Psychiatrie damals und heute

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    • Psychiatrie damals und heute

      Im Sommertheater Stockerau wurde das Stück „Einer flog über das Kuckucksnest“ aufgeführt und danach diskutieren Betroffene und Experten über das Thema „Psychiatrie damals und heute“.

      Der österreichische Kabarettist Karl Ferdinand Kratzl sagt abschließend „Ich würde mir wünschen, dass wir alle unsere Schattenseiten kennen, schätzen und ausleben können." Die ständige Scheinheiligkeit, Selbstbelügerei und gegenseitiges Misstrauen seien ungesund. Schließlich habe jeder sein "Pinkerl" zu tragen. Man muss nur sehen, wie man damit umgeht und sich mit sich selbst versöhnen: Es ist gut, was ist. Mehr Selbstakzeptanz wäre ein Lichtblick."

      Ich finde den Bericht sehr gut und wen dieses Thema interessiert KLICKKLACK

      P.S. Die Romanvorlage stammt von Ken Kesey, der selbst 1959 Erfahrungen machte als Aushilfe in einer Psychiatrieabteilung wodurch er animiert wurde, dieses Werk zu schreiben. Ich kenne den Roman nicht, aber den Film von 1975 mit Jack Nicholson und er ist, in meiner DVD-Sammlung, einer meiner Lieblingsfilme.
    • Kenn das Ganze ja auch sehr gut aus eigener Erfahrung:
      - Natürlich ist es nicht so wie im "Kuckucksnest". Eigentlich war das Bild der Psychiatrie schon in den Siebzigern, als der Roman erschien , veraltet - der Autor beschreibt seine Erfahrungen aus den Fünfzigern.
      - es ist aber doch zu sagen, dass fehlende Machtkontrolle und fehlende Transparenz unheimlich leicht zu Machtmissbrauch führen. Daran hat sich meines Erachtens kaum etwas geändert.

      Wer sich für Romane interessiert, die die heutige Psychiatrie wiederspiegeln,
      dem empfehle ich den Sammelband

      Entzweiungen und Begegnungen , Anthologie, herausgegeben von Use GmbH

      die Autoren sind alles Betroffene

      und den Bericht "Morgen bin ich ein Löwe" von Arnhild Lauveng


      Mit freundlichen Grüßen Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Meine eigenen Psychiatrie-Erfahrungen stammen aus den 80er-Jahren, und vor kurzem als Beobachter des Psychiatrie-Aufenthaltes meiner Schwiegermutter. Was mich damals am meisten gestört hat, und was seitdem meiner Wahrnehmung nach sogar noch schlimmer geworden ist, ist diese Unpersönlichkeit. Machtmissbrauch oder so habe ich jetzt nicht mitgekriegt, vielleicht war das aber auch Zufall. Ich finde jedenfalls diese 0-8-15-Massenabfertigung so erschreckend. Keine Zeit, keine Zuwendung, Pillen und Schema F, gerade, wenn man Geduld und Zuwendung am nötigsten hätte. Kein Eingehen auf persönliche Eigenheiten, keine Antwort auf Fragen, ratzfatz wird man abgefertigt, bevor man auch nur piep sagen kann.

      Ich habe Verständnis für das Personal. Zuviel Arbeit in zu kurzer Zeit für zu wenig Leute, und es ist sicher auch eine Art Selbstschutz, wenn man die Patienten nicht als Person wahrnimmt, sondern als "Fall". "Die Depression in Zimmer 17" statt "Frau XY". Aber das ist im "normalen" Krankenhaus ja auch so.
      Aber gerade in einer psychischen Ausnahmesituation braucht man doch das Eingehen auf die persönlichen Lebensumstände, besondere Zuwendung.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • also ich war vor 2 jahren für 8 wochen in der "klappse".
      ich kann eure erlebnisse nicht teilen.

      wir waren eine truppe von ca. 15 menschen mit der diagnose depris/burn out. wir hatten 3 ärzte und psychologen, die tag und nacht für uns da waren. außerdem hatte jeder, auf seine person zugeschnittene, an therapien teilzunehmen (wer wollte). also töpfern, flechten usw.

      die schwestern waren auch sehr nett und hilfsbereit. jede schwester hatte max. 2 patienten, die sie intensiver betreute.

      wir hatten tägliche gespräche mit den psychologen und wer brauchte, auch öfter am tag.
    • hallo einfachich,

      bei der hiesigen Psychiatrie gibt es eine Station, die heißt "Psychosomatik".
      Dort werden vorallendingen Burn- Out und Depressionen behandelt , und dort ist es so ähnlich wie du beschreibst.
      Zwangsbehandlungen oder Fixierungen finden nicht statt . Auch Leute mit richterlichem Beschluss ( Zwangseinweisung) kommen micht auf diese Station.
      Geschlossene oder offene Akutpsychiatrie sieht zumindest hier anders aus.
      Wenn man Glück hat, darf man in die Ergotherapie täglich, ansonsten ist ziemlicher Leerlauf, und die Patienten überbrücken ihre Langeweile mit Rauchen und Essen.


      Aber ich freue mich für Dich, dass du positive Erfahrungen in deiner Psychiatrie gemacht hast. Das hört sich wirklich gut an.

      liebe Grüße Lisa
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      H.L. Mencken
    • da hast du wohl recht, lisa.
      ich kenne die geschlossene abteilung auch "nur" durch besuche dort. und trotzdem hatte ich nicht das gefühl, dass die patienten dort alleingelassen wurden. wobei....als patient sieht man die dinge eh immer anders, als sie meist sind. zumindest geht es mir so.
      lg andrea
    • Interessante Podcastsendung über "Dunkelkammer Psychiatrie" - Missachtung der Grundrechte bei psychischen Krankheiten.

      cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9z…e---Feature-ueber-den.mp3

      falls es später nicht mehr abrufbar ist, hier suchen:

      br-online.de/podcast/mp3-downl…odcast-radiofeature.shtml

      liebe Grüße Lisa
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      H.L. Mencken
    • Danke für den sehr interessanten Link – Die PsychKG Unterbringungen sind wirklich fragwürdig, aber auch die Rückhaltungen von Patienten die sich freiwillig in Behandlung begeben und bei denen später die Ärzte eine Eigen- und Fremdgefährdung feststellen um sie in die Geschlossene zu überweisen. Bei 20% der Selbsteinweisungen wird so verfahren und wenn der Richter zur Begutachtung kommt, findet er einen aufgebrachten Patienten vor, der anfänglich nicht in eine geschlossene Psychiatrie wollte – das macht bestimmt einen guten Eindruck von dem Patienten :rolleyes:

      Die Aussage von der krankheitsbedingten Uneinsichtigkeit durch die Zwangseinweisungen gerechtfertigt werden ist auch spannend. Arg ist, wenn Patienten uneinsichtig waren gibt es, nach Wirkung der Zwangsmedikation, ein Klärungsgespräch … und eine Versöhnungsessen gibt es auch noch.

      Der Bereich der Psychiatrie ist aber immer noch stark durch Zwang bestimmt – zwar nicht mehr so wie früher, aber ich finde den Rundfunkbericht doch sehr erschreckend und wie gesagt – sehr interessant!

      Gut finde ich, dass es jetzt die erste Beschwerde- und Informationsstelle für Psychiatrie in Berlin gibt - klar, dass sich die Psychiatrie-Ärzte darüber beschwert haben.

      Der Verlust von Autonomie und Selbstbestimmung ist bei der Fixierung und Zwangs-Medikamentierung vorprogrammiert – es wäre gut, wenn sich die Gesellschaft mehr für die Psychiatrie und ihre Patienten interessieren würde.

      Der Fall Gustl Mollath und die damaligen Gutachten werden am Ende des Berichts noch erwähnt und auch wie schnell ein Bürger in die Maschinerie des Maßregelvollzugs geraten kann.