Erinnerungslücken

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    • Erinnerungslücken

      Hallo zusammen,
      da ich momentan wegen einem Bandscheibenvorfall ziemlich ans Haus gefesselt bin, verbringe ich viel Zeit im Internet. Habe neulich über ein sogenanntes Social Network aus purer Langeweile meine alten Klassenkameraden gesucht. Dabei ging mir die Schulzeit ( ewig her ) durch den Kopf. Mir fiel auf : Wenn ich mich an "früher" erinnere, dann sind da haufenweise detaillierte Erinnerungen daran, wie ich als dickes Kind ( ich war schon mit so etwa 10 Jahre war nicht mehr normalgewichtig ) verar..scht wurde und man sich über mich lustig gemacht hat ( auch in der Familie ). Solcher schmerzhaften Erinnerungen ziehen sich durch meine ganze Kindheit und Teenagerzeit. Noch heute schmerzen mich die Gedanken an diese Jahre.
      An "schöne" Augenblicke - es muss sie gegeben haben - kann ich mich dagegen kaum erinnern. Ist das normal oder eine Art selektiver Wahrnehmung ? Bin ich einfach zu sensibel gewesen ? Warum hab ich diese Erinnerungslücken ?
      Lieben Gruß, Clarimonde
    • Clarimonde schrieb:

      Ist das normal oder eine Art selektiver Wahrnehmung ?


      Ich finde, diese selektive Wahrnehmung ist ganz normal und typisch fuer sehr viele Menschen. Schlechte Erinnerungen sind sofort auf Abruf da, und nach den schoenen Erinnerungen muss man gezielt suchen. Das habe ich schon von vielen Menschen gehoert, und mir geht es auch so.


      Clarimonde schrieb:

      Bin ich einfach zu sensibel gewesen ?


      Ich glaube, du bist keinesfalls ZU sensibel gewesen. Du warst sensibel, das ist auch ganz normal und ueblich. Wie sonst soll ein Kind sich fuehlen, das fuers Dicksein gemobbt wird? Koerper ist eine unserer wichtigsten Ressourcen, und wenn dieser Koerper von Eltern, nahen Verwandten, Klassenkameraden -- also, wichtigsten Leuten im Leben eines Kindes -- nicht akzeptiert wird, dann darf man durchuas sensibekl reagieren! Das ist eigentlich eine Katastrophe fuers Selbstbewusstsein, und wenn es so wahrgenommen wird, ist es absolut berechtigt.

      Als Kind ist man solchen Dingen gegenueber leider ziemlich hilflos ausgeliefert, und es ist klar, dass sie auch heute ab und zu "hochkommen". Dann ist sogar so etwas wie Trauerarbeit notwendig, finde ich.

      Ich hoffe, das klingt nicht zu duester? Ich menite damit nicht, dass man sich ewig in seinen schlechten Kindheitserinenrungen waelzen soll. Aber man soll sie zulassen, denn sie haben eine Berechtigung.
    • Vielen Dank für deine Antworten. Ich finde es nicht "zu düster", man muss sich eben mit einer gehörigen Portion Realismus der Vergangenheit annehmen. Im Nachhinein halte ich es für eher hilfreich, darüber nachzusinnen. Heute erkenne ich, wie "falsch" und wie ungerecht und dumm diese Leute damals dachten und gehandelt haben. Zum Teil kann man es "vergeben", weil wir alle Kinder waren. Aber bei Familienangehörigen - meine Mutter war in der Beziehung schrecklich, hat mich sehr drangsaliert - hat es Ewigkeiten gedauert, bis ich mir selber sagen konnte : Sie ist eine Frau mit Problemen, sie hat eben viel an mir ausgelassen, nicht ich bin "falsch und schlecht", es war einfach so, dass sie selber nicht mit sich zurecht kam und mich ( und mein Dicksein ) als Möglichkeit zum Abreagieren benutzt hat.
      Bewußt kann ich über die Vergangenheit hinwegsehen. Aber in meinem Unterbewußtsein ist nix zu machen :rolleyes: mit Logik, da bin und bleibe ich verletzt.
      Aber ich arbeite an mir :daumen:
      Gruß Clarimonde
    • Clarimonde schrieb:

      Sie ist eine Frau mit Problemen, sie hat eben viel an mir ausgelassen, nicht ich bin "falsch und schlecht", es war einfach so, dass sie selber nicht mit sich zurecht kam und mich ( und mein Dicksein ) als Möglichkeit zum Abreagieren benutzt hat.
      Bewußt kann ich über die Vergangenheit hinwegsehen. Aber in meinem Unterbewußtsein ist nix zu machen :rolleyes: mit Logik, da bin und bleibe ich verletzt.
      Aber ich arbeite an mir :daumen:
      Gruß Clarimonde


      man kann verletzungen nicht durch rationalisieren ungeschehen machen. und warum auch. wenn du deiner mutter zugestehen kannst, dass sie aus eigener not heraus falsch gehandelt hat, dann solltest du auch dir selbst zugestehen, dass du verletzt wurdest. ansonsten würdest du mit zweierlei maß messen.

      ich kenne das auch, dass ich, in meinem fall innerfamiliär, in der schule hatte ich das problem zum glück nicht, nach "den guten zeiten" suche, die aber einfach nicht finde bzw. immer ein bitterer nachgeschmack bleibt.

      weil zB. ein wirklich schöner urlaub, durch diätgelaber "verdorben" wurde, bzw. das ganze leben durch einen strom von "kleinen scherzen", boshaften bemerkungen und beschuldigungen unterlegt war. auch das schönste geschenk, das subjektiv wirklich liebevoll ausgesucht wurde, wird keine schöne erinnerung bleiben, wenn es mit einer flut von unterschwelligen undankbarkeitsvorwürfen "dir kann man ja eh keine freude machen" übergeben wird...

      für mich war das buch, "vergiftete kindheit" von susan forward da ein augenöffner, weil ich danach nicht mehr glaubte, was mir beigebracht wurde, nämlich, das ich verkehrt war, keinen spass verstehe, zu empfindlich gewesen bin usw.
      Lieben Gruß

      Rita

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rita ()

    • Du machst das sehr gut, deine Mutter hat dich damals mies behandelt und dir wegen deines Gewichts zugesetzt, trotzdem erkennst du, wenn du zurückblickst, dass es "ihre" Probleme waren und dass das Ganze nichts mit dir zu tun hat.

      Eine gewisse Bitterkeit kann ich bei mir auch nicht vermeiden, obwohl ich ebenso viel verstanden habe wie du, was meine Vergangenheit betrifft.

      Die unschönen Vorkommnisse richten immensen Schaden im Seelenleben an und können deshalb viel einfacher wieder an die Oberfläche schwimmen.

      Schöne Erlebnisse bedürfen internsiveren Nachdenkens, um wieder ins Gedächtnis zurückzukommen.

      Man musste in dem Sinn nicht über sie hinwegkommen, sie taten uns gut und das wars.

      So schmerzlich so eine Rückschau ist, wie du sie jetzt, da du Zeit hast betreibst. Hilfreich beim Bewältigen ungelöster "Seelenknoten" ist sie allemal.
    • Ich erlebe die schmerzlichen Erinnerungen auch viel lebendiger wie die schönen. Fast als wären sie dichter und gewichtiger und auch sehr vertraut.
      Manchmal muss ich bewußt " Diät" halten damit sie nicht soviel Raum bekommen. Sie zu akkzeptieren ohne sie überzubewerten scheint mir noch die beste Möglichkeit damit umzugehen. Und mir bewußt machen dass ich auch schon vielen Menschen wehgetan habe - bewußt oder unbewußt. Das gehört scheinbar mit dazu zum Menschsein.
    • Pono schrieb:

      Ich erlebe die schmerzlichen Erinnerungen auch viel lebendiger wie die schönen. Fast als wären sie dichter und gewichtiger und auch sehr vertraut.


      Ja, genauso fühlt es sich an. Diese Erinnerungen sind bunter, lebendiger und wesentlich präsenter als die anderen.

      Vor ein paar Jahren hatte ich mal eine Fortbildung zum Thema "Krisenbewältigung". Ich bin in der Pflege ( Körperbehinderte ) und da entstehen oft im täglichen Miteinander mental sehr belastende Situationen ( d.h. es fliegen oft die Fetzen ;), es fallen belastende Kommentare, es gibt Streit, manche unserer Klienten da sind mitunter sehr beleidigend zu ihren Pflegekräften ). Die Arbeitstherapeutin, die dieses Seminar leitete, meinte : es ist falsch, wenn man darauf hofft, dass sich Menschen grundlegend ändern. Das Einzige, was sinnvoll und hilfreich ist, ist das eigene Verhalten zu ändern ( Sprich : sich einfach nichts zu Herzen nehmen, was einem an den Kopf geknallt wird und selber "verstehen", warum dieser Mensch sich gerade so unangebracht verhält, denn oft liegen die Gründe nicht bei einem selber, sondern unterbewußt in der Psyche desjenigen, der uns verletzen will ). Ich fand diesen Hinweis sehr wertvoll.

      Und mir fiel auf, dass ich über die Jahre hinweg genau dies tat, schon als Jugendliche. Da gab es in der Schule eine große "Angstgegnerin" damals, eine durchgeknallte Sportlehrerin, die mir schon mit 13 die ersten irrationalen Angstzustände beschert hat. Jede Stunde war Demütigung pur und zwar beabsichtigt. Da gab es Kommentare - klar - aber es gab auch wohlkalkulierte Szenen, um mich lächerlich zu machen. Ich erinnere mich an Gymnastikunterricht. Jeder musste eine Art Kür mit einem dieser bunten Bänder vortanzen. Bewußt wählte sie als meine "Vortänzerin" ein elfenhaftes Mädchen aus, welches damals Jugendmeisterin in rhythmischer Sportgymnastik war. Danach kam ich ( "Leute, jetzt seht ihr mal den Unterschied zwischen einer Elfe und einem Trampel":mad:). Und das war nur eine Szene ( es gab da auch diese Schwebebalkenübungen etc ).
      Ich dachte damals nur : Wie kann mich diese Frau nur so grundlos bloßstellen ? Ich suchte nach Gründen und fand sie auch. Eine Mitschülerin war Nachbarin dieser Lehrerin, sie erzählte : Na ja, die Frau L, die hat halt das Problem, dass ihr Mann die Nase voll hatte von ihrer asketischen Sportbesessenheit ( sie hat damals in jeder Großen Pause gejoggt auf dem Schulgelände ). Er hätte sich im Jahr davor eine deutlich Üppige gesucht, die lebenslustiger war und seine Frau für sie verlassen. Seitdem hasste diese Sportlehrerin eben alles, was "dick" war, weil sie es als persönliche Niederlage empfand, wegen einer "Dicken" aussortiert zu werden.
      Und ich bekam es ab. Im Nachhinein hab ich der Frau vergeben, für eine Pädagogin ist es zwar ein Armutszeugnis, sich einem Teenager gegenüber so aufzuführen, aber eine "verletzte" Frau handelt eben nicht immer rational. Dennoch, die Jahre in denen wir diese Frau im Sport hatten, waren die Hölle.

      @ rita : Ich hab auch viele Baustellen in meinem Leben, was familiäre Konflikte angeht ( meine erste, unrühmliche Ehe zum Beispiel ), auch in der Familie gab es viele Demütigungen und Bemerkungen, die mir sehr zugesetzt haben. Vor allem meine Mutter. Solches Rumgiften kann viel zerstören, kenne ich gut. In meiner Jugend nahm ich mir das sehr zu Herzen. Waren es bei dir auch Verletzungen in der Kindheit ?
      Allerdings habe ich an spätere Zeit ( mein "Erwachsenenleben") weniger mental schmerzhafte Erinnerungen als an meine Schulzeit und meine Kindheit. Ich habe mal ein Buch gelesen, welches "Toxic Parents" hiess, kenne aber den Autor nicht mehr, vielleicht war das die englische Fassung von "Vergiftete Kindheit ".
      Wirklich ein Augenöffner.
      Ich glaube, ich fing irgendwann an "zu handeln" anstatt "erstarrt zu sein" ( in meiner Teenagerzeit war ich erstarrt und ließ Dinge über mich ergehen ). Als mein erster Ehemann anfing, mich mies zu behandeln ( hab damals die Familie ernährt, er war arbeitslos daheim...suchte sich eine dünne Freundin zum Zeitvertreib und das war noch lange nicht alles :mad:), hab ich die Konsequenzen gezogen, hab ihm das Konto gesperrt und meine Koffer gepackt. War auch eine harte Zeit, aber die liegt mir nicht so auf der Seele - ich denke nicht mal mehr an ihn, er ist es nicht wert - eben weil ich tat, was notwendig war, um mich gut zu fühlen.
      Ich denke, dies ist der Unterschied, in meiner Schulzeit handelte ich nicht, stand nicht für mich ein, später aber schon.
      Wahrscheinlich ist dies der Grund dafür, dass mich die schlimmen Zeiten in meinem Erwachsenenleben nicht so arg psychisch verfolgen wie die Erinnerungen an meine Schulzeit ( obwohl ich da auch nicht soooo sehr dran denke, fiel mir nur irgendwann auf. Wenn ich alle paar Monate mal einen Alptraum hab, dann dreht er sich um meine Schulzeit ).
      Ach ich könnt so viel schreiben ... muss aber jetzt mal reichen..
      vielen Dank für eure tollen Antworten !

      Gruß Clarimonde

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von kampfzwerg () aus folgendem Grund: Kaputtes Zitat korrigiert

    • Clarimonde schrieb:



      @ rita : Ich hab auch viele Baustellen in meinem Leben, was familiäre Konflikte angeht ( meine erste, unrühmliche Ehe zum Beispiel ), auch in der Familie gab es viele Demütigungen und Bemerkungen, die mir sehr zugesetzt haben. Vor allem meine Mutter. Solches Rumgiften kann viel zerstören, kenne ich gut. In meiner Jugend nahm ich mir das sehr zu Herzen. Waren es bei dir auch Verletzungen in der Kindheit ?
      Allerdings habe ich an spätere Zeit ( mein "Erwachsenenleben") weniger mental schmerzhafte Erinnerungen als an meine Schulzeit und meine Kindheit. Ich habe mal ein Buch gelesen, welches "Toxic Parents" hiess, kenne aber den Autor nicht mehr, vielleicht war das die englische Fassung von "Vergiftete Kindheit ".
      Wirklich ein Augenöffner.


      offensichtlich :)

      susanforward.com/

      ich hab das buch schon ein paar mal verschenkt, und es hat einigen geholfen.

      kinder müssen, aus reinem überlebenstrieb, ja glauben, was (vor allem) ihre eltern ihnen sagen bzw. vorleben.

      meine mutter hat ja auch ihre unbewußte not an mich weiter gereicht. das thema gewicht war ein mehr oder minder zufälliges, weil sie selber, dem 60er jahre trend folgend, dem hungern und jojo erlegen war, woran sie letztendlich auch sehr früh starb. wäre ich zufällig ein dürres kind gewesen, hätte sich ein anderes thema gefunden. ihr 2. hauptthema war, für mich ebenso verletzend, mein vater, auch noch jahrzehnte nach ihrer scheidung und seinem tod.

      und ich sehe das auch so, dass verletzungen, die man als erwachsende, zur reaktion fähige person erlebt sich nicht mehr so stark einprägen, einfach, weil die komponte des ausgeliefertsein fehlt.

      ich kann mir vorstellen, dass die überlebenden opfer des tsunamis in japan in 20, 30 jahren ähnlich empfinden werden.

      und bei mir kommt noch hinzu, dass ich mich langsam auf die 50 zu bewege und am eigenen leib erfahre, was ich meinen patienten nie so recht glauben wollte, nämlich dass immer mehr kindheitserinnerungen überfallsartig und viel viel klarer und lebendiger auftauchen als noch vor 10 jahren.
      Lieben Gruß

      Rita
    • Vielen Dank für den Hinweis auf diese Autorin, 2 Bücher sind für den nächsten Amazon-Flash vorgemerkt...
      Ich kann es bestätigen; auch mir sind frühere Verletzungen manchmal schlagartig wieder im Gedächtnis, tun auch heute noch weh. Dinge, welche die Verursacher längst vergessen haben, die bei mir aber in der Summe Spuren hinterlassen haben. Egal, ob es jetzt um Mitschülerhänseleien geht oder um die Erziehung im Allgemeinen und Speziellen.
      Grad heut bin ich enorm platt und es macht mir sehr zu schaffen, dass ich dieses Übersensible, dass ich mir heute noch alles anziehe und zu Herzen nehme, nicht leichter ausblenden kann... aktuell hat unsere Abteilung einen enormen Workload und wir arbeiten alle unter Hochdruck. Heute musste ich dann sagen "ich schaffe das nicht, ich kann dies/jenes nicht übernehmen", weil ich echt das Gefühl habe, grad so viel zu machen (incl. neuer Sachen und miteinarbeiten einer neuen Kollegin) unter Stress, dass sich dämliche Fehler einschleichen. Diese hält mir niemand vor und es ist auch vollkommen ok für alle, wenn jemand sagt "grad Ende der Fahnenstange", niemand baut Druck auf außer mir selber; aber erziehungsmäßig fühle ich mich grad wie ein Versager, weil ich es nicht schaffe und das Gefühl habe, den Anforderungen/Erwartungen nicht gerecht zu werden... (man ist im allgemeinen sehr zufrieden mit mir und hat von vielen Seiten mehrfach meine Leistung gelobt, total widersprüchlich also) und das ist in meinen Augen ein Resultat meiner leistungsorientierten Erziehung, wo ein solches Eingeständnis unterm Strich als Versagen galt.
      Ich habe grad das Gefühl, dass mich dies mehr fertig macht, als die Arbeit als solche, denn die ist eigentlich toll, genauso wie die Kollegen und der Chef....
      War das jetzt alles sehr konfus? Vielleicht versteht Ihr trotzdem, was ich meine :)
      Puh, ich glaub, ich sollte mich mal wieder auf die lange Suche nach nem guten Therapeuten machen...
      Viele Grüße

      Andrea


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      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz
    • Ja, ich hab mir das Buch auch schon vorgemerkt, wird demnächst bestellt.

      Gerade gestern kam mir wieder so eine Erinnerung von früher hoch, mittlerweile finde ich es schon bemerkenswert, wie viel mir meine "falsche" Erziehung und das verkehrte Wertesystem, welches mir vermittelt wurde ( "dick bist du unattraktiv und wertlos") doch damals verhagelt hat.
      Jemand im Freundeskreis brachte das Thema auf "die erste Liebe". Ich dachte nach und - peng- wieder gab es eine neue Erinnerung zum Thema grandiose Selbstzweifel. Hatte mit 15 einen französischen Brieffreund. Wir schrieben über ein Jahr, haben uns beide verliebt ( ich trug seine Kette:)). Dann wurde er 18 und wollte mich unbedingt sehen ( wohnte damals im Grenzgebiet, mit dem Auto wären das 1 Stunde gewesen ). Der Haken war, ich hatte ihm ein Bild geschickt, dass nach einer grandiosen Hungerkur mit 15 aufgenommen wurde ( da hatte ich 5X Kilo, war superdünn ). Nun war ich leider 16 und wog 7X Kilo, dank Jojo.
      Und er war Sportler....ach jee...hab ihm geschrieben, er könne mich nicht besuchen in den Sommerferien, ich würde eine Sprachreise machen. In den 6 Wochen wollte ich für ihn abnehmen. Hat nicht geklappt, aber war auch egal, er hat sich nie wieder gemeldet...:mad:
      Wenn ich drüber nachdenke, wie grotesk meine Jugend aufgrund meiner falschen Erziehung ( dünn sein ist ja bekanntlich alles, wenn man eine sportliche, perfektionistische Mutter hat ) doch bisweilen verlaufen ist...
      Was hab ich mir selber Steine in den Weg gelegt, einfach nur zum Kopf schütteln, nicht wahr...

      Ich frage mich nur, ob man Dinge aufarbeiten kann, die man in früher Kindheit / Jugend so sehr verinnerlicht hat ? Kommt man da selber noch "dran" und kann sich - nicht nur oberflächlich - umpolen ?
      Geht das ?

      Habt ihr noch so tief verwurzelte Handlungs- und Denkweisen aus eurer Kindheit ?

      Lieben Gruß Clarimonde
    • Absolut! Dieses Dauergefühl, eine Versagerin zu sein. Ich habe heute noch die Worte meines Vaters im Ohr "Nichts kriegst du auf die Reihe.", "Unnützer Esser." Total leistungsbetont: eine 2 in Latein war Versagen, eine 1- in Mathe nicht gut genug - jeder Fehler war ein Beweis meiner Minderwertigkeit.
      Dieses "unnützer Esser" hatte mich mit 19/20 in die Magersucht getrieben, als Folge davon habe ich damals mein Mathestudium vergeigt. Hungern macht dumm. Natürlich war ich "zu blöd", "naja, ein Mädchen halt". Das hat so lange nachgewirkt, dass ich vor ein paar Jahren ein Fernstudium Mathe angefangen habe, um das abgebrochene Studium sozusagen zu komplettieren. Jetzt habe ich aber einen 50-Stunden-Vollzeit-Job, ein Haus im Dauerbaustellenzustand, depressive Schübe und und und, ich packe das Studium einfach nicht nebenher. Aber so einfach aufgeben kann ich es (noch) nicht. Ich fühle mich wieder als die doofe Versagerin wie früher.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Das kenne ich auch gut, dass ich die schlechten Erinnerungen leichter als kleinen Film einspielen kann. Nach den positiven oder neutralen Dingen muss ich länger suchen.

      Vielleicht liegt es daran, dass ich die Dinge heute besser verarbeiten kann. Also dass es mich damals zu sehr schmerzte und auf die Bank geschoben habe und es nun als Erwachsene rausholen und betrachten kann.

      Ich habe einige solcher Erinnerungen, die plötzlich auftauchen, wenn es mir gut geht.
      Also die wirklich schlimmen Erinnerungen werden immer schön aufbewahrt bis ich mich damit beschäftigen kann.
      Der Mensch ist wirklich ein kleines Wunderwerk :)

      Ich glaube man kann negative Erfahrungen als Erwachsener auch leichter wegstecken, weil man die Personen anders betrachten kann.
      Für die Eltern z.B. werden auch hier in diesem Thread die Entschuldigungen hervorgeholt. Die Eltern werden verteidigt.
      Während man die Leute, die einem später blöd kamen, seelenruhig als Arschloch betiteln kann.

      Vielleicht macht das einiges aus?

      VLG