Wie komme ich da nur wieder raus?

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    • Wie komme ich da nur wieder raus?

      Hallo zusammen,

      ich bin noch ganz neu hier und das ist mein erster Beitrag. Ich entschuldige mich jetzt schon einmal für die Länge, aber mir liegt gerade ziemlich viel auf dem Herzen, was ich einfach irgendwo rauslassen muss.

      Ich bin 25 Jahre alt und habe seit ca. 8 Jahren eine Essstörung. Erst Magersucht, dann Bulimie und nun seit einem Jahr Binge Eating. Dieses letzte Jahr hat mich echt fertiggemacht. Der Übergang war schleichend. Mein Denken und Verhalten haben sich immer weiter ins Negative entwickelt, ich habe nur noch schwarz gesehen, war von allem genervt, habe geliebte Menschen von mir gestoßen und es war unmöglich mir irgendetwas recht zu machen. Ausschließlich Essen konnte mir eine kurzfristige Befriedigung verschaffen. Und plötzlich wurde mir einfach alles egal. Ich habe mich von meinem Freund getrennt, der mir bis dahin eine wertvolle Stütze war, und meinen Job gekündigt. Es gab keinen Plan. Ich wusste nur, ich halte das alles nicht länger aus und ich MUSS Essen. Seitdem habe ich 20 kg zugenommen, habe täglich eine Fressattacke nach der anderen und versinke in Selbsthass und Scham. Vor einem Jahr war ich noch schlank und meine größte Angst bestand darin, dass genau das passiert, was nun eingetreten ist. Ich bin an der Grenze zum Übergewicht und wenn ich nicht bald etwas ändere, sind die nächsten +20 kg nicht mehr weit. Ich war auch in Therapie und habe vieles aufgearbeitet, habe teilweise Fortschritte gemacht und wieder an Gewicht verloren, bis mich eine Kleinigkeit wieder aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Dieses Hin und Her ertrage ich langsam nicht mehr. Immer wieder denke ich, "Okay, jetzt bleibe ich stark und bald bin ich wieder die Alte." um kurz darauf wieder jegliche Hoffnung zu verlieren und mich komplett aufzugeben.

      Das was ich hier seit einem Jahr mache, kann man eigentlich kein Leben nennen. Wenn es hochkommt treffe ich einmal im Monat einen anderen Menschen. Die restliche Zeit verstecke ich mich in meiner Wohnung und tue nichts oder esse. Ich fühle mich schrecklich einsam, habe aber gleichzeitig Angst vor Gesellschaft. Ich schäme mich dafür, wie viel ich zugenommen habe, dass ich keinen Job mehr habe und dass ich einfach nichts auf die Reihe bekomme. Was werden die anderen nur von mir denken? Wie soll ich meine aktuelle Lage erklären ohne meine Essstörung und Depression zu erwähnen? Es ist ein verdammter Teufelskreis und ich weiß nicht, wie ich dem entkommen soll. Ein Job, eine tägliche Beschäftigung, würde mir sehr helfen, das weiß ich. Nur leider habe ich ebenfalls Angst vor Vorstellungsgesprächen. Aufgrund der täglichen FAs und der schnellen Gewichtszunahme sehe ich wirklich aufgedunsen und krank aus. Somit ist Wahrscheinlichkeit groß alleine aufgrund meines Aussehens abgelehnt zu werden. Dann muss man sich im Gespräch gut verkaufen können, nur wie soll ich mich anpreisen, wenn ich selbst momentan so gar nichts von mit halte und lügen kann ich auch nicht. All das macht mich einfach nur verrückt. Ich will so nicht weitermachen! Und ich weiß, dass ich da nur aus eigener Kraft herauskomme. Ich denke mein größtes Problem ist immer noch, dass ich mich selbst nur annehmen kann, wenn ich schlank bin und denke, dass ich erst dann wieder glücklich sein kann. Ich würde gerne anders denken, aber es gelingt mir einfach nicht. Schlank zu sein, war wie mein Schutzschild, es hat mir Halt und Sicherheit gegeben. Momentan fühle ich mich so verletzlich und gehe allem wovor ich Angst habe aus dem Weg, was so ziemlich alles ist. Jede Kleinigkeit bringt mich aus der Fassung und wirft mich wieder zurück.

      Habt ihr eventuell ähnliches durchgemacht und eine Weg gefunden im Alltag wieder besser zurecht zukommen? Über Erfahrungen und Tipps würde ich mich sehr freuen! :)
    • Hi,

      Deine Lage hört sich erstmal ziemlich verfahren an. Aber ich bin mir ganz, ganz sicher, dass Du da wieder raus finden kannst und dass sie sich bessern wird!!

      Statt eines "richtigen Jobs" könntest Du dich um deine Gesundwerdung kümmern und zusätzlich z.B. ehrenamtlich arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln, die dir zeigen, dass du einen wertvollen Beitrag leisten kannst.

      Schlank. Ich war früher auch schlank und schön und jetzt bin ich dick und hübsch. Sogar sehr dick. Seltsamerweise scheint dies die meisten Vorgesetzten/Auftraggeber gar nicht zu stören.... Ich arbeite als Berufsschullehrerin und Unidozentin, als Illustratorin und gebe Kurse in verschiedenen Einrichtungen. Bei Vorstellungsgesprächen bin ich jetzt sogar wesentlich erfolgreicher als in jüngeren und schlankeren Zeiten.

      Mach dich von dem Gedanken los, dass beruflicher Erfolg etwas mit Schlanksein zu tun hat.... Es sei denn, du willst als Messe-Hostess arbeiten....;)

      Die Leute wollen jemand, der folgendes ist: kompetent, angenehm, Teamplayer, empathisch, fair, reflektiert, selbstständig etc.

      Arbeite lieber an Deinen Skills. Ich selber schaue gern Lernvideos, wenn ich einen "Depri-Hänger" habe. Zum Glück bin ich meist gut drauf, aber falls doch, weiß ich, dass Film schauen und Lernen in Sekunden alles besser macht.

      Vielleicht gibt es bei Dir auch irgendetwas, das dich gleich aus dem Loch holen kann. Vielleicht bist Du eine Tierfreundin oder fährst gern weg. Oder magst Filme im Kino.

      Allein das Fell eines Hundes oder einer Katze zu streicheln, vertreibt bei mir Depris sofort. Nur schade, dass ich mir zeitlich kein Haustier leisten kann... Aber ich genieße es die Tiere anderer zu streicheln. Vielleicht wäre das auch etwas für dich? Im Tierheim werden Leute gesucht, die mit den Hunden spazieren gehen.


      WhereIsTheSense schrieb:

      Immer wieder denke ich, "Okay, jetzt bleibe ich stark und bald bin ich wieder die Alte." um kurz darauf wieder jegliche Hoffnung zu verlieren und mich komplett aufzugeben.
      >>>> Mir fällt auf, dass du auf rein sprachlicher Ebene in Extremen denkst: "jegliche Hoffnung" "komplett aufzugeben". Sei etwas sanfter zu Dir. Das Leben hat so viele wunderbare Grautöne. Wenn eine Sache schief läuft, ist noch nicht alles schief gelaufen.
      Fast bei jedem Menschen gehen jeden Tag viele Dinge schief.
      Das ist ganz normal und noch kein Grund zur Sorge. Man kann oft hinfallen. Das ist weder peinlich, noch schlimm.

      WhereIsTheSense schrieb:

      Ich schäme mich dafür, wie viel ich zugenommen habe, dass ich keinen Job mehr habe und dass ich einfach nichts auf die Reihe bekomme. Was werden die anderen nur von mir denken? Wie soll ich meine aktuelle Lage erklären ohne meine Essstörung und Depression zu erwähnen?
      Ich würde mich weder fürs Gewicht schämen noch für die momentane Joblosigkeit. Du hast für beides Deine Gründe. Und die Gründe gehen die anderen nichts an. Es sei denn, es sind Deine Freunde oder Menschen, die Dir gut tun.
      Denk lieber an Dich und wie Du aus dem Teufelskreis wieder raus kommst. Was die anderen denken, sollte Dir egal sein (klingt schwierig und ist es auch, aber mit der Zeit kann man es wirklich lernen, auf die Meinung anderer zu pfeifen, ohne dass man gleich egozentrisch wird).
      Deine aktuelle Lage mit Essstörung und Depression musst Du nicht erwähnen. Nur wenn du magst. Ich würde nur in geschützten Bereichen wie einer Selbsthilfegruppe/Freunde/Onlinegruppe/Therapie über so intime Dinge sprechen, wenn ich noch "wackelig auf den Beinen stehe".

      Vor Jahren war ich mal in einer Kinoveranstaltung zum Thema psychische Erkrankungen und da war ein erfolgreicher, jüngerer Schauspieler, der ganz offen über seine Depressionen und Psychiatrieerfahrungen gesprochen hatte, fand ich gut, aber die schweren Zeiten lagen schon eine Weile hinter ihm, so dass er einen gesunden Abstand dazu gewonnen hatte. Auf jeden Fall fand ich es imponierend, wie offen er war.

      Du bist noch so jung und ich doppelt so alt wie Du und ich kann Dir sagen: vieles wird so viel besser! Das kann man sich in jüngeren Jahren oft gar nicht vorstellen!

      Früher hätte ich mir NIEMALS vorstellen können, öffentlich aufzutreten. Oh wie habe ich Referate gehasst.... Und jetzt verdiene ich mit Vorträgen Geld. Früher hätte ich geglaubt, dass es die große Liebe nur für Schlanke gibt. Auch falsch gedacht. Liebe ist völlig unabhängig davon. Mein Freund macht mir selbst nach 10 Jahren immer noch schöne Komplimente, die sich teilweise auch auf mein Aussehen beziehen.
      Früher hatte ich öfters Depris und jetzt kaum noch.

      Das Leben hält noch so viel Schönes bereit. Auch für Dich!
      Liebe Grüße, Goldi
    • Hi, WhereIsTheSense,

      Goldkeks hat es schon gesagt: Du kommst da mit Sicherheit wieder raus. Wie Du schreibst, machst Du ja auch bereits Anstrengungen. Das Entmutigende an den "Heraus"-Wegen kann mitunter sein, daß sie etwas länger dauern.

      Zwischen Deinen Zeilen meine ich zu spüren - ich kann falsch liegen, bitte zögere nicht, mich zu korrigieren - aber mal so sagen, manches erinnert mich schon stark an eine Person, die ein Trauma hinter sich hat. Auch dieses In-sich-ein-Igeln.
      Du schreibst Du gehst in Therapie. Kennt sich dein Therapeut mit Trauma aus? Habt Ihr schon einmal darüber gesprochen?
      Wie gesagt - nur so ein Gefühl. Kann auch vollkommen daneben liegen.

      Vor einiger Zeit habe ich gelernt, daß Scham ein heiliger Ort ist. Scham entsteht in Beziehungen. Am Ort der Scham wohnt all das, was nicht geliebt oder abgelehnt wird/wurde. Manchmal lehnen wir auch selbst etwas an uns ab, hassen etwas an uns, lieben es nicht. Weil wir ja auch zu uns selbst eine Beziehung haben.
      Sieh das, was Du im Moment tun "musst" - also z.B. essen - als Überlebens-Strategie. Statt Dich dafür zu schämen, wäre es hilfreicher, Deine Systeme dafür zu lieben, daß sie nach ihren Kräften dafür sorgen, daß Du überleben sollst. Es mag eine "Hilfe" sein, die untauglich erscheint - und das ist sie in unserem gesellschaftlichen Kontext vielleicht auch - aber Du kannst sicher sein, daß es aus Sicht Deiner Lebenskräfte das Beste ist, was sie im Moment leisten können, die einzige Antwort auf eine Lage, die sie vielleicht als bedrohlich oder zumindest als unsicher wahrnehmen.

      Schäme Dich nicht länger, sondern begib dich an den heiligen Ort und finde heraus, WAS Deine Systeme überleben wollen. Wenn Du die Ursache erkennst, kannst Du sie vielleicht beseitigen.

      Du schreibst, Du willst wieder die Alte werden, und daß Dir das aber nicht gelingt.
      Es kann nicht gelingen, weil Du nie mehr in den Entwicklungsstand VOR "dem Ereignis" zurückgehen kannst. Die Alte werden wollen gleicht dem Versuch, nach der sechsten Schwangerschaft und Geburt wieder eine unberührte Jungfrau werden zu wollen.
      So ein Versuch ist verschwendete Energie.
      Mein Tipp wäre, zu versuchen die "Neue" zu werden, die Du offenbar sein "sollst". Dich mit dem unausweichlichen "Vorwärts, immer vorwärts!" abzufinden, ja anzufreunden.
      Ist jetzt eine ziemliche Binsenweisheit, aber das Leben ist unablässige Veränderung, und niemand von uns kann je wieder die Person werden, die er/sie vor zehn der zwanzig Jahren war.

      Also fasse Mut! Und wappne Dich mit Geduld! Denn "Patient" kommt von dem lateinischen Wort patientia, und das bedeutet, etwas erdulden, Geduld. Ich denke, das ist die einzige bittere Pille an der Sache: daß es keine Schnellschüsse gibt, keine Instant-Lösung. Nur ein stetiges langsames Vorwärts gehen.

      Ich wünsche Dir viele unterstützende Energien aus Deiner Umgebung!

      Ganz liebe Grüße von Issi
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Hallo ihr Lieben,

      Ich leide auch unter Binge Eating und diese hat vor allem jetzt in der Corona-Krise noch weiter zugenommen, da ich aktuell bereits seit mehr als 3 Monaten aufgrund von Krankheit, Urlaub und Kurzarbeit zu Hause bin. Die Arbeit an sich macht mich zwar nicht glücklich, aber durch sie hatte ich jedoch immer einen geregelten Tagesablauf und regelmäßige soziale Kontakte.

      Ich leide unter einer mittelschweren Depression und bin deshalb auch seit 1,5 Jahren in psychologischer Behandlung. Einen Teil meiner Probleme habe ich bereits in meiner Psychotherapie bearbeitet (u.a. die Trennung von meinem Mann nach knapp 12 jähriger Beziehung).

      Das ich eine Essstörung habe und Essen für meine Emotionsregulierung missbrauche, dass weiß ich schon sehr lange. Ich dachte jedoch immer, dass ich mich um meine Essstörung erst dann kümmern sollte, wenn meine Depression nicht mehr besteht. Leider funktioniert das nicht, sondern mir ist bewusst geworden, dass sie sich gegenseitig bedingen. Durch das übermäßige Essen betäube ich meine Gefühle und sorge für Stimmungshochs während des Essens, was auch nach dem Essen noch eine kurze Zeit anhält bevor die Achterbahn nach unten rauscht und die Schuld- und Schamgefühle wiederkommen. Danach kann ich mich wieder auf diese negativen Gefühle konzentrieren anstatt die dahinter liegenden Probleme angehen zu müssen.

      Das ist mir nun alles bewusst geworden und daher möchte ich nun endlich meine Essstörung heilen, damit ich insgesamt heilen kann. Einen Klinikaufenthalt möchte ich aktuell nicht in Erwägung ziehen, da ich gerne wieder in den Alltag zurückkehren möchte (wahrscheinlich wird die Kurzarbeit Ende Mai bzw. Ende Juni endlich beendet).

      Seit einer knappen Woche führe ich nun ein Ernährungstagebuch in dem ich neben dem Essen auch meine Gefühle und Gedanken aufschreibe. Das Ganze trage ich auch in eine Kalorien-App ein um wieder ein Gefühl für normale Portionen zu bekommen und eine ausgewogenere Ernährung zu etablieren. Abzunehmen ist aktuell nicht mein vordergründiges Ziel, da ich mir sicher bin, dass wenn ich die Essstörung überwinde auch mein Gewicht sich regulieren wird.
      Außerdem möchte ich mich gerne einer Selbsthilfegruppe anschließen. Leider ist das gerade wegen Corona nicht ganz so einfach zu finden. Online bin ich dann über dieses Forum gestolpert und dachte, ich probiere es einfach mal aus.

      Daher meine Frage an euch: Habt ihr auch eine Essstörung? Habt ihr Tipps & Tricks, die euch bei der Überwindung der Sucht besonders geholfen hat? Habt ihr evt. Erfahrung mit einer kognitiven Verhaltenstherapie, die Online abläuft (es gibt hier einen Anbieter, den ich jedoch wegen der Forum-Regeln nicht nennen möchte)?

      Über einen Austausch über dieses Thema würde ich mich sehr freuen.

      Liebe Grüße
      Irene
    • Liebe Irene,

      ich kann nachfühlen wie du dich fühlst.
      Was für mich (theoretisch) wichtig ist, wenn ich ein regelmäßiges Essen haben möchte und die Kontrolle über mein Gewicht, ist im wahrsten Sinne des Wortes die Regelmäßigkeit beim Essen.
      Ich gebe zu, im Alltag klappt das nicht, wenn man beispielsweise Arbeiten muss und jetzt in Corona Zeiten schon gar nicht.
      Im Alltag nicht, weil man gar nicht zum Essen kommt und dardurch Heisshunger entsteht und nicht nur in Corona Zeiten auch mal Langeweile oder weil es einfach schmeckt oder man einfach zuviel isst.
      Für mich persönlich, ich liebe Essen und genieße es auch, mich stören eigentlich nur die starken Gewichtsschwankungen und auch die Reaktionen darauf.
      Ich finde man sollte Essen genießen, sich den Kopf darüber negativ zu zerbrechen macht die Sache doch nicht besser und führt nur unnötig zu Stress, die dann die Attacken auslösen.
      Ich glaube, wenn man etwas wirklich ändern möchte schafft man es auch. Wenn man es nicht schafft, weil einem die Kraft fehlt, wie durch Depression oder sonstigen, ist es (für mich hilfreich) sich Gewohnheiten anzugewöhnen, wie die oben genannte Regelmäßigkeit am Essen und zusätzlich sich eine oder mehrere Alternativen zu schaffen was einem ansonsten noch Freude macht (ein Hobby oder mehrere Hobbies, als Alternative). Ich finde die Regelmäßigkeit plus Ablenkung in schwierigen Momenten braucht man dann einfach (sonst natürlich auch, aber das erleichtert die Sache).
      Ich finde, man weiß am besten was man wie fühlt und sollte auf seine innere Stimme hören und sie nicht überhören oder ignorieren.
      Ärzten und Therapien stehe ich kritisch gegenüber, ich habe gesehen und begleitet wie Therapien dazu aussehen auch in Krankenhäusern, aber jeder sollte das selbst für sich entscheiden, was einem hillft und ein Stückchen glücklicher macht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von curvyundschick ()

    • curvyundschick schrieb:

      Ich finde, man weiß am besten was man wie fühlt und sollte auf seine innere Stimme hören und sie nicht überhören oder ignorieren.
      Guten Morgen Curvyundschick, guten Morgen Irene,

      gerade das mit dem Gefühl für das, was einem gut tut und mit der inneren Stimme war für mich persönlich mit das Schwierigste.
      Es gab so viele SOLL's, Gebote und Verbote, man soll die Kohlenhydrate einschränken, man darf keine Schokolade essen weil angeblich schädlich, man muß/darf alle vier Stunden essen, man soll nicht nach siebzehn Uhr essen, man darf nur "gute" Fette essen, wer ethisch konsumieren will, soll vegan essen, ... - meine eigenen Gefühle und inneren Ansagen waren unter dem ganzen Haufen Anforderungen verschüttet.

      Hat ne hübsche Weile gedauert, bis ich da wieder Zugang gefunden hab, bis ich das Vertrauen in meinen eigenen Körper und seine Bedürfnisse wieder "ausgraben" konnte. Und erst in einem zweiten Schritt konnte ich dieses Vertrauen dann auch in die Wirklichkeit umsetzen.

      Das ist jetzt nur meine persönliche Erfahrung, und muß für einen anderen nicht zutreffen. Aber für mich dreht sich alles darum, dem Körper zu vertrauen, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, und auch mal nach außen zu kommunizieren, daß ich Bedürfnisse habe. Letzteres gerade für Frauen vielleicht nicht so einfach.

      @Irene
      FALLS Du eine(n) gute(n) Therapeut_In findest, super.
      Wenn aber eine(r) mehr darauf aus ist, eine Diagnose abzugeben und zu disziplinieren, dann kann Dir das wahrscheinlich nicht weiterhelfen.
      Die Reise zu den eigenen Gefühlen ist vielschichtig und manchmal abenteuerlich. Eine Heldenreise!

      Irene schrieb:

      Das ich eine Essstörung habe und Essen für meine Emotionsregulierung missbrauche, dass weiß ich schon sehr lange. Ich dachte jedoch immer, dass ich mich um meine Essstörung erst dann kümmern sollte, wenn meine Depression nicht mehr besteht. Leider funktioniert das nicht, sondern mir ist bewusst geworden, dass sie sich gegenseitig bedingen. Durch das übermäßige Essen betäube ich meine Gefühle und sorge für Stimmungshochs während des Essens, was auch nach dem Essen noch eine kurze Zeit anhält bevor die Achterbahn nach unten rauscht und die Schuld- und Schamgefühle wiederkommen. Danach kann ich mich wieder auf diese negativen Gefühle konzentrieren anstatt die dahinter liegenden Probleme angehen zu müssen.
      Zum Beispiel was Du in diesem Absatz schreibst, ist sehr "kognitiv", sehr rational irgendwie. Die Reise zu den Gefühlen aber wäre, zum Beispiel das Scham- und das Schuldgefühl einfach auszuhalten, mit der Scham oder der Schuld zu "sitzen", ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen.

      Du fragst nach Tipps. Mein Tipp wäre zum Beispiel,
      mach Dir klar, liebe Irene, daß Du hier auf den Planeten Erde gekommen bist, und daß Du hier vor allem Gefühle findest, und reiche Nahrung für alle Sinne. Wenn wir einmal wieder in den geistigen Raum gehen werden und die Erde verlassen, haben wir das wahrscheinlich nicht mehr. Ein Equilibrium, "ewigen Frieden", nichts mehr von wegen aufregende Gefühle.

      Aber JETZT kannst Du Gefühle geniessen. Ah, wie Freude uns ausdehnt und zu Bewegung veranlasst! Ah, wie es zieht und krampft, wenn wir Scham empfinden! Mein Tipp also wäre: eintauchen in das Gefühl, erforschen, bewusst "geniessen", das Gefühl halten. Nicht gleich mit dem Schwamm drüber, nicht gleich wegmachen mit Aktionismus oder Essen!
      Vor allem: nicht bewerten. Es gibt keine "guten" oder "schlechten" Gefühle. Es sind einfach nur Empfindungen.

      Okay, ich denke ich habe schon zu lange gequasselt für heute.
      Ich wünsche Dir, liebe Irene, daß Dein Weg jeden Tag ein wenig mehr in die Gefilde des Glücklichseins führt.
      Laß wieder von Dir hören!

      Ganz liebe Grüße
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee