Unangenehmes Gefühl beim Kontern

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  • Unangenehmes Gefühl beim Kontern

    Ich möchte euch von zwei Erlebnissen erzählen – ein Erlebnis passierte vor ca. zwei Wochen, dass andere gestern Vormittag.

    Bevor ich berichte sollte ich kurz etwas erläutern. Ich habe, wie viele User auch, schon einige verbale Attacken als dicker Mensch erlebt – diese Missbilligungen verliefen an unterschiedlichen Orten und es waren Menschen unterschiedlichsten Alters und Bildungsstands die sich taktlos mir gegenüber verhielten. Es gab eine Zeit da versuchte ich diese Anfeindungen und Beleidigungen außer Acht zu lassen. Mir gelang es zwar mehr oder weniger diese Dinge zu ignorieren, aber im Nachhinein war mir klar, dass mein Ignorieren auch eine Art der Kommunikation ist, der ich eigentlich, von meiner Art her, nicht zustimme. Aus diesem Grund wehre ich mich schon seit längerem, sachlich und unverhohlen, gegen verbale Attacken.

    Wie ich schon erwähnte bin ich bei dieser Hitze, sobald ich Zeit habe, im Freibad und zwar meistens im Wasser. Vor ungefähr zwei Wochen kam ich beim Rausgehen aus dem Wasser an einer Frau vorbei die mit ihrer ungefähr acht Jahre jungen Tochter Ball spielte. Als ich an den beiden fast vorbei war, rief das kleine Mädchen „du dicke Frau, du dicke Frau … „. Ich blieb stehen und drehte mich zu dem kleinen Mädchen um, sie schrie weiter, ich wartete und sagte dann mit ruhiger Stimme „Weißt du, es ist nicht schön was du mir hinterherrufst, es tut mir weh mit solchen Worten angeschrien zu werden. Du möchtest doch sicher auch nicht von einem Fremden angeschrien werden, nur weil diesem Menschen etwas an dir auffällt was ihm nicht gefällt“.
    Das Mädchen sah mich mit riesigen Augen an und im nächsten Moment kam die Mutter näher. Ich hatte das mulmige Gefühl „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“. Die Mutter hatte, trotz den vielen Menschen im Schwimmbad, mitbekommen was das Mädchen gerufen hatte und sagte als sie vor mir stand „Entschuldigung, es tut leid“. Im nächsten Moment drehte sich die Mutter zu ihrer Tochter um und nahm sie zu sich mit den Worten „man ruft niemand etwas hinterher, ich dachte du hättest das verstanden – man macht das nicht, denn …“ Ich ging weiter aus dem Wasser und in der Umkleidekabine angekommen, setzte mich erst einmal hin und sofort kamen mir die Tränen – ich weiß nicht genau warum, aber ich glaube es war die Aufregung durch das mulmige Gefühl das meine Tränen eine Zeitlang laufen lies.

    Gestern Vormittag auf dem Weg ins Freibad fuhr ich an einem Supermarkt vorbei, ich wollte eine Wassermelone kaufen. An den Kassen war viel los und als ich meine Melone aufs Band legte und den Warentrenner dahinter platzierte fielen mir zwei kleine Mädchen auf von denen eine tuschelnd und kichernd auf mich zeigte. Ich schaute das Mädchen an und sie schaute weg, dann drehte ich mich wieder um. Nach kurzer Zeit hörte ich die kichernde Mädchenstimme wieder, als ich mich erneut umdrehte sah ich die gleiche Situation wie vorher. Die Eltern der beiden Mädchen hatten einen riesig gefüllten Einkaufswagen und legten die Lebensmittel eifrig auf das Band. Ich sah das ältere Mädchen an und sie schaute nun nicht mehr weg, sondern keck zurück. Diesen Umstand nahm ich zum Anlass, dass ich zu ihr folgendes ruhig sagte „Es ist für mich nicht angenehm, dass du über mich lachst und mit dem Finger auf mich zeigst, lass das bitte sein“. Danach drehte ich mich wieder um, einige Sekunden später sagte der Vater zu mir „was ist denn hier los?“. Mir pochte das Herz, denn die Stimme des Mannes hörte sich offensiv an. Ich drehte mich wiederum um und sagte mit bedachter Stimme zu dem Vater „Ihre Tochter hatte sich missbilligend über meine Figur, gegenüber ihrer kleinen Schwester, geäußert und ich hatte ihr nur gesagt, dass sie das bitte seinlassen soll, da es mich verletzt ausgelacht zu werden“. Der Mann drehte seinen Kopf fragend zu der Tochter und die Tochter verneinte, wortlos mit schüttelndem Kopf, meine Aussage. Nun pochte mein Herz noch mehr, denn ich hatte Angst vor der Reaktion des Vaters. Bevor der Vater reagierte sagte ich zu dem Mädchen „ja, ich bin dick, aber nur weil jemand offensichtlich dick, groß, klein, dünn oder eine sonstige Auffälligkeit hat, braucht man sich nicht über diesen Menschen lustig zu machen“. Die Mutter bekam das Gespräch nun auch mit und sagte an die Tochter gerichtet „das hätte ich nicht von dir gedacht, dass du dich über andere Menschen lustig machst, denn wir Menschen sind alle unterschiedlich und da gibt es wirklich nichts warum du dich über andere Menschen lustig machen könntest“. Der Vater stimmte der Aussage seiner Frau zu und sagte wie unhöflich er solch ein Verhalten empfindet. Die Eltern entschuldigenden sich aufrichtig und bedankten sich zugleich bei mir, dass ich das Verhalten ihrer Tochter nicht ignoriert hatte.

    Im Nachhinein war ich froh, dass ich so reagierte, aber das mulmige Gefühl und die Angst vor der Reaktion der Eltern war mir sehr unangenehm – kann man sich dieses unangenehme Gefühl eigentlich „abtrainieren“ und wenn ja, hat jemand einen Tipp?
  • Also mit Kindern lasse ich mich niemals auf eine solche erzieherische Diskussion ein. Das ist nicht meine Aufgabe, sondern die der Eltern. Ausserdem erreiche ich damit wahrscheinlich nichts oder gar das Gegenteil. Was sie allerdings bei mir lernen ist, dass Beleidigungen und Spott auch ganz böse ins Auge gehen können. Ich bin für Kinder, die mich beleidigen, die heisse Herdplatte, an der sie lernen müssen, dass man sich verbrennen kann. Ich habe auch absolut kein schlechtes Gefühl, wenn ich mich z.B. (je nach Alter unterschiedlich) in der Öffentlichkeit hinstelle und lauthals lachend mit dem ausgestreckten Finger auf ein Kind zeige, das mich verspottet hat, und mich z.B. über dessen Haare oder Rotznase etc. auslasse. Vielleicht lernt es ja was dabei. Kinder können nichts dafür, dass sie sich so benehmen, sondern die Eltern.

    Auf eine "Fette Sau" hin von einem etwas Älteren gab's dann auch schon mal den Stinkefinger und "F.ck You du Asi!"

    Mit Erwachsenen ist es schwieriger. Wer es bis zum Erwachsenenalter nicht gelernt hat, sich tolerant zu verhalten und davon überzeugt ist, man müsse, wie auf dem Hühnerhof, die Schwächsten und diejenigen, die einfach nur anders aussehen, tothacken, der wird sich nicht mehr ändern. Und da ist auch jede Diskussion aussichtslos.

    Was ich den Leuten sage, bei denen ich eine Konfrontation nicht vermeiden kann, ist etwa: Du findest mich hässlich? ... Weisst Du, Du bist noch viel hässlicher als ich. Das hat aber mit Deinem Äusseren nichts zu tun.

    Ein schlechtes Gefühl habe ich wirklich nicht in dem Moment. Im Gegenteil!
  • Balou schrieb:

    Also mit Kindern lasse ich mich niemals auf eine solche erzieherische Diskussion ein. Das ist nicht meine Aufgabe, sondern die der Eltern. Ausserdem erreiche ich damit wahrscheinlich nichts oder gar das Gegenteil.
    Ich bin da anders, denn ich sehe in einem lästernden Kind einen heranwachsenden Menschen und wenn ich mich, wie bei einem erwachsenen Menschen auch, höflich und sachlich zu einer mir aufgefallen Sache äußere, dann ist das in Ordnung. Wenn es mir nun passieren würde, dass mich Eltern, nur weil ich ihrem Kind sage, dass sein Verhalten mich verletzt hat, übelst beschimpfen oder schlimmeres, dann ist das halt so.

    Was sie allerdings bei mir lernen ist, dass Beleidigungen und Spott auch ganz böse ins Auge gehen können. Ich bin für Kinder, die mich beleidigen, die heisse Herdplatte, an der sie lernen müssen, dass man sich verbrennen kann. Ich habe auch absolut kein schlechtes Gefühl, wenn ich mich z.B. (je nach Alter unterschiedlich) in der Öffentlichkeit hinstelle und lauthals lachend mit dem ausgestreckten Finger auf ein Kind zeige, das mich verspottet hat, und mich z.B. über dessen Haare oder Rotznase etc. auslasse.
    Niemals würde ich mit ausgestrecktem Finger auf ein Kind zeigen und über dieses Lachen, egal wie beleidigend dieses vorher zu mir war. Ich lebe nach dem Motto „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu“ und das gilt bei mir für erwachsene Menschen wie auch für heranwachsende Menschen.
  • Und genau das, was Du in Deinem letzten Satz sagst, lernen sie von mir. Die heisse Herdplatte ist auch nicht sanft und freundlich, aber sie funktioniert ein Leben lang. Und zwar sehr viel besser und nachhaltiger, als jede Ermahnung, sei sie auch noch so höflich formuliert und auch noch so liebevoll gemeint.
  • hallo Bircan,

    der erste Fall ist klar, aus meiner Sicht gut gelaufen. ich finde auch , dass man fremden Kindern was sagen darf.
    Ich mische mich zum Beispiel immer ein, wenn ich denke, dass gerade ein Tier gequält wird. Aber ich schimpfe nicht, ich versuche Empathie zu wecken, doch gleichzeitig auch klar zu machen, das das Verhalten nicht toleriert wird.
    Leider bekomme ich aber auch manchmal m Kontra von den Eltern, das ist mir aber wurst, Tiere sind es mir wert.
    Tiere sind es wert und man selber sollte es gerade recht wert sein.

    Der zweite Fall
    " Der Mann drehte seinen Kopf fragend zu der Tochter und die Tochter verneinte, wortlos mit schüttelndem Kopf, meine Aussage"
    da bin ich mir unsicher.
    Denn was - wenn die Mädels wirklich wegen was anderem getuschelt haben? Vielleicht waren sie in einem Spiel und du warst gerade die böse Hexe oder so was....
    wie gesagt, solange es die Möglichkeit gibt, dass es sich NICHT um einen Angriff handelt, fühle ich mich nicht angegriffen. Es wird noch unangenehmer:
    "
    Die Mutter bekam das Gespräch nun auch mit und sagte an die Tochter gerichtet „das hätte ich nicht von dir gedacht, dass du dich über andere Menschen lustig machst, denn wir Menschen sind alle unterschiedlich und da gibt es wirklich nichts warum du dich über andere Menschen lustig machen könntest“.."

    Das heißt, das Mädchen wurde auch noch beschämt - drei Erwachsene gegen einen und die Tat ist eigentlich nicht erwiesen.... DAS ist wirklich unangenehm und ja, mir wäre es mulmig, aber NICHT aus Angst vor der Reaktion der Eltern. Es ist mehr: Wenn das MEINE Tochter gewesen wäre, hätte ich sie auch gefragt:
    "Sti,mmt das, dass du die Frau ausgelacht hast?"
    Doch hätte sie verneint, hätte ich dir sagen müssen:
    "Es tut mir sehr Leid, doch mein Kind lügt mich nicht an. Es muss sich um ein Missverständnis handeln."

    liebe Grüße Lisa
    Für jedes komplexe Problem
    gibt es immer eine einfache Antwort,
    die klar ist, einleuchtend und falsch.


    H.L. Mencken
  • Meine Einschätzung ist ziemlich ähnlich zu der von Lisa.
    Wie ich mit solchen Situationen umgehe hängt sehr von meiner psychischen Tagesverfassung ab.
    Wenn ich einigermaßen gut "bei mir"bin ,
    gelingt es mir manchmal erstmal ruhig und interessiert nachzufragen:
    "Hast Du gerade mich gemeint? Was genau war denn lustig?..."
    Bis dann Antworten kommen, sind die Eltern meist schon aufmerksam geworden.
    Bircan, Du bist doch Mutter, wenn ich das richtig im Kopf habe,oder?
    Was hättest Du getan, wenn eine wildfremde Frau Deine Tochter belehrt hätte, ohne vorher mit Dir als Mutter in Kontakt zu treten..?
    Die Mutter sieht ihr Kind doch erstmal "bedroht"
    Und ist logischerweise zunächst loyal mit dem Kind.
    Diese Abwehr/bzw das Erwarten einer solchen finde ich normal-
    und je nach Naturell kann es ja durchaus zu heftigen Reaktionen kommen.
    Ich finde Du hast echt Glück gehabt auf solch vernünftige und besonnene Eltern zu treffen.
    Hier in meiner Gegend wäre die Chance Krawall auszulösen ziemlich hoch
    (wohne allerdings auch in einem sozialen Brennpunkt)
    Ich finde es für mich ganz wichtig im Falle von "Beleidigungen" durch Kinder erstmal kurz in mich zu gehen und nochmal zu checken ob es nicht auch andere Interpretationen der Situation gibt.
    Ich unterstelle zumindest bei mir, daß gerade diese sensible Thematik,
    aufgrund meiner Verletzbarkeit manchmal meine Urteilsfähigkeit einschränken kann.
    "Du bist dick." ist ja zunächst mal nichts anderes als eine korrekte Feststellung....
    Auch ich versuche jedem Kind auf "Augenhöhe" d.h. respektvoll zu begegnen. Einen Erwachsenen frag ich ja auch was das soll..
    Natürlich gelingt mir dies nicht immer! (leider)
    Ich bemühe mich, mich erwachsen zu benehmen auch und gerade bei Kindern, die offensichtlich nur wenig soziale Kompetenzen von ihren Eltern mitbekommen haben.
    @Balou
    Ich käme selbst an meinen hypersensibelsten Tagen NIEMALS auf die Idee aus erzieherischen Gründen die HEISSE HERDPLATTE für ein KIND sein zu wollen!:eek:
    Das ist übelste "schwarze Pädagogik"!:mad:
    Da sitzt ne Ü50jährige im Sandkasten und haut mit der Schüppe zurück wenn sie vorher was abgekriegt hat???
    Öffentliche Demütigung eines Kindes??? ....ichfassesnicht...:confused:
    Hast Du Dir das wirklich gut überlegt??

    Beleidigungen von Erwachsenen begegne ich auch anders.
    Aber das ist ja nicht Thema dieses Threads.

    Nochmal kurz zu Deiner Ausgangsfrage, Bircan:
    Nein ich glaube nicht, daß man sich dieses mulmige Gefühl abtrainieren kann
    und sogar nach meiner Einschätzung auch nicht sollte!
    Man weiß nie wie gereizt z.B. sonne Tigermutter reagiert wenn sie vermeintlich oder tatsächlich ihr Junges bedroht sieht.
    In meiner Phantasie könntest Du auch so eine sein...,oder?? ;)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Margarete () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • @Bircan ... ich finde deine Reaktionen gut. Du wirst es - im 2. Fall - sicherlich richtig eingeschätzt haben, also dass die Mädchen dich und deine Figur gemeint haben.

    Ich würde mich in so einem Fall auch eher zurückhaltend verhalten. Ich würde diejenigen direkt und interessiert angucken - meist merken sie dann schon, dass sie sich nicht ok verhalten haben. Ansonsten spreche ich sie eher an in der Art "Ist irgendwas?"

    Stinkefinger zeigen o.ä. käme mir nicht in den Sinn - so ein Niveau habe ich nicht und auf ein solches möchte ich mich auch nicht herablassen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich so derbe auch noch nicht angegegangen bin - das hängt vermutlich auch damit zusammen, in welcher Gegend man sich bewegt. Auf dem platten, katholischen Lande wie hier ist es sicherlich anders als in einem sozialen Brennpunkt einer großen Stadt.
    Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
  • @ Margarete

    Häääh? "Schwarze Pädagogik"?

    Ja genau. Ich setze Kinder am aller liebsten über Jahre hinweg psychischem Terror aus um ihren Willen zu brechen und sie zu willenlosen Befehlsempfängern zu machen. ... Lies doch bitte nochmal die Definition nach. Danke.

    Kinder, die sich trauen, öffentlich Erwachsene zu beleidigen, haben nicht verstanden, was man ihnen zum Thema Höflichkeit und Toleranz versucht hat zu erklären - wenn überhaupt. Oder sie haben es verstanden und testen die Grenzen aus. Vielleicht auch unter Gruppenzwang, was im vorliegenden Fall wohl nicht zutrifft.

    Man kann ein Kind hundert mal ermahnen, es soll doch bitte lieb sein und den Hund nicht am Schwanz oder an den Ohren ziehen, weil er beissen könnte. Es soll doch bitte nicht die Katze quälen, weil sie kratzen könnte. Es soll doch bitte niemanden beleidigen. Wirklich begreifen - wirklich begreifen - kann ein Kind das nicht. Es wird also nicht damit aufhören, bis der Hund es zwickt (der dann der schlechte Hund ist) und ihm damit sagt "Stopp!". Da ist die Erfahrung der beste Lehrmeister. Künftig wird es also vorsichtiger sein.

    Welche Optionen hätte ich denn, wenn ich von einem Kind beleidigt werde?

    - Garnichts tun, den Kopf und die Schultern einziehen, wegrennen, mich verstecken, nach Hause laufen und - mich mit Schokolade trösten.

    - Dem Kind einen pädagogischen Vortrag halten? Mit erhobenem Zeigefinger? Obwohl ich keinerlei Autorität dazu habe und deswegen aus Angst vor den Eltern weiche Knie kriege? Und bei dem Kind nichts erreiche ausser vielleicht "was will denn die dicke, alte Frau"? Und dann wegrennen, mich verstecken, heulen? ... Nach Hause laufen und - mich mit Schokolade trösten?

    - In die Schule oder zur Polizei rennen, wie es ein Nachbar tut? Mit dem Resultat, dass die Kids ihm noch mehr Dreck ans Fenster und Steine aufs Auto schmeissen?

    Nö. Da bin ich lieber weiter die Verrückte, die Kinder mit den möglichen Konsequenzen ihres Verhaltens konfrontiert.
  • Andra1963 schrieb:

    @Bircan ... ich finde deine Reaktionen gut. Du wirst es - im 2. Fall - sicherlich richtig eingeschätzt haben, also dass die Mädchen dich und deine Figur gemeint haben.
    Erst einmal muss ich mich entschuldigen, denn ich habe heute leider wenig Zeit und daher nur eine sehr kurz Antwort.

    Im zweiten Fall, also im Supermarkt war es ganz klar auf meinen dicken Po und die dicken Beine bezogen, denn das ältere Mädchen machte mit seinen Händen solch eindeutige Bewegungen … es war hundertprozentig klar.

    Kurz noch so viel, ich bin nicht jemand der auf die "Zeichen" von Kindern achtet, denn Kinder machen so viele faxen und daher beachte ich prinzipiell Kinder nicht - eigentlich beobachte ich niemanden, denn ich finde es nicht höflich andere zu beobachten, weder im Auto sitzend, noch aus einer anderen vermeintlich sicheren Position heraus, dass nur nebenbei.

    Danke für die rege Diskussion, ich werde mir die Beiträge noch genau durchlesen und darauf antworten!
  • ... und daher beachte ich prinzipiell Kinder nicht ...
    Weisst Du, Kinder merken das. Schau ihnen doch lieber freundlich in die Augen und lächle sie an. Dann bist Du nicht nur die "dicke Frau", sondern die "nette, dicke Frau". Und wirst nicht beleidigt.
  • Balou schrieb:

    Weisst Du, Kinder merken das. Schau ihnen doch lieber freundlich in die Augen und lächle sie an. Dann bist Du nicht nur die "dicke Frau", sondern die "nette, dicke Frau". Und wirst nicht beleidigt.

    Das beachten bezog ich im Text auf "beobachten" - und bestimmt laufe ich nicht umher und grinse grundlos Kinder an, nur um nicht beleidigt zu werden. Wenn ich mit Kindern lächele, oder Kinder anlächele, dann aus einem Grund heraus.
  • ... und bestimmt laufe ich nicht umher und grinse grundlos Kinder an, nur um nicht beleidigt zu werden. Wenn ich mit Kindern lächele, oder Kinder anlächele, dann aus einem Grund heraus
    Das ist eine Sache der Lebenseinstellung, denke ich. Ich brauche keinen Grund, Kinder "anzugrinsen". Ich lächle sie an, ich zwinkere ihnen zu, ich spreche sie an. Ich mag Kinder. Alle. Und ich freue mich, wenn sie darauf reagieren. Manche verstecken sich hinter dem Bein der Mama, andere schauen mich mit grossen, überraschten Augen an und andere lächeln zurück. Da geht die Sonne auf. Ich liebe Kinder,

    aber ich lasse mich nicht von ihnen beleidigen.
  • Ich verstehe beide Einstellungen, gehe aber trotzdem mehr mit Bircan konform.
    Wie ein Kind eine Zurechtweisung aufnimmt, liegt an dem Kind. Mich hat es immer nachhaltiger beeindruckt, wenn ein Erwachsener (nicht Eltern) vernünftig mit mir geredet hat, als wenn ich angemacht wurde.

    Kinder reflektieren, was sie gelernt haben. Auge um Auge finde ich hier absolut deplatziert, das geht garnicht für mich und entspricht auch nicht meinem Wesen.
    Viele Grüße

    Andrea


    ###############
    Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
    Naguib Mahfouz
  • Was ich noch ergänzen wollte:
    es steht mir als Fremdem einfach nicht an, anderer Leute Kinder zu erziehen/"die Herdplatte" zu machen. Wohl aber darf ich freundlich mitteilen, wie das Verhalten auf mich wirkt.
    Ich denke, da ist durchaus ein Unterschied.
    Viele Grüße

    Andrea


    ###############
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    Naguib Mahfouz
  • [FONT=Verdana, sans-serif]@Bircan[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Bitte entschuldige wenn ich mich im folgenden nochmals „off topic“[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]äussern „muß“.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Diese altestamentarische „Auge um Auge“-Haltung (von Balou), verbunden mit der Vorstellung ein Kind könne daraus lernen,
    kann und will ich nicht unwidersprochen lassen.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Da geht es mir ähnlich wie Dir mit der AC...[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ich gelobe aber Besserung und werde danach nur noch themenbezogen posten.[/FONT]


    [FONT=Verdana, sans-serif]@Balou[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Selbstverständlich habe ich mich mit dem Thema „Schwarze Pädagogik“ beschäftigt und bleibe bei meiner Aussage.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ich empfehle zu diesem Thema Alice Miller statt der plakativen Reduktion auf reisserische Boulevardmedien.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ich habe leider immer mehr den Eindruck, daß Du weder Deine eigenen Texte genügend reflektierst,[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]noch die Texte Anderer mit der ihnen zustehenden Aufmerksamkeit liest.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif](z.B. sprach Lisa nicht von Drohungen/Warnungen vor Bissen und Kratzern,[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]sondern von Emphatie /Mitgefühl für das gequälte Tier)[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Eine HEISSE HERDPLATTE !
    (DEIN Bild, DEINE mit Stolz vorgebrachte Beschreibung) kann -im schlimmsten Fall-
    die sensible Haut eines Kindes unwiederbringlich zerstören und lebenslange Narben erzeugen.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ein Klassiker von Alice Miller heißt übrigens „Du sollst nichts merken“.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Merkst Du noch was??[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Diese Frage ist aber rein rethorisch.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ich werde in der nächsten Zeit Deine mir unverständlichen „Kapriolen“ einfach ignorieren. [/FONT]
  • Balou schrieb:

    Weisst Du, Kinder merken das. Schau ihnen doch lieber freundlich in die Augen und lächle sie an. Dann bist Du nicht nur die "dicke Frau", sondern die "nette, dicke Frau". Und wirst nicht beleidigt.


    Warum muss man denn eine "nette, dicke Frau" sein ... warum muss man sich vor Kindern unwohlfühlen und irgendwas tun, damit sie einen nicht beleidigen???

    Irgendwas ist doch daran falsch!?
    Man will doch einfach durchs Leben gehen, ohne sich über so einen Quark zu ärgern?

    Deshalb bleibt nur eines - auch wenn es schwer fällt:
    An sich zu arbeiten und das einfach nicht so sehr zu beachten - irgendwann schafft man es und man merkt, dass man es einfach weniger wahrnimmt und blöden Situationen nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenkt. Das raubt alles nur Lebensenergie (und damit meine ich nicht nur dumme Kommentare der lieben Mitmenschen - sondern auch andere Dinge, die einen nerven/ärgern und die man nicht ändern kann!)

    Je mehr ich auf so was reagiere, desto mehr Raum und Gewicht gebe ich der unerfreulichen Situation! Gleich *schütteln und wegwerfen* wäre die sinnvollere Alternative - jedenfalls habe ich das so gelernt.
    Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
  • Andra1963: Einerseits hast du recht, man sollte nicht so viel an sich ranlassen. Andererseits: wer schweigt, duldet. Und dulden will ich nicht mehr, das habe ich viel zu lange. Es solle gesagt werden dürfen, wenn man sowas bemerkt und nicht ok findet. Im angemessenen Rahmen.
    Viele Grüße

    Andrea


    ###############
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    Naguib Mahfouz
  • [FONT=Verdana, sans-serif]@Bircan[/FONT]


    [FONT=Verdana, sans-serif]Die Erforschung der Ursache für das mulmige Gefühl nachdem man/frau ;)
    ein Kind mit seinen Gefühlen konfrontiert hat, finde ich echt spannend.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ich korrigiere mich:[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Die Ursache für das mulmige Gefühl hast Du ja schon beschrieben.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Die „Angst“ vor der Reaktion der Eltern.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Diese „Angst“ ist ja durchaus begründet.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Du mischt Dich -in der Wahrnehmung vieler Eltern- in ihre Erziehungsangelegenheiten ein...[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Indem Du ihr Kind mit Deinen Gefühlen/Deiner Verletztheit konfrontierst gibst Du aber auch etwas sehr Persönliches preis.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Du agierst in diesem Moment mit „offenem Visier“ und Dein Instinkt warnt Dich vor drohender Gefahr.[/FONT]


    [FONT=Verdana, sans-serif]Meine Theorie zu der Frage ob und wie Du das unangenehme Gefühl vermeiden kannst ist:[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Vermeidung/ignorieren/abtrainieren wäre aller Wahrscheinlichkeit nach kontraproduktiv.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif](ich weiß: nicht das was Du gerne hören möchtest, sorry)[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Ich vermute die Eltern konnten genau wegen Deiner Skrupel/“Ängstlichkeit“[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]mit Deiner vermeintlichen „Einmischung“ konstruktiv statt abwehrend umgehen.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Du warst WAHRHAFTIG , Du hast Dich getraut Deine Gefühle offensiv und erwachsen zu formulieren.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Mit „offenem Visier“ in eine Situation zu gehen ist eine äusserst schwierige Übung.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Das kostet enorm viel Kraft und deshalb finde ich ein paar Entlastungstränen total verständlich.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Die Anspannung fordert ihren Tribut.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]OHNE das Mitschwingen Deines inneren Ringens wäre Dein Anliegen [/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]-meiner Vermutung nach- deutlich weniger freundlich aufgenommen worden.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Dein Mut wurde belohnt. CHAPEAU![/FONT]
  • BUFFY schrieb:

    ich habe immer gedacht (gelernt) Auge um Auge und
    Zahn um Zahn sei damals ein Fortschritt gewesen, statt
    sofort zu töten dürfe dem anderen nicht mehr zugefügt werden,
    als er/sie einem selbst zugefügt habe.


    ja richtig. Die Betonung liegt auf " damals".
    " Auge um Auge" hat die maßlose Blutrache verhindert, die ganze Sippen ausgelöscht hat
    Dann aber kam Jesus mit " die andere Wange hinhalten".
    Für jedes komplexe Problem
    gibt es immer eine einfache Antwort,
    die klar ist, einleuchtend und falsch.


    H.L. Mencken
  • Balou schrieb:

    Und genau das, was Du in Deinem letzten Satz sagst, lernen sie von mir. Die heisse Herdplatte ist auch nicht sanft und freundlich, aber sie funktioniert ein Leben lang. Und zwar sehr viel besser und nachhaltiger, als jede Ermahnung, sei sie auch noch so höflich formuliert und auch noch so liebevoll gemeint.
    Stimmt man kann durch Schmerz sehr schnell lernen – lege deine Hand auf die Herdplatte und du machst es nie wieder. Man lernt durch Strafe/Schmerz nur was man nicht tun sollte, du lernst nicht wo es lang geht und welchen Weg du für dich einschlagen solltest, weil du davon überzeugt bist oder vielleicht auch überzeugt wurdest, dafür benötigen (junge) Menschen einen positiven Einfluss. Ich bin der Meinung, dass ich den ersten Schritt machen muss, wenn ich möchte, dass man mit mir höflich umgeht und nur das fordere ich auch ein. Es ist Jahre her da bin ich an einer Bank mit Jugendlichen vorbei gekommen und die Kids haben fiese Sprüche losgelassen und auch da blieb ich stehen und sagte freundlich aber bestimmt, dass mir dieses Verhalten wehtut und das Menschen nicht so miteinander umgehen sollten. Zwei der vier Kids haben, vielleicht auch eher beschämt, trotzdem weiter gelacht, ich ging weiter im festen Glauben daran, dass die Jugendlichen sehr wohl etwas aus meinem Verhalten gelernt haben.

    Lisa Cortez schrieb:

    Ich mische mich zum Beispiel immer ein, wenn ich denke, dass gerade ein Tier gequält wird. Aber ich schimpfe nicht, ich versuche Empathie zu wecken, doch gleichzeitig auch klar zu machen, das das Verhalten nicht toleriert wird.
    Ich kann mich dazu an eine Situation mit unserer Tochter erinnern. Unsere Tochter war noch sehr klein da sah ich sie im Garten wie sie Spinnen tötete. Ich ging zu ihr und frage sie was sie da macht und warum – sie sagte, dass die Spinnen eklig sind und sie diese deshalb kaputt macht. Im ersten Moment war ich geschockt, aber ich wusste das dieses Verhalten durch unsere Großeltern kam. So saugt und zertritt meine Mutter jede Spinne die ihr über den Weg läuft. Ich nahm mir eine Spinne in die Hand und setzte mich mit meiner Tochter auf den Boden und erklärte ihr, dass diese Spinne vielleicht eine Mama ist, oder ein Papa und das sie vielleicht auch Kinder hat die auf sie Zuhause warten. Meine Tochter sah mich mit riesigen Augen an und seit diesem Tag „rettet“ unsere Tochter jede Spinne vor Staubsaugern, schlagenden Zeitungen oder ähnlichem. Noch heute erzählt mir meine fast dreißigjährige Tochter von dieser kleinen Geschichte die ich ihr im Garten, als sie ganz klein war, erzählte.
    Wenn das MEINE Tochter gewesen wäre, hätte ich sie auch gefragt:
    "Sti,mmt das, dass du die Frau ausgelacht hast?"
    Doch hätte sie verneint, hätte ich dir sagen müssen:
    "Es tut mir sehr Leid, doch mein Kind lügt mich nicht an. Es muss sich um ein Missverständnis handeln."
    Das wäre auch in Ordnung gewesen, denn ich hätte in solch einem Moment niemals darauf bestanden „Recht“ zu haben, dem Mädchen wäre diese Situation eh schon peinlich genug gewesen.

    Margarete schrieb:

    Die Mutter sieht ihr Kind doch erstmal "bedroht"
    Und ist logischerweise zunächst loyal mit dem Kind.

    Wie oben bei Lisa schon gesagt, dass wäre auch in Ordnung gewesen, denn ich hätte dem Mädchen gesagt was ich empfand und nur darum ging es mir. Ich wollte die Mutter nicht ansprechen, da ich ein Kinder nur ab einem gewissen Alter anspreche und jüngere Kinder offen fragen ohne beleidigenden Unterton.
    Hier in meiner Gegend wäre die Chance Krawall auszulösen ziemlich hoch
    (wohne allerdings auch in einem sozialen Brennpunkt)
    Ich finde es für mich ganz wichtig im Falle von "Beleidigungen" durch Kinder erstmal kurz in mich zu gehen und nochmal zu checken ob es nicht auch andere Interpretationen der Situation gibt.
    Ich hatte einmal in einer Großstadt gewohnt und dort im dem "Topp-Sozialbrennpunkt". Dort hatte ich ein Erlebnis mit einem kleinen Jungen, aber da hätte ich nichts gesagt, denn der Vater lief angetrunken neben dem Jungen her. Du hast vollkommen Recht, denn mir ist es auch schon passiert, dass ich zuerst dachte jemand hätte über mich gelästert und im Nachhinein musste ich erkennen, dass die Leute sich über etwas anderes unterhielten und dementsprechend lachten.
    "Du bist dick." ist ja zunächst mal nichts anderes als eine korrekte Feststellung....
    Mich hatte einmal ein Kind aus einer Kindergartengruppe im Wald gefragt "warum hast du so dicke Beine?" - ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn ein Kind solch eine Frage stellt.
    Nochmal kurz zu Deiner Ausgangsfrage, Bircan:
    Nein ich glaube nicht, daß man sich dieses mulmige Gefühl abtrainieren kann
    und sogar nach meiner Einschätzung auch nicht sollte!
    Man weiß nie wie gereizt z.B. sonne Tigermutter reagiert wenn sie vermeintlich oder tatsächlich ihr Junges bedroht sieht.
    In meiner Phantasie könntest Du auch so eine sein...,oder?? ;)
    Danke für deine Einschätzung und zu deiner "Tigermutter-Frage" - ja ich bin und war immer eine kämpferische Mama, aber ich kämpfte immer mit Verstand … oder fast immer ;)

    Balou schrieb:

    Das ist eine Sache der Lebenseinstellung, denke ich. Ich brauche keinen Grund, Kinder "anzugrinsen". Ich lächle sie an, ich zwinkere ihnen zu, ich spreche sie an. Ich mag Kinder. Alle. Und ich freue mich, wenn sie darauf reagieren. Manche verstecken sich hinter dem Bein der Mama, andere schauen mich mit grossen, überraschten Augen an und andere lächeln zurück. Da geht die Sonne auf. Ich liebe Kinder,

    aber ich lasse mich nicht von ihnen beleidigen.
    Für mich ist das keine Sache der Lebenseinstellung, ich mag Menschen und dabei unterscheide ich nicht in Babys, Kinder, Erwachsene oder Alte.
    Ich passe mein Verhalten gegenüber Kindern sehr wohl ihrem Alter an. Meine Geschichte im Anfangsbericht handelt weder von Kleinkindern noch von Kindern in der frühen Kindheit. So lächle ich, wie die meisten Menschen auch, bei einem Kleinkinder zurück, wenn sie ihre „Lachphase“ haben. Kinder in der frühen Kindheit sind oft schüchtern und wenn man sie anlacht, dann verstecken sie sich. Ich gehöre nicht zu den Frauen die diese Kinder anlachen, denn solch ein schüchternes Verhalten wirkt auf mich nicht so, als ob sie das Anlächeln von Fremden genießen würden und deshalb lasse ich es sein. Im Übrigen beleidigen Kleinkinder und Kinder in der frühen Kindheit noch nicht, sie sagen was sie denken „warum hast du dicke Beine“ - „warum bist du so dick?“ und auf solch ein Verhalten würde ich niemals reklamierend reagieren.

    Andra1963 schrieb:

    Warum muss man denn eine "nette, dicke Frau" sein ... warum muss man sich vor Kindern unwohlfühlen und irgendwas tun, damit sie einen nicht beleidigen???
    Du hast vollkommen Recht :daumen:

    Allgemein noch zu diesem Thema: Mir geht es nicht um die Beweisbarkeit der wirksamsten Form von Pädagogik, denn darum streiten sich schon die Fachleute genug. Ich weiß von dieser Problematik, denn mein Mann arbeitet mit „schwer erziehbaren“ Jugendlichen und gilt in seinem Team als „Kuschel-Pädagoge“, denn er hält sich, laut der Kollegen-Meinung, zeitlich zu viel mit den Jugendlichen auf und redet lieber als zu „strafen“.

    Es macht für mich auch einen Unterschied ob ich einem erwachsenen Menschen Konter gebe, oder einem jungen oder jüngeren Menschen – ich versuche die gesamte Situation nicht aus dem Auge zu verlieren, wenn ich etwas erwidere, oder jemand wegen etwas anspreche.
  • Margarete schrieb:

    Die „Angst“ vor der Reaktion der Eltern.
    [FONT=Verdana, sans-serif]Diese „Angst“ ist ja durchaus begründet.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Du mischt Dich -in der Wahrnehmung vieler Eltern- in ihre Erziehungsangelegenheiten ein...[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Indem Du ihr Kind mit Deinen Gefühlen/Deiner Verletztheit konfrontierst gibst Du aber auch etwas sehr Persönliches preis.[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Du agierst in diesem Moment mit „offenem Visier“ und Dein Instinkt warnt Dich vor drohender Gefahr.[/FONT]

    Ich wollte nun noch auf diesen Beitrag antworten, denn gestern Abend hatte ich diesen Beitrag leider überlesen. Du hast vollkommen Recht, denn es wäre sehr aufschlussreich genau zu verstehen, warum ich eine starke Aufregung verspüre, wenn ich mich für mich selbst einsetzte. Ich kann das mit dem „offenen Visier“ sehr gut nachvollziehen, wenn ich mich etwa gegenüber einem Arzt für mich einsetzte, habe ich ebenso ein solch unangenehmes Gefühl. Bei solchen Situationen habe ich das Gefühl, dass meine Stimme hell und piepsig wird, aber mein Mann hatte mir schon mehrfach und glaubhaft versichert, dass ich gerade in solchen Situationen vollkommen ruhig und sachlich bin … aber ich fühle mich im Inneren nicht so :-o
    [FONT=Verdana, sans-serif]Meine Theorie zu der Frage ob und wie Du das unangenehme Gefühl vermeiden kannst ist:[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Vermeidung/ignorieren/abtrainieren wäre aller Wahrscheinlichkeit nach kontraproduktiv.[/FONT]
    Ich weiß, dass mein Verhalten für mich richtig und wichtig ist. Es gibt auch bei mir Situationen da sage ich nichts und ignoriere, obwohl es vielleicht angebracht gewesen wäre, in diesem Moment etwas zu sagen.
    Vor ungefähr einem halben Jahr war ich in einem Wartezimmer einer HNO-Praxis. Die Praxis war zu diesem Zeitpunkt bis fast auf den letzten Stuhl besetzt. In das Wartezimmer kamen ein junger Mann etwa Mitte Zwanzig und seine Mutter. Der Sohn wurde von der Mutter permanent und lautstark dirigiert - der Sohn war sichtlich und sprachlich nicht behindert. Ich war zu dieser Zeit in ein spannendes Buch vertieft und verlor daher, mehr oder weniger, Zeit und Raum, aber hören konnte ich dennoch die lautstarke Mutter. Da sich die Mutter gegenüber mit ihrem Sohn hingesetzt hatte, fiel mir auf wie sie plötzlich aufstand, ohne das jemand aufgerufen wurde und ihren Sohn barsch aufforderte sich ein paar Stühle weiter mit ihr hinzusetzen. Die Mutter setzte sich und zugleich sagte sie, unverhältnismäßig laut für ein Wartezimmer, „boah, hat die Frau dicke Beine“. Keine Ahnung warum, aber im ersten Moment wollte ich schon fast loslachen, denn diese Frau hatte sichtlich so viele Probleme mit ihren Manieren, da wäre jeder Hinweis meinerseits zwecklos gewesen.
  • Bircan: ... kann man sich dieses unangenehme Gefühl eigentlich „abtrainieren“ und wenn ja, hat jemand einen Tipp?
    [FONT=Verdana, sans-serif]Magarete : Meine Theorie zu der Frage ob und wie Du das unangenehme Gefühl vermeiden kannst ist:[/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]Vermeidung/ignorieren/abtrainieren wäre aller Wahrscheinlichkeit nach kontraproduktiv.[/FONT]

    Margarete schrieb:


    [FONT=Verdana, sans-serif]OHNE das Mitschwingen Deines inneren Ringens wäre Dein Anliegen [/FONT]
    [FONT=Verdana, sans-serif]-meiner Vermutung nach- deutlich weniger freundlich aufgenommen worden.[/FONT]


    Bircan schrieb:


    Ich weiß, dass mein Verhalten für mich richtig und wichtig ist. Es gibt auch bei mir Situationen da sage ich nichts und ignoriere, obwohl es vielleicht angebracht gewesen wäre, in diesem Moment etwas zu sagen.


    Bin mir grad nicht sicher ob wir uns verstanden haben....?:ueberleg:
    In Deinem Eingangspost hab ich Dich so verstanden, daß Du Dich/uns fragst ob man sich dieses (mulmige)Gefühl
    daß bei dem (offensiven) Verhalten entsteht abtrainieren kann...
    Ich halte dieses Gefühl für sinnvoll (weil Dich beschützend)
    und letztendlich auch konstruktiv, weil es in der Auseinandersetzung unterschwellig "mitschwingt"
  • Margarete schrieb:

    Bin mir grad nicht sicher ob wir uns verstanden haben....?:ueberleg:
    Ich glaube ich habe dich richtig verstanden, mich wohl kompliziert ausgedrückt. Eigentlich wollte ich die Gegenfrage stellen, warum ich auch in „nicht gefahrvollen Situationen“ wie etwa bei einem Arzt die selben unangenehmen Gefühle habe, wenn ich Kontra gebe … vielleicht macht dabei auch Übung den Meister?