Einsamkeit - ein wachsendes gesellschaftliches Problem

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    • Einsamkeit - ein wachsendes gesellschaftliches Problem

      Einsamkeit gilt als Phänomen der älteren Generation. Doch das Gefühl der Isolation zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Großbritannien will das Problem angehen - und hat dafür sogar einen eigenen Ministerposten geschaffen. Die Britin Tracey Crouch war bisher Staatssekretärin für Sport und Ziviles. Nun hat sie eine weitere Aufgabe: den Kampf gegen die Einsamkeit. Großbritanniens Regierung hat für dieses Ziel extra einen neuen Ministerposten geschaffen.

      Diese Meldung habe ich vor einiger Zeit in den Nachrichten gelesen. Es gibt da einige Artikel dazu. Zum Beispiel dieser, aus dem die obige Passage ist oder der hier, mit noch einigen weiterführenden Artikeln. Es findet sich bestimmt noch mehr.

      Ich finde das eigentlich ziemlich traurig und frage mich manchmal, ob unsere schöne moderne Welt wirklich so schön ist. Ob hier nicht mal eine Gegenbewegung kommt, wie auch immer die aussehen mag? Wir werden die nächsten Jahre wohl noch mehr Terminals bekommen, an denen man seine Bestellung oder Anfragen eingeben kann, ohne mit einem Menschen reden zu müssen (dürfen). Ist ja nur ein Aspekt von sehr vielen, in der ganzen Thematik Einsamkeit.
      Die immer flexibler werdenden Arbeitszeiten, verhindern doch gemeinsames Essen in der Familie, den Beitritt in einen Verein oder Abendschul-Besuche und dergleichen. Bestellt wird online, Bankgeschäfte werden vom PC aus getätigt und ansonsten nutzt man Facebook.

      Vermutlich wird dieses Problem in 10-20 Jahren noch größer sein. Und ganz ehrlich - ich könnte mir gut vorstellen, selbst einmal betroffen zu sein. Aktuell kein Thema aber wer weiß denn schon, was die Zukunft noch für einen bereit hält?
    • Ja, da mache ich mir auch Gedanken drum ... und bin nicht allein damit ...

      Ich habe einen Kreis von Freunden. Ich schreibe bewusst nicht Freundeskreis, denn die Leute kamen immer nur bei mir zusammen, solange ich im Rheinland gelebt habe. Untereinander hatten sie sonst nichts miteinander zu tun. (Nebenbei bemerkt, bin ich einfach nur froh und glücklich, dass ich diese Freundschaften, auch als ich nach BaWü gezogen bin, aus der Ferne weiter gepflegt habe; vieles wäre für mich vermutlich unerträglich gewesen, wenn ich in den letzten Jahren nicht die Begleitung dieser Freunde gehabt hätte. Ganz klar: Liebe vergeht, Freundschaft besteht. Für mich sind Freundschaften inzwischen 100x wertvoller als es jede Liebe sein kann.)

      Aber zurück zum Thema: Vor Jahren trafen wir uns zu meinen Geburtstagen und zu Gartenarbeitspartys in meinem bergischen Schieferhaus in Solingen und später in meiner Jugendstil-Wohnung in Düsseldorf. In Solingen immer große Enge in der Mansarde, aber immer nett. (Das Schlimmste, als ich vor sechs Jahren in meine momentane räumliche Zwangslage geraten bin: Mein großer Esstisch, den ich so geliebt habe, ging über den Jordan; sollte ich jemals noch mal umziehen, wird es eine Wohnung sein, in der ich wieder einen großen Esstisch stellen kann.)


      Eins unserer Lieblingspartythemen zwischen 25 und 35: Dereinst werden wir eine Alters-WG gründen. Das haben wir uns ausgemalt, rumgeblödelt, es natürlich damals nie wirklich ernst gemeint.

      2017 ... wir sind zwischen 50 und 60 ... Ostern traf ich mich mit einer heute in Berlin lebenden Freundin in Freiburg. Sie war die Erste, die von der Alters-WG anfing und darüber sinnierte, ob das nicht eine beruhigende Vorstellung wäre, wenn man die Spinnereien aus jungen Jahren in die Wirklichkeit transportiert.

      Zwischen Weihnachten und Silvester trafen meine beste Freundin, die in Köln wohnt, und ich einen weiteren Freund aus der damaligen Zeit und seinen Lebensgefährten bei einem Griechen in Solingen. Wir treffen uns dort öfter. Dieser Freund betont jedes Mal, dass er da so gerne hingeht, weil wir dort gegenüber doch damals alle gearbeitet haben, sozusagen im memoriam (es war mein Arbeitgeber und so ziemlich all meine Freunde und meine Mutter und eine Freundin meiner Mutter haben dort bei hohem Arbeitsaufkommen als Aushilfe gearbeitet).

      Plötzlich geschah etwas, was vorher nie ein Thema war: Das nächste Mal treffen wir uns bei den Jungs, das übernächste Mal bei meiner Freundin in Köln. Der Kreis der Freunde beginnt, sich zum Freundeskreis zu entwickeln. Und glaubt es oder lasst es bleiben: Die fingen doch tatsächlich von der Alters-WG an und der Freund machte sich ernsthaft (!) Gedanken darüber, ob ich wohl sehr schwierig sein werde, wenn ich mal alt bin, und ob das Zusammenleben mit mir entspannt sein wird.

      Keine Ahnung, ob das was wird. Im Moment kann ich es mir noch nicht vorstellen. Zu sehr genieße ich meine Unabhängigkeit, aber in 10, 15 Jahren ... warum nicht?
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail.
      Ihr erreicht mich daher ausschließlich über die eMail-Adresse im Impressum.
    • Das ist ein tiefschichtiges Thema.
      Wie toll, daß es in Großbritannien als gesellschaftliches Phänomen (an)erkannt wird! Als eine große Strömung, die sich über die "zivilisierte" Gesellschaft westlichen Zuschnitts ergießt.

      Bei uns, habe ich immer so das Gefühl, daß Einsamkeit noch mit einem Stigma behaftet ist. Daß niemand von sich aus zugibt, daß er in dieser Beziehung leidet.
      "Ich? Bin doch nicht einsam, haha!" - aber in Wirklichkeit sind so Viele davon betroffen.

      Das Stigma könnte noch aus der Steinzeit-Stammeserinnerung stammen. Weil dort niemand aus dem Stamm ausgeschlossen wurde, wenn er nicht etwas wirklich Schlimmes verbrochen hatte. Wenn also einer gezwungen war einsam zu leben, trug er eine tatsächliche Schuld. Vielleicht war er ein Verräter, oder hatte jemand erschlagen.

      Heute ist das insofern anders, als unsere "Stammes-Energie" reichlich zersetzt ist. Und weil wir der Idee anhängen, jeder müsse allein für sich sorgen, und das Leben sozusagen in einem virtuosen Alleingang stemmen können. Stichwort "Leistung" und "Leistungsgesellschaft".

      Es hat mit Vertrauen zu tun, daß man sich (wieder?) auf andere zubewegen kann. Ich habe schon erlebt, daß es reichte zu lächeln oder freundlich zu sein, um Misstrauen hervorzurufen. "Hä? Warum lächelt die so? Die will doch etwas von mir? Womöglich will die an mein Geld? Sonst wäre die doch nicht so katzen-freundlich!"

      Es wäre eine gute Sache, wenn es auch bei uns ein Ministerium oder eine Anlaufstelle dafür gäbe. Eine Institution oder Gruppe, die in dieser Hinsicht Bewusstseinsarbeit betreibt, und daß "einsam" heutzutage kein persönliches Verschulden ist.

      Natürlich dürfte eine solche Anlaufstelle keinesfalls einen religiösen Hintergrund haben. Man dürfte nicht gezwungen sein, irgendwelche mehr oder weniger erbaulichen Predigten anzuhören. Es dürfte nicht in einem Raum sein, wo religiöse Symbole an der Wand hängen.
      Das ist eine echte Gefahr, weil Religionen per definitionem gemeinschaftsbildend sind. Ihr wißt schon, so nach dem Motto "kommt her zu mir alle die ihr mühselig seid, ich will euch erquicken, hier werdet ihr Brüdern und Schwestern finden, ihr müßt dafür nur mein Joch auf euch nehmen".
      Das wäre fatal.

      Ein Ministerium fände ich gut -

      Danke Kubalibre für diesen Thread.

      Liebe Grüße
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Das ist ein großes Thema.

      Ich bin Anfang 50.
      Aber da ich schon sehr lange berentet bin, habe ich mit diesem Thema schon in jungen Jahren zu tun gehabt.
      Es hat lange gedauert, bis ich einigermaßen mit der Einsamkeit klar kam, die es mit sich bringt, wenn Du keine Kontakte mehr durch den Beruf hast.So jung bist,daß "alle" anderen arbeiten, wenn du Zeit hast.
      Für Seniorenveranstaltungen war ich zu jung.

      Behindert bin ich auch nicht..also die Treffpunkte fielen auch flach.

      Natürlich hab ich was gemacht.Auch immer wieder versucht in den Beruf zurück zu finden und anfangs war mein Sohn noch so jung, daß mich der und alles drum rum beschäfftigte.

      Beziehung finden ist auch schweirig in so einer Situation.
      Und frühe Berentung bringt dann auch noch Armut mit sich, du kannst all die tollen Sachen , die man machen könnte hätte man die Finanzen dazu, nicht mit .machen.

      Umsonstige Freizeitaktivitäten mache ich..aber die erschöpfen sich
      Und wenn ich mal in einen Kurs oder so ging, kam ich in Erklärungsnot...bzw was fragen alle immer so ziemlich als erstes beim Kennenlernen "was machst, arbeitest du"...Rentner sein finden die Leute kurz interessant..dann verstehen sie es nicht...die meiste Zeit meines Lebens sieht mir keiner an, daß ich krank bin.
      Dann wollen immer alle nach so einem Kurs was Trinken gehen..ich hab so 50 Euronen die Woche zum Leben..da geht man nicht so leicht was Trinken....

      Ich habe dann viel probiert..auch WG-Hausgemeinschaft...und Ehrenämter.
      Erst vor 5 Jahren habe ich was gefunden bzw selbst angeleiert.

      Einen Frühstücks-kreis für Frauen nach Krisen.
      Ich wollte eine Anlaufpunkt am Vormittag ( das gibt es kaum für Menschen, die jenseits dem Seniorenalter aus dem Leben gekippt sind).Es sollte etwas sein, was umsonst ist....und es sollte an einem geschützten Ort statt finden. Weil Frauen nach Krisen..da geht es ja schon mal an die Emotionen..da ist ein öffentliches Cafe nicht der rechte Ort dafür

      Wir treffen uns zweimal im Monat zum Frühstück.Aber hauptsächlich ist das eine Beratungsrunde.Es gibt viele Fragen zu klären, wenn du in eine Krise gerätst...Trennung,Scheidung, Krankenhausaufenthalte, Berentung...
      Und wir treffen uns auch sonst privat.
      Weihnachten und Neujahr hatten wir uns getroffen.
      Wir gehen mal zusammen ins Kino...
      Sonntag macht eine Kaffeeklatsch...
      Also wir unterstützen uns gegenseitig

      Vor allem tut gut, daß es einen Kreis gibt, wo man sich kennt und wo die Leute aufeinander achten.
      Also hören wir von Einer länger nichts, dann fragen wir nach.

      Ich denke unsere Gesellschaft hat sich verändert.Die klassische Familie gibt es nicht mehr.
      Viele kommen gut zurecht mit dem Singelleben und finden es sogar toll , solange sie im Beruf stehen.
      Da ist man dann ja auch mal froh über das Alleinesein.

      Aber alleine sein , selbst gewählt, ist etwas anderes als Einsamkeit.

      Ich denke, daß man planen muß.Wie will ich leben,wenn ich die 60 erreiche...
      Will ich alleine in einer Bude leben?
      Wieviel an Kontakt brauche ich.

      Da ich mich seit Jahren damit auseinandersetsen muß beobchte ich die Veränderung in der Gesellschaft rund um dieses Thema sehr genau.

      Und ich habe Hoffnung.

      Ja, die Vereinsamung ist der größte Fluch unserer modernen Gesellschften, wir brauchen Familie nicht mehr lebensnotwenig.
      Man kann auch alleine leben.alles läßt sich organisieren.

      Das widerspricht eigentlich der menschlichen Natur.Wir sind soziale Wesen.
      Ein Freund aus Ghana ,der überhaupt nicht verstand, wie es sein kann, daß ich alleine mit einem Hund wohne..brachte es auf den Punkt"to be alone it`s not god"
      In Afrika überlebt keiner als Einzelwesen.

      Ghana zum B ist ein gutes Land.Schon lange Demokratie.Aber es gibt kein soziales Netz.Es war beeindruckend mit zu erleben wie gut die afrikanische Community funktioniert.
      "Alle" Afrikaner unterstützen Leute zu Hause, wenn sie es nach Europa schaffen.

      Und es ist ganz klar,daß, wenn du keine Arbeit hast, alt oder krank wirst,dann fängt dich die Familie auf.Wobei der afrikanische Auslegung davon wer zur Familie gehört sehr viel weiter geht als unserer.

      Also diese vermeintliche Freiheit, die wir uns erworben haben, in den Industrie/reichen Nationen..das ist eigentlich ein ganz armseeliges Leben.Denn wir leben gegen unsere Natur.

      ABER ich bin optimistisch.Es gibt immer mehr Bestrebungen das zu ändern.Dieses englische Ministerium ist ja die Spitze, das Ergebnis eine Prozeßes. Da wurde schon erkannt, was ungut ist, in der Gesellschaft.

      Es gibt in unserer Stadt immer mehr Mehrgenerationen-Wohn-Projekte.Es gibt Internet-Portale wie Wahlverwandschaften.

      Wichtig ist, daß man sich eingesteht...ich bin nicht wohlig alleine und genieße meine Freiheit.nein...es fehlt mir was.

      Und da ist dann das , was Martina fühlt, wenn sie sich ihren großen Esstisch wieder wünscht , ein gutes Symbol dafür.

      Dieses gemeinsame Essen , in Familien, das hat eine ganz wichtige soziale Funktion und ich bin sehr froh, daß ich das noch manchmal erleben darf, am Famileintisch sitzen.

      Ich habe auch immer , auch in der Ein-Zimmer-Bude eine Tisch gehabt, an den mindestens vier Leute passen.

      Alleine, einsam vor der Glotze eße ich oft genug.

      Das Ganze hat auch viel mit Dick zu tun....aber da darf gerne jemand anders "weiter denken"....
    • Ich bin "momentan" gerne alleine, ich mag nicht viele Menschen um mich, eigentlich gar keine, ich geniese die Ruhe, das kein Lärm hier ist, das ich wenn ich dort etwas hinstelle es auch bleibt usw. usw.
      Ich könnte mir jetzt nicht vorstellen in eine WG zu ziehen, ich würde verrückt werden, aber was weis man was in 10 oder 20 jahren ist.
      Was ist sagen wollte nicht jeder der allein ist, ist auch einsam.
    • In meinem Freundeskreis wird das auch oft diskutiert.
      Nach viel Diskussion wurde uns immer deutlicher klar, dass es da verschiedene Vorstellungen gibt.
      Mehrgenerationen, mehrere Menschen in einer Wohnung usw.
      Deshalb wäre die Optimale Lösung ein Wohnkonzept mit vielen abgeschlossenen Wohnungen und einem großen Gemeinschaftsraum.
      Es ginge nur wenn man als Eigentümergemeinschaft auftritt.
      In letzter Zeit (wir sind zwischen 45 - 60) kommen immer mehr Nachrichten von Objekten die event. interessant wären.
      Vor 2 Wochen haben wir uns dann mal tatsächlich ein Kloster angeschaut.... Leider viel zu groß und viel zu teuer.
      Aber das Interesse steigt merklich und die ersten Spinnereien nehmen Formen an.

      Mal schauen...

      lg
      Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.
      (Immanuel Kant)
    • Was würdet ihr als "einsam" definieren?- nur "Alleinsein" ist es ja offensichtlich nicht.

      Ich war oft einsam, weil mich keiner versteht.

      Aber das meint das Ministerium in Groß- Britannien doch nicht. Um was genau wollen sie sich kümmern?

      Ist Einsamkeit auch ein finanzielles Problem? Bis zu einem gewissen Grad ist Teilhabe käuflich.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Was würdet ihr als "einsam" definieren?- nur "Alleinsein" ist es ja offensichtlich nicht.
      Einsamkeit beginnt da wo es aufhört sich gut anzufühlen alleine zu sein und keiner stört einen .

      Da wo du diese Situation nicht einfach ändern könntest, durch eine Anruf, einen Besuch.
      Wo du von vielen Unternehmungen ausgeschloßen bist, weil sie zu teuer für dich sind oder sonst unerreichbar

      Einsamkeit tut weh.
      Körperlich , seelisch.

      Wenn du wirklich keinen hast, über Tage besucht dich keiner,du bist vielleicht auch noch körperlich eingeschränkt.
      Oder du lebst an einem Ort, wo du die Sprache uns Sitten nicht recht verstehst.

      Die Leute in ganz anderen Kontexten leben, als du.

      Einsamkeit ist vor Allem eine Seuche der älteren Generation.
      Wenn Familien zerbrochen sind oder- das sehe ich so oft-sich die emanzipierten Frauen-Lebens-Entwürfe...Karriere machen..immer das eigene Ding durch ziehen..sich den Luxus leisten blöde Beziehungen nicht weiter zu führen, im Rentenalter an gekommen sind.Für Freundschaften war auch nie Zeit...nun stellst du fest, es fehlt dir an stabilen Bindungen.

      So um die 50 herum fällt vielen dieser Frauen auf, es fehlt mir was.
      Die Kinder über die alle um mich rum sprechen....die Enkel...sozialen Kontakt, Familie...sich irgendwo dazugehörig zu fühlen, das ersetzt die tollste Karriere und finanzielle Sicherheit nicht.

      Einsamkeit war für mich viele Jahre eine Hand,die ich sah , wenn ich nachts aus meinem Fenster schaute.
      Gegenüber im Haus sah man spät nachts eine Hand, wie sie die Seiten einer Zeitschrift um blätterte.
      Ich bekam mit, daß die Hand einer Frau gehörte, die dort alt und alleine lebte.Auf der Straße sah ich sie nie.Ein Rollator stand im Raum

      Ich dachte, "irgendwer versorgt sie ja"..aber ich sah nie jemand anders in der Bude.
      Oft überlegte ich..."geh mal rüber und klingel"..ich traute mich nicht.So was macht man nicht.
      In den Häusern dort wohnen viele alte Leute, wo die Ehegatten weg starben, die Kinder und Enkel nie Zeit haben für einen Besuch.

      Einmal traute ich mich und sprach eine Frau auf der Straße an, die auch in diesen Häusern lebte..ich fragte sie, ob sie wisse, wer dort wohne, in der Wohnung mit der Hand.Nein....früher hat da Frau X und ihr Mann gewohnt...aber die hat sie schn ewig nicht mehr gesehen und er soll ja gestorben sein.

      An der Klingel stand der Name, den die Frau genannt hatte.Es muß also Frau X gewesen sein, die da so alleine lebte.

      Und kein Nachbar schaute mal nach ihr.Man hatte Jahrzehnte neben einander gelebt, aber wenn einer krank wird, dann vergessen dich die Leute.

      Vielleicht war sie nicht einsam.Mag sein, daß sie es anders empfand.

      Aber die Suizidrate ist bei Senioren am aller Höchsten und wenn ich sehe, wie sich die Leute freuen, wenn ich im Altenheim mit Wilma zu Besuch komme...die Leute spüren ihre Einsamkeit.Besonders am WE, wenn die erwachsenen Kinder wieder keine Zeit haben .

      Einsamkeit ist für mich heute-also konkret jetzt gerade- fühlbar.
      Ich fuhr vorhin Strabah und sah mein Spiegelbild im Fenster und es gab mir einen Stich.Diese noch relativ junge Frau, die einen wachen Eindruck macht....und sie hat seit Tagen außer "virtuell" und mal am Telefon mit jemand gesprochen.
      Nicht weil sie gerne alleine ist oder sozial gestört, einfach wegen Mangel an Gelegenheit.

      Die anderen arbeiten, haben grade anderes zu tun..ich arbeite zur Zeit nicht.

      "Üben sie sich in Smalltalk" riet mir mal ein weiser Begleiter.
      Das kann ich...ich finde überall jemand, mit dem ich mich unterhalten kann.

      Aber die Einsamkeit bleibt.Sie ist Stille die fast wehtut oder das hämmern der Musik, des Radios, TV...irgendwas hab ich immer an, damit ich sie nicht höre. Die Einsamkeit.
      Sie ist ein Fluch, wenn ich irgendwas machen will, wozu es eine zweite Hand bräuchte.
      Oder die dumpfe Traurigkeit, wenn mir nach Reden ist,wenn ich mich worüber aufrege oder freue und da ist kein Gegenüber, der zuhört-etwas erwidert

      Einsamkeit macht sonderlich..und oft wütend.

      Vor Allem macht sie traurig, sie lähmt

      Menschen sind soziale Wesen.

      Es fehlt mir nicht das tiefgehende Gespräch, das finde ich immer , wenn ich will...es fehlt mir das Normale..das "gib mir mal das Brot rüber, wenn man am Familientisch sitzt..oder das " hast Du das gehört!"...

      Einsamkeit ist für mich eine Aufgabe, die ich bewältigen muß.

      Wenn ich nachlässig werde, mir Aufgaben zu suchen, Treffpunkte, wenn ich nicht dafür sorge, daß ich täglich auf jemanden aktiv treffe...nicht nur beim Einkaufen oder auf der Straße..dann laufe ich Gefahr, daß sie mich einlullt.
      Das sie mich lähmt. Das ich ihrer Umarmung nicht mehr aus eigener Kraft entkomme.

      Dann ist Einsamkeit vielleicht einfach ein unangenehmer Zustand, den man sich so nicht gewählt hätte, der einem aber die Energie raubt, etwas dagegen zu tun.
    • Wilmastante, was für ein berührender, schöner Text.

      (auch wenn der Inhalt traurig ist.)

      Gerade bei alten Menschen habe ich es aber auch erlebt: Die Verbitterung. In jungen Jahren hat man die Kinder von sich weggestoßen ( viele der einsamen Menschen HABEN Familie, auch wenn das kaum zu glauben ist), Verwandte und Nachbarn vor den Kopf gestoßen....
      bis niemand mehr was mit dem Grantler /dem Repp (wie man bei uns daheim gesagt hat) zu tun haben wollte,
      und dann kommt die Einsamkeit.
      Besonders trifft sie die Kriegskinder , die damals Kind waren, die nie über Gefühle sprechen oder sie zeigen konnten. Liebe, Güte und Zärtlichkeit , das war doch kein Thema, sondern gelobt sei was hart macht.
      Und jetztt sind sie im Alter einsam.
      Die Härte wird von den Kindern knallhart zurückgegeben.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Es ist manchmal ein schmaler Grat. Natürlich gibt es "Grantler", die andere Leute vor den Kopf stoßen.
      Es gibt aber auch viele Leute, die über alle Grenzen gehen, und wenn man dann sagt Stop!, ist man der Böse.

      Will sagen, man sollte schon Grenzen setzen dürfen - und das tun dann viele Leute auch nicht, aus lauter Angst, daß sie am Ende "allein" da stehen.
      Gibt auch Leute, de keine Grenzen akzeptieren und denken, daß man sich alles gefallen lassen muß, dafür daß sie einen mit ihrer Aufmerksamkeit beehren.
      Gibt auch Leute, die in irgendeiner "Partnerschaft" aushalten, die ihnen gar nicht gut tut - aber aus Angst vor dem Alleinsein schlucken sie alles.

      Manchmal ist es kein "Luxus", eine "blöde" Beziehung nicht weiter zu führen, sondern eine Überlebensnotwendigkeit.

      Wir Menschen sind ja in so vielen Dingen, Ebenen und Aspekten am Lernen und Üben. Wir stecken - individuell und als Kollektiv - noch mitten in der Entwicklung.
      Ich habe immer den Eindruck, im Moment lernen wir unter anderem, daß Beziehungen gewisse Qualitäten aufweisen müssen, zum Beispiel Respekt und daß man bereit ist den anderen zu SEHEN.
      Wenn das nicht gegeben ist, dann hat man eine so genannte "Beziehung" oder Leute um sich rum, ist aber trotzdem einsam.

      in einem hat Wilmas Tante einen Nagel auf den Kopf getroffen: Freundschaften sind ganz wichtig. Aber daß jemand "da" ist, mit dem man die Dinge des Alltags besprechen kann, ist genau so wichtig.
      Ich kann nur sagen, wie ich es selbst erlebe: wenn ich heute etwas zu besprechen habe, muß ich mich verabreden - vielleicht sogar zum Telefonieren verabreden, oder muß der Person schreiben und auf Antwort warten, oder muß mich nobel zusammenrichten und sie irgendwo in einem Café treffen ... es ist immer mit einer Menge Aufwand und Umstände verbunden.
      Als mein Mann noch lebte, haben wir diese Dinge morgens zwischen duschen und frühstücken "en passant" besprochen.
      Allein sein ist - unter anderem - manchmal auch sehr anstrengend.
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Man wird aber auch nicht ohne Grund verbittert oder grantig.

      Wenn man ständig im Leben und in der Liebe zurückgewiesen oder aus- und benutzt wird, kann man schon verbittert werden. Da helfen Therapien auch wenig.

      Auch solche grantigen, verbitterten Menschen können liebenswert sein, wenn man mal versucht sie zu verstehen und sie "ins Leben zurückholt".

      Das ist nicht so einfach.
    • @Schildkröte

      Das ist wahr: es ist nicht einfach, jemand "ins Leben zurückzuholen".

      Wie man hört, wagte es Orpheus, seine Frau ins Leben zurückzuholen. Wie Du sagst: es war nicht einfach, und er versaute es gründlich.

      Andere mußten warten, bis die Zeit erfüllt war, und die "andere Welt" sie von allein wieder frei gab. Wenn Du Christ bist, kennst Du vielleicht die Geschichte von Jona, oder vielleicht sind Dir auch die "Berichte" von Rip van Winkels, Elsa mit ihrer goldenen Schäferei, oder der Lady Morgaine bekannt, die der Legende nach ebenfalls eine ganze Reihe von Jahren "dort drüben" waren.

      Wenn einer auf diese Weise zurückkommt, hat er normalerweise einen Auftrag: er muß etwas, das er von "drüben" mitgebracht hat, zu den Menschen bringen. Es ist das Geschenk des Lebens. Wenn ich mich recht erinnere, war es z-B. bei Jona so, daß er irgendwelche Leute vor einer drohenden Katastrophe warnen mußte? Was genau das Geschenk des Lebens ist, ist aber bei jedem unterschiedlich.
      Nur beschließt manch ein Zurückgekommener, daß er in der Welt, die er nun vorfindet, nicht mehr leben möchte. Elsa zum Beispiel, ging mitsamt ihren Schafen wieder in den Frieden der jenseitigen Welt zurück.

      Inanna die Göttin wurde vom Gott der Weisheit aus ihrer Erstarrung herausgeholt. Wohlgemerkt, nachdem mehrere andere sich geweigert hatten, einen Finger für sie krumm zu machen. "Tjaaah, weißt du ...", sagte einer, "ich bekomme heute Abend Gäste und hab noch so viel vorzubereiten." Ein anderer mußte sich um seine Felder kümmern. Ein dritter gar ließ durchblicken, daß sie "ja wohl selbst schuld an ihrem Zustand" sei. Da könne man nichts machen, sagte er, nun müsse sie eben sehen, wie sie allein zurecht kam.

      Der Gott der Weisheit aber, holte sie heraus. Er gab ihr das Brot und das Wasser des Lebens.

      Diese Geschichte wurde mehrere tausend Jahre später noch einmal nachgespielt oder "erfüllt": ein Mann - man sagt er hieß Jesus - sprach: "Du wirst meine Seele nicht im Tode lassen!"

      Inanna aber, die aktiv herausgeholt worden war, kam wütend und voll des Verlangens zurück, jemanden büßen zu lassen!
      Ja, auch so kann es gehen!
      Sie besuchte reihum ihre Bekannten, die ihr aber gleich ansahen, was mit ihr los war. Klugerweise warfen sie sich vor ihr zu Boden, warfen sich in den Staub und huldigten ihr. So konnte sie ihnen nichts anhaben.
      Ihr Mann aber - eine etwas unangenehme Type - feierte gerade, daß sie "weg" war. Denn er hatte sich ihres Besitzes bemächtigt, hatte Musikanten und Weiber kommen lassen, und nahm kaum Notiz davon, daß seine Frau wieder da war.
      Das war der Kandidat! Sie richtete den Finger der Anklage auf ihn, so daß "Dämonen" ihn ergriffen, und schickte ihn buchstäblich zur Hölle!

      Liebe Schildkröte, es ist nicht einfach, jemanden ins Leben zurückzuholen.
      Würdest Du selbst es wagen?

      Liebe Grüße
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • nebenbei gelebt

      ISSI:

      Ich kann nur sagen, wie ich es selbst erlebe: wenn ich heute etwas zu besprechen habe, muß ich mich verabreden - vielleicht sogar zum Telefonieren verabreden, oder muß der Person schreiben und auf Antwort warten, oder muß mich nobel zusammenrichten und sie irgendwo in einem Café treffen ... es ist immer mit einer Menge Aufwand und Umstände verbunden.
      Als mein Mann noch lebte, haben wir diese Dinge morgens zwischen duschen und frühstücken "en passant" besprochen.
      Allein sein ist - unter anderem - manchmal auch sehr anstrengend.[/quote]
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      Genau. das ist es was oft fehlt oder dann auch eigentümlich macht..
      Die Dinge des Lebens nebenbei besprechen.Mit dem Partner, Familie...bei der Arbeit.
      Für wichtige- große Themen bekomme ich immer was-jemanden organisiert, mit dem ich oft sogar sehr persönliches bespreche.
      Auch so ein Forum kann dafür ein Ort sein.
      Die Kontakte die man darüber findet.

      Aber dieses "en passant" das fehlt.
      Oder daß da einer ist, der meine Stimmung mit bekommt-ich seine.
      Über den ich mich auch mal ärgern kann.
      Der DA ist.Mitdenkt,teil hat.
      Das fehlt.

      Aber , man kann einfach beschließen, "ein Grantler will ich nicht werden ".
      Ich will weiterhin empathisch und neugierig auf den nächsten "neuen" Menschen zu gehen, auch wenn ich gerade wieder seltsame Erfahrungen gemacht habe mit Menschen.

      Das , nicht mehr so ur-mißtrauisch zu ein, habe ich einfach aktiv beschlossen.
      Es machte mich einsam.Da beschloss ich, ich werde weiterhin wild un verwegen vertrauen.
      In den Ring werfe ich meine absolute Offenheit und Ehrlichkeit, geht es um meine Vita, meine Gedanken, Gefühle.
      Daraus entsteht manche wirklich gute Begegnung und es waren auch schon jahrelange Freundschaften dabei oder sie bestehen sogar schon sehr lange.

      Man kann nicht einem Menschen alles aufbürden.
      Also er soll mich bespaßen, für mich sorgen, auch nachts um drei Zeit Lust auf ein Gespräch haben, er soll Bescheid wissen was in meinem Haushalt grad fehlt und am besten solle er auch noch für die Kiste tauglich sein.
      Das kann einer nicht leisten.

      So habe ich meine Bedürfnisse verteilt.
      Da ist die herzensgute, loyale Freundin, die immer parat stände, die aber nicht so interessiert ist am Weltgeschehen, der politischen Lage. Die wie sie selbst sagt- "für die einfache Bildung und schlechte Kindheit die ich bekommen hab, hab ichs ganz gut gemacht".
      Stimmt.
      Da ist jemand anders, der viel Hintergrunndwissen hat, über Dinge mit denen ich mich noch nie beschäfftigte.
      Mit jemand anders schimpfe ich auf die politische Lage und die Altersarmut.
      Mit anderen treffe ich mich seit Jahren ohne Verabredung im Park und wir gehen oft stundenlang zusammen spazieren. Unsere Themen sind vielfältig; haben oft was mit Dingen die in unserer Stadt geschehen und natürlich mit unseren Viechern zu tun.
      Da ist auch irgendwo Einer, der zu erreichen ist, wenn ich ganz in Not bin oder mir mal nach mehr als itellektuellem Gesülze ist.Nach Stille, nach Berührung....

      Ich hatte nie eine lange Beziehung.Mein Kind habe ich von Anfang an alleine "gehabt" und fand das auch gut so.
      Den Erzeuger habe ich raus geworfen.

      Also es ist einfach alles im Umbruch.Klassische Familienmodelle werden nicht mehr das ein, was in Zukunft trägt.

      Und wie gesagt, ich fühle mich nicht in der Lage dem EINEN/ der EINEN alle Bedürfnisse ab zu decken und erwarte auch nicht, daß das jemand für mich kann.