Die neueste Abnehm-Perversion

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    • Ich bin essgestört. Ich bin süchtig.
      Mir geht es nicht nur ums orale Lusterlebnis, sondern darum mit Essen Gefühle dämpfen zu können. Ich esse oft genug Dinge während einer Fressattacken, die von Genuss und oralem Lusterlebnis weit entfernt sind. Da geht es einfach nur ums Essen, ums Abdämpfen. Und daran braucht mein Körper keine Freude haben. Hat er ehrlich gesagt auch nicht, wenn ich mich am nächsten Morgen wie von der Dampfwalze überrollt fühle!

      Insofern ist für mich die Vorstellung mit dem Ventilhähnchen unbezahlbar verlockend. Dabei ist mir ehrlich gesagt völlig schnuppe, wer daran verdient, dass er mir diesen schnellen, unkomplizierten Lösungsweg anbietet. Mir ist dabei völlig egal, dass das Null Lerneffekt hat und selbstverständlich keinerlei Heilung des eigentlichen Problems ist (siehe Blasen an den Füssen oder Kopfschmerztablette).

      Definitiv wäre ich ein Kandidat für eine solche OP.
      Allerdings müsste ich mich erstmal nach den konkreten Kosten erkunden und
      dann für mich feststellen, was mir das eigentlich wert ist.
      Und ich müsste mich konkret nach den daraus entstehenden Risiken erkundigen. Sind das mehr oder weniger als bei jemandem, der einen künstlichen Darmausgang hat?
      Darf ich dann nur noch bestimmte Sachen essen, weil es irgendwelche Begrenzungen gibt?

      Laut einer befreundeten Ärztin gibt es dieses Verfahren im übrigen wohl schon seit Jahren in Deutschland auch im Rahmen der künstlichen Ernährung.

      Aber vermutlich kann man das nur als Essgestörter nachvollziehen. Dass sich das für einen normalen Genussesser krank anhört ist mir völlig klar. Ich bin auch krank, ich bin süchtig.

      Grüsse
      mosaique
    • mosaique schrieb:



      Aber vermutlich kann man das nur als Essgestörter nachvollziehen. Dass sich das für einen normalen Genussesser krank anhört ist mir völlig klar. Ich bin auch krank, ich bin süchtig.

      Grüsse
      mosaique


      Das ist doch mal ne ehrliche Antwort.
      Was tust Du sonst so, auser nach Möglichkeiten zu suchen, Deiner Sucht folgenlos fröhnen zu können, um sie zu überwinden?


      DieÄrztin meint wohl eine PEG -Sonde- das ist schon was anderes- da kommt was in Magen rein- klar könnte man darüber auch Mageninnhalt absaugen...
      Grundsätzlich sind die Komplikationen ähnlich wie bei künstlichem Darmausgang .Das der Dich in Deinem Alltag behindern würde, ist Dir klar?
      Wie gesagt alleine Thema Keime- mal von abgesehen, was da sonst noch so alles im Körper durcheinander käme...sowas darf kein Alternativangebot für Eßgestörte werden.

      Mit Verlaub- ich find kotzen sollte man schon noch selber. Andere sich was ausdenken lassen,wie man das Kotzen umgehen kann- wir haben schon ne komische Servicementalität entwickelt.
      Ich hatte eine Mitpatienten, die war den ganzen Tag mit beschäfftigt Unmengen von Essen durchzukauen und "einfach" in eine Plastiktüte zu spucken.Die vollen Tüten hatt sie dann unterm Bett gesammelt.
      Wäre auch ein alternativer Vorschlag.
    • Grudnsätzlich kann man dies schon als "pervers" im Sinne von "abartig" und damit als Teildefinition im Sinne von "unnatürlich" beschreiben und das wäre keine Meinung, sondern Fakt... denn es ist wider der Natur. Da sich dieses Argument allerdings auf die meisten oder alle medizinischen Eingriffe übertragen lässt... bzw. müsste man die Diskussion erweitern: Tiere fressen z.B. bei Schmerzen auch spezifische Kräuter und suchen Linderung oder Heilung. Dies ist sicher ein Teil der Natur, bei uns wäre es dann aber eine Frage welche Aspekte dazu gehören, aus gesellschaftlicher oder historischer Sicht. Und da die Grenze zu ziehen ist nicht mehr so einfach.

      @mosaique
      Du hast in deinem Wunschdenken einen grossen Fehler:
      Dir geht es hauptsächlich um einen guten Allgemeinzustand, um Funktionalität deines Körpers.

      Der gibt es aber hauptsächlich mit Bewegung und Sport. Der Körper muss überhaupt den Reiz erfahren aus der Lethargie zu erwachen und wachsen und kräftiger werden. Und das ist mit Schmerzen und Anstrengungen verbunden, da führt kein Weg drum herum. Und das ist für jeden, der sich verbessern will anstrengend, ob man schon 10 Kilometer joggen kann oder erst wieder lernt zu gehen - man muss aus der Komfortzone und "über sich hinaus wachsen", wenn man so will.
      Und dies regelmässig zu machen ist vor allem von der Mentalität her eine grosse Anstrengung, besonders wenn einem der Bezug zum Körper und der Bewegung fehlt.

      Das hat aber bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts mit der Ernährung zu tun, auch wenn die sicher langfristig nicht unwichtig ist.
      Nur, mit einer solchen Operation passiert das Gegenteil.

      • Es ist ein massiver Eingriff in den Körper und wird ihn in seiner Funktionalität einschränken. Egal auf welchem Fitnesslevel du dich befindest, durch die zugefügte Verletzung, das hohe Infektionsrisiko, die konstante Abwehr wird dein Körper immer weniger belastbar sein, als ein vergleichbarer Körper mit einem intakter Magen.
      • Durch den Eingriff, der mit einem künstlichen Darmausgang vergleichbar ist, werden auch Ansprüche an deine Ernährung gestellt, ggf. musst du eine Diät einhalten, die den konstant gereizten Magen nicht weiter schädigen.
      • Bei vielen künstlichen Darmausgängen spielt auch der psychische Aspekt eine grosse Rolle, manche schämen sich dafür und fühlen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt bei z.B. Schwimmbad- oder Saunabesuchen, Arztterminen u.a. Auch der intime Kontakt und das Körpergefühl kann leiden. Unter Umständen gibt es Geruchsbildung oder hygienische Situationen, die unangenehm sein können.

      Es ist absolut logisch, dass du mit deiner Sucht ein grosses Problem hast, das müssen wir hier gar nicht schönreden.
      Aber diese OP wird dich nicht zum gewünschten Ziel führen, im Gegenteil.
    • fraubrezle schrieb:



      Mit Verlaub- ich find kotzen sollte man schon noch selber. Andere sich was ausdenken lassen,wie man das Kotzen umgehen kann- wir haben schon ne komische Servicementalität entwickelt.
      .


      FrauBrezle, es kommt mir ein wenig so vor, als hieltest du eine Essstörung für eine Lifestyleentscheidung. Ist es nicht, es ist eine psychische Erkrankung und eine Verhaltenssucht.

      Wie gesagt, ich finde es traurig, dass ein Mensch so krank ist, dass er so eine Operation möchte.

      Genauso traurig, wie wenn jemand Methadon substituiert. Natürlich kommt er nicht von seiner Sucht weg, natürlich lernt er nix draus - aber die schlimmsten Folgen der Drogensucht sind erstmal weg vom Fenster.

      Würdest du da auch sagen: " Na ja, das ist schon eine Service-Mentalität, schieß dir gefälligst dein Heroin auf dem Bahnhofsklo !"?

      An alle anderen: Mit dem Körperbezug, mit dem Sport, ihr habt absolut RECHT. Ich denke, da kann ein Forum Denkanstöße geben, leider fehlt dann die Hilfe im RL. Nicht alle können kämpfen wie beispielsweise Martina ( die ja auch keine Esstörung hat ).

      Ich finde es nicht toll, dass die einzige Hilfe, die jemand bekommt, solch eine OP ist.
      doch ich möchte auch niemanden als "abartig" verurteilen, der diesen Weg geht.
      ( auch ich finde es verlockend, mich auf diese Weise von Bauchschmerzen und Schuldgefühlen und Selbsthass zu befreien - den Selbsthass fühle ich NICHT, weil ich dick bin, sondern eben wegen meinem unkontrollierten Essverhalten, nur nebenbei)

      Wichtig finde ich - und ich fand das hier bei den threads über die OPs auch immer gut - dass dem Menschen alle Informationen an die Hand gegeben werden, auch Risiken , Nebenwirkungen und Spätfolgen, bevor er sich für irgendetwas entscheidet ( leider kommen Ärzte dieser Aufklärungspflicht nicht nach).

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • mosaique schrieb:

      Mir geht es nicht nur ums orale Lusterlebnis, sondern darum mit Essen Gefühle dämpfen zu können. Ich esse oft genug Dinge während einer Fressattacken, die von Genuss und oralem Lusterlebnis weit entfernt sind. Da geht es einfach nur ums Essen, ums Abdämpfen. Und daran braucht mein Körper keine Freude haben. Hat er ehrlich gesagt auch nicht, wenn ich mich am nächsten Morgen wie von der Dampfwalze überrollt fühle!
      Ich schrieb ja ausdrücklich, dass ich das Ganze nicht aus der Sicht einer Essgestörten betrachte.

      Unabhängig davon, bin ich sicher, dass diese Vorrichtung nicht für Essgestörte geschaffen wurde. Und ehrlich gesagt, hoffe ich, dass das Ausschlusskriterium "Essstörung", das eigentlich für die gesamte AC gilt, hier ganz besonders streng zur Anwendung kommt, weil ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass das nicht mit massiven zusätzlichen psychischen Belastungen einhergeht ...
    • Lisa Cortez schrieb:

      FrauBrezle, es kommt mir ein wenig so vor, als hieltest du eine Essstörung für eine Lifestyleentscheidung. Ist es nicht, es ist eine psychische Erkrankung und eine Verhaltenssucht.


      Das ist mir voll bewußt. Ich bin ja nicht suchtfrei.Auserdem habe ich lange mit jemanden gelebt, der 20 Jahre Jahre bullemisch war- plus diverse anderer Süchte.
      Das war ein harter Kampf und ich habe Respekt, wenn ihn jemand geht.
      Am Ende war der Mensch, dank Ehrlichkeit und guter Therapeuten "suchtfrei".
      Sicher wünscht sich jeder, daß er seine ungesunden Verhaltensweisen einfach folgenlos leben könnte- zumindest manchmal- das mach ich auch.

      Also ich bin die Letzte , die glaubt,daß man sich einfach anders entscheiden kann.
      Aber ich glaube es gibt- wie es eine Bullemikerin in ihrer Abschlußrede in der Therapie mal meinte nur einen Weg..".ich bin x, ich kotze in der dritten Generation.Hier habe ich gelernt, es gibt nur einen Weg- nicht drumherum , nicht drüber weg- es geht nur mittendurch.Solange ich mich nicht ehrlich meinen Geistern stelle, werde ich keine Heilung finden"....

      und ich denke "niemand" weiß das besser als jemand wie Du.
    • Hm, ich muss sagen, aus der Perspektive "hinterher", also nachdem ich den Weg raus aus dem Teufelskreis mit den Essanfällen etc. gefunden habe, würde ich eine solche OP nicht machen lassen, denn es hilft nicht. Ich hätte mich dadurch nicht besser gefühlt. Und die Gefahr wäre gegeben gewesen, dass ich noch mehr abgestürzt wäre... obwohl ich sagen muss, dass ich viel mehr gar nicht hätte essen können, da mein finanzieller Spielraum es zu dem Zeitpunkt gar nicht hergab. Miete schuldig bleiben als Konsequenz, davor bin ich immer zurückgeschreckt. Und das ist auch gut so.

      Man überlege: Wenn man isst, um durch das Völlegefühl, die Beschäftigung mit dem Essen, dem Kauen und Schlucken, die Gefühle runterschluckt und wegisst und betäubt, die einem Angst machen oder die man sich nicht gestattet zu haben... und dann alles aus dem Magen wieder abpumpt - dann sind die Gefühle doch wieder viel eher da, denke ich. Die Betäubung hält weniger lang an und man muss viel eher wieder zum Essen greifen, sich eher wieder betäuben. Das macht es aus meiner Sicht nur schlimmer.

      Grüße
      Dani
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • fraubrezle schrieb:

      Das ist doch mal ne ehrliche Antwort.
      Was tust Du sonst so, auser nach Möglichkeiten zu suchen, Deiner Sucht folgenlos fröhnen zu können, um sie zu überwinden?


      Einiges. Und weil das ziemlich anstrengend, fordernd und arbeitsintensiv ist, ist eben genau diese Möglichkeit sehr verlockend.

      fraubrezle schrieb:


      Grundsätzlich sind die Komplikationen ähnlich wie bei künstlichem Darmausgang .Das der Dich in Deinem Alltag behindern würde, ist Dir klar?


      Ist das so? Da habe ich bislang keine Erfahrung mit, nur einen Bekannten, der Stomaträger ist und darüber noch nie ein Wort verloren hat.
      Aber ich schrieb ja bereits, dass das mit zu den Dingen gehört, wo ich mich vorher erkundigen müsste, welche Folgen das hat.

      fraubrezle schrieb:


      Mit Verlaub- ich find kotzen sollte man schon noch selber. Andere sich was ausdenken lassen,wie man das Kotzen umgehen kann- wir haben schon ne komische Servicementalität entwickelt.


      Och nö... ich habe das nie probiert, aber ich glaube, das ist anstrengend und macht die Speiseröhre und die Zähne kaputt. Da ist die Idee mit den Tüten weniger "schädlich".

      Die Argumentation mit Sport und so von Joy hört sich zwar durchaus logisch an. Tatsächlich mache ich 2-3x die Woche Sport, um das Gewicht nicht ausufern und damit den Gesundheitszustand noch schlechter werden zu lassen. Allerdings löst das mein Essproblem nicht. Sondern dämmt auch nur - wie es eine solche OP machen würde - die Folgen ein.

      Zustimmen kann ich Dir, Joy, allerdings nicht in diesem Satz:
      Grudnsätzlich kann man dies schon als "pervers" im Sinne von "abartig" und damit als Teildefinition im Sinne von "unnatürlich" beschreiben und das wäre keine Meinung, sondern Fakt... denn es ist wider der Natur.

      Deine Herleitung finde ich wirklich abenteuerlich. Aussagen wie "pervers", "abartig" oder "unnatürlich" sind keine Fakten, sondern Bewertungen. Es ist auch wider die Natur, dass der Mensch aufrecht geht oder Auto fährt. Ist das Deiner Meinung nach pervers oder abartig?
      de.wikipedia.org/wiki/Tatsache
      Eine Tatsache ist je nach Auffassung ein wirklicher, nachweisbarer, bestehender, wahrer oder anerkannter Sachverhalt.
      Die bloße Meinungsäußerung oder ein reines Werturteil stellt als Mitteilung subjektiver Wertungen den Gegenbegriff zum Tatsachenbegriff dar.

      Am interessantesten und logischsten hört sich für mich tatsächlich die Argumentation von Dani an: durch das Essen soll ja gerade dieses Völlegefühl erzeugt werden, was eben vom eigentlichen Problem "Gefühl" ablenken soll. Wenn also das Gegessene vor dem Gang in den Darm aus dem Magen abgeführt wird, hält die Betäubung weniger lang an, was tatsächlich zu häufigeren Essanfällen führen kann.

      Aber grundsätzlich: ich habe zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass diese OP hilft, das Essproblem zu beseitigen. Ich habe zu keinem Zeitpunkt behauptet, dass man dabei etwas lernt oder dass das zu einer Heilung führt. Das ist mir völlig klar!

      Nichtsdestotrotz bleibe ich dabei: für mich ist eine solche OP so verlockend wie eine Tablette bei Kopfschmerzen. Aber auch bei Kopfschmerztabletten erkundige ich mich nach den Kosten und Nebenwirkungen und entscheide dann, ob und was mir meine Schmerzfreiheit wert ist.

      Grüsse
      mosaique
    • Meine persönliche Meinung:
      Wer das Teil erfunden hat, hat es möglicherweise aus "guter Absicht" getan: um Menschen, die unter dem Dick leiden, und nicht wissen, wie sie abnehmen sollen, zu helfen.
      Manche Mediziner, die das Teil verordnen und einsetzen, mögen das auch aus "guter Absicht" tun: Menschen zu helfen, die sich nicht anders zu helfen wissen. Oder Leute zu entlasten, die sich den Funktionen ihres Körpers irgendwie ausgeliefert fühlen.

      Personen, die diesen Schritt gehen, mögen tatsächlich so verzweifelt sein, daß sie alle Nachteile und Risiken in Kauf nehmen, um einem Leidensdruck zu entfliehen. Einem Leidensdruck, den sie als "größer" empfinden mögen, verglichen zu den möglichen Risiken.

      Dagegen eine "Tatsache". Kein "juristisches Faktum", sondern eine natürliche Tatsache:
      Wenn die Natur gewollt hätte, daß wir die Nahrung, die wir zu uns nehmen, gar nicht erst in die "Verwertung" gelangen lassen, sondern sie direkt aus dem Magen wieder loswerden - ohne nährstoffmäßigen Nutzen aus ihr gezogen zu haben - dann hätte die Natur den Menschen bereits vor Jahrtausenden mit einem Ventilhähnchen ausgestattet.

      Sicher ist es schlimm, daß wir durch die zunehmend unnatürlichen Lebenszusammenhänge, in denen wir zu leben gezwungen sind, "logischerweise" in zunehmend unnatürliche Verhaltensweisen gezwungen werden.
      Ich glaube, daß auch Eßsucht eine Verhaltensweise sein kann, die durch völlig un-artgerechte Lebenszusammenhänge befördert oder verursacht wird.

      Schwer zu entscheiden, ob man im Fall eines Leidensdruckes eine "unnatürliche" Handlungsweise und deren schmerzhafte Konsequenzen mit weiteren unnatürlichen Mitteln kurieren will - oder ob man sich darauf besinnt, daß es auch noch einen natürlichen Weg gibt, zu dem man Zuflucht nehmen kann.

      Es ist auch eine Frage des Menschenbildes, das eine Person hat, zu welcher Lösung sie tendieren will.
    • Issi schrieb:

      Dagegen eine "Tatsache". Kein "juristisches Faktum", sondern eine natürliche Tatsache:
      Wenn die Natur gewollt hätte, daß wir die Nahrung, die wir zu uns nehmen, gar nicht erst in die "Verwertung" gelangen lassen, sondern sie direkt aus dem Magen wieder loswerden - ohne nährstoffmäßigen Nutzen aus ihr gezogen zu haben - dann hätte die Natur den Menschen bereits vor Jahrtausenden mit einem Ventilhähnchen ausgestattet.
      Hat sie doch, nennt sich Brechreiz. Mit dem "Wenn die Natur gewollt hätte, dass..."-Argument kann man eine Menge Dinge ad absurdum führen. Fliegen (Haben Menschen Flügel?) z.B.
      Aber auch fast alle medizinischen Techniken, für die eine Verletzung des Körpers notwendig ist, also Blut abnehmen, sämtliche chirurgische Operationen oder Impfen (was ja eh heiß diskutiert wird mit genau diesem Argument). All das ist nicht natürlich. Ist es deswegen pervers?

      Es liegt mir fern, pro dieses Ventils zu argumentieren, da ich persönlich auch denke, dass es nicht hilfreich ist. Aber die Art und Weise, wie hier zum Teil argumentiert wird, ist - mit Verlaub - unter aller Sau.

      Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es wichtig, die Ursachen der ES zu finden. In meinem Fall waren das z.B. Verlustängste und eine Sucht nach Aufmerksamkeit in der Kindheit. Dies habe ich mit Hilfe eines Therapeuten in gerade mal 2 Sitzungen heraus gefunden. Danach hat es ca. 2-3 Jahre und viele Gespräche mit meinen Eltern gedauert (ohne therapeutische Unterstützung), bis ich sagen konnte: Ich habe keine ES mehr. Meine VT hat das in über 5 Jahren nicht geschafft, da sie nur Symptome bekämpfen wollte.

      Mehr ist ein solches Ventil in meinen Augen auch nicht: Ein Symptombekämpfer. Hilft maximal temporär.
    • @KirRoyal

      Du hast Recht: man kann eine Menge Dinge ad absurdum führen.
      Und es ist nicht immer einfach zu entscheiden, wo die Grenzlinie verläuft.

      Ich denke immer an eine Erkenntnis Thor Heyerdahls. Weiß nicht, ob Du den noch kennst. Das war "zu meiner Zeit" ein Weltumsegler, der "zurück zur Natur" wollte und auf diese Weise ein paar Sachen herausgefunden hat.

      Einmal hat er sich mit seiner Frau auf einer Insel j-w-d absetzen lassen. Es gab schon eine Siedlung von Menschen, und einmal im Jahr kam ein Postschiff vorbei. Aber er wollte ja zurück zur Natur, und ist quasi mit Lendenschurz und Buschmesser in den Dschungel gezogen.

      Ging alles eine Weile gut, bis er das erste zivilisatorische Accessoire vermisste: ein Moskitonetz.
      Später wurden er und seine Frau sehr, sehr krank - und hatten keine "modernen" Medikamente. Kurz bevor die Krankheit ein Stadium erreicht hatte, in dem Beine hätten amputiert werden müssen, konnten sie mit dem jährlichen Postschiff auf eine Nachbarinsel fahren. Dort gab es medizinische Versorgung.

      Er sagte dann, das hat ihm gelehrt, daß es Technik und zivilisatorische Errungenschaften gibt, die dem Leben DIENEN und die man dankbar begrüßen muß. Er würde nie wieder "das Kind mit dem Bad ausschütten".
      Aber daneben gibt es auch jede Menge Sachen in unserer Zivilisation, die nicht nur unnötig oder unnatürlich oder "daneben" sind, sondern manchmal dem Benutzer sogar zum Nachteil gereichen.

      Wenn man sich fragt, ob der Ventilhahn dem Leben dient, kann man sicherlich zu unterschiedlichen Antworten gelangen.
      Es ist ein unnatürlicher Fremdkörper, der da implantiert wird, und es ist eine Öffnung im Körper, die an dieser Stelle "von Natur aus" offensichtlich nicht vorgesehen ist.

      Abgesehen von allem, glaube ich nicht, daß hier in diesem Thread irgendeine Argumentation "unter aller ..." ist. Es gibt Argumente für beide Seiten.
      Ich würde Dich nur gern bitten, liebe KirRoyal, frei von "tierischen Schimpfwörtern" zu argumentieren.

      Liebe Grüße von
      Issi
    • mosaique schrieb:

      Es ist auch wider die Natur, dass der Mensch aufrecht geht oder Auto fährt.


      Doch. Der aufrechte Gang gehört zur Evolution des Menschen, ebenso wie die Evolution der Großhirnrinde, die es ermöglicht, unsere Umwelt an unsere Bedürfnisse anzupassen und Werkzeuge wie Maschinen zu konstruieren.
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    • Issi schrieb:

      Wenn man sich fragt, ob der Ventilhahn dem Leben dient, kann man sicherlich zu unterschiedlichen Antworten gelangen.
      Es ist ein unnatürlicher Fremdkörper, der da implantiert wird, und es ist eine Öffnung im Körper, die an dieser Stelle "von Natur aus" offensichtlich nicht vorgesehen ist.
      Ich habe mir schon manches mal ein solches Ventil gewünscht: An der einzigen Vene, die bei mir überhaupt Blut gibt, die aber mittlerweile so vernarbt ist, dass sich Ärzte, Praktikanten & Co fast die Zähne daran ausbeißen. Da würde ich gern die Evolution beschleunigen ;)

      Issi schrieb:

      Ich würde Dich nur gern bitten, liebe KirRoyal, frei von "tierischen Schimpfwörtern" zu argumentieren.
      Geschenkt. Ersetze das weibliche Schwein durch "Kanone".

      Ich finde im Übrigen, dass man ... ach, egal.
    • Lunix schrieb:

      Doch. Der aufrechte Gang gehört zur Evolution des Menschen, ebenso wie die Evolution der Großhirnrinde, die es ermöglicht, unsere Umwelt an unsere Bedürfnisse anzupassen und Werkzeuge wie Maschinen zu konstruieren.


      Dann gehört das Ablassventil auch dazu, weil es mir ermöglicht meine Umwelt an meine Bedürfnisse anzupassen und ich so ein Werkzeug konstruieren und nutzen kann. :grins:
    • Lunix schrieb:

      Nö, (Selbst-)Verstümmellung ist von der Evolution nicht vorgesehen.


      Diese Deine Meinung teile ich nicht. Sie mit genügend andere Gegenbeispielen wird aber auch Deine Meinung nicht ändern, daher belasse ich es an dieser Stelle dabei.

      Lunix schrieb:


      Was und wieviel muss man täglich rauchen, um auf absurde Schlussfolgerungen dieser Art zu kommen? Auch :grins:


      Bitte sachlich bleiben!
      Entschuldige, dass ich mich mit Dir nicht auf eine Ebene der persönlichen Angriffe begebe. Ich kenne Dich nicht und für einen solchen Schlagabtausch fehlen mir die Grundlagen im Wissen um Deine Person.
    • natürlich ist ALLES, was passiert, ein Produkt unseres hochentwickelten Gehirnes und da AUCH die Essstörungen, oder habt ihr schon Schimpansen in freier Wildbahn mit einer psychischen Störung gesehen?
      Da psychische Erkrankungen die "Nebenwirkung" unseres so erfolgreichen Gehirns sind, könnte man sehr wohl JEDEN Eingriff, der sich darauf bezieht, auch als evolutionär sinnvoll betrachten....dazu muss ich nix rauchen....

      der Biologismus - Blinddarmop ja, Magenverkleinerungsop nein, - rechtfertigt aber nix und führt ganz weit weg von den Fragen:

      WIE WOLLEN WIR LEBEN? WELCHE GESELLSCHAFT WOLLEN WIR? AUF WELCHE WEISE WOLLEN WIR UNGLÜCKLICHEN MITMENSCHEN HELFEN?

      Nur von der Ethik kann imho überhaupt Kritik kommen, nicht von der Bilogie,
      die Biologie ist gnadenlos, sortiert aus und um, und was nicht passt, wird entweder passend gemacht oder verschwindet.
      und wenn es nach der Natürlichkeit gehen soll, war schon das Klettern vom Baum ein Schritt in die falsche Richtung.



      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • muß oder nicht

      Lisa Cortez schrieb:



      der Biologismus - Blinddarmop ja, Magenverkleinerungsop nein, - rechtfertigt aber nix und führt ganz weit weg von den Fragen:

      WIE WOLLEN WIR LEBEN? WELCHE GESELLSCHAFT WOLLEN WIR? AUF WELCHE WEISE WOLLEN WIR UNGLÜCKLICHEN MITMENSCHEN HELFEN?

      Nur von der Ethik kann imho überhaupt Kritik kommen, nicht von der Bilogie,
      die Biologie ist gnadenlos, sortiert aus und um, und was nicht passt, wird entweder passend gemacht oder verschwindet.
      und wenn es nach der Natürlichkeit gehen soll, war schon das Klettern vom Baum ein Schritt in die falsche Richtung.



      liebe Grüße Lisa



      na ja- blindarm mußte raus- viehische schmerzen, mal abgesehen, daß ich abgenippelt wäre hätte man ihn drin gelassen.

      magenverkleinern muß nicht


      und zu deinen fragen , wie wir leben wollen usw.

      ach ich glaub eh, daß wir nur son meilenstein im laufe der evolution sind

      Und wenn wir uns weiterhin so gegen unsere eigene und die natur im allgemein richten, dann werden wir , weil langfristig nicht überlebensfähig von der evolution dahin gerafft

      ich hoff doch sehr, daß wir nicht das letzte projekt sind vom "was immer den laden hier lenkt"

      aber man kann ja weiter philospphieren- vieleicht gibts mich gar nicht- vielleicht bin ich nur ein gedanke- vielleicht gibts gar nix....
    • Ich denke nicht, dass uns Fragen der Evolution hier weiterhelfen. Es ist eine Frage der Ethik, wie auch schon Lisa Cortez gesagt hat. Muss wirklich alles Machbare auch gemacht werden?

      Ich selbst empfinde dieses "Ablassventil" auch als pervers im eigentlichen Wortsinn: "eine Verkehrung ins Krankhafte oder Abnorme". Über das Abnorme müssen wir uns nicht streiten, denke ich, und krankhaft ist es auch. Welcher gesunde Mensch würde über so etwas auch nur nachdenken?

      Bitte nicht falsch verstehen, damit ist meinerseits kein Werturteil verbunden - zumindest nicht über diejenigen, die das aufgrund ihres Leidensdrucks in Betracht ziehen. Als Ex-Essgestörte kann ich das durchaus nachempfinden.

      Bei den Medizinern, die an so etwas Geld verdienen, sieht das schon ganz anders aus. Ich glaube nämlich nicht, dass es hierbei um echte Hilfe für die Betroffenen geht. Da muss man schon an Dummheit grenzend borniert und/oder uninformiert sein, wenn man glaubt, man könnte Patienten auf lange Sicht so helfen.
      [CENTER]Bunt ist das Dasein und granatenstark![/CENTER]
      [CENTER][SIZE=1](Bill und Teds verrückte [/SIZE][/CENTER]
      [CENTER][SIZE=1]Reise durch die Zeit)[/SIZE][/CENTER]
    • noch eine methode- gibts aber schon länger....

      de.wikipedia.org/wiki/Bandwurmdi%C3%A4t#Eine_moderne_Sage.3F

      nur das bläht den bauch so auf- jedenfalls hatten meine geretteten tiere immer so ein wurmbäuchlein...

      oder , daß hier ist doch auch eine nette idee

      express.de/ratgeber/gesundheit…m-abnehmen-helfen-5538270

      es ist doch traurig, was man sich alles anzutun, nur um dazuzugehören...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fraubrezle () aus folgendem Grund: erweiterung....

    • Wenn es nur um Schönheit ginge ist es auch Sache des Einzelnen, aber viele haben Angst, auch ich , wegen der Erkrankungen und Bewegungseinschränkungen. Es ist nicht leicht mit so viel Gewicht zu leben, Diabetis zu haben und wenn einem Kniee und andere Gelenke weh tun.
      Ich kann verstehen warum sich Menschen solche Torturen antun.
      Für mich habe ich gemerkt bringt es nichts weil ich mich dann noch mehr schädige aber jeder verdient Respekt für sein Leben und handeln
    • ich denke auch, dass der Vorwurf, nur einem mainstream angehören wollen, zu kurz greift. Einige dicke Menschen haben massive gesundheitliche Probleme.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      ich denke auch, dass der Vorwurf, nur einem mainstream angehören wollen, zu kurz greift. Einige dicke Menschen haben massive gesundheitliche Probleme.


      Das sehe ich ganz genauso. Und manchen kann durch operative Methoden geholfen werden, Beispiele gibt es auch hier im Forum. Anderen wiederum wird durch andere Maßnahmen geholfen, ihre gesundheitlichen Beschwerden zu überwinden oder zumindest einen Weg zu finden, damit im Alltag mehr oder weniger ohne Einschränkungen leben zu können.
    • Ich hab' das mal in einer Abnehm-Doku gesehen. Da hat ein Mann aus England diese OP gemacht und war sehr zufrieden damit.
      Ich kann es mir auch überhaupt nicht vorstellen sowas freiwillig zu machen. Vielleicht ist es ja genau wie die Magenverkleinerung eine Lösung für ganz extreme Adipositas-Fälle.

      LG Julia