichen Gedanken anbringen.
      Habt Ihr mal versucht Euch vorzustellen WER diese öffentlichen Meinungsmacher/Berichterstatter sind??
      Es sind überwiegend junge, schlanke, "hübsche", JournalistInnen die um ihre Karriere kämpfen müssen!
      "Jung" weil es einen mörderischen Verteilungskampf in den Medien gibt..und junge eben billiger sind.
      "schlank" "hübsch" siehe gnadenlose Auswahlkriterien.
      Der Anpassungsdruck in den Redaktionen ist abartig.
      Ja ich weiß es klingt etwas polemisch und ich will definitiv kein Journalisten-Bashing betreiben!
      ABER : Die Frage bleibt.
      Wer hat aus welchen Motiven heraus ein Interesse daran selbstgefälig, herablassend, belehrend und beifallheischend über Dicke zu schreiben/berichten????
      Wenn wir doch angeblich eine Epidemie sind
      und wenn wir doch angeblich schon mehr als ein Drittel der Bevölkerung sind
      wieso gibts dann sowenig Akzeptanz?

      Okay...;) bin heute etwas polemisch.
      Hätte diesen Beitrag auch bei Dick+Medien posten können aber für mich IST DICKSEIN POLITISCH und damit immer auch verbunden WER? macht WARUM? WELCHE? öffentliche Meinung/Darstellung.
    • Margarete schrieb:

      … Habt Ihr mal versucht Euch vorzustellen WER diese öffentlichen Meinungsmacher/Berichterstatter sind??
      Es sind überwiegend junge, schlanke, "hübsche", JournalistInnen die um ihre Karriere kämpfen müssen! …

      Knallfrosch hatte HIER zum Thema Stigmatisierung von dicken Menschen einmal etwas Treffendes geschrieben.

      Ich bin nicht deiner Meinung, dass es überwiegend junge, schlanke … Schreiber sind die solche Meinungsmache verursachen, dass wäre zu einfach den hübschen Menschen diese negativen Berichterstattungen zu unterstellen.

      Es können auch Menschen sein wie du und ich die diesen Vorurteilen Nahrung geben, denn es gibt durchaus dicke Menschen die auf andere dicke Menschen herabsehen und sie pauschal verurteilen indem sie stetig behaupten zu wissen, warum „wir“ dick sein.
      Die Boulevard Zeitungen greifen halt gerne das auf von dem sie überzeugt sind, dass es der überwiegende Teil ihrer Kunden lesen und hören möchte.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Martina () aus folgendem Grund: Namensänderung

    • Hmmm...
      Du hast natürlich recht, daß es leider auch Dicke (und ältere und nicht so "hübsche" und überhaupt ...) gibt, die sich intolerant äußern!
      Mir gehts aber um die Motive/Erfahrungshintergrund/Karriere-bzw.Anpassungsdruck von Meinungsmachern.
      Und damit meine ich definitiv nicht die Boulevard-Medien!(die ignoriere ich...)
      Habe 2Freundinnen die bei "seriösen" Wochenzeitungen arbeiten und (trotz"Normal"gewicht) unter üblem Sexismus INKlUSIVE Dauergewichtsbeobachtung leiden.
      Habe meine Worte -trotz Polemik-Schub-weitestgehend mit Bedacht gewählt.
      Auch ich bin gegen jede Art von Diskriminierung und SchwarzWeiß-Denken. (Tatsächlich ein "Grau"-Fan, weil da wirds -für mich-inhaltlich wirklich interessant)
      Aber ich habe noch Illusionen(siehe Deinen Link zu Knallfrosch bzw. Martina)
      Die Illusion, daß "Wir" irgendwann nicht mehr als Randgruppe wahrgenommmen werden.
      Weil dafür sind wir schon jetzt VIEL zu VIELE.
      Und unsere Vielfältigkeit ist, selbst in den seriösen Medien, unterrepräsentiert.

      bin ja noch neu und unerfahren hier
      und das geschriebene Wort ist eben(so oder so) interpretierbar...je nachdem auf welche Erfahrungen es trifft, oder?
    • Die Motive von Meinungsmachern sind immer interessant zumal man daraus lernen kann wie und warum Ausgrenzung geschieht.

      Ich glaube, dass die Ausgrenzung von dicken Menschen auch einem wirtschaftlichen Interesse unterliegt. Der Hype ums Abnehmen bzw. ums Dazugehören der folgt auf diese Ausgrenzungen und der daraus resultierende Wirtschaftszweig ist profitabel.

      Ich hatte mich einmal wegen einem Indizierungsverfahren mit unterschiedlichen Stellen unterhalten zum Thema Ausgrenzung und Diskriminierung von dicken Menschen. Es waren Menschen von Jugendämter, Bundesprüfstellen und Sozialpsychologen die sich mit dem Thema Vorurteile beschäftigen. Alle diese Personen waren erstaunt, dass es in Deutschland solch ein Ausmaß an Ausgrenzung, Vorurteilen und Diskriminierung von dicken Menschen gibt.
      Sie haben aber alle zugegeben, dass sie selbst der Meinung sind (waren), bis auf eine ganz kleine Menge an Ausnahmen, müsste man als dicker Mensch „nur“ abnehmen um dieser Randgruppe nicht mehr anzugehören. Eine Sozialpsychologin war derart erstaunt über ihre eigene Sicht, dass ich bemerkte wie entsetzt sie über ihr eigenes Denken war.

      Ich gebe dir Recht, dass es viele Menschen sind die in die Randgruppe der dicken Menschen gehören, aber nicht jeder hat zu jederzeit die Kraft und den Mut aufzustehen und sein Wort zu erheben, wenn er Ausgrenzung erlebt … hier ist es egal ob dick, dünn, schwul, arm, dunkelhäutig, … Trotzdem steht es für mich außer Frage, dass es die Widerstände sind die ein Umdenken anstoßen können :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Martina () aus folgendem Grund: Namensänderung