todkranker Vater darf seinen Sohn nicht sehen

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    • todkranker Vater darf seinen Sohn nicht sehen

      Gestern war der letzte Domian vor den Ferien - und es hat mich total fertig gemacht!

      Ein Vater hat bauchspeicheldrüsen Krebs, seine Frau hat ihn verlassen, weil sie das nicht ertragen konnte. Er hatte auch einen Herzinfarkt und 2 Schlaganfälle. Nun liegt er in einem Sternehospiz! NUR noch 7 Wochen hat er zum Leben!
      Er wollte so gerne noch seinen 8-jährigen Sohn nochmal sehen, aber die Frau verweigert das ! Er hat alles versucht- Jugendamt, Diakonien, sein Arzt - kein Erfolg!
      Der Sohn solle nicht "traumatisiert" werden.........:mad:

      Der arme Mann war so was von fertig, was weinte er, es geht mir so total nach!
      Es ist sein einzigster, letzter Wunsch, bevor er geht.

      Das verschlägt mir absolut die Sprache, ich finde keine Worte mehr dafür!
      Ich mußte ebenfalls weinen und das Bild läßt mich nicht mehr los, ich mußte es deswegen mal auch hier schreiben.
      Es zerreißt einem das Herz.
      Ich denke an die Liebe, auch an meine Situation und bin so dankbar, das meine Familie da ist und zu mir hält!
      Und ich denke seltsamer Weise auch an den Film " Ghost", wie stark Liebe ist und wie wesentlich wichtig es ist, auch gerade im Sterben " auf Wiedersehen" zu sagen...
      Was empfindet bzw denkt ihr??
      domianforum.de/domian-das-forum/topic6608.html

      Ryana
    • Ihr habt nur eine Seite gehört. Es scheint ja schon länger kein Kontakt mehr zu bestehen, ob es dann so doll ist, wenn das Kind zum sterbenden Vater soll... Man kennt nur eine Seite. Wer weiß was vorgefallen ist, dass er keinen Umgang mit seinen Sohn hat.
      Menschlich dramatisch, aber es kennt keiner die tatsächlichen Umstände.
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    • Sonnenkuss - ist absolut Ok!
      Aber seine Frau ist max. vor 4 Monaten ausgezogen, also echt nicht "zu lange" sodaß der Sohn keinen "Abstand" zum Vater hat.
      Und - egal was "eventuell" war - man hat sich erstens wohl sehr schon für den Vater eingesetzt, d.h. es bestand wohlweislich kein "heftiger Konflikt" und zweitens steht sein Tod bevor, da darf es solche Gründe nicht geben!

      Man kann es sicherlich so arangieren, das sein Sohn kein solches Trauma erlebt und er liegt ja in einem Hospiz, wo man das alles leicht möglich machen kann!

      Und das Erleben des Telefonates zeigte, das war kein Fake und der Mann kein Untier! Das war höchste tieftraurige Dramatik!

      Das macht massiv betroffen!

      Da kann ich nicht einfach daran innerlich vorbeigehen.
    • Ryana schrieb:

      und zweitens steht sein Tod bevor, da darf es solche Gründe nicht geben!


      Da stimme ich nicht zu. Ich würde nie zu einem Sterbenden gehen, nur weil er sich das wünscht. Wenn ich da selbst nicht mit klarkomme, dann geh ich nicht hin.
      In dem vorliegenden Fall möchte der Vater unbedingt noch einmal seinen Sohn sehen... da frage ich mich doch weshalb dies unbedingt sein muss. Hat er das Gefühl, sich in den Jahren vorher nicht genug um ihn gekümmert zu haben, also ein schlechtes Gewissen? Oder einfach allgemeine Sehnsucht? Das Ding ist - es wird vom Vater geredet, was der will, und von der Mutter, was die will... nur nicht davon, was der Sohn eigentlich will. Das halte ich für daneben, das ist für mich die eigentliche Tragik an der Sache. Beide Elternteile stellen Ansprüche ans Kind und letzteres... naja, ich denke es ist klar worauf ich hinaus will.
      Ich bin ganz ehrlich, ich bin da nicht so mitfühlend wie manch anderer, wenns ums Sterben geht. Ich kenne diese Leute nicht und es geht mir demzufolge auch nicht nahe bzw. interessiere ich mich nicht besonders für Sterbethemen, die andere betreffen, mit denen ich im realen Leben nichts zu tun habe.
      Und ich bin auch nicht bereit, anderen beim langsamen jahrelangen Sterben zuzusehen, auch wenn sie nahe Verwandte sind, das kann ich nicht. Reiner Selbstschutz. Meine (noch verbliebene) Oma lebt offiziell immer noch, sie leidet bereits seit Ewigkeiten an Demenz und erkennt schon lange keinen mehr. Ich hab mich im Stillen von ihr verabschiedet, denn letzten Endes existiert der Mensch, der meine Oma war, nicht mehr. Demzufolge habe ich sie auch sehr lange nicht mehr gesehen und frage selten nach ihr. In dem Fall führt es zu nichts, ihr Zustand verbessert sich nicht mehr, und irgendwann, früher oder später, stirbt sie daran, was wahrscheinlich noch nicht mal ein besonders leichter oder schöner Tod sein wird. Im Grunde stirbt sie schon seit Jahren und keiner kann etwas dagegen oder dafür tun. Und ich bin sehr froh darüber, dass mich keiner dazu drängt, sie doch nochmal zu besuchen oder so... ich möchte sie lieber als halbwegs noch vorhandene Persönlichkeit in Erinnerung behalten, was im Vergleich zu ihrer ursprünglichen Agilität schon ein deutlich in Erinnerung bleibender Unterschied ist.
      Sagen wir mal so: ich kann auch die Mutter ein wenig verstehen. Letzten Endes wissen wir aber eh nicht, wie die genauen Verhältnisse sind, da kann der Kranke einen noch so guten Eindruck machen und die Mutter einen noch so schlechten. Wir wissen es einfach nicht.

      Gruß
      Dani
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Nordlicht schrieb:



      Und ich bin auch nicht bereit, anderen beim langsamen jahrelangen Sterben zuzusehen, auch wenn sie nahe Verwandte sind,


      Arme Oma, da kann man nur hoffen, dass nicht deine ganze Familie so egoistisch und inhuman ist.
      [FONT="Comic Sans MS"][SIZE="2"][COLOR="Blue"]Viele Grüße
      Pamina
      [/COLOR][/SIZE][/FONT]

      [FONT="Comic Sans MS"]Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. (Antoine de Saint-Exypery)[/FONT]
    • Vorausgesetzt sie hatten noch bis vor kurzem Kontakt, wäre ein Abschied gut, denke ich.
      Auch Kinder können lernen mit dem Tod klar zu kommen und so kann sich der kleine bei einem letzten Besuch noch mal verabschieden.
      Wenn die Mutter ihrem Kind diese Möglichkeit nimmt, wird es ihr das vielleicht in späteren Jahren vorwerfen.
      Ich denke ich würde das zumindest ziemlichen Mist finden.

      @Nordlicht
      Ich kann Dich gut verstehen, dass Dich die Demenz Deiner Oma zu sehr mitnimmt. Meine hatte Altsheimer und weder das eine noch das andere sind angenehme Krankheiten.
      Es ist schwer das mit an zu sehen und dennoch habe ich meine Oma noch gesehen, denn sie hatte lichte Momente.
      Lichte Momente in denen ihr Leid ("Warum bin ich so geworden?" aber auch ihre Freude ("Och schön, dass Du da bist") zu sehen war.

      Für mich persönlich konnte ich mich so besser verabschieden.
    • Ryana schrieb:

      ...
      Das macht massiv betroffen!

      Da kann ich nicht einfach daran innerlich vorbeigehen.

      Das kann Keiner.
      Aber wie schon geschrieben, der Hörer kennt nur eine Seite.
      Väter die ihre Kinder schwer mißhandeln meinen auch, sie wären die besten Väter... das nur mal zur tieftraurigen Dramatik.

      Ich würde meinem Kind einen langen Brief hinterlassen, wegen mir auch eine Videobotschaft, aber sicher nicht nachts bei Domian rumfienen. Das ist Effekthascherei, tut mir leid. So wird er an das Kind nie herankommen.
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    • Ich weiss nicht, in wie weit ein Kind vom Besuch am Sterbebett traumatisiert wird. Ich kenn einen Jungen, dessen Vater Krebs hatte und der zu Hause von der Ehefrau gepflegt wurde. Der Junge bekam dann nach dem Tod Psychotherapie um den Verlust zu verkraften. Vielleicht wäre es für den Jungen wichtig, dass er sich noch verabschieden kann. Vielleicht wäre es für den Vater wichtig, dass er in Frieden sterben kann. Aber eben, wir kennen nur eine Seite und um objektiv urteilen zu können, müsste man alle Fakten haben.

      @ Nordlicht, ich kann Dich verstehen. Meine Mutter hat Demenz im Anfangsstadium.

      LG Finchen
    • pamina schrieb:

      Arme Oma, da kann man nur hoffen, dass nicht deine ganze Familie so egoistisch und inhuman ist.

      Dank dir... wenn einer deiner nahen Verwandten im Endstadium der Demenz ist sprechen wir nochmal drüber. Wie gesagt, ich kann sowas und mach sowas nicht.

      @Finchen und Folivora
      Danke für euer Verständnis. Ich sprech da normalerweise nicht drüber.
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    • Mich schaudert es bei einigen Aussagen, ist das echt wahr, was da gesagt wurde?

      Es ist wohl so, das der Tod und auch die traurigen Veränderungen bei einem Menschen zu der heutigen "modernen" Welt nicht dazu gehört.

      Man will lieber nichts davon wissen.

      Und man kann es sich leicht machen, das von sich zu schieben. Man lebt ja mittlerweiler bei uns so "für sich", man kann alles machen, wegoperieren, wegschieben und einfach gehen, wenn es unangenehm wird.

      In anderen Kulturen, besonders den naturverbundenen ist das anders, da gehört Tod und Leben dazu, die alte Oma ist mitten dabei, es werden Lieder bei dem Sterbenden gesungen und dies ist integriert.

      Okay- vielleicht bin ich "sentimental", zu gefühlsvoll und daher "von gestern" und die Gesellschaft entwickelt sich zu was anderem - wie man ja auch an den Diskussionen sieht wie "PID" - die Auswahl, nur noch den Top-Menschen zu zeugen - hm, da wäre ich vielleicht auch nicht mehr dabei. Das mag vielleicht auch der nächste Evolutionsschritt sein, aber ich mag da nicht mehr dabei sein.

      Wieso muß denn auch immer gleich unterstellt werden, dieser Vater sei ein "schlimmer" gewesen? Da wird sogleich an "Mißbrauch" gedacht...das muß doch nicht sein!
      Natürlich geht das nicht, das ein "Mißbrauchsopfer" dann zu seinem sterbenden Vergewaltiger geht, aber das ist eine randmäßige Mutmaßung!

      Und wieso ist das so schrecklich, wenn ein sterbender Mensch sich aufrafft, versucht, sich zu äußern und nach Unterstützung ruft?
      Und dann auch mal bei Domian anruft? Das ist eine total besondere Dimension und absolut anders, als wenn ein Fetischist dort anruft, der nur Sex mit Gummibäumen haben kann ( war wirklich gewesen )!

      Es ist sein letztes, verzweifeltes Aufbäumen!
      Und man kann auch nicht immer davon ausgehen, das alles nicht so ist, wie dargestellt. Auch wenn es eben die Sichtweise eines Einzelnen ist, aber es hat eine schwerwiegende Größenordnung, und da gehe ich erst mal davon aus, wenn dies so ist, dann macht das unglaublich betroffen, auch der Gedanke, das soetwas tatsächlich möglich ist.
      Und es kann echt so sein, wie auch hier andere Gedanken es beweisen.

      Klar, es gibt alle Bandbreiten, aber bei bestimmten Entwicklungen kann ich nicht mitkommen.

      Echt klar, das ist unglublich schwer und man muß mit sich ringen und oft "paßt" es einem nicht, u.U. gerade jetzt nicht, wo bei einem dies und das ist. Und klar hat jeder Grenzen und kann nicht täglich bei einem Todkranken oder schwer Behinderten sein.Aber ganz wegschieben geht gar nicht!
      Ich verstehe auch absolut, wenn jemand nicht auf Dauer seine demenzkranke Mutter o.ä. pflegen kann, das ist nicht jedem gegeben, aber gar nichts davon wissen wollen ? Wenn derjenige einem sehr nahe stand und viel bedeutet hat, so ist das grausam!


      Ich las auch eine interressante Auseinandersetzung mit diesem Thema in einem anderem Forum :
      psychologieforum.de/ich-kann-m…n-nicht-umgehen-5121.html

      Und für mich ist es sehr wichtig, das wir uns darüber uns auseinandersetzen - schließlich sind wir selbst diesen "Veränderungen" unterworfen und es kann uns nur allzu schnell selbst treffen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ryana ()

    • Ryana, du machst dir eine schöne, einfache, bunte Welt. Du interpretierst da Sachen rein, die so nie gesagt oder geschrieben wurden. Du versuchst dich hier als sehr tiefgründig und reflektiert darzustellen, sprichst aber anderen diese Tiefe ab. Wie kommst du dazu? Ich finde das sehr oberflächlich, wie aus einem billigen Julia-Roman oder Poesiealbum abgeschrieben.

      Ich bin eigentlich für Leben und Leben lassen, es wird schon seinen Sinn haben, dass du so bist wie du bist. Nachdem du aber zum wiederholten Male auf einen meiner Beiträge so rosa-plüschgewaschen antwortest und zur Diskussion über das Thema nur beiträgst, dass du so edel hilfreich und gut bist, muss ich das mal so krass schreiben.
      Es sind nicht alle Menschen gut, es sind aber auch nicht alle schlecht. Kennst du den Sterbenden persönlich? Ich nicht, deshalb maße ich mir kein Urteil zu und werde für keinen der Beteiligten Partei ergreifen.
      Sollte dir wirklich nicht bewußt sein, dass der Großteil der Domian-Sendung ein Fake sind? Echt nicht? Naja, dazu muss man schon ein Stück reflektiert sein. Es gibt ja auch genügend Leute, die die Bildzeitung lesen. Ich nicht.
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    • Ryana schrieb:


      Er wollte so gerne noch seinen 8-jährigen Sohn nochmal sehen, aber die Frau verweigert das ! Er hat alles versucht- Jugendamt, Diakonien, sein Arzt - kein Erfolg!
      Der Sohn solle nicht "traumatisiert" werden.........:mad:


      Zum einen wird das Jugendamt schon schwerwiegende Gründe haben und den Wutsmiley verstehe ich nicht. Mein Urgroßvater ist an Krebs gestorben, meine Oma hat das als Jugendliche miterlebt und sie war traumatisiert bis ins hohe Alter. Vermutlich hast du noch keinen an Krebs sterbenden Menschen gesehen, ich schon, in den meisten Fällen ein Anblick, den ich auch meinem Kind ersparen würde. Und wäre ich die Betroffene, dann würde ich mit meinem Kind telefonieren.
    • Ryana schrieb:

      Echt klar, das ist unglublich schwer und man muß mit sich ringen und oft "paßt" es einem nicht, u.U. gerade jetzt nicht, wo bei einem dies und das ist. Und klar hat jeder Grenzen und kann nicht täglich bei einem Todkranken oder schwer Behinderten sein.Aber ganz wegschieben geht gar nicht!
      Ich verstehe auch absolut, wenn jemand nicht auf Dauer seine demenzkranke Mutter o.ä. pflegen kann, das ist nicht jedem gegeben, aber gar nichts davon wissen wollen ? Wenn derjenige einem sehr nahe stand und viel bedeutet hat, so ist das grausam!

      Darauf möchte ich auch nochmals eingehen...
      Es ist eine Sache, etwas komplett "wegzuschieben", wie du sagst, es ist eine andere Sache, wenn man sich nicht in der Lage sieht, auf andere Weise seelisch damit klarzukommen, als nicht mehr hinzugehen. Lies dir meinen Beitrag ruhig nochmals durch. Da meine Oma mich noch nicht einmal mehr erkennt, nicht weiß, dass es mich gibt, wären Begegnungen mit ihr für mich schmerzvoll und für sie verwirrend gewesen, solange sie noch in der Lage war sich zu artikulieren. Sie erkennt schon länger gar keinen mehr und kann weder sprechen noch sonst etwas alleine machen, sie nimmt den Gegenüber kaum bzw. gar nicht mehr wahr. Meine Mutter erzählte mir zuletzt, dass sie vor sich hin summt, wenn es ihr gut geht. Gerade weil ich sie sehr gern hatte, kann ich da nicht hingehen. Ich gedenke ihrer im Stillen. Also erzähl mir nichts von Grausamkeit. :cool:
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • @Nordlicht: Ich habe das Gefuehl, dass du auf der Flucht bist. Auf der Flucht vom koerperlich und geistigen Verfall, vom Leid, und letztendlich vom Tod. Das kann ich gut verstehen.

      Du hast aber doch schlechtes Gewissen, denke ich. (Vielleicht habe ich Unrecht.) Auf jeden Fall belastet dich die Situation mit deiner Oma sehr, diesen Eindruck habe ich. "Ich rede nicht darueber" ist letztendlich keine Loesung. Da verdraengt man etwas ganz wichtiges, naemlich eine Chance, sich mit dem Thema Krankheit und Tod auseinander zu setzen. Denn das muessen wir alle irgendwann unfreiwillig tun.

      Ich kann da nicht wirklich gut mitreden, denn ich habe keine "schwierigen" Todesfaelle erlebt, Gott sei Dank. Andererseits ist meine Mutter behindert, und das Ende, das bei ihr hoffentlich nicht bald eintreten wird, kann fuer sie beliebig schlimm werden. Ich denke nicht so oft darueber, aber wenn ich das tue, dann habe ich Angst, dass die Belastung fuer alle so gross sein wuerde. Andererseits sage ich mir, dass ich es alles verkraften werde, und jedem Menschen, der mir nah steht, helfen wuerde, ein wuerdiges Lebensende zu verbrigen, soweit es geht.

      Ich erinnere mich noch, dass meine Oma dement war. Ich habe mal bei ihr uebernachtet, als sie zwischen zwei Krankenhausaufenthalten in ihrer Wohnung war, und mein Vater nicht bei ihr sein konnte. Ich war damals 13, denke ich. Sie ist mehrmals in der Nacht aufgestanden, um zu schauen, ob jemand da ist, und dachte, ich waere mein Vater (ihr Lieblingssohn). Ich habe sie dann immer zurueck zu ihrem Bett begleitet.

      Alles in allem fand ich die Erfahrung nicht schlimm, aber es war ja nur eine Nacht, mehrere Naechte kann so keiner durchhalten. Meine Oma ist kurz darauf an einer Lungenentzuendung gestorben.

      Ich habe in dieser Nacht allerdings festgestellt, und so denke ich immer noch, dass auch wenn der geliebte Mensch nur eine leere Huelle zu sein scheint, ist mir diese Huelle trotzdem wichtig genug, um sich um sie zu kuemmern, u.a. auch um sie zu besuchen.

      Ich kann das psychisch wohl relativ gut vertragen, kann mir aber vorstellen, dass viele Menschen das nicht vertragen koennen, wie Nordlicht schreibt. Ob man diese Einstellung je aendern kann (und soll), weiss ich nicht.
    • Es wäre vielleicht besser, wenn hier nur noch User moralische Wertungen abgeben, die bereits Erfahrungen mit Krankheiten bis zum Ende und Kontakt (oder besser Kontaktversuche) mit Menschen mit fortgeschrittener Demenz haben.

      Muminfrau schrieb:

      Ich kann das psychisch wohl relativ gut vertragen, kann mir aber vorstellen, dass viele Menschen das nicht vertragen koennen, wie Nordlicht schreibt. Ob man diese Einstellung je aendern kann (und soll), weiss ich nicht.

      zu 1) Das weißt du gar nicht.
      zu 2) Hallo? Geht`s noch?
    • Ich habe keine moralische Wertung angegeben. Ich wollte mit meinem Beitrag Nordlicht unterstuetzen. Ich weiss gar nicht, was totalegal hier mit seinem/ihren Beitrag will. Geht's noch?
    • Langsam ufert es hier wirklich aus mit Angriffen, die auf die persönliche Ebene gehen. Nutzer wegen ihrer Entscheidung hier mit daneben gegriffener Wortwahl anzugreifen, entspricht nicht gerade dem sonst hier gängigen Niveau des Umgangs!

      Wenn jemand meint, es nicht zu verkraften, einen Sterbenden noch einmal zu besuchen, ist das weder egoistisch noch herzlos, sondern reiner Selbstschutz. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung und die fällt niemand leichtfertig. Egal ob am Sterbebett oder aufgebahrt im Sarg: Es gibt Menschen, die können mit dem Anblick nicht umgehen. Für einen Sterbenden ist es bestimmt schade, wenn er einen geliebten Menschen nicht noch einmal sehen kann, aber man sollte niemanden dazu zwingen ihn zu besuchen.
      Auf den Fall aus dem Radio bezogen: Wenn der Sohn den Vater selbst gerne besuchen möchte, sollte man ihm anders herum aber auch nicht im Weg stehen, ihm den Besuch zu ermöglichen.
      [SIZE=1][CENTER]Accepting oneself does not preclude
      an attempt to become better.
      — Mary Flannery O'Connor

      You must learn from the mistakes of others.
      You can't possibly live long enough to make them all yourself.
      — Sam Levenson
      [/CENTER]
      [/SIZE]
    • @ Muminfrau
      Du hast im Zusammenhang mit dem Besuch bei deiner dementen Oma geschrieben:
      mehrere Naechte kann so keiner durchhalten
      und weiter
      so denke ich immer noch, dass auch wenn der geliebte Mensch nur eine leere Huelle zu sein scheint, ist mir diese Huelle trotzdem wichtig genug, um sich um sie zu kuemmern, u.a. auch um sie zu besuchen.
      Also was jetzt? Es kann keiner durchhalten, er soll aber trotzdem besuchen?
      Im Endstadium ist es dem Dementen egal, wer da ist. Er erkennt niemanden. Auch nicht die Pflegerin, die vor einer Stunde im Zimmer war. Ob du dem Menschen vorliest, vorsingst oder von 1 bis 10000 zählst, ist gleich. Es kommt keinerlei Reaktion. Die letzten Tage vor dem Ende kommt nur noch die Reaktion vom Kranken, dass er einfach den Mund nicht mehr öffnet, wenn er gefüttert werden soll.
      Ich konnte es nicht und konnte es nicht mit ansehen. Das habe ich den Profis überlassen. Ich habe den Menschen in Erinnerung behalten, wie er mich spöttisch angrinst, die Brille auf der Nasenspitze. Und das war drei Jahre vorm Ende.

      Und dann schreibst du im Zusammenhang damit, dass jemand so etwas nicht ertragen kann

      Muminfrau schrieb:

      Ob man diese Einstellung je aendern kann (und soll), weiss ich nicht.
      Das habe ich so verstanden, dass du darüber nachdenkst, die Menschen, die es nicht ertragen, dazu zu bringen, dass sie sich das doch antun. Darauf habe ich "Geht`s noch?" geschrieben. Das ist die höfliche Version von dem, was mir auf der Zunge lag.
      Muminfrau, ich kann jeden Angehörigen verstehen, der wegbleibt, wenn der Zeitpunkt gekommen ist, seinem Verwandten bei der finalen Schnappatmung die Hand zu halten.
      Du brauchst Jahre, bis du das Bild durch andere, schönere aus der gemeinsamen Vergangenheit überdeckt hast.
    • Zu dem Fall im Radio: Ich höre mir das nicht an, sehe in solchen Situationen aber auch grundsätzlich die Gefahr, dass das Kind traumatisiert wird.
      Ich bin eher der Typ, der sich zum Sterben im Wald verkriecht und finde es befremdlich, dass der Vater über eine Radioshow versucht, einen Besuch seines Sohnes zu erreichen. Mir kommt es so vor, als ob das Kind instrumentalisiert wird.
    • totalegal schrieb:

      Mir kommt es so vor, als ob das Kind instrumentalisiert wird.

      Ich kenne den Fall nicht und habe auch die Sendung nicht gesehen. Deshalb kann und mag ich auch nicht darüber spekulieren, ob es sich um eine wahre Begebenheit handelt oder ein Fake.

      Aber trotzdem habe ich auch genau an dieser Stelle Bauchweh. Ein Vater, der sein Kind wirklich liebt, würde in erster Linie daran denken, was das Beste für das Kind ist. Und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein solcher Auftritt bei Domian dem Wohl des Kindes dient...
    • totalegal schrieb:


      Muminfrau, ich kann jeden Angehörigen verstehen, der wegbleibt,


      Ich auch.

      Wenn du meinen Beitrag aufmerksam lesen wuerdest, wuerdest du das hier merken:

      uch wenn der geliebte Mensch nur eine leere Huelle zu sein scheint, ist mir diese Huelle trotzdem wichtig genug, um sich um sie zu kuemmern
      Das kleine Woertchen mir sagt aus, dass ich es nur fuer mich persoenlich meine. Bevor du also deinen Emotionen freien Lauf laesst, solltest du erstmal richtig lesen koennen.

      Aber wer sich "totalegal" nennt, dem wird es vielleicht egal sein, was andere Menschen wirklich schreiben.
    • totalegal schrieb:

      @ Muminfrau
      Du hast im Zusammenhang mit dem Besuch bei deiner dementen Oma geschrieben:und weiter Also was jetzt? Es kann keiner durchhalten, er soll aber trotzdem besuchen?


      Und wieder, hier hilft nur aufmerksames Lesen der Beitraege. Es war kein Besuch, ich musste eine Nacht lang, als ich 14 war, auf meine Oma aufpassen.

      Ich war mit ihr alleine in der Wohnung, in einer Plattenbausiedlung, mehrere Kilometer entfernt von meinem Eltern (so ca. 60 Min. mit oeffentlichen Verkerhsmitteln), ich kannte sonst niemanden in diesem Hochhaus und in der Umgebung, hatte Angst und meine Oma liess mich nicht schlafen, da sie, wie ich geschrieben habe, immer aufstehen musste um zu schauen, ob mein Vater da ist. Sie hielt mich fuer meinen Vater.

      Unter diesen Umstaenden bin ich persoenlich zu einer Entscheidung gekommen, dass ich persoenlich mich um einen Demenzkranken kuemmern kann. Was ich allerdings nicht kann, ist mehrere Tage ohne Schlaf auskommen. Das habe ich gemeint mit "das kann keiner durchhalten".

      Es ist mir wirklich wichtig, hier alle Missverstandnisse aufzuklaeren.
    • Hallo , mein Vater hatte Osteoporose im Endstadium und ist letzten Endes an einer Lungenentzündung gestorben .

      Ich war jeden Tag bei Ihm im Krankenhaus , und an einen Tag ging es Ihm so gut , das er nach Hause wollte , doch ich riet Ihm dazu noch einen Tag länger im Krankenhaus zu bleiben . Nur um auf Nummer Sicher zu gehen .

      Das war der letzte Tag , an dem er noch ansprechbar war !

      Das Krankenhaus rief in der Nacht an , das sein Zustand sich sehr verschlimmert hat , wegen Wasseransammlung in der Lunge , die man einfach nicht wegbekommt .

      Ich bin sofort hingefahren . Meine Mutter blieb zuhause , weil Sie es einfach nicht durchgestanden hätte . Sie hat meinen Vater zu sehr geliebt , als das Sie mit hätte ansehen können wie er Stirbt .

      Es war die längste Nacht meines Lebens !

      Ich weiß nicht warum , der Vater sein Kind nicht nochmal sehen darf . Ich weiß nicht wie alt das Kind ist . Vielleicht ist es besser so , vielleicht auch nicht .


      Ich habe gesehen wie mein Vater starb . Doch geweint habe ich nicht . Ich habe meinen Vater geliebt und bewundert , doch als er starb konnte ich nicht weinen .