Schuldgefühle

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    • Schuldgefühle

      In den letzten Tagen denke ich noch öfter und intensiver über Schulgdefühle beim / nach dem Essen nach. Dieses sich innerlich selbst zerfleischen, weil man schlichtweg satt ist. Weil man etwas "Böses" gegessen hat - böse Kohlenhydrate, böses Grillfleisch und -Himmel!- Schokolade.
      Ich rede nicht von den schlechten Gefühlen, die sich sowohl auf rein physischer und natürlich auch psychischer Ebene nach einem Essanfall einstellen. Sondern tatsächlich davon, sich nach einem völlig normalen (wie ich dieses Adjektiv hasse) z.B. Frühstück schlecht zu fühlen, weil man einfach satt ist. Weil man vielleicht statt dem einen Brötchen noch ein Zweites gegessen hat.
      Dinge, über die nicht Essgestörte nicht nachdenken.

      Wie geht ihr damit um?
      Sicherlich gibt es hier viele Menschen, die gänzlich frei von solchen Schuldgefühlen geworden sind. Wie habt ihr es geschafft, das abzulegen? So richtig abzulegen - so richtig auszuradieren. Auch so, dass es nicht einmal mehr ein diffuses Hintergrundrauschen ist?
    • Asphyxia schrieb:

      Wie geht ihr damit um?
      Sicherlich gibt es hier viele Menschen, die gänzlich frei von solchen Schuldgefühlen geworden sind. Wie habt ihr es geschafft, das abzulegen? So richtig abzulegen - so richtig auszuradieren. Auch so, dass es nicht einmal mehr ein diffuses Hintergrundrauschen ist?

      Auf das Essen bezogen ist es schon so wie du sagst, dass Nicht-Essgestörte Menschen diese Gedanken nicht haben.

      Ich hatte auch solche Phasen, dass ich sobald ich satt war, ein schlechtes Gewissen hatte. Trotzdem versuche ich heute mir diese Gedanken nicht zu verbieten, sondern ich erkläre sie mir sachlich … da ich Jahrzehntelang auf Diät war, ist es nicht ungewöhnlich, dass ich mir übers Satt sein negative und zu viele Gedanken machen kann.

      Wenn ich mir diese Gedanken verbieten würde, dann bin ich in der Gedankenspirale nach dem Motto „Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten …“ gefangen und das bringt mir auch nichts ;)
    • Ganz geht es bei mir sicher nie weg, am Ende eines Tages zu überlegen, ob meine Nahrungsmittel gesund genug, nicht immens zuviel oder ob dieses nicht einschlafen können von der reichlichen Abendmahlzeit kommt . . .

      Dieser berühmte Mensch (ich komm jetzt nicht auf den Namen), der Menschen unter anderem per Buch half, mit dem Rauchen aufzuhören, hat auch ein Buch über Essen geschrieben (Fehlkauf meinerseits find ich), also dieser Carr oder Carrey schrieb aber in dem Essensbuch einen Satz, den ich bis heute nicht vergessen habe, also sinngemäß:

      anders, als ein Mensch, der aufhört zu Rauchen, kann man ja nicht einfach komplett aufhören zu essen und genau da möchte ich ansetzen, meinen Schuldgefühlen den Garaus zu machen, irgendwas esse ich pro Mahlzeit nun mal und es treibt bei mir manchmal den Zeiger auf der Waage gar nicht hoch, obwohl ich es befürchte nach vielem was ich schlemmte, Asphyxia, verstehst du?

      Du wirst Essen, auch in Zukunft, um zu überleben, wie die Menschheit es schon immer tat, der Autor Dr. Frank schrieb, dass Schuldgefühle beim Essen Stress erzeugen und diese uns auch dicker werden lassen können . . .
    • Ich glaube, ganz wird man diese Gedanken als Essgestörte nie los. Ein "Hintergrundrauschen", wie du schreibst, ist jedenfalls bei mir immer noch da. Aber so wie man sich an Hintergrundlärm gewöhnt, habe ich mich daran gewöhnt, diese Gedanken nicht wichtig zu nehmen. So wie man manchmal die Autobahn je nach Windrichtung stärker hört, aber in der Regel gar nicht mehr registriert, ist auch dieser Hintergrundgedanke mal mehr, mal weniger stark.
      Ich hab es mit solchen Gedanken gemacht wie beim Verkehrslärm. "Mann, heute hört man das aber ganz doll. Scheiß-Autobahn. Aber die Wohnung ist super, ich will hier nicht weg. Morgen weht der Wind aus der anderen Richtung, dann geht das schon wieder. Leg ich halt ne CD ein."
      Also einfach zur Kenntnis nehmen, vielleicht kurz darüber ärgern, dann die positiven Seiten herauskehren und übertönen, bis der Lärm wieder vergessen ist.
      Beim Essen sind das so in etwa die gedanklichen Selbstgespräche: "Musste das jetzt wirklich sein? Eigentlich hätte ich ja schon nach dem ersten Teller aufhören können. - Aha, da meldet sich wieder Tante Anorexia. Weißte was? Ich habs getan, weil ich es kann! Ich bin reich (im Vergleich zum Großteil der Erdbevölkerung), ich hab genug zu essen, niemand bevormundet mich, ich kann soviel essen wie ich will! So, und jetzt weiter mit xyz."
      Also, diese Gedanken kommen schon immer wieder, aber ich nehme sie mir nicht mehr zu Herzen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Danke, für eure Antworten.

      @Klangola
      Die beiden Bücher kenne ich - das von Carr fand ich nach der Hälfte so dämlich, dass ich es weggelegt habe. Das von Dr. Frank hingegen fand ich sensationell. Genauso wie von Sabine Asgodom - "Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot". Dass Menschen mit einer Essstörung es bedeutend schwerer haben klarzukommen, ist mir bewusst. Man wird ja nun mal mehrfach am Tag mit seiner "Droge" konfrontiert.
      Aber es muss doch irgendwie mal möglich sein, dass es das ist, was es nun einmal ist: Etwas Lebensnotwendiges. Die Bedeutung, die darauf gelegt wird, ist so immens groß, dass sie zum Teil doch schon alles andere überschattet.

      @Bircan
      Macht Sinn - klar. Aber wenn diese sonst eher flüsternden schlechten Gedanken, die das schlechte Gewissen schüren wollen, dann doch zu einem wahren Gebrüll anschwellen, wie ignorieren? Wie nicht den gedanklichen Fokus zu 100% darauf legen?

      Ich frage deshalb so bohrend, weil es mir am letzten Wochenende so erging. Ich habe die ganze Zeit im Kopf versucht zu errechnen, wie viele Kalorien das jetzt wohl waren für den Tag und kam immer wieder darauf, dass es okay war. Dann brüllt aber das Gewissen wieder und wirft mir vor, ich habe mich sowieso verrechnet. Und zack - ist die düstere Wolke wieder da, die sich auf die gesamte Seele legt und einen daran hindert, sich auf irgendetwas Anderes zu konzentrieren. Das ging an besagtem Tag/ Abend sogar so weit, dass ich die halbe Nacht wach lag und mich nur gewälzt habe. Sogar so abstruse Gedanken an die beklopptesten Diäten / Restriktionen kamen hoch... :rolleyes:
      Das alles muss doch mal so weit weggehen, dass man es, wie du sagst, eben hinnimmt, aber nicht mehr so sehr überhöht und sich darauf konzentriert. Quasi weiterfahren und beobachten.

      Ich habe mal gehört, dass die Nachwehen einer Essstörung doppelt so lange dauern wie die eigentliche Essstörung gedauert hat. Macht das irgendwie Sinn...?

      @Sophie
      Du bist für mich sowieso in der kurzen Zeit ein wirklich tolles Beispiel dafür, dass sehr wohl geht, was ich so gern hätte. :)
      Jeden Tag versuche ich mit ganz ähnlichen Gedanken und Sinnbildern zu bestreiten. Und ich gebe mit Sicherheit nicht auf. Denn letztlich hätte es sicher schlimmer kommen können - hinsichtlich der Essstörung an sich als auch in Bezug auf Dinge, die generell so im Leben gehörig schief laufen können.

      Meistens gelingt mir das auch erstaunlich gut. Aber dann kommen solche Tage wie der eben Beschriebene und ich meine, von meinem guten Weg nach oben einmal ungebremst nach unten zu fallen und alles von vorn angehen zu müssen.
    • Asphyxia,
      ich habe das in einem anderen thread schon geschrieben, im Moment hilft mir gegen diese Schuldgefühle tatsächlich der Kalorienrechner.
      Einfach weil ich dann weiß : "Es war noch nicht zu viel! Du darfst noch!"
      Ich habe gemerkt, dass die Schukldgefühle bei mir etwa bei 700 kcal am Tag kommen - einfach weil ich es von früher her nicht gewöhnt bin, einfach satt zu sein.
      Wenn ich satt bin, denke ich schon, es ist zu viel. Ich brauche ein leichtes Hungergefühl, um mich okay zu fühlen.
      Natürlich ist das Essstörung hoch 10!

      Mittlerweile brauche ich den Rechner nicht mehr, sondern mache einen Überschlag.
      Aber es wird noch eine Weile dauern, bis ich keine Krücke von außen mehr brauche, sondern selbst abschätzen kann, was ich brauche.
      Ohne Krücke geht das bei mir ja schief - ich meine ja, ich gehöre nicht zu den Personen, die Angst haben, dick zu werden - ich bin wirklich sehr dick.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Glaubt nicht, dass es mir leicht gefallen ist, ich hab schon etliche Liter Tränen in meinem Leben vergossen. Ich kenne immer noch so Tage, an denen ich in ein tiefes Loch falle, und glaube, da komme ich nicht mehr wieder raus. Aber das Auf und Ab kenne ich jetzt schon so viele Jahre, ich weiß mittlerweile, dass es mir irgendwann wieder besser geht. Im Lied von der Moldau von Brecht heißt es "Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag." So isses auch, obwohl man das nicht so recht glauben kann, wenn man tief drin steckt in einer Krise.

      Vielleicht hab ich ja zu viel mythologischen Kram gelesen, jedenfalls denke ich sehr viel in Bildern.
      Für mich ist die seelische Finsternis wie ein verhexter Wald oder ein Schattenreich, und ich lebe gleich an seiner Grenze, und manchmal kommen Dämonen (quälende Gedanken) aus dem Schatten gekrochen und belästigen mich. Aber ich war schon so oft drin, ich kenne mittlerweile ein paar Wege, wie ich mich dort zurechtfinde, und wie ich wieder rauskomme, und wie ich die Dämonen abwehren kann. Wichtig war mir jedenfalls in so "Nachtwanderungen", dass ich immer wieder Menschen gefunden habe, die mir ein Lichtlein angezündet und eine Richtung gezeigt haben. (Solche Lichtlein muss man aber auch sehen wollen und seinen seelischen Arsch in Bewegung setzen, das kann verdammt schwer sein.)

      Hier noch etwas "angewandte Magie": Die griechische Sage von Hades und Persephone ist wohl den meisten bekannt, ansonsten googeln. Damit Persephone die Welt der Lebenden nicht vergaß, gab ihr Demeter einen Rosmarinzweig mit, an dem sie riechen und an die Sonne denken konnte.
      Wenn es mir mies geht, hole ich mir auch einen Rosmarinzweig aus dem Garten und rieche daran, und denke ganz intensiv an Sonne, Meer, zirpende Grillen.... Es hilft tatsächlich.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Lisa Cortez schrieb:

      Asphyxia,
      ich habe das in einem anderen thread schon geschrieben, im Moment hilft mir gegen diese Schuldgefühle tatsächlich der Kalorienrechner.
      Einfach weil ich dann weiß : "Es war noch nicht zu viel! Du darfst noch!"


      Ich muss gestehen, dass ich das derzeit auch wieder tue. Tatsächlich aber auch nur, um ein halbwegs ruhiges Gewissen zu haben. Die Wochen davor habe ich auch nur überschlagen und es ging. Letztens dann: BÄM! Knoten im Kopf und alles wieder von vorn... naja, ein bisschen.
      Derzeit ist es wieder okay, aber ich möchte auch ganz schnell wieder weg von dieser Krücke, wie du sie sehr richtig nennst.

      Zum Thema - "du darfst noch": Genau das war der Grund, weshalb ich aufgehört habe, zu protokollieren. Denn, wenn ich wusste, dass ich theoretisch noch Luft habe, habe ich die auch gnadenlos, und damit meine ich über eine normale Sättigung hinaus, ausgenutzt - das war ja der Aufhänger für den ersten Thread, den ich hier gestartet habe. Als ich dann von jetzt auf gleich nichts mehr gezählt habe, ging das weg, weil ich ja nicht wusste, ob ich noch darf oder nicht (in gewisser Weise sicherlich auch Selbstbeschiss von hinten durch die kalte Küche). Aber generell auch, weil ich mich so viel freier gefühlt habe. Vielleicht aber auch, weil das völlig neu war - irgendwie eine Art Rebellion.

      Lisa Cortez schrieb:


      Mittlerweile brauche ich den Rechner nicht mehr, sondern mache einen Überschlag.
      Aber es wird noch eine Weile dauern, bis ich keine Krücke von außen mehr brauche, sondern selbst abschätzen kann, was ich brauche.
      Ohne Krücke geht das bei mir ja schief - ich meine ja, ich gehöre nicht zu den Personen, die Angst haben, dick zu werden - ich bin wirklich sehr dick.

      liebe Grüße Lisa


      Ich schätze mal, als Essgestörter hat man einen riesigen Satz nach vorn gemacht, wenn man sich mit dem Überschlagen zufrieden gibt und sich damit sicher fühlt. Muss das denn wirklich komplett verschwinden? Oder: Kann es das jemals? Ich denke, nein. Und vielleicht ist das auch okay. Vielleicht erinnert es einen an das, was man sich jahrelang angetan hat.

      Sophie schrieb:

      Im Lied von der Moldau von Brecht heißt es "Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag." So isses auch, obwohl man das nicht so recht glauben kann, wenn man tief drin steckt in einer Krise.


      Ganz genau so ist es.
      Wenn die Wolken nicht nur dunkel, sondern tiefschwarz sind, glaubt man gar nicht mehr daran, dass es sowas wie eine Sonne überhaupt gibt.

      Sophie schrieb:


      Hier noch etwas "angewandte Magie": Die griechische Sage von Hades und Persephone ist wohl den meisten bekannt, ansonsten googeln. Damit Persephone die Welt der Lebenden nicht vergaß, gab ihr Demeter einen Rosmarinzweig mit, an dem sie riechen und an die Sonne denken konnte.
      Wenn es mir mies geht, hole ich mir auch einen Rosmarinzweig aus dem Garten und rieche daran, und denke ganz intensiv an Sonne, Meer, zirpende Grillen.... Es hilft tatsächlich.


      Wow - Gänsehaut.
      Ohne Scheiß.
      Aber offensichtlich habe ich für so etwas wohl doch eine größere Affinität als ich dachte.
      Vermutlich kann man dies als vereinfachte (aber nicht minder hilfreiche) Form dieser Notfallkoffer sehen, die (wie ich hörte) man Borderlinern empfiehlt und an die sie gehen sollen, wenn der innere Druck zu groß wird.

      Das erinnert mich übrigens daran, dass ich mal vor einigen Monaten eines schönen sonnigen Samstagnachmittags völlig unruhig war. Die Dämonen waren wieder am Start und drohten nicht nur mir, sondern auch meinem Partner den Tag zu verhageln. Ich wusste partout nicht, was ich tun sollte. Nur, dass ich mir das nicht gefallen lassen will. Irgendwie kam ich auf die Idee, mich hinzusetzen, keine Musik, kein PC, keine Ablenkung, und meine über mehr als 10 Jahre zusammen gesammelte Büchersammlung anzusehen, auf die ich mächtig stolz bin. So saß ich da also... keine Ahnung, wie lange. Vielleicht eine Stunde, vielleicht zwei oder nur zehn Minuten. Aber -so doof es auch klingen mag- während ich mich bei einzelnen Büchern an die Handlung, an die Figuren und meine Gefühle beim Lesen erinnerte, wurde meine Verfassung besser. Es hat sich angefühlt wie ein großes Glas, das, völlig leer, sich nach und nach füllt. Danach war alles wieder gut. Derlei Strategien sind fürs nächste Mal, das es garantiert geben wird, sicher hilfreich. Nur muss sie wohl jeder für sich ganz mühselig selbst finden.

      Und irgendwann braucht's das nicht mehr.
      Daran halte ich absolut fest.
    • Egal wie, Hauptsache man kann den Akku wieder auftanken oder die "Ladung" über ein "Erdungskabel" ableiten. Jeder erarbeitet sich da eigene Strategien. Alles was hilft, ist gut. Sogar Essen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Asphyxia schrieb:


      Dinge, über die nicht Essgestörte nicht nachdenken.


      Hömhöm. Manchmal schon. Ich hab ein Blähbauch-Problem. Wenn ich Dinge esse, von denen ich weiss dass sie mich aufblasen, hab ich auch solche Gedanken. Ich gebe zu, nicht wirklich lange und eher in Gesellschaft weils mir da peinlich ist. Bei mir haben jetzt die Wechseljahre zugeschlagen. Der Bläh geht nicht mehr weg.

      Sonst kenne ich solche Gedankenfixierung bei Panikattacken. Da hilft mir, wie von Sophie beschrieben, Umlenkung der Gedanken oder des Blickes auf was Schönes. Das können Ameisen sein. Oder Fledermäuse. Die beste Gedankenmedizin für mich ist das Betrachen von Katzen.

      Liebe Grüsse vom Knallfrosch, die mit Rauchen aufgehört hat und sich nun mit Nikotinplaster (höchste Dosierung) plus E-Zigarette (höchste Dosierung) doped.:cool:
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Wow - Respekt.
      Das mit dem Rauchen habe ich noch nie in Angriff nehmen wollen.
      Wirken die Pflaster denn? Bisher habe ich größtenteils nur gehört, dass es nicht wirklich etwas bringt. Vermutlich ist der Effekt nur dann vorhanden, wenn man wirklich dran glaubt und es auch wirklich will?

      Die von euch angesprochene Umlenkung fällt mir in so richtig düsteren Situationen schwer. Da lenke ich mein Denken eher in noch tiefere Sphären, die dann ihr Übriges tun. Ich habe dann immer das Gefühl, mich in so einer Wartestellung zu befinden und zu hoffen, dass es bald vorbei geht. Manchmal nehmen solche Situationen aber leider auch sehr destruktive Züge an, sodass ich aber andersherum sehr zu schätzen weiß, wenn es mir gut oder "nur" normal geht.
    • Asphyxia schrieb:

      Wow - Respekt.
      Das mit dem Rauchen habe ich noch nie in Angriff nehmen wollen.
      Wirken die Pflaster denn? Bisher habe ich größtenteils nur gehört, dass es nicht wirklich etwas bringt. Vermutlich ist der Effekt nur dann vorhanden, wenn man wirklich dran glaubt und es auch wirklich will?

      Gegen die körperliche Sucht helfen die Pflaster ganz gut. Der Suchtstoff wird ja zugeführt, aber halt nicht mit den noch schädlicheren Beigaben von Feinstaub, Dioxin und dergleichen. Wenn das Rauchen eine Ersatzhandlung ist, also geraucht wird, um irgendwo dran zu saugen, die Hände zu beschäftigen oder als antrainierter Reflex in bestimmten Situationen, ist die Rückfallgefahr sehr groß.
      Meine Schwester hört schon seit 30 Jahren mit dem Rauchen auf, ich hab gsd nie angefangen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Asphyxia schrieb:

      Die von euch angesprochene Umlenkung fällt mir in so richtig düsteren Situationen schwer. Da lenke ich mein Denken eher in noch tiefere Sphären, die dann ihr Übriges tun.

      Hat ja niemand behauptet, dass das babyeinfach wäre. Dazu ist ein ordentliches Maß an Training nötig. Wenn man allerdings den (auf den ersten Blick) einfacheren Weg geht, und sich lieber im Sumpf versinken lässt, wird es auf Dauer immer schwerer, ein Lichtlein zu finden.

      Ich sach jetzt mal was ganz Provozierendes:
      Essen, Nicht-Essen, Rauchen, Alkohol, noch was? - alles Fesseln, die du dir angelegt hast, um nicht aktiv werden zu müssen? Um der Anstrengung des selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Lebens aus dem Weg zu gehen? Wenn ich den Schmerz des Hinfallens nicht spüren will, ist es besser, ich laufe erst gar nicht? Hier eine Krücke, da eine Stütze, und irgendwann steckst du in einem Käfig und kannst dich nicht mehr rühren.
      Du musst nicht auf einen Schlag dein Leben umkrempeln, aber die Krücken hier und da etwas lockerer zu fassen, die eine oder andere besser wegstellen (Alkohol ist so eine besonders tückische Krücke), würde dir auf lange Sicht besser bekommen.
      Du bist 29. Was meinst du, wie lange das gut geht? Was das aus deinem Körper und deinem Verstand macht? Wie lange du deinen Job halten kannst, wenn du als Alkoholikerin mal auffällig geworden bist?

      Ich erinnere mich an eine Hochschulsekretärin aus meiner studentischen Vergangenheit. Eine nette Frau, hat aber immer einen Grund gefunden "ein Likörchen" zu trinken. Und dann der Absturz. Mit zentimeterdicken Schichten Makeup die blauen Flecken, geweiteten Äderchen und Falten im Gesicht überspachtelt, das Mascara im Gesicht verschmiert, auf der Arbeit dummes Zeug gelallt, Fehler gemacht (richtige fette bockmistige Fehler), und irgendwann vollgekotzt, mit verpisster Hose auf der Damentoilette gelegen, gefeuert, Sozialhilfe...
      Ich hab zufällig von einem anderen Ex-Studenten gehört, dass sie sich dann totgesoffen hat, gestorben an Alkoholvergiftung, tagelang zu Hause tot im Bad gelegen. Is nich so schön. Wär mir extrem peinlich, so aufgefunden zu werden. Noch peinlicher als alles denkbare, weswegen ich saufen müsste.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Danke, für die harten, aber sehr klaren Worte.
      Mir ist bewusst, dass mein derzeitiges Leben im Moment nur aus höchst ungesunden Helferlein besteht. Und ich sehe nach wie vor einen dauernd währenden Kampf darin, mich dagegen zu wehren. Ich mag mich morgens ja selbst nicht im Spiegel ansehen, wenn ich abends mal wieder zu viel hatte (wovon auch immer). Allein das physische Befinden ist zum kotzen, als Kompott gibt es den morgendlichen Depri oben drauf.

      Ich versuche täglich die Teufelchen - Gedanken zu verdrängen, die aufkommen, wenn etwas Blödes passiert (wie ein Ticket am Auto, morgens um halb sechs...). Oder besser gesagt - ich suche Lösungen. Verdrängung ist ja dann doch wieder nur kontraproduktiv. Ich lese Bücher, ich suche Wege, die ich noch nie gegangen bin und auch niemanden kenne, der sie gegangen wäre (Stichwort Meditation und Buddhismus). Vielleicht sind das auch wieder nur Krücken, aber letztlich halte ich sie für deutlich zuträglicher und gesünder. Und: irgendwie meine ich, braucht jeder irgendeinen Halt. Nur ist meiner nicht mehr tragbar. Alternativen müssend also zwingend her. Abgesehen davon finde ich es derzeit erfrischend und aufregend, mich mit Dingen zu befassen, die ich nicht nur in unterschreibe, sondern die auch vollständig neu sind für mich. Das lenkt den Geist ab und um.
    • Horizonterweiterung tut immer gut. Selbst wenn man zu dem Entschluss gelangt, dass das doch nicht die richtige Richtung ist. (Buddhismus, Meditation, was auch immer).
      Umwege erhöhen die Ortskenntnis.
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    • Asphyxia schrieb:


      Wirken die Pflaster denn?


      Ja, tun sie. Man muss sie nur wirklich am Anfang hoch genug dosieren und darf keinesfalls zu früh aufhören. Mindestens über 4 Monate anwenden. Mindestens. Ich hatte schon mal damit aufgehört, für 4 Jahre. Sie helfen also beim Überwinden der Nikotinsucht, weil man sich eben langsam entwöhnt. Aber Rauchen ist halt leider noch mehr als nur Nikotinsucht. Daher hatte ich damals auch wieder angefangen, trotzdem ich so lange "clean" war. Das Rauchen ändert den Charakter. Bei mir muss ich sagen, ist ein Teil meines Charakters weil ich rauche seit ich 15 bin. Ändert die neuronalen Verknüpfungen. Deswegen habe ich jetzt noch die e-Zigarette. Ich entsage also nicht der Nikotinsucht sondern versuche ein etwas kleineres Übel zu praktizieren. Leider gibt es ja keine Langzeituntersuchungen an den e-Zigaretten. ich kann aber schon mal feststellen, dass sie Zahnfleischentzündungen (auch eine Nebenwirkung des Nikotins) eher verschlimmern als verbessern.
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      ******Rosa Luxemburg******
    • Oh, die Zahnfleischentzündungen sind mir neu.
      Davon blieb ich in ...äh... 14 Jahren Raucherei verschont. (Scheiße - SO lange??)

      Diese E-Zigaretten halte ich ohnehin für bedenklich. Was genau ist da drin, wie funktioniert es und warum? Abgesehen davon sieht es dämlich aus. Aber "richtiges" Rauchen ist auch nicht besonders hip. :rolleyes:
    • Anfang des Jahres beim Kieferchirurg: "Aha, Frau XY, ich sehe, Sie rauchen nicht."
      Ich: "Hä? Woran sieht man denn das? An irgendwelchen Verfärbungen?"
      Der Doktor: "In Ihrem Alter haben starke Raucher fast alle eine Prothese."
      Gnmpf - in meinem Alter! Da war ich 51 und kam mir noch nicht sooo alt vor. Aber es ist was dran.
      Alle meine Abteilungskollegen im Alter 50+, die seit jungen Jahren rauchen, haben ein Gebiss. Bei den Nichtrauchern in gleicher Altersgruppe ist mir jetzt kein Gebissträger bekannt, höchstens mit einzelnen Implantaten. (In unserer Altersklasse werden diverse medizinische Maßnahmen und was sie kosten anscheinend ein wichtiges Gesprächsthema.)
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Oh mann... übel. :eek:
      Danke, für die Info. Auch das war mir nicht bewusst bzw. habe ich bisher noch von keinem gehört. Obschon ich bisher keinen Grund fürs Aufhören gefunden habe, DAS wäre definitiv einer.
    • Sophie schrieb:

      Anfang des Jahres beim Kieferchirurg: "Aha, Frau XY, ich sehe, Sie rauchen nicht."
      Ich: "Hä? Woran sieht man denn das? An irgendwelchen Verfärbungen?"
      Der Doktor: "In Ihrem Alter haben starke Raucher fast alle eine Prothese."
      Gnmpf - in meinem Alter! Da war ich 51 und kam mir noch nicht sooo alt vor. Aber es ist was dran.
      Alle meine Abteilungskollegen im Alter 50+, die seit jungen Jahren rauchen, haben ein Gebiss. Bei den Nichtrauchern in gleicher Altersgruppe ist mir jetzt kein Gebissträger bekannt, höchstens mit einzelnen Implantaten. (In unserer Altersklasse werden diverse medizinische Maßnahmen und was sie kosten anscheinend ein wichtiges Gesprächsthema.)


      Ganz ehrlich halte ich das für ein Gerücht. Ich glaube eher, dass vor allem zunächst mal die Gene und dann aber auch die Pflege ausschlaggebend sind.
      In meinem Haus wohnen weitere 5 Frauen, Nichtraucherinnen, Altersklasse von 5 Jahren minus bis 7 Jahre plus zu meinem Alter. Und alle haben ein Gebiss. Ich rauche seit meinem 16ten Lebensjahr und habe keins.

      @ Knallfrosch
      Inwiefern soll rauchen denn den Charakter verändern?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Itsme schrieb:


      @ Knallfrosch
      Inwiefern soll rauchen denn den Charakter verändern?


      Indem es ein Teil meines Verhaltens bestimmt. Und damit meinen Tagesablauf. Und damit meine Freunde. Und all dies hat einen Einfluss auf meinen Charakter.

      Die Ziggarette in meiner Hand gehört zum meinem Verhaltensrepertoir, zu meiner Mimik.

      Ich bin nikotinsuechtig. Ich rauche zum Entspannen und zum Konzentrieren. Kann ich nicht Rauchen, werde ich nervös, aggressiv sogar. Ich achte darauf immer genug Ziggaretten und Feuerzeuge zu haben, wenn nicht, würde ich alles stehen und liegen lassen, um das zu ändern. Alles.
      Ich achte auf "Fluchtwege"(wie weit ist es zum nächsten Rauch-Spot). Könnte keine Wohnung ohne Balkon mieten. Reisen sind der absolute Stress. Rauchfreies Taxi, rauchfreier Flughafen, rauchfreier Zug. Rauchfreies Hotel. Meetings im Zeitstress, ohne Pause, zumeist mit lauter Nichtrauchern. In meiner Arbeit reise ich nämlich viel, da muss ich Rauchpausen ständig logistisch meistern, ohne dass meine Arbeit leidet oder mein Umfeld misstrauisch wird.
      Nichtrauchende Freunde muss ich im Restaurant bitten, mich für 5 Minuten zu entschuldigen. Unterhaltungen muss ich unterbrechen. Daher sind rauchende Menschen bequemer. Menschen mit empfindlichen Nasen riechen meine verrauchten Haare und Kleidung. Manche lehnen mich sogar ab deswegen. Manche denken ich hätte einen schwachen Charakter, weil - "man muss ja nur wollen". Diese Mensche werde ich nie gut kennenlernen.
      Meine Kleidung muss Taschen für die Kippen und das Feuerzeug haben. Und für die abgebrannten Kippen (weil ich die nicht in die Natur schmeisse). Das kann im Buissiness-Look, als Frau, eine Herausforderung ein.

      Und dann nicht zu vergessen, die Scham. Ich schäme mich vor dem Arzt, weil ich sehendes Auge meine Gesundheit schädige. Ich schäme mich, vor anderen, die ich stehen lassen muss, die diesen Zwang nicht kennen. Ich hasse mich dafür dass ich auf diesen Teil der Selbstbestimmung verzichten muss.

      Mir fällt bestimmt noch mehr ein.... Ich könnte mir vorstellen, das sich so mancher Süchtige hier wiederfindet, egal um welche Droge es sich handelt.
      Wenn Asphyxia im Eingangspost von Schuldfefühlen redet, das ähnelt meiner Scham. Nur dass ich nicht in der Schuld-Kategorie denke. Ich bin nicht Schuld, denn als ich mich damals in die Abhängigkeit begeben hatte, ist dies nicht aus einer "informierten Entscheidung" heraus geschehen. Überhaupt mag ich den Schuldbegriff nicht, dazu bin ich viel zu pragmatisch vernanlagt.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******

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