Slutwalk

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    • Am Wochenende habe ich im TV das erste Mal vom Slutwalk gehört.
      Dabei geht es darum, dass Frauen oft die Mitschuld an sexueller Gewalt bekommen, weil Ihre Kleidung zu aufreizend sei.

      Mir gefällt der Ansatz sehr gut, über den Begriff "Slutwalk" stolpere ich allerdings.

      Es gibt auch kritische Stimme, gerade aus der Frauenrechtler-Ecke.

      Hier ein Link:
      de.wikipedia.org/wiki/Slutwalk
      Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.
      (Immanuel Kant)
    • Vergewaltigt werden Frauen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind - mit der Kleidung hat das nix zu tun. Auch alte Damen, Klosterschwestern, Frauen, die sich betont neutral anziehen , werden vergewaltigt.

      Denke mal, diese Bewegung möchte sich das Wort "slut "= Schlampe aneignen, so wie sich die Homosexuellenbewegung "schwul" angeeignet hat. Schwul war ja auch eine Beleidigung.

      Mit freundlichen Grüßen Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Auch alte Damen, Klosterschwestern, Frauen, die sich betont neutral anziehen , werden vergewaltigt.



      Aber genau um diese Frauen geht es da ja nicht. Sondern um Frauen die sich gerne auch mal aufreizend anziehen, oder sich kräftig schminken. Auch dann hat niemand das Recht ihnen eine Mitschuld an der Gewalt von den Tätern zu geben.

      Lisa Cortez schrieb:

      Vergewaltigt werden Frauen, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind


      Vergewaltigt werden Frauen, weil Männer Ihnen Gewalt antun. Mit den Frauen hat das nichts zu tun. Sie sind weder falsch gekleidet, noch zu hübsch, noch zu naiv und auch nicht zur falschen Zeit am falschen Ort.
      Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.
      (Immanuel Kant)
    • An einer Vergewaltigung durch einen Mann sind Frauen nicht schuld, und an einer vergewaltigung durch eine Frau sind Männer nicht schuld.
      Aufreizend gekleidete Frauen können Männer auch verunsichern und sie fühlen sich unwohl.
    • Und wenn eine Frau, ein Kind, ein Mann nackig durch den Wald im Dunkeln rennt und mir begegnet, rechtfertigt das keine Vergewaltigung.

      Das sagt ja der Wiki-Artikel sehr gut aus. Der "Slutwalk" ist so was ähnliches, wie der Christopher-Street-Day, also eine Demonstration.
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    • Viel-frau, du hast mich völlig missverstanden ;)
      ich wollte mit meinen Beispielen aussagen, dass es NICHT an der Kleidung liegt,
      auch nicht an Schönheit oder Alter oder Charakter.
      Und mit dem zweiten " zur falschen Zeit am falschen Ort", dass die Opfer oft ganz ZUFÄLLIG ausgewählt werden . Man sagt das auch so bei Überfällen oder Ausgeraubtwerden.
      ( es sei denn, es sind diese Perversen, die ihre Opfer vorher beobachten)
      Da ist für mich kein Widerspruch.

      Mit freundlichen Grüßen Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Der Sittenstrolch, der auf der Straße eine wildfremde Frau schnappt und vergewaltigt, ist nicht der Regelfall. Die weitaus größte Zahl von Vergewaltigungen geschieht in den eigenen oder bekannten vier Wänden und durch Bekannte oder Verwandte. Als Betroffene habe ich mich intensivst schlau darüber gemacht. Auch früher schon als junges Mädel habe ich interessiert die kriminologischen Fachzeitschriften meines Vaters heimlich gelesen, und ich war überrascht, dass der ständig heraufbeschworene Sittenstrolch eher eine Randerscheinung ist. Kommt vor, aber nicht so oft wie der gute Kumpel, der dich zu Hause besucht....

      Sexuelle Gewalt hat mehr mit Machtausübung, Demütigung, Unterwerfung zu tun als mit sexueller Lust. Übrigens ist für den Vergewaltiger der Vorgang ebenso mit körperlichem Schmerz verbunden, deshalb werden dafür auch gerne Gegenstände benutzt... Wie gesagt, es geht nicht um Lust. Der Schlampe zeig ich es mal. Die soll sehen, wo ihr Platz ist. Frauen sind benutzbare Gegenstände. Da ist die Kleidung egal. Übrigens werden auch Männer Opfer von Vergewaltigung (durch andere Männer). Die Hemmschwelle zur Anzeige ist da noch viel größer, weil das ja dem Bild von Männlichkeit widerspricht und als echte persönliche Schande empfunden wird.

      Die "aufreizende Kleidung" ist nur eine Schutzbehauptung der Täter. Wenn sie keinen Minirock anhatte, hat sie sich halt aufreizend bewegt (hat sich überhaupt bewegt), ist vor ihm hergelaufen, hat ihn angeschaut, hat etwas gesagt.... Am besten sollen Frauen mit Burka auf die Straße, damit sich ja kein Mann irgendwie angesprochen fühlt?

      Auf der anderen Seite ist Kleidung auch immer ein Statement. Wenn ich betont aufreizende Sachen in der Öffentlichkeit anziehe, will ich damit ja etwas zeigen. Entweder will ich gegen gesellschaftliche Konventionen rebellieren (Ihr sagt, sowas darf ich nicht tragen? Jetzt erst recht!), oder ich will austesten, wie weit ich mit sexueller Provokation gehen kann, bevor es Ärger gibt, oder ich genieße die Blicke sabbernder Männer.

      Einfach nur "Find ich halt schön" kann es bei Kleidung im öffentlichen Raum niemals geben, weil mir immer bekannt ist, wie die gesellschaftlichen Normen sind, außer ich fahre in ein fernes Land, ohne mich über die Gepflogenheiten dort schlau zu machen. Es zieht eben nicht jeder an, was er/sie schön findet, weil es in der Öffentlichkeit immer auch als Statement wahrgenommen wird.
      Wenn jemand SS-Uniformen geil findet, geht er trotzdem nicht damit auf die Straße, es sei denn als extreme Provokation.
      Bei der Bullenhitze wäre ich gern mal oben ohne rumgelaufen, wie die Männer das machen, aber ich hab es eben nicht auf der Straße getan, weil ich keinen Bock auf Krawall hatte. In meinen Provo-Zeiten hätte ich es vielleicht doch gemacht, als Statement eben.

      Daher finde ich die Slut-Walks einfach nur sinnlos.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Das es Vergewaltigungen öfter im häuslichen Umfeld oder auf dem Arbeitsplatz gibt, als im Park ist richtig. Vergewaltiger wollen erniedrigen, demütigen, bestrafen und was auch immer. Sehe ich auch so.
      Und man kann Kleidung bewußt wählen, um zu provozieren, oder um sexy auszusehen, oder zu verhüllen etc.

      Aber warum diese Fakten den Slutwalk in deinen Augen sinnlos erscheinen lassen, verstehe ich nicht.

      Denn mit dem Slutwalk wollen die Teilnehmer einfach nur sagen, egal was und aus welchem Grund ich etwas trage - es bedeutet nicht, dass mein "Nein" nicht akzeptiert werden muss.

      Dieser kanadische Polizist hat mit seiner Aussage: "women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized“, die Meinung vieler wieder gegeben.

      Die Vergewaltigung wird nicht weniger wahr, nur weil Sie etwas slut-mässiges an hatte.
      Bis vor ein paar Jahren waren Vergewaltigungen in der Ehe keine Vergewaltigungen, nur weil es einen Trauschein gab...

      Eine Vergewaltigung ist eine Vergewaltigung, ist eine Vergewaltigung...
      Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.
      (Immanuel Kant)
    • Die Slut-Walks sollen ausdrücken: "Ich kann anziehen was ich will. Das gibt dir nicht das Recht, mich zu vergewaltigen." Diesen Aspekt finde ich richtig.
      Aber es wird keine Vergewaltigung weniger dadurch geben. Auch der Umgang mit den Opfern wird sich nicht ändern.

      Der Spruch des Polizisten ist ja nur ein Teil der üblichen Praxis, die Schuld umzukehren auf das Opfer. Ich finde es auch richtig, dass solch verqueres Denken öffentlich angeprangert wird. Im Sinn von Bewusstseinswandel ist das also vielleicht nicht absolut sinnlos, aber ich halte es nicht für besonders wirksam, weil der Kern des Übels tiefer liegt.

      Leider ist ALLES, was eine vergewaltigte Frau tut oder nicht tut, ihre "eigene Schuld" und wird vom Täter als "die wollte das so" verdreht.

      Das Problem ist der allgemein in der Gesellschaft verbreitete und von den Medien propagierte Generalverdacht, eine Frau würde immer und grundsätzlich lügen, wenn sie jemanden anzeigt. Das Prozedere, das bei Vernehmungen und vor Gericht abläuft, dient immer und grundsätzlich dazu, die Glaubwürdigkeit der "Zeugin" (frau ist ja noch nicht mal Geschädigte, sondern nur Zeugin) in Frage zu stellen. Erinnert sie sich nicht an alle Details, ist sie unglaubwürdig. Erinnert sie sich falsch, ist sie erst recht unglaubwürdig. Erinnert sie sich genau, ist sie unglaubwürdig, weil sowas nur erfunden sein kann. Und dann wird auch eine mögliche Vorliebe für "aufreizende" Klamotten hervorgezerrt. Dazu muss frau sowas noch nicht mal im Moment der Tat getragen haben. Das Ziel ist nicht, zu beweisen: "die hat den Täter provoziert", sondern: "die ist generell sexuell freizügig". Und selbst wenn kein einziges Detail in der Richtung vorhanden ist, irgendwas wird immer hervorgekramt. Selbst Blutergüsse, gebrochene Nasen und Rippen - alles "selbst zugefügt". Ich könnte kotzen.

      Das Dilemma ist das Grundrecht des Angeklagten (im Zweifel für den Angeklagten) in Gegensatz zum Grundrecht des Opfers. Es gibt ja leider tatsächlich Frauen, die Vergewaltigungen erfinden. Das führt aber dazu, dass die Opfer regelrecht fertiggemacht werden, nur um Zweifel zu wecken. Und daran ändert auch kein Slut-Walk etwas.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:


      Auf der anderen Seite ist Kleidung auch immer ein Statement. Wenn ich betont aufreizende Sachen in der Öffentlichkeit anziehe, will ich damit ja etwas zeigen. Entweder will ich gegen gesellschaftliche Konventionen rebellieren (Ihr sagt, sowas darf ich nicht tragen? Jetzt erst recht!), oder ich will austesten, wie weit ich mit sexueller Provokation gehen kann, bevor es Ärger gibt, oder ich genieße die Blicke sabbernder Männer.

      Einfach nur "Find ich halt schön" kann es bei Kleidung im öffentlichen Raum niemals geben, weil mir immer bekannt ist, wie die gesellschaftlichen Normen sind, außer ich fahre in ein fernes Land, ohne mich über die Gepflogenheiten dort schlau zu machen. Es zieht eben nicht jeder an, was er/sie schön findet, weil es in der Öffentlichkeit immer auch als Statement wahrgenommen wird.


      Es gibt auch noch eine Variante, Naivität. Bei jungen Mädchen. (wer hatte hier noch vor einiger Zeit den Link zu Pinkstinks gepostet?) Junge Mädchen ziehen sich zuweilen extrem aufreizend an, ohne dass sie die sexuelle Reife hätten, die Folgen einzuschätzen. Fällt zwar auch unter Provokation, meiner Einschätzung nach aber nicht mit sexuellem Hintergrund. Ist mir übrigens (vor gefühlt 1000 Jahren) selbst passiert. Eine schmerzhafte Zeit war das.

      Eine sehr wichtige Diskussion, die in den letzen Jahren für meinen Geschmack leider vollkommen aus der Mode geraten ist.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Auf Pinkstinks habe ich glaube ich mehrfach verwiesen. Ich finde deren Arbeit meistens einfach klasse.
      [SIZE=1][CENTER]Accepting oneself does not preclude
      an attempt to become better.
      — Mary Flannery O'Connor

      You must learn from the mistakes of others.
      You can't possibly live long enough to make them all yourself.
      — Sam Levenson
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    • Knallfrosch schrieb:

      Junge Mädchen ziehen sich zuweilen extrem aufreizend an, ohne dass sie die sexuelle Reife hätten, die Folgen einzuschätzen. Fällt zwar auch unter Provokation, meiner Einschätzung nach aber nicht mit sexuellem Hintergrund.

      Besonders, wenn die Eltern sich so schön aufregen...
      Hinzu kommt, dass man als Teenie sich schon langsam als Frau fühlt, und das dann auch demonstrativ raushängen lassen will. Ich bin kein Kind mehr, wäääh!
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)