Kriegsenkel

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    Bitte beachtet unsere überarbeitete Datenschutzerklärung sowie unsere ebenfalls überarbeiteten Forenregeln.

    • Hallo,
      interessiert mich am Rande: WAren eure Eltern noch aktiv im Krieg? ( weil ihr gerade von Kriegserlebnissen der Väter erzählt) Meine Eltern sind anfang der Vierziger geboren . Sie haben als kleine Kinder erlebt, wie sie ausgebombt wurden und haben wohl auch gehungert.
      Meine Mutter hat mir erzählt, dass die Amerikaner für die deutschen Kinder ein Kinderfest gegeben haben. Es gab Donuts und Milchkakao. Hinterher mussten sich alle Kinder übergeben. Die kleinen Mägen waren so etwas nicht gewöhnt.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • war auf einer Geschäftsreise als die Invasion kam. Er konnte nach England fliehen. Die meisten Angehörigen wurden deportiert, kamen ins
      KZ und dann nach Auschwitz. Er hatte großes Glück.
      Aktiv hat er nicht gekämpft, war auch zu alt.
    • Mein Vater wurde nach dem Abi gleich zum Arbeitsdienst beordert und anschließend in die militärische Ausbildung gesteckt. Über seine erste Zeit in der Wehrmacht als einfacher Soldat hat er nie gesprochen, sondern begann erst, als er bereits als Unteroffizier in das besetzte Frankreich (ich glaub, es war Straßburg) geschickt wurde, um dort "die gerechte Verteilung der Lebensmittel" zu überwachen und Plünderungen zu verhindern. Er sei bei einem Anwalt und dessen Familie (Frau und Tochter) einquartiert gewesen, mit dem sich ein fast freundschaftliches Verhältnis entwickelt habe, erzählte mein Vater. Diieser Anwalt habe ihn dann bei seinem Abzug an die Ostfront gebeten, die Verbindung doch nicht abreißen zu lassen, aber er (mein Vater) habe sich nie wieder gemeldet, da "diese Zeiten nun vorbei waren".

      In Russland dann wurde er dann wohl zum Offizier befördert und an die Spitze einer Truppeneinheit der berittenen Artillerie gestellt. An der Front sei er nie in erster Linie gewesen, sondern habe immer etwas zurückgehangen, da seine Aufgabe angeblich darin bestand, den Winkel zu berechnen, mit dem die Kanonenrohre auf's Ziel ausgerichtet werden mussten. Er habe aber immer darauf geachtet, sowenig Zivilpersonen wie möglich zu schädigen. Am Horizont habe er die Feuer von Stalingrad sehen können.
      Dann gibt es, wie schon erwähnt, die Beschreibung des russischen Winters, in dem sich die Soldaten in den Schnee eingraben mussten und der Treibstoff in den Panzern gefror; ein Highlight ist, dass er einen Soldaten seiner Einheit gezwungen habe, ein in einem Bauernhaus geklautes Kästchen wieder zurückzugeben, und dass auf seinen Befehl hin auch sein Bursche das beschlagnahmte letzte Huhn einer Bauernfamilie wiedergeben musste. Es sei dadurch manchmal sogar zu einer Art Burgfrieden gekommen, sagte mein Vater.
      Meine Eltern heirateten 1944, zwischen zwei Bombenangriffen, während mein Vater auf Heimaturlaub war. Sie bezogen eine kleine Mansardenwohnung. Mein Vater musste zurück an die Front. Im Frühjahr 1945 wurde meine Mutter während eines Luftangriffs ausgebombt, kam aber selbst nicht zu Schaden, da sie sich derzeit gerade einige Kilometer weit weg auf ihrer Arbeitsstelle befand. Sie zog zu ihren Eltern zurück.
      Als der Krieg als verloren erklärt wurde und die Russen Richtung Westen vorwärts drängten, hat mein Vater seine Truppeneinheit wohl in Gewaltmärschen durch teilweise unwegsames Gelände in von Engländern besetztes Gebiet geführt. Letzteres wurde von seinem ehemaligen Burschen, der 2006 bei der Trauerfeier zugegen war, bestätigt.

      Es ist mager, sehr mager, was ich über meines Vater's Beteiligung am Krieg weiß. Ich will mehr wissen. Und es geht hier nicht darum, jemanden mit Dreck zu beschmeißen, ich möchte einfach nur wissen, um mit ihm Frieden schließen zu können.
    • Mein Vater Jahrgang 1928 wurde Soldat und verlor bei seinem ersten Fronteinsatz seine Nase. Er überlebte als einer der wenigen den Krankentransport und kam in Hamburg an als Hamburg bombadiert worden ist. Er sprach von dieser Zeit, von seinem Vater der im Wiederstand war , von sich der erst spät gemerkt hat was das Regime angerichtet hat . Unsere Famile ist dadurch noch mehr zerrissen worden. Meine Tante heiratete einen Waffen SS Mann, der meinen Großvater verriet. Die andere Tante einen Dänen der Deutsche hasste. Eine dritte Tante die für Hitler ein Kind bekam zwei älter Brüder die Soldaten waren.
      Er war sein Leben lang Kriegstraumatisiert und wenn man ihn ohne Warnung weckte konnte es schmerzhaft sein. Er war ein liebvoller und guter Vater konnte aber den Krieg nicht aus seinem Kopf bekommen.
    • Meine Eltern waren Teenager, also nicht aktiv an der Front. Meine Mutter war 14, mein Vater war 13, als der Krieg zu Ende war. Meine Mutter hat irgendwie im zerbombten Ruhrgebiet überlebt, bestimmte Flugzeuggeräusche lösen bei ihr heute noch Panikattacken aus.
      Mein Vater wurde nach dem Krieg aus der Heimat vertrieben und zog bis Niedersachsen, dann ins Ruhrgebiet. Er hatte sein Akkordeon dabei und sich mit Musik etwas zu Essen verdient. Für die russischen Soldaten musste er russische Volkslieder mit der Waffe am Kopf spielen, deshalb hatte er später immer einen Abscheu vor dieser Musik. Als Kind hatte ich das nicht verstanden, mir gefielen die Lieder doch so gut.

      Zwei Brüder meiner Mutter sind im Krieg gefallen, der eine war 18, ist als Fallschirmspringer irgendwo am Schwarzen Meer abgeschossen worden, er liegt auf einem Soldatenfriedhof in der Türkei. Der andere war 17, als er mit der Bismarck unterging. In einem Dokufilm über den Untergang der Bismarck habe ich ihn im Fernsehen gesehen. Da kommt eine Szene aus einem alten Nazi-Propaganda-Film vor, in der die Matrosen an Bord frühstücken. Der Junge, der im Stehen aus einem Blechbecher Kaffee trinkt, ist mein Onkel. Da gibt es eine Geschichte: er wusste, dass er nicht mehr zurückkommt, und schenkte seiner kleinen Schwester, also meiner Mutter, seine Zither, obwohl die nicht darauf spielen konnte. Meine Mutter hat das Teil ihr Leben lang mit sich rumgeschleppt, und ich habe die Zither jetzt bei mir. Aber ich hab nie darauf spielen gelernt. (Braucht jemand eine Konzertzither?)

      Mein Mann ist älter, und sein Vater, Jahrgang 1927, wurde noch eingezogen. Er wurde Panzerschütze und wurde von den Amerikanern gefangen genommen. Aber über den Krieg hat er seinem Sohn nie erzählt. Er hatte nur eine extreme Rattenphobie und Wahnvorstellungen von Ratten im Haus. Aber das hat vielleicht nichts mit einem Trauma zu tun, sondern ist nur eine "normale" Demenzerscheinung.
      Meine Schwiegermutter war 16, als der Krieg zu Ende war. Sie wurde damals vermutlich von Amis vergewaltigt, aber genau erzählt hat sie nichts. Sie macht nur immer einen panikerfüllten Riesen-Terror, wenn mein Mann am Telefon Englisch redet ("Was sagt er da? Die dürfen mich nicht holen!"). Und einmal musste sie vor dem Krankenhaus im Auto warten, da ist sie aus dem Autofenster geklettert (mit über 80!) und weggerannt. 2 Pfleger haben sie nicht halten können, so gekämpft hat sie "Die Männer kommen mich holen." Immer wieder.

      Mein Opa väterlicherseits war in der Waffen-SS, Scharfschütze an der Ostfront. Bestimmt kein Waisenknabe. Einmal habe ich als Kind ein Gespräch belauscht, wie er mit Freunden geprahlt hat, wie toll er die fliehenden Zivilisten abgeknallt hat. Er war aber auch in der Familie ein unbarmherziger Mensch. Andererseits hat er in einem abgefackelten entvölkerten Dorf einen Kettenhund (so eine Art Spitzmischling) losgebunden und mitgenommen, eine ganze Weile war das Tier mit der Kompanie an der Front. Auf Fotos kann man sehen, wie sich die Männer freuen. Naja, irgendein Trost in all dem Elend... Die haben den Hund beschützt und durchgefüttert. Bei einem Heimatbesuch hat er ihn dann der Familie mitgebracht. Der Hund ist später mit dem Flüchtlingstreck mitgelaufen, als Beschützer für meine kleinen Tanten, und als mein Opa nach Jahren aus der Gefangenschaft zurückkam, lebte er immer noch bei der Familie. Ich hab noch Fotos. Strange, was?
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Melisah und Flunder, danke für eure sehr offenen Berichte,
      @Flunder, ich denke gerade, als ich das mit dem Frieden schließen las: Vielleicht ist dein Vater der beste Mann gewesen, der ihm unter diesen Umständen möglich war.

      Es ist schrecklich, wie viel menschliches Leid in diesen Familiengeschichten steckt. Bestimmt sind sehr viele der heutigen alten Menschen traumatisiert. In ihrer Jugend wurde ja nicht drüber gesprochen, alle Welt wollte den Krieg vergessen.
      Die Gefühle wurden mit Essen kompensiert. Für meine Oma war der Ausdruck der Liebe die "gute Butter", Süßigkeiten etc. Denn weil sie ihre eigenen Gefühle nicht zeigen durfte, musste sie sie anders ausdrücken. ( Nicht falscjh auffassen: Meine Oma war eine wirklich liebe Frau. Aber Trösten, Mut zusprechen etc. kannte sie nicht, eher etwas Süßes zum Trost).

      Meine Großeltern beiderseits haben ziemlich schnell nach dem Krieg für die französische Besatzungsmacht gearbeitet, mein Opa als Koch und eine Oma als Sekretärin, weil sie zweisprachig war. Eine Groß0tante von mir hat einen Amerikaner geheiratet und ist emigriert.

      Wie gesagt, ich weiß wesentlich mehr über die Nachkriegszeit. Liegt auch daran, dass der Opa, der im Krieg war, gestorben ist, als ich eine Teenagerin war. So kenne ich eher die Sicht der Frauen und der Ausländer, die damals in Deutschland lebten ( ja, die gab es schon, man vergisst das immer). Also eher Geschichten über "Organisieren", "Kohlenklau", Hunger und Bomben, weniger Erlebnisse an der Kriegsfront.

      Ich weiß nicht, wo ich es gelesen habe, dass bei dementen Menschen die Kriegserinnerungen wieder kommen. Und dass das ausgedehnte Kur- und Rehawesen der alten BRD in Wirklichkeit eine Traumabewältigungsmaßnahme gewesen war. Vielleicht sogar in Kriegskinder/Kriegsenkel ?

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Das stelle ich mir schrecklich vor. Bei einer Demenz verschwinden die jüngeren Erinnerungen ja zuerst, und es bleibt als Letztes die Kindheitserinnerung zurück. Oder das, was sich besonders tief in das Neuronennetzwerk eingebrannt hat. Und wenn zum Schluss nur noch das Trauma bleibt?
      Es gibt Kurse für Pflegepersonal, wie man mit kriegstraumatisierten alten Menschen umgeht. Es ist ja für die Pflegerinnen nicht ersichtlich, warum die alte Frau zum Verrecken Todesangst vor der Treppe hat. Es ist nicht die Angst vor der Treppe, oder Höhenangst, sondern vor dem Luftschutzkeller, in dem sie als Kind verschüttet war, und zu dem eine ähnliche Treppe hinabführte.
      Ich kann mir vorstellen, dass das meiste, was uns an alten Leuten "wunderlich" vorkommt, irgendwo eine Ursache hat.

      Im Studium war ich mit Iranern befreundet, die zum Teil gefoltert worden sind. Einer konnte nie allein und nie im Dunkeln sein. Reihum haben wir Nachtwache geschoben, Geräusche gemacht, murmelnd gelernt, damit er schlafen konnte. Wird das mal jemand machen, wenn er alt und dement ist?
      Und was werden die Afrikaner und Syrer, die da aus Seenot gefischt werden, als alte Menschen einmal sehen?
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Meine Omas sind ursprünglich aus Schlesien und Pommern. Sie sind beide durch den Krieg nach Niedersachsen gekommen, wobei ich den Zusammenhang bei meiner schlesischen Oma nicht weiß. Bei der anderen weiß ich, dass die vorrückenden Truppen irgendwann kamen und sie quasi den letzten Zug Richtung Westen erwischt hat, weil ihr ein Soldat gesagt hat, sie solle aufspringen, sonst käme sie nicht mehr weg. Sie hatte vorher auch auf dem Land wohl einen Freiwilligendienst abgeleistet. Ihr Mann war einige Zeit in Kriegsgefangenschaft. Von dem anderen Opa weiß ich auch nichts weiter, außer dass er der Stiefvater meines Vaters war (der richtige hatte sich aus dem Staub gemacht) und wohl auch meine Oma geschlagen hat, bis mein Vater ihn (als er stark genug war) zurückgeschlagen hat und ihm verboten hat, das weiter zu tun. Beide Opas sind in den 70er Jahren gestorben, ich habe sie also nicht mehr kennen gelernt.

      Es sind schon ziemlich wenige Details, die man weiß.
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Ich bin schon angefeindet worden, dass ich zugegeben habe, dass mein Onkel im KZ Wärter war. Aber wenn niemand etwas getan hätte und Hitler unterstützt hätte währe der ganze Alptraum nicht passiert. Totschweigen heißt es unterdrücken und es kommt immer wieder hoch.
    • Vielen Dank dafür, dass einige von Euch mich zur Nachfrage bei den entsprechenden Ämtern bezüglich meines Vater's Vergangenheit ermutigt habt. Gerade habe ich einen Antrag an die WASt (Wehrmachtsauskunftsstelle) und an das BStU (Bundesamt für Stasi-Unterlagen) mit der Bitte um Auskunft gestellt. Ich werde mich aber wohl in Geduld üben müssen, da z.B. die WASt warnt, dass unter Umständen die Antwort 12 Monate oder länger dauern kann.
    • Dieser Beitrag wurde entfernt, da er reichlich Bezug zu aktuellen politischen Fragen enthielt.


      In unserem Forum sind themenfremde Beiträge zu aktuellen politischen Fragen nicht erwünscht, vor allem deshalb nicht, weil wir hinter dem, was auf diesen Seiten steht, stehen können müssen. Und dies kann bei tagespolitischen Beiträgen nicht zwangsläufig gegeben sein.


      Martina

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Martina () aus folgendem Grund: Bitte keine themenfremden politische Fragen erörtern.

    • Mein Beitrag hat mich genug Zeit und Arbeit gekostet. Ich nehme Ihre Entscheidung zur Kenntnis und werde meine Ressourcen künftig anderen zur Verfügung stellen welche diese dringender benötigen. Für die Betreuung ihrer 397 Mitglieder möchte ich Ihnen aber abschließend auf den Weg geben, daß viele Eßstörungen - gerade Magersucht und Binge Eating bzw. Adipositas III - in der Biographie der Patienten begründet liegen die massivst von politischen Entscheidungen der Vergangenheit, und teilweise auch der Gegenwart, beeinflußt ist.
    • Hallo Frau Cortet,

      danke für den link....

      Bewiesen, was man eigentlich weiß.
      Ich hatte immer das Gefühl, daß ich die Traumata, die meine Familie nicht austragen konnte, weil sie mit weiterleben beschäfftigt waren, austrage.

      Ich kam mir wie das Furunkel unseres Familiensystems vor.
      Ich eiterte aus, was meine Ahnen gedeckelt hatten.

      Und diese nie ausgesprochenen Familiengeheimnisse.So ein Kind merkt ja , es stimmt was nicht.Spürt das Schweigen, im Raum..die Tabus...

      Mal ganz davon abgesehen, daß ich den Hunger , den meine Mutter als Kind erlebte immer und immer wieder geschildert bekam..es wurde mir so ein schlechtes Gewissen gamacht, wenn ich nicht essen wollte.
      Ich hatte Glück, gezwungen wurde ich nicht zum Esssen..aber wenn Du mit 5 immer hörst "die armen Kinder in Afrika die verhungern und du willst nicht essen" oder "mir wäre froh gwese, mir hätte ä Rampfe keht im Krieg..do gabs nix"
      Ich mochte keine Brotrampfen.
      Also die Kruste.
      Mein Vater, eiin lieber sanfter Mensch, der Kindern auf Augenhöhe begegnete, duldete das
      Deshalb gibt es nette Fotos, da sieht man , daß ich nur das weiche aus der Brotscheibe aß.

      Eine Geschichte, die ich immer zu hören bekam war die...Meine Mutter,"das waren" 6 kleine Kinder, alle "in den Krieg hienein geboren".
      Sie hungerten.
      Der kleinste Bruder mochte auch keine Brotrampfen und hat sie in besseren Zeiten immer hinter dem Küchenschrank versteckt.
      Als nun Der Hunger "kam" suchte er diese Rampfen und meine Mutter erzählte, wie sie ihen kleinen Bruder immer ausgelacht haben.Weil ihre Mutter die natürlichlängst entsorgt hatte.

      ich hatte immer das Gefühl "mitten dabei zu sein".Diesen Hunger auch zu fühlen.
      Die Verzweiflung vom kleinen Bruder, der war da ja höchstens vier, als er nach dem alten Brot suchte.
    • Liebe wilmastante,


      wilmastante schrieb:

      Ich kam mir wie das Furunkel unseres Familiensystems vor.
      Ich eiterte aus, was meine Ahnen gedeckelt hatten.
      Das ist so ein toller Satz - darf ich den klauen und weiterverwenden?

      wilmastante schrieb:

      Mal ganz davon abgesehen, daß ich den Hunger , den meine Mutter als Kind erlebte immer und immer wieder geschildert bekam..es wurde mir so ein schlechtes Gewissen gamacht, wenn ich nicht essen wollte.

      wilmastante schrieb:

      Ich hatte immer das Gefühl "mitten dabei zu sein".Diesen Hunger auch zu fühlen.
      Die Verzweiflung vom kleinen Bruder, der war da ja höchstens vier, als er nach dem alten Brot suchte.
      Manchmal denke ich, dass wir den Hunger, den diese Generation erleiden musste, "geerbt " haben - nur leben wir in einer Umgebung, in der Essen verfügbar ist - und nun stillen wir den Hunger, der eigentlich unseren Eltern und Großeltern gehört.
      Meine Mama erzählte mir, dass sie dann schon in der Nachkriegszeit von den Amerikanern Kakao und Butterbrötchen bekommen haben - aber alle Kinder waren so unterernährt , dass es ihnen schlecht wurde und sie die ganze Nacht erbrochen haben -
      Kakao und Butterbrötchen , das blieb auch später noch ein Synonym von Liebe.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken