Mutter-Tochter-Konflikt

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  • Das Verhältnis zu meiner Mutter ist von einem immerwährenden Kampf um Anerkennung geprägt. Ich glaube, meine Mutter war nur einmal im Leben wirklich stolz: als ich eingeschult wurde. Denn obwohl ich nicht die Erstgeborene bin, bin ich doch das erste Kind, das schulfähig war. Von da an kämpfte ich. Und zwar um Anerkennung, um Aufmerksamkeit. Gute Leistungen in der Schule waren Pflicht, kein Grund, gelobt zu werden. Für schlechte Leistungen gabe es Rüffel (am schlimmsten war mal eine 3 in Mathe, auch wenn meine Mutter heute sagt, dass es weniger die 3 als meine Einstellung "na und?" war, die sie wütend gemacht hat. Letztlich war meine Einstellung aber absolut korrekt. Denn ich wusste, das würde ich in der nächsten Arbeit wieder ausbügeln). Einen totalen Anschiss bekam ich, als meine Mutter meinen Berufswunsch mit 12/13 erfuhr (übrigens über die Schule, meine Klassenlehrerin hatte alle Schüler nach ihren Berufswünschen befragt und den Eltern dies am Elternabend mitgeteilt): Ich wollte Straßenbahnfahrerin werden. Noch heute liebe ich Tram fahren, stehe am liebsten so, dass ich sehen kann, was der Fahrer tut. Nachdem mein jüngerer Bruder (meiner Mutter Lieblingskind, auch wenn sie dies vehement bestreitet) zur Schule kam, kramte ich jedes Jahr meine 4 Jahre alten Zeugnisse raus und verglich mich mit ihm. Immer verglich ich mich mit ihm - heute noch. Er hatte immer die besseren Noten (wobei ich nicht schlecht war, streckenweise war ich sogar Klassenbeste), er spielte Schach im Verein und war da erfolgreich (ich schwamm nur, aber keine Wettkämpfe, dafür war ich nicht gut genug), er war schlank und ich war dick. Die Vorwürfe meiner Mutter sind endlos: Ich hätte meinem Bruder die Freunde ausgespannt (naja, es war genau eine Freundin, vielmehr eine Klassenkameradin von ihm, die in unserem Haus wohnte und die gern mit mir befreundet sein wollte), letztens war sie der Meinung, ich hätte ihm die Hochzeit verdorben (weil ich fast den ganzen Tag geheult habe, mein Bruder meint aber, ich solle mir da keine Gedanken machen, für ihn und seine Frau war der Tag wunderschön und sie wussten mich mit meinem Kummer bei meiner Schwester in guten Händen), ich habe ihn immer erziehen wollen (welches ältere Geschwisterkind tut das nicht?) usw. Klar, ich habe meinen Bruder auch geärgert, habe ihn gehasst dafür, dass er das beliebte Kind war und ich nicht gegen ihn ankam. Ich hatte keine Chance. Dann kam meine Schwester und zum ersten Mal ging einer meiner Wünsche in Erfüllung: eine Schwester. Und ich liebte sie wie nichts anderes auf der Welt. Und in dieser Zeit wurde ich wirklich dick. War ich vorher pummelig, ab 12 wurde ich fett. Im Schnitt nahm ich 10 kg pro Jahr zu, nahm das aber nicht wahr. Ich war ja in meinen Augen immer dick gewesen, dass ich jetzt dicker war als früher - das war mir nicht bewusst. Meine Mutter versuchte alles - Verbote, Apelle an meine Vernunft ("Du bist so ein intelligentes Mädchen, aber immer, wenn Du was zu Essen siehst, setzt Dein Verstand aus."), schlechte Vorbilder (sie zeigte mir immer eine Frau, die in unserer Gegend wohnte, welche nach meiner heutigen Erkenntnis auch an irgendeiner Erkrankung litt, aber für meine Mutter waren auch alle Dicken nur verfressen, schließlich war sie selber dick und versuchte alle Nase lang, per Saft-Diät, ein paar Kilo zu verlieren, diese Frau war jedenfalls sehr dick und diese Vorträge endeten meist mit den Worten "So dick wie die willst Du doch mal nicht werden, oder?" Damals war ich 7 oder 8 und wog 5-10 kg zu viel...) - sie versuchte im Laufe der Jahre wirklich alles. Dass ich vielleicht aus anderen Gründen esse, kam ihr nie in den Sinn. Mit 18 machte ich unter ärztlicher Aufsicht die wohl schlimmste "Diät" meines Lebens: 300 kcal täglich. Nach 4 wochen Klinik machte ich daheim weiter, nach einer Not-OP (die damit nichts zu tun hatte) lebte ich wochenlang von 1000 kcal am Tag. Aber dies war nicht schnell genug, ich wollte wieder auf Station und so kam ich noch mal auf die Station zu 300 kcal täglich, aber das Gewicht sank nur spärlich, so dass ich vom Stationsarzt auf eine wechseltägliche Nulldiät gesetzt wurde (ein Tag 300 kcal Flüssignahrung, den nächsten nix und das im Wechsel). Nach insgesamt 9 Monaten war ich 40 kg und meinen Verstand los. Ich war die "erste dicke Magersüchtige", die mein Bruder kannte. Es drehte sich alles nur noch ums Essen bzw. nichtessen. Kurze Zeit später erlitt ich einen Zusammenbruch in dessen Folge mein Gewicht wieder stieg. Nach 3 Jahren waren die 40 kg wieder da. Ohne Freunde! Immerhin. Zu der Zeit lernte ich dann meinen Mann kennen. Irgendwann später schaute meine Mutter alte Fotos aus der Zeit an und entdeckte eines aus der Klinik - ich mit ca. 84 kg. "Ach, damals warst Du schön schlank, warum musstest Du denn wieder zunehmen." Meine patzige Antwort lautete nur: "Dann hätte ich aber D. nicht kennengelernt." Und dies, genau dies, schmierte sie mir doch neulich mal wieder aufs Brot. "Du bist ja auch noch stolz drauf, so fett zu sein. Dir macht es ja Spaß, zuzunehmen." Auf meine Bemerkung hin, dass sie nichts, aber auch gar nichts verstehe oder je verstanden habe, kam dann dieses Beispiel. Ich würde ja nichts tun, um abzunehmen. Da habe ich dann echt geheult und sie gefragt, ob sie wisse, wie es sei, wenn man alles mögliches versucht und nichts hilft. Wenn man wochenlang hungert und dann doch nichts runter geht. Wenn man bei den Weight Watchers jede Woche voller Angst auf die Waage steigt (und dafür auch noch 10 € bezahlt - was für eine kranke Welt) und betet, es sei nicht mehr geworden - obwohl man sich streng an die Vorgaben und seine Points hält. Meine Mutter hat in all den Jahren nichts verstanden. Sie weist jegliche Mitschuld von sich, alles, alles wäre meine Schuld. Ich habe immer nur gefressen, gefressen und gefressen. Niemals hat sie nach dem Warum? gefragt. Und fragt es auch heute nicht. Auch bei meiner Schwester, die zwar nicht dick, aber dafür psychisch so angeschlagen ist, dass sie selbst verzweifelt, weist meine Mutter jede Schuld von sich. Meine Schwester sei selbst schuld, sie habe ja niemals was gesagt. Verdammt, warum kann meine Mutter nicht einsehen, dass auch sie maßgeblich meine Kindheit und die meiner Schwester mit geprägt hat und dass wir unter der (von ihr verleugneten) Bevorzugung unseres Bruders gelitten haben. Ich liebe meine Mutter, aber wenn sie mich auf mein Gewicht anspricht, dann kommt all dieser Unmut, diese Wut und diese Trauer wieder in mir hoch. Und wenn ich sehe, wie meine Schwester leidet, dann werde ich richtig wütend. Der lachende Dritte ist - wie immer - mein Bruder. Zum Glück, Gott sei Dank, ist er nicht der Typ, der das ausnutzt. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich keine Kinder habe, denn ich weiß nicht, ob ich für meine Kinder eine gerechte Mutter sein könnte. Kirstin
  • [font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]Kirstin, zwei Seelen ein Gedanke. Seit einigen Tagen überlege ich, wie ich meinen Konflikt in Worte fassen kann und nun tust du es so hervorragend und sprichst schon fast für mich mit. Wenn ich lese, was du schreibst, könnte ich vor Wut platzen. Vieles kommt mir so bekannt vor, viele Aussagen, viele Verhaltensweisen. Ganz viele Erinnerungen kommen bei mir hoch. Es gibt nur einen Unterschied. Mein Konflikt müsste „Vater-Tochter-Konflikt“ heißen. Sätze wie diesen hier: [/color][/font][quote=Kirstin]"Du bist so ein intelligentes Mädchen, aber immer, wenn Du was zu Essen siehst, setzt Dein Verstand aus."[/quote] [font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]habe ich auch bis zur Vergasung gehört, allerdings auch von meiner Mutter (sie hat es nur weicher formuliert). Wenn ich heute auf meine Kindheit und Jugend zurück blicke, muss ich manchmal schreien. Gerade neulich fiel mir wieder etwas ein. Seit ich 20 bin, wohne ich alleine. Ab und an rief auch mein Vater bei mir an. Die erste Frage lautete: „Wie geht´s dir?“. „Nicht so gut.“ sagte ich, weil ich vielleicht gerade erkältet war oder einen beschissenen Tag hatte oder mir grad den Zeh gestoßen hatte. Die Standardantwort meines Vaters war dann: „War ja klar, dass du wieder was hast. Stell dich nicht so an.“ Diese Gespräche gab es bis Anfang dieses Jahres![/color][/font] [quote=Kirstin]Meine Mutter hat in all den Jahren nichts verstanden. Sie weist jegliche Mitschuld von sich, alles, alles wäre meine Schuld. Ich habe immer nur gefressen, gefressen und gefressen. Niemals hat sie nach dem Warum? gefragt. Und fragt es auch heute nicht. [/quote][font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]Mein Vater hat bis heute auch nichts verstanden. Er nennt mich nach wie vor „meine kleine Dicke“ (wobei ich ehrlich zugeben muss, dass ich ihn lange nicht mehr gesehen habe und nicht weiss, ob er es heute auch noch machen würde), ohne zu verstehen, warum ich so dick geworden bin. Er hat mich im Fernsehen gesehen und nur den Kopf geschüttelt, als ich voller Wärme über meinen Großvater sprach. Für ihn ist es unverständlich, dass dieser Mann, den er so wenig mochte, für mich so wichtig war und ich ihm mein Überleben zu verdanken habe. Aber ein besonderer Spezialist ist mein Vater darin, alles und jeden niederzutrampeln. Er hat meine und die Gefühle meiner Mutter nie ernst genommen. Man stellte sich ihm nicht in den Weg, man hatte zu gehorchen. Seitdem ich mit der Therapie begonnen habe, sind die alten Familienstrukturen aufgebrochen. Ich knicke nicht mehr ein, wenn er versucht, mich klein zu machen bzw. klein zu halten. Ich biete ihm – immer öfter – die Stirn und damit kommt er nicht klar. Plötzlich beklagt er sich bei meiner Mutter, dass ich mich nie bei ihm melde und wenn, dann nur, um nach Geld zu fragen. Etwas, dass ich noch nie getan habe! Er ist nicht bereit, seine Abwehrmechanismen ein wenig runter zu fahren, um seine Familie, an der ihm doch angeblich so viel liegt, zu verstehen. Ich weiss, dass auch er ein Produkt seines Elternhauses ist. Dass bedeutet jedoch nicht, dass ich sein Verhalten damit entschuldige. Es ist nie zu spät für Veränderungen, man muss sich „nur“ drauf einlassen wollen. Das ist ein Sprung ins eiskalte Wasser (wie ich selber gemerkt habe), aber wenn mir etwas wichtig ist, sollte es mir auch diesen Sprung wert sein. Oder bin ich ihm vielleicht gar nicht wichtig genug.....?! Ist deine Schwester in Therapie, Kirstin? Wie gesagt: Bei uns hat die aufgebrochene Struktur zu viel Veränderung geführt. Nicht, dass heute alles geklärt ist, aber ich habe mich verändert und brauche keine 100%ige Klärung mehr. [b]Ich[/b] bin stärker geworden und kann heute meine Frau stehen. Ich brauche meinen Vater nicht mehr. [/color][/font][font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]Jetzt muss ich dich noch etwas fragen, Kirstin:[/color][/font] [quote=Kirstin]Ich liebe meine Mutter, aber wenn sie mich auf mein Gewicht anspricht, dann kommt all dieser Unmut, diese Wut und diese Trauer wieder in mir hoch[/quote] [font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]Geht das wirklich? Kann man jemanden lieben, der einem so viel angetan hat und einen selbst heute nicht akzeptiert? Ich habe lange gebraucht, es mir einzugestehen, aber ich liebe meinen Vater [b]nicht[/b]. Ich habe in meiner Therapie gelernt, dass ich ihn nicht lieben muss, nur weil er mein Vater ist. Denn ganz ehrlich: Würde ich ihn einfach so kennen lernen, würde ich den Kontakt niemals zu ihm suchen. Danke für den Thread, Kirstin. Babs[/color][/font]
  • [QUOTE=frauvonheute][font=Comic Sans MS][color=darkgreen]Ab und an rief auch mein Vater bei mir an. Die erste Frage lautete: „Wie geht´s dir?“. „Nicht so gut.“ sagte ich, weil ich vielleicht gerade erkältet war oder einen beschissenen Tag hatte oder mir grad den Zeh gestoßen hatte. Die Standardantwort meines Vaters war dann: „War ja klar, dass du wieder was hast. Stell dich nicht so an.“ [/QUOTE] [/color][font=Trebuchet MS][color=black]Sowas ähnliches war der Auslöser für den letzten Streit zwischen meiner Mutter und mit und den Moment, wo ich ihr zum ersten Mal gesagt habe, dass sie absolut nichts weiß und versteht. Es ging darum, dass ich ja aufgrund der Akanthosis nigricans auch einen Magenkrebs befürchten muss. Ihre Bemerkung: "All Deine Krankheiten - aber Du wolltest ja nie hören - aber das ist doch alles nur so schlimm, weil Du so dick bist. Das wäre sicher alles nicht so schlimm, wenn Du dünner wärst." Hervorragend, wieder eine, bei der die Hirnwäsche funktioniert hat...[/color][/font][/font] [font=Comic Sans MS][color=darkgreen][QUOTE]Mein Vater hat bis heute auch nichts verstanden. Er nennt mich nach wie vor „meine kleine Dicke“ [/QUOTE] [font=Trebuchet MS][color=#000000]Mein Vater ist zwar stolz auf meine Leistung, ist stolz, dass ich meine Frau stehe im Leben. Aber er besitzt nur ein uraltes Foto von mir und er zeigt sich nicht gern mit mir zusammen. Er schämt sich für mein Äußeres und er fürchtet wohl auch die Fragen der Leute, die Frage nach dem Warum. Denn anders als meine Mutter sagt er nicht leichtfertig: Die hat immer nur gefressen. Er sagt gar nichts, außer, dass ich nicht berechtigt sei, ihm Tipps zu geben (z.B. wenn er - um abzunehmen - abends nichts mehr isst, dann aber um 22 Uhr den Kühlschrank plündert, ist mir die Bemerkung, es sei klüger gewesen, zu Abend zu essen, nicht erlaubt). [/color][/font][/color][/font] [font=Comic Sans MS][color=darkgreen][/color][/font] [font=Comic Sans MS][color=darkgreen][QUOTE]Ist deine Schwester in Therapie, Kirstin?[/QUOTE] [font=Trebuchet MS][color=black]Nein, sie ist noch nicht so weit. Zwar weiß sie, dass ihr eine Therapie helfen würde, aber eine anzufangen, so weit ist sie noch nicht. Sie wirft meiner Mutter vor, dass diese nicht mit ihr als Kind zu einem Therapeuten gegangen ist, dass meine Mutter quasi tatenlos zugeschaut hat, wie ihr ihr eigenes Kind immer fremder wurde - im Alter von 8 Jahren bereits. Aber auch hier blockt meine Mutter ab. Die einzige, die meine Schwester hier versteht, bin ich. Zwar hat sie sich auch mir damals nicht geöffnet, aber als sie vor einigen Wochen in meinem Beisein in der Küche meiner Eltern weinend zusammengebrochen ist, da ist mir auf einmal so viel klar geworden, habe ich so viele Dinge aus dem Leben meiner Schwester verstanden, warum sie was wie gemacht hat. Leider bin ich ihr manchmal zu alt, dann verfluche ich diese 12 Jahre, die zwischen uns liegen und meine Versuche, auch sie zu erziehen, aber ab und zu reden wir und ich habe auch versucht, ihr klar zu machen, dass eine Therapie helfen kann.[/color][/font][/color][/font] [font=Comic Sans MS][color=darkgreen][/color][/font] [font=Comic Sans MS][color=darkgreen][/color][/font][font=Comic Sans MS][color=darkgreen][QUOTE]Jetzt muss ich dich noch etwas fragen, Kirstin:[/color][/font] [font=Comic Sans MS][color=darkgreen]Geht das wirklich? Kann man jemanden lieben, der einem so viel angetan hat und einen selbst heute nicht akzeptiert?[/QUOTE] [/color][font=Trebuchet MS][color=black]Puh, nach Deiner Frage habe ich hier noch einmal nachgedacht. Im ersten Moment lautet die Antwort: Aber natürlich geht das. Doch bei genauerem Hinsehen: Ich habe auch hier vor allem Angst, sie zu verlieren. Diese Angst vor dem Tod (die erst schlimm ist, seit meine Urgroßmutter in der Zeit um mein Abitur gestorben ist und ich das Gefühl habe, mich nicht verabschiedet zu haben), davor, einen anderen Menschen zu verlieren, diese Angst ist unheimlich groß. Und natürlich dehnt sie sich auch auf meine Mutter aus. Interessanterweise nicht auf meinen Vater, denn mit dem verstehe ich mich seit meiner Pubertät nicht wirklich gut, es geht inzwischen besser, aber länger als 3,4 Tage kommen wir nicht miteinander aus. Und als ich 15 war, habe ich mir oft gewünscht, meine Eltern würden sich scheiden lassen oder mein Vater stirbt. Natürlich war ich immer auf der Seite meiner Mutter.[/color][/font][/font] [font=Trebuchet MS][color=#000000]Ich glaube, mein Konflikt liegt tiefer. Was meine Mutter mir wirklich angetan hat, das erkenne ich langsam, Stück für Stück. Ich gehe kleiner Trippelschritte und je weiter ich komme, um so mehr sehe ich. Aber die Liebe für meine Mutter ist immer noch stärker. Kennst du den Film "A I"? Da liebt ein kleiner "Roboter"-Junge seine Mutter so unheimlich sehr, er tut alles, um ihre Aufmerksamkeit, ihre Liebe zu bekommen, aber diese liebt ihn nicht wirklich, denn nachdem sie ihn aktivierte, erwachte ihr leiblicher Sohn aus dem Koma. Diese Liebe des kleinen Roboterjungen, das ist die Liebe eines Kindes zu seiner Mutter, die unverfälschte Liebe. Und ein bisschen fühle ich mich wie dieser Roboter: Noch immer kämpfe ich um Liebe und Aufmerksamkeit meiner Mutter, und noch immer konkurriere ich mit meinem Bruder. Er hat die nettere Frau (meinen Mann konnten meine Eltern noch nie wirlich leiden), hat das gleiche studiert, wie sie (Wirtschaft), er wird promovieren und - und hier ist der Punkt, an dem ich wohl den Kampf endgültig verlieren werde - er wird mit großer Sicherheit das erste Enkelkind "liefern". Ich kämpfe verzweifelt um die Liebe meiner Mutter, trotz all der Demütigung, die ich erfahren habe.[/color][/font] [font=Trebuchet MS][color=#000000][/color][/font] [font=Trebuchet MS][color=#000000]Und während ich dies schreibe, kämpfe ich mit den Tränen...[/color][/font] [font=Trebuchet MS][color=#000000][/color][/font] [font=Trebuchet MS][color=#000000]Kirstin[/color][/font]
  • [font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]Hallo Kirstin, du hast Angst, dass du Krebs haben könntest und deine Mutter sagt:[/color][/font] [quote=Kirstin]"All Deine Krankheiten - aber Du wolltest ja nie hören - aber das ist doch alles nur so schlimm, weil Du so dick bist. Das wäre sicher alles nicht so schlimm, wenn Du dünner wärst."[/quote] [font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]Weißt du eigentlich, warum sie so denkt? Warum sie diese Meinung von dir hat? [/color][/font] [quote=Kerstin] Aber er besitzt nur ein uraltes Foto von mir und er zeigt sich nicht gern mit mir zusammen. Er schämt sich für mein Äußeres und er fürchtet wohl auch die Fragen der Leute, die Frage nach dem Warum.[/quote][font=Comic Sans MS][color=DarkGreen] Meine Mutter hat sich früher auch für mich geschämt. Sie hat es nie ausgesprochen, aber ich habe es schon als Kind gefühlt. Neulich haben wir über dieses Thema noch einmal gesprochen. Heute findet sie mich gut so wie ich bin und hat mit meiner Figur kein Problem mehr.[/color][/font] [quote=Kirstin] Leider bin ich ihr manchmal zu alt, dann verfluche ich diese 12 Jahre, die zwischen uns liegen und meine Versuche, auch sie zu erziehen, aber ab und zu reden wir und ich habe auch versucht, ihr klar zu machen, dass eine Therapie helfen kann.[/quote][font=Comic Sans MS][color=DarkGreen] Ich denke, dass beste, was du hier tun kannst, ist, deiner Schwester immer wieder zu signalisieren, dass sie die Tür jederzeit zu dir öffnen kann, ohne sie jedoch zu bedrängen. Ich hatte mal eine Bekannte, deren 8-jährige Tochter immer dicker wurde. Wir haben zu dritt so einiges unternommen. Meine Bekannte ging mit ihrer Tochter sehr rüde und wenig liebevoll um (und die Gründe, warum das Mädchen so viel aß, lagen auf der Hand). Wenn wir zusammen unterwegs waren, behandelte ich ihre Tochter wie einen liebenswerten Menschen, etwas, dass die Mutter nur sehr selten tat. Irgendwann erzählte ich meiner Therapeutin von diesen beiden und sie sagte mir, dass ich sicherlich eine ganz wichtige Bezugsperson für die Tochter sei. Warum ich das erzähle? Weil ich denke, dass es für deine Schwester auch irgendwie wichtig ist, dass du da bist. Auch wenn du ihr nicht konkret helfen kannst bzw. sie dich (noch) nicht lässt.[/color][/font] [quote=Kirstin] Ich habe auch hier vor allem Angst, sie zu verlieren.[/quote] [font=Comic Sans MS][color=DarkGreen]Was genau wirst du dann verlieren, Kirstin? Einen Menschen, der dich liebt? Einen Menschen, der dich akzeptiert? Einen Menschen, der für dich da ist? Einen Menschen, den du nahezu bedingungslos lieben kannst? Oder hast du vielmehr Angst, dass sie sterben könnte, ohne dir jemals das Gefühl gegeben zu haben, dich wirklich als ihre Tochter geliebt zu haben?[/color][/font] [quote=Kirstin] Ich kämpfe verzweifelt um die Liebe meiner Mutter, trotz all der Demütigung, die ich erfahren habe.[/quote][font=Comic Sans MS][color=DarkGreen] Ich könnte jahrelang über all die Dinge schreiben, mit denen mein Vater mich verletzt hat. Und auch darüber, dass ich jahrelang versucht habe, eine gute Beziehung zu meinem Vater aufzubauen. Erst in diesem Jahr habe ich begriffen, dass das nie geschehen wird. Mein Vater sieht nicht mich, wenn wir miteinander reden, sondern er sieht ein Bild von mir, dass sich irgendwann (ich vermute, als ich Teenie war) in seinem Kopf manifestiert hat. Oder woher sonst kommen Aussagen wie: „So spricht meine Tochter aber nicht.“ (wenn ich laut fluche) oder „Du bist immer noch meine Tochter, was fällt dir ein?.“, wenn ich Widerworte gebe? Ja, Papa, ich bin deine Tochter, aber ich bin vor allem bin ich eine 31-jährige Frau, die auf eigenen Beinen steht und ein eigenes Leben hat. Mein Vater ist nicht bereit, sich auf mich einzulassen. Ich mag ihn nicht als Menschen und liebe ihn nicht als Vater. So schwer das am Anfang war, so sehr merke ich, dass ich mit diesem „Eingeständnis“ mir selbst gegenüber immer besser klar komme. Familie bedeutet für mich heute: Menschen, die ich mir ausgesucht habe. Die mich mögen und die ich mag. Familie bedeutet für mich nicht mehr Blutsverwandschaft. Babs [/color][/font]
  • [QUOTE=Kirstin]Ich kämpfe verzweifelt um die Liebe meiner Mutter, trotz all der Demütigung, die ich erfahren habe.[/QUOTE] Hör auf zu kämpfen! Liebe bekommt man geschenkt! Du bekommst maximal Anerkennung oder Respekt. Ist es das, was Du zum Glücklichsein brauchst?! Sei einfach so, wie Du bist - entweder lieben sie Dich oder sie lassen es sein. Es wird andere Menschen geben, die die wahre Kirstin zu schätzen wissen! LG Ina-Maike
  • Hallo Ihrs, ich bin selber Tochter und Mutter. Meine Mutter ist 74 Jahre alt und meine Töchter sind 17 und 20 Jahre. Ich habe viele Konflikte mit meiner Mutter auch übers Gewicht gehabt. Sie wollte schon im Vorschulalter das ich nicht dicker werde. Ihre Selbstdefiniton ist über das Gewicht und über uns Kinder gewesen. Bei meinen eigenen Kindern habe ich extra viel Freiheit gelassen auch mit dem Gewicht. Unser Sohn ist mollig aber ich rede nicht viel übers Übergewicht. Konflikte sind bei uns an der Tagesordnung da ich als Mutter und meine Kinder auch immer einen Grund finden warum wir uns angegriffen fühlen. Die Situation mit der Ältesten wird sich wohl erst bessern wenn sie im Studium und ausgezogen ist. Wir hocken viel zu eng aufeinander. Mit meiner eigenen Mutter ist die Situation viel leichter geworden. Wir können einander viel besser akzeptieren. Sie wünscht mir zwar immer noch das ich abnehme macht mir aber keine Vorwürfe deswegen. Wir gehen heute entspanter mit einander um als vor 5 bis 10 Jahren. In den letzten Jahren habe ich sehr viel an Selbstbewustsein bekommen da ich studiere, meine Schwiegermutter nicht mehr pflegen muß und ich auch weis das ich nicht nur wegen übermäßigem Essens übergewichtig bin. Tschau und alles Liebe Mechtild