Kann Esssucht nicht auch (körperlicher) Hunger sein?

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    • Kann Esssucht nicht auch (körperlicher) Hunger sein?

      Entschuldigt bitte die vielleicht ziemlich dämliche Frage.

      In diesen Diskussionen in dem AC-Forum wurde ja auch immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Dicken esssüchtig sein sollen. Ich teile diese Meinung bekanntlich nicht, habe mir aber Gedanken darüber gemacht, warum das in den AC-Foren mit wirklich unglaublicher Vehemenz immer wieder behauptet wird. So stolperte ich über verschiedene Threads, in denen Operierte ihre Esssucht schildern. Mir kommt es dabei so vor, dass sie die Tatsache, dass sie überhaupt essen müssen, schon als Sucht empfinden.

      Wenn man sich aber mal genau da hineinliest, dann ist es so, dass diese Menschen so unglaublich wenig essen, dass ich denke, sie sind nicht süchtig. Sie haben schlicht Hunger. Vielleicht nicht Hunger im Sinne eines knurrenden Magens, denn das ist ja durch die OP häufig ausgeschaltet, aber in dem Sinne, dass ihrem Körper die Nährstoffe fehlen und er deshalb ständig nach Essen verlangt. Bei mir war es z.B. so, dass der Vitamin-D-Mangel sich auch durch einen unbändigen Schmacht nach fettem Fisch gezeigt hat.

      Nun muss man ja nicht operiert sein, um sich ständig Nahrung zu versagen, so dass ich denke, dass manche Esssucht auch ohne OP eher körperlicher Hunger ist.

      Dass es auch eine Esssucht gibt, die vermeintlich seelischen Hunger stillen soll, weiß ich natürlich. Aber ist es nicht ein Denkfehler, Essbedürfnis per se als Esssucht zu interpretieren? Bricht sich da nicht auch die weit verbreitete Auffassung, dass Essen grundsätzlich etwas "Böses" ist, irgendwie Bahn?
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    • da stimme ich dir völlig zu. ich hatte diesen gedanken schon öfter, auch wenn ich in diversen diätforen tagesessenspläne mit mikromengen für 100kg frauen, und dann unglaubliche selbstbezichtigungen wegen eines "bahnbrechens der sucht" bzw. sieg des inneren schweinehundes gelesen habe.

      ich nenne das die brigitte-diät-indoktrination. (hauptsächlich) frauen sind gepoolt darauf, dass essen böse ist, miniportionen ausreichen müssen (weil man ja schließlich zu dick ist) und alles was darüber hinaus geht wird zum suchtverhalten erklärt.

      auch das inzwischen relativ weit verbreitete theoretische wissen, dass der körper durch stoffwechselausbremsung und und vor allem thermoregulation den energieverbrauch drosselt um sein gleichgewicht zu erhalten --> jojo-effekt, nützt da gar nichts. wenig essen hilft beim abnehmen, noch weniger essen muss ja noch besser helfen.

      bei den operierten wird es dann auf die spitze getrieben, indem man den magen (auf das volumen eines schnapsglases!) verkleinert und die große panik ausbricht, wenn die speiseröhre sich dehnt und man wieder eine ganze semmel auf einmal futtern kann.
      Lieben Gruß

      Rita
    • Rita schrieb:

      unglaubliche selbstbezichtigungen wegen eines "bahnbrechens der sucht" bzw. sieg des inneren schweinehundes gelesen habe.
      Ja, das ist in den AC-Foren auch so. Das alles wird immer und immer wieder mit Schuld in Verbindung gebracht. Und wenn sich dann herausstellt, dass der Bypass irgendeinen Webfehler hat und daher die Probleme rühren sollen (was ich nicht immer glaube; ich denke tatsächlich, dass die Probleme auch ohne Webfehler da wären), dann sind sie total erleichtert, dass es nicht ihre Schuld ist.

      Rita schrieb:

      (hauptsächlich) frauen sind gepoolt darauf, dass essen böse ist, miniportionen ausreichen müssen (weil man ja schließlich zu dick ist) und alles was darüber hinaus geht wird zum suchtverhalten erklärt.
      So empfinde ich das auch. Zumal der Irrglaube besteht, dass die von Dir beschriebene Ernährungsweise normal ist. Die Schlanken (=Normalen) essen (angeblich) so (meine Schlanken übrigens in keiner Weise ) und das ist das große Vorbild, wie man es zu machen hat.
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    • Esssucht als offizielle diagnostische Bezeichnung für eine Essstörung gibt es ja so eigentlich gar nicht, deshalb weiß ich nicht, ob ich die Frage richtig verstanden habe. Aber wenn ich den Begriff Esssucht mit "Essstörung vom Typ Binge Eating" übersetze (wie es für die nächste Überarbeitung des amerikanischen Diagnoseverzeichnisses DSM vorgesehen ist), dann würde ich die Frage eher mit "nein" beantworten. Und zwar deswegen weil bei jeder Art der ES eine ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema „Essen“ im Zentrum der Störung steht - und nicht unbedingt die unterschiedlichen Verhaltensweisen in bezug auf Essen.
      Dementsprechend wäre nach meinem Verständnis unter Esssucht nicht in erster Linie ein Verhalten von übermäßigem Essen oder Verlangen nach Essen zu sehen, sondern eher der Aspekt, dass die Leute permanent darüber nachdenken was sie wann essen oder eben nicht.

      Allerdings finde ich schon auch, dass die Ausdrucksweise in diesen Forenbeiträgen oft unpassend ist und es vermutlich wirklich ziemlich logisch und so gesehen auch als normal (also nicht "gestört") zu bezeichnen ist, wenn Leute die sich ausreichende Essensmengen versagen dann immer wieder Heißhunger bekommen und vielleicht auch mal vergleichsweise mehr essen, als sie sich eigentlich kontrollierterweise zugestehen würden. Mit diesem verschobenen Maß gemessen erleben sie dann sowas wohl als eine Art Essanfall und glauben, eine Sucht hätte zugeschlagen... :rolleyes:
      [CENTER]★ [SIZE=1]I am fat. And I have this radical idea that I am allowed to exist.[/SIZE] ★
      [SIZE=1]by Fat Grrrl A[SIZE=1]ctivism[/SIZE][/SIZE]
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    • Ich habe festgestellt, dass die meisten einfach Begrifflichkeiten verwechseln. Das hat damit zu tun, dss Adipositas zu deutsch auch Fettsucht heißt, auch wenn es keine Sucht im eigentlichen Sinne ist. Daher wird Fettsucht mit Esssucht gleichgesetzt und Esssucht ist dann gleich wieder der zwanghafte Drang zum Überessen, sozusagen. Da man dick ist ist man natürilch adipös, weil der Begriff schließlich dazugehört. Da wird dann gleich fälschlicherweise geschlossen, dass man somit auch gleichzeitig süchtig nach Essen ist, was natürlich erstmal vollkommener Quatsch ist. Bzw. bezeichnen nicht wenige, die an Binge Eating leiden, das ganze auch als Esssucht und zusätzlich als Adipositas, wiel oft davon ausgegangen wird, dass letzteres der lateinische Name für ersteres sei... Ich sag mal so:dagegen hilft wie so oft nur Bildung und dass diese dann auch angenommen wird. Da kann man sich aber nicht immer berechtigte Hoffnungen machen. Solange die beiden Begrifflichkeiten von betroffenen Personen als ein und dasselbe verstanden werden, sind sie sich sicher, dass sie einfach zu viel und unkontrolliert essen, selbst wenn sie wirklich nur ganz normalen Hunger haben. Ich vermute, dass die Betroffenen oft nur davor zurückschrecken, ganz normal zu essen, und eben nicht die typischen Symptome des Binge Eating zeigen. Da gehts ja um mehr als einfach nur das übermäßige Beschäftigen mit Essen. Das ist dann kein objektives Zu-Viel-Essen, sondern ein rein subjektives. Nur versuch das mal denjenigen klarzumachen... :cool:

      Gruß
      Dani
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Nordlicht schrieb:

      Bzw. bezeichnen nicht wenige, die an Binge Eating leiden, das ganze auch als Esssucht und zusätzlich als Adipositas, wiel oft davon ausgegangen wird, dass letzteres der lateinische Name für ersteres sei... Ich sag mal so:dagegen hilft wie so oft nur Bildung
      Ich habe sogar schon auf Universitätsseiten gesehen, dass Adipositas als Essstörung klassifiziert wurde. Dass die Begrifflichkeiten völlig durcheinander gehen, sehe ich auch so.

      Aber es ist schon auffällig, wie sich viele Dicke in eine Reihe mit Alkoholikern und Junkies stellen, obwohl sie, wenn ich ihre Zustandsbeschreibungen möglichst objektiv betrachte, einfach nur stinknormalen Hunger haben.

      Es hat eben auch etwas damit zu tun, dass Essen ganz allgemein als böse gilt. Das hat sich so die Köpfe und Seelen gebrannt, dass Hunger als Sucht interpretiert wird.

      Dem gegenüber stehen all die vielen Kochsendungen und die offenbar sehr attraktive Tisch- und Esskultur, die darin zelebriert werden. Aber das ist offenbar nur für Schlanke. Die dürfen Hunger haben und lecker essen.
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    • Martina schrieb:


      Dem gegenüber stehen all die vielen Kochsendungen und die offenbar sehr attraktive Tisch- und Esskultur, die darin zelebriert werden. Aber das ist offenbar nur für Schlanke. Die dürfen Hunger haben und lecker essen.


      Das nervt mich auch so total! Überall Kochsendungen, wohin man schaut...:genervt:
      Am extremsten dieser Jumbo mit seinen XXL-Dingen und danach dann The biggest Looser. Das ist doch schizophren! :mad:
    • Ja, die vielen Kochsendungen... sind natuerlich nur fuer die Schlanken, die Dicken haben es ja nicht verdient. (Achtung, Ironie!) Das aergert mich auch.

      Und dass Adipositas mit Essucht gleichgestetz wird, ist noch aergerlicher. Grrrhhhh :keule1:

      Ich moechte zurueck zur Ausgangsfrage kommen: Ich bin mir nicht sicher, aber es koennte sein, das z.B. Binge Eating damit zusammenhaengt, dass dem Koerper wichtige Naehrstoffe fehlen. Und zwar, nicht nur weil man davon zu wenig isst, sondern auch deswegegn, dass einige Naehrstoffe aus welchen Gruenden auch immer nicht versoffwechselt werden koennen.

      Diese Vermutung kommt allerdings nur aus meiner eigenen Erfahrung: Damit, dass meine Esssucht weitgehend aufgehoert hat, waren viele Dinge verbunden, und ich weiss nicht mehr, welche davon sich letztendlich ausschlaggebend ausgewirkt haben:

      - Gelungene Psychotherapie, die sich aber ueberhaupt nicht mit der Essstoerung beschaeftigt hat

      - Einnahme eines homoeopahtischen Mittels gegen Essattacken

      - Einnahme einiger Mineralien (Zink, Eisen, Kalium, Calzium, Kupfer...), von denen ich zu wenig im Blut hatte

      Ich kann leider ueberhaupt nicht feststellen, welches dieser Mittel gewirkt hat, und -- vor Allem -- welches nicht.
    • dramaqueen schrieb:

      Und zwar deswegen weil bei jeder Art der ES eine ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema „Essen“ im Zentrum der Störung steht - und nicht unbedingt die unterschiedlichen Verhaltensweisen in bezug auf Essen.


      Das wuerde ich auch so definieren. Damit waeren alle (auch schlanken) Menschen essgestoert, die z.B. staendig von eienr Diate zur anderen "huepfen". Genau so wuerde ich eine Essstoerung definieren.
    • Sorry fuer die viele Tippfehler im vorigen Post. :rolleyes:

      Mir ist noch ein Faktor fuers Verschwinden meiner Esssucht eingefallen: regelmaessige Mahlzeiten, und zwar wirklich das, was ich gerne esse. Dadurch habe ich dem Hunger, insbesondere abends, vorgebeugt, denke ich.

      Sprich: normales Fruehstueck und normales Mittagessen sorgen evtl. dafuer, dass ich abends nicht so viel Hunger habe und dadurch auch nicht den Kuehlschrank leer zu essen brauche.

      Und dazu noch eine Enttabuisierung des Essens: Wenn ich auf etwas Lust habe, dann esse ich es eben jetzt (wenn es passt) oder bei der naechsten Mahlzeit, ohne mir Gedanken darueber zu machen. (Es ist zwar etwas off-topic, aber passt trotzdem zu Gedanken ueber den Ursprung und Natur der Essstoerungen.)
    • Umd auf die Eingangsfrage einzugehen. Als nicht-Dicke hab ich durchaus öfter den Eindruck dass es so ist. So oft wie ich andere davon reden höre, dass sie "gesündigt" haben und ich dann immer ganz ratlos bin weil ich anhand der verschlungenen Mengen nicht die Sünde oder das Übermass sehen kann. Sei es MDoof , ne Schoki gegessen oder Chips. Ich denke mir dann immer - komisch - das esse ich in dem Masse auch aber mir würde nicht einfallen, dass als essüchtig oder gar sündig zu bewerten. Ich ess es einfach, wenn mir danach ist.
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Was anderes geht mir noch durch den Kopf. Ich hatte letztens ein seltsames Erlebnis bei meiner Mutter. Ich war bei ihr etwas länger zu Besuch und sie hatte sich eine Tüte mit Leckerli gekauft. Zuerst eine Tüte mit Zuckerschaumstoffwaffeln. Geil, hab ich auch ab und zu gerne gegessen, allerdings nur, wenns gut war. Meine Mutter isst die erste Waffel mit Andacht und sagt dann "schmeckt nicht so gut wie ich erwartet habe". Ich sag, "dann ess es nicht" und sie schmeisst die ganze Tüte weg (war furchtbares Billigzeug). Fand ich gut. Dann öffnet sie eine Packung Mohrenköpfe (glaube 6 Stück waren drin) und isst einen nach dem anderen auf. Ich fand das war dann schon zuviel hab aber nix gesagt. Aber ich glaube sie hatte irgendwie einen Film von Kindheitsglück laufen, und war sauer über die miesen Waffeln. Sie hat die Mohrenköpfe gegessen in der Hoffnung dass die irgendwann so schmecken wie die Waffeln auf die sie sich ursrünglich gefreut hatte. Ist natürlich ne reine Vermutung.
      Ich hab letztens gehört dass man schneller isst, wenn man dabei ein schlechtes Gewissen hat (weil man das "Vergehen" schnell hinter sich bringen möchte). Ich glaube das hat sie mir da auch noch demonstriert.
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    • Knallfrosch schrieb:

      Umd auf die Eingangsfrage einzugehen. Als nicht-Dicke hab ich durchaus öfter den Eindruck dass es so ist. So oft wie ich andere davon reden höre, dass sie "gesündigt" haben und ich dann immer ganz ratlos bin weil ich anhand der verschlungenen Mengen nicht die Sünde oder das Übermass sehen kann. Sei es MDoof , ne Schoki gegessen oder Chips. Ich denke mir dann immer - komisch - das esse ich in dem Masse auch aber mir würde nicht einfallen, dass als essüchtig oder gar sündig zu bewerten. Ich ess es einfach, wenn mir danach ist.


      aber du kannst aufhören, wenn du satt bist. Genau, das können essgestörte nicht. Da kein Sättigungsgefühl mehr vorhanden ist oder erst sehr viel später, wenn eh schon alles zu spät ist. Ein Schokolriegel, eine Hand voll chips oder auch 6 Mohrenköpfe sehe ich auch nicht als Esstörung. Das Problem ist, daß die Wenigsten Essgestörten wissen, das sie ein Problem haben oder nicht zugeben wollen, außerdem macht man dieses Ritual nie in Begleitung anderer. So hat man als aussenstehender oder Mitleidender auch nie die Möglichkeit hinter den Kulissen zu gucken, was da genau los ist.
    • gabriele schrieb:

      Das Problem ist, daß die Wenigsten Essgestörten wissen, das sie ein Problem haben oder nicht zugeben wollen


      Ich bin mir gar nicht so sicher, dass es stimmt. Aber unabhaengig davon:

      Martina hat zumindest in ihrem ersten Beitrag ein anderes Problem angesprochen, soviel ich verstehe. Sie fragte, ob die vermeintlichen "Essgestoerten", die von sich selbst denken, sie wuerden zu viel essen und wuerden nicht rechtzeitig aufhoeren koennen, usw, ob diese Menschen in Wirklichkeit einfach nicht genug essen, staendig Hunger haben, und gleichzeitig aber Angst haben, sie wuerden zu viel essen.

      So ein Verhalten ist zwar essgestoert, aber es ist eben nicht Esssucht, sondern was anderes. Es ist dann Angst vor "zu viel essen", die aber nicht auf Tatsachen beruht. Ganz im Gegenteil, solche Leute essen eher zu wenig und haben deswegen Hunger.
    • Muminfrau schrieb:


      Ich moechte zurueck zur Ausgangsfrage kommen: Ich bin mir nicht sicher, aber es koennte sein, das z.B. Binge Eating damit zusammenhaengt, dass dem Koerper wichtige Naehrstoffe fehlen. Und zwar, nicht nur weil man davon zu wenig isst, sondern auch deswegegn, dass einige Naehrstoffe aus welchen Gruenden auch immer nicht versoffwechselt werden koennen.

      Könnte bei manchen sein. Bei mir jedenfalls nicht. Wenn ich meine Fressanfälle habe, dann fresse ich alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Da gibt es keine besondere Nährstoffgruppe, die ich bevorzuge. Zum Beispiel fresse ich dann Schlagsahne, Tofu, saure Gurken, Brot mit Ketchup, Sauerkraut, Käse, Schokolade, Chilibohnen, Erdbeeren, Marmelade pur, Kartoffelchips... In der Reihenfolge.

      Ich habe auch kein Gefühl, dass ich Hunger hätte, im Gegenteil. Ich bin satt, mir ist schlecht, ich weiß, dass das alles nicht sein muss, aber etwas in mir zwingt mich, das alles in mich reinzustopfen. Ich ekle mich vor dem Essen und vor mir selber, aber ich kann dann nicht aufhören. Manche Leute halten sich schon für essgestört, wenn sie einer Verlockung nicht widerstehen können/wollen. Echte Esssucht ist was anderes.

      Vielleicht ist es so eine Art Selbstverletzung, sich selbst weh tun und selbst erniedrigen durch Fressen oder so etwas in der Art. Früher habe ich mich nach so Anfällen zum Kotzen gebracht, so konnte ich mein Gewicht halten.
      Seit 1-2 Jahren habe ich nur noch ganz selten Fressanfälle. Das hat bei mir höchstwahrscheinlich mit der Überwindung alter Traumata zu tun hat, mit Selbstbestätigung und Erfolgserlebnissen.
      Genau: wenn ich mich wertvoll finde, fresse ich nicht, dann ist mein Essverhalten normal. Wenn ich mich wie ein Stück Dreck fühle, dann gebe ich mir noch die Binge-Eating-Keule. So als Strafe obendrauf.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Essen als Strafe kommt auch mir bekannt vor, und Gott sein Dank ist es auch bei mir vorbei. Es ist wirklich sehr unangenehm, um nicht mehr zu sagen.

      Es ist mir allerdings etwas ganz, ganz wichtig: Wir Menschen fressen nicht. Wir essen. Egal wie unser Essverhalten ist, wir haben Essanfaelle, und keine Fressanfaelle.

      Fuer mich ist es ein grosser Unterschied, ob ich von mir selbst sagen wuerde, "ich fresse" oder "ich esse". Wie ist es bei euch?
    • Für mich ist es auch ein großer Unterschied.
      Wenn ich meine Anfälle habe, kann ich das nicht mehr als Essen bezeichnen. Für mich ist das blindwütiges, rasendes Fressen. Nicht mehr ganz menschlich, sondern wie aus einem Zombiefilm.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Muminfrau schrieb:


      Wir Menschen fressen nicht. Wir essen. Egal wie unser Essverhalten ist, wir haben Essanfaelle, und keine Fressanfaelle.


      So wie Sophie es von sich selber beschreibt.... tut mir leid, das ist "Fressen", sie nennt es selber so und beschönigt nichts. Es ist kein normales Verhalten, und es tut mir schrecklich leid, wenn jemand unter diesem Zwangsverhalten leidet, und ich stelle es mir ganz furchtbar vor, nicht dagegen angehen zu können.

      Ich erinnere mich an eine Situation, als mein Enkelkind ein Stück Kuchen "aß", sie schaufelte es dermaßen hastig in sich rein, schluckte runter ohne zu kauen und pampte sich den Mund randvoll, es war einfach nur unappetitlich. Das nenne ich nicht mehr "essen", das ist "fressen". Abgesehen davon, dass es nicht gesund sein kann, ist es kein geziemtes Verhalten am Esstisch.
    • Muminfrau schrieb:

      Essen als Strafe kommt auch mir bekannt vor, und Gott sein Dank ist es auch bei mir vorbei. Es ist wirklich sehr unangenehm, um nicht mehr zu sagen.

      Es ist mir allerdings etwas ganz, ganz wichtig: Wir Menschen fressen nicht. Wir essen. Egal wie unser Essverhalten ist, wir haben Essanfaelle, und keine Fressanfaelle.

      Fuer mich ist es ein grosser Unterschied, ob ich von mir selbst sagen wuerde, "ich fresse" oder "ich esse". Wie ist es bei euch?




      ich esse auch, obwohl man es auch anders interpretieren könnte. Aber das Wort mag ich einfach nicht. Vielleicht ist das auch Erziehungssache.Selbst bei meinen Katzen mag ich dieses Wort nicht leiden.
    • Sophie schrieb:


      Wenn ich meine Anfälle habe, kann ich das nicht mehr als Essen bezeichnen.


      Genau darum geht es mir. Ich finde, dass die Selbstachtung und Selbstakzeptanz -- und auch Heilung -- u.a. dort anfaengt, wo man seine Essattacken nicht mehr verurteilt.

      Esssuechtige sind Menschen, und sie haben eigentlich gar nichts verbrochen, ausser dass sie Essanfaelle bekommen. Das ist menschlich, und sollte auch so bezeichent werden. IMHO, natuerlich. :)
    • gabriele schrieb:

      ich esse auch, obwohl man es auch anders interpretieren könnte. Aber das Wort mag ich einfach nicht. Vielleicht ist das auch Erziehungssache.Selbst bei meinen Katzen mag ich dieses Wort nicht leiden.


      Sicher.... häufig werden Katzen ja wie Menschenkinder gehätschelt... dürfen mit im Bett schlafen und kriegen Sheeba mit dem Löffelchen gefüttert :cool:
    • Maky schrieb:

      Sicher.... häufig werden Katzen ja wie Menschenkinder gehätschelt... dürfen mit im Bett schlafen und kriegen Sheeba mit dem Löffelchen gefüttert :cool:




      aber klar doch, allerdings ist Sheeba kein Futter was ich meinen Katzen geben würde. Das wäre genauso, wenn zuckerhaltige Pampe meine hauptsächliche Ernährung wäre.
    • Katzen lassen sich kaum wie Menschenkinder hätscheln, das ist das gute an dieser Art. Die machen was sie wollen. Und natürlich schlafen sie im Bett (wenn sie denn wollen), wo denn sonst? :D
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******