Kann man störende Gefühlszustände wegtrainieren?

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    • Kann man störende Gefühlszustände wegtrainieren?

      Ich hab ja morgen mein erstes praktikum in einer bibliothek. So langsam macht sich bei mir ein ganz unwohliges gefühl breit.

      Ich hasse es. Ich habe Angst vor dem was kommt und ich fühl mich in meiner haut auch nicht besonders wohl.

      jetzt habe ich mich gefragt ob man diese gefühlszustände irgendwie wegtrainieren kann?

      oder gehören die einfach zu mir? ich bin ehrlich, ich hasse dieses gefühl und mir ist grade fast zum heulen zumute obwohl ich weiß wie schwachsinnig das eigentlich ist. Ich fühle mich irgendwie ausgeliefert. Das ist so doof....

      vielleicht hat jemand eine idee, wie man mit diesen gefühlen umgehen kann. Es nur zu ertragen fällt immer schwerer...lg mondschein
    • Liebe mondschein,

      man kann sie nicht wegtrainieren, denn Gefühle wie Angst, Unwohlsein, aufgeregt sein, kribbeln im Bauch etc. sind normale Gefühle, wenn sie nicht ausufern.
      Aber man kann sie relativieren, so dass man mit ihnen klar kommen kann.
      Nur - dafür ist es nun ein wenig spät, denn wie bei jedem Training - etwa einem Muskelaufbautraining - ist das eine Sache, die Zeit braucht.
      Hier wäre dies ein mentales Training.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • mondschein24 schrieb:


      oder gehören die einfach zu mir?


      Ja. Und aus meiner Erfahrung kann ich nur beteuern, dass man sie nicht wegtrainieren kann. Ich mache mich vor jedem Vortrag, jedem Arbeitstreffen (wenn ich die Leute nicht kenne) verrueckt. Ich meine, meine Emotionen spielen verrueckt.

      Aber zum Glueck weiss ich ja mittlerweile, dass diese Emotionen nicht viel bedeuten. Man muss sie allerdings nicht nur ertragen. Man soll sich

      (a) von den Emotionen nicht laehmen lassen und

      (b) man soll sie als ein Teil von seiner Persoenlichkeit annhemen und respektieren.

      mondschein24 schrieb:


      ich bin ehrlich, ich hasse dieses gefühl


      Das ist ein Problem. Wenn du dieses Gefuehl hasst, hasst du auch einen wichtigen Teil von dir selbst. Dabei verdient dieses Gefuehl (als ein Teil deiner Persoenlichkeit) Aufmerksamkeit und einen liebevollen Umgang.

      Ich habe dieses Buch schon vielmals hier genannt:

      Susan Jeffers "Feel the fear and do it anyway"

      Deutsche Uebersetzung: "Selbstvertrauen gewinnen: Die Angst vor der Angst verlieren"

      Das ist wohl das, was du berschreibt: Die Angst vor der Angst. Es wuerde sich vielleicht gerade fuer dich lohnen, einen Blick da rein zu werfen. (Vielelicht auch erst in einem Buchladen.) Wie alle Selbsthilfebuecher, bietet auch deises Buch keine "Loesung". Die Loesung findet jeder fuer sich selbst. Aber da sind ein paar sehr gute Beobachtungen drin, und auch einige hilfreiche Techniken.
    • Hallo Mondschein,

      es gibt eine Art das zu trainieren, indem man sich dem immer und immer wieder stellt. Irgendwann lernt das Gehirn dass du da durch kannst ohne dass die Welt untergeht. Du weisst ja, Helden haben Angst und überwinden sie. Nur Deppen haben keine Angst.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Hallo Mondschein,

      Ich denke, es kommt darauf an, wie sehr dich diese Gefühle letztendlich im Alltag bzw. in deiner Handlungsfähigkeit beeinträchtigen.

      Wenn du im Vorfeld Angst vor etwas wie z.B. einem Praktikum hast, kann es sein, dass du während des Praktikums merkst, dass sich deine Ängste nicht bestätigen, die Anspannung nachlässt und du nachher feststellst "war ja gar nicht so schlimm, wie ich dachte...".
      Daraus kannst du für die nächste Situation, in der diese Gefühle auftreten, lernen und dir sagen, dass sich die Angst wahrscheinlich wieder nicht bestätigt, wenn du sie überwindest und dich der Situation stellst.
      So "arbeitest" du aktiv mit deinen Gefühlen, ohne sie einfach "wegzutrainieren".

      Sollte die Angst und Anspannung jedoch so groß werden, dass du den Weg der Vermeidung wählst, um bestimmten Situationen aus dem Weg zu gehen, ist es wahrscheinlich notwendig Hilfe in Anspruch zu nehmen.

      Ich selbst habe mich heute um einen Therapieplatz bei einem Verhaltenstherapeuten gekümmert, weil ich so große Angst vor dem Autofahren habe, dass ich es nicht schaffe den Führerschein zu machen. Da ich den Führerschein aber brauche, muss ich für mich einen Weg finden mit der Situation umzugehen. Mit der Verhaltenstherapie habe ich früher schon gute Erfahrungne im Umgang mit Ängsten gemacht und bin zuversichtlich, dass mir das hilft.

      Du weißt am besten, wie sehr dich diese Ängste belasten oder sogar einschränken - und danach kannst du entscheiden, ob du allein in der Lage bist, deine Hürden zu überwinden oder ob du dir dabei helfen lassen möchtest.

      Alles Gute
      Mondsteinhexe
    • mondschein24 schrieb:

      Ich hab ja morgen mein erstes praktikum in einer bibliothek. So langsam macht sich bei mir ein ganz unwohliges gefühl breit.

      Ich hasse es. Ich habe Angst vor dem was kommt und ich fühl mich in meiner haut auch nicht besonders wohl.

      jetzt habe ich mich gefragt ob man diese gefühlszustände irgendwie wegtrainieren kann?

      Ich schreibe mir das immer auf. Ich zerstückele das große Problem in viele kleine Einzelteile um herauszufinden, was genau eigentlich die Angst auslöst.
      Ich erhalte dann eine Liste, wo viele Sachen draufstehen, die ich schon mehrfach problemlos gemeistert habe und zwei oder drei Sachen, wo ich sozusagen ein Auge auf mich haben muss.

      Das klappt ganz gut, denn so bin ich selbst aktiv und erdulde nicht passiv. Und wenn ich dann 10x "Kenne ich, kann ich" und 2x "hier muß ich ein bißchen aufpassen, ab da muß ich die Reißleine ziehen" in meiner Liste (ich liebe Listen) stehen habe, motiviert das so schön. Ich habe es da ja schriftlich, was ich alles kann.
    • @ Mondschein: Wovor genau hast du Angst? Ein Praktikum ist ja eigentlich nichts, was man besonders kritisch sehen müsste. Du wackelst da hin, lässt dir alles erklären, und fertig. Niemand erwartet von einer Praktikantin bahnbrechende Ergebnisse. Die fertigen da jedes Jahr eine/n Neue/n ab, das ist für die Routine.

      Hast du Angst vor dem Kontakt mit fremden Menschen? Sei höflich und freundlich ohne unterwürfig zu sein und ohne dich anzuschleimen, und ca 90% aller Menschen werden dir ebenso höflich und freundlich begegnen. Den Rest kannst du als unverbesserliche A***löcher abtun, die immer so sind, und es nicht persönlich meinen.

      Hast du Angst, dich durch Unwissenheit zu blamieren? Denke dran: das Hauptmerkmal einer Praktikantin ist Unwissenheit, gerade darum macht man ja ein Praktikum. Gib zu, wenn du etwas nicht weißt, und lass es dir erklären. Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie jemandem etwas erklären dürfen.

      Hast du Angst, dass du "schlecht rüberkommst", errötest oder zitterst? Geh einfach in die Offensive und benenne dein Problem. Sag "Hallo, ich bin XYZ, wisst ihr, ich bin total aufgeregt, das ist alles so neu für mich, ich habe wahnsinniges Lampenfieber, schaut mal, meine Hände zittern sogar." Nur ein Unmensch wird sich darüber abfällig äußern.

      Hast du Angst, dass du wegen deines Gewichts blöd angemacht wirst? Vielleicht lernst du ein paar gute Antworten dazu auswendig, so als seelischen Notfallkoffer.

      Das Thematisieren der Angst ist meiner Erfahrung nach das beste Mittel dagegen. Wenn ich Vorträge vor 1000 Leuten halten muss, sage ich auch immer, wie nervös mich das alles macht, und dass ich mich bestimmt verhaspeln werde etc. Ein paar Leute kichern, aber nicht weil sie sich lustig machen, sondern weil sie froh sind, nicht an meiner Stelle zu stehen.

      Du schaffst das! Was kann denn im schlimmsten Fall passieren?
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Wovor genau hast du Angst? Ein Praktikum ist ja eigentlich nichts, was man besonders kritisch sehen müsste. Du wackelst da hin, lässt dir alles erklären, und fertig. Niemand erwartet von einer Praktikantin bahnbrechende Ergebnisse. Die fertigen da jedes Jahr eine/n Neue/n ab, das ist für die Routine.


      Hast du Angst vor dem Kontakt mit fremden Menschen?


      ja das ist auch ein großes problem. ich habe angst vor fremden Menschen.


      Hast du Angst, dich durch Unwissenheit zu blamieren?


      Komischerweise ja. Ich weiß ja schließlich dass man als Praktikant Welpenschutz hat. Ich erwarte einfach zu viel von mir.


      Hast du Angst, dass du "schlecht rüberkommst", errötest oder zitterst?


      ja das ist auch der Fall.



      Hast du Angst, dass du wegen deines Gewichts blöd angemacht wirst?


      teilweise aber nicht von den mitarbeitern eher von den besuchern der bibliothek, die überwiegend kinder und jugendliche sind. ich bin in einer öffentlichen bibliothek und um die bibliothek herum sind ganz viele schulen.

      Ich weiß aber auch, dass ich mich einfach nicht wohlfühle in meiner haut. Ich muss einfach an mir arbeiten. Ich will mir aber auch kein zeitdruck mehr machen. Das ist bei mir kontraproduktiv.


      Du schaffst das! Was kann denn im schlimmsten Fall passieren?


      Ich weiß. Im Nachhinein denke ich mir dann auch, dass es garnicht so schlimm war. Aber meine Gefühle spielen in diesen situationen einfach ganz verrückt.

      Die Mitarbeiter sind übrigens sehr nett aber ich fühle mich einfach nicht wohl.

      Wie gesagt ich muss einfach an mir arbeiten.
    • Dann ist das alles im Grunde nicht die Angst vor spezifischen Situationen, sondern ein Defizit in Punkto Selbstwertgefühl / Selbstbewusstsein.

      Du sagst, dass Du Dich in "Deiner Haut" nicht wohl fühlst...

      Überlege mal was das wörtlich bedeutet:
      Es ist "Deine Haut", eine andere hast Du nicht.
      Sie nicht nur zu akzeptieren - was wohl der erste Schritt ist - sondern sie sogar anzunehmen, zu achten und zu lieben, das kann man lernen, wenn man sie einmal von einer ganz anderen Warte aus betrachtet:

      Ich selber finde enorm hilfreich, mir vor Augen zu halten, was unser Körper alles für uns tut. Ohne Pause, ununterbrochen.

      Würde irgend ein Mensch uns extrem stark behilflich sein und immer für uns da sein, würden wir nie so abwertend und verletzend über ihn denken...
      im Gegenteil, wir würden sicherlich eine große Dankbarkeit und zumindest Freundschaft für ihn empfinden.

      Und wenn dieser Freund auch noch lebensnotwendig für uns ist, weil wir ohne ihn gar nicht existieren würden, würden wir nicht mit ihm hadern, sondern ihm sicherlich nicht nur Dankbarkeit zollen, sondern auch großen Respekt vor seiner Leistung.

      Unsere "Haut" - unser Körper tut all dies und doch wird sie/er so oft bemängelt, links liegen gelassen, abgewertet und weder respektiert noch mit Dankbarkeit bedacht.

      Warum nicht die eigene Haut / den eigenen Körper aus dieser Perspektive betrachten, anstatt aus der Perspektive irgendeiner übertriebenen, ungesunden und unnormalen Modeerscheinung, die keine Freiheit gibt, sondern extreme Zwangsjacken verteilt und die verlangt, den Körper in ein nicht von der Natur vorgegebenes verrücktes Ideal zu pressen.

      Es sollte nicht klein und unsicher machen, wenn man dieses Spiel nicht mitspielt, sondern frei und stolz.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Hier kann ich nur aus vollem Herzen zustimmen. :daumen: :applaus:
      Auch ich habe erst lernen müssen, meinem Körper regelmäßig etwas gutes zu tun. Aber ich habe es geschafft mir nicht mehr alles anzunehmen was andere über mein Aussehen, meine Körperfülle denken oder sagen könnten. Ich versuche mich so vorteilhaft wie möglich zu kleiden, bevorzuge dabei den klassischen Stil, um nicht bei jeder Gewichtsveränderung alles austauschen zu müssen und habe mir auch angewöhnt so viel wie möglich das Leben zu genießen. Das hat auch dazu beigetragen meine Stimmung aufzuhellen und nach außen eine positive Ausstahlung zu erlangen. Ich habe schon oft von Menschen, die mich nur kurze Zeit kennengelernt habe, z. B. im Urlaub die Resonanz erhalten, dass ich eine positive Ausstrahlung habe. Aber die hatte ich nicht immer. Sie ist das Ergebnis meiner Einstellung zu mir selbst. Dadurch wurde ich auch ausgeglichener und lernte zu kämpfen, wenn es nötig ist aber auch Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann. Ich habe gelernt, mir nicht immer über alles Stress zu machen, sondern ruhiger an die Lösung der Aufgeben heran zu gehen. Das war ein langer Prozess, den ich in Deinem Alter noch nicht einmal begonnen hatte, aber es läßt sich im Leben vieles erreichen und auch die Einstellung zu sich selbst verändern. Nimm es einfach in Angriff. Du wirst sehen je mehr Du Dich selbst akzeptierst, desto besser wirst Du Deine Aufgeben lösen können und desto weniger Angst wird Dein Leben erschweren. :fluester:
    • Hm, ich habe noch nie in einer Kinderbibliothek erlebt, dass Bibliothekare respektlos behandelt wurden. Sie sind dort Autoritätspersonen. Punkt. Und übrigens, keiner der Kunden weiß, dass du Praktikantin bist. ;)

      Ich möchte dir deswegen raten, dich darauf zu konzentrieren, möglichst schnell kompetent zu werden. Dazu gehört auch, dass du die Bücher kennst und ließt, auch die Kinderbücher.

      Es ist ein großer Privileg, sich sein ganzes Leben lang mit Büchern beschäftigen zu können -- vorausgesetzt, man liebt diese Beschäftigung. Liebst du denn Bücher?
    • Liebe mondschein24!

      Habe von 1981 bis 1988 als Biliotheks-Assistentin gearbeitet. Drei Lehrjahre sind da schon dabei. Irgendwie ist man schon auf dem Präsentierteller, da hast du nicht ganz unrecht. Am Anfang war ich sehr unsicher.

      Inzwischen bin ich 46 Jahre und weiß zu schätzen, dass ich nur wenige Falten habe, durch mein gut gepolstertes Gesicht. Will sagen, vieles an Nervosität, wie man wohl wirkt, verliert sich im Lauf der Jahre, jedenfalls habe ich das so erlebt.

      Die anderen Mitarbeiter können nett sein oder eigenartige Leute, das wirst du in den nächsten Tagen feststellen. Seine Bedenken, ob man gut rüberkommt sollte man sich jedenfalls von der zugänglicheren Abteilung der Bibliotheks-Crew zerstreuen lassen und nicht von den Menschen dort, die einem unsympathisch vorkommen.

      Entspanne am Abend richtig! :puh::muede:

      Das ist wichtig!

      Grüße von Klangola