Wohlfühl-Lüge?!

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    • Ich fühle mich heute viel wohler als in schlanken Jahren und ob mir das jemand glaubt oder nicht, ist mir egal.

      Das allein hat schon etwas mit dem wohler fühlen zu tun, denn in schlankeren Jahren, als ich jedoch glaubte, bereits zu dick zu sein, fühlte ich mich nicht wohl, sondern immer wie "nicht genügend", weil ich glaubte dass die Ansprüche Anderer an mich implizieren, dass ich dünner sein sollte..

      Sich wohl zu fühlen hat mit tausend Dingen zu tun - vielleicht auch mit dem Gewicht, aber sicherlich nicht in erster Linie und sicherlich nicht bei jedem Menschen.

      Ich könnte jetzt aufzählen, was für mich alles dazu gehört mich wohl zu fühlen, aber bevor ich das tu, würde ich das gern mal als Frage in den Raum stellen:

      Was gehört für Euch dazu um sich wohl zu fühlen?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Ich denke, dass das Wohlfühlen mit vielen Dingen zusammenhängt. Seelisch kann man sich genauso wie man (ich) ist wohl fühlen, egal ob dick oder dünn. Das denke ich schon. Allerdings glaube ich, dass die körperlichen Beschwerden einem eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit und somit auch ein Stück "Wohlfühlen" nimmt. Und das kann wohl keiner von uns leugnen!
    • Du sprichst dann also Menschen, wie einen Stephen Hawkings oder Bobby Brederlow die Zufriedenheit und das Glücklichsein ab?
      Weißt du, das Wohlfühlen ist so ein persönliches Ding, dass Keiner es einem Anderen ab- oder zusprechen kann.

      Wenn man natürlich nur den Schlanken und Gesunden zugesteht, dass sie sich wohlfühlen können, dann ist man ein sehr eingeschränkter Mensch.
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    • Wohlfühlen ist so ein Ding, momentan fühle ich mich nicht wohl, weil ich Orangensaft getrunken habe und die Hitze meine Haut nicht heilen lässt.
      Orangensaft verursacht bei mir in den Hautfalten entzündungen.
      Wenn ich nicht solche Angst vor den Folgen hätte würde ich eine Crash Diät durchziehen um die Falten zu verkleinern. sobald alles wieder abgeheilt ist fühle ich mich auch wieder wohl und kann auch mehr für mich machen.
    • Ich fühle mich schlanker definitiv wohler - vom Körpergefühl her und von der Optik auch. Würde ich da was anderes sagen, dann würde ich mich tatsächlich belügen.

      Andererseits gibt es viele Dinge in meinem Leben, die mich wohl bzw. nicht wohl fühlen lassen. Mein Gewicht ist nur ein Aspekt von vielen.

      Ich habe mich allerdings mittlerweile damit arrangiert .... ich wäre gern schlanker, aber aus div. Gründen geht das im Moment nicht ... das nehme ich jetzt so hin. Und diese Gelassenheit ist tatsächlich auch ein Teil meiner allgemeinen Zufriedenheit.
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Ich glaub schon das man sich als dicker Mensch wohl fühlen kann. Das hab ich auch! Allerdings nur so lange keine großen gesundheitlichen Einschränkungen durch das Übergewicht vorhanden waren.

      Jetzt geht es mir einfach nur noch beschissen.

      Um die Optik geht es dabei an allerletzter Stelle!
    • Meiner Meinung nach hat die Wohlfühl-Lüge sehr viel mit der Glücks-Lüge zu tun. Wir sind eine Generation, der eingetrichtert wurde, dass immer mehr drin ist und der Jetztzustand nur ein Übergang. Wir könnten bessere Eltern, klügere Schüler, erfolgreichere Arbeitnehmer, modebewusstere Frauen, gesündere Verbraucher, kommunikationssicherer, selbstbewusster, ausgeglichener, gläubiger etc. sein. Diese Unzufriedenheit wird uns eingetrichtert, davon lebt die Industrie, die immer nur auf Wachstum ausgerichtet ist.

      Ich hatte vor einigen Jahren ein Aha-Erlebnis. Ich habe mir ein Foto angeschaut, auf dem ich jung, schön, sportlich und schlank war. War ich damals zufriedener als heute, hab ich mich wohler gefühlt? Absolutely not. Das hat mich begreifen lassen dass ich einem Gespenst hinterher jage. Ich werde älter. Die Zähne werden weniger, die Haare grauer und die Haut faltiger. Heute ist immer besser als übermorgen, das ist mir klar geworden. Im Heute zu leben heisst auch auf sich aufzupassen und seinen Körper zu pflegen aber es heisst auch zufrieden zu sein, mit dem was man hat. Ich habe viele Tage, wo ich mich einfach umschaue und bewundere welch verschwenderischer Reichtum die Schöpfung mir bietet.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Ich habe mich schier zu jeder Lebenszeit "wohlgefühlt". Bis auf wenige Tage, an denen ich tatsächlich nichts fand, was gut war. Die Tage sind aber sehr-sehr-sehr selten gewesen.
      Selbst jetzt, wo ich manchmal nicht weiß, wo oben und unten ist und wie das so weitergehn soll, fühle ich mich überwiegend (=lustiges Wort in dem Zusammenhang) wohl.

      Es hat bei mir sehr wenig mit irgendwelchen körperlichen Gegebenheiten zu tun, ob ich mich wohl fühle.
      Mein, Partner, mein Kindi, meine Familie, meine Freunde, meine Jugendarbeit, mein Schöffenamt, mein Kasperltheater, mein Italien-Partnerschaftsverein und schlußendlich ich selbst mache mir so viel Freude und Wohlfühlen, dass es schier nicht zum Aushalten ist.

      Warum soll ich mich da von irgendwelchen physischen Befindlichkeiten niederdrücken und kleinmachen lassen? Das wäre ja wohl absoluter Quatsch.
      Die Figur eines Menschen ist für mich ein so kleiner, unerheblicher Teil, was einen ausmacht, dass ich Niemanden nach seinem Aussehen oder Gewicht beurteile. Ob jetzt einer zwei oder drei Arme hat ist mir völlig schnurz, ich sehe andere Sachen, die mir wichtig sind und die absolut nix mit dicken/dünnen Äußerlichkeiten zu tun haben.

      Ich bin eigentlich immer bis meist mit mir versöhnt. Ich will mich auch nicht tagtäglich selbst bekämpfen, das wäre zu viel Energie auf eine für mich unnötige Sache.
      Ich halte es mit Udo Lindenberg: "Da lieb ich mich doch erst Mal selber"!
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    • Ich kenne auch den Unterschied und ich fühle mich NICHT wohl. Ich kann mich da auch nicht selbst belügen. Ich habe mich mit meinem Gewicht, meinem AUssehen arrangiert, aber ich kann es nicht azeptieren. Es gibt soviel Sachen die ich vermisse. Nicht nur modisch gesehen sondern auch gesundheitlich. Die vielen Einschränkungen, @ganzschöndick schrieb es schon.
      Ich bin ehrlich, ich wünsche mir meinen Körper zurück, den ich 40 Jahre lang gehegt und gepflegt habe. Leider sind dem gesundheitlich Grenzen gesetzt, aber annähernd möchte ich wieder dahin kommen.
      Ich bin auch der Meinung, daß sich viele dicke Menschen mit den Worten "ich fühle mich wohl, so wie ich bin" selbst belügen. Aus welchen Gründen auch immer.
    • Parvaneh schrieb:


      Ich bin auch der Meinung, daß sich viele dicke Menschen mit den Worten "ich fühle mich wohl, so wie ich bin" selbst belügen. Aus welchen Gründen auch immer.


      Warum unterstellst Du das? Nur weil Du dich nicht wohl fühlst muss es bei den anderen auch so sein?
    • Parvaneh schrieb:


      Ich bin auch der Meinung, daß sich viele dicke Menschen mit den Worten "ich fühle mich wohl, so wie ich bin" selbst belügen. Aus welchen Gründen auch immer.


      Das finde ich anmassend. Woher nimmst du diese Weisheit? Kann es sein dass du dir das einfach selbst sagen musst, weil du es nicht schaffst dich in und mit dir wohl zufühlen?

      Ich war dünn, schlank, dick, wieder schlank und jetzt wieder dick, und ich weiss dass es mich nicht glücklicher macht nur weil die Waage ein andere Zahl anzeigt. Für mich gibt es andere Dinge die wichtiger sind.
      Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.
      (Immanuel Kant)
    • Ok, dann sagt mir einfach mal, WAS macht Euch mit Eurem Dicksein glücklich?

      Und ich bitte um einen ordentlichen Ton - ich bin weder anmassend noch sonst etwas. Und ich kann Euch gern sagen woher ich meine "Weisheit" habe, wie ihr so schön in einem bösartigen Ton schreibt.

      Ich arbeite in einer psychologischen Praxis, spezialisiert auf dicke Menschen. Ich leite dort die Gesprächsrunden rumd um das Thema Dicksein, Körper annehmen, Glücksein.

      Alle Patientinnen, die vorher schlank waren sind zu 99% unglücklich darüber, daß sie jetzt in einem falschen Körper leben.

      Patientinnen die schon immer dick waren, auch in der Kindheit, da sind es ca. 80% die sagen, ja ich nehme mich so an, 10% sagen, nein ich mag mich nicht und von den restlichen kommt keine Aussage.

      Wir haben die gleichen Diskussionen wie hier - nur wesentlich freundlicher und diskussionsbereiter.
    • Parvaneh schrieb:



      Alle Patientinnen, die vorher schlank waren sind zu 99% unglücklich darüber, daß sie jetzt in einem falschen Körper leben.

      .


      Ja eben - "falscher Körper", das sagt es schon. Ich war immer dünn und bin jetzt durch Medikamente dick, klar, dass ich nicht begeistert im Quadrat springe: "Wie schön, ich wollte schon immer das Doppelte wiegen!"
      Wie gesagt, nicht schön. Aber ich möchte es LERNEN mit der SELBSTAKZEPTANZ.
      Ich will, dass sich mein falscher Körper wieder wie mein richtiger anfühlt, einfach, weil ich gar nicht genug LEBENSZEIT haben werde, um jahrelang mit meinem Körper zu hadern. Denn das hohe Gewicht kann ich nicht ÄNDERN ( außer ich setze Neuroleptika komplett ab, riskiere eine neue Psychose und bei jedem neuen Schub besteht die Gefahr, dass ich drin hängenbleibe und das Gehirn geschädigt wird)
      Deshalb bin ich hier in diesem Forum. Um von Menschen zu lernen, die ihr Dicksein akzeptiert und sich gerne mögen.
      VORTEILE hat das Dicksein per se nicht. Genauso wenig wie blonde Haare, blaue Augen, eine gerade Nase VORTEILE haben.....
      Ich hoffe doch sehr, dass ihr in eurer psychologischen Praxis den Frauen bei Ausbildung von Selbstakzeptanz und Selbstliebe behilflich seid und NICHT beim Verlieren von Körpergewicht!

      liebe Grüße Lisa
    • Parvaneh schrieb:

      Ok, dann sagt mir einfach mal, WAS macht Euch mit Eurem Dicksein glücklich?

      Die Frage ist doch: warum sollte ich unglücklich sein, nur weil ich in einem dicken Körper stecke???

      Die nächste Frage ist: Wie definiert man Glück? Ich bin weder jede Minute des Tages glücklich, noch bin ich unglücklich. Es gibt Situationen, in denen ich Glück fühle - wenn ich mein Kind in den Arm nehme zum Beispiel. Was wäre daran anders mit einem schlanken Körper???

      Natürlich ärgere ich mich manchmal über mich selber oder über andere. Ich bin manchmal unzufrieden, wenn ich nicht gleich was zum Anziehen finde. Aber deswegen bin ich weder unglücklich, noch fühle ich mich deswegen generell unwohl. Auch Schlanke finden nicht immer was zum Anziehen und auch Schlanke sind nicht jede Minute des Tages glücklich oder unglücklich.

      Es ist immer gefährlich zu verallgemeinern. Aus einer puren Unzufriedenheit ein "Unglücklichsein" zu machen, kann an vielen Ursachen liegen. Aber letztlich kann man das nur für die eigene Person beurteilen.

      Deshalb sind solche Verallgemeinerungen nicht nur unzutreffend, sondern auch anmaßend. Du kannst weder über mich urteilen, noch über die anderen Mitglieder im Forum. Was mich betrifft, so belüge ich weder mich noch andere, noch bin ich mit Deinen Patientinnen gleichzusetzen, noch lebe ich im falschen Körper.

      Wenn Du andere der Lüge bezichtigst, ist es weder unfreundlich noch bösartig, solche Unterstellungen als anmaßend zu bezeichnen.
    • Parvaneh schrieb:

      ...
      Ich bin auch der Meinung, daß sich viele dicke Menschen mit den Worten "ich fühle mich wohl, so wie ich bin" selbst belügen. Aus welchen Gründen auch immer.

      Nur weil du so ein unzufriedener Mensch bist und auch noch genau mit den ganzen tragischen Gestalten beruflich zu tun hast, kannste dein Pauschalmuster nicht allen Menschen überziehen.

      Ich wüßte nicht, warum ich mich bekriegen sollte. Ich ruhte und ruhe in mir. Dick und Dünn. Aber so eingeschränkt, anderen Menschen ihr Wohlbefinden abzusprechen, war ich nie.
      Behalte deine Unzufriedenheit, denn Wohlsein und Glücklichsein kann nur von einem selbst kommen.

      Gerade, wenn du beruflich mit solchen unzufriedenen Dicken zu tun hast, müsstest du etwas empathischer sein und nicht, wie so oft, dein Problem auf andere projezieren. Wie kann man denn bitte mit so einer Grundeinstellung mit psychisch Angeschlagenen arbeiten? Da hat man wohl sprichwörtlich den Bock zum Gärtner gemacht.
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    • Parvaneh schrieb:

      Alle Patientinnen, die vorher schlank waren sind zu 99% unglücklich darüber, daß sie jetzt in einem falschen Körper leben.


      Das sagt alles. Wie kann der eigene Körper falsch sein? Um Gottes willen.

      Und dann lass uns über Bias reden. Du arbeitest in einer psychologischen Praxis. Das ist doch dann wohl imanent, dass diese Menschen ein Problem haben. Vielleicht gerade eben mit der Selbstakzeptanz. Die "glücklichen" Dicken finden den Weg in deine Praxis nicht, daher hast du vielleicht eine verzerrte Wahrnehmung.

      Und lass uns über Ursache und Wirkung reden. Warum sind deine dicken Patienten unglücklich? Weil Dicksein per se unglücklich macht? Weil es gesellschaftlich sanktioniert wird, dick zu sein und sie sich deswegen als Versager fühlen?
      Ich gehe natürlich davon aus, dass jeder - hätte man die Wahl - auf körperliche Einschränkungen jeglicher Art gerne verzichten möchte. Das macht einen Menschen aber nicht notwendingerweise unglücklich. Viele Dicke erfüllen einfach nur die Erwartungen, die der Zeitgeist an sie stellt. Die ärmsten.

      Martina hatte mal folgende Signatur: "Sich als dicken Menschen zu lieben und zu akzeptieren, bedeutet nicht, es toll zu finden, dick zu sein.“

      Es geht eben nicht darum sich selbst zu belügen, sondern sich selbst zu akzeptieren. Und von dort geht es weiter, und zwar selbstbestimmt.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • @Sonnenkuss
      Spar Dir bitte Deine Meinung über meine Arbeit. Wer sagt denn, dass ich meine Einstellung zu meinem Körper auf andere projeziere? Ich mache meine Arbeit seit über 30 Jahren und bin professionell genug, meine Meinung für mich zu behalten (hätte ich hier vielleicht auch machen sollen), denn es kommen ja nicht nur Dicke, Dünne, verprügelte Ehefrauen, es kommen auch andere Menschen. Wie bitte schön, soll ich mit einem Vergewaltiger professionell arbeiten, wenn ich diesen Menschen von vorn herein als Mensch nicht akzeptieren würde.
      Ihr unterstellt Verallgemeinung und tut es selbst. Aber genau diese Art der verbalen Argumentation habe ich auch tagtäglich wenn "glücklich" Dicke und "unglücklich" Dicke im Gruppengespräch aufeinandertreffen.

      @Knallfrosch
      Auch "glücklich" Dicke finden den Weg in die Praxis. Meist aus anderen Gründen. Trotzdem machen sie ihr Dicksein zum Thema, sprechen es an, fragen nach. Warum auch nicht?

      Beim Gruppen- oder Einzelgespräch lassen auch die glücklich Dicken manchmal ihre Maske fallen und sind darunter doch nicht so glücklich wie sie tun. Viele haben sich das glücklichsein und eine verbale Art der Argumentation als Schutzschild zugelegt.

      Ich wünsche Euch noch eine schöne Woche.
    • Au Mannohmannohmann. Ich bin vielleicht nicht glücklich über mein Gewicht oder wegen meines Gewichtes, aber ich erlaube mir trotz meines Gewichtes auch schon mal glücklich zu sein. Mein Leben ist sooooo viel mehr als mein Gewicht und das Leben ist sehr viel größer als jede Waage. Und manchmal fühle ich mich wohl, manchmal unwohl. Wegen des Gewichtes oder wegen des Wetters oder weil die Vögel am Morgen viel zu früh zu laut gesungen haben.

      Problematisch finde ich immer noch die Leute, die mir einreden wollen, ich müsse doch im Grunde allzeit unglücklich sein, weil ich doch dick bin und erfahrungsgemäß Dicke auch schon mal in Praxen oder außerhalb von Praxen mit ihrem Gewicht und wegen ihres Gewichtes kreuzunglücklich sind.

      Ich stelle mir gerade eine Praxis für - sagen wir mal - Männer mit Glatze und Depressionen vor. Ist damit automatisch jeder Glatzköpfige depressiv? Oder gilt das nur für die Glatzköpfigen, mit denen das Praxispersonal ständig zu tun hat?

      Das eigene Erleben prägt halt die Sicht auf die Dinge. Und wenn Parvaneh den ganzen Tag von Dicken umgeben ist, die unglücklich sind, wird sie vermutlich zwangsläufig alle Dicken für zumindest unterschwellig unglücklich halten. Das Gegenteil zu beweisen, wäre ein Kampf gegen Windmühlen.
      [CENTER]Summ summ summ
      [SIZE=1](Honigbiene)[/SIZE][/CENTER]
    • Parvaneh schrieb:

      Ich bin auch der Meinung, daß sich viele dicke Menschen mit den Worten "ich fühle mich wohl, so wie ich bin" selbst belügen. Aus welchen Gründen auch immer.

      Nur weil man nicht permanent glücklich ist, heißt es nicht automatisch, dass man ausschließlich unglücklich sein muss.
      Nur weil man sich nicht permanent wohl fühlt, heißt das nicht automatisch, dass man sich ausschließlich unwohl fühlt.
      Nur weil man dick ist, ist man nicht automatisch ausschließlich dick.

      Ich bin mehr als nur mein Gewicht, sehr viel mehr. Folglich besteht mein Leben auch aus sehr viel mehr als meinem Gewicht. Folglich hängt mein Wohlgefühl von sehr viel mehr ab als nur von meinem Gewicht. Und genau aus dem Grund kann ich auch voller Überzeugung sagen, dass ich mich mag. Und ich fühle mich normalerweise gut und wohl. Dass da zusätzlich ein hohes Gewicht ist, ist für mich persönlich weniger entscheidend.

      Jeder, der mir meine Wahrnehmung streitig machen möchte, so wie ich sie habe, sollte sich mal fragen, ob er oder sie sich das umgekehrt gefallen lassen würde. Ob ich einfach sagen dürfte, dass jede blonde Frau einfach sich nicht schön fühlen kann, oder jede mit einer großen Nase sich nicht stark fühlen kann, jede Frau mit blauen Augen sich nicht schwach fühlen kann, oder auch jede normalgewichtige Frau sich nicht zufrieden fühlen kann. Die belügen sich ja alle nur?

      @Parvaneh, wie sieht es mit der Meinung aus, dass Angestellte in psychologischen Praxen sich einfach nicht entspannen können? Und jede, die mir was anderes erzählt, belügt sich selbst? Wie sieht es damit aus?

      Gruß

      Dani
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Ich finde, das ist irgendwie der Knackpunkt.

      Weder definiere ich mich über mein Gewicht, noch definiere ich mein Glücklichsein (bzw. meine glücklichen Momente) über mein Gewicht.

      Ich bin so vieles.
      Ich bin meist laut und manchmal ganz leise.
      Ich bin auffällig.
      Ich bin bunt.
      Ich bin schrill.
      Ich bin intelligent.
      Ich bin in dem, was ich tue, kompetent.
      Ich bin kreativ.
      Ich polarisiere.
      Ich bin direkt.
      Manchmal bin ich eine furchtbare Nervensäge und Zicke.
      (Liste nach persönlichem Eindruck erweiterbar)

      Und ich bin zufällig auch dick.

      Nur, weil andere mich über eins meiner vielen Attribute, "dick", definieren, muss ich das nicht auch tun!

      Aber grad die Unglücklichen tun das meiner(!) Meinung nach sehr häufig, weil es ihnen eingetrichtert wird und sie ja garnicht glücklich sein können, so wie sie dick sind/nicht der gewünschten Norm entsprechen.
      Ich glaube, andersrum wird ein Schuh draus; die Leute sind unglücklich und weil ihnen "jeder" sagt, dass sie in ihrem Dicksein nur unglücklich sein können, sind sie es dann auch. Quasi wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
      Viele Grüße

      Andrea


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      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz
    • Ok, dann sagt mir einfach mal, WAS macht Euch mit Eurem Dicksein glücklich?



      Nichts. Es ist so und lässt sich nicht ändern. Entweder hadere ich damit, oder ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Ich versuche es zu akzeptieren, was mir manchmal gelingt und manchmal nicht. Wie meine Vorrederinnen schon schrieben, glücklich sein ist von vielen verschiedenen Gegebenheiten abhängig. Dick sein ist ein Punkt von vielen, der mich ausmacht. Aber ich kann definitiv sagen, dass ich jetzt viel öfter glücklich und zufrieden bin, als mit 20.

      Lisa Cortez schrieb:

      klar, dass ich nicht begeistert im Quadrat springe: "Wie schön, ich wollte schon immer das Doppelte wiegen!"



      Früher, mit Anfang Zwanzig hab ich jahrelang Diät gemacht und mich über das Gewicht definiert. Logisch war ich unglücklich, als ich wieder dicker wurde. Und heute habe ich durch die vielen Diäten, Morbus Hashimoto und Kortison so viel auf den Rippen, dass mein unvorstellbarer Alptraum von damals mehr als wahr wurde. Logisch wäre ich nicht todunglücklich 20-30 kg weniger zu haben (und ich wäre dann immer noch dick). Durch die lebensbedrohliche Krankheit vor fünf Jahren haben sich meine Ansichten verändert. Das Leben bekommt andere Prioritäten und ich bin dankbarer geworden.

      LG Finchen