Von Schuld und Geld

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    • Von Schuld und Geld

      Der kluge Doktor, der auch Kolumnist der Frankfurter Rundschau ist, hat wieder einmal ein paar bemerkenswerte Gedanken aufgeschrieben. Diesmal zum Thema selbst verschuldete Krankheiten.

      Nachzulesen hier.

      Der letzte Absatz, in dem es heißt,
      Wir Ärzte müssen alle Patienten, die selbst an ihrer Krankheit schuld sind, ab 1. Januar 2008 "melden".
      hat mich aber dann doch schockiert. Ich hatte nicht im Kopf, dass das so schnell schon greift. Da möchte ich kein Arzt sein. Allerdings auch kein Patient.
    • O.k. - aber dann muss sich meine Krankenversicherung leider damit abfinden, dass ich sie kündige. Da ich vermutlich an allen meinen Krankheiten selbst schuld bin (bestenfalls abgesehen von meiner Sehschwäche, aber für die zahle ich auch noch Aufschläge, darauf kann ich auch gerne verzichten), brauche ich meine Versicherung dann auch nicht mehr. Und da die Herrschaften nach wie vor mehr an mir verdienen, als sie für mich ausgeben, bin ich gespannt, wie das ausgehen wird.
    • Ich habe jetzt mal ein bisschen recherchiert. Das hier ist der § 294a SGB V in seiner derzeitigen Fassung. Hier ist ein Zeit-Artikel zu dem Thema vom 2. Oktober und ein bitterböser Kommentar vom 5. Oktober, in dem von Demokratie-Erosion die Rede ist und ein Prinzip angesprochen wird, das speziell uns hier schon länger nicht fremd ist.
      "Krankheit" wird potenziell mit "Schuld" identifiziert, und um innerhalb dieses Zusammenhangs die Spreu vom Weizen zu trennen, bedarf es einer perfiden Form von Selektion.
      Quelle: Die Zeit, Juli Zeh, Vom Sozialstaat zum Kontrollsystem, 05.10.07


      Wir hatten das Thema um etwa dieselbe Zeit auch schon mal.

      Inzwischen sind zwei Monate vergangen. Ich konnte nichts zum momentanen Stand der Dinge finden. Das Kabinett hat den Gesetzentwurf wohl beschlossen, aber durch's Parlament scheint er noch nicht zu sein.
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    • Meine grauen Zellen wecken in mir jetzt ein wenig die alte verschwommene Erinnerung an Orson Well´s "1984" (Buch/Film), wo es um den absoluten Überwachungsstaat geht. Also ich denke, da driften wir mit Riesenschritten hinein.

      Möglich, daß jedes Wort, das ich jetzt in die Tastatur haue, vom Staatsschutz registriert wird, weil ich seit meiner CDU-kritischen E-Mail mit Herrn Volker Kauder aus dem letzten Jahr höchstwahrscheinlich als Staatsfeind gelte und der Schäuble-Überwachung ausgesetzt bin. Aber das ist mir wurscht!

      Für die Zukunft unserer Demokratie sehe ich schwarz. Bald werden wir wohl so etwas wie eine demokratische Diktatur erleben, die in einen totalitären Staat übergeht.

      Gute Nacht, Deutschland!

      Manfred

      Hinter dem Horizont geht´s weiter (Udo Lindenberg)
    • klein und fein schrieb:

      Meine grauen Zellen wecken in mir jetzt ein wenig die alte verschwommene Erinnerung an Orson Well´s "1984" (Buch/Film), wo es um den absoluten Überwachungsstaat geht. Also ich denke, da driften wir mit Riesenschritten hinein.

      )


      ich denke, Du meinst George Orwell.

      Im groben sind wir schon alle erfasst. Jetzt geht es an die Feinarbeit.

      toni
    • Wo will man schließlich die Grenze ziehen? Wenn ich als Nichtraucherin Lungenkrebs bekomme, bin ich dann auch selbst schuld, weil ich kein hermetisch abgeschlossenes Leben geführt habe? Wenn ich mit den Folgen eines Autounfalls zum Arzt gehe, bin ich selbst schuld, weil ich ja nicht am Straßenverkehr teilnehmen muss? Wenn ich aufgrund einer verschimmelten Wohnung krank werde, bin ich selbst schuld, weil ich längst hätte umziehen können, auch wenn mir de facto das dafür Geld fehlt?

      Wird das irgendwann vom vorhandenen oder fehlenden Wohlwollen des Arztes abhängen, wie die Ursachen von Krankheiten interpretiert werden?
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    • Heute gibt es bereits einen Leserbrief dazu - in diesem Fall der Kommentar des Vorstandsvorsitzenden der TKK.

      Zu finden hier.

      Laut "Deutsches Ärzteblatt" ist es so, dass die Pflicht, die Kosten für selbst verschuldete Krankheiten selbst zu tragen, bereits gilt, die Meldepflicht von Ärzten dagegen noch - zusammen mit der Pflegereform - verabschiedet werden muss. Dann aber geht es ganz schnell ...
    • Ich finde es interessant, dass ein Vertreter der Krankenkassen auch so seine Probleme mit dieser Idee hat.

      Ich habe die Sache für mich mal gedanklich weiter gesponnen. Wie soll das denn praktisch aussehen? Gehen wir mal von uns als Übergewichtige aus. Wir stehen ja nun mal per se unter Generalverdacht. Allerdings, und das wissen wir hier ja besonders gut, gehen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Übergewicht ja sehr weit auseinander, d.h. man ist also sehr stark davon abhängig, wie der jeweilige Arzt darüber denkt.

      Nehmen wir also mal an, ich gehe mit einem Fersensporn zum Arzt und der Arzt ist der Auffassung, der Fersensporn ist Folge meines Übergewichts, das er für selbst verschuldet hält. Was macht er dann? Sagt er mir, dass er das nun der Krankenkasse melden wird oder wird er das hinter meinem Rücken tun?

      So oder so, entsteht für mich als Patientin in dieser Situation ein unkalkulierbares finanzielles Risiko, d.h. ich weiß gar nicht, was da auf mich zukommen kann.

      Für mich wäre die Konsequenz, sollte dieses Gesetz tatsächlich wahr werden, dass ich zum Arzt gehe, ihm sage, ich habe das und das. Schätzen Sie das als Folge meines Übergewichts ein? Werden Sie das als selbstverschuldet der Krankenkasse melden? Wenn ja, werde ich einen Kostenvoranschlag des Arztes verlangen. Wenn nein, will ich das schriftlich. Wenn das jeder machen würde (und das wäre meines Erachtens unser gutes Recht, denn wir müssen wissen dürfen, was da finanziell auf uns zukommt), würde das in einem Bürokratiechaos enden. Passiver Widerstand vom Feinsten.

      Ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass es genügend Interessensverbände geben wird, die gegen dieses Gesetz vor Gericht ziehen werden. Ich halte es für praktisch nicht durchführbar. Und falls doch, sollte man es eben wie oben beschrieben künstlich verkomplizieren.

      Martina
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    • Martina schrieb:

      Ich bin ziemlich fest davon überzeugt, dass es genügend Interessensverbände geben wird, die gegen dieses Gesetz vor Gericht ziehen werden. Ich halte es für praktisch nicht durchführbar. Und falls doch, sollte man es eben wie oben beschrieben künstlich verkomplizieren.

      Also, ich denke auch, es ist in letzter Konsequenz nicht möglich, das Gesetz umzusetzen. Wie der Herr von der TK schon schreibt - es ist schier unmöglich, eine Grenze zu ziehen. Dein vorgeschlagener "bürokratischer Widerstand" ist eine gute Idee.

      Für mich (und sicher für viele andere auch) würde es sich im Grunde dann auch nicht mehr lohnen, 600 Euro Krankenversicherung im Monat zu bezahlen. Das bisschen, was dann noch "unverschuldet" behandelt werden würde, könnte ich locker davon finanzieren. Massenhafte Kündigungen von freiwillig und privat Versicherten müssten die Folge sein.