Angst vor Gespräch mit dem Arzt

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    • Angst vor Gespräch mit dem Arzt

      Hallo,

      Ich habe jetzt lange nachgedacht, bevor ich mich getraut habe mit dem Schreiben dieses Beitrags zu beginnen (und sitze jetzt hier ein wenig zitternd vor dem PC...).

      Sorry... das wird jetzt vermutlich extrem lang, weil ich manchmal nicht weiß welches Detail wichtig ist und welches nicht.

      Es geht darum, dass ich gerne ein Gespräch mit meinem Hausarzt führen würde, aber Angst davor habe. Es ist die Angst nicht ernst genommen zu werden. Und auch, wenn es naiv und kindisch klingt, es ist ebenso die Angst, angebrüllt und weggeschickt zu werden.
      Letztere rührt wohl aus einigen sehr verletzenden Erfahrungen mit Ärzten.

      Es geht um folgendes:
      Ich habe schon als Kind eine Depression und eine Essstörung entwickelt. Bekannt sind mir die Diagnosen seit etwa 20 Jahren.
      Vor 6 Jahren wurde bei mir Typ 2-Diabetes festgestellt.

      Ich habe viel an Therapie hinter mir und heute habe ich die Depression sehr gut im Griff, d.h. ich habe nur noch ganz selten mal ein Tief und das ist nicht mehr bedrohlich, weil ich weiß wie ich damit umgehen muss und es geht meist schnell vorbei.

      Soweit zu kommen hat aber viel Zeit und Kraft gekostet.
      Dabei hatte ich all die Jahre keine Energie die Essstörung "loszulassen".
      Erst im letzten Jahr habe ich durch einige Veränderungen in meinem Leben gemerkt, dass ich die Essstörung nicht mehr so sehr "brauche" und konnte ich mein Essverhalten verändern.

      Als mein damaliger Arzt mir die Diagnose Diabetes mitteilte, war ich geschockt. Er machte sofort Druck. Ich müsse SOFORT sehr viel abnhemen und meine Ernährung RADIKAL umstellen.

      Das machte mir Angst. Ich war damals in einer sehr schwierigen privaten und beruflichen Situation und die Essstörung oder das Essen war mein Ventil, mein Anker, mein Reaktion auf Stress.
      DAS jetzt sofort aufzugeben erschien mir unmöglich. Trotzdem wollte ich nicht, dass all die Dinge Folgeerkrankungen des Diabetes entstehen, die mein Arzt mir aufzählte.

      Ich sagte ihm, das ich eine Esstörung habe, aber er brüllte mich an, dass ich mir der Situation offenbar nicht bewusst sei. Die Essstörung sei jetzt nicht wichtig.

      Er überwies mich zum Endokrinologen und ich begann mit der typischen Behandlung: Schulung, Medikamente, regelmäßigen Untersuchungen...

      Aber ich nahm nicht ab, sondern zu.

      Nach einigen Monaten fühlte ich nur noch Druck und brach die Behandlung ab. Ich ging 4 Jahre lang nicht mehr zum Arzt! Allein der Gedanke machte mir Angst.

      Irgendwann brauchte ich ein Gesundheitszeugnis und kam um den Arzt nicht herum. Ich erfuhr, dass mein Hausarzt die Praxis an seine Kollegin übergeben hatte. Ich kannte sie von früheren Arztbesuchen und vertraute ihr an, dass ich seit Jahren den Diabetes nicht behandeln lasse.

      Sie erzählte mir, dass sie einen neuen Kollegen habe, der Ínternist sei und ich könne jederzeit zu ihm kommen.

      Das fiel in die Zeit, in der sich meine Essstörung verändete und ich merkte, ich war jetzt auch bereit die Behandlung wieder aufzunehmen.

      Der neue Arzt war sehr freundlich. Ich erzählte ihm offen, dass ich Angst vor Ärzten habe, dass ich eine Essstörung habe, die sich gerade verändert und dass ich eine Depression habe.

      Wir begannen mit der Diabetestherapie und ich konnte meine Ernährung einigermaßen umstellen, wobei das Verringern der Kohlenhydratmenge mir sehr, sehr schwerfällt.

      Die Werte verbesserten sich und ich war ganz zufrieden.

      In dem Gesprächen mit meinem neuen Arzt ging es aber immer nur um die aktuellen Blutwerte. Er fragte danach wie ich mit dem Essen zurecht komme, er fragte nie, wie es mir sonst (psychisch) geht.

      Ich traute mich nie, von mir aus darauf zu sprechen zu kommen, weil ich immer dieses Bild von einem schreienden, kolerischen Arzt vor mir sehe, der mir sagt, dass meine sonstigen Probleme nicht wichtig sind.

      Seit einigen Monaten habe ich mit einigen Krisen zu tun (Todesfall, schwieriger Kontakt(-abbruch) zur Mutter, Arbeitslosigkeit) und die Depression meldet sich zurück.

      Das hat ganz klar Auswirkungen auf mein Essverhalten, denn wenn ich nur wenige Kohlenhydrate esse, geht die Stimmung noch mehr runter.

      Die Veränderung der Essstörung steht noch auf ganz wackligen Beinen und Kleinigkeiten können das Gleichgewicht stören. Dann esse ich wieder zur Beruhigung oder aus anderen Gründen, die nichts mit körperlichem Hunger zu tun haben.

      Es sind keine schweren Essanfälle mehr, aber ich merke wie empfindlich ich bin.

      Mein Arzt, der mich nie gefragt hat wie ich meine Ernährung gestalte, was ich verändert habe usw., fragte nun welche Kohlenhydrate ich esse.
      Als ich ihm erzählte, dass ich u.a. Vollkornbrot esse, meinte er, ich solle das weglassen! Die Begründung war nicht einleuchtend für mich und stimmt mit keiner anderen Empfehlung für Diabetiker überein. Er meinte, das Mehl lasse den BZ zu schnell ansteigen, auch Vollkornmehl.
      An diesem Gespräch nahm eine - mir unsympathische - Assistenzärztin teil, so dass ich nichts erwiderte.

      Das ist jetzt 7 Wochen her und ich erlebe, wie der Druck ansteigt. Ich esse nichts mehr ohne schlechtes Gewissen und paradoxerweise esse ich dann oft mehr Kohlenhydrate, weil ich wohl innerlich gegen dieses "Verbot" rebelliere? Keine Ahnung. Mich erinnert das so an die Kontrolle durch meine Eltern und Ärzte, die mir jahrzehntelang erzählten, dass ich endlich abnehmen müsse, aber keiner hat mir gesagt wie das geht, außer :"Ja, dann iß halt mal weniger!"

      Ich möchte mit meinem Arzt ein Gespräch darüber führen, wie die 3 Erkrankungen miteinander in Verbindung stehen und was solche Aussagen (Brot weglassen) bei mir bewirken.

      Aber ich habe Angst.

      Ich möchte ihm sagen, dass ich mich nur diabetesgerecht ernähren kann, wenn ich die Essstörung im Griff habe und die Tiefs der Depression das aber oft verhindern und solche Bemerkungen / Empfehlungen mich unter Druck setzen, was die Essstörung wieder verstärkt und zu einem neuen Tief führen kann. Perfekter Teufelskreis irgendwie!

      Er soll meine Essstörung und Depression ja nicht BEHANDELN, aber ich finde er sollte sie mit bedenken.

      Verlange ich zu viel? Das ist auch meine Angst. Vielleicht habe ich völlig überzogene Ansprüche!

      Oft, wenn ich etwas unangenehmes ansprechen muss, verschwindet meine Stimme und ich spüre nur noch einen dicken Kloß im Hals. Wenn mein Gegenüber dann noch kritisch guckt, fange ich an zu weinen, weil der Druck so groß ist.

      Wenn ich es nicht anspreche, werde ich mich weiterhin sehr einseitig behandelt fühlen.

      Habt ihr Erfahrungen mit ähnlichen Gesprächen?

      Bitte entschuldigt diesen ewig langen Text. Danke fürs Lesen.

      Liebe Grüße,
      Mondsteinhexe
    • ich denke schon, dass dein arzt all diese dinge wissen sollte und auch wissen will.

      ich würde einen termin extra für ein gespräch machen, wo du vorher schon sagst, dass es nicht um die aktuellen werte gehen soll, sondern, dass du dinge besprechen willst, die für dich wichtig sind. und schreib dir vielleicht eine liste, die du dann punkt für punkt abhaken kannst.

      und mein vorschlag wäre, das du eine vertrauensperson zu dem gespräch mitnimmst. ist ein dritter zu gegen würden 99,9% der ärzte nicht schreien, selbst wenn sie es wollten. hast du vielleicht eine freundin, die einfach nur dabei sitzen kann?
      Lieben Gruß

      Rita
    • mondsteinhexe schrieb:

      Es ist die Angst nicht ernst genommen zu werden. Und auch, wenn es naiv und kindisch klingt, es ist ebenso die Angst, angebrüllt und weggeschickt zu werden.
      Letztere rührt wohl aus einigen sehr verletzenden Erfahrungen mit Ärzten.



      Vorab, ich möchte dich weder am Küchentisch analysieren, noch nehme ich dein Anliegen nicht ernst.
      Ich glaube dir, dass du wirklich große Angst hast.

      Angebrüllt und weggeschickt, war das wirklich genauso oder war das eher ein Gefühl, ein Eindrück, der bei dir haften blieb?
      Das klingt für mich eher nach einem Kind, was von den Eltern gemaßregelt wird als nach einem Verhalten, was zwischen Erwachsenen stattfindet.


      mondsteinhexe schrieb:

      Ich habe schon als Kind eine Depression und eine Essstörung entwickelt. Bekannt sind mir die Diagnosen seit etwa 20 Jahren.


      So wie ich es verstehe, bist du latent depressiv, sprich, es schwelt immer etwas in dir und in Zeiten starken emotionalen Stresses bricht es dann mehr oder weniger stark durch, was ebenfalls für die Essproblematik gilt.


      mondsteinhexe schrieb:

      Erst im letzten Jahr habe ich durch einige Veränderungen in meinem Leben gemerkt, dass ich die Essstörung nicht mehr so sehr "brauche" und konnte ich mein Essverhalten verändern.

      Als mein damaliger Arzt mir die Diagnose Diabetes mitteilte, war ich geschockt. Er machte sofort Druck. Ich müsse SOFORT sehr viel abnhemen und meine Ernährung RADIKAL umstellen.

      Das machte mir Angst.


      Um das mal zu ordnen, es war vor 6 Jahren, dass du dich von dem Arzt unter Druck gesetzt fühltest?

      Und seit letztem Jahr hatte sich die Essstörung dann einigermaßen gegeben?

      Mir fällt das Wort "radikal" ins Auge. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich so ausgedrückt hat um dir die Dringlichkeit der Situation aus seiner Sicht deutlich zu machen.
      Es ist allerdings ein Wort, was mich auch antriggern würde, wenn ich von jetzt auf gleich radikal etwas umstellen sollte, ohne die Zeit dafür zu haben, die ich zu brauchen glaube.
      Vor der Diagnose Diabetes hatte ich auch lange Angst, weil es für mich sich dann so angefühlt hätte, als würde ich die Veränderungen nicht aus freier Entscheidung herbeiführen. Letztlich hat sich meine Befürchtung zwar nicht bewahrheitet, aber ich bin lange Zeit unter anderem deswegen nicht zum Arzt gegangen.


      mondsteinhexe schrieb:

      Ich sagte ihm, das ich eine Esstörung habe, aber er brüllte mich an, dass ich mir der Situation offenbar nicht bewusst sei. Die Essstörung sei jetzt nicht wichtig.


      Wenn er wirklich gebrüllt hat, dann ist das ein absolut überzogene Reaktion, oder hat sich die Situation hochgeschaukelt, bist du vielleicht aus Angst schon vorher selbst heftiger im Tonfall geworden?

      Du hast ihm deine Überforderung, deine Gefühle mitgeteilt und er reagiert in deinen Augen mit, hm Härte und Unverständnis?
      Womöglich hast du da wirklich einen exterm unsensiblen Menschen erwischt. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass du auf eben solche Situationen ganz besonders stark ansprichst, deine jetztige fast schon panikartige Angst deutet für mich darauf hin.


      mondsteinhexe schrieb:

      In dem Gesprächen mit meinem neuen Arzt ging es aber immer nur um die aktuellen Blutwerte. Er fragte danach wie ich mit dem Essen zurecht komme, er fragte nie, wie es mir sonst (psychisch) geht.

      Ich traute mich nie, von mir aus darauf zu sprechen zu kommen, weil ich immer dieses Bild von einem schreienden, kolerischen Arzt vor mir sehe, der mir sagt, dass meine sonstigen Probleme nicht wichtig sind.


      Doch, deine Probleme und dein Wohlbefinden sind wichtig, egal wie das jemand anderes, der sich nicht einfühlen kann das wertet.
      Aus Sicht eines Arztes ist alllerdings ein nicht richtig behandelter Diabetes womöglich das akutere Problem. Bei dir hängen da einfach Dinge ungünstig zusammen.


      mondsteinhexe schrieb:

      Das ist jetzt 7 Wochen her und ich erlebe, wie der Druck ansteigt. Ich esse nichts mehr ohne schlechtes Gewissen und paradoxerweise esse ich dann oft mehr Kohlenhydrate, weil ich wohl innerlich gegen dieses "Verbot" rebelliere? Keine Ahnung. Mich erinnert das so an die Kontrolle durch meine Eltern und Ärzte, die mir jahrzehntelang erzählten, dass ich endlich abnehmen müsse, aber keiner hat mir gesagt wie das geht, außer :"Ja, dann iß halt mal weniger!"


      Kann ich gut nachvollziehen, du fühlst dich unverstanden und hm, in deinen Bedürfnissen nicht angenommen. Wobei ich die Rolle der Eltern dabei auch nicht unterschätzen würde, Parallele zum Arzt wäre auch eine gewisse Abhängigkeit von seiner Autorität.
      Und wie man "richtig" und vor allen Dingen "auf der Stelle" und "radikal" gleichzeitig abnehmen soll, das kann dir wohl auch keiner sagen, weil es so einfach nicht geht, imho.

      [QUOTE=mondsteEr soll meine Essstörung und Depression ja nicht BEHANDELN, aber ich finde er sollte sie mit bedenken.

      Verlange ich zu viel? Das ist auch meine Angst. Vielleicht habe ich völlig überzogene Ansprüche!

      Oft, wenn ich etwas unangenehmes ansprechen muss, verschwindet meine Stimme und ich spüre nur noch einen dicken Kloß im Hals. Wenn mein Gegenüber dann noch kritisch guckt, fange ich an zu weinen, weil der Druck so groß ist.inhexe][/QUOTE]


      Wer behandelt denn deine Depressionen, bzw. werden sie derzeit überhaupt behandelt, bzw. nimmst du Medikamente?
      Irgendwo in diesem Kreislauf müsste man ja zur Veränderung ansetzen.
      Ich finde es im Übrigen bewundernswert, dass du die Zusammenhänge selbst so klar erkennen kannst.

      Zum letzten Abschnitt, es wirkt auf mich wieder eher wie eine Situation zwischen Kind und Eltern, als würdest du dich ganz klein und unterlegen fühlen.

      Zur konkreten Gesprächssituation, ich male mir oft vorher mal den "worst case" aus und führe dazu quasi ein Selbstgespräch. Das beruhigt mich meist.
      Den Vorschlag, nicht allein hinzugehen, hat Rita ja bereits gemacht.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Hallo Mondsteinhexe,

      das Diabetesproblem habe ich auch seit etwa 10 Jahren. Es wurde noch vor meinem Hypophysenproblem mit dem ganzen hormonellen Chaos, das von dort angerichtet wird, der bei mir aber auch ursächlich für den Diabetes ist, denn die betroffenen Hormonachsen, die bei mir nicht richtig funktionieren sind fast alle mit dem Zuckerstoffwechsel verbunden.
      Aber das ist nur die Theorie und nicht Dein Problem.

      Auch ich bin schon von mindestens zwei Ärzten mies behandelt worden bis mir die Tränen liefen und ich in einem Fall die Weiterbehandlung verweigerte und im anderen war es unmittelbar vor Beginn einer Operation, als mir dann ein anderer Arzt zu Hilfe kam und mit seinem Kollegen Klartext redete, denn dieser hatte sich vor der Narkose, die er mir verabreichen sollte oder wollte, nicht mal meine Krankenakte angesehen in der meine ganze Krankengeschichte dokumentiert war mit allen neu erhobenen Hormonwerten, um ja keine Probleme auszulösen.

      Die Behandlung des Diabetes erfolgt nicht nur über Gewichtsreduktion und ich kann nur sagen, dass ich mir mittlerweile mit Hilfe meiner Hausärztin einige Ärzte als Ansprechpartner zugelegt (oder wie sagt man sonst) habe zu denen ich Vertrauen aufgebaut habe. Ich kann mit Ihnen auch all meine Probleme besprechen und sie kennen alle meine ganze Krankengeschichte, was ich für sehr wichtig halte. Sonst könnten sie ja vieleicht nicht immer die richtige Entscheidung für meine Behandlung treffen.
      Trotzdem ist es so, das jeder nur sein Fachgebiet behandelt und so habe ich eben auch eine größere Anzahl von Ärzten, die ich regelmäßig aufsuche. Ich denke dass es in meinem Fall so sein muss, denn meine Erkrankungen sind ja auch nicht alltäglich und teilweise werden sie als sehr selten bezeichnet, obwohl ich manchmal denke dass es noch mehr Menschen mit den gleichen gesundheitlichen Problemen wie ich sie habe gibt, nur bei vielen ist bisher noch keine entsprechende Diagnose gestellt worden.
      Aber auch das ist jetzt nicht so wichtig und dient nur der Erklärung.

      Sprich offen mit diesem Arzt und äußere auch Deine Besenken und sprich über Deine Ängste. Mir geht es so: je mehr ich über meine Erkrankung weiß, um so besser lerne ich damit umzugehen. Ich habe auch gelernt mit ärztlichen Anweisungen eigentlich so umzugehen, als wären es meine eigenen Wünsche, denn ich will ja auch noch einpaar Jahre hier auf dieser Erde bleiben und noch etwas mit meinem Enkelsohn erleben. Natürlich auch mit der restlichen Familie.

      Ich habe vor fast drei Jahren erlebt wie schnell es gesundheitlich abwärts gehen kann. Damals lag ich 7 Tage im Koma und habe niemanden mehr erkannt und keiner wußte, ob ich es überstehen würde. Ich habe es überstanden und das ist gut so.

      Das ist jetzt viel länger geworden als ich es vor hatte, aber manchmal geht es eben nicht anders.

      akinom :)
    • Hallo Mondsteinhexe,
      die schlechten Erfahrungen mit dem einen Arzt damals solltest du nicht überbewerten und vor allem nicht auf alle Ärzte verallgemeinern. Wenn dein damaliger Arzt schon ein älterer Herr war, hat er seine Ausbildung in einer Zeit gemacht, in der das Seelenleben von Patienten nicht interessierte oder als Larifari abgetan wurde. Leider ist die Ausbildung von Ärzten bis vor kurzem sehr technologisch fixiert gewesen, der Patient als Mensch mit Körper und Seele und all den konfusen Wechselwirkungen kam da gar nicht vor.

      Wie überall gibt es auch bei Ärzten engagierte, bornierte, cholerische, verständnisvolle Menschen, und manchmal muss man etwas länger suchen, bis man den Arzt oder die Ärztin gefunden hat, zu dem oder zu der eine tiefe vertrauensvolle Beziehung aufzubauen möglich ist. Schließlich legt man ja buchstäblich sein Leben in die Hand dieses Menschen, und da sollte ein Arzt den Patienten in seiner Ganzheit betrachten können, und nicht nur ein losgelöstes Symptom an einem bestimmten Stück Fleisch.

      Dein jetziger Arzt scheint mir doch ganz OK zu sein, so wie du ihn beschreibst. Er hat dich vermutlich nicht auf dein Essverhalten und deine Depressionen angesprochen, weil du es nicht getan hast. Für ihn muss es so aussehen, als wäre dir das Thema nicht wichtig oder sogar unangenehm. Schließlich kann er nicht Gedanken lesen, da musst du schon ein wenig aus deinem Schneckenhaus rauskommen.

      Der Rat, jemand mitzunehmen (Mann, Kind, Freundin ...) ist ganz gut, es sei denn, dir wäre es peinlich, so ganz persönliche Sachen vor jemand Nahestehendem anzuschneiden. Bei mir ist es so, dass ich besonders bei Nahestehenden weniger offen sein kann, als bei Wildfremden. Ein Fremder kennt mich nicht, der sieht mich womöglich nie wieder im Leben, aber meinem Mann beispielsweise möchte ich manches nicht offenlegen, weil ich dann jeden Tag mit meinem Wissen über sein Wissen konfrontiert wäre.

      Eine andere Möglichkeit wäre, dass du deinem Arzt einen Brief schreibst. Das was du in deinem Post geschrieben hast, kannst du einfach ausdrucken oder noch etwas dazuschreiben, und dann dem Arzt einen Tag vor deinem nächsten Termin übergeben mit der Bitte das zu lesen. Dadurch hättest du dir die direkte angst- und möglicherweise auch schambesetzte Konfrontation erspart, und dein Arzt könnte sich auch mental auf dein Problem einstellen. Für ihn wäre es ja auch überraschend und vielleicht auch schwierig, mit einer aufgeregten und verängstigten Patientin umzugehen, wenn er gar nicht ahnt, was dich so bewegt.

      Im allerschlimmsten Fall wird er dich sicher nicht anschreien, oder hattest du den Eindruck, dass er ein aggressiver Mensch ist? Im schlimmsten Fall kapiert er dein Dilemma nicht, aber eigentlich müsste er in seiner Ausbildung zumindest davon gehört haben, dass es Depressionen und Essstörungen gibt (Ironie aus). Dann hast du immer noch die Möglichkeit, einen anderen Arzt aufzusuchen, das ist dein gutes Recht.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Hallo,

      Vielen Dank, dass ihr so ausführlich genatwortet habt. Das hilft mir sehr.

      @Rita
      Ich werde eine Vertrauensperson mit zu dem Gespräch nehmen und mir eine Liste schreiben. Und ich denke, ich werde jetzt erst einmal den üblichen Termin zur Blutkontrolle wahrnehmen und ihm dann sozusagen ankündigen, dass ich einen zusätzlichen Termin für das Gespräch brauche.

      @Angelina
      Ja, wahrscheinlich klinge ich wie ein Kind, dass sich vor einer Reaktion fürchtet. Und genauso fühle ich mich auch.
      Aber leider hat der Arzt damals wirklich gebrüllt und leider habe ich bei anderen Ärzten und Ärztinnen Dinge erlebt, die so verletzend waren, dass ich darüber gar nicht sprechen kann, weil ich mich dafür schäme und keine Sprache finde.

      Natürlich rührt die Angst und die Unfähigkeit anders als mit Angst zu reagieren aus lange zurückliegenden Erfahrungen (gewalttätiger Vater etc.). Ich bin heute nicht mehr das kleine Kind, sondern eine erwachsene Frau und ich habe schon viel erreicht, um mit Stresssituationen besser umgehen zu können, aber gewisse "Autoritäten" (jedoch nicht alle) rufen immer wieder diese Gefühle hervor. Auf Ärzte trifft dies am meisten zu.

      Die Depression und die Essstörung habe ich in mehreren Psychotherapien behandelt. Dabei habe ich für die Depression deutlich mehr erreicht als für die Essstörung. Für diese Veränderung war ich wohl erst letztes Jahr bereit.

      Nein, ich nehme keine Medikamente und lehne Psychopharmaka für mich persönlich ab. Meine letzte Therapie habe ich vor 4 Jahren beendet. Damals schon hatte ich ich kaum noch dringliche Themen und der Therapeut hielt mich für austherapiert. Und so fühlte ich mich auch - nicht im Sinne von "geheilt", sondern insofern als ich genügend Strategien entwickelt und erlernt hatte, um mit der Depression zu leben und umzugehen.

      Es gibt immernoch einige Themen, die vorallem mit Ängsten zu tun haben und - wie du genau richtig erkannt hast - mit dem Gefühl sich unterlegen zu fühlen, wenn ich auf bestimmte Personen oder Reaktionen treffe.
      Ich denke immer mal wieder darüber nach eine neue Therapie (Verhaltenstherapie) zu machen. Dann merke ich aber oft, dass ich es eigentlich immer schaffe, meine Angst zu überwinden und mich ihr zu stellen. Das ist das was der Therapeut damals mit austherapiert meinte - ich kenne die meisten Ursachen, es geht jetzt ans Umsetzen und das muss ich auch mal alleine schaffen, also zumindest ohne Therapie.

      Ich sehe - wie du auch geschreiben hast - viele Zusammenhänge recht klar und weiß eigentlich, was zu tun ist. Und dann packt mich die Angst. Alles was ich tun muss, ist sie zu überwinden und aus der Erfahrung zu lernen, dass ich es kann und es im Nachhinein vielleicht gar nicht so schlimm war.

      Und gerade stehe ich wieder vor mehren Situationen, vor denen ich Angst habe. Eine ist das Gespräch mit dem Arzt. Eine andere ist der Führerschein, den ich eigentlich dringend brauche, aber Angst habe ihn zu machen (vollkommen anderes Thema, sorry).

      Ich werde auch deinen Ratschlag beherzigen, das Gespräch im "Selbstgespräch" durchgehen und so versuchen mich vorzubereiten.

      @akinom
      Danke, dass du von deinen Erfahrungen erzählst. Das macht mir Mut, dass ich auch irgendwann ein Vertaruensverhältnis zu einem Arzt aufbauen kann, denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich das noch nie.

      @all
      Das Schreiben und Lesen hier hat mir sehr geholfen.
      Vielen Dank, dass ihr mir so deutlich sagt, dass meine Probleme wichtig sind. Ich denke oft, sie sind nicht wichtig (genug).

      Liebe Grüße
      Mondsteinhexe
    • Hallo Sophie,

      Danke auch für deine Antwort.

      Mein jetziger Arzt ist in der Tat deutlich jünger und ich muss dir Recht geben - es kann durchaus sein, dass ich ihm gegenüber den Eindruck vermittelt habe, dass mir das Thema Essstörung unangenehm ist.

      Ich schäme mich für alles mögliche und für die Essstörung ganz besonders.

      Dann ist es natürlich für beide Seiten nicht so einfach offen zu sprechen.

      Sicher wird er mir seine Sicht im Gespräch auch mitteilen.

      Mit der Konfrontation mit dem Wissen, dass z.B. mein Partner über so vertrauliche Theman hat, habe ich kien Problem - ich verstehe aber was du meinst. Mein Partner, den ich wahrscheinlich zu dem Gespräch dazu bitte, kennt meine Angst und alles was damit zusammenhängt. Er versteht sie nicht wirklich, aber er versteht auch die Depression und die Essstörung nicht. Aber er akzeptiert mich mit all diesen Eigenheiten und steht absolut hinter mir. Und das erleichtert schon vieles.

      Liebe Grüße
      Mondsteinhexe
    • @ Mondsteinhexe

      Ich finde es schade, :knuddel2:dass Du noch zu keinem Arzt ein Vertrauensverhältnis aufbauen konntest, denn Vertrauen erleichtert die Therapie ungemein. Vieleicht schaffst Du es ja zu diesem Arzt mit Offenheit Vertauen aufzubauen.
      Ich wünsche es Dir. :bussi:

      Es ist ganz prima wie Du Deine Probleme angehst, denn nur wenn man weiß wo das Problem liegt, kann man es auch in Angriff nehmen und lösen. Dazu wünsche ich Dir viel Kraft, die Deine Angst besiegt. :troest:
      Viel Erfolg wünscht akinom :troest2:
    • Hallo akinom,

      Ja, es ist wirklich schade, dass ich noch nie einem Arzt wirklich vertraut habe. Vorallem wenn ich bedenke, dass ich bei meinem vorigen Arzt 13 Jahre lang war.

      Ich hatte vor jedem Termin Angst, ob es um einen grippalen Infekt oder einen Bandscheibenvorfall ging. Eigentlich merke ich gerade deutlich, dass es immer die Angst war nicht ernst genommen zu werden.

      Vielleicht schaffe ich es zu diesem Arzt mehr Vertrauen aufzubauen.
      Ich arbeite dran :five:!

      Vielen Dank für deine Wünsche :wink1:
    • Liebe mondsteinhexe,

      mondsteinhexe schrieb:

      Aber leider hat der Arzt damals wirklich gebrüllt und leider habe ich bei anderen Ärzten und Ärztinnen Dinge erlebt, die so verletzend waren, dass ich darüber gar nicht sprechen kann, weil ich mich dafür schäme und keine Sprache finde.

      Natürlich rührt die Angst und die Unfähigkeit anders als mit Angst zu reagieren aus lange zurückliegenden Erfahrungen (gewalttätiger Vater etc.). Ich bin heute nicht mehr das kleine Kind, sondern eine erwachsene Frau und ich habe schon viel erreicht, um mit Stresssituationen besser umgehen zu können, aber gewisse "Autoritäten" (jedoch nicht alle) rufen immer wieder diese Gefühle hervor. Auf Ärzte trifft dies am meisten zu.


      Auch ich mache die Erfahrung, dass derlei Ängste einen stark schwächen und einem den "erwachsenen", nüchternen, sicheren Teil der Persönlichkeit zeitweise nehmen können.
      Manchmal muss ich dann xmalig mit mir ins Gericht gehen, damit mein "erwachsener" Teil wieder Anteil an meinem Handeln und Fühlen nehmen kann.


      mondsteinhexe schrieb:

      Nein, ich nehme keine Medikamente und lehne Psychopharmaka für mich persönlich ab. Meine letzte Therapie habe ich vor 4 Jahren beendet. Damals schon hatte ich ich kaum noch dringliche Themen und der Therapeut hielt mich für austherapiert. Und so fühlte ich mich auch - nicht im Sinne von "geheilt", sondern insofern als ich genügend Strategien entwickelt und erlernt hatte, um mit der Depression zu leben und umzugehen.


      Das klingt alles danach, dass dein Wissen um deine Empfindungen und Probleme Hand und Fuß hat.
      Ich kann es absolut nachvollziehen, dass man Psychopharmaka ablehnt, ich habe eine ähnliche Haltung, was mich persönlich betrifft, ich habe es mehrfach probiert und es dann als für mich nicht hilfreich verworfen.

      mondsteinhexe schrieb:

      Ich denke immer mal wieder darüber nach eine neue Therapie (Verhaltenstherapie) zu machen. Dann merke ich aber oft, dass ich es eigentlich immer schaffe, meine Angst zu überwinden und mich ihr zu stellen. Das ist das was der Therapeut damals mit austherapiert meinte - ich kenne die meisten Ursachen, es geht jetzt ans Umsetzen und das muss ich auch mal alleine schaffen, also zumindest ohne Therapie.



      Da du ja einiges an Therapieerfahrung hast und offensichtlich ja auch eine gewisse Zuversicht in die eigenen Kräfte finde ich auch diese Entscheidung nachvollziehbar.
      Vielleicht reicht ja manchmal auch einfach der Gedanke, dass man sich Unterstützung holen könnte, wenn gar nichts mehr geht.

      mondsteinhexe schrieb:

      Und dann packt mich die Angst. Alles was ich tun muss, ist sie zu überwinden und aus der Erfahrung zu lernen, dass ich es kann und es im Nachhinein vielleicht gar nicht so schlimm war.



      Ja, das sage ich mir auch oft:) Aber schwer ist es dennoch.

      Vielleicht hättest du ja jemanden der dir einfach beim Termin das Händchen halten kann, womöglich nur davor und danach.
      Ich habe mal meinen Partner zur Zahnärztin mitgenommen, weil ein durchgebrochener Zahn raus musste. Ich habe Angst vor körperlichen Schmerzen, die mir andere zufügen und meiner Reaktion darauf.
      Er hat sich während der Prozedur von mir die Hand zerquetschen lassen, das hat es mir wesentlich erleichtert und wir haben das medizinische Personal mit einigem an Galgenhumor erfreut;).


      Ich wünsche dir einfach mal alles Gute für dein Gespräch, womöglich machst du sogar diesmal eine positive Erfahrung.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Nein, Du erwartest überhaupt nicht zu viel. Der Arzt muss alle drei Krankheiten beachten, wenn er Dich optimal behandeln will. Das sieht Du ganz richtig. Würde es Dir helfen, eine Punkteliste zu machen und diese Punkteliste im Gespräch abzuarbeiten? Und was die Assistenzärtzin angeht, er hätte Dich fragen müssen, ob Dir das Recht ist. Und wenn Du sie/ oder mal einen anderen Assistenten nicht magst, dann darfst Du auch mit gutem Gewissen sagen, dass Du sie/ ihn nicht dabei haben willst.

      LG Finchen
    • Mondsteinhexe schrieb:

      Hallo Sophie,


      Ich schäme mich für alles mögliche und für die Essstörung ganz besonders.


      Mit der Konfrontation mit dem Wissen, dass z.B. mein Partner über so vertrauliche Theman hat, habe ich kien Problem - ich verstehe aber was du meinst. Mein Partner, den ich wahrscheinlich zu dem Gespräch dazu bitte, kennt meine Angst und alles was damit zusammenhängt. Er versteht sie nicht wirklich, aber er versteht auch die Depression und die Essstörung nicht. Aber er akzeptiert mich mit all diesen Eigenheiten und steht absolut hinter mir. Und das erleichtert schon vieles.

      Liebe Grüße
      Mondsteinhexe


      Du brauchst Dich nicht für die Essstörung zu schämen.

      Was Dein Partner angeht: mein Mann konnte vor vielen Jahren meine Panikattacken auch nicht verstehen. Sie machten ihm Angst und er war damit überfordert. Möglicherweise geht es Deinem Partner mit der Essstörung und der Depression auch so.

      LG Finchen
    • Eure Beiträge helfen mir sehr, danke euch!

      @akinom
      danke fürs Knuddeln!

      @Angelina
      Ja, es ist sicher hilfreich, sich vorzustellen oder bewusst zu machen, dass man sich Hilfe holen könnte, wenn man sie braucht. Ich finde die Gewißheit, dass ich wieder eine Therapie beginnen könnte - hier habe ich nämlich durchweg positive Erfahrungen gemacht - wirklich beruhigend.

      Mal sehen, ob ich meinem Partner auch die Hand zerqetsche ;). Nein, das hebe ich mir für den nächsten Zahnarztbesuch auf :grins:. Aber er wird für genügend Taschentücher sorgen müssen, schätze ich.

      @Finchen
      Danke für deine Antwort.
      Mein Partner ist mit meiner Essstörung und meiner Depression sicher auch überfordert und fühlt sich hilflos, wenn es mir nicht so gut geht.
      Wir können ganz gut miteinander reden. Er spricht es offen an, was ihn überfordert oder was er fühlt. Das hilft sehr.

      Ja, ich werde so eine Punkteliste schreiben und abarbeiten:).

      Ich hätte mich nie getraut zu sagen, dass ich die Assistenzäztin nicht dabei haben will. Mir war das überhaupt nicht klar, dass ich sowas ablehnen darf.

      Es war das zweite Mal, dass ein zweiter Arzt anwesend war. vielleicht schaffe ich es das nächste mal etwas zu sagen.
    • Hallo Mondsteinhexe !
      Ich hab´s ja beruflich viel mit Ärzten zu tun und kann Dir sagen, manchmal haben die einfach einen Tunnelblick. Der Blick für das Gesamtbild des Menschen, den man da grade vor sich hat, wird denen nämlich beim Studium und der Ausbildung quasi aberzogen. So werden Krankheiten nur noch symptomatisch behandelt anstatt zu schauen, was da noch so alles zusammenhängt. Also es ist manchmal nicht so gedankenlos gemeint wie wir es empfinden.
      Anschreien geht natürlich gar nicht ! Und ich verstehe zu 100% dass Dir das enorm nachhängt.
      Habe auch eine Diabetes Typ 2 und bin schon von Anfang an auf Insulin eingestellt. Für mich optimal, da ich ein Genussmensch bin und mir das konditionierte Essen nicht liegt. Und wenn man mir meine KH wegnimmt werd ich sehr grantig. Vielleicht wäre das auch ein Weg ?
      Ausserdem, wir haben freie Arztwahl, wenn es Dir dort nicht taugt, dann such Dir einen neuen, bis Du einen gefunden hast zu dem Du Vertrauen fassen kannst. Das ist nervig und anstrengend, ich weiss, aber gerade wir chronisch Kranken brauchen auch einfach einen verständnisvollen und kompetenten Arzt. Ich bin da ganz genauso, wenn die Chemie nicht stimmt könnte der Professor sein, mir bringt das dann nichts.
      Ich drück Dich mal
      Denk dran, es gibt auch Gute unter den Weisskitteln

      Liebe Grüße
      Morgaine
    • Hallo Morgaine,

      Danke dir für deine Antwort.

      Ich wollte ja schon den Arzt wechseln, weil ich mich so unverstanden fühlte, aber dann dachte ich mir, ich will mich ja auch meiner Angst stellen und nicht davonlaufen und ich muss dem Arzt ja erst einmal eine Chance geben...

      Wenn sich herausstellt, dass er unerweiterbaren einen Tunnelblick hat, kann ich gehen - auch wenn es nervig ist zu suchen.
      Ich möchte eben auch herausfinden, was hier meine Angst ist, die mich blockiert und was sein Tunnelblick ist oder ob es noch ganz andere Aspekte gibt, die ich noch gar nicht bedacht habe - aber einige andere hier schon angesprochen haben.

      Das Gespräch wird noch eine Weile warten müssen, weil ich meinen Partner mitnehemn will und der kann nur in seinem Urlaub :(.

      Also das mit dem Insulin hab ich probiert.
      Zwar nicht, um mehr KHs essen zu können, denn das hat nicht funktioniert. Die Werte gingen sofort hoch, wenn ich über meinen empfohlenen BEs gegessen habe - und das mit oder ohne Insulin. Allerdings habe ich auch nur eine geringe Menge gespritzt (8 Einheiten abends).

      Ich dachte immer, nur Typ1-Diabetiker können da mit dem Insulin konkret Einfluss nehmen und Typ2-Diabetiker müssen einfach streng auf die KH-Zufuhr achten. Ist das bei dir anders? Darf ich fragen, wie viel Insulin du spritzt?

      Da ich meine Werte vorher schon ganz gut gesenkt hatte, und durch das Insulin die Gewichtsabnahme erschwert wurde, fand ich das alles kontraproduktiv. Ich habe dem Arzt gesagt, dass ich es ohne Insulin weiter probieren will.

      Naja, jetzt achte ich halt mal mehr mal weniger auf die KHs und esse ansonsten so, wie es die Essstörung erlaubt - und im Moment gelingt es mir wieder ganz gut, nachdem ich ein paar schwierige Wochen diesbezüglich hatte.

      Ich hoffe mal, dass mein Arzt zu den guten Weißkitteln gehört:-D!

      Liebe Grüße
      Mondsteinhexe
    • @ Mondsteinhexe

      Das Problem mit der Gewichtszunahme bei Insulin spritzen und ansonsten guten Langzeitzuckerwerten hatte ich auch, ist aber bei meinem hohen Übergewicht kontraproduktiv. Deshalb hat mich mein Diabetologe auf Byetta umgestellt. Das wird auch gespritzt, morgens uns abends, kann keine Unterzuckerung hervorrufen und kurbelt außerdem den Stoffwechsel an. Deshalb klappt es bei mir auch gegenwärtig mit einer moderaten Gewichtsabnahme ohne Druck und Heißhungerattacken. Ich komme ganz gut damit klar, und hoffe das ich das Medikament auch noch lange nutzen kann ohne dass es Komplikationen gibt.
      Man weiß ja nie. :sonicht:
      Ich hab am Mittwoch meine nächste Kontrolle.

      Eine schöne Zeit wünscht

      akinom :)
    • Hallo akinom,

      Von Byetta habe ich noch nie etwas gehört. Das hört sich gut an bei dir.

      Ich nehme Metformin und nehme - seit ich das Insulin abgesetzt habe - wieder langsam und stetig ab. Den Unterschied habe ich schon deutlich gespürt.

      Über das Byetta werde ich mich mal informieren. Danke für die Information.

      Alles Gute
      Mondsteinhexe
    • Hallo Ihr Lieben !
      Ich hab festgestellt, dass meine Zu- und Abnahmen insulinunabhängig sind.
      Ich arbeite mit BE-Faktoren, d.h. ich schätze wieviele BE´s meine Mahlzeit hat und multipliziere das mit dem entsprechenden Faktor und habe dann die Menge, die ich an Insulin brauche. Und dann halt noch abends vom Basal 25IE.
      Ansonsten kommt es drauf an, wieviel ich esse, aber summa summarum komme ich am Tag mit ca 20-30 IE vom schnellwirksamen Insulin hin.
      Metformin vertrage ich nicht und ausserdem fühle ich mich so freier und kann selber bestimmen was ich wann esse . Und wieviel.
      Mein Hausarzt ist glücklicherweise einer von der sehr verständnisvollen Sorte und eben auch Internist. Will sagen er kennt sich gut aus.
      Ansonsten hab ich im Akutfall auch noch meinen Partner im Rücken, der auch ein Weisskittel ist *grins*
      Liebe Grüße
      Morgaine
    • Mondsteinhexe schrieb:



      Ich dachte immer, nur Typ1-Diabetiker können da mit dem Insulin konkret Einfluss nehmen und Typ2-Diabetiker müssen einfach streng auf die KH-Zufuhr achten. Ist das bei dir anders? Darf ich fragen, wie viel Insulin du spritzt?

      Liebe Grüße
      Mondsteinhexe


      Ich gehöre auch zu den Typ 2, die Insulin spritzen. Byetta hab ich nicht vertragen, deswegen hab ich Victoza, was wie Byetta wirkt. Zusätzlich spritz ich 12 Einheiten Langzeit und ca 30 Einheiten Bolus. Ohne Victoza waren es bis zu 100 Einheiten Insulin am Tag. Wie Morgaine bin ich ein Genussmensch und schätze es, dass ich normal essen kann.

      LG Finchen
    • Ich habe nur abends 8 Einheiten Verzögerungsinsulin genommen. Seit ich das weglasse fühle ich mich viel wohler.

      Es ist nicht immer einfach, nicht alles essen zu können, ohne dass sich die Werte verschlechtern, aber im Moment ist mir eine weitere Gewichtsabnahme bzw. nicht wieder zuzunehmen wichtiger und ich möchte ohne Insulin auskommen.
    • akinom schrieb:

      Und ich hab Victoza nicht vertragen. Hatte ständig Durchf....... und auch die gewünschte Gewichtsabnahme trat nicht so auf. Deshalb der Wechsel.
      So geht es mir aber gut.


      Ich hab kein Gramm mit Victoza abgenommen. Mein Diabetologe findet das aber völlig o.K. weil es Patienten gibt, die überhaupt nicht auf das Medi reagieren, weder mit dem Blutzucker noch mit Gewichtsreduktion. Ich gehöre zur Gruppe, die mit dem Blutzucker sehr gut darauf reagiert hat, aber kein Gramm verlor. Und dann gibt es noch die Gruppe, wo der Zucker stimmt und die abnehmen. Ich hab schon von bis zu 30 kg gehört.
      Durchfall hab ich auch und wenn ich viele Kohlenhydrate gegessen habe, kann ich Gasen wie sonst was. Aber es geht. Mit Byette war mir immer kotzübel und das fand ich viel unangenehmer.

      LG Finchen
    • Die Übelkeit hatte ich in der ersten Zeit auch, aber das hat sich schon lange gelegt. Es kam nur noch mal wieder als sich beim Spritzen Blut in die Ampolle gezogen hatte und ich habe es nicht gleich gemerkt und noch einige Tage weiter gespritzt habe. Als ich dann mit einer neuen Ampulle weitergespritzt habe, wurde mir für kurze Zeit wieder Übel. Wenn Sich Blut reinzieht hat es scheinbar keine Wirkung mehr. Steht ja auch im Beipackzettel, dass man dann nicht mehr mit dieser Ampulle weiterspritzen soll.
      So nun versuche ich mal wieder einzuschlafen. :grins: