Der Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen... oder nicht?

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    • Der Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen... oder nicht?

      Jeder von uns ist sicherlich durch die Erfahrungen, die er im Leben gemacht hat, geprägt. Dazu gehört alles, was er in seinem Leben bis zum Ist-Zeitpunkt erlebt hat.

      Meine Gedanken dazu:

      Ist er ausschließlich die Summe seiner Erfahrungen?
      Oder kann er in gewissem Maß selektieren?
      Kann er steuern, wieviel er an sich/in sich lässt? Zumindest ab einem bestimmten Alter?
      Oder ist er auf Gedeih oder Verderb die Summe seiner Erfahrungen, ohne in irgend einer Weise selber steuern zu können?
      Kann man ab einem gewissen Alter vielleicht sogar Einfluss auf seine Erfahrungen nehmen/bezeihungsweise sich gewissen Situationen einfach nicht aussetzen, so dann man die Erfahrung dieser Situation gar nicht machen muss?

      Ich habe hierzu natürlich eine Meinung, aber mich würde sehr interessieren:

      Was meint Ihr dazu?
      Wie seht Ihr das?
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Oh, was fuer eine Frage, da laeuft mir Wasser im Mund zusammen! :hopps:

      Erfahrungen praegen uns ganz bestimmt, und ohne Erfahrungen, ob sie gut oder schlecht sind, koennten wir uns nicht entwickeln.

      Ich finde, alle meine Erfahrungen bleiben bei mir, nur solange sie nicht verarbeitet sind. Danach brauche ich sie nicht mehr, aber durch die Verarbeitung werde ich ein ein bisschen anderer Mensch. Das ist eine ewige Dynamik.

      Also keineswegs Summe, eher Integral!
    • Ich denke, ab einem gewissen Alters- bzw. Reifestand kann man zumindest reflektieren, wohin einen die bisherigen Erfahrungen gebracht haben. Und dann kann man entscheiden, ob man mit dem Ergebnis zufrieden ist und gegebenenfalls dran arbeiten, etwas zu verändern.
      Man hat immer die Wahl. Ob die Alternativen stets besser sind, bleibt eine andere Frage ;-).
      Viele Grüße

      Andrea


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      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz
    • Mal anders rum gefragt: Was ist der Mensch denn dann, wenn nicht Summe seiner Erfahrungen und der dadurch ausgelösten Reflexionen und Charakterbildung?
      Ich denke Erfahrungen sind nötig, damit man sich entwickeln kann. Wovon soll man denn dann sonst den Ausgangspunkt finden?
      Mh der Mensch ist ein Wesen, dass Sprache und Verstand besitzt im Gegensatz zu den Tieren...oder anderer Ansatz: Der Mesch ist ein Gesellschaftswesen...also eventuell auch das Sozalisationsumfeld wichtig. Obwohl das auch wieder dazu führt, dass man Erfahrungen sammelt. Man müsste sich viell. fragen, ab wann man von Erfahrung sprechen kann?! Schon beim bloßen Erlebnis oder erst nach gründlicher Reflexion und "Einordnung" ins Gedächtnis?!
    • Erfahrungen, so habe ich inzwischen gelernt, sind auch das Ergebnis von Erwartungen.

      Früher hätte ich das weit von mir gewiesen, aber das Leben hat mich eine andere Sichtweise gelehrt.
    • Meiner Erfahrung nach (:-D) dienen diese, vor allem auch leidvolle, zur Reifung.

      Erfahrung -> Verarbeitung -> Reifeschritt, das vollzieht sich ununterbrochen das ganze Leben hindurch. Und das Beste ist, dass gerade DIE Erfahrungen, die uns zum Zähneknirschen bringen, sich später als die wertvollsten erweisen.

      Sicher wird auch der Charakter eines Menschen MITgebildet durch Erfahrungen, gute und böse.
    • Sally schrieb:

      Erfahrungen, so habe ich inzwischen gelernt, sind auch das Ergebnis von Erwartungen.

      Früher hätte ich das weit von mir gewiesen, aber das Leben hat mich eine andere Sichtweise gelehrt.


      Dem möchte ich voll zustimmen.
      Nicht selten passiert genau das, oder wir glauben, genau das zu sehen, was wir erwarten. Das nennt man dann wohl die sich selbst erfüllende Prophezeihung.


      Ebenso kann man nicht selten aufgrund von Erfahrungswerten, ähnlichen zukünftigen Erfahrungen aus dem Weg gehen, wenn sie einem geschadet haben.

      Ich denke, ein Säugling/einKind ist seinen Erfahrungen komplett noch schutzlos ausgeliefert.
      Aber einem bestimmten Alter kann man einiges steuern. Nicht alles - da man nicht allem, von dem man weiß, dass es einem vielleicht schadet, aus dem Weg gehen kann. Aber man ist nicht gefesselt und geknebelt und somit nicht schutzlos.
      Man kann, entweder Situationen (die erfahrungsgemäß nicht gut tun) aus dem Weg gehen, oder man kann sich verbal wehren. Man kann aber auch alles über sich ergehen lassen.
      Und man kann alles Negative entweder speichern und sich bis an sein Lebensende ärgern, oder man kann sich dazu entschließen, gewisse Situationen als nicht wert sie abzuspeichern, einzustufen.

      Ein anderer Punkt:
      Wenn mich bestimmte Erfahrungen zum Beispiel haben zynisch werden lassen und mir dies eines Tages bewusst wird, denke ich, dass wenn man dies (wenn vielleicht auch unbewusst) zugelassen hat, man auch etwas dafür tun kann, die zynische Art wieder abzulegen. - Wenn man das denn will.
      Dies nahm ich nur al als Beispiel für viele andere Prägungen, die aufgrund von Erfahrungen passiert sein können.

      Insofern ist der Mensch in meinen Augen zwar immer noch die Summe seiner Erfahrungen, aber nicht machtlos allem ausgeliefert, denn ein gewisses Maß an der Art der Erfahrungen kann man selber steuern.

      Ebenso kann er lernen, durch Erfahrungen entstandene Prägungen, die ihm schaden, wieder abzulegen.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Unterschiedliche Menschen machen unterschiedliche Erfahrungen. Es kommt darauf an, in welcher Umgebung man aufgewachsen sind, welche Erfahrungen Eltern gemacht haben, und sogar welche Erfahrungen entfernte Vorfahren gemacht haben, die man nie gesehen hat. Letzteres kann ich zwar nicht nachweisen (wer kann es schon?!), aber ich halte es fuer wahrscheinlich.

      Sally schrieb:

      Erfahrungen, so habe ich inzwischen gelernt, sind auch das Ergebnis von Erwartungen.


      Fuer mich ist es mittlerweile selbstverstaendlich. Erst wenn man aus der Erfahrung gelernt hat, verschwindet die Erwartung, dass die Erfahrung sich wiederholen koennte. Man macht also immer wieder dieselbe/aehnliche Erfahrung, bis man daraus gelernt hat.
    • Muminfrau schrieb:


      Erst wenn man aus der Erfahrung gelernt hat, verschwindet die Erwartung, dass die Erfahrung sich wiederholen koennte. Man macht also immer wieder dieselbe/aehnliche Erfahrung, bis man daraus gelernt hat.


      Ich denke, daß negative Erfahrungen mich daran hindern, mich einer solchen Situation einfach erneut auszusetzen. Sprich, ich m e i d e in der Zukunft das, was ich als negativ empfunden habe bzw. ändere m e i n Verhalten.
      Also neues Verhalten lernen aus Erfahrung - eigentlich eine ganz "alte"
      Sache.

      Liebe Grüße
      Mariechen
    • Der Mensch ist - zum Glück - viel mehr als die Summe seiner Erfahrungen.

      Klar, dass Erfahrungen uns prägen und doch können gleiche Erfahrungen bei verschiedenen Menschen völlig unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen...
    • Itsme schrieb:
      Jeder von uns ist sicherlich durch die Erfahrungen, die er im Leben gemacht hat, geprägt. Dazu gehört alles, was er in seinem Leben bis zum Ist-Zeitpunkt erlebt hat. ....


      So sehe ich das auch!
      Ich meine, dass man das so pauschal nicht sagen kann, bezugnehmend auf den Rest des Eröffnungspost.
      Meine Kindheit war nicht das, was man wohlbehütet nennt, darauf mag ich hier an dieser Stelle nicht eingehen wollen, wer mitdenken kann, dem sei gesagt, dass ich einen seeehr kinderlieben Onkel und eine ebenso seeeehr kinderliebe Oma hatte - Ihr versteht? Also die Erfahrungen, die ich vom Babyalter über das Kleinkindalter gemacht habe bzw. machen musste, haben mein Leben nachhaltig geprägt und teils versaut!!!
      Wenn man sich nicht ganz abschreibt und einen unsaglichen Lebenswillen hat ebenso wie über eine ausgeprägte Charakterstärke verfügt, kann man die gamachten Erfahrungen überstehen/überleben und auch lernen - in dem man positive Erfahrungen macht - damit recht gut klar zu kommen!

      Zugegeben, ich tue mich etwas schwer mit Itsme's Frage an sich! Es gibt ja auch gewisse Erfahrungen, die fast jeder durchmacht wie z.B. als Kind, dass heiße Herdplatten dolle Auamachen, wenn man diese anfasst etc. Erfahrungen solcher Art sind dazu da, um für die Zukunft zu lernen und die eben auch prägen.
      Es gibt aber auch Erfahrungen, die man eigentlich nicht braucht, die auch prägen, aber auf eine traurige, andere Art.

      My 2cents
      Zensor
    • Jeder Mensch macht bestimmte Erfahrungen, gut wie schlechte und die hinterlassen Spuren, ist ganz klar.
      Worauf ich jedoch, als ganz wichtiger Punkt, hinaus wollte, ist der Gedanke, dass ein jeder Mensch trotz aller Erfahrungen die er macht, ein Mensch mit eigenem Willen ist.
      Auch ein Mensch der sehr viele schlimme oder schlechte Erfahrungen gemacht hat, hat die Möglichkeit, sich zu beeinflussen. Manchmal wird dazu professionelle Hilfe nötig sein. Manchmal wird er es allein, oder mit Hilfe eines guten Umfeldes schaffen.
      Wichtig ist mir jedoch der Gedanke, dass keiner stagnieren muss.

      Keiner muss sagen:

      Ich habe dies und jenes erlebt und dadurch bin ich nun einmal so, wie ich bin. Deshalb oben mein Beispiel:
      Wenn mich bestimmte Erfahrungen zum Beispiel haben zynisch werden lassen und mir dies eines Tages bewusst wird, denke ich, dass wenn man dies (wenn vielleicht auch unbewusst) zugelassen hat, man auch etwas dafür tun kann, die zynische Art wieder abzulegen. - Wenn man das denn will.

      Besonders deutlich sieht man dies an so mancher Lebensgeschichte hier im Forum.
      Nicht wenige waren, als sie kamen, durch ihre Erfahrungen sehr verletzt und dadurch oftmals fast ohne Selbstbewusstsein. Durch den Wunsch dagegen etwas tun zu wollen, haben sie alles aufgesogen, was ihnen helfen könnte, ein stärkerer Mensch zu werden und viele sind es geworden.

      Ein anderes Beispiel, selbst so erlebt, ist die dumme Blockade, die ich in mir zugelassen habe und die mich, nachdem ich so viel durch meine SD-Krankheit zugenommen hatte, daran hinderte, wieder schwimmen zu gehen, obwohl ich das so gern tu.
      Dabei habe ich nicht einmal selber schlechte Erfahrungen gemacht! Schlimmes ist nur in meiner Kopf - in meiner Phantasie passiert!
      Dort stellte ich mir Blicke und dumme Sprüche vor...

      Auch dank der Hilfe einiger User hier, konnte ich den Schritt jedoch wieder wagen und es passierte - außer dass ich es wie verrückt genossen habe - nichts!
      Auch diese negative Blockade ging von Erfahrungen aus.
      Ich habe zwar persönlich in dieser Richtung nichts schlimmes erlebt, aber viele Geschichten die ich gehört habe, all die abwertenden Berichte in den Medien bezüglich dicker Menschen - all das hat mich zu dieser Blockade geführt. Und dabei habe ich durchaus genug Selbstbewusstsein.
      Aber so, wie ich es zugelassen habe, dass ich so eine Blockade erlebe, so konnte ich dank der Hilfe einiger Menschen, auch zulassen, dass sich diese Blockade wieder in Luft auflöst.

      Fazit:
      Egal was man an Erfahrungen macht oder gemacht hat, man kann etwas tun.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Und ein und dieselben Erfahrungen können zu ganz verschiedenen, sogar völlig konträren Arten des Umgangs damit führen. Beispiel:

      Zwei Geschwister erleben die Alkoholabhängigkeit eines Elternteils. Einer der, sagen wir: Brüder wird selbst abhängig - vielleicht in einer Lebenskrise, obwohl er das vorher weit von sich gewiesen hätte, eben durch die schlimmen Erfahrungen gewarnt.

      Der andere vermeidet den Alkohol oder geht sehr vorsichtig damit um, ebenfalls durch die Erfahrungen gewarnt, weil er sich als gefährdet und Alkohol als potentiell gefährlich ansieht aufgrund seiner Erfahrungen.

      Was ist da ausschlaggebend? Ich finde das eine sehr interessante Frage.