Die Friseuse

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    • Fräulein Wunder schrieb:

      Ich muss bei solchen Geschichten immer daran denken wie ich vor Jahren mal nach einem relativ langen USA Aufenthalt am Frankfurter Flughafen ausstieg und das Gefühl hatte mich glotzen alle an. :confused:
      Ich setzte sogar meinen Rucksack ab um zu sehen, ob da irgendwas komisches dran ist ... irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

      Wir Deutschen sind schon ein Volk der Glotzer und Starrer ;), das erlebt man in vielen anderen Ländern nicht so. Ich hatte in der Zeit in den USA einfach vergessen wie sehr man hier teilweise unter Beobachtung steht, wenn man ein bisschen auffällig aussieht ... selbst wenn die Blicke nicht böse gemeint sind.



      Das kann ich nach der Aussage einer norwegischen Bekannten, die mich vor einigen Jahren hier im Ruhrgebiet besucht hat, nur bestätigen.
      Sie kannte bislang nur den Bodensee in Deutschland und kam mich dann im Ruhrgebiet besuchen...Kulturschock:eek::-D
      Als wir durch die Einkaufsstraßen gingen merkte ich, wie sie immer unsicherer wurde und auch ihre Schuhe prüfte, dachte mir dabei nichts...irgendwann kam sie näher und fragte ganz leise und mit großen Augen "Was ist mit mir? Warum schauen die Leute mich so an? Und ich glaube, sie schauen auf die Schuhe, warum?".
      Weder an ihr noch an den Schuhen war etwas auffällig oder "abnormal". Ich sagte ihr dann auch, dass die Deutschen halt gern glotzen, dass solle sie nicht persönlich nehmen?
      Sie sagte, dass sie das so aus Norwegen nicht kennt (sie kommt aus Oslo) und wenn die Leute gucken, dann mit einem freundlicheren Ausdruck, der starre Blick der Leute in Deutschland würde sie irritieren.
    • Sophie schrieb:

      Der türkische Arbeiter, der vor dem Chef die Augen niederschlägt, hat kein schlechtes Gewissen, sondern ist einfach nur höflich..


      Das mag gegenüber einer höher gestellten, männlichen Person so sein. Frauen gegenüber erlebte ich es nicht so. Ich liebe die Türkei als Urlaubsland, aber das Verhalten der meisten Männer dort ist doch (für mich/uns Deutsche) sehr gewöhnungbedürftig. Von einem höflichen Augensenken habe ich nie etwas bemerkt. Ich würde das natürlich auch nicht erwarten, aber ganz normales höfliches, respektvolles Verhalten erwarte ich schon. Und das völlig unabhängig davon ob ich nun dick oder dünn bin.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Und gegenüber einer höher gestellten weiblichen Person auch.
      Ich habe - mit etlichen Indern und Türken - die erstaunliche Erfahrung gemacht: diese Kollegen denken "Du bist zwar bloß eine Frau, aber du bist der Boss, also mach ich was du willst." Die Deutschen denken: "Du bist zwar der Boss, aber du bist bloß eine Frau, also kannst du mich mal..." In den traditionelleren Gesellschaften gilt Hierarchie eben immer noch viel.

      Das Verhalten, das du schilderst, ist mir aber auch nicht unbekannt. Ich kann das aber in einem gewissen Maß steuern: wenn ich mich "normal" westlich verhalte, und die Leute direkt anschaue, wirkt das als Einladung zur Anmache (als ob frau hierzulande die Bluse aufknöpft). Wenn ich mich so verhalte wie muslimische Frauen, also Männer nicht direkt anschaue, lässt die Anmache ziemlich bald nach. Es kann aber auch sein, dass ich wegen meines südlichen Aussehens nicht sofort als Deutsche erkennbar bin.

      Aber was das Anstarren in Deutschland angeht, das ist tatsächlich ziemlich ausgeprägt. Aber ich empfinde es selten als feindselig, eher als neugierig.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • dramaqueen schrieb:

      Kann mich deinen Fragen nur anschließen und eine weitere hinzufügen: warum kann man solche Rollen nicht mit Schauspielern besetzen, die auch ohne Fatsuit das gewünschte Format haben? :confused:
      Ich meine, da muss es doch wahrlich genügend Auswahl geben, wo doch alle (Deutschen) so unheimlich dick sind...


      Vielleicht birgt ein Fatsuit aber auch die Option auf ein Happy-End, sprich: erfolgreicher Laden mit schlanker Chefin :teufel:....

      Aber egal, ich glaube ich werde mir den Film ansehen, sofern er denn bei uns ins Kino kommt.
      Die Sumpitt
    • Sophie schrieb:

      Und gegenüber einer höher gestellten weiblichen Person auch.
      Ich habe - mit etlichen Indern und Türken - die erstaunliche Erfahrung gemacht: diese Kollegen denken "Du bist zwar bloß eine Frau, aber du bist der Boss, also mach ich was du willst." Die Deutschen denken: "Du bist zwar der Boss, aber du bist bloß eine Frau, also kannst du mich mal..." In den traditionelleren Gesellschaften gilt Hierarchie eben immer noch viel.

      .


      Oder man kann auch sagen "Wess Brot ich ess, dess Lied ich sing."
      Dazu fällt mir die leider nun auch "angepasste" Schauspielerin Cristiane Neubauer ein. Seit sie recht viel abgenommen hat, sieht sie aus wie tausend andere, vorher war sie unverwechselbar. Dabei war sie nie dick, sie hatte einfach nur reichlich weibliche Kurven.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • in der fernsehzeitschrift im stern ist ein intwerview mit doris dörrie über den film, ganz interessant, wenn auch kurz.
      sie wollt anscheinend ilka bessin (cindy) gern für die rolle haben, jedoch hatte diese keine zeit.
      ich weiß auch nicht, ob ich aus der zeitung zitieren darf, deswegen lass ich des erstma, ansonsten, der stern kostet net die welt ;)
    • Itsme schrieb:

      Dazu fällt mir die leider nun auch "angepasste" Schauspielerin Cristiane Neubauer ein. Seit sie recht viel abgenommen hat, sieht sie aus wie tausend andere, vorher war sie unverwechselbar. Dabei war sie nie dick, sie hatte einfach nur reichlich weibliche Kurven.

      Die Neubauer gefällt mir aus anderen Gründen nicht so sehr - sie ist mir zu überdreht. Aber was ihre Figur angeht, hast du Recht. Veronica Ferres ist auch so ein Beispiel: sie war beileibe nicht dick, sondern einfach nur weiblich, jetzt ist sie schlank und sieht irgendwie nur noch krank aus.

      Das ist mir aber auf der Arbeit aufgefallen: Magerwahn ist keine rein weibliche Domäne. Als karrierebewusster Manager muss Mann dynamisch und sportlich wirken, da machen dann Mittvierziger Diäten, dass es kracht.
      Ein magerer Junge von 20 sieht vielleicht noch gut aus, etwas schlaksig halt. Ein Mann um die 50 mit demselben BMI wirkt jedenfalls auf mich nur müde und traurig, alles andere als dynamisch. Mit Bauchansatz entspricht er vielleicht nicht dem (aus den US-Management übernommenen) Idealbild, aber es ist doch natürlich, dass ein 50er ein Bäuchlein hat, und das macht doch auch irgendwie einen seriösen und auch vertrauenswürdigen Eindruck. (Allein schon rein optisch hätte ich zu Siegmar Gabriel mehr Vertrauen als zu Guido Westerwelle.)
      Aber wenn ich das einem sage, glaubt der das doch nicht. Seufz.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Ich habe mir den Film gestern zusammen mit meiner Tochter angeguckt. Absolut zu empfehlen!
      Drehbuch und Regie gehen sehr würdevoll und mit gutem Blick fürs Detail auf die Probleme und Problemchen ein, die dicke Menschen im Alltag so haben.

      Fein beobachtet: Hauptfigur Kathi geht zu einer Disco-Veranstaltung für Dicke und hat anschließend einen (ebenfalls dicken) Verehrer. Sie trifft ihn später wieder, zusammen mit einer Freundin, die sie dann fragt, „warum willste denn den nich? Der is doch nett!“ Außerdem fährt er Porsche. :rolleyes:

      Und was sagt Kathi: „Nur weil ich selber dick bin, heißt das doch nicht, dass ich auf dicke Männer stehe. Ich mag sie groß und schlank.“

      Gut gesprochen. :daumen:

      Als sie zum CT soll, kriegt sie Panik. Und landet im CT einer Pferdeklinik. Aber sie tut das sehr gelassen und würdevoll. Zu keiner Zeit bedient der Film irgendwelche Dicken-Klischees. Auch wenn die Protagonistin sehr wohl in der Lage ist, über sich selbst zu lachen („sagen Sie ihr einfach, die Dicke ist da!“).

      Der Film ist ein bisschen Komödie und ein bisschen Drama. Nicht mit wuchtigem Happy-End, aber doch mit einem guten Ausgang, der uns zufrieden aus dem Kino in den Abend und in die Wirklichkeit entlassen hat.

      Gabriela Maria Schmeide in der Hauptrolle ist einsame Spitze – trotz Fatsuit. Nachdem ich den Film gesehen habe, denke ich, sie ist tatsächlich die bessere Besetzung, auch wenn Ilka Bessin „naturdick“ ist. Bei Bessin hätte ich die Befürchtung, dass sie – da sie ja nie außerhalb ihrer Rolle auftritt – zu sehr auf die „Cindy“ festgelegt ist und man ihr deshalb vielleicht die ernsten, nachdenklichen Passagen des Films weniger abgenommen hätte.

      Das einzige, was mir an manchen Stellen aufgefallen ist, ist, dass Schmeide sich manchmal sichtbar nicht so bewegt, wie man sich eben in einem dicken Körper bewegt, den man schon immer kennt. Das ist das, was auch weiter oben zum Thema Fatsuit schon angesprochen wurde. Ich weiß zum Beispiel sehr genau, wo ich durchpasse, wie ich an einem anderen Menschen vorbeikomme und auf welchen (Armlehn-)Stuhl ich passe oder nicht. Aber das ist eine Kleinigkeit, die meiner Tochter z.B. nicht aufgefallen ist.

      Das Double für die Nacktszenen auf dem Bett und in der Wanne fand ich wunderschön.

      Toll auch Maren Kroymann als frustrierte, zickig-böse Salonchefin von nebenan.

      Eine der schönsten Szenen ist für mich das „Friseusenballett“, eine Szene am Ende des Films, zu der der Abspann läuft: Toll gekleidete dicke Frauen tanzen zu großartiger Musik. Überhaupt die Musik: Kommt von LaBrassBanda. Ganz große Klasse.

      Insgesamt ein unterhaltsam-nachdenklicher, sehr würdevoller und teils auch wunderbar schräg-witziger Film über eine dicke Frau, die viel erdulden muss, aber immer wieder aufsteht. Macht Mut. Ob er allerdings vielen Menschen die Augen öffnet, wage ich zu bezweifeln. Die, die es am meisten betrifft, werden sich den Film nicht ansehen.
    • Knalle schrieb:

      Warum nicht Marianne Sägebrecht? In out of rosenheim bricht sie eine Lanze für die dicken Schönen.


      Vielleicht weil der Film in BÄRlin spielt und man dann die Marianne synchronisieren müsste :hahaha:

      (Sorry, hatte heute einen Clown zum Frühstück)
    • Sally
      Das einzige, was mir an manchen Stellen aufgefallen ist, ist, dass Schmeide sich manchmal sichtbar nicht so bewegt, wie man sich eben in einem dicken Körper bewegt, den man schon immer kennt. Das ist das, was auch weiter oben zum Thema Fatsuit schon angesprochen wurde.


      Genauso fällt mir das oft auf, wenn Schauspielerinnen eine Schwangerschaft / bezw. die Beeinträchtigungen in der Beweglichkeit spielen. Manche übertreiben die Schwerfälligkeit extrem, zum Beispiel beim hinsetzen oder aufstehen. Auch hier wächst man ja hinein und bewegt sich in Wahrheit ganz anders.


      Sally, danke für die schöne und erfeuliche Beschreibung des Filmes.

      @ Knalle
      Marianne Sägebrecht muss so um die Mitte 60 sein. Wie schon von LoF angenommen, wahrscheinlich für die Rolle zu alt.
      (Man sieht es ihr natürlich nicht an, weil füllige Frauen ja lange eine glatte Haut haben. Zwinker )
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Ja, sie ist 64 Jahre alt und würde in der Tat zu dieser Rolle nicht passen.

      Außerdem hat Teebeutelin Recht: Die Kathi in Doris Dörries Film ist eine waschechte Berliner Pflanze aus Marzahn (wo der Film auch spielt). Da passt eine Ur-Bayerin wie die Sägebrecht schlichtweg nicht hin.
    • Danke, Sally für die ausführliche Beschreibung.
      Doris Dörrie mochte ich immer recht gern (auch ihre Romane und Geschichten) ihre letzen Filme fand ich aber leider fast alle nicht so toll (Nackt, Der Fischer und seine Frau) bis grottenschlecht (Kirschblüten).



      In der Süddeutschen wurde der Film abgewatscht ... die von Dir beschriebene Szene (Friseusenballett) wird sogar folgendermaßen beschrieben "In einer Szene in der ein knallbuntes Friseusen-Ballett seine gewaltig dimensionierten Brüste und Hintern zu alten Discoklängen kreisen lässt, schlägt das Ganze sogar in richtigen Gute-Laune-Terror um". Gute Laune Terror ist ein Szenario, das für mich einfach nicht zu dem passt was man von Doris Dörrie kennt. :confused:
      Bei der Kritik (der sz) klingt für mich einfach ein großes Maß an echter Fettphobie durch ... ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf den Film.

      ( sueddeutsche.de/kultur/394/503615/text/ )
    • Fräulein Wunder schrieb:

      In der Süddeutschen wurde der Film abgewatscht ... die von Dir beschriebene Szene (Friseusenballett) wird sogar folgendermaßen beschrieben "In einer Szene in der ein knallbuntes Friseusen-Ballett seine gewaltig dimensionierten Brüste und Hintern zu alten Discoklängen kreisen lässt, schlägt das Ganze sogar in richtigen Gute-Laune-Terror um". Gute Laune Terror ist ein Szenario, das für mich einfach nicht zu dem passt was man von Doris Dörrie kennt. :confused:
      Bei der Kritik (der sz) klingt für mich einfach ein großes Maß an echter Fettphobie durch ...


      Allerdings. Man spürt die Abscheu, wenn in dem Artikel von "riesigen nackten Speckrollen" die Rede ist. Ich fand die Darstellung in keiner Sekunde unästhetisch (!). Und ich bin schon auch empfindlich ... obwohl ich selbst dick bin. :cool:

      Mit "Ossis" scheint der Mann auch so seine Probleme zu haben.

      Das Friseusenballett habe ich keineswegs als "Gute-Laune-Terror" empfunden. Was für ein doofer Gedanke. Ich dachte eher, "ach guck mal, zum Schluss kommen auch noch ein paar echte Dicke auf die Leinwand". ;)

      Und die Verschwörungstheorie, die der Autor entwickelt, finde ich geradezu abstrus. Ich bin überhaupt kein Dörrie-"Fan". Außer "Männer" habe ich nie einen Film gesehen. Dieser Film hat mich wegen der Thematik interessiert. Und ich halte ihn für gelungen. Auch wenn viele Kritiken im Internet etwas anderes sagen.

      Der Film ist auch kein "Feelgood"-Film. Was für ein blöder Ausdruck. Die Frau hat echt zu kämpfen. Nur: Sie hat die Wahl zwischen aufgeben und kämpfen. Und entscheidet sich fürs kämpfen. Sie ist dabei keineswegs immer glücklich. Aber sie kämpft.

      Ich bin sehr gespannt auf deine Eindrücke.
    • Ich habe den Film gestern gesehen.

      Sehr interessant fand ich die Reaktion des Publikums, die z. B. bei den Nacktszenen entweder die Luft einsogen oder wild kicherten.

      Der beste Kommentar war nach der Szene, in der der Friseuse der Ehering endlich vom Finger fällt: "Die hat bestimmt abgenommen ohne es zu merken."

      Ja, nee, is klar. Andere Probleme hat sie ja auch nicht.
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    • Ich fand ihn, hmm, nett.

      Er war mir etwas zu vollgestopft mit Problemthemen (die ich jetzt nicht alle erwähne, sonst braucht sich den Film ja keiner mehr anzuschauen).

      Die eine oder andere Nachtszene fand ich auch überflüssig, da es schon fast effekthascherisch wirkte (wobei das Bodydouble einen wirklich tollen Körper hat). Nein, ich finde die Nacktszenen nicht tabubrechend, wie es in einigen Kommentaren zu lesen war.

      Der Fatsuit war mir etwas zu unnatürlich, aber Gabriela Maria Schmeide ist tatsächlich eine gute Besetzung für die Kathi.

      Trotzdem das jetzt alles etwas negativ klingt, finde ich den Film duraus sehenswert.

      Kathi meistert ihr Leben mit einer Energie, von der ich auch gerne was ab hätte.
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