Dick durch Psychopharmaka

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    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • Meine Erfahrung mit Gewichtszunahme und Psychopharmaka sind durchweg negativ. Sicher spielen da auch einige andere Faktoren wie Bewegungsmangel und Frusstfuttern rein. Aufgrund einer Depressionen und Angststörung hat man mir eine ganze Batterie von Psychopharmaka verschrieben. Ich habe innerhalb von 6 Monaten 30kg zugelegt. Und das ganz sicher nicht nur vom Futtern. ich war vorher zwar auch keine Gazelle - habe meine um die 100kg aber gut halten können. Irgendwann hab ich meiner Ärztin gesagt ich mache das einfach nicht mehr mit. Egal wie und was ich gegessen habe die Waage schlug immer weiter aus. Ihre lapidare Antwort war: "Wenn Sie ein Leben haben wollen müssen Sie auchein paar Nebenwirkungen in Kauf nehmen." Und ich habe durch viele akute Klinikaufenthalte besonders einige Patientinnen kennengelernt, die quasi dauerhaft dort waren aufgehen sehen. Eine blieb mir in schlimmer Erinnerung, weil sie von knapp 60kg auf 125kg anschwoll - in knapp einem Jahr.
      Nunja ich nehme keine Psychopharmaka mehr aber die Kilos wollen auch bleiben. Ich werde sie nicht mehr los. Im Prinzip leide ich immer noch - nur anders. Ich muss lernen mich zu akzeptieren auch mit um die 140kg, daran arbeite ich nun.
      Ich denke, wenn man schon einr Prädisposition zum dicksein hat sind psychopharmaka nicht gerade toll, wenn auch mitunter notwendig und lebensrettend.
    • Ja, Eggy,
      ich gehöre auch zu den Patientinnen, die sich in Behandlung eines völlig unsensiblen Psychiaters quasi gewichtsmäßig verdoppelt hat - mit allen gesundheitlichen Konsequenzen.
      Mein jetziger Arzt hat allerdings die Regel, dass er ab 20 kg umstellt oder absetzt ( und ich finde 20 Kilo auch schon viel).
      Ich finde auch deine Ärztin völlig unsensibel. Stell ihr die Frage:
      "Würden SIE bei SICH eine Gewichtszunahme von 50 Kilo akzeptieren?"
      Solche Ärzte sollten sich erstmal überlegen, was sie bei sich oder nahen Angehörigen noch tolerieren würden. Da wird ganz schnell weniger medikamentiert oder operiert....

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Ich finde das ganze Thema nach wie vor schwierig. Klar gibt es total unsensible Ärzte - was aber sollen die einem sagen, wenn es darum geht, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben?
      Gut, ich persönlich würde es schon begrüßen, wenn die sagen würden, "es kann sein, dass Sie bei einnahme von XYZ zunehmen und dann müssen wir schauen und abwägen, welcher Nutzen bzw welcher Zustand schlimmer ist".

      Aber viele sind ja der Meinung, sie dürften einem so einen Schwachsinn erzählen wie: Zunahme bei dem Medikament? Hab ich noch nie gehört, erlebt - das gibt es nicht. DAS nervt doch wie Sau. Selbst wenn man schon wie eine Art Trauerkloß vor ihnen hockt und um Hilfe ruft, behaupten die noch, dass es DAS ja gar nicht gäbe....

      Andererseits: eine schwere oder auch nur mittlere Depression ist ja auch nicht der Hit. Und wenn die Psychopharmaka da helfen, aber es eine Zunahme gibt, was soll man tun? Aber auch hier könnte der Arzt sagen, "ja, es kann sein, dass sie von dem Medikament zugenommen haben, aber schauen Sie bitte mal, ob es ihnen auf anderer Ebene geholfen hat und wägen Sie das ab"- DAS wäre doch wenigstens ein Gespräch.

      Von vorneherein auf Antidepressiva zu verzichten, weil man eine Prädisposition fürs Dickwerden hat, halte ich auch für falsch. Das kann nicht die Lösung sein.

      Letztlich hängt es wohl doch daran, wie der Arzt mit einem spricht, ob er es mit einem durchsteht, einem beisteht - dass es ein gespräch dazu gibt und nicht nur das plumpe Abbügeln sämtlicher Einwände.
    • Hallo Mehr Mädchen,

      vielleicht liegt die starke Kritik an Psychopharmaka auch daran, dass die Wirkung ziemlich ungewiss ist.
      Wenn ich einen Blutdrucksenker nehme, erwarte ich, dass er den Blutdruck senkt.
      Bei Antidepressiva und Neuroleptika ist das nicht so eindeutig:
      - bis zu 30 % sind Non- Responder, das heißt, das Medikament wirkt nicht, und wirkt auch nicht, wenn sie mehr davon bekommen.
      - eine unbekannte Prozentzahl hat eine paradoxe Reaktion, das heißt, die Symptome verstärken sich.
      - Die Nebenwirkungen können sehr gravierend sein. "Chemische Zwangsjacke" ist ja nur eine Bezeichjnung für solch manches Medikament. Außer Gewichtszunahme und Diabetes gibt es noch so unschöne Sachen wie Seretoninsyndrom ( lebensbedrohlich), malignes neuroleptisches Syndrom ( dito) oder tardive Dyskinesien ( nicht so gefährliche aber unheilbare Bewegungsstörungen, die allerdings auch die Atmung betreffen können) .
      Ein Arzt hat mir mal gesagt, dass man bei Psychopharmaka ein Nebenwirkungsprofil in Kauf nimmt, was in solcher Heftigkeit eigentlich nur noch in der Chemotherapie akzeptiert wird.

      Das sollte man sich bewußt machen.
      Daher würde ich empfehlen:
      Dem Medikament , wenn nicht gleich unerträgliche Nebenwirkungen auftauchen, die Chance geben, zu wirken.
      ca. 2- 3 Monate.
      dann mit dem Arzt zusammen Bilanz ziehen:
      hat mir das psychopharmakum gebracht, was ich erreichen wollte?
      geht es mir besser?
      kann ich mein soziales/berufliches Leben führen, wie ich mir das vorstelle? ( ganz wichtig, denn wenn der Patient 18 Stunden täglich schläft, geht es ihm zwar psychisch besser - aber das Ziel sollte ja nicht sein, dass er nix mehr mitbekommt)
      - warum habe ich die Erkrankung überhaupt? Auf welche Weise außermedikamentös kann ich darauf einwirken? beispielsweise Psychotherapie, Soziotherapie, Selbsthilfegruppe etc.

      wenn das Negative das Positive überwiegt,
      soll man sich vom Arzt auch nicht "überreden" lassen, dabei zu bleiben,
      sondern weg mit dem Zeug

      ( aber langsam, es gibt auch Rezidive durch zu schnelles Absetzen, das Gehirn braucht seine zeit, wieder auf "Eigenbetrieb" umzustellen; auch das muss der Arzt ernst nehmen und nicht hinterher, wenn es dem Patient wieder schlechter geht, sagen: "Sehen Sie, habe ich doch gleich gesagt, dass Sie ohne Pillen nicht leben können...." :wand:

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
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      H.L. Mencken
    • Hi Lisa Cortez,

      ich kann alle deine Ausführungen unterschreiben.

      Letztlich läuft es u.a. darauf hinaus, dass man mit dem Arzt zusammen eine begründete Entscheidung treffen kann, und der einem dann auch zur Seite steht und nicht irgendwelchen Dünnpfiff faselt.

      Dass es soviele Non-Responder gibt, wußte ich gar nicht. Und dass man soviele Nebenwirkungen in Kauf nimmt wie bei einer Chemo. Da ist es doch doppelt gruselig, wenn man sieht, dass ADs das mi am meisten verabreichte Medikament ist und noch dazu nicht mal nur von Fachärzten sondern auch von Haus- und, wie in meinem Fall, Schmerzärzten so locker verschrieben wird.

      Es geht ja nicht nr um Gewicht - auch die anderen von dir aufgezählten Nebenwirkungen sind echt nicht ohne.

      Nee, da muß man mit Verstand ran, egal wie.

      LG,
      M_M
    • Nicht jedes Psychopharmakum ist ein Antidepressivum. Es gibt noch andere üble psychische Erkrankungen, die medikamentös behandelt werden müssen, damit der/die Betroffene überhaupt ein "normales" Leben führen kann. Da muss man Pro und Contra genau abwägen. In der Stressituation mit meiner Schwiegermutter habe ich Betablocker gekriegt, um das Erregbarkeitsniveau runter zu regeln. Leider wird dabei auch der Stoffwechsel runter geregelt, was mir in dem halben Jahr eine 2-stellige Gewichtszunahme beschert hat. Diesen Preis war es mir aber wert, ich wäre ja sonst wirklich durchgedreht und vermutlich im Knast geendet.

      In jeder Medikamentengruppe gibt es aber andere, möglicherweise besser verträgliche. Das sollte ein seriöser Arzt abklären, ob er vielleicht einen anderen Wirkstoff oder eine andere Dosierung ausprobiert, bevor pauschal friss oder stirb argumentiert wird.

      Ich habe allerdings leider schon ein paarmal erlebt, dass Ärzte ganz schnell, wenn sie nicht sofort auf den ersten Augenschein eine körperliche Erkrankung diagnostizieren können, einen in die Schublade "Psycho" stopfen, Depression geht immer, besonders, wenn man da mal "aktenkundig" geworden ist. Meine Borreliose wurde etliche Jahre nicht behandelt - meine Schmerzen und Lähmungserscheinungen waren ja "larvierte Depression". Und mein letztes Erlebnis in dieser Art: ich fühlte mich im Frühjahr extrem erschöpft und abgeschlagen und habe deshalb meine Blutwerte checken lassen. Hätte ja ein Eisenmangel oder so was sein können. Da der Arzt nichts entdecken konnte, sollte ich wegen "depressiver Episode" behandelt werden. GSD war ich zu der Zeit zum Jahres-Check bei meiner Zahnärztin, und die hat einen Eiterherd im Kiefer entdeckt. Nach Entfernung desselben war auch die Erschöpfung weg.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Hi Sophie,

      ja, das stimmt, was du schreibst. Bei mir wurde eine Erschöpfung auf Grund einer unentdeckten Lungenentzündung auch als "Wechseljahresbeschwerden" diagnostiziert und zwar so lange, bis ich im KH landete....:genervt:

      Und ja, es gibt ganz doofe Erkrankungen, bei denen es ohne Psychopharmaka wenig bis gar nicht geht. ZB kenne ich jmd. mit Manisch-depressiver Erkrankung. Muß Lithium nehmen, das ist alternativlos und geht auch gut aufs Hüftgold.

      Man muß immer genau hinschauen. EIN Argument ist ja sicher, dass man als Dicke immer noch ganz gut leben kann, mit einer heftigen psychischen Erkrankung kann das schwierig sein. Je nachdem, was man da hat.

      Auf keinen Fall sollte man auf notwendige Psychopharmaka verzichten "nur" weil man dick werden könnte. Das kann es ja auch nicht sein.
    • Sophie schrieb:

      Nicht jedes Psychopharmakum ist ein Antidepressivum. Es gibt noch andere üble psychische Erkrankungen, die medikamentös behandelt werden müssen, damit der/die Betroffene überhaupt ein "normales" Leben führen kann. Da muss man Pro und Contra genau abwägen.
      .


      Ich selbst habe nicht soviele Erfahrungen mit Antidepressiva; vieles von dem, was ich geschrieben habe, bezieht sich auf Neuroleptika.
      Aber auch hier gilt:
      Ziel ist, dass es dem Patienten besser geht.
      Manche Ärzte verwechseln das mit Symptomfreiheit ,
      doch ich kenne durchaus Patienten, die es vorziehen, einige Symptome zu behalten, anstatt sie um jeden Preis wegzutherapieren.

      Mehr_Mädchen schrieb:

      ZB kenne ich jmd. mit Manisch-depressiver Erkrankung. Muß Lithium nehmen, das ist alternativlos und geht auch gut aufs Hüftgold.
      .


      Die dritte Gruppe, die ganz schön aufs Gewicht schlägt, sind diese Phasenprophylaktika / mood stabilizer , also das, was bei bipolarer Störung ( manisch- depressiv) verschrieben wird.

      Aber auch hier gilt: Da es ja bekannt ist, dass diese Medikamente alle aufs Gewicht gehen, würde ich mir mehr Verständnis von Seiten der Ärzte wünschen und dass dieses Problem ernst genommen wird.
      ich gestehe: Ich habe unter der hohen Gewichtszunahme gelitten wie ein Hund -
      hatte den Schaden und brauchte für den Spott nicht mehr zu sorgen.


      Mit freundlichen Grüßen Lisa
      Für jedes komplexe Problem
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      H.L. Mencken