"Lebendig begraben" mit Beschwerde beim Presserat

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    • "Lebendig begraben" mit Beschwerde beim Presserat

      Ich habe heute mit wachsendem Entsetzen in der Berliner Zeitung, die wir abonniert haben, einen einfach dermaßen saublöden (Verzeihung!) Artikel gelesen, dass ich ihn hier verlinken muss:
      berlinonline.de/berliner-zeitu…0426/none/0006/index.html .
      Bin noch am Überlegen, ob ich einen Leserbrief schreibe bzw. was ich da reinschreiben soll.
      Ehrlich gesagt finde ich das so unter aller Kanone, dass es mir fast zu schade ist, darauf überhaupt einzugehen. :confused:
      Was wollen die denn damit ausdrücken oder bezwecken?
      Soll das lustig sein oder was?
      [CENTER]★ [SIZE=1]I am fat. And I have this radical idea that I am allowed to exist.[/SIZE] ★
      [SIZE=1]by Fat Grrrl A[SIZE=1]ctivism[/SIZE][/SIZE]
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    • Ich hab mich wirklich so über diesen Mist geärgert, dass ich einen Leserbrief geschrieben habe. Hoffe, es ist mir einigermaßen gelungen, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen:

      Zum Artikel „Lebendig begraben“ von Gabriele Bärtels:

      Nach Ansicht der Autorin müsste ich als Dicke sie ja glühend beneiden, weil sie so schön = dünn ist. Allerdings stellte sich beim Lesen der geistigen Ergüsse von Frau Bärtels bei mir spontan eher ein Gefühl von Abscheu ein, dass sich mit etwas Abstand dann in Mitleid verwandelte.
      Es ist schon reichlich armselig, wenn jemand offenbar sein gesamtes Wissen aus Boulevard-Magazinen und dem Volksmund bezieht – noch schlimmer wird es, wenn dieser jemand seine Weisheiten auch noch in die Welt hinaus posaunt, als handele es sich dabei um Tatsachen.
      Bereits bei der Definition der Sarkopenie unterläuft Frau Bärtels der kleine Fehler, dass es sich zwar tatsächlich um altersbedingten Muskelschwund handelt, der durch gezieltes Muskeltraining unter Umständen verlangsamt werden kann, von einem Wandel der Muskeln in Fett ist jedoch keine Rede und nicht jeder, der mit zunehmendem Alter Muskeln abbaut, wird oder ist deswegen automatisch dick.
      Es geht dann munter weiter mit allerlei Allgemeinplätzen und wilden Behauptungen.
      Ich frage mich, ob die ehrenwerte Frau Bärtels sich schon mal ernsthaft gefragt hat, warum wohl so selten Dicke auf den Straßen zu sehen sind. Ihre Antwort ist schnell gefunden, die sind natürlich einfach zu bequem und wollen sich nicht bewegen.

      Aus höchstpersönlicher und ureigenster Erfahrung kann ich Ihnen berichten, dass es an Leuten wie dieser preisgekrönten Autorin und ihrem unmenschlichen Verhalten liegt, dass ich mich als Dicke an manchen Tagen überhaupt nicht aus dem Haus traue, schon gar nicht um vergnügt spazieren zu gehen und mich dabei längere Zeit den gnadenlosen Blicken von Menschen ihrer Sorte auszuliefern. Gleiches gilt noch mehr für Aktivitäten wie Sport treiben oder gar Schwimmen. Und in öffentlichen Verkehrsmitteln stehe ich meist schamesrot in einer Ecke und versuche, mich so unsichtbar wie möglich zu machen. Ich würde es niemals wagen, Mitreisende mit meiner Körperfülle zu belästigen, indem ich mich neben sie quetsche, wie Frau Bärtels es so schön beschreibt.

      Mit der Begründung, es gebe schließlich auch keine übergewichtigen Tiere in freier Wildbahn, führt sie das Phänomen des Übergewichts ausschließlich auf Bewegungsmangel und undiszipliniertes Essen zurück. Das bekanntermaßen auch ganz andere Ursachen einer übermäßigen Gewichtszunahme zugrunde liegen können und die wenigsten Dicken dem Klischee des dummen, gefräßigen Faulpelz entsprechen, das in der Öffentlichkeit so gerne verbreitet wird, scheint dabei vollkommen egal zu sein. Wäre ja auch nur halb so platt und reißerisch, wenn man sich mit den wirklichen Schicksalen beschäftigen würde.

      Es bleibt Frau Bärtels im Prinzip natürlich unbenommen, so ignorant zu sein und zu bleiben. Man könnte ihr auch durchaus die von ihr so viel zitierte Faulheit unterstellen, da sie offensichtlich keine Mühe auf ordentliche Recherchen verschwendet hat, um sich dann eine fundierte Meinung zu bilden…
      Nur frage ich mich, warum eine renommierte Zeitung ihr für die Verbreitung dieser überaus miesen Anfeindungen ein Forum bietet?
      Der gesamte Artikel ist eine einzige Gemeinheit und ich frage mich, was Sie mit der Veröffentlichung eigentlich bezwecken wollen? Soll das witzig sein? Wollen Sie der Dickenhetze in den Medien noch mal so richtig Schwung geben?
      Man stelle sich vor, eine andere gesellschaftliche 'Randgruppe' wäre Gegenstand dieses Artikels – die allgemeine Empörung wäre grenzenlos und das Ganze wäre sicherlich niemals abgedruckt worden! Aber mit den Dicken kann man es ja machen. Da bewegt man sich in bester Gesellschaft.
      Ich bin wirklich zutiefst betroffen und enttäuscht!
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    • dramaqueen schrieb:

      Ich hab mich wirklich so über diesen Mist geärgert, dass ich einen Leserbrief geschrieben habe. Hoffe, es ist mir einigermaßen gelungen, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen:


      mein Kompliment, Du hast das getan was man eigentlich tun sollte " seine Empörung öffentlich machen" - danke

      toni

    • Smutje schrieb:

      Dummheit lässt grüßen, oder ist das Satiere die ich nicht verstehe :-o


      Itsme schrieb:

      Das ist in meinen Augen Bosheit pur :eek:
      Ich denke auch, dass es eher Bosheit als Satire ist, das lässt zumindest dieser Satz vermuten

      Zitat aus dem unsäglichen Artikel schrieb:

      Aber sagen darf man nix, sonst wird man wegen Diskriminierung verklagt.




      :daumen: Dramaqueen. Ich werde morgen auch noch was schreiben, heute habe ich keine Lust mehr und würde mich wahrscheinlich auch im Ton vergreifen. Lieber noch einmal drüber schlafen :cool2:
      [CENTER]Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
      [SIZE=1](Søren Aabye Kierkegaard)[/SIZE]
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    • Danke euch für die Rückmeldungen!
      Ich fänd es super, wenn noch mehr Reaktionen kommen.
      Das ist echt schon sehr happig, was die da geboten haben!
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    • Dramaqueen, Dein Leserbrief ist erstklassig.

      Natürlich ist der Artikel in seiner Gesamtheit unmöglich. Aber dass die Autorin sich über den Spruch an der Umkleidekabine geärgert hat, kann ich verstehen. Gerade frustrierte Dicke können in solchen Fragen verdammt übergriffig sein. Das habe ich selbst schon oft erlebt.

      Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Das gleiche Recht haben aber auch alle anderen.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail.
      Ihr erreicht mich daher ausschließlich über die eMail-Adresse im Impressum.
    • Martina schrieb:

      Dramaqueen, Dein Leserbrief ist erstklassig.

      Natürlich ist der Artikel in seiner Gesamtheit unmöglich. Aber dass die Autorin sich über den Spruch an der Umkleidekabine geärgert hat, kann ich verstehen. Gerade frustrierte Dicke können in solchen Fragen verdammt übergriffig sein. Das habe ich selbst schon oft erlebt.

      Wir wollen in Ruhe gelassen werden. Das gleiche Recht haben aber auch alle anderen.


      Im Prinzip gebe ich dir völlig Recht. Jeder hat das Recht darauf in Ruhe gelassen zu werden!
      Aber was ist denn so schlimm daran vor der Umkleidekabine ein Kompliment zu bekommen. Wenn ich darauf keine Lust habe ignoriere ich das einfach.
      Ich freu mich aber wenn mir jemand sagt das mir das was ich gerade anprobiere gut steht oder aber auch über das nette Kopfschütteln mit Blickkontakt welches sagen soll, ne lieber nicht.
      Ich finde diesen Artikel einfach Menschenverachtend. Es ist mir völlig egal was diese Autorin über Dicke denkt aber ich finde es heftig das ich sowas in einer seriösen Tageszeitung (das ist sie doch, oder? ich kenne sie nämlich nicht) lesen muss.
      Stell dir mal vor der gleiche Artikel würde irgendwo erscheinen und das Wort dick würde durch schwul ersetzt...
      ...glaubst du die würde dann auch noch so erfolgreich für alle möglichen großen Zeitschriften schreiben dürfen.
      Ich bin lieber dick als doof!
    • Ich habe doch geschrieben, dass der Artikel unmöglich ist.

      Aber ich hätte mich über diesen Spruch an der Umkleidekabine auch aufgeregt. Und für mich war das auch kein Kompliment. Ich kann es überhaupt nicht leiden, wenn sich jemand in dieser Form in meine Angelegenheiten einmischt. Und selbst wenn es tatsächlich als Kompliment gedacht war, würde ich es noch als übergriffig empfinden. Das ist mein persönliches Fühlen. Als ich die Beschreibung dieser Szene gelesen habe, zog sich mir alles zusammen und ich konnte verstehen, dass das die Autorin befremdet hat.

      Das ändert aber nichts daran, dass der Artikel in seiner Gänze völlig inakzeptabel ist.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail.
      Ihr erreicht mich daher ausschließlich über die eMail-Adresse im Impressum.
    • Beim Durchlesen des "Artikels" habe ich auf irgendeine Droge in der Lüftung der ganzen Redaktion getippt. Anders kann ich mir die Veröffentlichung eines solchen Geschreibsels nicht erklären.
      Abgesehen von dem nicht akzeptablen Inhalt finde ich seine ganze Form unmöglich. Diese Aneinanderreihung abstruser Behauptungen erinnert eher an einen Schulaufsatz aus der Unterstufe als an einen Artikel einer preisgekrönten Autorin.

      Wer sich davon beeindrucken und leiten läßt, ist sicher durch sachliche Argumentation auch nicht zu erreichen.
    • Francis schrieb:



      Wer sich davon beeindrucken und leiten läßt, ist sicher durch sachliche Argumentation auch nicht zu erreichen.


      Das glaube ich nicht unbedingt, Francis.
      Ich habe über dieses Thema schon des öfteren mit verschiedenen Menschen gesprochen und staune immer wieder, wie sehr Menschen das, was sie aus den Medien erfahren, für bare Münze nehmen. Und das sind durchaus nicht nur Menschen, die ohne nachzudenken schlucken. Nicht selten kam, wenn ich ein paar Fakten aufgezählt habe, die verwunderte Antwort: "Ach so!!! Das wusste ich gar nicht! Warum wird denn dann so viel Falsches erzählt???" (In dieser, oder in ähnlicher Form.)
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Der Artikel ist wirklich eine Frechheit! :eek:
      Aber noch schlimmer, als ihn zu schreiben, ist ja wohl, so ein "Werk" auch noch zu veröffentlichen. Man fasst es nicht...

      Gut, dass Du einen Leserbrief geschrieben hast, Dramaqueen. Richtig gut fand ich auch den Hinweis, wie solch ein Artikel wohl angekommen wäre, handelte es sich um eine andere Randgruppe als um Dicke (wahlweise einsetzen: Behinderte, Schwule, Ausländer usw.... lässt sich beliebig verlängern - und geht gar nicht!). Ist schon komisch (aber nicht witzig) - sind die Dicken eigentlich die allerletzten, die noch zum Abschuss freigegeben sind?
    • Bei dem Beispiel "andere Randgruppen" ging mir gerade dies durch denKopf:

      Wenn ich richtig informiert bin, wurden z. B. in der ehemaligen DDR Behinderte weg gesperrt.
      Schwule hatten bis vor nicht langer Zeit, wenn sie ihr Schwulsein leben wollten, mit Gefängnisstrafen zu rechnen,
      und Ausländerfeindlichkeit (z.B. in form von Neonazismus) verbreitet sich immer mehr, trotz der grausamen Vegangenheit.

      Wie hart und lang mag bei diesen Gedanken wohl der Weg der Dicken werden, bis sie vor solch abwertendem Gedankengut geschützt sind?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Itsme schrieb:


      Wie hart und lang mag bei diesen Gedanken wohl der Weg der Dicken werden, bis sie vor solch abwertendem Gedankengut geschützt sind?

      Sehr lang, glaube ich.
      Aber abgesehen vom zunehmenden Neonazismus wird es bei den anderen Randgruppen zumindest langsam besser. Die höhere Toleranz/ Akzeptanz liegt wahrscheinlich daran, dass aus Sicht der Leute die anderen Randgruppen "nichts dafür können", wie sie sind, die Dicken aber schon. Und das wird sich auch nicht ändern, solange immer noch die Mär vom "faulen Fresssack" verbreitet wird.
    • Mein Leserbrief dazu:

      Falls der Artikel "Lebendig begraben" von Gabriele Bärtels lustig oder satirisch sein sollte, kann ich Ihnen als selbst von Übergewicht Betroffene sagen: er ist es nicht. Sie lassen nicht ein Klischee aus, sich diffamierend und verachtend über Personen auszulassen, über die Sie nichts, absolut gar nichts wissen. Wer gibt Ihnen das Recht, sich derart beleidigend über Menschen auszulassen, die Ihnen nichts getan haben? Ist Ihnen nicht klar, dass Dicke Menschen mit Gefühlen sind?

      Bislang habe ich Ihre Zeitung für ein seriöses Blatt gehalten. Offenbar muss ich nunmehr meine Meinung revidieren, denn ein seriöses Medium würde kaum unbesehen einen solchen Schwall Abfall, der augenscheinlich in reinster Bosheit über unbekannte Menschen ausgegossen wird, veröffentlichen.

      Ich würde mir wünschen, dass Sie meinen offenen Brief an die Medien das-dicke-forum.de/cms/content/view/86/84/ lesen und darüber nachdenken, bevor Sie künftig ohne jegliche Kritik solch einen abfälligen Artikel veröffentlichen.
      [CENTER]Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
      [SIZE=1](Søren Aabye Kierkegaard)[/SIZE]
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