meine dicke arztstatistik

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  • ich bin nun seit 10 jahren richtig dick. gestern habe ich mal überlegt, wieviele ärzte und ärztinnen ich in dieser zeit aufgesucht habe und wieviele fehlgriffe es brauchte, um endlich an einen menschen zu geraten, der mir zuhört, mich in keine schublade stopft, mich respektvoll und als individuum behandelt: praktische ärztin: meine aktuelle ist die zweite. die erste war was die dicke-ärzte-problematik betrifft, auch okay, aber leider geistesgestört. nachdem ich bei zwei besuchen innerhalb von fünf monaten in einem stockdunklen wartezimmer gesessen hatte, habe ich beim dritten mal eine glühbirne mitgebracht und reingeschraubt. meine zweite ärztin, wie die erste auch kassenärztin, ist prinzipiell okay. sie hat halt meine schwere lungenentzündung 2006 übersehen, weil ich nicht ausreichend gejammert habe, wie sie mir später sagte. was mir bei ihr nicht gefällt, ist dieser komische zicken-stress, der in ihrer praxis herrscht und auf den ich das übersehen meines zustandes zurückführe. ich wäre vor der rezeption fast ohnmächtig zusammengebrochen und konnte gar nicht mehr gehen, aber die sprechstundenhilfe hat nix gecheckt vor lauter gschaftln. ich werde aber trotzdem bei der ärztin bleiben, da ich von ihr nichts großartiges brauche. die geschichte ist ihr auch so peinlich, dass sie mich jetzt immer sehr aufmerksam behandelt. sie ist kassenärztin. orthopäde: zwei versuche, zwei schlimme pleiten. die erste kreischte, dass ich ein magenband brauche, bevor ich erklären durfte, was mich zu ihr führt. der zweite, eine koriphäe, was halluxoperationen an 65jährigen reichen frauen betrifft, behandelte mich mit einer derart eisigen angewiderten verachtung, dass ich nachhaltig sehr schockiert war. ein dritter orthopäde, dem ich vor einer woche ein detailliertes email schrieb, hat sichnicht gemeldet vielleicht ist er auf urlaub. gestern hab ich eine auf füße und gangstörungen spezialisierte physiotherapeutin entdeckt, die auch lymphdrainagen macht. die werde ich mal zu einer begutachtung meines verschraubten fußes aufsuchen. lauter kassenärzte, die physiotherapeutin werde ich selbst bezahlen und mir einen teil zurückholen. hautärzte: drei ärztinnen, die mich wahlweise mit cortisonsalben oder mit puva-bestrahlung behandelten. besserung meiner schuppenflechte in keinem fall. sehr wohl besserte die sich heuer, nachdem ich meine esspausen von 4-5 stunden zwischen den mahlzeiten eingelegt hatte und mich mehr an frischer luft bewegte. eine hautärztin suche ich erst wieder auf, wenn ich mal eine kur beantragen werde. kassenärztinnen. zahnärzte: zweiter versuch und ein bombentreffer. kassenarzt, zu dem ich richtig gern gehe. sehr gute zusammenarbeit. internistin: meine von mir detektivisch selbst gesuchte wunderbare ärztin, mit der ich ernägrungstechnisch arbeite, im herbst mach ich bei ihr einen kurs autogenes training. ich bezahle sie selbst, bekomm einen teil zurück. ist aber nicht teuer gemessen an dem, was es bringt. gynäkologin: ich hatte zwei kassenärztinnen und zwei private. die privaten waren beide in ordnung, wobei die zweite auch sehr viel erfahrung hat, da sie die gynäkologie eines krankenhauses leitet. teuer, aber gut. psychotherapeutin: erste wahl und passt. endokrinologen: zwei spitalsambulanzen, die beide zum selben ergebnis kamen, wobei die eine unfähig war, zu kommunizieren. beim zweiten dozenten habe ich - wie auch bei der vierten gynäkologin - endlich verstanden, wie das problem funktioniert. das wurde so kommuniziert, dass ich nun den schritt zur medikamenteneinnahme wage, was ich - unabhängig vom endergebnis - als fortschritt betrachte. sportarzt: der kieser-sportarzt ist in ordnung. die einmalige untersuchung im jahr ist im kieserpreis inkludiert. sonstige fragen, kosten extra.ich hab bei ihm auch mal ein belastungs-EKG gemacht. chirurg: hat meinen nabelbruch begutachtet. kompetent und verständnisvoll. kassenarzt. augenarzt: war von mir als dicke patientin sichtbar wenig begeistert, aber doch höflich. und nachdem ich ganz normale augen habe, gab es auch nix, das er auf übergewicht hätte zurückführen können ;) chinesische ärztin: problem erkannt, problem behoben. suche ich sporadisch auf. wird privat bezahlt. krankenhäuser: zwei stationäre aufenthalte. in einem keinerlei hinweis auf mein übergewicht, im ersten abfällige bemerkungen des röntgenpersonals und eines arztes. auf meinen beschwerdebrief hin, bekam ich einen brief der leitung, die sich ausdrücklich bedankte und entschuldigte. in keinem krankenhaus war diäternährung ein thema, ich konnte genauso frei wählen wie alle anderen. ich habe in dem zusammenhang auch auf defizite wie hänge-WCs, zu schmale krankensessel etc. hingewiesen. also eigentlich für beide krankenhäuser sehr gut. fazit: es ist echte knochenarbeit, zum "richtigen" arzt zu kommen, aber es lohnt sich. eigeninitiative und nicht bange machen lassen sind das wichtigste. auf vorurteile immer sofort hinweisen, auch wenn es schwer fällt. vielen ärzten ist ihr verhalten im alltagstrott gar nicht bewusst, andere sind einfach idioten. wenn man einen guten arzt an der angel hat, immer nach kolleginnen und kollegen aus anderen sparten fragen. gute, engagierte ärztinnen und ärzte kennen oft ihresgleichen. immer auch nach erfahrungen mit übergewichtigen fragen bzw. checken, ob interesse an dem thema da ist. der chirurg, der meinen nabelbruch anschaute, war sehr interessiert und konstruktiv, als wir drüber redeten. eion wiorklich netter arzt mit kassenparxis und einer oberarztstelle in einem krankenhaus. was ich gut finde, da krankenhausärzte auch gut als multiplikatoren fungieren können. ein gütesiegel, das ärzte/ärztinnen als dickentauglich ausweist, wär super. das könnten aber nur wir verleihen :)
  • [QUOTE] ein gütesiegel, das ärzte/ärztinnen als dickentauglich ausweist, wär super.[/QUOTE] An sich eine gute Idee, nur leider habe ich feststellen müssen, dass nicht-dickenfeindliche Ärzte nicht zwangsläufig auch gute Ärzte sind.
  • [QUOTE=Lunix]An sich eine gute Idee, nur leider habe ich feststellen müssen, dass nicht-dickenfeindliche Ärzte nicht zwangsläufig auch gute Ärzte sind.[/QUOTE] stimmt. das siegel würde nur etwas bezüglich dicker einstellung aussagen. wir können es vbermutlich drehen und wenden, das allzeit aktuellste stichwort für eine gute gesundenversorgung ist eigenverantwortung. bei mir war es so, dass ich meinen körper lange gar nicht gespürt habe. durch die therapeutische arbeit an den gefühlen, durch regelmäßige, angepasste bewegung, durch frische luft und ernährung, die ausgewogen sein dürfte, hat sich da viel getan. ich fühle mich um so viel wohler, obwohl ich nach wie vor sehr schwer bin. derzeit habe ich überhauptdas gefühl, dass meine beziehung zu meinem körper in eine völlig neue und spannende phase tritt. nur weil ich das alles wirklich spannend finde, bin ich so motiviert.