Visualisierungen

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    • Visualisierungen

      Ich komme gerade eben vom schwimmen nach Hause.
      Während ich meine Bahnen schwamm, gingen mir unter anderem auch aktuelle Themen aus diesem Forum durch den Kopf. Themen wie zum Beispiel das, wenn man ein Problem damit hat, sich so, wie man ist anzunehmen, oder zumindest mal zu akzeptieren, oder auch das Thema des eingebläuten schlechten Gewissens, wenn es um Nahrung geht.
      Ich habe überlegt, was mir alles diesbezüglich geholfen hat und weiterhin hilft.
      Unbenommen einen großen Stellenwert nimmt dieses Forum ein.
      Ich möchte es nicht missen, denn es bringt mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn der Wind - egal ob aus der Werbung, den Medien im allgemeinen, oder durch Gespräche - einem mal wieder hart entgegen bläst.
      Es gibt jedoch immer wieder viele verschiedene Möglichkeiten und die eine schließt die andere nicht aus, sondern sie können sich wunderbar ergänzen.
      Eine der Hilfsmöglichkeiten ist für mich schon immer das Visualisieren gewesen. Früh schon, ohne dass ich dies so hätte benennen können.
      Seit meiner Ausbildung zur Lehrerin für mentales Training vor vielen Jahren, weiß ich, dass man es "Visualisieren" nennt und dass diese Form bereits vielen Menschen geholfen hat.

      Eine Möglichkeit wie ich zum Beispiel die "Stimmen", die sich während all der Diätzeiten in meinem Inneren festgesetzt haben, visuell bekämpft habe:
      Ich habe mir ein Wesen vorgestellt, welches mir Dinge wie "Das darfst Du nicht"... "Das ist zu fett"... "Das hat zu viele Kalorien"... "Du musst abnehmen"... "Du siehst hässlich aus wenn Du dick bist"... etc. pp.
      zuflüsterte. Dieses Wesen war klein und hässlich und meinte, es könne mir auf dem Kopf herum tanzen und könne über mich bestimmen.
      Ein anderes Wesen, welches dagegen an ging und mir sagte, dass ich liebenswert bin, auch wenn ich mehr Kilos drauf habe, dass ich essen solle, was mein Körper möchte und nicht, was andere mir vorschreiben wollen und so weiter, ließ ich hell und schön sein. Groß und machtig. Und vor allem sichtbar stärker als das andere, hässliche kleine Wesen. Ich gab ihm große Kräfte und sah vor meinem geistigen Auge, wie das große helle Wesen dem anderen kleinen hässlichen Wesen eines überzwiebelte, wenn es mich in die Knie zwingen wollte...

      Das ist nur ein kleines Beispiel, aber mir hilft so etwas.
      Das Tolle ist, dass man sich solche "Helfer" kreieren kann wie man will. Und man kann sie einsetzen wann immer man will. Diese Helfer sind in einem drin und immer für einen da, wenn man das so will. :bigdaum:


      Ich wollte einfach gern diese Gedanken, die mir beim schwimmen durch den Kopf gingen, mitteilen. Vielleicht sind sie ja für den einen oder anderen hilfreich. Das würde mich sehr freuen. :)
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • So ähnlich habe ich das auch schon gemacht, um mich aus einer psychischen Ausnahmesituation zu befreien.

      Ich heiße ja nicht wirklich Sophie, und ich wohne auch nicht direkt in Mannheim, aber Sophie war früher ein Spitzname (sophisticated Sophie), wenn ich mal wieder besonders "vernünftig" war.
      Diese Sophie habe ich mir tatsächlich als eine innere Freundin vorgestellt, die ich in Krisensituationen um Hilfe gebeten habe, wenn ich gelassen, cool und sachlich bleiben wollte/musste, aber nicht konnte. Dann habe ich sozusagen "Sophie, übernehmen Sie" gesagt, und ihr das Reden überlassen, quasi als Rollenspiel.

      Dann ist da noch eine durchgeknallte depressive, traumatisierte Lona (kommt von Lonely), die immer wieder getröstet werden will. Sie hat ein tiefes Gerechtigkeitsempfinden und kann sehr heftige Emotionen rauslassen, kann aber auch sehr zärtlich und liebebedüftig sein. Mit guten Zureden und Sophies Unterstützung ist Lona eine gute Wahl, wenn ich engagiert und mitreißend agieren will, oder wenn es um tiefe Gefühle geht.

      Und dann habe ich noch "die Bestie im Keller", die wenig Verstand besitzt, aber gut auf Bilder, Musik, Essen und Sport anspricht. Die Bestie ist früher manchmal ausgebrochen und hat zu gewalttätigen Wutausbrüchen oder Fressanfällen von mir geführt. Die Bestie darf ich nicht einfach wegsperren, denn dann hasst sie mich und kämpft gegen mich, sondern ich muss sie gut pflegen und streicheln. Dann ist sie sehr hilfreich: sie warnt mich vor Gefahren, buddelt Geheimnisse aus, spielt mit Ideen herum, zeigt mir an, ob sie/ich satt ist/bin. Sie spricht manchmal durch Traumbilder mit mir.

      Diese inneren Gestalten stelle ich mir als echte Personen vor: Sophie im Karierrefrauen-Outfit, ganz seriös. Lona als Gothic-Punkerin in Schwarz und gerade auf dem Weg zu einer Demo. Und die Bestie als zotteliges großes Mischwesen aus Hund und Affe. Wenn die drei gut als Team aus gleichberechtigten, gleich wertgeschätzten Partnern arbeiten, geht es mir gut. Wenn eine davon unterdrückt wird oder schlecht behandelt wird, geht es mir schlecht.

      Normalerweise bin ich einfach ich, aber manchmal fällt mir auf: Achtung, jetzt heult Lona wieder rum, Sophie, red mal mit ihr, Bestie, geh mal kuscheln. Oder in Stresssituationen rufe ich ganz ausdrücklich Sophie zu Hilfe. Oder wenn die Bestie plötzlich knurrt, höre ich hin, was sie von mir will. Auf Wachhunde sollte man besser hören.

      Also das hört sich jetzt vielleicht total verrückt an, und ich laufe jetzt nicht als gespaltene Persönlichkeit rum, sondern das mache ich ganz gezielt. Im Grunde sind das personifizierte Visualsierungen. Negative Stimmen (der innere Klugscheißer) kann ich mit den dreien zusammen meistens ganz gut wegschicken.

      Das innere Team aus Verstand, Emotion und Intuition habe ich mir als eigene Psychotherapie gebastelt, als mir andere Therapien nicht halfen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      ...................

      Also das hört sich jetzt vielleicht total verrückt an, und ich laufe jetzt nicht als gespaltene Persönlichkeit rum, sondern das mache ich ganz gezielt. Im Grunde sind das personifizierte Visualsierungen. Negative Stimmen (der innere Klugscheißer) kann ich mit den dreien zusammen meistens ganz gut wegschicken.

      Das innere Team aus Verstand, Emotion und Intuition habe ich mir als eigene Psychotherapie gebastelt, als mir andere Therapien nicht halfen.


      Für jemanden, der sich noch nie mit dieser Art von Visualisierungen befasst hat, mag sich das tatsächlich im ersten Moment merkwürdig anhören.
      Aber man braucht nur ein wenig daran zu denken, dass jeder Mensch in sich viele verschiedene Seiten birgt, wie z. B. die ernsthafte Seite, die kreative Seite, die überkritische Seite, oder andererseits die, die gern mal Ruhe haben will... und so weiter, und schon ergibt sich ein ganz anderes Bild.
      Ich finde es äußerst vernünftig, wenn man es auf diese oder jene Weise schafft, all diese Seiten für sich zu nutzen. Und wenn das mit Hilfe von Visualisierungen gut geht, dann ist es ein hilfreicher Weg.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Itsme ()

    • Bin noch immer dabei, mich durch das dicke Forum durchzuarbeiten und heute ist mir dieser Beitrag aufgefallen. Ihr beide habt mir sehr schön deutlich gemacht, dass man durch visualisieren Hilfe erfahren kann. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt und davon hab ich genug. Phantasie meine ich. Ausprobieren will ich das auf jeden Fall, denn ich ertappe mich dauernd bei Dingen, die ich tue, weil "man" sie so macht oder nicht macht. Damit möchte ich nach und nach aufhören.

      :five: