Sehnsucht und Hunger

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  • Nordlicht schrieb:

    @Günther

    EIn buhc lesen ist nicht das Gleiche wie Therapie... warst du denn schon einmal in Therapie?
    Ich will dir nicht zu nahe treten. Ich habe den Eindruck, dass du alle Hilfs-Ansätze nach Möglichkeit kleinredest oder wegredest, Gründe findest, weshalb sie nicht passen oder sogar ignorierst. Etwas zu ändern ist nie leicht, es macht Angst und ist normalerweise anstrengend und ungewiss im Ausgang, daher beurteile ich das nicht negativ. Letzten Endes musst du wollen und dafür Aufwand betreiben und Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Ich habe nur den Eindruck, dass du aus (für dich durchaus vertretbaren) Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, lieber nichts ausprobierst.

    Gruß
    Dani


    Ich habe schon diverse Therapien ausprobiert, auch mal gegen meine Einschätzung, weil ich eben dachte ich müßte auch mal was probieren, was meinen Ansichten widerspricht, hätte ja sein können, dass ich falsch liege. Leider lag ich nicht falsch. Neben der investierten Zeit und Kraft blieb dabei auch einiges Geld hängen.

    Gruß
    Günther
  • sehnsucht und hunger

    Lieber Günther,

    es tut mir wirklich leid, dass das Buch Dich so enttäuscht hat. Ich wollte gern etwas dazu schreiben, weil ich bei Maria eine Esstherapie mache. Ich bin 42 Jahre alt und habe seit Kindesbeinen an eine massive Esssucht, die bei mir Anfang 30 von einer kurzen Magersuchtsphase unterbrochen wurde.

    Wenn ich nicht irgendwann ein Buch von Geneen Roth entdeckt hätte, würde ich wahrscheinlich immer noch glauben, mein Problem wären Disziplinlosigkeit und übertriebene Genusssucht, die man mir nur durch Sport und Diäten austreiben kann. Nach der Erkenntnis, dass ich essgestört bin, habe ich alles von Geneen Roth, Susie Orbach, Hirshfeld/Munter und diversen anderen Autoren zum Thema Esssucht gelesen. Das hat mir geholfen, meine Krankheit zu verstehen – nur losgeworden bin ich sie dadurch nicht.

    Ich habe dann lange eine Therapie gesucht, die einer Essgestörten nicht mit reiner Gesprächstherapie oder ‚Ernährungsumstellung‘ (sprich: Diät) weiterhelfen will. Es hat lange gedauert, bis ich durch einen Zufall auf Maria gekommen bin. Bis dahin hatte ich alle Übungen und Tipps immer allein gemacht, was aber keine dauerhafte Besserung brachte.

    Ich verstehe, dass es Dich bei der Lektüre des Buchs frustriert hat, dass Maria nicht schreibt: Machen Sie jetzt A, B und C, und dann wird es. Sie arbeitet sehr stark mit dem Körper, und das A und O ihres Therapieansatzes ist die Körperübung. Ich kann Dir nur sagen, dass ich mit der ohne Anleitung von ihr nach 2 oder 3 Malen aufgegeben hätte. Tatsächlich war diese Übung dann das einzige, was mir wirklich je geholfen hat. Und zwar so, dass ich damit Ende 2009 *Gewichtsdokumentation entfernt* abgenommen habe. (Da ich sehr übergewichtig bin, heißt das weder, dass ich jetzt damit unter die Dünnen gegangen wäre, noch dass ich geheilt bin. Beides dürfte noch ein langer Weg sein). Am Anfang konnte ich diese Spannungen nicht einmal wahrnehmen. Als ich es dann schaffte, konnte ich sie nicht aushalten (passiert mir auch heute noch) und habe trotzdem gegessen. Aber mit dem konstanten Üben und dank Marias wirklich sehr herzlicher Art und ihrer - ja, ich kann es nicht anders sagen - liebevollen Weise wie sie die Therapie macht, geht es immer besser. Es gibt eine Alternative zum Essen - auch für mich.

    Ich weiß, dass Maria kein Arbeitsbuch schreiben wollte, weil sie – wie ich finde zurecht – nicht glaubt, dass man es ohne Unterstützung schafft, die Essstörung mit niedergeschriebenen Rezepten zu heilen. Ich bin ein gutes Beispiel dafür. Ich bin Geneen Roth, Orbach und all den anderen sehr, sehr dankbar, weil ich durch ihre Bücher viel gelernt habe, ich konnte es aber nicht umsetzen. Das Ergebnis sind dann nur Frustration, wieder Selbstvorwürfe, weil man es einfach nicht kann, und endgültige Resignation.

    Ich hoffe, das war ein bisschen erhellend.

    Viele Grüße
    Alexandra

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dralle Deern () aus folgendem Grund: Gewichtsdokumentation entfernt, siehe Forenregeln

  • Alexandra
    Tatsächlich war diese Übung dann das einzige, was mir wirklich je geholfen hat. Und zwar so, dass ich damit Ende 2009 *Gewichtsdokumentation entfernt* abgenommen habe. (Da ich sehr übergewichtig bin, heißt das weder, dass ich jetzt damit unter die Dünnen gegangen wäre, noch dass ich geheilt bin. Beides dürfte noch ein langer Weg sein).



    Aber weder geheilt, noch... aber bis Ende 2009 - also ganz aktuell, eine gewisse Kilozahl abgenommen... und man weiß noch nichts darüber, wie es sich mit dem Gewicht nach einem oder mehreren Jahren verhält...

    Was ist denn das für ein Erfolg? Das kann ich mit jeder Diät haben.
    Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

    [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
  • @Alexandra

    Schön, dass dir das nun geholfen hat. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man etwas beschrieben bekommt oder ob man es direkt selbst tut. Allerdings kauft kaum jemand, der einigermaßen nachdenken kann, die Katze im Sack. Diese Geheimnistuerei läßt für mich nur wenige Schlüsse zu: entweder ist das ganze so einfach, dass man hinterher kein Geld mehr für einen Kurs bei ihr ausgeben muss, sondern das selbst gut machen kann bzw. auch zu einem beliebigen anderen Körpertherapeuten gehen kann... oder das ganze ist heiße Luft und es steckt nichts dahinter, was einem wirklich helfen kann. Es gibt schließlich einen Unterschied zwischen Beschreibungen mit Beispielen, ohne gleich genaue Anleitungen zu geben, und Texten, wo nur verheißungsvolle Andeutungen gemacht werden. Letzteres spricht nicht gerade für die Autorin/den Autor eines Buches, sondern weckt eher Misstrauen in die Fähigkeiten und lauteren Absichten des Therapeuten/der Therapeutin.
    Auch dass du jetzt so einen Text ohne konkrete Information schreibst, spricht nicht für dich. Aber du kannst ja noch näher auf die Behandlung eingehen und ein wenig beschreiben, was da so gemacht wird. Vielleicht ist das ja tatsächlich interessant. Du als "Kundin" kannst ja auch schlecht eine Anleitung geben... aber Erfahrungen präzisieren, das schon.

    Gruß
    Dani
  • Itsme schrieb:

    Alexandra

    [Aber weder geheilt, noch... aber bis Ende 2009 - also ganz aktuell, eine gewisse Kilozahl abgenommen... und man weiß noch nichts darüber, wie es sich mit dem Gewicht nach einem oder mehreren Jahren verhält...

    Was ist denn das für ein Erfolg? Das kann ich mit jeder Diät haben. [/COLOR]



    Na ja, ich begegne solchen Seminaren auch mit einem gerüttelt Maß an Misstrauen ... aber ich finde man sollte schon fair bleiben. Alexandra hat nun wirklich nicht ausschliesslich von ihrer Abnahme berichtet, sondern auch davon, dass sie gelernt hat zu spüren wodurch ihre Essanfälle auslöst werden und wie sie damit umgehen kann.
    Wenn es denn so ist, dann ist das verdammt viel und ein großer Schritt voran, die Abnahme eher eine Begleiterscheinung.

    DAS kann man ganz gewiss eben nicht mit jeder Diät haben.

    @ Alexandra und Maria
    Ganz allgemein finde ich die Sache doch auch sehr nebulös und würde mir mehr Information wünschen. Viele Worte, wenig Konkretes das macht es eben auch schwer sich eine Meinung zu bilden
  • Alexandra
    Ich weiß, dass Maria kein Arbeitsbuch schreiben wollte, weil sie – wie ich finde zurecht – nicht glaubt, dass man es ohne Unterstützung schafft, die Essstörung mit niedergeschriebenen Rezepten zu heilen. Ich bin ein gutes Beispiel dafür. Ich bin Geneen Roth, Orbach und all den anderen sehr, sehr dankbar, weil ich durch ihre Bücher viel gelernt habe, ich konnte es aber nicht umsetzen. Das Ergebnis sind dann nur Frustration, wieder Selbstvorwürfe, weil man es einfach nicht kann, und endgültige Resignation.


    Eines verstehe ich jetzt nicht:
    Du schreibst, durch die Lektüre der anderen Autoren (Roth, Orbach, etc.) hast Du viel gelernt, konntest es aber nicht umsetzen.
    Ist das mit dem Buch, von M.C. Sanchez nicht genauso, wenn man dann doch erst die Semiare der Autorin besuchen muss, ehe man etwas umsetzen kann?
    Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

    [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
  • Ähem ... Fräulein Wunder ist vor allem eins: nicht 24/7 online. Sie beantwortet aber in der Regel jede sinnvolle Frage - auch ohne Übersetzungshilfe. :)

    Nein - als direkte Antwort war der Satz nicht gedacht, itsme - eher als Hinweis.
    Ein Buch zu lesen ist etwas anderes als eine Therapie zu machen.Dass man anders darüber berichtet finde ich normal. Und dass man Anweisungen aus einem Buch über Tai Chi beispielsweise weniger gut umsetzen kann als die Anweisungen einer Seminarleiterin, auch. Dazu kommt: den einen spricht diese Methode an, den anderen etwas ganz anderes. Nur weil Alexandra mit Geneen Roth und Susie Orbach nicht warm wurde, spricht das ja nun nicht automatisch gegen eine M. Sanches.
    Misstrauen ist wichtig (und misstrauisch bin ich auch), aber Dein Vorgehen wirkt auf mich momentan eher wie ein Verhör denn wirklich interessiert. Finde ich schade, denn ich denke einen Neu-User wie Alexandra schüchtert das eher ein, so dass im Zweifelsfall gar keine Antwort mehr kommt ... und mich würden konkretere Aussagen zu Frau Sanches durchaus interessieren.
    Auch wenn ich Günthers Enttäuschung über das Buch sehr gut verstehen und nachvollziehen kann, so wird (zumindest auf Frau Sanches eigener Seite) das Buch "Sehnsucht und Hunger" als ein Buch beworben, das sich mit den Hintergründen eines gestörten Essverhaltens beschäftigt, praktische Übungen dazu gibt es auf CD zu kaufen. Sollte man vielleicht auch bedenken.
    Hoffe alle Fragen sind geklärt.
  • Hier noch mal ein Ausschnitt dessen, was Alexandra schrieb:

    Ich bin Geneen Roth, Orbach und all den anderen sehr, sehr dankbar, weil ich durch ihre Bücher viel gelernt habe, ich konnte es aber nicht umsetzen. Das Ergebnis sind dann nur Frustration, wieder Selbstvorwürfe, weil man es einfach nicht kann, und endgültige Resignation.

    Ich sehe da zu dem Buch von Sanchez keinen Unterschied, denn auch dieses Buch ist für sich anscheinend letztlich keine Hilfe. (Sondern eher eine Werbung für ihre Seminare.)



    Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

    [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
  • Ich sehe da zu dem Buch von Sanchez keinen Unterschied, denn auch dieses Buch ist für sich anscheinend letztlich keine Hilfe. (Sondern eher eine Werbung für ihre Seminare.)
    Ja gut, itsme ... und ich lese Bücher (wenn sie mich denn wirklich interessieren) zuerst und bilde mir dann eine Meinung darüber ...erst Recht wenn ich ihnen den Vorwurf machen will, dass sie reine Werbung seien.

    Alexandra schrieb, sie fände es Schade, dass Günther enttäuscht sei, weil ihr selbst die Methode eben sehr geholfen hätte. Ist das so schlimm?

    Alexandra schreibt auch das Buch hätte ihr - ob mit oder ohne genaue Anleitung der Körperübungen - nichts gebracht (so wie ihr die Bücher von anderen Autoren zum Thema auch "nur" Wissen und keinen persönlichen Fortschritt brachten).
    Sie schreibt, dass sie ohne persönliche Anleitung nach 2 oder 3 Mal aufgegeben hätte, so dass es offensichtlich ihrer Ansicht nach eh wenig Sinn macht die Übungen im Buch zu veröffentlichen.
    Das sagt aber eher etwas über Alexandra aus, denn über das Buch.
    Deine Frage macht also irgendwie wenig Sinn, denn sie wurde m.E. schon beantwortet.
    Wieviel Gewinn man aus einem Buch zieht hängt vielleicht auch davon ab wieviel Vorwissen man hat. Es gibt ja auch Menschen, die erst ganz wenig zum Thema gelesen haben und für die das Buch eventuell viele neue Ansätze bringt. Wie gesagt, ich denke das kann man nur beurteilen wenn man es gelesen hat ... und bis dahin gilt zumindest für mich: Im Zweifel für den Angeklagten. Nur weil Günther , der einfach auch schon sehr tief im Thema steckt, enttäuscht ist, ist das für mich kein Beweis, dass es sich hier quasi um eine teure Werbebroschüre handelt. Das finde ich einfach ungerecht ... und da braucht es einen dann auch nicht zu wundern wenn von Leuten wie Alexandra eben dann auch keine Antwort mehr kommt.

    Vielleicht können wir den Disput jetzt beenden, damit auch noch was zum eigentlich Thema geschrieben werden kann.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fräulein Wunder ()

  • Fräulein Wunder schrieb:

    Nur weil Günther , der einfach auch schon sehr tief im Thema steckt, enttäuscht ist, ist das für mich kein Beweis, dass es sich hier quasi um eine teure Werbebroschüre handelt.


    Für den Fall, dass du dich selbst davon überzeugen möchtest, ich hätte ein gebrauchtes Exemplar günstig abzugeben!

    Gruß
    Günther
  • Noch einmal: Sehnsucht und Hunger

    Hallo Euch allen,
    ich muss sagen, dass ich überrascht bin, welch rauer Ton hier zum Teil herrscht. Ehrlich gesagt fühle ich mich von ein paar Leuten richtig angegriffen. Das finde ich bitter, weil ich von für mich sehr wichtigen und tiefgehenden Erfahrungen berichtet habe.
    In der Hoffnung, dass hier ein freundschaftlicher Austausch stattfindet, schreibe ich trotzdem noch einmal und werde versuchen, ein paar Fragen zu beantworten. Also, ich kenne Marias Buch, aber ich habe mit meiner Therapie bei ihr angefangen, bevor es erschienen ist. Ich habe es später einer Freundin zu Weihnachten geschenkt, die große Essprobleme hat, sich mit dem Thema aber vorher immer nur aus der Perspektive Diät/Sport/Schuldgefühle/Disziplinlosigkeit genähert hat. Für sie war Marias Buch sehr hilfreich, weil sie dadurch zum ersten Mal einen Einblick in die tieferliegenden Zusammenhänge des übermäßigen Essens bekommen hat. Und ich glaube, dafür ist das Buch tatsächlich sinnvoll und auch gedacht.
    Geneen Roth, Susie Orbach und so weiter schätze ich sehr, und sie haben mit Marias Ansatz gemeinsam, dass man eben auf keinen Fall weiter Diäten machen soll, weil es das Problem verschlimmert. Mir haben sie deshalb nicht helfen können, weil ich mir durch Bücher nicht beibringen konnte, was ich mit meinen Gefühlen anfangen soll, die mich zum Essen treiben. Das lerne ich gerade mit der Körperübung und der Arbeit mit inneren Gefühlsfiguren bei Maria, und es hilft mir tatsächlich.
    Mir geht es dabei auch ums Abnehmen, aber eben nur auch. Dadurch, dass ich meine Gefühle mit Essen unterdrücke und statt Grenzen zu setzen den Kühlschrank aufmache, ist mein Leben auf einigen Ebenen leider gar nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Das ändert sich gerade durch die Therapie. Wie mein Gewicht in einem Jahr sein wird, kann ich den Fragenden leider erst in einem Jahr mitteilen, dann tue ich es aber gern, falls gewünscht. Was an der Abnahme Ende des Jahres 2009 für mich so erstaunlich war: Ich habe ohne Diät und Sport abgenommen und alles gegessen, was ich wollte.
    Wenn ich Essdruck bekam, ohne körperlichen Hunger, habe ich mich hingelegt und in meinen Körper hineingehört, die Spannungen hochkommen lassen und sie nicht weggegessen. Ich kann es nur so schwer beschreiben, weil es ein innerer Prozess ist, aber man lässt die Spannungen zu und geht mit ihnen mit. Das musste ich lange immer wieder üben, bis ich überhaupt viel wahrnehmen konnte. Weil danach gefragt wurde, gebe ich ein Beispiel dafür: Ich hatte ziemlichen Liebeskummer ,und es ging mir wirklich mies. Eine Freundin hat mich abgeholt, wir wollten Essen gehen, ich hatte aber keinen körperlichen Hunger. Ich spürte einen enormen Drang, trotzdem zu essen. Also habe ich den Druck da sein lassen und genau in ihn hineingefühlt. Es dauerte eine Weile, dann musste ich sehr weinen, weil ich so traurig war wegen meines (Ex-)Freunds. Vorher war nur der Gedanke ‚ESSENESSENESSEN‘ (repeat) da, nach dem Weinen war der Druck weg und ich musste nicht mehr essen. Vorher wusste ich nicht einmal, dass ich gerade so traurig bin.
    Ich will das weiß Gott nicht als die alleinselig machende Methode hinstellen (wobei ich klar sagen muss, dass ich Diäten für absolutes Teufelszeug halte, und sie wirklich niemandem!!! empfehle, das war meine Eintrittskarte in die Essstörung), aber vielleicht gibt es noch ein paar andere, denen es ebenfalls helfen würde. Tatsächlich glaube ich nicht, dass man das allein aus dem Buch lernen kann (darum geht es in dem Buch auch gar nicht) oder mit ein paar CDs. Das macht Maria aber noch lange nicht zu einer geldgierigen Halsabschneiderin, und ganz ehrlich: Ich habe sie als genaues Gegenteil erlebt.
    Viele Grüße
    Alexandra
  • Das werden wohl keine "Übungen" in dem Sinne von "3 Kniebeugen und anschließend eine Kerze anzünden und ein Lied singen" sein, sondern Anleitungen zum In-Sich-Hineinhören.
    Es geht ja bei Esssucht darum, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen und richtig zu verstehen. Man kann selbst nach Jahren des Herumprobierens darauf kommen, so wie ich mittlerweile, oder man lässt sich erzählen oder liest, wie andere es so machen/gemacht haben. Ich kenne das Buch jetzt nicht, aber ich glaube, dass sicher ein paar Anregungen, wie man sich selbst gegenüber Achtsamkeit lernen kann, drin sind. Der Weg zu mehr Selbstwahrnehmung ist aber für jeden verschieden, deshalb ist es durchaus möglich, dass Günther gar nichts mit den Methoden aus dem Buch anfangen kann, Alexandra aber schon.
    Wer nicht richtig gelernt hat, seine körperlichen und seelischen Bedürfnisse zu erkennen, und das erstemal dabei Erfolg hat, für den tun sich Welten auf.

    Was Alexandra schreibt, dass man in die Gefühle - vor allem ja negative Gefühle - reingehen muss, empfinde ich genauso. Wenn ich mit dem Gefühl Essenessenessen vor dem Kühlschrank stehe, drehe ich erstmal eine Runde im Haus und überlege, welches Gefühl mich dorthin getrieben hat. Wenn ich das Bedürfnis nach Zuwendung hatte, kann mir das Essen diese Zuwendung nicht geben. Es ist eine Ersatz-Zuwendung, die ich mir selbst gebe, aber die Trostlosigkeit bleibt. Dann überlege ich mir, was ich eigentlich lieber täte als Essen, und da kommt oft etwas anderes dabei heraus als Schokolade. (Wenn ich aber trotzdem der Überzeugung bin, dass es jetzt Essen sein muss, dann esse ich auch! Aber es wird nicht so gierig und hemmungslos wie ohne Selbstbefragung.)

    Woher kommt eigentlich diese Verbindung Essen = Trost? Kann es daher sein, dass viele Mütter ihre kleinen Kinder mit Essen beruhigen oder trösten? Bei uns war früher Süßes die Belohnung, wenn man das mehr oder weniger eklige Hauptessen runtergewürgt hatte.
    Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
  • Sophie schrieb:

    Woher kommt eigentlich diese Verbindung Essen = Trost? Kann es daher sein, dass viele Mütter ihre kleinen Kinder mit Essen beruhigen oder trösten?

    Ich bin mir sicher, dass es (bei mir) damit zu tun hat und habe deshalb bei meiner Tochter wie ein Fuchs darauf geachtet, (negative) Gefühle und Trost durch Essen ganz streng auseinanderzuhalten.

    Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind, wenn ich mir wehgetan hatte, hingefallen war oder traurig war, oft etwas Süßes gab. Das habe ich in der Erziehung meiner Tochter sehr konsequent vermieden. Es gab statt dessen immer Umarmungen, Zärtlichkeit, später auch Gespräche oder eine schöne (kleine) gemeinsame Unternehmung.

    Noch heute sehe ich Mütter, die ihren heulenden Kindern etwas Süßes in die Hand drücken. Wenn man das einmal falsch gelernt hat, ist es extrem mühsam, da wieder rauszufinden.
  • Sally schrieb:

    Ich bin mir sicher, dass es (bei mir) damit zu tun hat und habe deshalb bei meiner Tochter wie ein Fuchs darauf geachtet, (negative) Gefühle und Trost durch Essen ganz streng auseinanderzuhalten.

    Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind, wenn ich mir wehgetan hatte, hingefallen war oder traurig war, oft etwas Süßes gab. Das habe ich in der Erziehung meiner Tochter sehr konsequent vermieden. Es gab statt dessen immer Umarmungen, Zärtlichkeit, später auch Gespräche oder eine schöne (kleine) gemeinsame Unternehmung.



    Das einem Kind zu geben, was es in solchen Momenten braucht, nämlich Trost durch Umarmungen, Zärtlichkeit und Gespräche, ist der einzige Weg, den ich auch als richtig und gut empfinde. Ich stelle mir nur gerade Folgendes vor:
    Wenn ein Kind mit Süßigkeiten getröstet wurde, mag ihm als Erwachsenem genau dies wieder das Gefühl des Trostes geben und er isst, (in unbewusster Einnerung an das tröstende Gefühl aus der Kinderzeit) wenn er Trost braucht. So weit, so gut.
    Was aber ist mit dem Erwachsenen, der als Kind genau auf die richgige Weise getröstet wurde, nämlich mit viel liebevoller Zuwendung, wenn er dann vielleicht im Erwachsenenalter niemanden hat, der ihm in solchen Momenten Zuwendung und Liebe gibt? Kann er dann nicht auch auf Essen als Trost zurück greifen, weil er aus Erfahrung weiß, dass etwas zu essen/ seinen Hunger zu stillen, ein gutes Gefühl gibt?

    Was ich meine ist:
    Kann nicht ein Erwachsener, egal, ob er als Kind liebevollen Trost bekam, oder ob er mit Süßigkeiten abgespeist wurde, (im wahrsten Sinnde des Wortes!) zum Essen greifen, je nachdem, wie sich sein Erwachsenenleben gestaltet?
    Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

    [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
  • Itsme schrieb:


    Was ich meine ist:
    Kann nicht ein Erwachsener, egal, ob er als Kind liebevollen Trost bekam, oder ob er mit Süßigkeiten abgespeist wurde, (im wahrsten Sinnde des Wortes!) zum Essen greifen, je nachdem, wie sich sein Erwachsenenleben gestaltet?

    Doch, das kann ich mir schon vorstellen, weil Essen ein primärer Verstärker ist (heißt, Essen funktioniert immer. Wenn Essen kein gutes Gefühl gäbe, wäre die Menschheit wahrscheinlich schon längst ausgestorben ;)).
  • Sophie schrieb:

    Das werden wohl keine "Übungen" in dem Sinne von "3 Kniebeugen und anschließend eine Kerze anzünden und ein Lied singen" sein, sondern Anleitungen zum In-Sich-Hineinhören.
    Es geht ja bei Esssucht darum, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen und richtig zu verstehen.



    Ja, das stimmt natürlich ... allerdings gebe ich zu ... ich hatte mir unter "Körperarbeit" dann doch etwas anders vorgestellt, als es (vielleicht) in dem Fall ist. Ich kenne auch Entspannungsübungen, bei denen man sich hinlegt und in sich hineinhört ... so richtig sehe ich die Abgrenzung Entspannungsübung <=> Körperarbeit (zumindest nach der kurzen Erklärung) irgendwie nicht.
  • Itsme schrieb:


    Was aber ist mit dem Erwachsenen, der als Kind genau auf die richgige Weise getröstet wurde, nämlich mit viel liebevoller Zuwendung, wenn er dann vielleicht im Erwachsenenalter niemanden hat, der ihm in solchen Momenten Zuwendung und Liebe gibt?



    Mich würde auch noch interessieren was die machen, die sich nicht mit Essen trösten und lieber Zuwendung hätten aber diese nicht in dem Moment bekommen?
  • Knalle schrieb:

    Mich würde auch noch interessieren was die machen, die sich nicht mit Essen trösten und lieber Zuwendung hätten aber diese nicht in dem Moment bekommen?


    Eine gute Frage! Das würde mich auch interessieren.

    In zumindest einem Fall stelle ich eine Vermutung an:
    Sie beschäftigt sich excessiv mit ihrem Äußeren. Diäten ohne Ende, Kosmetik in Preislagen, die sie fast ruinieren, Friseurbesuche, Mode... all das, weil sie glaubt, erst dann, wenn sie so oder so aussieht, liebenswert zu sein, - um dann endlich zu bekommen, was sie so sehr ersehnt.

    Aber dies wäre, wenn ich richtig liege, nur eine Variante, was man tut wenn....
    Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

    [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
  • Knalle schrieb:

    Mich würde auch noch interessieren was die machen, die sich nicht mit Essen trösten und lieber Zuwendung hätten aber diese nicht in dem Moment bekommen?

    Da gibt's jede Menge Möglichkeiten - sowohl "ungesunde" wie Fernsehen, Internet, Ablenkungen aller Art ... als auch "gesunde" wie ein schönes Schaumbad, ein Besuch im (Wellness-) Schwimmbad, eine (Fuß-) Massage oder Ähnliches.

    Manche lenken sich auch durch Sport ab - das kann man natürlich auch übertreiben, aber ich kenne eine ganze Reihe Menschen, die das tun. In der Natur sein kann auch eine Form von Zuwendung sein.

    Jedenfalls ist Essen für viele - auch in meinem Freundeskreis - einfach keine Option bei Frust, Trauer oder anderen negativen Gefühlen. Ich finde, wenn man das nicht als Kind gelernt hat, ist schon viel gewonnen.