Eine Zahl im System

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    • Eine Zahl im System

      Vor mittlerweile 8 Jahren habe ich entschieden, mich nicht mehr auf Waagen zu stellen. Das heißt, 8 Jahre lang wusste ich nicht mehr, wie viel ich wiege.
      Warum? Ich hatte keine Lust mehr darauf, mich (von Ärzten) auf drei Zahlen reduzieren zu lassen. Ich hatte keine Lust mehr, mein (Un-)Wohlgefühl auf drei Zahlen zu reduzieren, bzw von ihnen abhängig zu machen. Ich sah auch keinen weiteren Sinn mehr darin, es genau zu wissen, schließlich bin ich sichtbar dick, stark adipös, morbid adipös [...], weeßicke und in dem Gewichtsrahmen, in dem ich mich befinde, machen 10 Kilo mehr oder weniger keinen wirklichen Unterschied mehr.

      Es nicht zu wissen, tat mir gut. Ich konnte mich darauf ausruhen, mich darauf zurückziehen und aus "Ich weiß es nicht!" wurde "Ich weiß es nicht und es ist mir auch egal."

      In der letzten Zeit habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, ob ich es nicht mal in Erfahrung bringen sollte. Weniger, weil ich es genau wissen will (ich kann mir denken, in welchem Rahmen ich mich bewege), sondern mehr um zu sehen, ob mein Gewicht mittlerweile nur noch eine Zahl im System ist. So wie ich 186,5 cm groß bin und 23 Jahre alt und Schuhgröße 45/46 habe. Ich wollte sehen, ob es einen Unterschied für mich macht. Ob ich mich noch bedroht fühle. Ob es sein kann, dass ich es wissen kann und es mir dennoch egal bleibt.

      Und fragte mich, ob ich, als dicker Mensch mit meiner Geschichte, mit meinen komischen Arzterfahrungen, mit dem BMI-Rechnern etc, ob es jemals so sein kann, dass mein Gewicht nur noch eine Zahl im System ist.

      Ich weiß, es gibt hier einige, die sich nicht wiegen und auch einige, die es tun. Was sind für euch die Gründe, das eine oder andere zu tun? Welche Wichtigkeit haben diese Zahlen für euch? Sind es rein beschreibende, wertfreie Zahlen im System? Können sie es sein?
      [Body] Shaming doesn’t make people thin, or healthy. It just makes them hurt.
      [SIZE=1](Miss Rosie, Blogger)[/SIZE]
    • Hallo!

      Ich gehöre zu den Nicht-Wiegern - aber erst seit ein paar Monaten, davor lange zu den Viel-Wiegern ... und Verrücktmachern.

      Dicker oder dünner bin ich bemerkenswerterweise seitdem nicht geworden. Mir tuts aber gut, dass ich mich unabhängig machen konnte von der Waage. Ich merke ohnehin recht genau an meiner Kleidung, ob ich ab- oder zunehme, muss dazu allerdings ein bisschen ehrlich zu mir sein. Und meinem ewig hinterher gerannten Anspruch auf "dünnere Zeiten" hab ich adieu gesagt.

      Dass das Gewicht, egal welcher Grundtyp man ist - dünn, schlank, mollig oder adipös - nur eine einfache Zahl im System werden kann, halte ich für durchaus möglich, aber nicht für einfach, da wir alle so sehr auf dieses Folterinstrument mit der Ziffernanzeige, dem wir fast alle die Macht einräumten, über Wohl und Wehe zu entscheiden, getrimmt und gepolt sind.

      Ich glaube, dass dass das Wunder in gleichem Maße geschehen kann, wie wir uns wirklich innerlich vom Schlankheitsdiktat oder treffender: vom Schönheitsdiktat distanzieren können.
    • Zahlen, meine Welt. Wenn es Graf Zahl noch nicht geben würde, ich wäre eine echt gute Besetzung dafür.
      Zahlen sind für mich wie Blumen, gute Düfte, ich liebe sie.
      Meine Alterszahl, Musik in meinen Ohren, meine Schuhgrösse, auch sehr gross, 44/45. Ich finde sie super.
      Die einzige Zahl in meinen Leben, die ich da nicht wirklich einordnen kann, ist mein Gewicht.
      Auch bei mir ist es offensichtlich, das ich sehr dick bin. Lange Zeit habe ich mich auch nicht gewogen, auch ich möchte nicht auf eine Zahl reduziert werden. Dieses nichtwiegen tat gut.
      Ebenso fühlte ich mich weder wie ein Monster noch hässlich.
      Zwar dick, aber nicht unansehnlich.

      Und dann, fast über Nacht, in einer depressiven Phase, war er wieder da, in meinen Augen mein ganz persönlicher Wiegezwang.
      Das ging soweit, das ich bis zu 30 mal am Tag draufstand. Idiotisch.
      200 g brachten mich zum wanken und zum (fr)essen.
      Um dann festzustellen, das noch mehr rauf kam.
      Mittlerweile, depressionsfrei, hat sich das wieder in für mich normale Wiegezeiten eingependelt. 1 mal die Woche maximal.
      Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, das auch meine Gewichtszahl mal wie eine Blume in meinem Kopf duftet.
      Egal ob nun drei- oder zweistellig. Also nur noch eine x beliebige Zahl im System ist.
    • Die Waage spielt für mich keine Rolle mehr. Und ich hofe, dass sich das auch nicht wieder ändert.
      Ob ich ab - oder zunehme, merke ich an meiner Kleidung, das reicht mir.
      Die Zeiten in denen die Waage so etwas wie das Tor zum Wohl - oder Unwohl fühlen war, waren keine guten zeiten. Die Waage hatte viel zu viel Macht. Das will ich nicht mehr.
      Ich bin ich, so wie ich bin und egal, welche Zahl auf einer Waage erschiene.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Eine Waage? Ja, ich habe eine, die fröhlich vor sich hin staubt. Ich benutze sie sehr selten und nur hin und wieder mal habe ich den Wunsch zu wissen, was mein Körpergewicht macht. Dann hat es Informationswert und ganz, ganz selten auch mal Beruhigungswert, wenn die Essstörung voll zugeschlagen hat und mir die Waage sachlich vor Augen führt, dass meine Befürchtungen nichts mit der Wirklichkeit gemein haben. :)

      Kimba
    • Ich habe auch mal zu den "Vielwiegern" gehört, stellte mich jeden Tag mindestens zwei Mal drauf und machte mein Glück davon abhängig. Oft bin ich sogar in Tränen ausgebrochen, wenn ich mal wieder das ein oder andere Kilo mehr drauf hatte...dabei bewegten sich die Schwankungen immer im Bereich von 1-3kg. Nicht besonders viel.
      Zur Zeit stelle ich mich alle 2-3 Monate mal auf die Waage, damit ich lerne mir zu sagen "Hey das ist nur eine Zahl!". Beim letzten Mal hats mich wirklich kalt gelassen. Mein Tag ging weiter und er war trotzdem schön.
      Ich beobachte mich eben anders, wird die Kleidung enger...oder muss ich beim Shoppen eine Größe mehr nehmen, fühle ich mich anders...fülliger..das sind für mich Zeichen dafür mal wieder mehr auf mich zu achten.
      Mal davon abgesehen, dass ich mich gesünder ernähren und mehr bewegen möchte, damit ich mich wohl und fit fühle und nicht damit ich abnehme. Diese Einstellung hat sich bei mir als die weniger stressige Ergeben.^^
    • Ich habe mich frueher relativ viel gewogen, dann habe ich vor ca. 4 Jahren die Waage demonstrativ weggeworfen. Im Rahmen von einem Abspeckprogramm. ;) Das hat aber natuerlich auch nichts genutzt (ich meine, das Programm).

      Seit 1 Jahr habe ich wieder eine Waage, und die Waage hat schon irgndwie eine Anziehungskraft... aber ich gebe nicht nach! Ich wiege mich wohl so 1 Mal in 2 Monaten. Grosse Rolle spielt diese Zahl eigentlich nicht, aber ganz unbedeutend ist sie auch nicht.

      Viele wichtigere Rolle spielt bei mir die Kleidungsgroesse. Das ist eine Zahl, die mich verfolgt und mich traurig macht. Bei jedem Einkauf, bei jedem Blick in die Schaufenster.
    • Seit ungefähr 2-3 Jahren vielleicht wiege ich mich nur noch 3-4 mal pro Jahr. Und ich weiß immer schon vorher ziemlich genau, was mich erwartet. Selten einmal verschätze ich mich. Heißt im Klartext: Ich habe ein ziemlich gutes Gefühl für mein Gewicht entwickelt.

      Dennoch: Nur eine Zahl im System wird es für mich wohl nie sein. Ich sage auch schlanken Menschen prinzipiell nicht, was ich wiege, weil sie ohnehin keine Vorstellungskraft haben, die in den dreistelligen Bereich geht. :cool:
      Außerdem werde ich eine gewisse Scham wohl nie ablegen können.
    • Ich habe mich schon immer nur ab und zu mal gewogen. Mit zunehmendem Alter wird es mir auch immer egaler - es ist nur eine Zahl. Ich kann sie nicht ändern, also wozu soll ich mich darüber aufregen? Da nutze ich meine Zeit und Nerven lieber für etwas anderes. ;)
      Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat,
      der wäre auch nicht mit dem zufrieden, was er haben möchte. (Berthold Auerbach)
    • TamiJinx schrieb:


      Mittlerweile, depressionsfrei, hat sich das wieder in für mich normale Wiegezeiten eingependelt.


      Schön, mal wieder was von Dir zu lesen, TamiJinx! Und noch dazu so etwas Positives :).

      BTT: Ich hatte meine Wage auch lange Zeit (Jahre?) verbannt und es hat mich tatsächlich nicht interessiert, was da stehen könnte. Ich habe mich wohlgefühlt und gut.

      Irgendwann habe ich dann so eine innere Unruhe entwickelt, verbunden mit einem allegmeinen Bewegungsdrang (innerlich und äußerlich). Dazu wollte ich dann, neugierig wie ich bin, auch diese "Gewichtszahl" mal wieder checken.

      Allerdings bin ich da im ersten Moment doch etwas erschrocken, obwohl auch ich in etwa geahnt hatte, was mir da blüht.

      Ich habe versucht, mich nicht verrückt zu machen und mich seither bewusst nur gelegentlich gewogen. Nur habe ich meinen Bewegungsdrang ebenfalls ausgelebt und das hat mir echt gutgetan. Wenn das Gewicht dann mal wieder ein paar Kilo rauf ist, waren es eben einfach die Muskeln ;), die ja mehr wiegen als Fett ;);).

      Viel wichtiger finde ich, dass man sich einfach wohlfühlt in seinem Körper. Wenn das nicht der Fall ist, gerät man in Streß und macht die seltsamsten Dinge. Zumindest mir geht das so :-o. Vielleicht gehört da auch häufiges Wiegen und die "Abhängigkeit" von dieser Zahl dazu. Kann ich mir gut vorstellen! :cool:
      Viele liebe Grüße

      von Aitack :zwinker:

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