"Abnehmen ist leichter als zunehmen"

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    • "Abnehmen ist leichter als zunehmen"

      Ich las soeben einen Artikel über das Buch mit dem obigen Titel und habe darüber auch gegoogelt.
      In einem Interview erklärt der Autor seine Erkenntnisse.

      Ich würde gern die Seite hier angeben, oder etwas über den Inhalt des Buchess schreiben, bin aber nicht sicher, ob das okay ist.

      Was haltet ihr von der These des Autors?
    • Ich habe darüber auch schon gelesen, weiß aber nicht mehr wo. Ich tue mich mit dieser Art Bücher sehr schwer. Früher habe ich alles aufgesogen, was es in der Richtung gab, aber wiedergefunden habe ich mich eigentlich nirgendwo. Wenn ich es richtig sehe, dann vertritt er die Auffassung, dass hinter jedem Übergewicht ein psychisches Problem steckt. Diese Auffassung teile ich nicht. Daher ist das Buch sicher nur für solche Leute geeignet, die sich mit dieser Auffassung identifizieren können.

      Um aber etwas Abschließendes dazu sagen zu können, müsste man das Buch wohl lesen.

      Wenn Du magst, kannst Du eine kleine Zusammenfassung schreiben.

      Martina
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail.
      Ihr erreicht mich daher ausschließlich über die eMail-Adresse im Impressum.
    • Ich vermute, ich habe das Interview, das Du meinst, gefunden.

      Die These von der Angst vorm Essen vertritt auch Lena Bredow. Ich halte es allerdings in Zeiten wie diesen für nahezu aussichtslos, sich völlig von dieser Angst zu befreien. Selbst ich, die ich ein sehr unverkrampftes Verhältnis zum Essen habe, kann mich davon nicht völlig frei sprechen.

      Essen von Gefühlen trennen zu können, halte ich auch für graue Theorie. Man muss nicht essgestört sein, um Essen auch mal mit Gefühlen in Zusammenhang zu bringen. Ich empfinde Sättigung (und damit meine ich explizit Sättigung und nicht Überessen) als angenehm. Ich habe so oft in meinem Leben gehungert, bin mit Hunger eingeschlafen und aufgewacht, dass Sättigung für mich so etwas wie "das Leben geht weiter" bedeutet. Leider machen Psyche und Physis keinen Unterschied zwischen Hungersnot und Diät. Die Narben, die zurück bleiben, sind die Gleichen. Überessen kann ich mich allerdings nicht. Das empfinde ich als wesentlich unangenehmer als Hungern. Schon wenn ich mal ein kleines bisschen über mein Hungergefühl hinaus esse, weil es so gut schmeckt, bezahle ich dafür mit einem großen Unwohlsein.

      Aber auch sonst bringe ich gelegentlich Gefühle mit Essen in Verbindung, z.B. Heimatgefühle. Wenn ich in Solingen bin, plane ich bewusst und absichtlich eine Mahlzeit in einem der traditionellen Ausflugslokale und esse dann auch etwas "Landestypisches", also z.B. Waffeln mit Kirschen und Sahne oder Buchweizenpfannekuchen. Das gibt mir für die nächsten Monate die Kraft, wieder in der Ferne zu sein. Und das ist etwas, was ich mir nie nehmen lassen würde. Es ist eine Mischung aus guter alter Zeit und Kontaktaufnahme zu einer Zeit voller Geborgenheit und Wärme, an die ich mich einfach gerne erinnere und die ein guter Teil von mir ist.

      Ich glaube, kein Mensch ist so nüchtern, dass er sich solch nostalgischen Gefühlen, die einen gelegentlich überkommen, entziehen könnte.

      Der absolute Schwachsinn ist aber - zumindest aus meiner Sicht - diese These:
      Als unattraktiv, ungelenkig oder sogar dumm zu gelten, schützt einen Menschen etwa vor Zudringlichkeiten, Konkurrenzkampf oder Überforderung.
      Quelle: Andreas Winter im Interview, Mankau-Verlag, 25.10.07
      Ich habe, häufiger als mir lieb war, Zudringlichkeiten erlebt. Und was Konkurrenzkampf und daraus resultierende Überforderung betrifft, so war es bei mir genau umgekehrt. Ich habe mich selbst ein halbes Leben lang in Überforderung katapultiert und habe zurzeit große Mühe mich diesem Mechanismus endgültig zu entziehen, WEIL ich dick bin. Ich wollte mit Gewalt beweisen und habe das wohl auch getan, dass Übergewicht weder bedeutet unattraktiv und ungelenkig zu sein noch dass ein Übergewichtiger dumm ist.

      Martina
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      Ihr erreicht mich daher ausschließlich über die eMail-Adresse im Impressum.
    • Darf ich die Zusammanfassung bezw. das Interview kopieren?
      Dort wird es besser erklärt, als ich es wiedergeben könnte.

      P.s.

      Unsere letzten States haben sich überschnitten. Nun kann ja jeder das Interview nachlesen.

      @ Martina
      Ich verstehe Deine Argumentation, trotzdem finde ich manche Gedanken der Erklärung in dem Interview nicht ganz abwegig. Einiges kann ich für mich persönlich bejahen.

      Für mich ist der Hauptgedanke der, mit dem schlechten Gewissen bei vielem, was man isst. Dieser eingeimpfte Grundgedanke, das dieses oder jenes nicht gut für mich ist und dick macht und der Körper dann auch entsprechend reagiert. Sozusagen als Selbstprogrammierung.
    • Dass "Angst vor dem Essen" zur Zunahme führt, könnte stimmen - es haben ja schon einige hier festgestellt, dass sie plötzlich nicht mehr zunehmen, wenn sie die Diäten sein lassen und entspannt essen. Zum Abnehmen hat es bei mir aber damit noch nicht gereicht.

      Seinen zweiten Punkt, das Essen von den Gefühlen zu trennen, verstehe ich so, dass man möglichst nur aus physiologischen Gründen, also schlicht aus Hunger essen sollte und nicht als Kompensation für andere Gefühle. Das finde ich auch noch ganz plausibel.

      Bei seinem letzten Argument steige ich allerdings aus: Ich konnte noch nie auch nur ansatzweise einen der von ihm (und teilweise auch von anderen) genannten "Vorteile" des Dickseins erkennen. Die Nachteile des Dickseins sind mir hingegen hinreichend bekannt und ich würde diese gerne mit den angeblichen Nachteilen des "Schlankseins tauschen". Denn der so "schreckliche Konkurrenzkampf", dem ich dann plötzlich ausgesetzt wäre, scheint mir doch eher wie ein laues Lüftchen, im Vergleich zu dem, was einem als dicker Mensch von Vorurteilen bis Ablehnung im Alltag so entgegenweht.

      Solche Behauptungen machen mir immer Lust, mich mit so jemandem im Gespräch auseinanderzusetzen, zumal er nicht so aussieht, als hätte er eigene Erfahrungen mit dem "Dicken Leben". Können wir ihn nicht mal zum Chat einladen?
    • Ich kann einigen Aussagen des Herrn Winter zustimmen. Z.B. die Angst vorm Essen, kenne ich auch. Besonders, wenn ich mal wieder abgenommen habe, dann habe ich lieber garnicht gegessen, weil ich immer Angst hatte wieder zuzunehmen, natürlich hielt das nicht lange an, dann kam aber das Gegenteil und es war mir egal, was ich esse, ich werd ja eh wieder dick.

      Und dann ist da noch, die Sache mit den Emotionen, das kenn ich auch. Auch die Angst vorm Schlank sein, ich habe da immer mal wieder so Gedanken. Vielleicht bin ich ja dick, weil ich nicht so sein will wie alle, weil ich mich aus der breiten Masse herausheben will. Schaut euch doch mal in großen Einkaufszentren um, besonders fällt mir das aber auch immer bei Ikea auf, der Stil der meisten Frauen ist gleich, ich habe das mit meinem Mann schon oft beobachtet. Oder jetzt im Herbst, alle Frauen tragen Röhrenjeans und Stiefel, meist flache. Nicht das ich das nicht auch gern tragen würde, ich finde das chic, aber vielleicht will ich ja unbewußt nicht so sein, wie die meisten. Versteht ihr was ich meine.

      Was mir dazu noch einfällt, ich kannte mal eine Frau, die hat extrem viel abgenommen, durch radikale Ernährungs- und Lebensumstellung, die war dann ein vollkommen andere Mensch und sah bald 20 Jahre älter aus, als sie war. Das fand ich furchtbar und dachte immer, das mir das nicht passieren sollte. Insofern kann ich die Aussagen, des Herrn Winter verstehen.

      LG Katrin
    • Mich erinnert das alles sehr an die Thesen von Susie Orbach aus ihrem Anti-Diät-Buch, das ich Anfang der achtziger Jahre in die Finger bekommen habe. Sie beschreibt all diese Phänomene zwar aus feministischer Sicht, die Basis ist aber dieselbe: Eine unbewusste Ablehnung bestimmter Körperbilder und Rollen, die - warum auch immer - negativ besetzt sind.

      Dicksein schützt demnach vor (insbesondere weiblicher) Konkurrenz, vor sexuellem Interesse (der großen Masse) von Männern. Dicksein kann Stärke und Autorität suggerieren.

      Wer es noch nicht kennt - googelt mal danach. Man muss allerdings berücksichtigen, dass das Buch vor fast 30 Jahren entstanden ist.

      Ich habe damals mit manchem etwas anfangen können, mit manchem auch nicht. Auf jeden Fall war Susie Orbach meine "Erweckung" - hier durfte ich zum ersten Mal lesen, dass Diäten nicht das Allheilmittel sind (die Erfahrung hatte ich persönlich ja schon machen dürfen und dass es nicht an Disziplinlosigkeit und mangelnder Willenskraft liegt, wenn man dick ist.
    • Ich denke wenn man sich so auf das Gewicht konzentiert dann geht der Körper doch automatisch auf "Sparflamme" weil sich im Unterbewußtsein die Meldung "Es kommen magere Zeiten" festmacht und eigentlich sind wir "guten Futterverwerter" von der Evolution ja so gedacht und eher überlebensfähig. Ist ja noch nicht so lange her wenn man die Menschheitsgeschichte ansieht, daß wir mehr zu essen haben als wir verbrennen.
    • Der absolute Schwachsinn ist aber - zumindest aus meiner Sicht - diese These:
      Zitat:
      Als unattraktiv, ungelenkig oder sogar dumm zu gelten, schützt einen Menschen etwa vor Zudringlichkeiten, Konkurrenzkampf oder Überforderung.
      Quelle: Andreas Winter im Interview, Mankau-Verlag, 25.10.07
      Ich habe, häufiger als mir lieb war, Zudringlichkeiten erlebt. Und was Konkurrenzkampf und daraus resultierende Überforderung betrifft, so war es bei mir genau umgekehrt. Ich habe mich selbst ein halbes Leben lang in Überforderung katapultiert und habe zurzeit große Mühe mich diesem Mechanismus endgültig zu entziehen, WEIL ich dick bin. Ich wollte mit Gewalt beweisen und habe das wohl auch getan, dass Übergewicht weder bedeutet unattraktiv und ungelenkig zu sein noch dass ein Übergewichtiger dumm ist.

      Martina


      Wie wahr, wie wahr!
      Es ist wirklich schwer aus diesen Denkmustern auszubrechen. Auch wenn man sich bereits selbst etwas bewiesen hat. Ein ganz böser Teufelskreis von dem ich manchmal das Gefühl habe das ich bewußt reingedrängt werde.
    • Dankeschön, Martina!

      Eure Statements finde ich - wie fast alles in diesem Forum - interessant und durchdacht, deshalb war es mir wichtig, Eure Meinung zu den Ansätzen des Autors zu wissen.

      Ich selbst bin sehr zwiegespalten nach der Lektüre des Buches, finde einiges darin sehr wahr und auch klug, nur hat diese Sache für mich einen dicken Haken: Wer abnehmen will, kann mit diesen Thesen in eine neue, nicht minder hinterhältige Klemme als mit den gängigen Diäten geraten. Es sind bestimmte Kriterien zu erfüllen, die unser Bewusstsein und Unterbewusstsein betreffen, und das ist alles andere als einfach, läuft es doch teilweise direkt gegen den Strom. Dass das Bestreben von Herrn Winter die Auflösung jahrzehntelanger Gehirnwäsche ist, liest sich teilweise aufmüpfig und revolutionär ("Zunahme hat mit Kalorien nichts zu tun"), und das finde ich gut; nur ist das Scheitern daran genauso entmutigend wie das Scheitern einer Diät.

      So heißt es jetzt nicht mehr, die Kilos mit wenig Essen in den Griff zu bekommen, sondern trotz Essen - mit der richtigen Denkweise (= Lösen von Kindheitsblockaden, Hinterfragen und Löschen alter Glaubenssätze, das Bilden anderer ... ist ja nicht so neu, wie hier auch schon festgestellt wurde). Funktioniert das - was Wunder - gewichtstechnisch ebenso wenig wie jede x-beliebige Diät, muss man nicht an sich selbst zweifeln, gibts doch noch die Möglichkeit eines Coachings beim Autor ... Ein anderer Merksatz von ihm lautet: "Essen muss nerven", klingt eher ein bisschen genussfeindlich.

      Also: Mehr Freiheit als eine Diät scheint mir das erstmal nicht zu bieten.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Brit ()

    • Stadtmadl schrieb:

      Bei seinem letzten Argument steige ich allerdings aus: Ich konnte noch nie auch nur ansatzweise einen der von ihm (und teilweise auch von anderen) genannten "Vorteile" des Dickseins erkennen. Die Nachteile des Dickseins sind mir hingegen hinreichend bekannt und ich würde diese gerne mit den angeblichen Nachteilen des "Schlankseins tauschen". Denn der so "schreckliche Konkurrenzkampf", dem ich dann plötzlich ausgesetzt wäre, scheint mir doch eher wie ein laues Lüftchen, im Vergleich zu dem, was einem als dicker Mensch von Vorurteilen bis Ablehnung im Alltag so entgegenweht.

      Solche Behauptungen machen mir immer Lust, mich mit so jemandem im Gespräch auseinanderzusetzen, zumal er nicht so aussieht, als hätte er eigene Erfahrungen mit dem "Dicken Leben". Können wir ihn nicht mal zum Chat einladen?


      Ich sehe das absolut anders als du. Mein Dicksein hat mir mehr Vorteile als Nachteile gebracht. Klar habe ich blöde Sprüche gehört. Aber der Leidensdruck durch Nicht-Ernst-Genommen-Werden, sexuelle Belästigung und gönnerhafte Herablassung war in schlanken Tagen (KG 36-38) viieel größer.

      Ich habe in den letzten 10 Monaten erheblich abgenommen (4 Kleidergrößen), und jetzt ist der Punkt erreicht, wo mich nur noch die Panik packt. Mein Fett war meine Rüstung, meine Burka, meine (Ge-)Wichtigkeit, meine Präsenz, meine Bodenhaftung. Jetzt werde ich plötzlich nicht mehr nach meiner Meinung gefragt, sondern nur noch mehr oder weniger charmant angeflirtet. Was ich zu sagen habe, interessiert auf einmal nicht mehr, sondern nur noch, wie toll ich doch abgenommen hätte blabla. Wie das nervt!

      Wenn das mein Ziel und die Grundlage meines Selbstwertgefühls wäre, hätte ich dieses Ziel erreicht und könnte mich zufrieden in der Bewunderung gewisser Männer sonnen. Aber ich will für meine Ideen bewundert werden, nicht für mein Aussehen. Ich bin fast 48 Jahre alt, (aber ich sehe 15 Jahre jünger aus), und plötzlich werde ich wieder behandelt wie ein kleines Mädchen, bevormundet, man fällt mir ins Wort, ignoriert mich. Ich habe einen guten Freund gefragt, ob ich mich vielleicht anders verhalte, so dass ich das Verhalten der Anderen irgendwie provoziere, aber er sagt nein.
      Ich bin die 0,5% Frauenanteil in meinem aktuellen Job, den Konkurrenzkampf kannst du dir gar nicht vorstellen....

      Gestern und heute habe ich wieder g e f r e s s e n bis mir schlecht war. Ich stecke beruflich momentan in einer ziemlich konfliktären Situation, ich musste den Personalchef zusammenfalten, das macht echt keinen Spaß, und ich fange auch wieder wie früher mit selbstverletzendem Verhalten an. Da kann ich kein Gefühl der Schwäche aufgrund weniger Gewicht gebrauchen!!!
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Aufgrund einer Diskussion in einem aktuellen Thread habe ich heute hier nachgelesen von Dir, Sophie. Bist Du immer noch in dieser Situation oder hat sich inzwischen wieder etwas verändert? - Würde mich wirklich interessieren.
    • Hi, danke der Nachfrage. Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.

      Ich habe wieder etwas zugenommen und bin jetzt bei KG 44/46. Ohne irgendwas an meinem Ernährungs- und Sportverhalten zu ändern, stagniert das jetzt so seit 1 Monat.
      Mittlerweile habe ich einen neuen Job mit mehr Verantwortung, aber auch mehr Anfeindungen und größerer Einsamkeit. Es ist eine große Versuchung für mich, wieder so richtig zuzunehmen. Als Dickere fiel es mir leichter, zur Not mal so richtig kotzbrockig zu sein. Ich habe mich stärker gefühlt, präsenter, gerüsteter. Ich habe gelegentlich Fressanfälle, ich habe auch einmal einen bulimischen Rückfall gehabt, aber ich reiße mich zusammen.

      Im Moment bin ich emotional -ziemlich auf der Kippe. Der kleinste Auslöser (oder auch gar keiner) bringt mich aus dem Gleichgewicht. In der Firma schließe ich mich dann auf dem Klo ein und schneide mich in den Arm. Bis jetzt hat aber noch niemand mitgekriegt, wie es mir geht, ich zeige Pokerface und reiße trockene Witze.

      In meiner Beziehung stimmt fast gar nichts mehr, und dann habe ich jemand Liebes kennengelernt, aber aus uns kann niemals ein Paar werden. Er hatte Tränen in den Augen, als wir uns darüber unterhalten haben, dass wir uns besser nicht mehr treffen. Das hat mich ziemlich mitgenommen.
      Jetzt habe ich zwar immer noch keine Idealfigur, aber ich frag mich gerade, ob er sich für mich interessiert hätte, wenn ich mein altes Gewicht gehabt hätte. Obwohl, so richtig sehen kann man es nicht, und ich trage auch noch die alten Klamotten, die sind jetzt halt noch weiter...
      Und es waren die schönen, tiefgründigen Gespräche, bei denen wir glücklich waren. Mangels Gelegenheit sind wir über heimliche Berührungen und liebevoll Miteinander-Sprechen ja auch nicht hinausgekommen. Es ist eine Folter, wenn man so persönlich miteinander redet, in einem rundum verglasten Sitzungszimmer, und von draußen kann jeder reinsehen, und man darf es sich noch nicht mal am Gesichtsausdruck anmerken lassen, was man füreinander empfindet. Die übliche Bussi-Begrüßung bekommt einen ganz anderen Sinn.

      Tut das weh! Ich muss schon wieder losheulen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Oh, das tut mir jetzt leid ... Du beschreibst so sehr anschaulich Deine Lage - es ist nachzufühlen, dass es Dir nicht gut geht.

      Ja, wenn einem ein Mensch viel bedeutet, gerade unter diesen Umständen, dann ist es ganz schwer, den Verstand vor das Gefühl zu setzen. Ich habe so etwas auch schon erlebt: Er war gebunden, und es gab nur den einen Weg, aber es war eigentlich schon zu spät, und der Schmerz schlug mit aller Wucht zu ...

      Außer meinem Mitgefühl kann ich Dir nichts Tröstliches sagen.
    • Liebe Sophie,

      deine Beschreibung beruehrt mich sehr,und ich wuerde (wie immer ;) ) gerne irgendwie helfen.

      Wenn es zu Selbstverletzung kommt, muss man Hilfe suchen. Ich meine, natuerlich auch eine Fressattacke ist eine Art Selbstverletzung, aber so massiv wie du es beschreibst, da brauchst du professionelle Hilfe.

      Ich wurde vor ca. 3 Jahren von jemand abgelehnt, und ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn ich schlank waere, haette er das entweder gar nicht getan oder erst viel spaeter. Als Resultat habe ich abgenomemn, hatte starken Haarausfall, Fressattacken und was weiss ich noch... Und beruflich ging es auch gerade nicht so...

      Ich habe mir damals ernsthaft ueberlegt, was ich mir antun koennte, um meine tiefe seelische Wunden irgendwie nach Draussen zu bringen, denn Innen hat alles zu viel weh getan. Ich war schon drauf und dran, mich kahl zu rasieren (die meisten Haare waren eh schon weg), hab es aber doch nicht getan.

      Und jetzt bin so was von froh, dass mich derjenige verlassen hat! Und dass ich keine dummen Sachen mit mir angestellt habe. Denn nach und nach hat sich alles geloest. Nicht ohne Ruechfaelle, aber doch geloest. Unter Anderem hat mir eine Therapeutin geholfen.

      Ich kenne eine Therapeutin, die in deiner Naehe ist, udn die ich fuer gut halte. Wird allerding nicht von Krankenkasse uebernommen. Ich habe bei ihr Menschen aus unprofitablen Beziehungen ausbrechen gesehen, und auch berufliche Situation zum Besseren wenden. Wenn du interessiert bist, schreib mir eine PN.

      Ich wuensche dir viel Kraft udn viel Unterstuetzung.
    • Danke für euer Mitgefühl. Ich bin schon aktuell in Therapie, aber das dauert eben seine Zeit, und im Geschäft immer die Fassade aufrecht zu erhalten, kostet viel Kraft. Die Wölfe warten schon, dass ich Schwäche zeige. GSD habe ich im August Urlaub.
      Ich hab schon Schlimmeres überstanden.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)