WDR-Bericht - Ein 13 jähriger Junge mit über 200 Kilo bekommt einen Magenbypass

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    • WDR-Bericht - Ein 13 jähriger Junge mit über 200 Kilo bekommt einen Magenbypass

      Heute Abend bei WDR "Menschen hautnah" von 22.30 Uhr - 23.15 Uhr DIESER Bericht. Das Kamerateam von "Menschen hautnah" hat Lucas und seine Familie zwei Jahre begleitet. Lucas ist 13 Jahre und wiegt über 200 Kilo.
      Die Ärzte sehen nur noch einen Ausweg: er muss sich einer Magen-Bypass-OP unterziehen. Ein Eingriff mit hohem Risiko. Denn was Kinder und Jugendliche in Deutschland angeht, verfügen Adipositas-Chirurgen noch über sehr wenig Erfahrung.

      Ich werde diesen Bericht nicht sehen können, aber aufnehmen und ich habe schon jetzt bedenken wie dieses Thema angegangen wird. Eigentlich bin ich mit der Art der Reportagen bei „Menschen hautnah“ zufrieden und ich hoffe, dass dieses heikle Thema sehr sensibel recherchiert wurde und nicht nur vor dem Hintergrund der Gewichtsabnahme. Des Weiteren frage ich mich, ob man bei Lucas auch alle vorherigen Untersuchungen durchführte von Endokrinologie und anderen Fachärzten die abklären, woher der starke Drang zu Essen kommt.

      Ich finde es sehr besorgniserregend einem Kind einen Magenbypass zu operieren und dieses auch noch als Reportage im Fernsehen zu zeigen, auch wenn das sehr hohe Gewicht Lucas belastet glaube ich, dass der permanente Hunger, von Lucas, einen Grund haben muss.
    • seine krankhafte Esssucht hat ihn voll im Griff.


      Und mit einem Magen-Bypass soll das anders werden? So was macht mich richtig sauer! Ich kann mir nicht vorstellen, dass die wirklich alles abgeklärt und untersucht haben, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

      Ich werd mirs angucken.

      LG Finchen
    • Warum soll das mit dem Magenbypass nicht anders werden?
      Es ist die letzte Lösung, die es für sehr übergewichtige Menschen gibt. Ein Kind in dem Alter mit über 200 kg, das ist eine Ausnahmesituation und nicht der Standard. Es wird doch geschrieben, dass das Kind in ärztlicher Behandlung ist und welche Mutter würde nicht ihr Kind in alle Richtungen abklären lassen, bevor sie so einem Eingriff zustimmt?
      Dass die Eltern nach dem Strohhalm AC greifen finde ich verständlich.
      Ich schaue mir die Sendung heute Abend an.
    • Oh, Mist. Ich habe anderswo geschrieben, dass ich gerade das Buch von Achim Peters "Das egoistische Gehirn" lese. Dort wird erklaert, dass enige Defekte im Gehirn zu so einem Essensdrang fuehren koennen. Und dass sie durch eine Magen-OP natuerlich nicht weggehen, denn das defekt ist ja im Gehirn, und nicht im Magen. :(

      Das Gehirn kann durch diese Defekte (sie koenenn an mehreren Stellen auftreten und wurden mit -- leider sehr grausamen -- Tierversuchen belegt) nur sehr wenig Glukose aus dem Blut aufnehmen und befindet sich in staendiger Hungersnot, obwohl die betreffende Person staendig isst. Man nimmt also viel Kalorien auf, die Glukose kommt aber im Gehirn nie an.

      Achim Peters erklaert dadurch auch die mit der Adipositas-Chirirgie verbundenen Depressionen, die leider sehr haeufig vorkommen sollen. Durch die OP kann man ja nicht mehr so viel essen wie frueher, und das versezt das Gehirn in eine absolute Ausnahmesituation, in der alles aus den Fugen geraet, weil das Gehirn nicht mehr genug Energie zum normalen Funktionieren hat. Daraus entwickeln sich alle moeglichen psychischen Folgen, inklusive Depressionen und Selbstmorde.

      Ich hoffe nur, dass es bei dem armen Jungen anders verlaufen wird. Aber... :(
    • Die Sendung fand ich sachlich und gut. Es wurde gesagt, dass die Süssigkeiten irgend ein Defizit ausgleichen. Und ich frage mich, warum die Ursache für die Esssucht nicht gefunden wurde. Er war in psychologischer Betreuung. Und ich frage mich auch, wenn der Junge die Antwort selber nicht weiss auf das warum, ob man vielleicht mit Tiefenpsychologie die Ursache gefunden hätte, die möglicherweise viele viele Jahre zurück liegt. Als Mutter hätte ich in Richtung Psychologie alles ausgeschöpft. Es wurde auch gesagt, dass wenn er Wertgeschätzt wird, dass er dann weniger Süsses isst. Warum kam da keiner drauf, bevor die OP gemacht wurde?


      @ Muminfrau

      Von der Theorie mit dem Gehirn hab ich auch schon in einem Artikel gelesen und ich finds interessant und es erklärt auch einiges.

      LG Finchen
    • Man kann mit einer Theorie nicht alles erklaeren, das ist klar, und die Ursachen fuer die Essucht sind wahrscheinlich auch in diesem Fall sehr vielfaeltig.

      Und doch, gerade in diesem Fall wuerde ich die Ursache eher in einem Gehirn-Defekt als in der Psychologie vermuten.

      Das Gute ist, dass das Gehirn sehr plastisch ist und sehr Vieles ausgleichen kann, deswegen hoffe ich sehr, dass der Junge "durchkommt". Trotzdem finde ich es absolut schrecklich, dass er operiert wurde. (Ich habe die Sendung nicht gesehen.)
    • Muminfrau schrieb:

      Oh, Mist. Ich habe anderswo geschrieben, dass ich gerade das Buch von Achim Peters "Das egoistische Gehirn" lese. Dort wird erklaert, dass enige Defekte im Gehirn zu so einem Essensdrang fuehren koennen. Und dass sie durch eine Magen-OP natuerlich nicht weggehen, denn das defekt ist ja im Gehirn, und nicht im Magen. :(

      Das Gehirn kann durch diese Defekte (sie koenenn an mehreren Stellen auftreten und wurden mit -- leider sehr grausamen -- Tierversuchen belegt) nur sehr wenig Glukose aus dem Blut aufnehmen und befindet sich in staendiger Hungersnot, obwohl die betreffende Person staendig isst. Man nimmt also viel Kalorien auf, die Glukose kommt aber im Gehirn nie an.

      Achim Peters erklaert dadurch auch die mit der Adipositas-Chirirgie verbundenen Depressionen, die leider sehr haeufig vorkommen sollen. Durch die OP kann man ja nicht mehr so viel essen wie frueher, und das versezt das Gehirn in eine absolute Ausnahmesituation, in der alles aus den Fugen geraet, weil das Gehirn nicht mehr genug Energie zum normalen Funktionieren hat. Daraus entwickeln sich alle moeglichen psychischen Folgen, inklusive Depressionen und Selbstmorde.

      Ich hoffe nur, dass es bei dem armen Jungen anders verlaufen wird. Aber... :(


      Das was hier mit der ständigen Unterversorgung erklärt wird, erinnert mich sehr an ein Buch über Alkoholismus welches ich vor Jahren gelesen habe.
      Dort wurde erklärt, dass einer der vielen Gründe warum ein Mensch Alkoholsüchtg werden kann darin liegt, dass es Menschen gibt, deren Körper sie nicht wie bei gesunden Menschen mit Wohlfühlhormonen versorgt.
      Während diese bei gesunden Menschen beim Genuss verschiedener Nahrungsmittel, bei Sport oder schönen Erlebnissen und so weiter, ausgeschüttet werden, erlebt der Alkoholkranke dies nur im Genuss von Alkohol.
      Eine Fehlschaltung im Körper die hier mit Alkohol irgendwie ausgeglichen wird.
      Hier hat man Versuche gemacht, die Betroffenen mit entsprechenden Medikamenten zu behandeln und bei vielen hat das die körperliche Sucht besiegt.

      Zu der Sendung:
      Ich habe sie nicht gesehen, kann mir jedoch das Dilemma der Eltern - was ist der richtige Weg für mein Kind - gut vorstellen.
      Sie wollen sicherlich das Beste für ihr Kind und wenn "Fachleute" ihnen zu diesem Weg raten, mögen sie davon überzeugt sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

      Ich möchte nicht in der Haut der Eltern stecken.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Es war zwar spät, aber ich habe mir den Film, mit meinem Mann, angesehen.

      Dieses war eine „Menschen hautnah“ Sendung mit der ich nicht sonderlich zufrieden war. Als Beispiel hierfür fällt mir die Off-Stimme ein die des Öfteren unnütze Fragen stellte wie: „warum isst du denn so viel und warum hörst du nicht auf damit“?...:batsch:


      Es wurden Bilder von dem Jungen zu Kindergartenzeiten gezeigt und die sollten als Beweis dienen, dass der Junge schon von früh an ungezügelt gegessen hatte. Die Aussage von der Mutter „er nahm den anderen Kindern die Pausenbrote weg“ und „er stieg in die Mülltonne und nahm sich Essen heraus“ sollten das Ausmaß seiner ungezügelten Essgier belegen. Das Bild welches man dazu zu sehen bekam, war ein kleiner Junge, im Kindergartenalter, der pummelig war.


      Die erste Diät die der Junge machen musste war mit sechs Jahren :unsinn: Ab diesem Alter musste der Junge immer auf Diät sein und anhand von den Bildern sah man, dass der Junge zwar dick war, aber nicht „unnormal“ dick. Sehr stark an Gewicht zugelegt hat der Junge ab seinem 13. Lebensjahr und da hatte er schon eine Diät Karriere hinter sich von über sechs Jahren…unvorstellbar was diese Art der Ernährung bei dem Jungen ausgelöst haben muss. Die gesamte Familie hat immer nur ein Thema am Esstisch „Essen bzw. wenig Essen“. Einmal sah man beim Abendbrot, dass die Wurst von zig abgepackten Wurstpackungen kam, dass hatte für mich nicht den Eindruck, dass die Eltern Wert auf qualitativ hochwertige Produkte legt.


      Die Mutter ist überfordert und das sagt sie auch, und lässt ihre Enttäuschung an dem Jungen aus und der Stiefvater ist enttäuscht und lässt seine Enttäuschung an dem Jungen aus und die Schwester ist enttäuscht von ihrem Bruder und davon, dass die Familie sich immer mit ihm und dem Essen beschäftigt und die Ernährungsberaterin ist enttäuscht und zeigt ihm das…in dem gesamten Bericht war zu erkennt, dass alle Beteiligten dem Jungen Schuld an der Gewichtszunahme geben. Es ging sogar so weit, dass die Freunde des Jungen interviewt wurden und gefragt wurden, warum sie ihrem Freund nicht mehr helfen würden beim Abnehmen. Anstatt froh zu sein, dass der Junge noch so viele Kollegen hat und darauf zu bauen, versuchte man die Freunde mit bei der Schuldzuweisung einzubeziehen. Ein Freund sagte „ich kann ihm doch nicht das Essen aus der Hand schlagen“.


      Dieser Bericht hat mir einmal mehr gezeigt was Diäten in frühen Kindheitsjahren anrichten können…sonst nichts.
    • Ich muss mich savoir-vivre da vollinhaltlich anschließen. Diese versammelte Enttäuschung hat mich geradezu aggressiv gemacht. Von Bestärkung keine Spur. Nur im Schulpraktikum, das die Ärztin beim Hausmeister des Krankenhauses organisiert hatte, kam Lob und Bestärkung ... und siehe da ... das Essen rückte in den Hintergrund.

      Ich denke auch, dass wir hier den Klassiker erlebt haben, ein Kind, das von klein auf wegen seines Gewichts getriezt wurde, was zu exakt dem Gegenteil dessen geführt hat, zu was es nach Wunsch der Erwachsenen eigentlich hätte führen sollen.

      Zuletzt, nachdem der Junge 35 kg abgenommen hatte und nur noch 195 kg wog, hat er ein Fahrrad bekommen, das er mit Begeisterung nutzte. Die Schlussfrage an ihn: "Was wünschst Du Dir am meisten?" Seine Antwort: "Dass mein Fahrrad nicht zusammenbricht." (<-- sinngemäß). Die Antwort fand ich pragmatisch und souverän. Ich musste echt grinsen.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail.
      Ihr erreicht mich daher ausschließlich über die eMail-Adresse im Impressum.
    • Das stimmt allerdings savoir-vivre. Da kann man sich schon fragen, wieviel Gewicht der Junge dem Jojo-Effekt verdankt und wie heute wohl der Stoffwechsel ist? Das ständige Thema Essen/ Diät wird auch Stress auslösen, was auch noch einen Teil zum Gewicht beigetragen hat.
      Ich wünsch ihm von Herzen, dass er eine Lehrstelle findet und irgendwann von zu Haus ausziehen kann und dann seinen Weg geht.

      @ Muminfrau, die OP fand ich auch schrecklich. Wenigstens wurde im Beitrag auch auf die Risiken hingewiesen und es wurde eine Ethikkommission einberufen. Manchmal hat man den Eindruck, dass die OP nicht schnell genug stattfinden kann und dem Patienten alles schön geredet wird.

      LG Finchen
    • Ach hätte man den Jungen doch in Ruhe gelassen, als er noch ein kleiner Pummel war. Mit ziemlicher Sicherheit wäre er heute einfach ein etwas kräftiger Teenager, oder aber vielleicht auch ein schlanker. Je nachdem, was seine Genen ihm mitgegeben hätten.

      Immer und immer wieder diese Scheixx-Diäten!
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Oder hätte man einfach etwas mehr auf ihn geachtet, wie er sich fühlt, wie er sich geistig und mental entwickelt, statt nur auf sein Gewicht zu achten.

      Man muss seine Kinder stark machen. Stark genug, dass sie sich nicht am Gewicht, Aussehen und den Defiziten von sich selbst messen oder sich an diesen Attributen anderer hoch ziehen und stark fühlen, sondern dass sie die ganze Persönlichkeit eines Menschen erfassen lernen.
      Ein schwieriges Unterfangen, schwieriger als nur die Defizite eines Menschen zu sehen. Leider wählen sehr viele, auch für die Erziehung und Herzensbildung ihrer Kinder den einfacheren Weg, nach Äusserlichkeiten zu urteilen und damit auch vor zu verurteilen.
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    • Das Sinnbild einer überflüssigen und dazu noch erfolglosen OP.
      35 kg abzunehmen hätte er auch anders geschafft. Halten kann er das weder mit noch ohne diese OP.
      Einen 13jährigen zu verstümmeln, dass schlägt dem Fass den Boden aus.
      Eine Ethikkommission hat getagt, das wäre für mich wirklcih interessant gewesen, was da so gesprochen wurde.
      Aber leider erfuhr man nur das wohlgefällig urteil, ja eine OP ist in Ordnung für ein KIND. Auch wenn er groß ist und viel wiegt, er ist 13!?!?!
      Er hatte schlechte Prognosen vor der OP, und die Prognose mit einem Magenbypass und den gleichen KG ist um ein vielfaches schlechter.
      Schon ein "erfolgreicher Bypass" mit einer Abnahme um die 100kg wäre nicht so einfach zu verkraften gewesen, aber das ist jetzt wirklich der Supergau. Jetzt muss er versuchen mit einem so runtergefahrenen Grundumsatz abzunehmen??? Das kann nicht funktionieren. Also wird eine andere OP folgen...
      Grausam.
      Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird.
      (Immanuel Kant)
    • Itsme schrieb:

      Ach hätte man den Jungen doch in Ruhe gelassen, als er noch ein kleiner Pummel war. Mit ziemlicher Sicherheit wäre er heute einfach ein etwas kräftiger Teenager, oder aber vielleicht auch ein schlanker.


      Nee, schlank wäre er nicht im Leben. Er könnte vom Äusseren her der grosse Bruder von meinem Sohn sein. Das werden mal grosse und kräftige Männer mit einem Kreuz wie ein Wandschrank. Aber ich geb Dir vollkommen Recht, hätten sie ihn in Ruhe gelassen, er wäre ziemlich wahrscheinlich nie auf 200 kg gekommen.

      @ viel-frau ich hoffe wirklich inständig, dass er nicht weiter operiert wird. Es ist nicht absehbar, was diese OP noch für Folgen hat in seinem zukünftigen Leben.

      LG Finchen
    • Ich hab mir den Bericht gestern abend mal ganz angetan.
      Also die Mutter hat doch voll einen an der Klatsche oder?

      Sie hegt und pflegt ihr Riesenbaby, die macht den doch absichtlich abhängig von sich? Irgendetwas unaufgearbeitetes ihrer Scheidung/Trennung würd ich als Küchenpsychologin mal vermuten.

      Und dass der Junge es schafft, sogar den Magenbypass zu überlisten, mit Süßkram und süßen Getränken, bestätigt doch wieder nur meine Meinung, dass sich da die Verstümmelung mal wieder überhaupt nicht rentiert hat. Der arme Kerl. Jetzt hat er sogar noch mit der OP versagt, das kriegt er auch immer wieder auf's Butterbrot geschmiert. Was das mit der Psyche eines Heranwachsenden wohl anstellt?

      Ich will es gar nicht wissen und danke mal wieder meinen Herrgott, für meinen gesunden Menschenverstand, der der Familie, den Ärtzen und der Ernährungsberaterin leider fehlt. Einzig der Hausmeister des Klinikums scheint ein Mensch mit Empathie und klugem Verstand zu sein.
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    • Sonnenkuss schrieb:

      Ich hab mir den Bericht gestern abend mal ganz angetan.
      Also die Mutter hat doch voll einen an der Klatsche oder?

      Du bist mal wieder entwaffnend ehrlich ;)


      Sie hegt und pflegt ihr Riesenbaby, die macht den doch absichtlich abhängig von sich? Irgendetwas unaufgearbeitetes ihrer Scheidung/Trennung würd ich als Küchenpsychologin mal vermuten.

      Wir hatten uns diesbezüglich auch Gedanken gemacht.
      Und dass der Junge es schafft, sogar den Magenbypass zu überlisten, mit Süßkram und süßen Getränken, bestätigt doch wieder nur meine Meinung, dass sich da die Verstümmelung mal wieder überhaupt nicht rentiert hat.

      Genau und da der Junge mitten in der Pubertät ist, hat der Körper mit Sicherheit einige Möglichkeiten an sein Recht/Energie zu gelangen.


      Der arme Kerl. Jetzt hat er sogar noch mit der OP versagt, das kriegt er auch immer wieder auf's Butterbrot geschmiert. Was das mit der Psyche eines Heranwachsenden wohl anstellt?

      Stimmt, dass war doch unmöglich wie auf den Jungen reagiert wurde, als er nicht weiter abgenommen hatte...
    • Ich fand v.a. irritierend, wie erfolgssicher der Chirurg nach der OP war. Die Möglichkeit, dass nicht alles "nach Plan" verläuft, hätte meiner Ansicht nach von Anfang an einbezogen werden müssen. Noch dazu da der Junge von sich selbst sagte, dass er an Esssucht leide. Nur zu sagen, dass Lucas mit Essen ein unbekanntes Defizit kompensiere, ist nicht ausreichend. Wobei es nicht ganz so unbekannt war, die Zeit während des Praktikums gab schließlich einen deutlichen Anhaltspunkt. Vielleicht hätte es geholfen, wenn er von Anfang an zusätzlich psychologisch unterstützt worden wäre.

      Ich spürte bei den meisten Beteiligten eine Mischung aus Hilflosigkeit und Frust und das Unvermögen, mit beidem adequat umzugehen. Dadurch verstärkte sich der Teufelskreis. Die Ernährungsberaterin machte dem Jungen Vorhaltungen, er schämte sich, kompensierte dies in der Folge mit Essen, die Mutter machte erneuten Druck, usw.

      Verletzend war die Reaktion des Stiefvaters am Krankenbett. Ein Lachen und dass der Junge nun wie ein Häufchen Elend daliege (sinngemäß, den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr). Erneut bedingt durch Hilflosigkeit? Ich kann es nicht sagen.

      Schwierige Situation insgesamt gesehen, die sicher noch nicht zu Ende ist. Folge-OPs wie z.B. banded bypass stehen vermutlich irgendwann im Raum.
    • Sonnenkuss schrieb:

      Sie hegt und pflegt ihr Riesenbaby, die macht den doch absichtlich abhängig von sich? Irgendetwas unaufgearbeitetes ihrer Scheidung/Trennung würd ich als Küchenpsychologin mal vermuten.



      Ja. Sehe ich genauso. Sie geht in der Rolle der Pflegerin auf und sendet somit Doppelbotschaften, denn für sie hat die Hilfsbedürftigkeit ihres Sohnes einen Nutzen. Ich glaube ihr aber unbenommen, dass sie dennoch unter der Situation leidet.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Hej,

      ich fand die Reportage relativ gut gemacht; eher zurückhaltend mit Wertungen. Ich fand auch die Fragen nicht zu provokativ oder plakativ oder schuldzuweisend. Trotzdem bin ich entsetzt.

      Furchtbar: Die Ärztin und streckenweise die Ernährungsberatung. Die Mutter geht bestimmt auch nicht richtig um mit ihrem Sohn, aber irgendwie kann ich sie noch eher verstehen, sie kann sich einfach emotional nicht herausziehen. Aber die Profis! Meine Güte, es geht nicht um deren Emotionen!

      Schlimm fand ich - gerade von der professionellen Seite - die starke Drohung mit dem Tod, die ständige Formulierung der eigenen Enttäuschung und die extreme Problematisierung der Freunde.

      Dass Lucas wertschätzende Freunde hat, ist doch eine Riesenressource; und ja: Jungs mit 15 ernähren sich ungesund (Chips, Cola und Computerspiele sind doch an der Tagesordnung). Aber sie sind auch oft auf Äußerlichkeiten bedacht, schließen gerne aus und ziehen übereinander her - und trotzdem scheint Lucas hier gut integriert. Wenn man ihm das nehmen würde, wie hätte er sonst all die Enttäuschungszumutungen überleben sollen? (Und das meine ich wortwörtlich, auch Kinder sind mitunter suizidal.)

      Ich bin mir nicht sicher, ob ich - hätte ich eine solche Jugend erlebt - so gut wie Lucas meinen eigenen Weg hätte gehen können; ob ich so pragmatisch mit mir selbst umgehen gelernt hätte wie Lucas das offenbar kann, ob ich mich nicht vollständig aus der Umwelt abgekapselt hätte, alle Kontakte zu anderen abgebrochen hätte. Ob ich mit der (gefühlten, zugewiesenen) Schuld, alle um mich herum immer und ständig nur zu belasten und zu enttäuschen, hätte leben können.

      Und ob ich so einen tollen Weg gefunden hätte, mit der Frage nach meiner Zukunft umzugehen; die Antwort mit dem Rad war einfach fantastisch.

      Gruß
      Frieda.
    • wird eigentlich jemals bei irgendeinem oder irgendeiner der extrem Dicken untersucht, ob zB ein gutartiger Tumor im Gehirn dran schuld sein kann. In diesem Fall wäre zumindest in obigem Beispiel dann ja eine Magen-OP nicht wirklich gut. Ich stell mir grad vor, jemand mit so einem Dauerhunger-erzeugenden Tumor hat plötzlich einen Magentrakt, der kein übermäßiges Essen mehr zulässt, hat aber trotzdem die übelsten Hungerattacken. Ich glaub, es ist dann nicht so gesund, wenn so jemand dann mordsmengen an Essen verschlingt, obwohl das technisch nicht mehr so richtig funktinieren wird.

      Soweit ich das an der Uni gelernt hatte, kommt sowas gar nicht so selten vor (gutartiger Tumor im Hungerzentrum im Gehirn). Solche Menschen müssen praktisch fast die ganze Zeit essen. Sperrt man ihnen das Essen weg, dann greifen die dann in ihrer Verzweiflung zu allen Mitteln, um zu Essen zu kommen. Da gibts kein Sattgefühl, einfach nix da, was das Essen bremsen könnte. Das ungute in solchen Fällen ist allerdings auch, dass das oft in einem Hirnbereich vorkommt, wo man nicht wirklich operieren kann. so jemand ist dann lebenslang dazu verdammt, dauernd zu essen.

      Ich vermute mal, all die Extremfälle, die man so in gewissen TV-Sendungen sieht (die das Haus nicht mehr durch die Tür verlassen können usw), sind wohl eher solche Hirntumorfälle. Anders kann ich mir zumindest nicht vorstellen, wie jemand zu solch extremen Gewicht kommen kann.
    • Es passt vielleicht in diesen Thread, da es sich unter anderem auch um übergewichtige Jugendliche handelt die auf Diät gesetzt werden. Bei ORF Fernsehen „Welt Journal“ DIESER Bericht (28 Minuten):

      - Kinder im Diätcamp
      - Kinderspielzeug in Fast Food Menüs
      - Food Deserts Gebiete in den USA

      Den Abschuss Satz der Moderatorin fand ich beispielhaft für das was die Gesellschaft, bei dicken Kindern, wertschätzt.


      „Bewundernswert mit welcher Energie die Kids versuchen ihre Kilos wieder los zu werden“

      Ich wünsche es jedem der leidet, dass er sich besser fühlt, aber der Preis der Diäten ist nun einmal beim Großteil der Menschen ein noch höheres Gewicht.
      Beispiele wie im Film von ehemaligen Dicken sind so selten, dass sie kein Vorbild sein können, sondern die Scham derer noch erhöhen die es auf lange Sicht nicht schaffen ihr Gewicht zu halten oder noch weiter abzunehmen.
    • Ich hatte den Beitrag auf WDR gesehen.

      Bezeichnend war für mich, dass die Mutter den Jungen auch noch mit dem Auto vom Bus abholte. Bewegung war ja irgendwie für ihn gar nicht möglich.

      Ich bin selbst Mutter von zwei Jungen (inzwischen Erwachsenen), die nichts im Haus hielt. Sie waren immer agil und hatten konstant was vor. Da der Junge im Beitrag einen tollen Freundeskreis hat, hätte ich wahrscheinlich einfach das Essverhalten ignoriert und statt dessen neue Sport-Ideen propagiert, meinem Sohn Fahrrad, Inliner, was auch immer geschenkt und ihn auch Wege allein gehen lassen. Zuhause hätte ich den Schnuppkram abgeschafft. Er beschaffte sich das eh irgendwo bei einem Supermarkt.

      Das dauernde Thematisieren des Übergewichts bringt nichts. Man kann da aber als Mutter eine Menge Einfluss nehmen über die Nahrung. Meine Kids aßen z. B. kein Gemüse, also gab es Gemüseburger damals, weil die "in" waren. (Meine Kids hatten nie Gewichtsprobleme. Sie hatten wohl die Vater-Gene). Ich habe nie ums Essen routiert. Es gab für mittags Sandwiches, Joghurts, Obst und alles mögliche im Kühlschrank für ein gutes Menü, aber eben nur abends warmes Essen, weil ich arbeitete. Und Süßes war nie etwas Besonderes, sondern stand offen auf dem Wohnzimmertisch. So nahmen sie sich was und dann war auch wieder gut.

      Über die Magen OP war ich fassungslos. Für mich waren die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft. Vielleicht hätte man den Jungen aus der Familie nehmen sollen und ihm mal eine Kur gönnen, wo er Gleichgesinnte trifft. Viele finden da einen neuen Sinn und nicht alles aufs Essen zu komprimieren. Ich hasse dieses Rumgeschnippel, weil es nichts wirklich bringt, außer dass sich so ein junger Kerl vielleicht noch wirklich gefährdet.

      Aber ich verstehe, dass man bei 200 kg mit 13 Jahren auch einen Handlungsbedarf sieht. Der Junge tat mir sehr Leid, als er Schmerzen hatte und sich nicht mehr bewegen konnte. Es ist halt sehr extrem. Und wie extrem, sah man ja, wenn die anderen in seinem Alter neben ihm standen. Aber ich fand es wundervoll, wie toll sein Freundeskreis war.

      Das hatte ich als Kind nie.