Sind Dicke Menschen 2ter Klasse?

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    • Itsme,

      ich glaube so ganz aneinander vorbei reden wir nicht. Natürlich sind wir keine Menschen 2. Klasse. Es geht aber nicht um die Theorie sondern um die alltägliche Praxis. Und natürlich ist oft nicht mal offensichtlich dass übergewichtige Menschen abgelehnt werden. Es findet sehr oft latent statt. Das einem "Fettsack" oder "fette Sau" nachgerufen wird wird wahrscheinlich bei den meisten nicht so stattfinden. Es fängt schon damit an, dass sich andere vielleicht amüsieren wenn wir uns bücken müssen oder irgendwo rein- oder durchzwängen müssen. Und ich wette, eine "hübsche" Schlanke bekommt mehr Hilfe von den Herren der Schöpfung - obwohl sie gar keine bräuchte - als vielleicht übergewichtige Damen. Es findet eben oft hintenrum statt. Da, wo man sich auf die Pelle rücken muss, wie in Bahnen, Bussen oder Flugzeugen kann das öfters auch offen sein, dass da einer oder viele ihren Unmut kundtun. Und ich glaube, in solchen Situationen läßt sich niemand von irgendetwas überzeugen, schon gar nicht, wenn man voreingenommen ist und das sind nun mal die allermeisten.

      Ich kann zeigen, dass ich lutig bin, ich kann zeigen dass ich (vielleicht) einen guten Charakter habe oder dass ich eine Seele von Mensch bin, ich kann beweisen, dass ich doch irgendwie gebildet bin und dass das Fett noch nicht mein Hirn blockiert, ich kann zeigen, dass ich am Buffet mir ganz kleine Portionen aufschaufeln kann. Ich kann den anderen zeigen, dass ich es in vielerlei Hinsicht mit jedem Schlanken aufnehmen kann mit Ausnahme vielleicht vom Berwerkstelligen von vielen Sportübungen. Aber dennoch werde ich bei den meisten, wenn ich den Rücken zudrehe, doch der dumme, stinkende, unmäßig fressende und dadurch willen- und charakterlose Dicke sein oder zumindest dort wieder einsortiert werden.

      Wenn ich versuche, anderen klarzumachen, warum ich dieses Gewicht und Aussehen habe, würde das doch nur als hilflose Rechtfertigung abgetan. Zu erwähnen, dass Übergewicht auch krankheitsbedingt oder krankhaft sein kann glaubt doch eh kein Mensch, vor allem, weil es bei mir und wahrscheinlich bei den meisten nicht zuträfe. Zu sagen, dass ich eigentlich gar nicht so viel esse, glaubt mir doch auch niemand. "Von nix kommt eben nix". Sogar wenn ich zeige, dass ich auch zuweilen abnehmen kann ruft das nur ein Grinsen hervor, so nach dem Motto: "Abwarten, in vier Wochen hat der's eh wieder drauf". Und was das krankhafte betrifft: Ich bin nicht krank und möchte eigentlich auch nicht als solcher betrachtet werden. Das tut dem Umstand keinen Abbruch, dass Übergwicht wenn es immer extremer wird krankhaft sein kann. Und wenn alles ausser dem Gewicht in Ordnung ist, kriegt man ja auch oft zu hören, dass das vielleicht alles dann später käme (Diabetes, Knochenschäden usw.). Ich habe nicht selten erlebt, wie sich in Cafes über dicke Damen ausgelassen wird, die große Sahnetortenstückchen vor sich stehen haben. Ich glaube, da braucht man nicht mit "krankhaft" anzufangen.

      Und wie das bei den Deutschen so ist und weil's die Deutschen ständig wegen Geld haben, rechnet man uns vor, was wir eigentlich der Gesellschaft kosten würden. Das bekommt kein Säufer, Kiffer, Junkie, Spielsüchtiger oder eine dauerabtreibende Gebärmaschine vorgerechnet. Nicht mal Straftäter bekommen das so vorgerechnet wie wir.

      Ich glaube, Itsme, dass ist die Realität.
    • Ja, vieles davon ist Realität.

      Aber Du hast meine Frage, wem es etwas nützt, dies immer und immer wieder aufzuzählen, nicht beantwortet.

      Uns?

      Aber dieses Forum sehe ich als ein Hilfeforum. Eines, dass einem missverstandenem, verunsichertem, gedemütigtem dicken Menschen helfen soll.

      Natürlich tut es gut, sich mal den Frust, die unsäglichen Erlebnisse, all das von der Seele zu reden. Aber es wie eine Litanei zu wiederholen bringt weder Dir noch sonst jemandem Hilfe.

      Also denke ich, es sich von der Seele reden, sich - wie man so schön sagt - richtig "auskotzen"....

      aber dann überlegen, was kann ich tun, damit es mir in Bezug auf dieses Thema besser geht?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Norberdi schrieb:

      Ich kann zeigen, dass ich lutig bin, ich kann zeigen dass ich (vielleicht) einen guten Charakter habe oder dass ich eine Seele von Mensch bin, ich kann beweisen, dass ich doch irgendwie gebildet bin und dass das Fett noch nicht mein Hirn blockiert, ich kann zeigen, dass ich am Buffet mir ganz kleine Portionen aufschaufeln kann.
      Das hast Du doch gar nicht nötig, Norberdi.
      Du bist ein Mensch mit normalen Rechten - unter anderem auch mit dem Recht als Mensch respektiert zu werden.
      NICHT weil Du etwas beweisen kannst, sondern weil Du DA bist.

      Ich bin mit der Zeit zu der Überzeugung gekommen, daß nicht "der" Dicke ein Problem damit hat, ob er etwas beweisen kann - sondern viele Menschen haben ein Problem mit Respekt.
      Damit, andere Menschen zu respektieren - egal wie alt, blond, verlebt, dick, dünn oder sonstwas sie sind.
      Und wenn jemand ein Problem hat mit Respekt, dann kann ich das - sorry - nicht zu meinem Problem machen. Es interessiert mich auch nicht. Er muß selber sehen, wo er in seiner persönlichen Entwicklung steht.

      Ich jedenfalls muß mich nicht mehr rechtfertigen oder beweisen.
      Und wenn ich zum Beispiel an einem Tag großen Hunger habe, muß ich jemand anderem nicht "beweisen" wie brav ich sein und mir nur ganz winzige Portionen nehmen "kann".

      Belaste Dich doch nicht mit der Meinung anderer Leute, Norberdi.

      Grüße
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Hallo Norberdi...

      Norberdi schrieb:

      Und ich wette, eine "hübsche" Schlanke bekommt mehr Hilfe von den Herren der Schöpfung - obwohl sie gar keine bräuchte - als vielleicht übergewichtige Damen. Es findet eben oft hintenrum statt. Da, wo man sich auf die Pelle rücken muss, wie in Bahnen, Bussen oder Flugzeugen kann das öfters auch offen sein, dass da einer oder viele ihren Unmut kundtun. Und ich glaube, in solchen Situationen läßt sich niemand von irgendetwas überzeugen, schon gar nicht, wenn man voreingenommen ist und das sind nun mal die allermeisten.
      Der Fokus liegt auf "hübsch". Ich bin eine Frau in den Wechseljahren und so was von unsichtbar - es sei denn, meine 20jährige Tochter begleitet mich. Dann springen die Typen plötzlich im Quadrat.....
      Übrigens gibt es auch genügend dünne Frauen, die unscheinbar sind und deshalb auch keine Aufmerksamkeit bekommen.
      Es ist richtig: Schöne Menschen haben im Leben viele Vorteile. Darüber gibt es Studien.
      Und bevor man über oberflächliche, weniger intelligente Leute schreibt - ich kenne junge Frauen, die sind schön, nett UND haben was auf dem Kasten, beispielsweise einige Medizinstudentinnen. Sie haben wirklich alle denkbaren Vorzüge, und dann werden sie von der Umwelt noch besser behandelt....
      das Leben ist ungerrecht....
      aber ich kann mein ganzes Leben nicht damit verbringen, darüber nachzudenken und mich zu ärgern.
      Bei den Lesetipps habe ich ein Buch vorgestellt, da geht es genau um dieses Thema: Denke ich im geheimen, wenn ich schlank wäre, wäre ich schön, brilliant, beliebt und anziehend? Nein....ich wäre einfach nur schlank....

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Itsme schrieb:

      Aber Du hast meine Frage, wem es etwas nützt, dies immer und immer wieder aufzuzählen, nicht beantwortet.

      Uns?
      Das immer und immer wieder aufzählen nutzt so gesehen niemanden. Aber dennoch kann man ja schildern, was man so erlebt hat. Der eine erlebt diesbezüglich mehr der andere weniger. Ich persönlich erlebe das ja auch nicht tagtäglich und ständig sondern eben nur in bestimmten Situationen, gerade in jenen, wo es körperlich eng wird oder wenn sich eben schlanke Kollegen, Bekannte, Verwandte und Freunde über andere Dicke in meinem Beisein auslassen und ich alles auch auf mich beziehen könnte obwohl ich - offiziell - nicht gemeint bin. Das fängt schon an, wenn sich amüsiert wird, wenn dicke Lokführer - ich bin bei der Bahn auf einem Stellwerk - Schwierigkeiten haben die Lok zu besteigen bis hin zu allgemeinen Themen wie Kosten- und Risikofaktor bei der Krankenkasse oder das "rausgeschmissene Geld" bei misslungenen Kuren oder wenn man zwei Jahre nach der Kur wie vor der Kur aussieht.

      Natürlich nützen tut's niemanden, dies aufzuzählen aber vielleicht macht es einem dann doch etwas leichter, wenn andere erfahren, dass es ihnen nicht nur alleine so geht. Wie sagte mal ein dicker Schulkamerade zu mir: "Als ich dich gesehen hab' war ich froh, dass ich nicht der einzige Dicke in der Klasse bin." :D

      Aber man sollte der Realität schon ins Auge blicken und deswegen spreche ich darüber. Bei meinen schlanken Bekannten meide ich das Thema. Hier habe ich Menschen, denen es auch so geht wie mir und die ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht haben, teilweise vielleicht noch schlimmere, teilweise gar nicht so schlimm. Ich möchte ja auch kein Mitleid, denn das wäre Selbstmitleid. Natürlich hinterfragt man sich selbst, warum machnes so ist, wie es ist. Anderen kann man ja wegen seinen Miseren (gleichgültig, um welche es sich handelt) MEIST nicht die Schuld geben.

      Itme schrieb:

      Aber dieses Forum sehe ich als ein Hilfeforum. Eines, dass einem

      missverstandenem, verunsichertem, gedemütigtem dicken Menschen helfen
      soll.
      Das ist ja auch gut und richtig so, wenn man sich mit Menschen unterhält, die die gleichen Probleme haben und sich austauscht. Dazu gehört eben auch, sich über die alltäglichen offenen wie versteckten Diskriminierungen zu unterhalten und vielleicht zu hören, wie der oder die eine oder der oder die andere damit umgehen. Allerdings halte ich persönlich Hinweise auf "krankhaft" für nicht sinnvoll und auch in den meisten Fällen für nicht richtig. Allerdings kann man sagen, dass wir nicht nicht in der Mehrheit dick wurden wegen unseres Körpers sondern wegen des Kopfes. Natürlich stelle ich nicht in Abrede dass Übergewicht auch kranheitsbedingt oder veranlagungsbedingt entstehen kann aber bei der großen Mehrheit der Übergewichtigen wird es mutmaßlich nicht so sein. Ein anderes mag vielleicht auch sein, wenn man das Übergewicht schon als Kind von seinen Eltern anerzogen bekommt und man als Jugendlicher und Erwachsener deswegen die Kurve auch nicht kriegt. Dann muss man sich als Betroffener leider die Gedanken machen, die sich die Eltern nie gemacht haben.

      Ich finde es gut, wenn ich mich mit Leuten wie ich austauschen kann. In diesem Thread tue ich es ernst, in einem anderen lustig.

      Itme schrieb:

      Natürlich tut es gut, sich mal den Frust, die unsäglichen Erlebnisse,

      all das von der Seele zu reden. Aber es wie eine Litanei zu wiederholen
      bringt weder Dir noch sonst jemandem Hilfe.


      Also denke ich, es sich von der Seele reden, sich - wie man so schön sagt - richtig "auskotzen"....
      Eben. Das Auskotzen und Frust ablassen tut auch gut. :thumbsup: Andererseits wird man beim Herunterbeten der Litanei hin- und wieder traurig weil einem dann wieder Erinnerungen hochkommen. Erinnerungen, die man früher ausnahmslos auf's Gewicht und Aussehen geschoben hat aber bei genauerer Analyse doch andere Gründe hatte. Manches wird einem erst auch später klar.

      Gut Hilfe: Ich könnte mir selbst helfen, den Zustand zu verändern. Das hat ja auch mehrere Gründe (auch manchmal Ausflüchte), warum es oft beim Status Quo bleibt. Und man kann ja oft froh sein, dass der Status Quo erhalten bleibt und es sich nicht noch weiter nach oben verschiebt.



      Itsme schrieb:

      aber dann überlegen, was kann ich tun, damit es mir in Bezug auf dieses Thema besser geht?
      Es gäbe natürlich mehre Dinge die man tun kann oder könnte. Eine Sache wäre vielleicht zu schauen, wo es vielleicht im Kopf nicht stimmt und dann eine mühevolle körperliche und ernährungsmäßige Arbeit auf sich nimmt. Diese ist aber nur von Erfolg gekrönt, wenn man im Kopf ausgemistet hat, wenn nötig mit Hilfe. Vielleicht auch mal hin- und wieder den Kampf mit dem berühmnten und sog. "inneren Schweinehund" aufnehmen.

      Allerdings halte ich es momentan öfters so, dass ich Situationen meide, wo ich Konflikt kommen könnte. So fahre ich so gut wie nie - und das als Eisenbahner - weder S-Bahn, Zug noch Straßenbahnen und Bus sondern alles mit dem Auto, sofern es nur geht. Natürlich gibt es auch Situationen wo dies manchmal unumgänglich ist, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Fliegen versuche ich auch zu meiden und bevorzuge lieber Schiffe, auch unter in Kaufnahme des Zeitverlustes. Allerdings fahren nicht überall Schiffe und Fähren hin. Dann versuche ich Treffen zu redzieren, wo ich weiß, dass gewisse Themen in Bezug auf Gewicht auf die Tagesordnung kommen können und ich weiß auch immer, wo dass dann wäre. Und Kleider kaufe ich gezielt und bewerkstellige es so, dass ich kein Verkaufspersonal fragen muss, mit Ausnahme wenn das Personal selbst etwas zuviel auf den Rippen hat. Dann versuchen wir, meist Ferienwohnungen im Urlaub zu mieten, denn da kann man mit mitgenommen mobilen Matrazen die Betten unterlegen, was man im Hotel nicht könnte ohne Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ausserdem ist man nicht den Blicken der Hotelgäste am Essensbuffet ausgeliefert. Ansonsten gönnen wir uns trotzdem im Urlaub den Strand oder gönnen uns zu Hause die Saunalandschaften und Bäder. Das lasse ich mir dann nicht nehem und dann sollense auch gucken. :D . Allerdings bin ich im Hallenbad im Nachbarort schon so bekannt, dass es keinen mehr interessiert und ich nicht der einzige Dicke bin. Also bis jetzt ist das Bad noch nie wegen mir übergelaufen. ;) ^^

      Gut. Manches mag sich wie Flucht oder wie "Problemen-aus-dem-Weg-gehen" anhören aber so hat man zumindest seine Ruhe. Gut: Artzbesuchen kann man nicht immer aus dem Weg gehen und den Betriebsärzten leider auch nicht.
    • Issi schrieb:

      Das hast Du doch gar nicht nötig, Norberdi.


      Du bist ein Mensch mit normalen Rechten - unter anderem auch mit dem Recht als Mensch respektiert zu werden.
      NICHT weil Du etwas beweisen kannst, sondern weil Du DA bist.
      Das ist klar. Die Menschenwürde und die Menschenrechte gelten universell und unabhängig von Aussehen und Weltanschauung und Ethnie. Allerdings ist das nur der Idealfall und gilt nur in der Beziehung Staat - Staatsbürger. Im gesellschaftlichen Umgang untereinander ist das schon schwieriger, da jeder Mensch seine Voreingenommenheiten hat, was sich auch kollektiv auswirken kann.

      Issi schrieb:

      Ich bin mit der Zeit zu der Überzeugung gekommen, daß nicht "der" Dicke

      ein Problem damit hat, ob er etwas beweisen kann - sondern viele
      Menschen haben ein Problem mit Respekt.
      100 % richtig!!! Respekt oder Nichtrepekt ist aber schon ein Erziehungsproblem oder ein schulisches Problem in dem eben keine Werte mehr vermittelt werden. Und nicht jeder, der zu uns kommt hat ein westliches Wertesystem im Kopf. Der mangelde Respekt und die Anerkennung von Menschenwürde ist ein gesellschaftliches Problem, dass moniert wird aber nicht ansatzweise gelöst wird. Das Strafrecht löst keine gesellschaftlichen Probleme oder ersetzt fehlgeschlagene Sozialpolitik.


      Issi schrieb:

      Damit, andere Menschen zu respektieren - egal wie alt, blond, verlebt, dick, dünn oder sonstwas sie sind.
      Jeder, der scheinbar von einer "Norm" abweicht hat Probleme mit der Respekterhaltung. Allerdings scheint es bei Übergwichtigen fast am meisten Konsens zu sein, dass die kein Respekt verdient hätten aus den vielen genannten Gründen.


      Issi schrieb:

      Und wenn jemand ein Problem hat mit Respekt, dann kann ich das - sorry -

      nicht zu meinem Problem machen. Es interessiert mich auch nicht. Er muß
      selber sehen, wo er in seiner persönlichen Entwicklung steht.
      Der Respektmangel geht uns eigentlich alle an. Es gibt natürlich das gesellschaftliche Problem des mangelden Respekts und das ist eine Sache für uns alle. Und dann gibt es noch die individuellen Probleme die daraus resultieren und das ist dann ein individuelles Problem. Und natürlich ist jeder für seine Entwicklung zumindest in unseren Breiten selbst verantwortlich. Henryk Broder sagte es treffend, dass man spätestens ab 50 für sein Aussehen und seine Handlungsweisen selbst verantwortlich sei und nicht Erlebnisse aus ferner Kindheit (weil er öfters sich schon hätte anhören müssen, wenn über 70jährige sich noch über Fehlentwicklungen in der Kindheit auslassen und darauf alles schöben).

      Issi schrieb:

      Ich jedenfalls muß mich nicht mehr rechtfertigen oder beweisen.


      Und wenn ich zum Beispiel an einem Tag großen Hunger habe, muß ich
      jemand anderem nicht "beweisen" wie brav ich sein und mir nur ganz
      winzige Portionen nehmen "kann".
      Ich muss mich im Prinzip auch für nichts rechtsfertigen ausser, ich habe durch meine Handlungsweise oder Nichthandlungsweise anderen unmittelbar geschadet oder Leid zugefügt. Allerdings wird man doch oft oder immer als Übergewichtiger in Rechtfertigungspositionen gedrängt. Mancher steckts gut weg oder kontert gut, der andere kann nicht damit umgehen. Es ist aber im Prinzip egal ob ich 5 mal ans Buffet laufe und große Protionen auf den Teller schaufle oder ob ich nur einmal vorlaufe und mir einen Klacks auf ein Tellerchen gebe. Das letzere würde vielleicht noch als Show interpretiert und mir unterstellt, ich fräße dann im stillen Kämmerlein nach.

      Issi schrieb:

      Belaste Dich doch nicht mit der Meinung anderer Leute, Norberdi.
      Geht das immer?
    • Lisa schrieb:

      Der Fokus liegt auf "hübsch". Ich bin eine Frau in den Wechseljahren und

      so was von unsichtbar - es sei denn, meine 20jährige Tochter begleitet
      mich. Dann springen die Typen plötzlich im Quadrat.....
      Und wer kriegt dann geholfen, die Tochter oder die Mama 8) :D ;) ?

      Lisa schrieb:

      Thema: Denke ich im geheimen, wenn ich schlank wäre, wäre ich schön, brilliant, beliebt und anziehend? Nein....ich wäre einfach nur
      schlank....
      Kann ich bestätigen. Ich habe als Kind und als Jugendlicher ALLES auf mein Aussehen und mein Gewicht geschoben, vor allem den Umstand, bei Mädels nicht zu landen. Und als Junge und junger Mann ohne Mädchen und ohne sexuelle Erfahrung ist man ja in der Männerwelt fast noch schlimmeren Schmähungen ausgesetzt wie als Dicker. Da bekommt man alles unterstellt und man muss aufpassen vielleicht nicht noch als "zukünftiger Triebtäter" zu gelten. Gut als homosexuell zu gelten ist heute mutmaßlich nicht mehr so schlimm, damals war es noch so.

      Also habe ich die Kurve gekriegt und habe so abgenommen, dass man an den Schlüsselbeinen die Knochen deutlich gesehen hat und man buchstäblich die Rippen zählen konnte. Man attestierte mir sogar ein gutes Ausssehen und man sagte mir dann in umgekehrter Weise, ich solle mit abnehmen endlich aufhören. Ich war so von dem Glauben besessen, dass, wäre ich schlank, alles gelöst sei.

      Und es war so, Lisa, wie Du geschrieben hast. Die meisten Probleme blieben, der Erfolg bei Mädchen stellte sich nicht ein. Das einzige was nicht mehr war waren die Sticheleien und die Hänseleien wegen dem Gewicht. Also müssen da noch andere Dinge gewesen sein, die nichts mit dem Gewicht zu tun hatten. Es war genauso: Die Probleme blieben, aber eben nur schlank.
    • Norberdi schrieb:

      Und wer kriegt dann geholfen, die Tochter oder die Mama ?
      Die Mama durchaus - um die Tochter zu beeindrucken.

      Am anfang hat es mich schon geärgert , wenn beispielsweise ein Trainer im Fitnesstudio, der mich sonst nicht beachtet, sich plötzlich intensiv um mich kümmert, weil meine Tochter mit dabei ist -
      mittlerweile amüsiert es mich eher.

      Aber wie gesagt, unsichtbar, das ist man nicht nur als dicker Mensch.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Nicht nur Dicke sind in unserer Gesellschaft Menschen zweiter Klasse, auch Frauen, Migranten, Behinderte... Wer nicht der geklonte Normdeutsche ist (gibt es den überhaupt?) wird gestriezt.
      @Norberdi: Glaub mir, in meinem Leben wurde ich wesentlich häufiger in meiner "Gruppenzugehörigkeit" als Frau als als Dicke diskriminiert.

      Ein Azubi, der eine weibliche Mit-Azubine sexistisch belästigt, wird unter vier Augen getadelt. Ein Azubi, der einen schwarzen Mit-Azubi rassistisch beleidigt, wird gefeuert. Hat das Mädchen weniger Menschenrechte? Das ist nun mal so in der Männerwelt. Da muss sie sich dran gewöhnen. Es sagt (zu Recht!) aber keiner zum Schwarzen, das ist nun mal so in der weißen Welt, da musst du dich dran gewöhnen.

      Fürs Team wird ein Fahrrad gekauft. Natürlich ein Herrenfahrrad, auf das ich nicht raufkomme.

      Als ich mal um Gehaltserhöhung gefragt hatte, hieß es, ich könne doch nicht mehr verdienen als ein Mann!

      Ich habe Mathematik und Maschinenbau studiert. An meinem Arbeitsplatz wurde mir der Job der ausscheidenden Sekretärin angeboten. Auf meine Frage, warum denn das, hieß es, ich könne dort am besten Erfahrungen sammeln (nach 10 Jahren Betfreibszugehörigkeit). Als ich meinte, der Herr X ist doch neu, das wäre dann doch eher was für ihn: Nee, das kann man doch einem Mann nicht zumuten.

      Als verheiratete Frau darf ich entlassen werden, ich habe ja einen Versorger. Der verheiratete Mann darf nicht entlassen werden, der ist ja Familienvater. (OK, ich hab das Angebot angenommen, die Abfindung gegriffen und Tschüss, aber das ist eine andere Geschichte.)

      Oder im Studium: "Sie sind doch im gebärfähigen Alter. Was nehmen Sie einem Mann den Studienplatz weg?"

      Und überhaupt ist es ja unzumutbar, wenn die Kollegen mit einer Frau (IGITT) zusammenarbeiten müssen.

      Oft ist Leuten, mit denen ich geschäftlich zu tun hatte, ganz erschrocken rausgerutscht, "Sie sind ja eine Frau!" Meine Lieblingantwort war "Keine Angst, ist nicht ansteckend."

      Oder: kommt ein Mitarbeiter in mein Büro, will was wissen. Ich spreche ihn an, ob/was ich für ihn tun kann. Nee, er will lieber mit jemandem reden, der Ahnung hat. Und wendet sich an den größten Schwachkopf im Team. Gut, der ist dann mit dem "Kunden" zu mir gekommen. Weil ich ja keine Ahnung habe.

      Die berühmte Sylvesternacht von Köln wurde doch erst ein Thema, als es darum ging, Flüchtlinge in ein schlechtes Licht setzen zu können. In Köln und anderswo wurden und werden Frauen schon immer begrapscht, und niemanden hats bisher gestört, siehe Trump.

      Und ich fahre auch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, schon gar nicht nachts. Aber nicht weil ich Probleme mit dem Dicksein habe, sondern aus Angst vor sexueller Gewalt.

      Dazu bin ich ziemlich dunkel. Da ist es mir schon passiert, dass ich als "Drecksausländerin, die uns den Arbeitsplatz wegnimmt" beschimpft worden bin.

      Du siehst, Menschen erdulden mannigfache Diskriminierungen. Dicksein ist nur einer der Anlässe. Wehe, wenn man dick, Frau und südländisch aussehend ist...
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • @'Norberdi

      Am besten gefällt mir Deine Aussage zu Euren Badeurlauben:

      "Sollense doch gucken..."

      Klasse! :thumbsup:

      Genau da lag vor Jahren bei mir ein Problem und das Fazit war schließlich:

      Es gab und gibt alle Arten von Figuren, von Spindeldürr bis sehr Rund und es interessiert keinen Menschen! Alle meine vorherigen Sorgen waren im Grunde selbst gemacht. Ich glaubte alle würden gucken und sich über mich mokieren, aber das tat niemand, denn da hätten die Leute viel zu viel zu tun, bei der Vielfalt der Figuren.

      Vieles findet einfach nur in unseren Köpfen statt.

      Klar gibt es immer mal wieder Holzköpfe, die sich selbst größer fühlen, wenn sie andere (vermeintlich) kleiner machen können. Sie können mir nichts mehr antun, denn ich habe erstens beschlossen, dass ich niemandem die Macht gebe mich zu kränken und zweitens weiß ich, wes Geistes Kind solche Menschen sind. Ich würde sie in allen anderen Bereichen des Lebens nicht ernst nehmen, warum sollte ich es in diesem Fall?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Knallfrosch schrieb:

      Norberdi schrieb:


      dauerabtreibende Gebärmaschine


      Ich hab das hier ziemlich spät gelesen, daher verzeih mir die mangelnde Aktualität.


      Ich finde das eine ziemliche sexistische Entgleisung von dir.


      Liebe Grüße vom Knallfrosch
      Hallo Knallfrosch,

      wenn das so für sich alleine stehen würde oder wenn ich es gebraucht hätte um jemanden persönlich zu beleidigen, würde ich Dir recht geben. Ich habe aber mit Absicht diese drastische Wortwahl gewählt, eben, weil man sie in Bezug auf den Personkreis, den ich meinte so nicht anwendet oder nur hinter vorgehaltener Hand, während man Abneigungsbekundungen gegen Übergewichtige oft offen ausspricht.

      Ich sprach ja auch von Säufern und Kiffern, wobei dies Bezeichnungen sind, die man nur ausspricht, wenn man Haß auf jene empfindet. Wenn ich sagen würde, die meisten Obdachlosen seien auch Säufer hätte ich bestimmt einen Shitstorm an der Backe. Wenn ich sage, dort wohnt ein Säufer oder saufender Schläger, dann größtenteils vielleicht auch. Dann würde man mich bestimmt maßregeln und sagen, dass es sich hierbei um kranke Menschen handelt, da Alkoholismus eine von der UNO bzw. WHO anerkannte Krankheit ist. Die Krankheit ist zwar selbst verschuldet aber es ist eine Krankheit. Vor noch gar nicht allzulanger Zeit wurde dies als Unmäßigkeit oder als Anzeichen für Asozialität betrachtet.

      Während also der "Säufer" heute der "Alkoholkranke" ist, dem geholfen werden muss - und zwar auf Kosten der Allgemeinheit - darf über diesen auch nicht (mehr) geschimpft werden, ausser, er fährt Auto oder randaliert nach einem Volksfest oder Fussballspiel. Aber das ist vielleicht dem Unstand geschuldet, dass es bei den letztgenannten unbeteiligte Opfer gibt. Beim "alkoholkranken" Ehemann, der "krankheitsbedingt" seine Frau verprügelt, kann es sogar sein, dass dieser auch noch Mitleid erhält. Heute regt sich doch kaum einer noch auf, wenn Alkoholiker mehrere Kuren absolvieren und ständig rückfällig werden. Dann werden sie eben noch durchtherapiert auf Beitragszahlerkosten und kaum jemand erregt sich noch darüber. Jedenfalls offen.

      Ich meine hierzu, da Alkohol nun mal eine legale Droge ist, muss eben die Gesellschaft die Negativfolgen akzeptieren. Allerdings sprechen wir hier nicht von ein paar wenigen "Kranken" sondern von fast 7 - 10 Millionen allein in Deutschland.

      Und auch, wenn ich "Kiffer" und "Junkie" sage werde ich noch gemaßregelt, da diese armen Menschen doch "Suchtkranke" sind.

      Und in diesem Kontext steht die "abtreibende Gebärmaschine", eine überspitzte Beschreibung für jene Frauen, für die Abtreibung eine selbstverständliche "Nachkorrektur" für "vergessene" Verhütung ist (OBWOHL VERHÜTUNG FÜR MICH NICHT NUR FRAUENSACHE IST!!!) oder wenn man vielleicht erst hinterher "merkt", dass man von dem Mann eigentlich kein Kind möchte. Ich möchte hier jetzt nicht über meine Einstellung zur Abtreibung diskutieren - nur soviel (auch wenn ich bei den meisten Damen hier jetzt gewaltig anegge): da bin ich nicht zeitgeistgemäß - aber wenn dies auf Kosten der Allgemeinheit geschieht regt sich ja fast auch niemand mehr auf (obwohl ja behauptet wird, dass Frauen, die aus "eigennützigen Gründen" abtreiben "Selbstzahlerinnen" seien).

      Aber an Deiner Reaktion habe ich gesehen und so ist es in der Realität auch, dass ein drastischer Wortschatz, angewendet auf andere, die der Allgemeinheit auch Geld kosten, Empörung hervorruft, während ein drastischer Wortschatz, angewendet auf Dicke und Übergewichtige keinen mehr hinter dem Ofen hervorlockt, da er scheinbar Konsens ist. Und alles was mit Übergewicht und Dick verbunden wird (wie z. B. die vielen Kosten der sinnlosen Diätkuren, die Erwähnung und Behandlung der angebl. Begleit- und Folgeerkrankungen, sowie die Andichtungen, Dicke seien charakterlos, willenlos, dumm und stinkend) wird ja noch von den meisten bejaht. Während man bei den "Säufern" noch die Gesellschaft als den Schuldigen geneigt ist zu betrachten, ist der Dicke selbst schuld. Man findet in Ordnung, dass Dicke von vielem ausgeschlossen werden.

      Säufer, Kiffer, Junkie oder eben auch "Dauerabtreiberinnen" (wieder so ein drastisches Wort, ich weiß) die der Gesellschaft auch Kosten verursachen dürfen ohne Empörung nicht so geannt werden, während "Fettsack", "fette Sau", "Schweinchen Dick", "Dickerle", "Wampenschieber" usw. zu uns gesagt werden darf und zwar laut und ohne vorgehaltener Hand, ohne dass sich jemand empört, mit Ausnahme von empahtischen Altruisten vielleicht.

      Gut, da das Thema Abtreibung sowieso polarisiert, hätte ich das auch weg lassen können. Möchte hier in diesem Thread jetzt keine Abtreibungsdiskussion eröffenen und führen, vor allem, wenn ich weiß, dass ich eventuell eine Mehrheit von vor allem Damen gegen mich habe. ;)
    • Ich danke dir Noberdi, dass du dir die Zeit genommen hast, deinen Standpunkt darzulegen. Und ich verstehe ihn auch. Ich stimme dir zu 100% zu, dass dicke Menschen die "letzte" Minderheit sind, bei der es gesellschaftlich akzeptiert ist, sie zu diffamieren.

      Und trotzdem ist deine Wortwahl - von meiner Sicht aus - unverzeihlich.
      Zum ersten weil du ein Mann bist und es dir nicht zusteht über abtreibende (oder gebärende) Frauen zu urteilen.
      Zum anderen weil böse Worte gegen einen bösen Zustand nicht der richtige Weg ist, mit diesem bösen Zustand umzugehen.
      Es ist falsch auf andere zu treten nur weil man selbst getreten wird.

      "Mit der Zeit nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an". Marc Aurel. Wenn du zuläßt dass deine Verletzungen deine Worte in solch einem Ausmaß beinflussen, dann wird deine Seele folgen an einen unguten Ort. Und mit dir ein paar andere, deren Verletzungen noch eitern.
      Dann haben die Dickenhasser gewonnen. Laß das nicht zu.
      Bleib auf der guten Seite der Macht <3

      Liebe Grüße vom Knallfrosch
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Knallfrosch schrieb:

      Und trotzdem ist deine Wortwahl - von meiner Sicht aus - unverzeihlich.


      Zum ersten weil du ein Mann bist und es dir nicht zusteht über abtreibende (oder gebärende) Frauen zu urteilen.
      Ich weiß ja nicht, ob man dass, was ich geschrieben habe schon "verurteilen" nennen kann. Eigentlich verbietet es mir meine Ethik vorschnell über andere zu urteilen.

      Aber dein Rat erinnert mich an den Schwager meiner Partnerin, der mich mal etwas zum Thema "Kinder" und "Erziehung" gefragt hat um mal meine Meinung darüber zu hören (ich weiß nur nicht mehr, konkret, was es genau war). Als ihm meine Meinung nicht so ganz gepasst hat, meinte er lapidar, es wäre besser, ich sei still, da ich keine Kinder hätte würde ich mich eh nicht auskennen und keine Ahnung haben. Obwohl der Schwager meiner Partnerin sich ständig über Dinge äussert, in denen er KEIN Experte ist und in denen er sich nicht auskennt, vor allem, wenn es um Recht und Ordnung geht, spielt er sich auf, als hätte er Patentrezepte.

      Wenn sich jeder nur über die Dinge äussert, in denen er/sie Experte(in) ist, dann gäbe es kaum noch Diskussionen sondern nur noch Fachsimpelei. Natürlich gibt es viele Dinge, in denen ich mich explizit nicht auskenne und zu denen äussere ich mich im Prinzip nicht. Aber auch, wenn man sich in manchen Gebieten nicht auskennt, so kann man doch eine Meinung dazu haben. Die kann natürlich falsch sein oder richtig oder gefällig oder nicht.

      Und noch zum Thema drastische Wortwahl: Ich wollte ja nur zeigen, wenn ich bestimmte Menschen mit Negativwörtern belege, dass da eher eine Korrektur oder ein gesellschaftlicher Aufschrei käme als wie wenn man über und zu Dicken etwas sagt mit beleidigender oder drastischer Wortwahl. Natürlich mache ich mir nicht zwingend drastische Wortwahl zu eigen (obwohl mein Vater in dieser Beziehung ein guter Lehrmeister gewesen wäre) um andere gezielt zu beleidigen oder Gruppen zu diffamieren.


      Knallfrosch schrieb:

      Bleib auf der guten Seite der Macht
      Da passe ich schon auf. Ich halte mich ja für einen Guten ;) 8) :saint:
    • Sophia schrieb:

      @Norberdi: Glaub mir, in meinem Leben wurde ich wesentlich häufiger in

      meiner "Gruppenzugehörigkeit" als Frau als als Dicke diskriminiert.
      Natürlich ist es ja bei mir auch nicht so, dass ich immer und ständig etwas nachgerufen bekäme oder dass ich ständig angepöbelt würde. Eigentlich passiert das ja kaum oder sehr sehr selten. Die Diskriminierungen sind ja eher latent. Das passiert eher indirekt, wenn sich über das Thema "dick" oder "Übergewicht" allgemein unterhalten wird, aber so, dass man es noch hören soll. Es wird dann zwar so getan, als meine man das allgemein, aber gemeint bin natürlich ich, weil das Thema ja just in dem Moment begonnen wird, in dem ich erscheine. Direkter wird's nur, wenn es Situationen gibt, an denen es eng wird, sprich, an dem die "Gefahr" besteht, dass man mit anderen in "Tuchfühlung" gehen muss. Oder das fängt schon an, wenn sich im Zug niemand neben einen setzt oder wenn gehofft wird, dass ich nicht der Sitznachbar werde. Aber ansonsten erlebe ich Diskriminierung auch nicht ständig und permanent. Erwachsene machen das eben anders als Kinder und Jugendliche, die eben offen hänseln. Aber da wird wohl jeder seine Erfahrungen individuell machen.



      Sophie schrieb:

      Wer nicht der geklonte

      Normdeutsche ist (gibt es den überhaupt?) wird gestriezt.
      Den Normdeutschen, der blonde und blauäugige athletische Germane und das Germanen-Bilderbuch-Rotkäppchen gibt es natürlich nicht, wenn es diese je gegeben hätte. Aber es gibt das sog. "Schönheitsideal" bei uns vornehmlich das sog. "westliche". Diese Ideale werden uns ständig z. B. in der Werbung vorgeführt oder in Serien wie "Baywatch"usw., von den Fussballgöttern und anderen Sportidolen die für "gutes Aussehen" stehen gar nicht zu reden. Wer davon zumindest "erheblich" abweicht hat mit Frozeleien bis hin zu offener Ablehnung zu rechnen. Es gibt eigentlich nicht "DIE" Ablehnung sondern - meine ich - mehrere "Ablehnungsstufen", je nach dem, wie groß die Abweichung vom "Normideal" ist. Und wenn dann das Opfer noch die Vorurteile bestätigt (also, wenn der Dicke wirklich sich dumm und charakterlos gibt oder gar ist - soll's ja tatsächlich geben), dann wird eben auf die Gruppe "hochgerechnet", so nach dem Sprichwort, dass eben ein fauler Mönch das ganze Kloster in Verruf brächte.



      Sophie schrieb:

      Nicht nur Dicke sind in unserer Gesellschaft Menschen zweiter Klasse,

      auch Frauen, Migranten, Behinderte...
      Ja, aber irgendwie auf eine andere Art. Frauen werden anders gesehen als Migranten, Migranten anders als Behinderte. Wir können das auch noch auf Obdachlose oder Hartz IV-Emfänger ausweiten. Allerdings erweisen jene dieser Gruppe die auf z. B. Vorteile auf Grund ihres Geschlechts oder ihres Erwerbsminderungsgrades pochen ihren Geschlechtsgenossinnen bzw. Leidensgenossen einen Bärendienst. Wenn z. B. Frauen auf die Quote pochen oder Behinderte ihre Behinderung wie eine Monstranz vor sich hertragen und keine Gelegenheit auslassen darauf rumzureiten, wenn es um Vorteile geht. Ich habe schon beides erlebt. Natürlich mag dies nicht sehr oft vorkommen oder sogar selten aber der Unmut der dabei bei den anderen erzeugt wird, wird ja auch auf die ganze Gruppe hochgerechnet. Ich persönlich meine, dass in erster Linie das fachliche Know-How für eine Postenbesetzung ausschlaggebend sein soll und nicht Geschlecht oder körperlicher Zustand. Und bei einer Quote habe ich auch Bauchschmerzen, da es immer das Geschäckle vom Hochhieven hat. Aber natürlich alles sensible Themen, keine Frage.

      Allerdings muss ich sagen, dass z. B. bei meinem Arbeitgeber, die DB AG bzw. DB-Regio AG und auch schon vorher bei der Bundesbahn die Frauendiskriminierung nicht sonderlich spürbar ist, dass sie nicht vorhanden ist, will ich nicht sagen. Aber zumindest geht hier der öffentliche Dienst mit gutem Beispiel voran, was man von der freien Wirtschaft leider nicht sagen kann. Allerdings habe ich bis jetzt kaum Frauen getroffen oder kennengelernt, die sich in ihrem Job diskriminiert fühlten. Und auch was die sexuelle Belästigungen betrifft, haben das bis jetzt mir gegenüber auch sehr sehr wenig Frauen eingestanden, dies erlebt zu haben. Allerdings habe ich schon beobachtet, dass - im Gegensatz zu Männern - jede Frau verschieden auf z. B. "eindeutige Zweideutigkeiten" reagiert. Die eine hat ein dickes Fell, die andere macht noch mit, wieder eine andere ist eine Supermimose (sag ich jetzt mal so). Männer nehmen so etwas einheitlicher auf oder verziehen höchstens mal die Schnute. Deswegen sollte man eben im Beisein von Kolleginnen immer vorsichtig sein, was man von sich gibt. Da ist man durchaus schnell beim Chef oder hat eine Abmahnung, je nachdem auf welche Frau mit bestimmter "Toleranzschwelle" man trifft. Soll natürlich kein Plädoyer für verbale sexuelle Belästigung oder deren Verharmlosung sein.

      Gut, Migranten. Das ist ja auch so ein Thema, das nicht nur Diskriminierung von Migraten betrifft, sondern auch Diskriminierung jener mit sich bringt, die Migration - zumindest wie sie sich seit den letzten 10 bis 15 Jahren abspielt - kritisch betrachten. Dabei muss man immer noch genau zwischen Asylsuchenden und Migranten differenzieren. Migranten kommen meist oder ausschließlich aus ökonomischen Gründen. Und Migrations- und Migrantenkritik ist nicht per se Diskriminierung - liegte eben in der Art des Vortragens - sondern in einer Demokratie ein Recht der freien Meinungsäusserung. Da muss man eben auch unterscheiden zwischen sachlicher Kritik und Hassparolen und Hetze. Wenn man heute Meinungen äussert, die nicht dem Mainstream und den Medien entsprechen ist man ja gleich in einer braunen Ecke.

      Sophie schrieb:

      Ich habe Mathematik und Maschinenbau studiert. An meinem Arbeitsplatz

      wurde mir der Job der ausscheidenden Sekretärin angeboten. Auf meine
      Frage, warum denn das, hieß es, ich könne dort am besten Erfahrungen
      sammeln (nach 10 Jahren Betfreibszugehörigkeit). Als ich meinte, der
      Herr X ist doch neu, das wäre dann doch eher was für ihn: Nee, das kann
      man doch einem Mann nicht zumuten.
      Ist das eine Erfahrung, die Du ständig gemacht hast oder nur speziell in dieser Firma?


      Sophie schrieb:

      Oder im Studium: "Sie sind doch im gebärfähigen Alter. Was nehmen Sie einem Mann den Studienplatz weg?"
      Ich kannte und kenne etliche Studenten (heißt wohl heute "Studierende") und habe das nicht so beobachtet und berichtet bekommen. Ausserdem habe ich 27 Jahre in einer Universitätsstadt gewohnt und gegenüber meines damaligen Wohnblocks war ein riesiges Studentenwohnheim. Da meinte ich durchaus - subjektiv - mehr Frauen als Männer gesehen zu haben. Und als die meisten Wohnungen in meinem Wohnblock in Eigentumswohnungen umgewandelt wurden, haben viele Neu-Eigentümer nur an Studenten vermietet. Zum Schluss gings im Block zu wie in einem Taubenschlag. Die Studenten haben nie länger wie eineinhalb Jahre in den Wohnungen gewohnt und auch da meinte ich waren es mehrheitlich Studentinnen.

      Sophie schrieb:

      Die berühmte Sylvesternacht von Köln wurde doch erst ein Thema, als es

      darum ging, Flüchtlinge in ein schlechtes Licht setzen zu können. In
      Köln und anderswo wurden und werden Frauen schon immer begrapscht, und
      niemanden hats bisher gestört, siehe Trump.
      Ich kenne die Kölner Befindlichkeiten nicht. Ich war zwar einmal im Dom und im Hauptbahnhof und bin etlicher Male dort nur umgestiegen aber ansonsten kann ich hierzu nix sagen. Ich weiß, dass nach den Kölner Vorfällen z. B. in Mannheim etliche Frauen behaupteten, sie seien begrabscht und vergewaltigt worden, was sich hinterher als Erfindung herausstellte wegen Hass auf Migranten. Ich meine solche Frauen tun Frauen, denen das wirklich widerfährt keinen Gefallen.

      Allerdings bin ich durchaus überzeugt, dass es eine große Gruppe unter den Migranten gibt, vornehmlich junge Männer (gut, junge Männer in Gruppen machen eigentlich immer oder oft Probleme, egal wo), die eben ein anderes Welt- und Ethikbild haben und auch vielleicht ein anderes Frauenbild. Das soll Begrapschungen und Belästigungen durch Deutsche, Holländer, Schweden, Engländer, Russen oder Italiener auf dem z. B. Oktoberfest nicht verharmlosen und relativieren und schon gar nicht weil bei Europäern oft Alkohol im Spiel ist. Allerdings wage ich zu behaupten, dass das Problem durch zugewanderte junge Männer aus dem Maghreb sich vergrößert hat.


      Sophie schrieb:

      Und ich fahre auch nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, schon gar

      nicht nachts. Aber nicht weil ich Probleme mit dem Dicksein habe,
      sondern aus Angst vor sexueller Gewalt.
      Ich bin zwar bei der Bahn, aber auf einem Stellwerk und nicht an der "Fahr- und Kundenfront". Gott sei Dank. :P :whistling: Aber Arbeitskollegen, die z. B. als Zugführer, Lokführer oder Revisoren unterwegs sind oder Kollegen der Bundespolizei berichten schon, dass sich Gewalt und Belästigung gerade wegen dem Personenkreis erhöht hat, von dem ich weiter oben sprach. Und auch Freunde und Kollegen bei anderen Nahverkehrsunternehmen wie z. B. der Straßenbahn (RNV) sagen das gleiche. Und viele Freunde sagten mir auch, dass sie mittlerweile nachts den ÖPNV mieden wegen besagter Personengruppe. Natürlich gibt's da auch andere "Problembären" wie besoffene Straßen- und Volksfestbesucher oder Fussballfans aber die Angst vor jungen Männern in Gruppen mit Migrationshintergrund fällt da am meisten. Ausserdem wird von Revisoren und Bundespolizisten auch angemerkt, dass besagte Migrantengruppe sie gar nicht ernst nähmen und sich über die Maßnahmen oft amüsierten, da die Polizei in den Heimatländern da viel anders durchgriffe oder die Polizei dort auf Humanismus und Menschenrechte pfiffe. Und wenn in unseren Zügen durchgegriffen wird, dann gibt es nicht selten eine bestimmte einheimisch deutsche Klientel, die sich dann mit diesen jungen Männern noch solidarisiert (geht politisch so in die Richtung Grün ;) ?( ), zumindest verbal.

      Gut, viele angesprochene Themen mit viel Zündstoff.
    • Norberdi, mir fällt auf, dass du eigentlich alle Diskriminierungen relativierst - außer die der Dicken.
      Vermutlich weil du zu letzteren gehörst ?

      Übrigens möchte ich in der Bahn auch nicht neben einem Dicken sitzen - ich brauche nämlich selber Platz.
      Ich werde mich nicht einquetschen, nur um niemanden zu diskriminieren. Doch ich werde mich dafür einsetzen, dass Sitze in öffentlichen Verkehrsmitteln eine vernünftige Größe bekommen und NICHT zum Dicken sagen: "Dann nimm halt ab!".

      Gruß Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Norberdi, mir fällt auf, dass du eigentlich alle Diskriminierungen relativierst - außer die der Dicken.
      Vermutlich weil du zu letzteren gehörst ?
      Wo relativiere ich? Ich sehe jetzt nicht wo ich das getan hätte.

      Ich finde Diskriminierung - egal wegen was - immer und grundsätzlich schlimm und amoralisch. Aber während man über und zu Dicken alles sagen darf ohne, dass sich großartig darüber aufgeregt würde - ausser bei der betroffenen Klientel - wird man, wenn man dies bei anderen Gruppen tut durchaus von den Leuten gemaßregelt. Um das geht es. Gut, einiges kann durch die freie Meinungsäusserung noch abgedeckt sein aber die Grenze zur Diskriminierung ist oft fließend. Ich sage ja nicht, dass man jetzt alle "Problemgruppen" frei diskriminieren und bleidigen darf und soll, nur, weil dies bei den Dicken so gehandhabt wird. Nur hat scheinbar jede "Problemgruppe" ihre externen Verteidiger, ausser die Dicken. Natürlich finde ich es auch nicht erstrebenswert dick zu werden, zu sein oder zu bleiben. Und ich finde es auch nicht schön, dass die Dicken immer zahlreicher werden. Es tut mir weh, wenn ich dicke Kinder sehe, vor allem, wenn die Eltern normalgewichtig sind.

      Mein Zustand zu ändern liegt natürlich an mir und nicht an der sog. Gesellschaft. Allerdings ist es schwer dagegen anzukämpfen, wenn man dies z. B. als Erblast aus der Kindheit hat, weil man das "Nachessen" musste, weil die Eltern bei Adolf Hunger leiden mussten und man dadurch die Veranlagung, dick zu werden quasi anerzogen bekommen hat. Allerdings, geht das Dagegensteuern schief, dann wird gleich auf den Charakter geschlossen ("willenlos", "charakterlos", "schwach", "dumm" usw.), was bei den meisten bzw. vielen anderen "Problemgruppen" nicht getan wird.

      Natürlich will ich nicht, dass man deswegen Alkoholkranke, die ihre Sucht nicht in einsehen oder bei denen mehrfach Kuren scheitern auch so charakterisiert würden. Aber dann soll man auch aufhören, den Dicken alles vorzurechnen und zu fordern, dass Dicke überall mehr zahlen sollen oder höhere Kassenbeiträge zahlen sollen, während man dies bei anderen Gruppen, die auch viel Geld kosten nicht tut. Wenn ich eben bei der Kasse mehr zahlen soll, nix dagegen, dann tue ich das und ich wette, dass trotzdem noch gemeckert würde. Und wenn ich im Flieger zwei Sitze zahlen soll, bitte schön, dann möchte ich auch zwei Sitze und nicht, dass bei Überbuchung die Airline dann doch jemanden neben mich setzt, womöglich noch einen Dickenhasser.

      Natürlich halte ich Vergewaltigung für ein schlimmes und abscheuliches Verbrechen und ich wüsste nicht, dass ich dies relativiert hätte. Wenn Frauen aber eine Vergewaltigung z. B. erfinden - soll es ja aus verschiedenen Gründen auch geben - dann tun diese Frauen den wahren Opfern auch keinen gefallen, eher im großen Gegenteil. Das anzumerken relativiert nicht. Natürlich mag es Männer UND FRAUEN geben, die relativieren, in dem sie Frauen direkt oder indirekt eine Mitschuld geben, in dem sie z. B. "lockere Kleidung" monieren. Das wundert mich sowieso, dass dies sehr oft sogar von meist älteren Damen zu hören ist.

      Natürlich finde ich Frauendiskriminierung für schlimm sowie handgreifliche und verbale sexuelle Belästigung. Es ist in meinen Augen aber nicht diskriminierend anzumerken, dass man von einer Quote nichts hält. Die Befähigung soll allein ausschlaggebend sein und nicht das Geschlecht oder eine Behinderung. Das ist nicht relativierend. Es ist auch nicht relativierend anzumerken, dass Frauen unterschiedliche Toleranzschwellen haben was zumindest die verbale Belästigung betrifft. Da habe ich durchaus schon so meine Beobachtungen gemacht. Das ist nicht relativierend. Und zu sagen, dass man im Beisein von Kolleginnen sich vorsichtig äusseren soll ist auch nicht relativierend. Derjenige, der es nicht lassen kann, der lässts sowieso nicht und dann muss er es auch spüren.

      Übrigens Lisa: Möchtest Du eine Quotenfrau sein oder hättest Du lieber einen Posten und die Anerkennung, weil Du qualifiziert bist? Ist es sinnvoll, dass die Quotenbesetzung vielleicht ein Fehlgriff ist?

      Es ist auch nicht relativierend, wenn ich anmerke, dass es z. B. Behinderte gibt, die, wenn es um Vorteile geht sofort intervenieren und auf ihrer Behinderung rumreiten. Die tun nämlich ihren Leidensgenossen keinen Gefallen damit, eher im Gegenteil sorgen die unter der restlichen Belegschaft eher für Unmut. Natürlich muss eine Gesellschaft Behinderten ein lebenswertes Leben ermöglichen, so weit es eben möglich ist. Keine Frage.

      Ich halte alle Arten von Sucht für schlimm und bin auch der Meinung, dass man Süchtigen helfen soll. Nur weil man über mich als Dicken und über Dicke alles sagen darf, heißt das doch nicht, dass ich das bei Alkoholkranken, Cannabiskonsumten oder anderen Rauschgiftabhängigen auch will dass man diese statt zu helfen auch ungestraft diskriminieren soll.

      Ich halte auch für schlimm, wenn Frauen in Notlagen kommen, wo sie vor der Gewissensentscheidung stehen Abtreibung ja oder nein. Abtreibung aber auch für schlimm zu halten, diskriminiert diese Frauen aber nicht. Schließlich steht mir - wie Knallfrosch sagte - angeblich nicht zu, mich als Mann darüber zu äussern aber eine Meinung darf ich doch wohl haben.

      Wer Asyl und Schutz braucht soll ihn auch uneingeschränkt erhalten. Aber bestimmte Aspekte der Migration kritisch zu betrachten relativiert doch auch die Migrantendiskriminierung nicht. In einer Demokratie gibt es eben keine Einheitsmeinung, sondern Pluralität. Wenn eben z. B. Bundespolizisten und Zugrevisoren über ihre Einschätzungen und Erfahrungen berichten dann ist das keine Diskriminierung, sondern eben Einschätzungen von Leuten, die direkt mit negativen Folgen konfrontiert sind. Natürlich rechtfertigt es zu keiner Zeit Brandsätze in Unterkünfte zu werfen, nur weil eine bestimmte Gruppe von Migranten Probleme bereitet. Bestimmte Aspekte der Migrationskritik mit der "braunen Keule" zu unterlegen - auch eine Diskriminierung von bestimmter politischer Seite oder dem Mainstream (auch medial) - ist das gleiche, wie wenn man Israel-Kritik grundsätzlich als "Antisemitismus" abkeult, obwohl Israel-Kritik unter Umständen durchaus stellvertretend für Antisemitismus stehen kann, wenn ein bestimmte Klientel den "bösen Juden" mit "dem bösen Israeli" ersetzt.

      Auch wenn man bestimmte Bereiche der "Genderthematik" kritisch betrachtet, diskriminiert man nicht automatisch. Auch hier ist es demokratisches Recht andere Meinungen zu haben die dem sog. politischen Konsens oder dem "organisierten Gendertum" entgegenstehen. Auch hier kommt es natürlich darauf an, wie die Kritik vorgetragen wird und wer sie vorträgt.

      In allen angesprochenen Punkten ist natürlich der Schritt zur Diskriminierung fließend. Das ist mir auch bewusst.

      Nur sehe ich jetzt nicht, wo der Vorwurf der Relativierung bei mir sein soll. ?(


      Lisa Cortez schrieb:

      Übrigens möchte ich in der Bahn auch nicht neben einem Dicken sitzen - ich brauche nämlich selber Platz.
      Wenn ich sehe, dass es neben einem Dicken nicht geht - und meist geht es nicht - werde ich mich auch nicht neben ihn setzen. Das mache ich aber nicht, um diesen mit Verachtung zu strafen, sondern um ihm/ihr eine bequeme Nutzung zu erhalten. Dann stehe ich eben oder setze mich auf einen Notplatz im Fahrradraum. Und wenn ein Radfahrer meckert, dass dies der Platz für Fahrräder sei, dann stehe ich eben auch da auf. Wenn ich zurückmeckere und es kommt noch raus, dass ich selber Eisenbahner bin, ist das noch weniger vorteilhaft für mich.



      Lisa Cortez schrieb:

      Ich werde mich nicht einquetschen, nur um niemanden zu diskriminieren.
      Ich auch nicht. Auch wenn ich schlank wäre hätte ich am liebsten ein Abteil oder Vierersitze um einen Tisch für mich alleine. Mitreisende können so oder so nervend sein. ;)


      Lisa Cortez schrieb:


      Doch ich werde mich dafür einsetzen, dass Sitze in öffentlichen
      Verkehrsmitteln eine vernünftige Größe bekommen und NICHT zum Dicken
      sagen: "Dann nimm halt ab!".
      In den Fliegern und in der Bahn werden die Sitze nie eine vernünftige Größe bekommen. Airlines und Bahnen wollen Masse befördern und das nicht unbedingt bequem. Wer mehr Platz braucht, der muss zukünftig eben tatsächlich mehr zahlen. Wer dick ist, wird kategorisch in der 2. Klasse bzw. Economy-Class zwei Sitze buchen müssen oder gleich in die 1. Klasse bzw. Business Class müssen und dadurch auf die vielen Sparpreise die fast ausschließlich fast immer nur für die 2. Klasse/Economy Class gelten und ausgelobt werden verzichten müssen. Und das findet sogar bei den meisten "Normalos" noch Zustimmung wie man auf entsprechenden Reiseforen oder "Dickenhassforen" lesen kann.

      Grüße
    • habe mich mittlerweile damit abgefunden. Ich will mit den Menschen die mich so nicht akzeptieren wie ich gerade bin gar nichts zu tun haben. Klar nervt es schon manchmal, aber dann rege ich mich kurz drüber auf und rede darüber und dann geht es schon wieder. Solange man so glücklich ist wie man ist, ist doch alles okay, und dann können einem solche Dinge und Worte auch echt relativ egal sein irgendwann.