Meine ganz persönliche Geschichte

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    • Meine ganz persönliche Geschichte

      Hallo alle zusammen,

      ich habe mich gestern hier angemeldet. Mein Name ist Sandra und ich bin 20 Jahre jung. Ich bin auf euer Forum gestoßen, als ich nach "stark übergewichtig und schwanger" gegoogelt habe.. oder so ähnlich ;) Ich bin selbst gut ausgestattet, was meine Notfalldepots betrifft - ich bin 165 cm groß und habe (mit geringen Schwankungen) seit 2 Jahren relativ konstant 95 kg. Es ist als Vorstellung vielleicht etwas lange, aber ich möchte euch an meiner Geschichte teilhaben lassen.

      Als meine Mutter mit mir schwanger wurde, war es ein Schock für sie. Sie hatte gerade erst ihren 16. Geburtstag hinter ihr und ihre Eltern waren von meinem Vater nicht sonderlich begeistert (er ist bzw. war das, was man unter "etwas vorlaut" versteht, und ist bzw. war nie ein "Arschkriecher"...). Sie durfte nicht abtreiben, da meine Familie streng katholisch ist, und somit "musste" ich auf die Welt kommen.
      Ich war das größte Baby der Station mit meinen 56 cm und mit den 36 cm Kopfumfang hab ichs meiner Mutter bei der Geburt sicher auch nicht recht angenehm gemacht. ;) Meine Mutter hat während ihrer Schwangerschaft, anstatt zuzunehmen, abgenommen (lt. ihren eigenen Aufzeichnungen, die ich mal entdeckt hatte, hatte sie zu Beginn der Schwangerschaft 64 kg und 2 Wochen vor meinem Geburtstermin hatte sie 57 kg bei 169 cm Körpergröße). Für sie war die Figur immer eines der wichtigsten Dinge in ihrem Leben.

      Sie hatte mich nur 3 Wochen gestillt, dann hatte sie keine Milch mehr, weil sie sich selbst so radikal auf Diät gesetzt hatte. Meine Mutter und ich wurden nie wirklich warm miteinander. Meine Eltern heirateten vier Monate, bevor ich in den Kindergarten kam. Ich war ein richtig großes Kind, als ich 1 Jahr alt war, dachte mein Kinderarzt, ich würde mindestens 1,80 werden (laut diversen Entwicklungstabellen...), als ich 2 Jahre alt war, hat er seine Prognose auf 1,76 aufwärts korrigiert. Mit 8 Jahren war ich dann 1,36 m groß und wog 32 kg. Ich hatte immer Spaß an Bewegung, mir machten vor allem Ballspiele viel Spaß. Meine Mutter aber bildete sich ein, ich müsse abnehmen. Ich habe damals in einem Bekleidungsgeschäft ein wunderschönes Sommerkleid gesehen (damals noch in Schilling, nicht in Euro..), und wollte es probieren und haben. Meine Mutter meinte, ich sei viel zu dick für dieses Kleid, das würde mir nicht passen, ich müsse mindestens 5 kg abnehmen, damit das Kleid an mir gut aussehe. Dabei hatte ich es nicht einmal anprobieren dürfen! Jetzt weiß ich, dass ich damals ein ganz normales Gewicht hatte... Ich habe jedenfalls brav auf 27 kg abgenommen. Ich habe dann auch das Kleid und sogar einen pinken Bikini bekommen. Zwei Wochen später fuhren wir in den Urlaub, und ich habe erst heute wieder ein Foto von mir gesehen, mit 27 kg und 136 cm. Das Mädchen auf dem Foto gefällt mir nicht. Ich sah zwar glücklich aus, aber irgendwie auch gequält. Als ich heute das Foto wieder gesehen habe, wusste ich, dass ich meine Geschichte niederschreiben muss.

      Ich hatte dann auch weniger Ausdauer bei den Spielen im Sportunterricht, ich war matt, müde, niedergeschlagen. Während der Diät genauso wie danach. Erst als ich wieder etwas zunahm (und das war nicht nur Fett, ich bin auch gewachsen und hab wieder Muskelmasse aufgebaut, ich hab ganz sicher bei der Diät auch Muskelmasse abgebaut, sonst hätte ich kein Problem mit dem Sportunterricht gehabt), ging es mir wieder besser.
      In der Hauptschule hatten wir dann jede Woche zwei Mal Sport und einmal davon eine Doppelstunde. In dieser Doppelstunde sind wir immer laufen gegangen.
      Ich bekam eine richtig gute Kondition, und mit der Zeit wurde ich auch erwachsener (was den Körperbau betrifft). Ich hatte stramme Waden und generell einen gut trainierten Körper, das Joggen machte mir Spaß, genauso wie das Volleyballspielen oder Kopfstände machen oder 60m-Sprint. Ich hatte dann mit 13 schon Körbchengröße B-C und hatte auch mit 12 schon meine Tage bekommen. Irgendwie war ich schon "rundum fertig" mit meiner Entwicklung, nur in die Höhe gewachsen bin ich noch bis kurz vor meinen 14. Geburtstag. Mit 14 wog ich dann 68 kg bei meiner jetzigen Größe von 68 kg. Ich war allerdings nicht fett. Klar, ich hatte Kurven, aber ich trug Kleidergröße 38, und hatte eine Sanduhr-ähnliche Figur. Wenn ich meinen Bauch anspannte, konnte man ganz leicht die unteren beiden "Sixpack"-Muskeln sehen. Keiner hätte je behauptet, dass ich fett wäre. Ja, ich hatte (und leider habe!) mit Akne zu kämpfen, vor allem auf dem Rücken, aber das rührte nicht von Schokolade-Fressorgien her. Meine Tante hatte auch schlimme Akne in der Pubertät und das habe ich wohl von ihr zusammengeerbt. Ich mochte Obst und auch einige Gemüsesorten, und ich mochte auch Fleisch, aber das fettige habe ich immer weggeschnitten, weil ich das eklig fand. Im Nachhinein betrachtet hatte ich einen wirklcih gesunden Lebensstil. Ich habe mir nie viel um mein Gewicht Sorgen gemacht, ich fand in klassischen Bekleidungsgeschäften schöne Anziehsachen und damit war die Welt für mich in Ordnung. Nicht so für meine Mutter. Sie kam mir mit diesem BZGA Kinder-BMI-Rechner, dass ich in schlimmster Form übergewichtig wäre und dringend abnehmen müsste. Außerdem erklärte sie mir, dass sie bei ihrer Hochzeit mit 20 Jahren nur 55 kg bei 169 cm wog und sie nur dank ihrer schlanken Figur eine schöne Hochzeit haben konnte. Und wenn ich jetzt schon Übergewicht hätte, wäre ich sicher mit 30 tot, weil ich einen Herzinfarkt hätte und sowieso alles total überfettet wäre an mir... Jetzt weiß ich, was für ein Blödsinn das war.
      Ich hab mich innerhalb von 2 Wochen von 68 auf 60 kg runtergehungert, aber natürlich war ich noch immer zu fett... Das führte dann soweit, dass ich beim wöchentlichen Joggen mit den Klassenkameraden im Sportunterricht zusammengebrochen bin. Ich war total unterzuckert, der Blutdruck war im Keller und ich hatte schlimme Mangelerscheinungen. Kein Wunder, denn ich aß jeden zweiten Tag nur einen kleinen Teller Gemüse und einen Apfel. :(
      Meine Mutter schob die Mangelerscheinungen auf meine vermeintlich schlechte, ungesunde Ernährung und drängte mich wieder zur Diät. Daraufhin bin ich zu meinem Hausarzt, der bei mir einen sehr hohen Muskelanteil am Körpergewicht festgestellt hat. Er meinte, mein Gewicht sei vollkommen in Ordnung, außerdem hab ich ja praktisch kein Bauchfett und ich solle mich nicht verrückt machen, nur weil alle Teenie-Mädchen dem Magerwahn verfallen. Das habe ich auch damals meiner Mutter gesagt, doch sie glaubte mir nicht. Sie dachte, ich lüge sie an, damit sie mich in Ruhe lässt mit den Diäten.
      Dann kam ich in die HAK, eine tolle Schule, und das wöchentliche Laufen fiel weg. Wir hatten nur mehr einmal die Woche Sport und meine Kolleginnen waren allesamt sehr unmotiviert. Sie wollten nicht schwitzen und ihre Frisur ruinieren. :eek: Das zog mich runter, und alleine laufen gehen durfte ich im Sportunterricht nicht. Ich nahm von selbst ein paar Kilos ab, weil ich den Sport daheim nicht ausglich, aber meine Mutter war begeistert, als die Waage nur noch 64 kg zeigte. Sie meinte, ich müsse weitermachen, dabei habe ich gar nichts gemacht. :mad: Aber ja, ich habe wieder wenig gegessen, wieder brach ich zusammen, wieder meinte mein Hausarzt, ich bin in Ordnung, ich brauche nicht abzunehmen, aber für die Anerkennung meiner Mutter tat ich alles. Sie hat mich früher immer an meine Tante mütterlicherseits abgeschoben, sie war mit der Mutterrolle überfordert und wollte mich auch nie wirklich haben. Außerdem war sie mit ihrer Figur immer unzufrieden. Selbst zu ihren dünnsten Zeiten, bei denen sie sogar nur 53 kg wog, fand sie sich zu dick. Und damit war ich automatisch auch zu dick. Obwohl ich nicht die Pille nahm, bekam ich noch mehr Oberweite und war mit 16 schon bei Körbchengröße D angelangt. Das hatte ich wohl auch wo hergeerbt :D Ich weiß noch, ich hatte die Maße 105-70-95. Aber gut, das ist ja nicht 90-60-90 und somit zu dick.
      Irgendwann habe ich resigniert. Es wurde nicht anerkannt, als ich Sport machte, ich war sowieso immer zu dick, und mir verging die Freude an Bewegung. Dazugeholfen hat noch mein erster Freund, der am liebsten seine Freizeit mit Computerspielen verbrachte und mit mir nie irgendeinen Sport machen wollte, und ich nahm zu. Dann wurde ich wirklich übergewichtig. Ich dachte mir "Egal, was ich mache, meine Mutter wird mich nie mögen.. warum sollte ich mir dann noch Mühe geben?" Ich habe heute keine einzige Kindheitserinnerung, in der mich meine Mutter in den Arm nahm. Mit 18 wog ich dann XX kg. Ich hatte gut XX kg nur durch den Frust auf meine Mutter zugenommen. Das bereitete ihr natürlich noch mehr Angrifftsfläche. Meinen Freund habe ich dann im April 2012 verlassen, mir hat es mit seinem ewigen Fremdgehen gereicht (es ist hart, wenn man mit 19 schon mit jüngeren betrogen wird...). Im Herbst 2012 bin ich dann von zuhause ausgezogen, um in einer gut 130 km entfernten Stadt mein Doppelstudium zu beginnen.
      Von knapp 18 bis 20 hatte ich extreme Probleme mit den Mandeln, sodass ich sie mir im Februar diesen Jahres entfernen ließ. Ich wäre beinahe verblutet, weil sie viel zu tief geschnitten hatten und eine wichtige Ader erwischt hatten. Ich hatte drei Liter Blut verloren und hätte ich Normalgewicht und damit weniger Blut im Umlauf, wäre ich verblutet. So habe ich es gerade noch geschafft. Meine Mutter hattet nichts besseres zu tun, als mir am Krankenbett die Schuld an den Komplikationen an der OP zu geben. Sie meinte, die Ärzte seien es nicht gewohnt, so fette Menschen zu operieren, und wegen meiner Leibesfülle hätten sie falsch geschnitten. Netter Zug von ihr. :mad:
      Seit ich ausgezogen bin, geht es mir viel besser. Ich werde nicht mehr ständig kontrolliert von meiner Mutter und habe von Anfangs XX Kilo auf ca. XX kg abgenommen, ohne sonderlich darauf zu achten. Dadurch, dass der "Stressfaktor" Mutter weg ist, habe ich ganze XX Kilo abgenommen! Ich habe aber gewiss nicht weniger oder mehr gegessen. Jetzt, im Juli und August, wird meine Wohnung an Touristen vermietet, sodass ich wieder daheim wohne, und schwubbs, XX Kilo sind schon wieder oben... Das sollte keine Beschwerde sein, ich wollte damit nur erklären, worauf ich meine Erkenntnis stütze.
      Im Frühjahr habe ich meinen jetzigen Freund kennengelernt, er ist ein wahrer Schatz. Er liebt mich und meinen Körper, und er würde mich gar nicht anders haben wollen. Dabei ist er selbst 195 cm groß und hat grade mal 70-75 kg. Er ist einer von den Menschen, die essen können, was sie wollen, und trotzdem fast oder sogar wirklich Untergewicht haben. Wir beginnen jetzt langsam, gemeinsam Sport zu machen. Klar, er ist viel sportlicher als ich, aber er nimmt darauf komplett Rücksicht. Wir fahren jetzt z.B. immer die 5 km mit dem Rad ins Freibad, und er lässt mich vorne fahren, damit ich das Tempo bestimmen kann. Und er möchte am Staffellauf im September teilnehmen, bei dem seine Firma ein Team aufstellt, und dafür möchte er trainieren, und ich werde mit dem Fahrrad neben ihm fahren. Ich habe schon im Herbst damit begonnen, meinen Körper zu akzeptieren, wie er ist, aber erst jetzt habe ich das so richtig geschafft. Klar, es gibt Momente, in denen meine Mutter wieder blöde rumstichelt, aber ich weiß, sie will damit nur von ihren eigenen Figurproblemen ablenken und sich selbst gut hinstellen, indem sie mich runtermacht. Das schafft sie jetzt aber nicht mehr.
      Ich bin jetzt "dick und gesund", ich habe wunderschöne Blutwerte, darf in zwei Wochen endlich Blut spenden (durfte ich bis jetzt ja nicht, weil ich Fremdblut erhalten hatte...), habe einen Traumblutdruck und auch sonst keine Beschwerden, die ein normalgewichtiger Mensch nicht auch hätte.
      Ich bin auch "dick und nicht dumm". Mein Abi habe ich mit 1,3 gemacht, in den ersten beiden Semestern meines Doppelstudiums absolviere/absolvierte ich über 90 ECTS, ich spreche fünf Sprachen, davon drei sehr fließend, die vierte ist gerade in Arbeit.
      Und obwohl ich immer gute Freunde und Freundinnen hatte, die es mir sagten, dass ich ein wertvoller Mensch bin, Kleidergröße 44 hin oder her, musste ich erst einen Partner finden, der mir genau das vermitteln kann, und von zuhause ausziehen, um das selbst zu erkennen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von kampfzwerg () aus folgendem Grund: Da derart ausgebreitete Gewichtsdokumentation unnötig und unerwünscht ist, habe ich mir erlaubt, was zu streichen.

    • Liebe Malinki,

      deine Geschichte ähnelt vielem, was ich bereits erzählt bekommen habe. Dass deine Mama noch so jung war, war für sie vielleicht eine Überforderung, das weiß ich nicht. Eines hast jedoch inzwischen geschafft, du hast manches hinter dir gelassen. Bleib cool wenn deine Mama stänkert, das geht uns Frauen um die 50 Jahre sogar noch so, dass wir von unseren besserwisserischen Müttern und Schwiegermüttern "beraten" werden, was gut für uns ist . . .

      LG

      Klangola
    • Hallo Malinki,

      ich wünsche dir dass du diesen eingeschlagenen Lebensweg weiter gehen kannst. Wenn es auch keine schöne Geschichte ist, so hat sie doch eine gute Fußnote. Du hast die usammenhänge erkannt und akzeptierst dich so wie du bist. Das ist wunderschön.

      Viel Spaß im Forum

      Knallfrosch
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Malinki: deine Mutter hat ihre Geschichte, du hast deine.
      Es ist schön, dass du entschlossen bist, selbst Verantwortung für dein Leben zu übernehmen. Es wird nicht immer einfach sein, aber da gibt es den alten Spruch:
      Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
      Du hast ein Super-Abi, dir stehen viele Möglichkeiten offen, die deine Mutter nicht hatte. Vielleicht übersteigt das ihre Vorstellungen, vielleicht trauert sie selber ihren eigenen verlorenen Möglichkeiten nach, vielleicht hat sie auch nie gewusst, welche Möglichketen sie gehabt hätte.

      Gehe deinen eigenen Weg und versuche, deiner Mutter zu verzeihen. Sie hat das alles ja nicht aus Hass auf dich getan, sondern weil es ihre Überzeugung war, für dich damit das Beste zu tun. Manchmal können Menschen ihren Irrtum einsehen, manchmal können sie es nicht, manchmal dürfen sie sich selbst auch nicht ihren Irrtum eingestehen, weil dann das ganze Weltbild zusammenbrechen würde, das wäre dann nicht zu ertragen.

      Du wirst wahrscheinlich studieren, an einen anderen Ort ziehen, ein eigenes Leben führen, Freunde haben, Konflikte austragen, Erfolge haben, Niederlagen erleiden, du wirst traurige Tage und glückliche Tage erleben. Aber das ist dein Leben. Gib Anderen nicht zuviel Macht über dich.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Hallo, ich bedanke mich recht herzlich für eure netten Antworten.

      Vielleicht noch ein paar kleine Anmerkungen:
      Ich studiere bereits, im Herbst beginnt mein 3. Semester, und habe auch meine eigene kleine Wohnung dort. Im Moment wohne ich nur deswegen zuhause, weil im Juli und August meine Wohnung an Touristen vermietet wird und ich mir so zwei Monatsmieten spare.

      Meine Mutter hat wieder mal eine ihrer Horrordiäten gestartet. Einen Tag essen, einen Tag nichts. Ich will nicht über sie herziehen, aber dafür, dass sie ständig auf Diät ist (und dabei seeehr gereizt ist und mit Vorliebe auf meiner Figur herumhackt), ist sie auch nicht Topmodel-alike. (nur der Form halber: 1,69 groß und 75 kg)
      Vor ein paar Tagen hackte sie wieder besonders an mir rum, und zwar an meinem Bauch. Ich will es nicht leugnen, ja, ich HABE ein Bäuchlein, und wenn ich die Tage habe (wie es diese Woche eben war/ist), bin ich richtig aufgebläht. Als ich ihr das gesagt habe, dass ich meine Tage habe, meinte sie: "Das brauchst du auch nicht als Ausrede zu nehmen! Nur wenn man schwanger ist, darf man einen Bauch haben."

      Gott sei Dank war ich jetzt zwei Tage bei meinem Freund, da gehts mir immer gleich viel besser.

      Eine Frage habe ich noch an die weiblichen Mitglieder: Seid ihr an "diesen Tagen" auch richtig aufgebläht, also so richtig mit aufgeblähtem Bauch? (ich rede da von 1 Kleidergröße mehr als an "normalen Tagen")

      Übrigens habe ich mir gestern vor einer Woche einen Bikini gekauft, und ich gefalle mir da drin. Das kann ich zum ersten Mal seit drei Jahren behaupten. :grins: Der bleibt aber bei meinem Freund, bevor ihn meine Ma sieht und wieder Grund zum Rummeckern hat.
    • Meine erste Signatur hier hatte ich der Anti-§218-Bewegung geklaut:
      Mein Bauch gehört mir!

      Und so wie jede Frau selber entscheiden darf, ob sie Kinder bekommen möchte oder nicht, darf auch jede Frau selber entscheiden, ob sie einen Bauch weghungert oder nicht.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Malinki schrieb:



      Eine Frage habe ich noch an die weiblichen Mitglieder: Seid ihr an "diesen Tagen" auch richtig aufgebläht, also so richtig mit aufgeblähtem Bauch? (ich rede da von 1 Kleidergröße mehr als an "normalen Tagen")



      siehst du nich fern? danone verkauft überteuerten joghurt an aufgebähte frauen. das würde nicht einemal mit einem unlimitierten werbebudget funktionieren, wenn der markt nicht da wäre.
      Lieben Gruß

      Rita
    • Dankeschön, ihr habt ja doch recht. Und obwohl ich selbst Wirtschaft studiere und recht gut denken kann, setzt mein Hirn aus, wenn ich mit so netten Äußerungen seitens meiner Ma konfrontiert werde. Glücklicherweise bin ich kaum mehr zuhause, wenn ich die nächste Mens habe, denn dann habe ich meine Wohnung wieder. :hopps:
    • Jetzt ist schon wieder viel Zeit ins Land gezogen.

      Mein Freund und ich sind im März zusammengezogen und mein Vater hat mir den Erbteil von ihm ausbezahlt, damit wir es uns schön einrichten können hier. Es blieb noch eine respektable Summe über, und wenn sie mir von jetzt auf gleich den monatlichen Unterhalt abdrehen würden, käme ich mit der Summe plus den staatlichen Unterstützungen plus Gehalt locker bis Studienende über die Runden.

      Ich bin nicht mehr von ihr finanziell abhängig (von meiner Mutter).

      Seit April diesen Jahres bin ich in psychologischer Betreuung, ich möchte meine ganzen Traumata aus Kindheit und Jugend aufarbeiten, meine Mutter und mein eigenes Selbstwertgefühl spielen eine große Rolle. Bei verschiedenen "Tests" kam heraus, dass ich sehr starke Tendenzen und Handlungsweisen in Richtung Aufopferung habe. Ich will es jedem recht machen, nur um Liebe und Anerkennung zu bekommen und handle da oft genug auch gegen meinen Willen. Dagegen gehen wir jetzt nun vor, ein Hauptziel der Therapie ist es, endlich einen "gesunden Egoismus" zu entwickeln.

      Im April habe ich mich auf die Waage einer Freundin gestellt und hatte 115 kg. Ich war etwas schockiert, dachte es mir aber schon, weil mein Bauch größer wurde und ich mich generell unwohl fühlte. Ich habe es aber geschafft, mir selbst und selbstbestimmt eine Waage zu kaufen. Die musste erst mal ein paar Wochen im Kellerabteil originalverpackt bleiben. Der Gedanke, eine Waage (mein früherer Feind) in meiner Wohnung zu haben, war anfangs noch zu viel für mich. Seit Juli steht sie unter unserem Bett und wird bei Bedarf/Interesse rausgeholt.

      Ich habe keine aktive Diät gestartet, weder gewollt weniger/gesünder gegessen noch mehr Sport gemacht oder irgendwelche merkwürdigen Pillen eingeworfen. Trotzdem habe ich 10 kg abgenommen. Mittlerweile bin ich mir sicher (und mein Psychologe übrigens auch), dass ich diesen "Schutzwall" brauch(t)e und jetzt, wo es mir viel besser geht, ich meistens über den Dingen stehe, den nicht mehr in diesem Ausmaß brauche und er deswegen langsam von selbst verschwindet.

      Meiner Mutter habe ich übrigens mittlerweile gesagt, dass ich ihre Waage verkauft habe. Sie war bitter enttäuscht und sehr böse auf mich. Ich habe es trotzdem geschafft, einigermaßen cool zu bleiben und ihr erklärt, warum mich das so sehr verletzt hat...

      so ungefähr: Ich weiß, wie wichtig dir meine Figur und mein Gewicht ist, aber glaub mir, ich bin gesund... schau Mama, ich hab vor ein paar Wochen ein Blutbild machen lassen (wurde aus unerklärlichem Grund krank und keiner fand die Ursache), bis auf den Entzündungswert ist alles wunderschön. Der Abstrich beim FA ist unauffällig. Ich habe keinen Bluthochdruck, der ist sogar eher zu niedrig. Mir gehts wirklich gut. Du brauchst dir um mich und mein Gewicht keine Sorgen machen, ich habe definitiv keine gesundheitlichen Probleme. Du merkst das vielleicht gar nicht so, aber mir tut das extrem weh, dass du mir nicht zutraust, dass ich auf mich gut aufpassen kann. Du brauchst das nicht mehr für mich tun. Ich habe das Gefühl, dass du mir dir selbst nicht so ganz zufrieden bist und deswegen auch mit niemand anderem so richtig zufrieden sein kannst. Ich weiß, du wurdest als Teenager oft beleidigt wegen deinem kräftigeren Hintern und deiner dickeren Oberschenkel. Das hat dir sicher wehgetan und du willst nicht, dass es mir genauso geht. Aber mir tut eine Beleidigung von dir viel mehr weh als von jedem anderen und von diesen gab es viele in den letzten 16 Jahren. Ich würde mich freuen, wenn du mich lieb haben kannst, so wie ich jetzt bin. Und ich verzeihe dir, dass du in deiner Verzweiflung so viele fragwürdige Dinge mit mir gemacht hast/mir gesagt hast.

      Da hab ich meine Mutter zum allerersten Mal heulen sehen. Sie war nicht in der Lage, irgendetwas darauf zu sagen.

      Das hätte ich vor einem Jahr oder vor Beginn der Therapie nicht geschafft. Und ich meine es ehrlich - ich verzeihe es ihr. Sie wusste es nicht besser und hat aus Verzweiflung gehandelt und hat ne Menge Probleme mit ihrem eigenen kaum vorhandenen Selbstbewusstsein. Richtig finde ich es natürlich trotzdem nicht und wenn wir uns sehen und ich meine Tage habe und sie abschätzig meinen Blähbauch ansieht, tut es immer noch ein bisschen weh. Aber vielleicht ist das wirklich der Beginn eines halbwegs normalen "Mutter-Tochter-Verhältnisses".

      Meinen Job hab ich noch immer, manche Kolleginnen reden hinterrücks schlecht über mein Äußeres, aber mittlerweile geht mir das schon fast immer am A. vorbei. :)
    • Malinki, so wie ich das lese, hat deine Mama eine massive Essstörung und das wohl schon den Großteil ihres Lebens.
      Leider hat deine Mutter versucht, ihre Störung auf dich zu übertragen.
      ( im Gegensatz zu anderen Essgestörten, die ihre Umwelt gerne füttern, damit SIE die Dünnsten bleiben und sich überlegen fühlen können.)
      Warum ich das schreibe?
      Weil deine liebe Mutter leider eine psychische Störung hat. Als Kind konntest du dich nicht wehren, jetzt aber bist du intelligent und lebenserfahren genug, damit ihre Störung nicht dein Leben kaputt macht.
      Es ist tragisch, wenn Eltern, die ihr Kind eigentlich lieben und beschützen sollen, ihre eigenen Lebenskonflikte am Kind abarbeiten.
      Aber du bist ja schon auf dem richtigen Weg.
      Wenn es gar nicht geht, würde ich allerdings nicht zu Hause wohnen, nicht einmal, um Geld zu sparen. Manchmal ist (räumliche) Distanz wichtiger für den Seelenfrieden .

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Malinki, so wie ich das lese, hat deine Mama eine massive Essstörung und das wohl schon den Großteil ihres Lebens.
      Leider hat deine Mutter versucht, ihre Störung auf dich zu übertragen.
      ( im Gegensatz zu anderen Essgestörten, die ihre Umwelt gerne füttern, damit SIE die Dünnsten bleiben und sich überlegen fühlen können.)
      Warum ich das schreibe?
      Weil deine liebe Mutter leider eine psychische Störung hat. Als Kind konntest du dich nicht wehren, jetzt aber bist du intelligent und lebenserfahren genug, damit ihre Störung nicht dein Leben kaputt macht.
      Es ist tragisch, wenn Eltern, die ihr Kind eigentlich lieben und beschützen sollen, ihre eigenen Lebenskonflikte am Kind abarbeiten.
      Aber du bist ja schon auf dem richtigen Weg.
      Wenn es gar nicht geht, würde ich allerdings nicht zu Hause wohnen, nicht einmal, um Geld zu sparen. Manchmal ist (räumliche) Distanz wichtiger für den Seelenfrieden .

      liebe Grüße Lisa


      Hallo Lisa,

      danke fürs Antworten. :) Ich wohne schon lange nicht mehr zuhause, ich habe nur mal im Sommer 2013 für 2 Monate zuhause gewohnt, um Miete zu sparen. Damit ist jetzt Schluss.

      Genau das, was ich in deinem Zitat fett markiert habe, ist einer der Hauptgründe, warum ich mich in psychologische Betreuung begeben habe. (Dass es für österreichische Studierende eine eigene kostenlose psychologische Beratungsstelle gibt, ist natürlich auch ein Faktor.)
      Ich möchte nicht mit diesem Muster in welcher Weise auch immer bei meiner von mir gegründeten Familie weiter machen. Ich will mit mir selbst so gut es geht im Reinen sein, bevor ich Kinder in die Welt setze. Natürlich will ich auch, dass es bei meinem Freund genauso ist. ;)

      Und dann, wenn er mit seinen Themen (seine dominante Mutter und noch ein paar andere Sachen) soweit d'accord ist, ich mit mir selbst im Reinen bin und weitestgehend auch andere Faktoren passen, dann freu ich mich schon auf unsere von uns gegründete Familie.

      Und hier wird niemand angefeindet, nur weil er kleiner/größer/dicker/dünner als jemand anderer ist. Mir ist schon gesunde Ernährung wichtig, das war es schon immer. Ich werde aber nicht mit erhobenem Finger dastehen und jemanden schimpfen, der mal Lust auf Chips, Cola oder McDonalds hat. (bevor hier ein falsches Bild entsteht ;) ) Wenn mein Kind trotz gesunden Lebensstils stämmiger/übergewichtig/"adipös" (wobei ich das Wort gar nicht mag) ist, dann ist das eben so und gut ists. Ich hoffe, mir gelingt es, nie ein Kind aufgrund seiner/ihrer Äußerlichkeiten/Eigenschaften zu bevorzugen oder zu benachteiligen.

      Wenn ich das aber schaffen will, dann muss ich an mir arbeiten, und ich hoffe, dass ich am Ende mit dem zufrieden bin, was da rauskommt.

      Was ich jedoch schon für mich beschlossen habe:
      Wenn ich merke, dass meine Mutter meinen Kindern nicht gut tut, dann wird der Kontakt reduziert bzw. im Extremfall gekappt. Dasselbe habe ich auch für die Mutter meines Freundes vorgesehen und er kennt meine Pläne und ist damit einverstanden.

      Mein Freund bewundert mich übrigens dafür, dass ich so konsequent geworden bin und es nicht mehr immer und überall jedem Recht machen will. Auch wenn es immer wieder mal "Ausrutscher" gibt. (Und auch, wenn das heißt, dass ich auch ihm gegenüber nicht so leicht mehr nachgebe wie früher. :grins: )

      Es gibt aber auch manchmal "dunklere" Momente, so wie es sie im Leben von nahezu allen Menschen mal gibt. Wenn ich mal wieder in ein Kleid nicht reinpasse, wenn etwas an der Puppe im Schaukasten schön aussieht und bei mir das eher den Charakter von Nilpferd im "Tütü" hat. Aber auch das wird weniger, weil ich mittlerweile besser weiß, was mir gut steht und was ich lieber gleich sein lasse.

      Und wenns ums Heiraten geht? Mein Freund hat mit seriösem Krafttraining begonnen, damit er meine 105 Kilo plus Hochzeitsoutfit usw. ohne Peinlichkeiten über die Schwelle bringt :grins: (Wobei der Alternativplan einfach so aussieht, dass ich ihn darüber hebe und gut ists. :-D)
    • Das ist doch mal schön zu lesen. Ich freue mich richtig mit dir und habe ein breites Grinsen im Gesicht, gerade auch bei dem letzten Satz.

      Malinki, ich wünsche dir von Herzen alles alles alles erdenklich Gute und Schöne für deinen weiteren Weg. :)
      [CENTER]Summ summ summ
      [SIZE=1](Honigbiene)[/SIZE][/CENTER]
    • hallo Malinki,

      ich wünsche dir auch alles Gute, danke für deine geschichte.
      ich finde es toll, dass du deine eigenen Schädigungen erkennst und sie eben nicht an die nächste Generation weiter geben willst. Wenn alles unter den Teppich gekehrt wird, gibt es eine Kette ohne Ende, so wie du es machst - den ganz bewußten Schritt der Abgrenzung - unterbricht diesen Teufelskreis von gestörten Eltern und gestörten Kindern.

      ich habe so etwas ähnliches hinter mir.
      Bei mir ging es nicht ums Gewicht, aber um ein permanentes Abgewertetwerden als Person . Es war wirklich ein Willensakt meinerseits, meine Familie eben nicht so zu behandeln wie ich selbst behandelt wurde, daher bin ich auch in Therapie.

      ich bin auch sicher, du bist eine tolle Mutter und wirst viel Freude mit deinen Kindern haben.

      liebe grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken