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Dick & Leben Alles rund um den (dicken) Alltag.

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Alt 22.07.2007, 14:13   #1
Martina
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Idee DER DICKE MENSCH: Mutter einer dicken Tochter

Den Website-Artikel Mutter einer dicken Tochter könnt Ihr hier diskutieren.

Geändert von Martina (02.05.2008 um 07:13 Uhr)
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Alt 22.07.2007, 16:43   #2
Lovely Rita
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ja, das kann ich alles nur unterschreiben. es ist sehr schön adeles meinung zu lesen. beim lesen des textes ist mir eingefallen, dass es bei meiner mutter so ist: sie liebt mich, hält auch zu mir, aber dass dicksein schlecht, ungesund und hässlich ist, das glaubt sie unabhängig von mir.

sie hat ja selbst einen lebenslangen kampf gegen eingebildete zuviel-kilos hinter sich und glaubt ja auch heute - mit 67 - dass sie zu dick ist.

zunehmen, aus dem leim gehen, das sind ihre persönlichen supergaue.

ich glaube auch immer mehr, dass es sich beim schlankheitswahn in meiner familie weniger um einen schlankheitswahn an sich als um frauenfeindlichkeit handelt. die leider sehr stark von einzelnen frauen meiner familie transportiert wurde (urgroßmutter, großmutter mütterlicherseits). zwanghaftigkeit, klischees entsprechen, um unangreifbar zu sein, das war für diese frauen ganz wichtig. und leider haben sie es so auch an ihre töchter weitergegeben. mit mehr oder weniger erfolg. wie eine frau sein soll, war klar festgelegt. nicht rauchen, schon gar nicht auf der straße, tagsüber nicht hinsetzen (sondern immer emsig auf den beinen sein)...

ja, ich glaub, in meiner familie ist es ein frauenthema. denn einer meiner brüder, der absurderweise selbst an die 140 kilo wiegt, versucht durch nachfragen bei meiner mutter (hat sie jetzt schon abgenommen?) bis heute druck auszuüben. nach der beerdigung unseres gemeinsamen vaters verschwand er mit meiner ohnehin gebrochenen mutter in der küche und redete ihr ein, ich wäre die nächste, wenn ich nicht "endlich ernsthaft etwas gegen mein übergewicht tue".

leider gab es in der nähe meiner mutter keine frauen wie adele, die sie bestärkt hätten, dass ich okay bin.

übrigens, dazu noch ein filmtip: "little miss sunshine"
sehr sehenswert.
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Alt 22.07.2007, 17:43   #3
Itsme
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Meine Mutter hat mich so, wie ich jetzt bin, nicht mehr erlebt, aber ich weiß, dass meine Kilos nie ein negatives Thema für sie gewesen wären. Dick oder dünnsein war in meiner Kindheit niemals ein Thema. Wenn ein Mensch thematisiert wurde, dann wegen seiner Charaktereigenschaften, nicht wegen irgend etwas, was mit seinem Äußeren zu tun hatte.

Es wäre schön, wenn alle dickeren (oder in irgendeiner Form diskriminierten) Kinder eine Mutter wie Adele hätten und wenn alle Erwachsenen dicken Menschen eine Mutter wie Adele gehabt hätten oder hätten.
Aber ich weiß, dass dies leider nicht so ist und das finde ich sehr sehr traurig.
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Alt 22.07.2007, 17:50   #4
Smutje
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Ich habe selbst 3 Kinder und es hätte immer genug " Gründe" gegeben eines niederzumachen. Auch sind meine Kinder nicht so schlank wie mein Mann. Aber es gibt keinen Grund der ausreichend genug ist so etwas zu tun. Immer wieder habe ich darauf geachtet das jedes Kind etwas besonderes ist und etwas sehr gut kann. Unser Jüngster kam auf eine Körperbehindertenschule in dem Jahr als seine 14 Monate ältere Schwester eine Klasse übersprungen hat. Unser Sohn ist sich bewusst das er genau so intelligent ist wie unsere Töchter und hat den Mädchen auch schon bei schulischen Dingen helfen können, Geschichte war zu dem Zeitpunkt sein Steckenpferd und er hat seiner 4 Jahre älteren Schwester auf dem Gymnasium helfen können. Wir haben als Familie zusammengalten.

" Jedes Kind ist eine Leihgabe Gottes" wer das geschrieben hat weiß ich nicht aber es ist die schönste Leihgabe die Gott uns geben kann.
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Alt 22.07.2007, 18:16   #5
babelfish
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Ich hätte mir so eine Mutter gewünscht. Bei mir war/ist es leider so, dass keine Leistung, weder Abitur, noch Studium, noch Erfolg bei Hobbies oder die Tatsache, dass ich eine stabile Ehe führe und ein wirklich bezauberndes Kind habe in irgendeiner Form zählt. Das einzige, was in den Augen meiner Mutter eine wirkliche Leistung wäre, wäre es 40 kg abzunehmen. Sie denkt so und sie sagt es so. Ohne gute Figur bist du als Frau nichts wert.
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Alt 22.07.2007, 18:23   #6
Itsme
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@ babelfish

Frauen wie Deine Mutter tun mir leid. Sie haben etwas sehr wichtiges nicht, nämlich Einfühlungsvermögen. Und wenn ich's ganz hart ausdrücke, möchte ich fast sagen, dass ihnen auch die Fähigkeit wirklich zu lieben fehlt.


Wie schön, dass Du trotzdem eine tolle eigene Familie hast und Deinen Weg gegangen bist.
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Alt 22.07.2007, 18:57   #7
Lovely Rita
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Zitat:
Zitat von Itsme
Es wäre schön, wenn alle dickeren (oder in irgendeiner Form diskriminierten) Kinder eine Mutter wie Adele hätten und wenn alle Erwachsenen dicken Menschen eine Mutter wie Adele gehabt hätten oder hätten.
es wäre auch schön, wenn schlanken, normalgewichtigen kindern (wie ich eines war) nicht eingeredet würde, dass sie zu dick sind.
weil die eltern ihren horror vor dem eigenen zunehmen projezieren bzw. ihre frauenfeindliche, lustfeindliche haltung auf eine lebendige achtjährige projezieren.

ich wurde bei jeder mahlzeit ermahnt, bei familientreffen laut quer durch den raum, nicht zu viel zu essen,auf die linie zu achten. ich fand das so bizarr, aber vor allem so ungerecht. genauso bizarr beobachte ich heute das essverhalten meiner mutter. mir das immer vor augen zu halten, dass es nichts mit mir zu tun hat, sondern ausschließlich ihr problem war/ist, empfinde ich als große erleichterung.
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Alt 22.07.2007, 20:44   #8
GreenTomate
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Zitat:
Zitat von babelfish
Ich hätte mir so eine Mutter gewünscht. Bei mir war/ist es leider so, dass keine Leistung, .... in irgendeiner Form zählt. Das einzige, was in den Augen meiner Mutter eine wirkliche Leistung wäre, wäre es 40 kg abzunehmen. Sie denkt so und sie sagt es so. Ohne gute Figur bist du als Frau nichts wert.
Kann ich genauso unterschreiben.

Zitat:
Zitat von Itsme
Wenn ein Mensch thematisiert wurde, dann wegen seiner Charaktereigenschaften, nicht wegen irgend etwas, was mit seinem Äußeren zu tun hatte.
Das Dick-Sein wurde als Charaktereigenschaft ausgelegt... faul, phlegmatisch, fett

Und mit dem Rest hast du wahrscheinlich auch recht... man könnte die Gedanken weiterspinnen... aber darüber möchte ich jetzt nicht nachdenken.
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Alt 23.07.2007, 08:00   #9
Itsme
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Wenn man bedenkt, wie beeinflussbar und steuerbar Kinder sind, dann finde ich es besonders bemerkenswert, wenn man nicht unbewusst in die selben Denkmuster und Fehler verfällt.

Ich habe mir erst spät eingestanden, dass auch meine Mutter nicht vollkommen war. Aber trotz der Erkenntnis nicht in dieselben Fehler zu verfallen, ist ganz schön schwer.
Das Wichtigste ist jedoch, dass meine Mutter ihre Kinder wirklich geliebt hat und wir das auch spürten, weil sie einfach für uns da war, ein liebevoller, guter Freund und Ratgeber war. Da wiegen die im Vergleich dazu kleinen Fehler nicht viel.

Jeder Mensch, der dies nicht so hatte und trotzdem um sich kämpft und sogar sich und andere Menschen lieben gelernt hat, hat meiner Meinung nach einen Orden verdient, denn um wievieles geringer sind unter solchen Umständen die Voraussetzungen dafür.
Und dann auch noch die Mutter mit dem emotionalen Abstand sehen zu können, der (weitestgehend) davor schützt immer weiter verletzt zu werden, den kann ich nur mit ganz viel Respekt betrachten.
Bestimmt ist dies ein sehr harter und schwerer Weg, aber ich denke, es lohnt sich, ihn zu gehen.
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Alt 02.09.2007, 19:06   #10
Ria
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Ich habe gerade dieses Forum entdeckt und den Brief von Adele gelesen.
Mir wurde schon früh deutlich gemacht das "Dicke" nicht "gut genug" sind. Eine Verwandte von mir hat schon als Kind extremes Übergewicht gehabt und wurde immer wieder auf ihr Gewicht reduziert. dabei war sie eine ganz liebe und konnte tolle geschichten erfinden. Damals war ich auch noch ein kind und nicht dick. Ich durfte Kakao und Nuss-Nougat-Creme essen so viel ich wollte und habe ich mir den dritten oder gar vierten Pudding genommen(ich kannte anscheinend nie ein Stop beim essen) hat niemand was gesagt. Bei ihr wurde sofort genörgelt. Ja,heute kann ich verstehen das sie den Kontakt zu allen abgebrochen hat,gerade auch zu mir,weil ich immer bevorzugt wurde.
Nun bin ich selber dick. Und für meine Verwandschaft eine Enttäuschung,was man mich sehr deutlich hat spüren lassen.
Ich mache seit etwa zwei Jahren keine Diäten mehr und ernähre mich so,wie ich gerade Lust habe.ich bin trotz meines Übergewichts erstaunlich gesund,was meinen Hausarzt in Erklärungsnot gebracht hat. Er wollte mich in ein Ernährungsprogramm stecken weil ich ja so krank bin und ich wollte dafür einen Beweis. Also machte er ein großes Blutbild und nicht ein Wert war unnormal.
Nun habe ich zwei Töchter. Nie habe ich etwas zu ihrem Gewicht gesagt. Auch mein Mann nicht. Aber seit ein paar Wochen kommen sie damit an das sie zu dick seien und gerne dünner werden wollen. Beide machen Sport,spielen viel draußen und ernähren sich sicher "gesünder" als ich in ihrem Alter. Sie sind 8 und 9 jahre alt,beide normalgewichtig. Ich betone immer ihre guten Seiten aber auf diese abnehmen wollen reagiere ich eher geschockt. Es ist so,das in ihren Klassen viele sehr dünne Mädchen sind und sie da schon heraus stechen.Aber auch der Hausarzt hat ihnen gesagt das sie total in Ordnung sind.Ich hoffe sehr,das diese Phase schnell vorbei geht und sich nicht in eine fixe Idee verwandelt.
Mit einer so dicken Mutter wie mir haben sie es sicher nicht immer einfach,gerade weil andere Kinder schon mal dumme Sprüche losgelassen haben.
Aber ich weiß nicht was ich noch tun kann.
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Alt 03.09.2007, 08:54   #11
Pandora
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Hallo Ria,

ich denke, du machst es genau richtig. Eben indem du deinen Kindern zeigst, daß es wesentlich Wichtigeres gibt als einen dünnen Körper, nimmst du ihnen viel von dem Streß, den einige von uns in ihrer Kindheit erlebt haben. Ein möglichst entspanntes Verhältnis zum Essen ist die beste Haltung, die du deinen Kindern mitgeben kannst.
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Alt 03.09.2007, 09:15   #12
Bayernmadl
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Hallo Ria,

Ich finde das schlimm,wenn sich zwei Mädchen in diesem Alter schon Gedanken über das Gewicht machen.
Ansonsten kann ich mich nur Pandoras Zeilen anschliessen.

Adele ist eine tolle Mutter,aber es gibt bestimmt auch genügend normalgewichtige Kinder,die eine solche nötig hätten.

Meine Mam hat immer zu mir gesagt,als ich als Kind zu dünn war und blöde Sprüche abbekam,pass auf ,dir geht der Kern schon noch auf wie man bei uns so schön sagt.
Tja und wie er dann aufgegangen ist,aber deswegen liebt mich meine Mutter noch genauso.
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Alt 03.09.2007, 09:33   #13
simsalabine
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Zitat:
Zitat von Bayernmadl Beitrag anzeigen
...ich finde das schlimm,wenn sich zwei Mädchen in diesem Alter schon Gedanken über das Gewicht machen....
Das ist gar nicht so unüblich. Ich selbst habe zwar keine Kinder, aber meine Schwägerin arbeitet in einem Gymnasium und war auf der Schulabschlussfeier dieses Jahr total entsetzt, wie viele Mädels extrem dünn sind und auch gar nichts essen, ja sogar einen regelrechten "Ekel" vor dem Essen haben.

Ich finde es gut, wenn es auch Mütter gibt, die ihre Kinder essen lassen, ohne ihnen bei jedem Bissen die Kalorien in den Mund zu zählen.

Liebe Grüße,
simsalabine
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Alt 03.09.2007, 10:02   #14
dicke Mama
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Ich bin zwar nicht Mutter einer Tochter, aber dafür von drei Söhnen. Ich denke, dass ich Ihnen auch eine gute Mutter bin. Bis zu Pubertät waren meine beiden Großen ganz normal gewichtig. Der Älteste (heute 20) hatte mal so eine Phase, da war er super dünn und dann schlug das ganze um, er hatte ständig Hunger, ich konnte ihn nicht vom Essen abhalten und wollte das ehrlich gesagte auch garnicht. Er hat dann schon kräftig zugelegt und hat heute leichtes Übergewicht, ich finde er ist groß und kräftig, genau richtig für einen jungen Mann.

Mein Zweiter wird jetzt 15 und ist voll in der Pubertät und ständig am essen, er ist aber leider ein Fast food Junkie, da kann ich reden wie ich will. Aber ich koche jeden Tag vernünftig und wir ernähren uns ansonsten "normal", deshalb hoffe ich, dass diese Phase bei ihm auch vorbei geht. Bei ihm habe ich immer ein bißchen Angst, weil er ganz nach mir geht. Aber er hat den Vorteil, dass er auch sehr groß ist. Was ich aber eigentlich sagen will, ist das ich meine Kinder nie auf ihr Gewicht reduzieren würde, im Gegenteil, ich hebe ihre guten Eigenschaften hervor und bin stolz auf sie, denn sie sind sehr intelligent. Wir führen oft Gespräche über Gott und die Welt und was ganz wichtig ist, sie haben Vertrauen zu mir und ich auch zu Ihnen. Das macht eine gute Mutter-Kind-Beziehung aus.

Und damit ihr euch nicht wundert, weil ich von drei Söhnen schreibe auch noch was zu meinem Jüngsten. Der ist erst vier Jahre alt und ein ganz kleiner dünner Knopp, so wie sein Papa früher auch war. Er wird wohl mal keine Gewichtsprobleme bekommen oder erst wenn er mal über vierzig ist, einen dicken Bauch, so wie alle Männer in der Familie meines Mannes. Na und was solls, ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel oder.

Eins muss ich noch sagen, ich kann mich immer aufregen über die Eltern, die ihre Kinder im Fernsehen so vorführen, die wissen garnicht, was sie den Kindern damit antun. Und diese Abnehmkliniken für Kinder finde ich scheußlich. Oder glauben die ernsthaft, so wie diese Kinder zum Sport gezwungen werden, dass die zu Hause jemals wieder Sport treiben. Viele Eltern sollten mal nachdenken, warum ihre Kinder so geworden sind und mal bei sich anfangen, dann würde sich so manches Übergewicht in Luft auflösen.

Ohje jetzt hab ich wieder so viel geschrieben, aber wenn es um Kinder geht, da bin ich eben "Kampfmama" .

LG Katrin
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Alt 03.09.2007, 10:06   #15
Sally
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Zitat:
Zitat von Bayernmadl Beitrag anzeigen
Ich finde das schlimm,wenn sich zwei Mädchen in diesem Alter schon Gedanken über das Gewicht machen.
Simsalabine hat Recht: Das ist leider absolut nicht unüblich.

Meine Tochter ist 9 Jahre alt, und in ihrer (4.) Klasse ist das immer wieder Thema. Es gibt - wie überall - auch dort Kinder in den verschiedensten Körperformen. "Erschwerend" kommt in diesem Alter (einige sind oder werden jetzt schon 10) dazu, dass die ein oder andere bereits anfängt zu pubertieren, wodurch sich der Körper ohnehin verändert. Meine (normalgewichtige) Tochter hat mir schon mehrfach erzählt, dass die dünnen Mädchen sie beim Sport aufziehen, sie habe einen Bauch und sie sei dick. Eins dieser dünnen Mädchen hat noch zwei Schwestern in höheren Klassen auf derselben Schule, von denen die ältere normalgewichtig, aber nicht dünn ist, die andere ziemlich pummelig (wie ihr Vater übrigens auch). Dementsprechend gebe ich meiner Tochter zum Beispiel mit, dass doch dieses andere Mädchen schon aus der eigenen Familie wissen müsste, dass es einfach verschiedene Körperformen gibt.

Meine Tochter hat sich wegen mir schon einiges anhören müssen. Das gipfelte darin, dass ein Mitschüler sie im Unterricht für fast alle hörbar fragte, wie man "eine so fette Sau wie mich nur liebhaben könne". Die junge Lehrerin vor der Klasse war damit offensichtlich hoffnungslos überfordert. Ich habe damals einen Brief an den Direktor geschrieben, was zwar Sanktionen für den Schüler nach sich gezogen hat sowie eine Entschuldigung bei meiner Tochter, aber leider nicht - wie ich angeregt hatte - das Thema "Umgang mit Menschen, die 'anders' aussehen" einmal im Unterricht zu behandeln.

Die Konsequenz aus alledem ist allerdings, dass meine Tochter unverbrüchlich zu mir steht und mir das auch immer wieder zeigt. Sie findet es vollkommen bescheuert, Menschen nach Äußerlichkeiten zu bewerten. Und ähnlich bescheuert findet sie es, sich nicht satt essen zu sollen. Das würde ihr nie einfallen. Ich hoffe sehr, dass ihr diese Einstellung auch in der Pubertät - wenn der äußere Druck noch steigt - erhalten bleibt. Alles, was wir hier im Forum wissen und vertreten, habe ich ihr immer wieder in aller Klarheit weitergegeben. Kinder verstehen mehr als man glaubt, wenn man es ihnen ordentlich erklärt. Das ist zumindest meine Erfahrung.
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Genieße das Leben - denn wenn Gott die Menschen misst,
legt er das Maßband nicht um die Taille, sondern ums Herz.

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Alt 03.09.2007, 11:25   #16
dicke Mama
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Sally du kannst stolz auf deine Töchter sein, die wissen worauf es ankommt im Leben. Und das sicher auch nur, weil du sie ernst nimmer und mit ihnen über Alles redest.
Leider nehmen sich viele Eltern nicht die Zeit mit ihren Kindern ernsthaft zu reden. Und was manche Kinder so von sich geben, im Bezug auf dicke oder auch behinderte Menschen, haben sie auch nur im Elternhaus so gehört.

Ich habe meinem Jüngsten auf die Frage warum ich so dick bin geantwortet es gibt dicke und dünne Menschen genauso wie es große und kleine, schwarze und weiße gibt und alle sind auf ihre Art liebenswert.

LG Katrin
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Alt 03.09.2007, 11:46   #17
Sally
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Zitat:
Zitat von dicke Mama Beitrag anzeigen
Sally du kannst stolz auf deine Töchter sein, die wissen worauf es ankommt im Leben.
Kleine Korrektur: Ich hab nur eine Tochter.
Oder auch: Ein Kinder. Alles Mädchen.

Zitat:
Ich habe meinem Jüngsten auf die Frage warum ich so dick bin geantwortet es gibt dicke und dünne Menschen genauso wie es große und kleine, schwarze und weiße gibt und alle sind auf ihre Art liebenswert.
Ja, so ähnlich sage ich das auch immer. Allerdings finde ich nicht alle liebenswert. Mir ist es wichtig, dass man Menschen nach ihrem Verhalten beurteilt und nicht nach ihrer äußeren Erscheinung. Es kostet auf diesem Weg etwas mehr Zeit herauszufinden, ob man mit ihnen mehr zu tun haben möchte oder nicht, aber es lohnt sich.
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Alt 05.10.2007, 14:01   #18
Rapunzel
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Standard Meine Mutter

Wenn ich an meine Mutter und das Thema Dick-sein denke werde ich sehr traurig. Sie hat immer an meinem Körper herumgemeckert - egal wie ich aussah. Ich habe inzwischen alle Gewichtsstufen von 47 bis 127 Kilo durch und ich war ihr IMMER zu dick, selbst wenn ich früher untergewichtig war. Momentan habe ich mein Höchstgewicht und meine Mutter ist von mir total angewidert. Wenn sie mich sieht guckt sie mich immer von oben bis unten an als sei ich total abartig und so redet sie dann auch mit mir. Ich bin für sie nur GEwicht - sonst nichts. Und das war auch schon so als ich z.B. 60 Kilo wog zu Abi-Zeiten, es ging immer nur darum daß ich fett sei.
Inzwischen besuche ich sie kaum noch weil sie es schafft daß ich mich in ihrer Nähe wie ein Nichts fühle oder wie ein ekelhafter Abschaum. Ich habe ihr das auch schon oft gesagt, aber sie sagt dann nur sie will "nur mein bestes". In Wahrheit will sie nur das "beste" das sie für das beste hält.

Ich bin 32 und meine Mutter schafft es immer noch, daß ich mich so schrecklich und zertrampelt fühle daß ich nach ein paar Stunden bei ihr das Gefühl habe ich möchte lieber sterben.

Das gleiche war es bei uns mit anderen Körperlichen "Defekten". Meinem Bruder und mir wurden schon als Kinder ständig Muttermale wegoperiert - nicht weil es medizinisch notwendig war sondern weil meine Mutter das häßlich fand. Mein rechter Daumen ist breiter als mein linker und selbst das wollte meine Mutter opereiren lassen, da hat dann der Arzt zum Glück gesagt daß er das nicht macht und sich auch kein anderer Arzt zu so etwas unnötigem bewegen lassen wird. Weil ich aber da schon wußte dass meine Mutter meinem Daumen häßlich findet, hab ich ihn versucht mir mit Tesafilm schmaler zu quetschen bzw hätte ich mir so wahrscheinlich den Daumen abbinden können.

Mein Bruder ist übrigens auch besessen von seinem Gewicht - das war halt seine Reaktion auf meine Mutter. Er denkt an fast nichts anderes als sein Aussehen und redet am Tag zu 50% über fettarme Ernährung und wovon man abnehmen kann, und was man im Fitness-Studio wofür am besten trainieren kann.
Rapunzel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.10.2007, 16:30   #19
Lovely Rita
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Zitat:
Zitat von Lisa32 Beitrag anzeigen
Das gleiche war es bei uns mit anderen Körperlichen "Defekten". Meinem Bruder und mir wurden schon als Kinder ständig Muttermale wegoperiert - nicht weil es medizinisch notwendig war sondern weil meine Mutter das häßlich fand. Mein rechter Daumen ist breiter als mein linker und selbst das wollte meine Mutter opereiren lassen, da hat dann der Arzt zum Glück gesagt daß er das nicht macht und sich auch kein anderer Arzt zu so etwas unnötigem bewegen lassen wird. Weil ich aber da schon wußte dass meine Mutter meinem Daumen häßlich findet, hab ich ihn versucht mir mit Tesafilm schmaler zu quetschen bzw hätte ich mir so wahrscheinlich den Daumen abbinden können.
das ist ja abartig. und so traurig. wie kann man zu kindern nur so mies sein, dass man das fertig bringt. halte dich fern von deiner mutter, wenn sie nicht imstande ist, sich anständig zu benehmen.
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Alt 08.03.2008, 18:37   #20
Lea
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Zunächst möchte ich einmal sagen, dass Adele natürlich vollkommen recht hat. Wenn doch nur jede Mutter so denken würde...!

Zitat:
Zitat von Lovely Rita Beitrag anzeigen
es wäre auch schön, wenn schlanken, normalgewichtigen kindern nicht eingeredet würde, dass sie zu dick sind.
weil die eltern ihren horror vor dem eigenen zunehmen projezieren bzw. ihre frauenfeindliche, lustfeindliche haltung auf eine lebendige achtjährige projezieren.
Leider ist das etwas, was ich sehr oft bei Bekannten und (z. T. aus diesem Grunde auch ehemaligen) Freunden erleben musste: Dass schon siebenjährigen, völlig normalgewichtigen bis schlanken Kindern ständig gesagt wird: Du bist zu dick, diese oder jene Hose passt Dir schon wieder nicht mehr (nun ja, Kinder wachsen ja auch!), iss nicht so viel, sonst...

Und ich habe es auch schon erlebt, dass besagte Siebenjährige beim Abendessen nach einem halben Teller Salat (!) aufstand und sagte: "Ich hör jetzt lieber auf zu essen und mache noch ein bisschen Gymnastik, sonst werde ich noch dick!" Ganz klar die Folge des ewigen mütterlichen Gemeckers (eine Mutter übrigens, die selbst ständig hungert, weil sie es nicht aushält, dass sie statt Größe 38 wie früher nun eigentlich Größe 40 tragen müsste - sie quetscht sich aber trotzdem in Größe 38, damit die "richtige Zahl" auf dem Etikett steht, oder warum?).

Auch eine andere, eigentlich sonst recht vernünftige Mutter, die ich kenne, "droht" ihren Kindern immer wieder damit, dass sie dick werden, wenn sie Schokolade essen - dabei sind alle drei Kinder dünn.

So treibt man Kinder in eine Essstörung, vor allem, wenn diese die Pubertät erst noch vor sich haben. Diese Leute wissen überhaupt nicht, was sie ihren Kindern damit antun, dass sie sie nicht so akzeptieren, wie sie sind - denn diese Kinder werden sich dann auch selbst nie so akzeptieren können, wie sie sind und sich für den Rest ihres Lebens unzulänglich, nicht gut genug vorkommen.

Ich versuche meinen Kindern immer wieder klar zu machen, dass ich sie so liebe, wie sie sind, um ihrer selbst willen (ich bin auch überzeugt davon, dass sie das wissen) - egal wie sie aussehen, ob groß, klein, dick, dünn, mit krummer Nase, Pickeln, Haarausfall, Narben oder was sonst so im Leben noch alles kommen mag. Ich hoffe nur, dass sie das wenigstens einigermaßen schützt vor dem Schlankheits- und Schönheitswahn dieser Gesellschaft. (Ansonsten kann ich zur Not ja noch als negatives Beispiel dienen, was passiert, wenn man sich dem Druck beugt und ständig Diäten macht...)
__________________
Truth, like love and sleep, resents
approaches that are too intense.

W. H. Auden

Lea ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.03.2008, 12:44   #21
Sally
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Zitat:
Zitat von Lovely Rita Beitrag anzeigen
es wäre auch schön, wenn schlanken, normalgewichtigen kindern (wie ich eines war) nicht eingeredet würde, dass sie zu dick sind.
weil die eltern ihren horror vor dem eigenen zunehmen projezieren bzw. ihre frauenfeindliche, lustfeindliche haltung auf eine lebendige achtjährige projezieren.
Ein wahres Wort ...

Ich habe die entsprechenden Erfahrungen ja auch machen "dürfen" (siehe z.B. meine Teamvorstellung).

Allerdings sind auch die Einflüsse von außen nicht zu verkennen. Meine inzwischen knapp 10jährige Tochter ist groß, und ihr Körper fängt an sich zu entwickeln. In der Klasse (vor allem beim Sport) wird ihr immer wieder gesagt, sie sei dick, habe einen dicken Bauch etc. - vor allem von Mädchen, die einen Kopf kleiner und sehr zierlich sind.

Sie wiegt 42 kg bei 1,50m Größe und ist schlank. Nicht dünn, aber schlank. Als jetzt für eine Matheaufgabe alle ihr Gewicht nennen sollten, hat sie gesagt "38 kg", weil sie sich geschämt hat, über 40 kg zu wiegen - und aus Angst, wieder angemacht zu werden.

Da hast du als Mutter viel zu tun ...
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Alt 09.03.2008, 12:54   #22
MissSilver
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Zitat:
Zitat von Sally Beitrag anzeigen
Als jetzt für eine Matheaufgabe alle ihr Gewicht nennen sollten, hat sie gesagt "38 kg", weil sie sich geschämt hat, über 40 kg zu wiegen - und aus Angst, wieder angemacht zu werden.

Da hast du als Mutter viel zu tun ...
Was sind das für Lehrer , muß denn unbedingt das Gewicht für eine Aufgabe benutzt werden . Da bekomm ich gleich die totale Wut
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lg
Renate
MissSilver ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.03.2008, 13:34   #23
Lovely Rita
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widerlich. gerade ab diesem alter kommen mädchen sehr unter druck, find ich. da brauchen nicht auch noch so dämliche rechenaufgaben gemacht werden. mich wollten die alpha-weibchen der klasse auch immer abwerten, aber dann kam der wurli-mann und hat mir vor der ganzen klasse gesagt, was für schöne augen ich hab. da waren sie dann fertig, die dummen gänse.

deine tochter ist sicher super, geht gar nicht anders.
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Alt 09.03.2008, 17:53   #24
Sally
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Das Beispiel war in ihrem Schulbuch groß abgebildet - da hat eine Klasse eben genau das gemacht, nach dem Motto: alle zusammen wiegen wir x kg.
Die Lehrerin kann da gar nichts dafür, das gehört eben laut Lehrbuch zu dieser Unterrichtseinheit für die 4. Klasse.

Ich finde das auch äußerst fragwürdig, ebenso wie so manches andere in der Schule (auch speziell in dieser Schule, aber das ist wieder ein anderes Thema).

Vor Jahren hat mir mal ein Gesprächspartner gesagt, "die Schule ist der größte Eingriff in dein Leben und deine Erziehung, die es gibt." Damals hatte ich noch kein Kind und dachte, der Mann übertreibt. Heute weiß ich: Er hat Recht.
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Alt 09.03.2008, 18:11   #25
Lovely Rita
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Zitat:
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Heute weiß ich: Er hat Recht.
ja, hat er.
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Alt 09.03.2008, 18:40   #26
MissSilver
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Ok dann nehme ich meine Wut auf die Lehrer(innen) zurück, aber den Autor (oder auch Autorin) von diesem Schulbuch

Mir fehlen echt die Worte
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Alt 10.03.2008, 08:53   #27
Lea
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Ja, solche Schulbücher haben unsere Kinder auch!!!
Und nicht nur in Mathe war das Gewicht schon Thema:

In Bio hat die Lehrerin meines Sohnes letztes Jahr ellenlange Vorträge über Cholesterin gehalten und wie gefährlich das ist, und hat mit den Kindern Listen von gesunden und "ungesunden" Lebensmitteln erstellt (bilden die sich eigentlich nie weiter??? Hab dann zuhause "Gegenpädagogik" gemacht ).

In einem Englisch-Übungsheft meiner Tochter sollten if-Sätze geübt werden. Da standen dann so Sachen drin wie: Wenn Paul weiterhin so viel isst, dann wird er dick und sehr krank werden usw.

Zitat:
Zitat von Sally
In der Klasse (vor allem beim Sport) wird ihr immer wieder gesagt, sie sei dick, habe einen dicken Bauch etc. - vor allem von Mädchen, die einen Kopf kleiner und sehr zierlich sind.
Genau das durfte sich meine Tochter (12) auch schon anhören, obwohl sie auch schlank und sehr sportlich ist. Ich merke es immer daran, dass sie so komische Fragen stellt wie z. B. "Mama, sehen meine Oberschenkel beim Sitzen dick aus?" Weil ich weiß, dass sie von alleine nie auf so blöde Ideen kommen würde, frage ich dann nach, und jedes Mal erzählt sie dann, dass wieder so ein Spruch gekommen ist. Da könnte ich ! Ich steuere natürlich dagegen, aber verunsichert ist sie schon.

Mein Sohn, dessen eigenes Gewicht "außer Zweifel" steht, weil er nämlich sehr dünn, eigentlich schon mager ist, darf sich dann in der Schule Sachen anhören wie "Deine Mutter ist eine f***e S**!". Und daran scheint sich niemand zu stören, sowas ist anscheinend völlig in Ordnung.
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Alt 10.03.2008, 08:58   #28
Sally
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Zitat:
Zitat von Lea Beitrag anzeigen
Mein Sohn, dessen eigenes Gewicht "außer Zweifel" steht, weil er nämlich sehr dünn, eigentlich schon mager ist, darf sich dann in der Schule Sachen anhören wie "Deine Mutter ist eine f***e S**!". Und daran scheint sich niemand zu stören, sowas ist anscheinend völlig in Ordnung.
Ja, davon kann ich auch ein Lied singen. Als ein Junge im Religionsunterricht (!!) meine Tochter mal (laut) gefragt hat, wie man eine so f***e S** wie mich nur liebhaben könne und sie daraufhin geweint hat, ist die offenbar überforderte junge Lehrerin einfach darüber hinweggegangen, und auf einen entsprechenden ausführlichen Brief (in dem ich angeregt hatte, das Thema "wen liebe ich eigentlich und warum" doch im Religionsunterricht mal anzusprechen) an Lehrerin und Direktor habe ich nie auch nur ansatzweise eine Reaktion erhalten.

Auch die Klassenlehrerin (eine erfahrene Frau kurz vor der Rente, die es eigentlich besser wissen müsste), ist nie um Ratschläge verlegen, was man alles tun und lassen muss, damit man auch ja nicht dick wird.
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Alt 10.03.2008, 09:12   #29
Lovely Rita
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Zitat:
Zitat von Sally Beitrag anzeigen
und auf einen entsprechenden ausführlichen Brief (in dem ich angeregt hatte, das Thema "wen liebe ich eigentlich und warum" doch im Religionsunterricht mal anzusprechen) an Lehrerin und Direktor habe ich nie auch nur ansatzweise eine Reaktion erhalten.
du hast das ja schon mal erzählt, aber dass da keine reaktion drauf kam habe ich nicht mitgekriegt. das ist ja ungeheuerlich. ihr vertraut denen ja immerhin eure kinder an. und dann noch dazu im religionsunterricht.

auch was lea schreibt, klingt ätzend. im hallenbad, in dem ich immer schwimme, kommen dienstag und donnerstag ja immer schulklassen an, wenn ich grad am gehen bin. da sitz ich meistens grad beim umziehen, wenn die an mir vorüber in die klassengarderobe gehen. natürlich kriege ich mit, wie sie schauen, aber nachdem es mich in keinster weise mehr tangiert, hab ich noch nie was gehört. ich krieg aber sehr wohl mit, wie sie sich gegenseitig runterziehen und als "fett" bezeichnen, egal wieviel oder wiewenig an ihnen dran ist.
es gibt schon ein paar moppelige mädchen, logo. meistens bemerke ich, dass die normal im bikini rauf ins bad gehen, dass es gerade sehr dünne mädchen sind, die sich im handtuch verhüllen. das ist so ein sensibles alter, was den eigenen körper angeht und dann solche geschichten.

bei euch haben die kinder wenigstens die richtige unterstützung. jetzt heißt es nur noch durchhalten, bis sie da raus sind.

liebe grüße, christine
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Alt 10.03.2008, 09:23   #30
Lea
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Ja, die Schule meines Sohnes ist auch sehr gut darin, unliebsame Dinge unter den Teppich zu kehren (wie Mobbing z. B.).

So wie Deiner Tochter, Sally, im Religionsunterricht, wo man eigentlich erwartet, dass gerade mit Themen wie Ausgrenzung usw. etwas sensibler und differenzierter umgegangen wird, ging es mal meiner Tochter im Politikunterricht. Sie haben über Schuluniformen diskutiert und sollten hinterher offen abstimmen, wer das gut findet und wer nicht. Meine Tochter war die Einzige, die dafür gestimmt hat (fand ich schon mutig, dass sie das überhaupt durchgezogen hat), und sie wurde dafür von der Klasse total fertiggemacht, wie sie nur dafür stimmen könne und warum überhaupt... Und der Lehrer, der das ja mitbekommen haben MUSS, da es direkt bei der Abstimmung passierte und nicht etwa hinterher in der Pause, hat dazu nichts gesagt! Als Politiklehrer!! Wäre das nicht der ideale Moment gewesen, um mal etwas zum Thema Meinungsfreiheit und Demokratie zu erklären, direkt am praktischen Beispiel? Solche Sachen erleben wir dauernd. Mich wundern gewisse Dinge schon lange nicht mehr... Was lernen die Kinder daraus fürs Leben? Man mag es sich gar nicht ausdenken...

Zitat:
Zitat von Lovely Rita
bei euch haben die kinder wenigstens die richtige unterstützung. jetzt heißt es nur noch durchhalten, bis sie da raus sind.
Danke! Tut gut zu hören bzw. zu lesen. Ja, wir müssen in der Tat durchhalten, bis sie aus dem kritischen Alter raus sind. Hoffentlich schaffen wir es ohne größere "Blessuren".
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Lea ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.03.2008, 11:12   #31
Lovely Rita
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Zitat:
Zitat von Lea Beitrag anzeigen
Danke! Tut gut zu hören bzw. zu lesen. Ja, wir müssen in der Tat durchhalten, bis sie aus dem kritischen Alter raus sind. Hoffentlich schaffen wir es ohne größere "Blessuren".
ach, das ist doch für alle beteiligten eine sehr anstrengende zeit. alle, die ihre kinder durch die durchbringen ohne sie zu zerstören, zu erwürgen oder selbst die nerven wegzuschmeißen haben meine echte und aufrichtige bewunderung. und ich freu mich über jeden jungen menschen, der da am ende rauskommt und angenehm drauf ist. in meinem umfeld gibt es einige ganz gelungene beispiele und andere ganz schlimme leider.

speziell alleinerzieherinnen haben mit söhnen arge phasen gehabt. als beobachterin hüte ich mich da immer sehr, gute ratschläge zu geben. und manchmal hätt ich nicht gewusst, soll ich die mama zur erholung mit nach hause nehmen oder das kind?

kinder großziehen ist eine intensive sache, da müssen nicht noch so absurde extra-baustellen eröffnet werden. und auf sallys brief nicht zu reagieren find ich schlimmstens.

bei mir ist gleich eine volksschule und eine hauptschule ums eck. früher hab ich mir von den kindern einiges anhören müssen. da hab ich überlegt, ob ich mal in die direktion rüber gehe. allerdings war jetzt schon ewig nichts mehr, außerdem beschimpfen sich die lieben kleinen aufs ärgste und unflätigste selbst. dabei wohn ich in der gutbürgerlichen josefstadt. aber wenn mädchen andere mädchen "fotze" nennen, tja, da gruselt mich schon ein wenig. klar, imponiergehabe, pubertät etc., aber grauslig.
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Alt 10.03.2008, 14:09   #32
Lunix
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Ich glaube, Schule müsste heute mehr pädagogische Aufgaben wahrnehmen, um die zunehmende Erziehungsunfähigkeit von Eltern, die ihrereseits Kinder erziehungsunfähiger Eltern sind, auszugleichen. Dafür sind Schulen aber nicht gerüstet, weder organisatorisch noch inhaltlich noch materiell.

Das ist jetzt fast wieder off topic. Aber wenn sogenannte Pädagogen nicht willens sind, auch nicht nach einem solchen Brief, pädagogisch auf die Kids einzuwirken, dann ist einiges im Argen.
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Alt 10.03.2008, 14:46   #33
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Zitat:
Zitat von Lunix Beitrag anzeigen
Ich glaube, Schule müsste heute mehr pädagogische Aufgaben wahrnehmen, um die zunehmende Erziehungsunfähigkeit von Eltern, die ihrereseits Kinder erziehungsunfähiger Eltern sind, auszugleichen. Dafür sind Schulen aber nicht gerüstet, weder organisatorisch noch inhaltlich noch materiell.
Das kann ich als Betroffener nur unterstreichen... v.a. und leider den letzten Satz!!!

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Dick sein ist keine physiologische Eigenschaft - das ist eine Weltanschauung (KurtTucholsky) Quelle: Caysa, Volker (Hrsg.): Durch dick und dünn. Leipzig, 1998, S. 11.
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Alt 10.03.2008, 15:40   #34
toni
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ich wäre über die Idee, dass die Schulen die Erziehung übernehmen, garnicht glücklich.
Das hätte ich bei meinen Kindern nicht gewollt.
Ich bezweifle zudem, dass der pädagogische Einfluss in der Schule so stark ist, dass er bis über die Schulstunden hinaus reicht.
Nach der Schule wird die Erziehung von den Eltern (im Idealfall) oder der Strasse bzw. den Vorbildern aus den Medien hier auch Internet übernommen.
Bis zu einem gewissen Alter können wir unsere Kinder beeinflussen und ihnen eine solide Grundlage für das späteres Leben geben.
Ab einem gewissen Alter (Pubertät) überwiegen meist die Einflüsse von außerhalb.

toni
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Alt 10.03.2008, 15:45   #35
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Zitat:
ich wäre über die Idee, dass die Schulen die Erziehung übernehmen, garnicht glücklich.
Geht mir auch so. Wie ich mein Kind erziehe, möchte ich immer noch selbst entscheiden - vor allem hier in Bayern, wo die Trennung zwischen Staat/Schule und Kirche nur Makulatur ist und mir die bigotten Spießerlehrer sowas von auf den Geist gehen.
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Alt 10.03.2008, 17:00   #36
Sonnenkuss
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Ich glaube das will kein Lehrer: Eure Kinder erziehen.

Es ist nur leider so, dass manche/immer mehr Elternhäuser diese Aufgabe gerne an die Schulen abwälzen möchten um zu Hause die "Heideidei-Plüsch-Liebelein"-Erzieher zu geben und den sozialen Umgang mit den Mitmenschen soll ihnen dann die Schule lernen, damit die Eltern mit ihrem Prinzchen oder dem Prinzesschen keinen Stress haben.
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Alt 10.03.2008, 17:07   #37
Lea
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off topic, aber:

Dass die Schulen bzw. die Lehrer die Erziehung meiner Kinder übernehmen, wollte ich auch nicht - schon mal gar nicht so, wie es derzeit läuft! Aber das könnte daran liegen, dass ich meine Kinder auch noch erziehe und nicht bloß "versorge", wie es heute oft üblich ist. Aus diesem Grund sind Ganztagsschulen auch ein zweischneidiges Schwert.

Aber dass es in den Schulen Regeln geben sollte, die auch konsequent eingehalten werden und für die sich die Lehrer verantwortlich fühlen, das hätte ich schon gern. Es muss nämlich nicht sein, dass einige schlecht bzw. gar nicht erzogene Kinder die anderen (heute fast schon in der Minderheit) tyrannisieren. Allerdings müssten die Lehrer auch dahinter stehen, und die meisten Lehrer, die ich kenne (nicht alle!), machen nur noch "Dienst nach Vorschrift" und schauen ansonsten weg, egal was passiert. Natürlich wird das nicht besser durch überfüllte Klassen und Mangel an Personal und Material...

Im Übrigen gebe ich Sonnenkuss recht, die mich jetzt gerade mit ihrem Beitrag überholt hat - dass Erziehung nämlich nicht nur "Heideidei-Plüsch-Liebelei" ist, kriegen die meisten nicht mit. Wenn unsereins mal schimpft mit den lieben Kinderlein, weil sie sich danebenbenehmen, wird man hierzulande schon fast gesteinigt. Wie konnte man nur so "harte" Worte sprechen, nenene.
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Alt 10.03.2008, 17:59   #38
stübbken
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Ich sehe den Ort für die soziale Erziehung eines Kindes nach wie vor im Elternhaus, bzw. im Vorschulbereich in Kindergärten und - tagesstätten. Bei nur einem Kind in der Familie wird es nämlich recht schwierig, dem Kind nur im Elternhaus das Leben in Gruppen zu vermitteln. Im Grundschulbereich kann eigentlich nur auf der vorhandenen Basis sozialer Fähigkeiten der Kinder aufgebaut werden.

Die Schule hat speziell ab Sekundarbereich I vorrangig einen Bildungsauftrag, weniger einen erzieherischen Auftrag - Lehrer werden meiner Einschätzung und Erfahrung nach auch nur unzureichend für diesen Auftrag ausgebildet. Zumindest hier in NRW ist es so, dass zur Abdeckung der Defizite in den Schulen Sozialpädagogen eingesetzt werden.

stübbken
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Alt 10.03.2008, 18:21   #39
Lea
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Zitat:
Zitat von stübbken Beitrag anzeigen
Zumindest hier in NRW ist es so, dass zur Abdeckung der Defizite in den Schulen Sozialpädagogen eingesetzt werden.
Schön wär's.

Wir (auch NRW) haben uns mal bemüht, eine Sozialpädagogin, die mit der Klasse ein Anti-Mobbing-Training macht, zu bekommen, aber der Schulleiter hat es schlicht und ergreifend abgelehnt. Das meinte ich vorhin auch mit "unter den Teppich kehren". Die Sozialpädagogin stand schon in den Startlöchern, aber wenn die Schule sich weigert...
Standardmäßig werden die hier jedenfalls nicht eingesetzt (zumindest nicht in Gymnasien), manchmal (wenn die Schule überhaupt willig ist) müssen die Eltern gemeinsam für solche Sachen aufkommen, was viele dann ablehnen.

Wie gesagt, ich bin auch nicht dafür, dass die Schulen die Erziehung übernehmen, aber ich muss meine Kinder da hinschicken, egal ob andere Eltern ihren Erziehungsauftrag ernst nehmen oder nicht. Und wenn die Schule als "geschützter Raum" nicht dafür sorgen kann (meinetwegen auch mit Sozialpädagogen oder Schulpsychologen!), dass Kinder dort morgens ohne Angst (vor gewissen Mitschülern) hingehen können, finde ich das schon schlimm.
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Alt 10.03.2008, 18:52   #40
stübbken
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Ich kenne es hier in Duisburg nur so, dass an den weiterführenden Schulen Sozialpädagogen eingesetzt sind.

Ich arbeite auch oft und gerne mit ihnen zusammen, aber aus meiner Sicht (Jugendamt) sind in der Regel die Schulleiter sehr offen für erzieherische Problematiken. Bei den einzelnen Lehrern kann es da schon mal - nennen wir es einfach - Missverständnisse geben....

Ich bin mir nicht wirklich sicher, aber ich meine, mich erinnern zu können, dass Schulleiter die Wahl zwischen einem Lehrer und einem Sozialpädagogen haben. Vielleicht ist das der Kasus knacktus....Es kann natürlich auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein, da die Schulen ja in der Regel in kommunaler Trägerschaft sind.

stübbken
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Alt 10.03.2008, 18:53   #41
Sally
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Ich denke, es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen "zunehmende Erziehungsunfähigkeit ausgleichen" (Lunix) und "Erziehung übernehmen" (toni). Man kann doch das eine tun und das andere lassen, meine ich.

Wenn, wie oben beschrieben, Pöbeleien oder verletzende Übergriffe passieren, finde ich schon, dass Lehrer/innen eingreifen können und auch sollen. Und zwar nicht nur, um im ersten Eifer zu schlichten, sondern auch, um das Verhalten zu reflektieren und vielleicht daraus zu lernen. Im besten Fall passt das ja auch in eine Unterrichtseinheit.

Leider setzt die Schule, in die meine Tochter geht, ausschließlich auf autoritär-unterdrückende Maßnahmen, ohne die Gründe für Regeln zu erklären oder zu besprechen. Auch das ist Erziehung - und zwar eine, gegen die ich nichts machen kann. Aber erfreulicherweise sind die Tage bis zu den Sommerferien gezählt, dann ist Schulwechsel.

Im besten Fall ergänzen sich Elternhaus und Schule in einer Erziehung, die die sozialen Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen fördert. Ich weiß, das ist ein Ideal.
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Alt 10.03.2008, 19:17   #42
Lea
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Zitat:
Zitat von stübbken Beitrag anzeigen
Ich kenne es hier in Duisburg nur so, dass an den weiterführenden Schulen Sozialpädagogen eingesetzt sind.
Grundsätzlich? Als "Zusatzausstattung" zum Lehrerkollegium sozusagen? Dann habt Ihr es gut!

Zitat:
Zitat von stübbken Beitrag anzeigen
Ich arbeite auch oft und gerne mit ihnen zusammen, aber aus meiner Sicht (Jugendamt) sind in der Regel die Schulleiter sehr offen für erzieherische Problematiken. Bei den einzelnen Lehrern kann es da schon mal - nennen wir es einfach - Missverständnisse geben....
Wir haben da wohl einfach Pech mit der Schule gehabt - hinterher hab ich dasselbe von einigen anderen gehört, dass dieser Schulleiter nämlich nicht am Bearbeiten von Problemen interessiert ist. Bei jedem Vortrag (Neuvorstellung der 5er, Elternabende etc.) erzählt er wieder, wie toll diese Schule ist und dass es ja gar keine Probleme (Diebstahl, Mobbing, Drogen) gibt. Die Realität sieht leider anders aus, aber das merkt man halt auch erst, wenn die Kinder eine Weile dort sind.

Zitat:
Zitat von stübbken Beitrag anzeigen
Ich bin mir nicht wirklich sicher, aber ich meine, mich erinnern zu können, dass Schulleiter die Wahl zwischen einem Lehrer und einem Sozialpädagogen haben. Vielleicht ist das der Kasus knacktus....Es kann natürlich auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein, da die Schulen ja in der Regel in kommunaler Trägerschaft sind.
Ach so! Uns hat der Herr das anders dargestellt. Und wir sind ein Jahr lang Sturm gelaufen, hatten x Gesprächstermine, mit Lehrern, Rektor, Sozialpädagogin (privat!) und haben um ein externes Eingreifen gebeten, aber vergeblich.
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Alt 11.03.2008, 07:42   #43
Lunix
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Zitat:
Zitat von Sally
Auch das ist Erziehung - und zwar eine, gegen die ich nichts machen kann.
Ich halte es grundsätzlich für eine Illusion, dass Erziehung ausschließlich im Elternhaus stattfinden könnte. Jeder, der regelmäßig Kontakt mit einem Kind hat, erzieht es zwangsläufig auch, ob er will oder nicht.

Übrigens scheint an die Gesellschaft delegierte Erziehung in den Kibbuzim problemlos zu funktionieren. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mich näher damit befasst habe, aber ich habe nie nichts davon gehört, dass es jemanden geschadet hätte.

Zitat:
Zitat von SoKu
Es ist nur leider so, dass manche/immer mehr Elternhäuser diese Aufgabe gerne an die Schulen abwälzen möchten um zu Hause die "Heideidei-Plüsch-Liebelein"-Erzieher zu geben und den sozialen Umgang mit den Mitmenschen soll ihnen dann die Schule lernen, damit die Eltern mit ihrem Prinzchen oder dem Prinzesschen keinen Stress haben.
Etwas ähnliches habe ich oft bei alleinverziehenden Müttern mit zu Kronprinzen mutierten männlichem Einzelkind beobachtet. Und dann gibt es noch die Eltern, die eigentlich gar nicht aktiv erziehen, sondern die Blagen lieber vor der Glotze parken. Und das kommt auch längst nicht mehr nur in typischen Proll-Familien vor.
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Lunix ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.03.2008, 08:22   #44
stübbken
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Was beinhaltet eigentlich aktive Erziehung im Elternhaus?

stübbken
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Alt 11.03.2008, 08:38   #45
Sonnenkuss
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"Grüß Gott-Aufwiedersehen", "Danke-Bitte", Rücksicht und Nachsicht, Achtung vor dem Besitz des Anderen, Achtung vor der Zeit des Anderen... ach stübbken man ist eigentlich von der ersten Stunde "aktiv" in der Erziehung beschäfftigt.
Sonnenkuss ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 11.03.2008, 08:55   #46
Sally
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Sehr schöne Beispiele!

Mir fällt noch ein: Sich nicht bedienen lassen, sondern selbst mit anpacken (im Haushalt, bei alltäglichen Aufgaben in der Familie). Anderen helfen. Und nicht immer mit dem Kopf durch die Wand. Wobei ich kein Duckmäusertum meine!!! Aber manchmal ist auch eine Grenze erreicht, an der man sich einfach mal zurücknehmen muss. Und das müssen Kinder lernen, finde ich.

Ich werde nie vergessen, wie ich vor Jahren mal bei einer Kollegin zum Essen eingeladen war. Es gab eine leckere Lasagne und Salat dazu. Der Sohn (damals kurz vor der Einschulung) haute mit der Gabel auf das Stück Lasagne auf seinem Teller und maulte: "Das esse ich nicht, ich will Fischstäbchen". Worauf Mama brav in der Küche verschwand, um dem Buben Fischstäbchen zu braten. Ich habe nur gestaunt ...

Ein Beispiel, das zu Lunix' Theorie "alleinerziehende Mutter mit Kronprinz" passt. Natürlich gibt es auch andere Sohn-Mütter!!!! Aber dieses Beispiel hat mich doch ob seiner Klarheit erschreckt.

Auch an diese Stelle hätte für mich ein Stück "aktive Erziehung" gehört!
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Alt 11.03.2008, 10:13   #47
Lea
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Zitat:
Zitat von Lunix Beitrag anzeigen
Etwas ähnliches habe ich oft bei alleinverziehenden Müttern mit zu Kronprinzen mutierten männlichem Einzelkind beobachtet.
Es sind aber nicht nur die alleinerziehenden mit männlichem Nachwuchs, ich kenne auch eine ganze Reihe (Einzelkind-) Prinzessinnen, die von ZWEI Erwachsenen (den Eltern) regelrecht umtanzt werden. Dürfen alles, bekommen alles, laufen folgerichtig in der Welt herum mit der Einstellung, dass sich alles ausschließlich um sie zu drehen hat. Wenn Du dann von der Sorte 15 Mädchen in einer Klasse hast, kannst Du Dir ungefähr vorstellen, was los ist.

Zitat:
Zitat von Lunix Beitrag anzeigen
Und dann gibt es noch die Eltern, die eigentlich gar nicht aktiv erziehen, sondern die Blagen lieber vor der Glotze parken. Und das kommt auch längst nicht mehr nur in typischen Proll-Familien vor.
Im Gegenteil: Die meisten Schwierigkeiten gibt es (zumindest in den Schulen und Klassen, die mir bekannt sind) nicht mit den Kindern finanziell armer Eltern, sondern mit den Reichen; zum Einen aufgrund ihres eingebildeten "Prinzen-/Prinzessinnenstatus" (s. o.), zum anderen eben, weil die Eltern nicht nur keine Zeit, sondern in vielen Fällen auch keine Lust für die Erziehung oder auch nur das Zusammensein mit den Kindern haben, weil sie so damit beschäftigt sind, Geld zu verdienen und Karriere zu machen. Diese Kinder sind i. d. R. dann mit allen technischen Finessen ausgestattet: Eigener Fernseher, eigenes Laptop, eigene Kamera, Handy sowieso, DVD-Player, Playstation usw., die ein Ersatz für elterliche Zuwendung sein sollen. Glücklich sind sie aber meistens nicht, jedenfalls verhalten sie sich nicht so.

Zitat:
Zitat von stübbken Beitrag anzeigen
Was beinhaltet eigentlich aktive Erziehung im Elternhaus?
Für mich hat Erziehung zum Ziel, meine Kinder zu Mitgliedern dieser Gesellschaft zu machen, die einen gesunden Mittelweg finden zwischen "eigene Interessen durchsetzen" bzw. sich gegen unangemessene Ansprüche anderer zur Wehr setzen können und "Rücksichtnahme", d. h. eigene Interessen eben auch mal zurückstellen können zugunsten anderer/ der Allgemeinheit. Dazu gehört auch, sich "benehmen" zu können; zu wissen, wo Grenzen sind bei sich selbst und bei anderen und diese auch zu respektieren. Das erfordert seitens der Eltern natürlich eine gewisse Aktivität - einfach die Dinge nur laufen lassen, funktioniert nicht. (Aber das hat für mich nicht mit aktiver vs. passiver Erziehung zu tun, sondern mit Erziehung vs. Nicht-Erziehung...)

Ach Sally, Du hast mich wieder überholt... Solche Beispiele könnte ich auch noch zur Genüge erzählen. Hier nur eins: Eine ehemalige Freundin meiner Tochter hat mal bei uns übernachtet (damals waren die Mädels so 6/7 Jahre alt). Zum Frühstück gab es Brötchen. Sie schnitt sich eins auf, aß die Oberhälfte und verlangte dann nach einem neuen Brötchen.
Ich: "Du hast doch noch ein halbes auf dem Teller!"
Sie: "Ich ess aber nur Oberhälften!"
Ich: "Das gibt's bei uns nicht. Wenn du hier am Tisch jemanden findest, der seine Oberhälfte gegen Deine Unterhälfte tauscht, ist mir das egal, aber ein neues Brötchen bekommst Du nicht, solange da noch ein halbes liegt!"
Es fand sich natürlich niemand am Tisch, der mit ihr getauscht hätte - wär ja noch schöner. Sie blieb dann todbeleidigt vor ihrem halben Brötchen sitzen und aß nichts mehr. War dann auch das letzte Mal, dass sie bei uns war...
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Geändert von Lea (11.03.2008 um 10:23 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler korrigiert...
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Alt 11.03.2008, 10:23   #48
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Zitat:
Zitat von Sally Beitrag anzeigen
Der Sohn (damals kurz vor der Einschulung) haute mit der Gabel auf das Stück Lasagne auf seinem Teller und maulte: "Das esse ich nicht, ich will Fischstäbchen". Worauf Mama brav in der Küche verschwand, um dem Buben Fischstäbchen zu braten.
den kenn ich, den kenn ich! ein paar jährchen später ist er auf seine mutter losgegangen. zumindest der, den ich kenne...

und leas beispiel mit der oberhälften-prinzessin erinnert mich auch an manches.

es gibt aber auch viele sehr nette kinder. beim bau meiner terrasse hat ein 16jähriger geholfen, der hat einen bruder und seine mutter war auch alleinerzieherin. der junge mann war die reinste freude. keine spur von muffelig. so freundlich, fleißig und mit so einem natürlichen interesse bei der arbeit. er hat gearbeitet, um sich eine spiegelreflexkamera zu kaufen. er fing kurz später an einer grafischen schule an. es war für ihn selbstverständlich, dass sein lohn in die anschaffung reinfloss.

und auch so sieht man immer wieder wirklich nette kinder. das sind dann wahrscheinlich solche wie eure
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Alt 11.03.2008, 10:46   #49
Sally
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Zitat von Lovely Rita Beitrag anzeigen
und auch so sieht man immer wieder wirklich nette kinder. das sind dann wahrscheinlich solche wie eure
Unbedingt.
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Alt 11.03.2008, 17:46   #50
Maxima
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Wenn ich so lese, was ihr über gute Erziehung schreibt, könnte ich mich totlachen. Ihr liegt da total falsch! Das Hauptbestreben von uns Eltern hat darin zu liegen, es den Kindern angenehm zu machen. Schliesslich müssen sie es zu Hause gut haben, weil sie ja ansonsten auf die schiefe Bahn kommen.

Gebt ihnen gefälligst überdurchschnittlich viel Taschengeld, sonst fangen sie an zu klauen. Räumt ihnen die Zimmer auf und ihre Klamotten hinterher. Wenn sie sich schlecht verhalten, geht kommentarlos darüber hinweg, denn wenigstens in der eigenen Familie sollen sie es ja gut haben.

Wenn es doch mal zu Streitigkeiten kommt, gebt SOFORT wieder nach oder wollt ihr keine gute Mutter sein. Sonst seid ihr eventuell noch dran schuld, wenn sich euer Kind umbringt...

Auch vom Erziehen zur Selbstständigkeit hält sie nicht wirklich viel. Das wäre doch auch taktisch unklug, denn man kann sein Kind doch durch dessen Unfähigkeit alleine durchs Leben kommen zu KÖNNEN, wunderbar an sich binden. Was dann nach dem Ableben selbiger kommt - sch... egal, nach ihnen die Sinnflut.

Ich habe anscheinend echt ein Generationsproblem!
Seid mir nicht böse über meinen Sarkasmus, aber all das, was ich oben beschrieben habe, habe ich mit meinen Schwiegereltern life und in Farbe durch. Dieses Thema ist für mich wirklich ein rotes Tuch, besonders da meine Schwiegermutter damit zumindest bei der Tochter meines Mannes Erfolg hat...
__________________
Gehe mit jedem Menschen so um, wie auch Du von ihm behandelt werden willst!(Mein Lebensmotto - keine Ahnung, ob das jemand genau so schon formuliert hat)
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