Ich kann nicht anders, alles muss aufgegessen sein.

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    • Ich kann nicht anders, alles muss aufgegessen sein.

      Vielleicht kennt ihr das auch, manchmal hat man sich mehr auf den Teller getan, als man schafft. Wie unter Zwang esse ich, bis nichts mehr da ist. Dieses Verhalten habe ich mir nicht in meinem Elternhaus angeeignet. Auch die bäuerliche Familie in die ich vor über 20 Jahren eingeheiratet habe, gibt Reste vom Tisch den Tieren, statt sich was runterzuwürgen. Mein Mann meint dann immer, ich solle nicht jammern über meinen prallen Magen, es würde mich ja niemand zwingen.

      Wer von euch is(s)t genauso?

      PS: Man könnte meinen, dass ich mit der Zeit besser einschätzen könnte, wie viel genug ist, doch dem ist nicht so. Ebenso der Tipp von meiner Schwiegermutter, doch mehrere kleinere Portionen zu nehmen, fruchtet nicht, ich will alles schön voll haben auf dem Teller.:mampf:
    • Ich kenne das, denn bei uns hiess es zum einen immer "der Teller wird leer gegessen, andere Kinder haben garnix zu essen".
      Und zum anderen war es bei uns so, dass bestimmte Dinge halt nur selten auf den Tisch kamen, wenn es lecker war, wollte ich so viel wie möglich davon genießen können. Wer weiß, wann man es wieder kriegt.
      Noch heute hab ich das Problem, dass ich schlecht was auf dem Teller lassen kann. Wenn ich es schaffe, muss es s-o-f-o-r-t weg geräumt werden, sonst geh ich so noch immer wieder mal dran. Dem ist nur schwer bei zu kommen.
      Ich versuche, weniger zu nehmen und zwischendurch zu warten, ob ich wirklich noch Hunger habe oder es einfach nur so lecker ist und ich deswegen weiteressen will. Oder halt, weil man halt den Teller leer ist.
      Mittlerweile geht es einigermaßen.
      Bei mir muss auch niemand aufessen, ich bin nicht böse, wenn was liegen bleibt. Ich allerdings habe auch immer sehr drauf geachtet, wenn ich bei meinen Eltern war und meine Neffen zu Besuch waren, dass dort nicht dieser Zwang bestand. Hat auch ganz gut geklappt.
      Kinder haben ein natürliches Empfinden, wann sie genug haben. Das sollte man nicht wegerziehen, finde ich.
      Viele Grüße

      Andrea - Seepferdchen-Admin


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      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz
    • Oh, super, dieses Thema wollte ich schon seit einiger Zeit anfangen! Danke :) Zu Admins: gehoert es nicht eher in die Ecke "Essstoerungen"?

      Ich habe schon woanders geschrieben, dass ich mein Essverhalten, das sich in den letzten Jahren weitgehend normalisiert hat, noch weiter "aufpolieren" moechte. Eins der Probleme ist, dass ich ganz automatisch alles aufesse, was auf dem Teller liegt. Erst danach merke ich, dass es evtl. zu viel war, oder dass ich es eigentlich gar nicht wollte. Und dabei bin ich immer diejenige, die das Essen auf den Teller tut. ;)

      Ich habe nun angefangen, mit mehr Aufmerksamkeit zu essen. Ich zaehle Kaubewegungen (wenn ich's nicht vergesse ;)) So 30-60 Kaubewegungen pro Mundvolll mache ich mittlerweile, je nach Konsistenz. Man kann aber auch bis 10 oder 20 zaehlen, das ist auch okay. Gleichzeitig versuche ich, das Essen rauszuschmecken, also so viel Geschmack zu spueren wie nur moeglich.


      Ich kenne diese Technik schon seit Jahren, habe sie immer wieder angewendet, nur sie war nie gut mit den Essanfaellen kombinierbar. Waehrend eines richtigen Essanfalls kann man nicht "aufmerksam" Kauen, es geht um ganz andere Dinge, z.B. um Beruhigung, Aengste, Wut. Jetzt, wo ich sehr selten Essanfaelle habe, habe ich mich an diese Methode wieder erinnert, und es klappt bisher ganz gut.

      Was hat das mit "alles aufessen, weil es so gut schmeckt" zu tun? Naja, das Essen bleibt durch ein aufmerksames Kauen laenger im Mund und schmeckt intensiver. Wenn man es heruntergeschluckt hat, kann man es ja nicht mehr schmecken...

      Ich kann nun guten Gewissens sogar meine absoluten Liebliengsspeisen in der Menge begrenzen, denn zu 2/3 gefuellter Teller schmeckt genauso gut wie ein voller Teller. Ich verspuere zwar immer noch dieses Gefuehl "es muss ganz viel auf den Teller, sonst reicht es nicht!", aber ich kann davon gut Abstand nehmen.

      Wer das ausprobieren moechte, soll nur beachten, dass es eine Eingewoehnungsphase gibt, die durch folgende Schwierigkeiten gekennzeichen ist:

      - Man isst viel langsamer. Am Anfang ging ich nicht mehr mit Kollegen zur Kantine, weil es bei mir dann zu lange dauerte. Mittlerweile klappt es aber wieder.

      - Man hat ueber viel laengere Zeitspannen den vollen Mund und kann nicht so gut waehrend des Essens reden, und auch mit dem Lachen muss man sehr aufpassen. :D

      - Man vergisst immer wieder, die Kaubewegungen zu zaehlen. Ich hatte das Gefuehl, ich wuerde es nie lernen!
    • Klangola schrieb:

      Man könnte meinen, dass ich mit der Zeit besser einschätzen könnte, wie viel genug ist, doch dem ist nicht so.


      Kannst du bitte beschreiben, moeglichst genau, was du denkst, fuehlst und spuerst (im Koerper), wenn du dir das Essen auf den Teller tust?
    • Ich staune immer über Menschen, die ganz zufrieden aufhören können, wenn sie satt sind, obwohl es noch genug gibt. Diese trügerische Verknüpfung "mehr = schöner" sitzt auch bei mir hartnäckig im Kopf. Kleinere Portionen haben schnell den Beigeschmack von "rationierten" Portionen: "So viel darfst du haben."

      Sobald so etwas im Raum steht (auch wenn es immer nur ich selbst bin, die diese scheinbaren Zuteilungen vorschreibt), werde ich ängstlich und trotzig.

      Aber die Sache mit dem Kauen und dem Langsam-Essen habe ich auch vor kurzem wiederentdeckt und bin überrascht, wie wohl und vor allem wie selbstbestimmt ich mich damit fühle.

      Wie du, Muminfrau, merke ich aber auch, dass die Tischgespräche etwas an Lebhaftigkeit verlieren ... am besten fordert man die anderen fortwährend mit rudernden Handbewegungen zum Weitersprechen auf.

      Viele Grüße
      Witta
    • Ich habe mich schon selber dabei beobachtet, dass ich den Teller einfach leer essen muss. Und ich habe mal versucht, meine Gedanken/Gefühle dabei zu analysieren.

      • Erziehung aus der Kindheit: Was auf dem Teller ist, muss aufgegessen werden. Damals im Krieg wären wir froh gewesen, wenn wir... die hungrigen Kinder in Afrika... bla blubber.
      • Mehr davon. Wie Nietzsche schrieb: "Weh spricht: vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit..." Und je mehr, um so länger, sagt der Bauch.
      • Das Gefühl, nicht genug zu bekommen, bekommen zu dürfen, sich einzuschränken mit kleineren Portionen.
      • Der diätmäßig frustrierende Anblick eines halbleeren Tellers.

      Was die hungrigen Kinder und die Kriegserfahrungen angeht: es macht niemanden in Afrika oder vor 70 Jahren satt, wenn ich hier und jetzt den Teller leer esse. Ich lebe hier und jetzt, und ich muss nicht hungern. Weder aus wirtschaftlichen noch aus Abnehmgründen noch des Anstands halber. Das Aha-Erlebnis habe ich bei meinen chinesischen Kollegen erlebt. In China gilt es als unhöflich, den Teller leer zu essen, man sagt damit: du hast mir nicht genug gegeben. Nur die Allerärmsten, wirklich Hungernden essen ihren Teller leer, alle anderen lassen Reste, um der Umgebung und dem eigenen Selbstwertgefühl zu sagen: ich bin wohlhabend. Diesen Gedanken fand ich sehr hilfreich.

      Den Anblick eines halbvollen/halbleeren Tellers erspare ich mir durch die Verwendung kleinerer Teller. Das und die feste Gewissheit, dass ich mir jederzeit eine zweite (mache ich oft) oder sogar dritte Portion nehmen kann (was ich manchmal mache), oder sogar eine vierte (was ich noch nie gemacht habe) beruhigen meine Ängste, nicht genug zu bekommen, oder irgendwie reduziert zu essen. Ich muss nicht wie ein Hamster Berge anhäufen und dann wie ein Straßenköter futterneidisch meine Portion verschlingen - mir isst niemand was weg.
      Das klappt aber nur bei "normalen" Mahlzeiten. Wenn ich einen Binge-Eating-Anfall habe, benutze ich keine Teller....
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • @Muminfrau
      Nun will ich beschreiben, was ich denke, wenn ich mir den Teller vollhäufe. Ich möchte einen großen Teller. Drum hilft der Trick mit der kleineren Tellergröße nicht bei mir. Dann muss er voll sein. Schon während ich koche, freue ich mich, die Speisen zu genießen im Kreise meiner Lieben. Meinen Anteil sozusagen. Es ist immer genug für alle da.

      Meiner Meinung nach habe ich keine Ess-Störung. Bin wegen anderer Dinge in Therapie, doch nicht wegen ES. Doch wenn es verschoben werden soll mein Thema, dann nur zu.

      Viele Grüße von Klangola:girlsitup:
    • Was mich spontan daran interessiert: warum muss es ein großer Teller sein und warum muss er so voll wie möglich sein?

      Gruß
      Dani
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Bei mir isses genauso. Es sind die großen Portionen, die mich in dem Moment, wo ich davor sitze, alles Negative vergessen lassen. Die Lust ist dann so groß, dass ich nicht daran denke, dass ich mich danach unwohl fühlen werde. Dieses Schuldgefühl, kommt erst wenn alles leer ist.

      Ja, wenn alles Gekochte vernichtet ist. Ich mag den Geschmack von gutem Essen und wenn ich drei Teller esse, anstatt einer, dann habe ich dieses Glücksgefühl, welches mir dieses "Einverleiben" in dem Moment gibt, eben viel länger.

      Aber danach kommt das große Klagen und ich kann mich vor lauter Völlegefühl nicht mehr richtig bewegen - aber bei der nächsten Hauptmahlzeit, überkommt es mich wieder und ich kann vorher nicht so denken und fühlen, wie ich nach dem Exzess denke und fühle. Eine furchtbare Negativspirale.

      Das ist aber nicht jeden Tag so, manchmal esse ich auch rein mengenmäßig richtig wenig. Aber wenn, dann bin ich buchstäblich unersättlich und das ist überwiegend sonntags der Fall, wenn mein Mann kocht. Beim Sonntagsessen, überlade ich mich wirklich immer.
    • Das einzige Mal, wo ich dachte, möglichst viel auf den Teller häufen und alles aufessen zu müssen, war vor einigen Jahren im Urlaub - eine Woche Ägypten, Hotel mit All-inclusive - zu einer Zeit, wo das Geld bei uns wirklich knapp war und dieser Urlaub einen Luxus bedeutete. Im Klartext - das Buffet einmal rauf und nocheinmal runter zu essen :(

      Das Ergebnis war, dass ich die letzten zwei Tage mit übelsten Magenbeschwerden totkrank im Hotelzimmer lag.
      (Bitte jetzt nicht gleich auf andere Gründe schließen ich HATTE einfach viel zuviel gegessen !!!)

      Im "richtigen Leben" muss ich nicht hamstern, sondern kann mir kleinere Portionen auf den Teller legen - auch bei meiner Lieblingsspeise - ich kann mir doch ohne weiteres Nachschub holen.

      Ein übervoller Teller erzeugt bei mir Widerwillen und ich empfinde solche "Schaufelportionen" einfach nur als unappetitlich. Noch dazu wenn ich selber koche und für wirklich ausreichende Mengen sorgen kann, kann ich die Portion doch selber bestimmen. Dann muss ich auch nicht mit großen oder kleinen Tellern mogeln.
    • @Maky: Buffets sind die schlimmesten Dinger, da vergessen viele sonst vernuenftige und sogar grosszuegige Menschen, dass sie auch ein zweites mal kommen koennen, und dass selbst wenn etwas zu Ende ist, wird es morgen oder uebermorgen dieses Essen wieder geben. ;) Ich denke, das muss ein Instinkt sein.

      Andererseits, ich persoenlich habe mich einigermassen davon befreit. Ich esse in der Kantine immer vom Buffet, und es wird gewogen. Am Anfang habe ich mir immer zu viel genommen, und auch heute, jedes Mal wenn ich vor dem Buffet stehe, kommen gierige Gefuehle hoch.

      Allerdings kann man dieses Gier-Gefuehl "ich will das alles haben" als ein Signal benutzen, dass etwas schief laeuft. Erst gestern habe ich vorm Kasseler Braten gestanden und wollte 2 Stuecke nehmen. Aber dann merkte ich dieses Chaos der Gefuehle und Gedanken in mir: "1 Stueck ist nicht genug! Ich werde verhungern!! Ich muss!!!" -- und mir war sofort klar, dass 1 Stueck reicht. Und ich hatte recht. Das klingt vielleicht unlogisch, aber mir persoenlich hilft es.
    • Elisabeth schrieb:

      Bei mir isses genauso. Es sind die großen Portionen, die mich in dem Moment, wo ich davor sitze, alles Negative vergessen lassen. Die Lust ist dann so groß, dass ich nicht daran denke, dass ich mich danach unwohl fühlen werde. Dieses Schuldgefühl, kommt erst wenn alles leer ist.


      Beim Essen negative Gefuehle vergessen wuerde ich schon als Essstoerung bezeichnen. Dann helfen keine Tricks, und keine Kaubewegungen zaehlen. Das muss man irgendwie anders loesen, finde ich. Und auch noch Schuldgefuehl danach, das klingt nicht so gut.

      Lust ist was anderes! Wenn du asu Lust drei Portionen brauchst, einfach weil es so gut schmeckt, dann kann es mit Kaubewegungen klappen. Mir hilft es wirklich. Nur, wie gesagt, es soll keine Essstoerung mitspielen.

      Elisabeth schrieb:

      Ich mag den Geschmack von gutem Essen und wenn ich drei Teller esse, anstatt einer, dann habe ich dieses Glücksgefühl, welches mir dieses "Einverleiben" in dem Moment gibt, eben viel länger.


      Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Wie gesagt, wenn man einfach nur die Geschmacksempfindung verlaengern will, dann hilft es absolut und ungemein, die Kaubewegungen zu zaehlen und auf den Geschmack zu warten. Dort, wo ich frueher 200 g Kaese brauchte, komme ich mit 50 g aus, ohne dass ich ein Gefuehl der Entbehrung habe.


      Elisabeth schrieb:

      Das ist aber nicht jeden Tag so, manchmal esse ich auch rein mengenmäßig richtig wenig. Aber wenn, dann bin ich buchstäblich unersättlich


      Koennte es sein, dass du normalerweise zu wenig issgt, und dann verlangt der Koerper nach fehlenden Nahrung, und du wirst deswegen unersaettlich? Das kenne ich von mir nur zu gut. Ich passe besonders auf, dass ich nicht zu wenig esse.

      Elisabeth schrieb:

      und das ist überwiegend sonntags der Fall, wenn mein Mann kocht. Beim Sonntagsessen, überlade ich mich wirklich immer.


      Ich finde es auch immer besonders schoen, wenn mein Freund kocht. Dann kann ich das Essen richtig entspannt geniessen, und ich denke, dass ich dann auch mehr esse, als sonst. Das macht Spass. :) Aber vielleicht versuchst du diesen Sonntag das mit dem Kauen? Wuerde mich interessieren, wie es dir dabei geht.
    • Ich häufe mir zwar nicht zwanghaft den Teller voll, aber das Gefühl alles aufessen zu müssen, kenne ich auch. Es ist wie bei anderen hier das Erbe einer höchst rigiden Ess-Erziehung.

      Den Trick mit dem kleineren Teller hätte ich auch empfohlen. Da er nicht hilft fällt mir jetzt nur ein es mal mit ganz bewusster Herangehensweise zu versuchen. Das wird am Anfang auch einem Zwang gleichkommen und viel Überwindung kosten. Aber wenn du dir jedes Mal etwas sagst wie: Ich möchte einen übersichtlichen Teller haben - und ich kann jederzeit nachnehmen, hilft es villeicht nach einer Zeit. Bloß keine negativen Gedanken verwenden wie ich muss..., ich darf nicht... usw. Und keine Selbstvorwürfe, wenn es nicht gleich oder zwischendurch nicht klappt. Das ist jetzt auch eher Küchenpsychologie aber etwas Besseres fällt mir nicht ein.
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    • Mir gefällt das Wort "übersichtlich", dass du gebraucht hast. Denn man könnte ja erst mal alles schön anordnen und ohne Selbstvorwurf sehen, ob es zufrieden macht. Überladen ist immer so gierig. Die Mengen die ich koche sind nie für den Schweineeimer. Die erwachsenen Söhne machen sich gern abends nach der Stallarbeit noch einen Teller warmes essen in der Mikrowelle von den Resten.
    • Beim Essen negative Gefuehle vergessen wuerde ich schon als Essstoerung bezeichnen. Dann helfen keine Tricks, und keine Kaubewegungen zaehlen. Das muss man irgendwie anders loesen, finde ich. Und auch noch Schuldgefuehl danach, das klingt nicht so gut.

      Ja, leider - es sind oftmals quälende Schuldgefühle, die alles hoch holen, was ich seit meiner Kindheit an Hänseleien und auch wirklich an beängstigenden Drohungen, seitens der Ärzte mir anhören muss. Von wegen Diabetes (habe ich), und Bluthochdruck (habe ich auch). So nach dem Motto: "siehste, das hast du jetzt davon." Nur wurde ich so dick, durch Psychopharmaka. Mein Hausarzt und auch mein Psychiater, wissen das ja, aber alles das kommt ja erst zum Vorschein, wenn man etwas an der Oberfläche kratzt. Jeder andere denkt, die ist eben nur so dick, weil sie unkontrolliert isst, was mir früher vor diesen vielen Medis, nicht so passiert ist. Leider brauche ich diese Medis lebenslang.

      Wenn du asu Lust drei Portionen brauchst, einfach weil es so gut schmeckt, dann kann es mit Kaubewegungen klappen. Mir hilft es wirklich. Nur, wie gesagt, es soll keine mitspielen.

      Das ist ein guter Tipp, den ich auf jeden Fall mal ausprobieren werde, sicherlich braucht es Zeit und anfangs einen wiederholten Anlauf, aber warum soll ich mir nicht auch mal was Positives angewöhnen.


      Koennte es sein, dass du normalerweise zu wenig issgt, und dann verlangt der Koerper nach fehlenden Nahrung, und du wirst deswegen unersaettlich? Das kenne ich von mir nur zu gut. Ich passe besonders auf, dass ich nicht zu wenig esse.

      Ja, weil ich doch so eisern auf die Kohlenhydrat achten muss. Ich spritze ja nicht und muss von daher einfach auskommen, sonst sind meine Werte schlecht. Ich habe seit 1998, als der Diabetes festgestellt worden ist, nichts Süßes mehr zu mir genommen. Nichts! Und Süßstoff, kann man einfach nicht mit normalem Zucker vergleichen. Ich träume oft von Kuchen und anderen Herrlichkeiten. Womöglich schlage ich deshalb dann bei anderen Speisen, so über die Stränge.

      Ich finde es auch immer besonders schoen, wenn mein Freund kocht. Dann kann ich das Essen richtig entspannt geniessen, und ich denke, dass ich dann auch mehr esse, als sonst. Das macht Spass. :) Aber vielleicht versuchst du diesen Sonntag das mit dem Kauen? Wuerde mich interessieren, wie es dir dabei geht.
      Ich werde es auf jeden Fall probieren. Ich wünschte mir so sehr, ich könnte mich am Riemen reißen, ich bin doch sonst so diszipliniert. :)
    • Klangola schrieb:

      Denn man könnte ja erst mal alles schön anordnen und ohne Selbstvorwurf sehen, ob es zufrieden macht. Überladen ist immer so gierig.


      Gierig, ja, ich bin dann gierig. Ich esse dann auch schnell, schlinge fast. Ich glaube ich gebe dann einen Anblick ab, wie ein Schwein am Trog. Ich rülpse natürlich nicht, aber ich schaufle und es muss in den Mund, einfach hinein, spüren und runter schlucken. Hach...was erzähl ich da, viele verstehen mich sicherlich. :girlnick:
    • Das Thema ist mir sehr vertraut.
      Vieles, was hier gesagt wurde, kann ich nur unterstreichen.
      Als Kind lernte ich auch, dass ich nur dann brav bin, wenn ich alles aufesse.
      Den Teller voll zu laden, hat bei mir oft den Grund, dass das Essen frisch gekocht am besten schmeckt.
      Wenn ich kleinere Portionen hintereinader esse, wird es entweder kalt, wenn der Herd aus ist, oder bleibt er auf kleiner Flamme an wird das Fleisch zäh oder die Soße wird zu dick oder... (ich will ja nicht schlingen müssen, sondern langsam essen und eine größere Portion kühlt auf dem Teller nicht so schnell aus wie eine kleinere - ich sollte mir die Teller vorwärmen, das könnte helfen).
      Und Selbstbeschränkung ist ein weiteres Problem. Zweimal essen holen (so sitzt es bei mir im Kopf) wirkt gieriger, und ich will ja mit einer Portion genug haben. Also fürchte ich unbewusst, nicht satt zu werden, wenn diese Portion nicht groß ist.
      Völlig unnötig, denn eigentlich wüsste ich es ja besser. Aber Wissen und lang eintrainierte Automatismen sind bei mir zwei Paar Schuhe.

      Beim Buffet im Chinarestaurant hingegen habe ich gar keine Probleme einen kleinen Teller zu nehmen und nur wenig drauf zu tun. Da geht ja jeder mehrmals, da bin ich in Gesellschaft. Die vollen Teller sind ein Problem zuhause.
    • Mit warmen Essen habe ich auch Probleme, nicht zu schnell zu essen, denn einige Spesen, z.B. Suppen oder Sossen, muessen einfach warm sein. Da kann ich schwer 60 Mal kauen. :rolleyes:

      Obwohl viele warme Gerichte, die auf dem Teller kalt werden, schmecken trotzdem, insbesondere auch Fleisch mit Sosse, und sogar Suppen. Nur es fehlt irgendwas, wenn sie nicht mehr sehr warm sind.

      Gibt es nicht Teller, die man einschalten kann, und dann werden sie warm? ;)
    • Muminfrau schrieb:

      Beim Essen negative Gefuehle vergessen wuerde ich schon als Essstoerung bezeichnen.


      Oh...
      das sehe ich ganz anders!
      Ich finde es normal, dass man essen genießt und zwar so sehr, dass man seine Sorgen oder Dinge, die gerade belasten, dabei vergessen kann.
      Essen hat für mich etwas mit Lust zu tun, ähnlich wie Sex.
      Niemand würde behaupten, dass wenn jemand beim Sex vorübergehend seine Sorgen vergisst und sich einfach ganz darain gibt, er eine Sexstörung hätte, oder? ;)

      Ich bin der Meinung, dass Essen nicht nur dazu da sein sollte den Körper am Leben zu erhalten - dann bräuchte man sich einfach nur etwas Nahrhaftes einverleiben und es käme wenig oder gar nicht auf den Geschmack und die Optik an - sondern es soll auch Genuss, Freude, Entspannung sein.

      Wenn man dann dazu neigt, von diesen positiven Gefühlen (beim essen) nicht genug kriegen zu können, dann würde ich eher schauen, ob ich mir diese schönen Gefühle nicht auch noch auf andere Art und Weise verschaffen kann - und dies schon als gedanklichen "Nachtisch" mit in die Mahlzeit einbaue.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Sexualität und genussvolles Essen vergleichen, das kann man wirklich. Mein Mann sagt immer, dass er sich nicht vorstellen kann, dass Menschen, die im Essen nur ein wenig herumstochern, bei Aktivitäten im Schlafzimmer Temperament entwickeln.:)

      So weit würde ich ja nicht gehen, weiß ich doch, dass nicht jeder, der zurückhaltend wirkt, beim Sex keine Leidenschaft zeigt.

      Jetzt gehe ich zu meinem Gulasch, den Klößen und den anderen Töpfen auf meinem Herd und nehme mir vor, heute eine normale Portion auf den Teller zu tun, um nicht wieder zwanghaft "tabula rasa" machen zu wollen.:-D
    • Ich kenne das Problem gar nicht - ich esse zwar meinen Teller auch immer leer, aber das liegt daran, dass ich mir immer nur soviel auftue, wie ich Hunger habe. Deshalb bleibt auch nie was über.

      Ich nehme auch lieber 10 x was kleines nach, als dass ich mir einmal so einen großen Berg aufhäufe! Das finde ich unangenehm - z.B. in einem Restaurant, wenn der Teller so voll ist.

      Allerdings habe ich auch keine Probleme, etwas übrig zu lassen, wenn es denn gar nicht anders geht.
      Lieber Gruß von ..... Andra .... :)
    • Übrigens gibt es das "Problem" auch umgekehrt:
      Meine jüngere Tochter hat die Angewohnheit, IMMER einen Minifitzelrest auf ihrem Teller zu lassen, egal, wie viel man ihr - oder sie sich auf den Teller gegeben hat. Das ist oft nur eine halbe Kartoffel, oder ein halber Biss vom Brötchen, etc. aber es bleibt einfach was drauf. Und sie sagt dann, dass sie genau diesen Minirest einfach nicht mehr essen kann.
      Deshalb denke ich, dass dies auch eine Kopfsache ist und mit noch Hunger haben, oder keinen Hunger mehr haben, nicht viel zu tun hat.

      Zum viel oder wenig essen kann ich übrigens eine alte, überlieferte Geschichte einer geizigen Frau aus meiner Familie zum besten geben:

      Diese Frau haute immer rein wie ein Scheunendrescher wenn sie eingeladen war, und hatte dafür auch den passenden Spruch parat:
      "Lieber emal jut jelebt wie immer so jehucklt! (Lieber einmal gut gelebt, als immer sparsam zu sein.)
      Hatte sie jedoch Gäste, tischte sie sehr mager auf und auch dafür hatte sie den passenden Spruch:
      "Wer etwas esst und sich was lässt, kann zweimal Tafel halten!"
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Das mit dem Minirest kenne ich von einer Freundin sehr gut. Zuerst hat es mich immer gestört, wenn wir zusammen aßen. Da gab ich mir alles Mühe, etwas Leckeres zu kochen und dann blieb immer was übrig auf ihrem Teller. Ungewohnt für mich, wo ich doch aus einer "der Teller muss leer"-Familie stamme. Inzwischen weiß ich, dass das bei ihr der Normalfall ist.
      [SIZE=1][CENTER]Accepting oneself does not preclude
      an attempt to become better.
      — Mary Flannery O'Connor

      You must learn from the mistakes of others.
      You can't possibly live long enough to make them all yourself.
      — Sam Levenson
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