Die Adipositaschirurgie für die Essstörung instrumentalisieren?

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    • Die Adipositaschirurgie für die Essstörung instrumentalisieren?

      Ich hatte mir ja vorgenommen, mich über die Adipositaschirurgie nicht mehr aufzuregen. Das klappt auch sehr gut, muss ich sagen. Wesentlich emotionsfreier las ich daher in den letzten Tagen in einem AC-Forum und stolperte über jenen schon erwähnten Thread, in dem verzückt über die Vorzüge tagelangen Hungerns berichtet wurde.

      Daraufhin habe ich dort zum Thema Essstörungen einmal wesentlich gezielter gelesen, wobei das meiste dazu Verwertbare nicht im Essstörungs-Unterforum steht, sondern irgendwo zwischen den anderen Themen. So findet sich dort u.a. die deutsche Übersetzung dieses Links. Darin wird darauf abgestellt, wie wichtig die Korrektur der Selbstwahrnehmung essgestörter Menschen ist, vor allen Dingen, wie wichtig es ist, sich von den unerreichbaren Idealen, die uns täglich vermittelt werden, zu befreien, um einen realistischen Umgang mit dem Gewicht finden zu können. Als ich das las, fragte ich mich: Ja, und warum wird hier alles, aber auch wirklich alles unternommen, um genau diesem Ideal zu entsprechen? Warum wird dieser vielfach von den Usern gelobte Artikel nicht umgesetzt?

      Ich bin in Bezug auf Essstörungen ein ziemliches Naivchen, weil mir diese Essstörungsproblematik so was von fremd ist. Aber je mehr ich nun dieses Forum vom Standpunkt der Essstörungen aus betrachte, desto mehr wird mir etwas klar, was mich wirklich schockt. Deshalb möchte ich hier mal eine sehr provokante These aufstellen. Und es würde mich interessieren, ob Ihr das, so Ihr Euch mit dem Thema beschäftigt, genauso empfindet:

      Kann es sein, dass manche Bulimiker und Anorektiker die Adipositas-Chirurgie ganz bewusst instrumentalisieren, um auf vermeintlich akzeptable Weise genau ihrem kranken Ideal so nahe wie möglich zu kommen?

      Dieses Problem bei der Diagnostik zu umschiffen, dafür gibt es genügend Anleitungen in den Foren. Dafür spräche auch, dass es nahezu ausgeschlossen ist, in diesem und in anderen AC-Foren das Thema Selbstakzeptanz anzusprechen. Alles ist gut, was man tut, um sich und seinen Körper den vermeintlichen gesellschaftlichen Wünschen anzupassen. Da viele der Betroffenen sich in dem Glauben befinden, alles würde gut, wenn sie erst einmal abgenommen haben, und es für unnötig halten, ihre Probleme mit sich selbst zu lösen (wozu auch, sie lösen sich ja, wenn die Kilos weg sind ...), sehen sie sich dann nach ihrem großen Gewichtsverlust immer noch von ihren Problemen umzingelt und schreien (so empfinde ich das jedenfalls) nun auf andere Weise lauthals um Hilfe, z.B. indem sie sich selbst verhungern lassen.

      Wie gesagt, ich bin, was dieses Thema betrifft, sehr naiv. Deshalb bin ich auch einigermaßen geschockt über diese Erkenntnis.

      Martina
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    • Ich bin mir nicht ganz sicher, wie du diese Frage meinst:
      Kann es sein, dass manche Bulimiker und Anorektiker die Adipositas-Chirurgie ganz bewusst instrumentalisieren, um auf vermeintlich akzeptable Weise genau ihrem kranken Ideal so nahe wie möglich zu kommen?

      Meinst du damit, dass Leute, die von vorneherein max. leicht übergewichtig bis normalgewichtig oder (z.B. im Fall von Anorexie) sogar untergewichtig sind, sich so einer OP unterziehen, um das ganze auf die Spitze zu treiben? Das scheint mir relativ schwer vorstellbar, da ein Diagnosekriterium für Anorexie ja auch tatsächlich bestehendes Untergewicht ist. Ich hoffe doch sehr, dass wenigstens dieser Umstand für wirklich jeden Arzt eine derartige OP ausschließt!

      Ansonsten denke ich aber sehr wohl, dass so eine OP grundsätzlich im Rahmen einer der oben genannten Essstörungen sowie auch der Binge Eating Disorder (und auch anderer psychischer Erkrankungen) funktionalisiert werden kann bzw. sicher auch längst wird.
      Gerade wenn eine psych. Störung als (Mit-) Ursache für ein 'Gewichtsproblem' vorliegt, kann man die OP ja praktisch überhaupt nicht als Lösung des ursächlichen Problems begreifen.
      Das bedeutet für mich im Umkehrschluss, dass es eine dysfunktionale Verhaltensweise oder Maßnahme darstellt, die ja typisch sind für die meisten psychischen Probleme: Man versucht verzweifelt, mit leider oft ungünstigen Methoden, die Probleme in den Griff zu kriegen und fügt sich dadurch immer weiter oder sogar noch mehr Schaden zu.

      Wenn ich da nur bei mir selber hinsehe, wann ich ab und an auf den Gedanken komme, doch wieder zu erwägen, ob eine OP nicht doch vielleicht...

      (Es ist für mich schon vorstellbar, dass auch Menschen mit Essstörung o.ä. aufgrund extremer gesundheitlicher Beeinträchtigungen den Weg über eine OP zur schnellstmöglichen Gewichtsabnahme wählen, ohne dass das im Sinne eines Lösungsversuchs für die psychische Störung verstanden werden muss. Das wäre dann wohl eine etwas andere Situation.)

      Es gibt ganz bestimmt Menschen, die sich einer solchen OP unterziehen und damit entweder dem allgemeinen (gesellschaftlichen) Druck nachgeben, einem bestimmten Ideal entsprechen zu müssen, oder sogar dem eigenen Druck nachgeben, sich selbst zu schädigen/zu verstümmeln, unter dem Deckmäntelchen sich scheinbar/offiziell was Gutes zu tun...
      Ich kann mich hier nur wiederholen und wiedermal sagen, dass es für mich keine Lösung sein kann, ein Symptom isoliert zu bekämpfen, mit allen Mitteln und koste es was es wolle!

      Wenn ich Übergewicht als Ergebnis einer grundsätzlichen persönlichen Problematik/Störung oder was auch immer betrachte, dann kann das 'Entfernen' des Gewichtes allein eben keine Hilfe sein und es wird weiterlaufen wie vorher, nur eventuell über andere 'Kanäle'.
      Für mich ist Überessen genau wie Hungern eine Ausprägung von selbstschädigendem und dysfunktionalem Verhalten und ein Versuch, dadurch etwas besser aushalten oder bewältigen zu können.
      Fällt dieses Mittel weg oder reicht nicht mehr aus (weil die Probleme im Hintergrund mit der Zeit immer größer werden), muss ich andere Wege finden, damit klarzukommen. Und jetzt frage ich mich, wie das dann auf einmal in einem positiven Sinne funktionieren soll, wo es vorher jahrlang nicht ging?
      Das spiegelt sich aus meiner Sicht in den beschriebenen Berichten aus den AC-Foren wieder und kann so ziemlich jede erdenkliche Form annehmen, die auch gar nicht mehr mit Essen im Zusammenhang stehen muss.

      Ich finde es mehr als fahrlässig, anderen Menschen/sich selber das einzige Mittel 'wegzunehmen', über dass sie verfügen, um ihr momentanes Leben zu bewältigen!
      Es muss vorher gesichert sein, dass der/die Betroffene über realistische und machbare Alternativen verfügt und diese auch anwenden kann, wenn es drauf ankommt - und dann ist so eine OP wahrscheinlich in den allermeisten Fällen gar nicht mehr 'notwendig', weil sich das Essverhalten und insgesamt die Selbstfürsorglichkeit verändert.

      Hm, ich hoffe, das sind jetzt nicht nur schon tausendmal dagewesene Ausführungen geworden! Find's schwierig, das möglichst kurz und prägnant in Worte zu fassen, aber ich dachte mir, ich trau mich mal trotzdem...

      lg,
      dramaqueen
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    • Über dieses Thema kann man meiner Meinung nach gar nicht zuviel schreiben. Leider weiß ich zuwenig darüber und kann auch nicht so differenziert schreiben, aber ich verfolge immer sehr interessiert jegliche Ausführungen die mit dem... ist es ein "Problem"? ..nein, ich schreibe lieber "Zustand" des "dick seins" zu tun haben.

      Auch wenn ich nicht bulemisch bin oder dergleichen, habe ich eben auch meine seelischen Schwierigkeiten damit. Viele Sätze sauge ich in mich auf, ohne sie gleich richtig handhaben zu können, aber irgendwann in manchen Situationen blinkt dann das eine oder andere zur richtigen Zeit in mir auf.

      Deshalb lese ich neue Gedanken zu alten und neuen Themen immer wieder gerne und bin dankbar, daß andere ihre Gedanken so gut in Worte fassen können um sie auf's Papier zu bringen.
    • Liebe Dramaqueen,

      ich meinte das nicht so, dass leicht Übergewichtige, Normalgewichtige oder Untergewichtige sich dieser OP unterziehen. So weit ist es - Gott sei Dank - noch nicht, wenngleich es mir so vorkommt, als würde die Gewichtsgrenze für die OP immer weiter sinken. Auf jeden Fall aber habe ich immer wieder auch von nur leicht Übergewichtigen gelesen, dass sie die OP gerne hätten.

      Ich habe mir aber erklären lassen und habe es auch an verschiedenen Stellen gelesen, dass ein wesentliches Merkmal einer Essstörung der Wunsch nach Schlankheit ist. Ein unbehandelter essgestörter dicker Mensch hätte Schwierigkeiten damit, z. B. eine Gewichtsabnahme von nur, sagen wir mal 30 kg, zu akzeptieren. Auch wenn es ihm dann körperlich besser ginge, wäre er nach wie vor unzufrieden, da er immer noch nicht schlank wäre und keine Halbheiten hinnehmen kann. Das geht auch aus dem o.g. Link hervor (ich werde heute Abend mal versuchen, mich dazu zu motivieren, den Text zu übersetzen ... habe im Moment abends Probleme, am Schreibtisch zu sitzen, bei dem Wetter).

      Ich habe in der Selbsthilfearbeit jede Menge Menschen kennen gelernt, die alle Arten von Essstörungen durch hatten, die zu schlanken Zeiten magersüchtig waren, die, obwohl sie dick waren, Bulimiker waren, die Binge Eating kannten. Ich habe mit dicken Menschen gesprochen, die ihre Magersucht immer noch in sich trugen, die noch genau wussten, wie das damals war, die ihr teilweise nachtrauerten.

      Solche Menschen meine ich. Menschen, die irgendwann einmal ihre Magersucht aufgegeben haben, dick wurden und nun den "legalen" oder von mir aus auch gesellschaftlich akzeptierten Weg suchen, wieder der Magersucht "nachgehen" zu können. Es gibt in einem der AC-Foren dazu auch von einer Userin einen Bericht, der zwar nicht damit endet, dass sie nun wieder magersüchtig ist. Der Bericht dient einer ehemals dicken Userin als Warnung, die gerade für alle Welt offensichtlich in die Magersucht rutscht, das aber überhaupt nicht zugeben will und kann. Eine magenoperierte ebenfalls ehemals dicke Userin berichtet ihr von ihren Jahre zurückliegenden Erfahrungen als Magersüchtige.

      Wenn man den Usern in den AC-Foren glaubt, so sind schätzungsweise 98 % der Operierten in irgendeiner Weise essgestört. Die meisten erachten die OP als die einzige Möglichkeit, die Essstörung zu dominieren, weil sie im Gegensatz zu anderen Süchtigen auf ihr Suchtmittel aus naheliegenden Gründen nicht verzichten können. Der Gang zum Psychologen erscheint vielen als der blanke Horror ... schon im Vorfeld. Gerade in den AC-Foren lese ich häufig, dass es als Makel empfunden wird, einen Psychologen oder Psychiater (selbst für die Beantragung der OP) aufsuchen zu müssen. Viele sind davon überzeugt, dass sich alle ihre Probleme mit der Gewichtsabnahme lösen werden. Und viele fallen dann in ein sehr tiefes Loch. Deshalb finde ich es z.B. toll, dass Silke begleitend eine Therapie macht. Ich glaube, nur so kann das alles einigermaßen funktionieren.

      Ich hoffe, ich konnte nun klarer machen, was ich meinte.

      Martina
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    • Martina,

      ich weiss nicht, ob ich alles richtig verstanden habe, was Du schreibst aber ich sag mal was ich so denke zu dem Thema...
      Es gibt genügend Angebote von Ärzten,die Patienten in meiner Gewichtsklasse (130-110 kg) ans Herz legen, sich operieren zu lassen.
      Und das ohne dass lebensbedrohliche Krankheiten vorliegen. Und das GANZ OHNE auch nur einmal auf eine bestehende Esstörung eingegangen zu sein! Selbst bei dem Hinweis des Patienten, dass eine bestünde, wird das arrogant wegggefegt.
      Ich kenne mehrere Frauen mit dem Gewicht, die das erlebt haben.
      Ein Skandal in meinen Augen. Denn mit der passenden Hilfe geht es in dieser Gewichtsordnung früher oder später auch auf normalem Wege- wie auch immer, das richtet sich eben nach der vorliegenden Problematik was Organstörungen oder Psychsiche Probleme angeht. Würden sich mehr Ärzte mehr Mühe mit dem einzelnen Patienten geben, würden Stoffwechselerkrankungen, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Schilddrüsenfehlfunktionen, PCO etc. und auch Esstörungen, postraumatische Störungen, Depressionen etc. früher erkannt und angemessener behandelt werden können ohne dass es zu dramatischen Übergewicht kommt.
      Aber das geht meist allen Beteiligten nicht schnell genug... und Ziel scheint es in dieser Gesellschaft nicht zu sein, glücklich mit sich selbst zu leben und das Krankheitsrisiko klein zu halten sondern so schnell als möglich schlank zu sein. Egal wie man sich dann fühlt und ob es einem überhaupt auf der ganzen Linie besser geht.
      Und da der Weg über den Kopf und die Seele so viel beschwerlicher ist, gehen sicher viele Menschen die Lösung all ihrer Probleme technisch an. OP, Schmerzmittel, Apetitzügler, Abführmedikamente, etc.
      Diese Gesellschaft suggeriert, dass nur der lebensfähig zu sein scheint, der erfolgreich, beliebt und gesund ist.
      Wer schlank ist, hat laut Suggestion: einen lukrativen, anerkannten Beruf/Job, einen optimalen Partner, gesunde, wohlgeratenene Kinder, viele Freunde, Zuspruch, Anerkennug, Liebe und ein langes Leben.
      Und jeder, der das nicht durchschaut, wird darauf reinfallen und all dem ein Leben lang hinterherjagen. Und das tun nicht nur Dicke, die diesem Bild ähnlich sein wollen.
      Die wenigsten Menschen schauen genau hin, was Gott ihnen als Individuum mitgegeben hat, schauen, was sie gut können, was weniger gut, ob sie von ihrer Anlage aus eher schlank, dick, gross, klein, behindert, dunkelhäutig, attraktiv, unattraktiv, intelligent oder einfacher gestrickt sind. Und nehmen das an als etwas das nur sie selbst ausmacht. Jeder ist schliesslich einzigartig. Das zu schätzen ist den wenigsten möglich und daraus resultiert m.E. früher oder später mehr oder weniger Selbshass der dann wiederum zur Selbstablehnung führt.
      Könnte man andere Menschen und sich selbst generell so annehmen wie sie sind/man ist, bräuchten weniger Menschen leiden in ihrer Haut und sich somit auch nicht verstümmeln lassen (AC, KOsmetische OPs etc)oder erbrechen nach dem Essen, Alkohol im Übermass trinken, sich selbst verletzen oder Gefühle mit Essen abtöten um einem Ideal gerecht zu werden, das sie als reine Äusserlichkeit auch nicht glücklicher machen wird.

      Marlene

      (Ich bezieh diese Gedanken auf die genannte Gewichtsgruppe.)
    • Hallo Martina,

      danke für deine ergänzenden Worte! So hatte ich es auch verstanden.
      Ich habe mich übrigens plötzlich motiviert gefühlt, den Text mal zu übersetzen - war schon so lange her, das letzte Mal und es hat richtig Spaß gemacht. :notier:
      Hoffe, das kommt so einigermaßen hin und du hast dich jetzt nicht auch schon bemüht!

      Dysfunktionale Gedanken bei Essstörungen, über Körperbild, Selbstwertgefühl; psychologische Faktoren von Essstörungen


      Frage: Haben Menschen mit Essstörungen realistische Ziele?
      Was sind die psychologischen Gegebenheiten von Essstörungen?


      Antwort: Menschen, die an Essstörungen leiden, neigen dazu, eine Reihe von dysfunktionalen Gedanken bezüglich ihres Körperbildes zu haben: sie sind unfähig, ihr Gewicht und ihr Körperbild objektiv einzuschätzen.


      Aus diesem Grund verbringen diese Menschen einen Großteil ihrer Zeit damit, sich darum zu bemühen, sich einem Körperideal anzupassen, einem Bild, dass oftmals nur in ihren Köpfen existiert und in Wirklichkeit unerreichbar ist, da es weit entfernt von ihrem physiologischen Gewicht liegt.


      Eine Theorie über ihre Motivation ist, dass sie mit ihren vernünftigen Verhaltensweisen bei der Gewichtskontrolle beginnen, weil es einfacher ist, Kontrolle über den eigenen Körper auszuüben als Charaktereigenschaften zu verbessern.


      Die wichtigste psychologische Störung von Essgestörten ist, dass sie sich selbst nicht mögen und dass für sie die Gewichtskontrolle zu einem Mittel zur Überwindung dieses Mangels an Selbstwertgefühl wird.


      Das scheinbar so seltsame Verhalten, dass diese Menschen zeigen, ist eng verbunden mit diesem Mangel an Selbstvertrauen.


      Essgestörte denken, sie seien wertlos (haben ein niedriges Selbstbewusstsein, ...) und müssen deshalb versuchen, besonders zu sein. Sie glauben, sie seien schlecht und müssen deshalb immer versuchen, gut und verständnisvoll zu sein. Sie glauben, es mangele ihnen an Selbstbewusstsein und deshalb müssen sie stets versuchen, strenge Kontrolle auf alles und jeden auszuüben. Sie betrachten sich selbst als hässlich und fett und deshalb bemühen sie sich, dies zu überwinden, indem sie so dünn wie möglich werden. Sie akzeptieren keine Halbheiten und wenn sie auf den Gedanken kommen, etwas zu tun, tun sie entweder ganz oder gar nicht. Das heißt, sie leben in einer Welt der Extreme – man ist entweder sehr dünn oder sehr fett.


      Die dysfunktionalen Gedanken, an die diese Menschen glauben, erklären für sie all ihr symptomatisches Verhalten. Die Therapie der Essstörungen sollte stufenweise alle Vorurteile abbauen, die gleichzeitig prädisponierende und aufrechterhaltende Einflussfaktoren der Symptomatik sind.

      Quelle: web4health.info/en/answers/ed-psy-dysfunct-thoughts.htm

      Ich glaube, es liegt nicht nur daran, dass nur Extreme akzeptabel erscheinen, wenn ein Essgestörter trotz Gewichtsabnahme weiterhin unglücklich ist. Ich glaube, das kommt nicht zuletzt auch daher, dass das vorherige (Über-) Gewicht nie der wirkliche Grund für das Problem war sondern eben eine Auswirkung.
      Wie der Autor schreibt, scheint es aber einfacher und offenbar auch naheliegender, den Körper zu unterwerfen, ihn zu bezwingen, als die inneren Überzeugungen und Einstellungen zu hinterfragen und womöglich zu verändern.
      Den Wunsch nach Schlankheit, der irgendwie ja allen Essstörungen gemeinsam zugrunde zu liegen scheint, verstehe ich vor allem auch als Wunsch danach, 'richtig' zu sein, passend und so, wie man eben scheinbar sein sollte, um akzeptiert und geliebt zu werden. Und da scheint es ja mehr als legitim, alle erdenklichen Mittel einzusetzen, um dieses Ziel zu erreichen...

      lg,
      dramaqueen
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    • "Den Wunsch nach Schlankheit, der irgendwie ja allen Essstörungen gemeinsam zugrunde zu liegen scheint, verstehe ich vor allem auch als Wunsch danach, 'richtig' zu sein, passend und so, wie man eben scheinbar sein sollte, um akzeptiert und geliebt zu werden. Und da scheint es ja mehr als legitim, alle erdenklichen Mittel einzusetzen, um dieses Ziel zu erreichen..."


      hmmm.... eigentlich wollte ich zu diesem thema ja nicht mehr mit diskutieren :holy:

      aber irgendwie hake ich an deiner aussage immer wieder fest.

      bei mir lag/liegt die essstörung in erster linie so, dass ich durch das essen oftmals eine innere leere aufgefüllt habe/auffüllen wollte.

      das gefühl zu glauben ich sei schlecht udn müsse deswegen besonders verständnissvoll und gut in allem sein.... das ist mir nicht fremd.

      überhaupt kann ich den vorletzen absatz deiner übersetzung voll unterschreiben.

      DAS war mein lebensgefühl. :(

      im rahmen meiner therapie bin ich jetzt dabei mich mühsam aus den alten mustern zu kämpfen. gerade das thema kontrolle spielt bei mir nach wie vor eine grosse rolle.

      nachdenkliche grüsse
      Silke
    • Liebe Dramaqueen,

      vielen Dank! Ich habe es, ehrlich gesagt, vorgezogen, heute Abend mein Abendbrot an das Überlinger Ufer des Bodensees zu verlegen und mit ein paar leckeren Kugeln Fruchteis aus Überlingens Turbo-Eisdiele zu tauschen.

      Ich finde es sehr lieb, dass Du mir die Arbeit abgenommen hast.

      Liebe Grüße
      Martina
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    • Dieses besser sein wollen als die anderen kenne ich zum Glück nur aus dem Job. Da habe ich mich jahrelang enorm ins Zeug gelegt, um mich zu beweisen. Ich kann das aber nicht nur negativ sehen. Es hat mich auch ganz schön weit gebracht. Wäre ich stromlinienförmig gewesen, hätte ich, so wie ich mich kenne, nicht so viel Ehrgeiz entwickelt. Ein gutes Teil meines heutigen Wohlstandes habe ich diesem "dicken" Ehrgeiz zu verdanken.

      Martina
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    • @ Marlene

      Du sprichst mir aus der Seele. Unwissentlich hast Du in Deinem Posting eine Zusammenfassung dessen geliefert, woran ich gerade für unsere Website und auch im Zusammenhang mit einem geplanten Brief an die CDU schreibe. Dein Posting spiegelt genau die Einstellung des Forums wieder. Vielen Dank dafür!

      Martina
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    • ich möchte mich noch einmal ganz herzlich für den link und die übersetzung bedanken.
      ich hab das gestern mit in die therapiestunde genommen - auch die nachfolgende gegenüberstellung von normalem und gestörtem essverhalten (von einem anderen therapeuten).
      was da drin steht "wusste " ich natürlich schon. aber diese "nüchterne" beschreibung hat mir so glasklar vor augen geführt, dass es sich tatsächlich um ein krankheitsbild handelt und ich nicht nur verfressen war/bin.

      und sie hat für mich unterstrichen, dass der weg aus dieser störung nur die absolute aufmerksamkeit für meine bedürfnisse und wünsche sein kann. natürlich arbeiten meine therapeutin und ich da auch genau dran. und ich habe das gefühl, ich bin jetzt an einem durchbruch.

      ein beispiel: ich habe vor meiner gartentür eine kleine holzterasse, wirklich klein. die habe ich liebevoll gestaltet und jedesmal wenn ich an der offenen tür vorbeigehe lacht mein herz. es ist ungefähr genauso, wenn ich meinen kater anschaue, weil ich den halt sehr lieb habe und ich mich immer freu, wenn er daherkommt.
      zweites beispiel: ich hab mir einen camcorder gekauft und spiel die ganze zeit damit herum. finanziell unvernünftig, aber ich hab dieses beengende "ich-kann-mir-das-nicht-leisten" denken erfolgreich abgestellt. ich hab mir die kamera nicht aus unvernünftigen gründen gekauft, also über meine verhältnisse gelebt, sondern aus dem vernünftigen grund, weil sie mir große freude bereitet.
      ich erlebe, sobald ich etwas für mich tue, hat das viele positive folgewirkungen, alles blüht und gedeiht.

      und da gibts noch viele beispiele, anhand derer ich jetzt täglich erlebe, wie es ist, seine bedürfnisse zu befriedigen, auf sich selbst zu achten.
      und ich spüre, bis zum definitiven durchbruch beim essen, ist es nicht mehr weit. wobei das sicher wieder ein längerer prozess werden wird, aber mein essverhalten ist ohnehin schon so viel besser.

      was diese texte mir so erfolgreich bestätigt haben, ist, dass es eine lösung gibt, die nicht über das thema essen führt, sondern über die selbstliebe. warum es gerade diese zwei texte waren, die mich von einer noch versteckt vermuteten schuld befreit haben und mir die freiheit gegeben haben, die essstörung zu überwinden, ich weiß es nicht. ich weiß nur, dass die botschaft angekommen ist und dass alles, was ich schon für mich tue, jetzt greift. und ich habe sogar bzw. auch eine aufrichtige einsicht, dass ich diese essstörung ausleben muss (= bis zum ende durchleben muss), um mich weiterzuentwickeln, um ein zufriedener mensch zu sein.

      daher also vielen dank fürs posten und übersetzen,

      christine
    • Essgestörte denken, sie seien wertlos (haben ein niedriges Selbstbewusstsein, ...) und müssen deshalb versuchen, besonders zu sein. Sie glauben, sie seien schlecht und müssen deshalb immer versuchen, gut und verständnisvoll zu sein. Sie glauben, es mangele ihnen an Selbstbewusstsein und deshalb müssen sie stets versuchen, strenge Kontrolle auf alles und jeden auszuüben. Sie betrachten sich selbst als hässlich und fett und deshalb bemühen sie sich, dies zu überwinden, indem sie so dünn wie möglich werden. Sie akzeptieren keine Halbheiten und wenn sie auf den Gedanken kommen, etwas zu tun, tun sie entweder ganz oder gar nicht. Das heißt, sie leben in einer Welt der Extreme – man ist entweder sehr dünn oder sehr fett.
      Spät, aber dennoch, antworte ich jetzt auch nochmal auf diesen Thread.
      Ich weiß nciht genau warum, aber ich hatte die Übersetzung von Dramaqueen nicht gelesen...vielleicht weil ich dachte, was eine ES ist? Jedenfalls bin ich beim Lesen über die Fragestellung nicht hinaus gekommen, habe dann diesen Thread nur noch oberflächlich verfolgt.
      Eben las ich dann den Beitrag von Christine, spürte, dass Ihr diese Textübersetzung offensichtlich viel gebracht hat.
      Daraufhin las ich die Übersetzung jetzt.
      Ich bin ein wenig geplättet, jetzt, oder erschrocken... oder erschüttert. Dieser Text bringt Eingenschaften von mir in einen Kontext mit der ES, den ich bisher noch nicht hergestellt hatte, bzw. zumindest mir nicht bewusst gemacht hatte.
      Mir war zwar bewusst, dass ich kein gutes Selbstwertgefühl habe und unterschwellig hatte ich auch das intuitive Gefühl, dass damit auch mein Essverhalten und mein Gewicht zusammenhängt, aber tatsächlich macht der Text es viel klarer mit folgenden 2 Sätzen:
      Eine Theorie über ihre Motivation ist, dass sie mit ihren vernünftigen Verhaltensweisen bei der Gewichtskontrolle beginnen, weil es einfacher ist, Kontrolle über den eigenen Körper auszuüben als Charaktereigenschaften zu verbessern.
      Die wichtigste psychologische Störung von Essgestörten ist, dass sie sich selbst nicht mögen und dass für sie die Gewichtskontrolle zu einem Mittel zur Überwindung dieses Mangels an Selbstwertgefühl wird.
      Und auch mit dem Schlussabsatz fühle ich mich sehr erkannt:
      Essgestörte denken, sie seien wertlos (haben ein niedriges Selbstbewusstsein, ...) und müssen deshalb versuchen, besonders zu sein. Sie glauben, sie seien schlecht und müssen deshalb immer versuchen, gut und verständnisvoll zu sein. Sie glauben, es mangele ihnen an Selbstbewusstsein und deshalb müssen sie stets versuchen, strenge Kontrolle auf alles und jeden auszuüben. Sie betrachten sich selbst als hässlich und fett und deshalb bemühen sie sich, dies zu überwinden, indem sie so dünn wie möglich werden. Sie akzeptieren keine Halbheiten und wenn sie auf den Gedanken kommen, etwas zu tun, tun sie entweder ganz oder gar nicht. Das heißt, sie leben in einer Welt der Extreme – man ist entweder sehr dünn oder sehr fett.
      Wie immer, wenn ich etwas oder jemandem in meinem Leben begegne, das/der mich erkennt, sitze ich jetzt gerade hier, ein wenig verängstigt, erschreckt und mit einem Kloß im Hals...

      Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass sich alle meine "Macken" zu einem eschossenen Gesamtbild formieren - das ist ein seltsames Gefühl.

      Auf jeden Fall scheint dieser Text tatsächlich seine Wirkung zu tun.

      Christine: Du hast von zwei Texten gesprochen, welches war der zweite?

      Ein wenig erstarrte Grüße
      Iko
    • iko66 schrieb:

      Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass sich alle meine "Macken" zu einem eschossenen Gesamtbild formieren - das ist ein seltsames Gefühl.


      Hoffentlich nicht ;)

      Liebe Grüsse,
      L., leider auch ziemlich gut beschrieben
    • Ich muss ja zugeben, dass ich bei der ersten Version auch ein "r" hineininterpretiert habe, das - bei zweiter Betrachtung - dort gar nicht steht. Dabei ist es doch heute gar nicht mehr so heiss...

      Gruss,
      L.
    • iko66 schrieb:

      Christine: Du hast von zwei Texten gesprochen, welches war der zweite?


      wenn du ans ende des artikels gehst, kannst du da blau anklicken

      How people with eating disorders think?

      das ist von einem gunnar palme
      er macht eine gegenüberstellung und die find ich auch ziemlich erleuchtend.
      hier kommst du direkt hin

      web4health.info/en/answers/ed-psy-versus-normal.htm

      du kannst übrigens noch viele andere texte durch weiterklicken finden, aber lies sie besser häppchenweise.

      liebe grüße, christine
    • Hi, darf ich die Übersetzung und das statement von Martina in meinen im entstehenden adipositas.blog.de integrieren????
      Hi Gerd,

      was mein Statement betrifft: Aber gerne!

      Dramaqueen muss zur Übersetzung selbst entscheiden. Ggf. schicke ihr doch mal eine PN, um sie zu fragen.

      Noch etwas zum Thema AC:

      Ich habe in einem anderen Thread einmal geschrieben:
      Ich möchte Euch Mut machen, Eure Träume zu leben. Man darf es nicht mit der Brechstange tun, aber wenn man erkennt, dass die Zeit für etwas da ist, weil sich alles wie von einer magischen Hand gelenkt, fügt, dann ergreift die Chance, auch wenn es vielleicht bedeutet, dass Ihr kurzfristig Eure Existenz auf's Spiel setzt, denn das habe ich definitiv getan. Vertraut Eurem Schicksal! Tut nichts, wovon Ihr nicht überzeugt seid, aber wenn Ihr von etwas überzeugt seid, dann lasst Euch nicht von Miesmachern davon abhalten. Horcht in Euch hinein und folgt dem, was Ihr dort hört.
      Das sehe ich zum Beispiel auch in Bezug auf die Adipositaschirurgie so. Wenn jemand davon überzeugt ist, dass das sein Weg ist, muss diese Person das auch durchziehen.

      Nichtsdestotrotz stehe ich der Einrichtung "Adipositaschirurgie" extrem kritisch gegenüber. Gäbe es sie nicht, müssten die Betroffenen nach anderen Wegen zu ihrem Glück suchen und wenn sie es wollten, würden sie sie dann auch finden. Es ist die Sache, die ich kritisiere, nicht die Menschen, die sie nutzen (außer denen vielleicht, die sie glorifizieren). Und ich persönlich glaube eben auch, dass das Glück, das sie verspricht, eine recht schlüpfrige Angelegenheit ist.

      Martina
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    • Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich einmal diesen Thread hier begonnen. Inzwischen finde ich meine oben geschilderten Eindrücke umso intensiver bestätigt. Hier habe ich einen Thread [Link entfernt, da ungültig, s.u. in Beitrag #31] gefunden, der meine obigen Gedanken voll und ganz bestätigt. Ich finde das alles sehr beunruhigend.

      Martina
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    • ein Magenband mit 115 Kilo,
      ein Magenbypass mit 79 Kilo!

      Schrecklich.
      Auch wenn ich an die zwei Freundinnen denke, die ich in der endokrinologischen Ambulanz gesehen habe und die am 14. August beide in der Rudolfstiftung einen Magen-Bypass bekommen, wird mir übel.
      Sie freuen sich darauf wie 15jährige auf ein Konzert von Tokio Hotel.
    • ich glaub das nicht

      und d. ist mein gutes Recht.
      Auf der einen Seite die Bestätigung (die übrigens für fast alle AC operierten gilt) des "Spuckens; auf der anderen Seite die beruhigende Vorstellung Magenspiegelung war/ist in Ordnung.
      Dauerhaftes "Spucken" führt zur Reizung der Magenschleinhäute und all den negativen Folgen. Aus diesem >Grunde kann eine Magenspiegelung niemals einen normalen Wert zeigen. meint der master of disaster aller AC-<Operierten.