Ist das der Preis?

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    • Ist das der Preis?

      Heute habe ich mich zum Frühstück in einem Café mit einer ehemaligen Kollegin getroffen, mit der ich bis Sommer 2004 zusammengearbeitet habe. Ich hatte sie mehr als ein halbes Jahr nicht mehr gesehen und mich auf das Frühstück sehr gefreut.

      Sie ist gerade 40 geworden, schlank (mit einem „ausgeprägten Po“) und muss dafür hart arbeiten. Sprich, sie geht nahezu täglich joggen und isst nichts ohne vorher darüber nachzudenken, ob sie es sich „leisten kann“. Für mich wäre das nichts, aber ich akzeptiere, dass sie es so macht wie sie es für sich für richtig hält. Sie spricht immer wieder davon, dass sie sich mit 10 kg mehr „einfach nicht wohlfühlt“ und deshalb ständig kämpft.

      Soviel zum Verständnis der folgenden Geschichte.

      Nachdem wir zwei Stunden fröhlich bis heiter über dies und das und jenes geplaudert hatten, entspann sich (ungefähr - etwas gekürzt) folgender Dialog:

      Sie: Hast du eigentlich irgendwann nochmal eine Diät gemacht? Ach nein, du machst ja keine mehr.

      Ich: Nein, ich habe nach 30 Jahren Diäten und ewigem Hungern vor zehn Jahren damit aufgehört. Seit einigen Monaten ist mein Gewicht jetzt endlich stabil, und ich nehme nicht mehr zu. Das ist für mich schon ein großer Erfolg. Bewegen muss ich mich schon auch, aber ich mache das im Rahmen dessen, was mir gefällt und was ich zeitlich hinkriege ... also 2mal die Woche Wassergymnastik und ab und zu mal 1000 Meter Schwimmen oder mal eine Stunde Nordic Walking.

      Sie: Aber du kannst mir doch nicht sagen, dass du dich so wohlfühlst.

      Ich: Es ist mal so und mal so. Natürlich würde ich gern weniger wiegen und beweglicher sein, aber ich bin einfach nicht mehr bereit zu hungern. Und mein Stoffwechsel ist inzwischen so verkorkst, dass ich nicht mehr nennenswert abnehme, wenn ich nicht hungere und massiv Sport treibe. Dazu bin ich aber nicht bereit.

      Sie: Das glaube ich dir nicht.

      Ich: Was glaubst du nicht?

      Sie: Dass du nicht abnimmst, ohne zu hungern.

      Ich: Entschuldigung, ich kenne meinen Körper jetzt echt schon sehr lange, und ich weiß sehr gut, wie er funktioniert. Und es ist nun mal so, dass ich in meinem Alter und mit meiner Vorgeschichte plus der Schilddrüsenproblematik nur noch wirklich abnehme, wenn ich mein Essen massiv einschränke – sprich hungere.

      Sie: Ach, das ist doch Quatsch, du musst nur ... essen und ... weglassen und ...

      Ich: Hey, ich werde echt sauer, wenn mir jemand versucht meinen Körper zu erklären. Außerdem habe ich keine Lust mich zu rechtfertigen.

      Sie: Dass du so heftig reagierst, zeigt ja nur, dass du ein Problem mit dir hast.

      Ich: Nein, ich habe ein Problem damit, dass mir jemand – egal wer – erzählen will, wie mein Körper funktioniert und mir erzählen will, ich müsse doch „nur“ dieses oder jenes tun, um abzunehmen!

      Sie: Ich habe keine Lust, mich von dir so anmaulen zu lassen, nur weil ich mal was sage.

      Ich: Und ich habe keine Lust, mir erklären zu lassen, wie ich funktioniere oder funktionieren muss. Das habe ich lange genug in meinem Leben gehabt. Es reicht.

      Schweigen.

      „Wir zahlen bitte.“

      Wortloses getrenntes Bezahlen.
      Abgang nach draußen.

      „Schönen Tag noch.“
      „Danke gleichfalls“.

      -Ende-


      P.S. Wir sind immer wieder mal aneinandergeraten, aber das war heute so heftig, dass ich glaube, das war’s. Und es tut mir noch nicht mal leid.

      Ist das der Preis, den ich zahle?
    • Sally schrieb:

      Ist das der Preis, den ich zahle?


      Wofür?

      Für ein ehrliches Wort unter Freunden, wobei eine echte Freundschaft das aushalten können müßte, oder für ein normales Leben ohne dauernde Rechtfertigungen?
      Beides sollte möglich sein, ohne daß dafür etwas gezahlt werden muß (in welcher Währung auch immer).

      Scheinbar hatte Deine Freundin/Bekannte selbst ein Problem, denn sonst hätte sie nicht so heftig auf Deine Entgegnungen reagiert. Was hat sie erwartet?
    • Es gibt da einen schönen Spruch - und ich habe leider vergessen, wem er zugeschrieben wird! -:

      "Mit jedem Tag erhöht sich zwangsläufig die Zahl derer, die mich am Ar..h lecken können!"

      Glaubst Du etwa, jemand, der so intensiv um seinen Formerhalt kämpfen muss, kann es ertragen, dass Du anders agierst? Jedes Milligramm Butter auf Deinem Croissant stellt ihre Welt infrage.

      Eine Enttäuschung hat durchaus etwas Positives - sie bedeutet, dass frau vorher einer Täuschung erlegen war!

      stübbken
    • Ich sehe nicht dass DU den Preis zahlst, den zahlt aus meiner Sicht Deine Bekannte. Sie wird evtl in Zukunft auf Deine bestimmt sehr interessante Gesellschaft verzichten müssen.

      Es ist in meinen Augen das alte Lied und das immer gleiche Spiel und Du hast es ihr ja auch im Gespräch leider vergeblich zu vermitteln versucht: niemand gibt ihr das Recht sich in Dein Leben einzumischen, Dir ungefragt Ratschläge in Angelegenheiten zu geben von denen sie offenbar keine Ahnung hat (über die Du aber meines Erachtens sehr gut informiert bist) und auch trotz Hinweis damit nicht aufzuhören. Schliesslich tust Du es umgekehrt doch auch nicht wenn ich das richtig verstanden habe? Würde gerne mal hören was sie sagt wenn du umgekehrt in so einer Weise reden würdest.

      Fehler war vielleicht ihr Erklärungen zu geben. Das hättest Du Dir sparen können, da war jedes Wort zu viel. Denn solchen Leuten liefert man dann leider immer noch Futter für weitere "Hilfestellungen". Aber mir passiert das meistens auch. Man sollte solche Gespräche einfach abbrechen und das Thema wechseln damit es nicht so endet wie nun leider bei Dir. Hinterher bin ich auch meistens schlauer wenn ich mich, was zum Glück selten passiert, auf dieses Thema eingelassen habe.

      Sind wir irgendjemandem ausser uns selbst Rechenschaft schuldig?
    • ärgerlich, wenn jemand keine grenzen respektieren kann. ich finde das übergriffig, wenn sie sätze sagt wie "das kannst du mir nicht erzählen" und überhaupt nicht zuhört. was ist denn das für ein ton? du bist doch kein kind.
      hast du gut gemacht, die brauchst du echt nicht.
    • diesen oder einen ähnlichen Dialog führe ich im Moment mal wieder fast täglich.
      Allerdings handelt es sich bei meinem Gesprächspartner nicht um eine Freundin, sondern um so was wie mein schlechtes Gewissen.
      Ich würde so gerne 10-15 kilo weniger wiegen, weil ich weiß das ich mich dann wieder besser bewegen kann, das ich weniger Schmerzen habe und das mir alles einfach viel leichter fällt.
      Aber ich weiß genau so gut das es nicht das Problem ist 15, ja selbst 20 Kilo abzuspecken.
      Das Problem ist, ich kann das nicht halten...
      ...dazu kommt noch der böse JoJo und das bedeutet bei mir etwa noch 5 Kilo mehr als jetzt.
      Aber so wie es jetzt ist, ist es auch blöd...
      ...blöd beim aufstehen immer das Gesicht zu verziehen weil es einfach weh tut.
      ...blöd das mir nach ner Weile Laufen die Knie weh tun.
      ...blöd das ich das Gefühl habe mir selber Platz weg zu nehmen.
      ...blöd das mein Bauch inzwischen oft im Weg bei irgendetwas ist.
      ...blöd das ich durch solche Dinge ständig darüber nachdenke, das ich zu dick bin.
      Ich habe auch Angst das diese Einschränkungen immer schlimmer werden.
      Ich möchte nicht darüber nachdenken ob ich es schaffe einen ganzen Nachmittag zu shoppen oder ob ich fit genug bin mit Freunden einen Waldspaziergang zu machen.

      Aber ich will auch keine Diät mehr machen...
      ...ich hab einfach Angst das ich dadurch nur immer dicker werde.
      (das war bisher immer so!)
      :hilfe::bigschrei:flenn:

      Ich will die Fee mit den 3 Wünschen!

      Mania immer noch schnabelig
    • Ich sehe nicht dass DU den Preis zahlst, den zahlt aus meiner Sicht Deine Bekannte. Sie wird evtl in Zukunft auf Deine bestimmt sehr interessante Gesellschaft verzichten müssen.


      Genau das ahabe ich spontan auch gedacht!


      ....Aber ich will auch keine Diät mehr machen...
      ...ich hab einfach Angst das ich dadurch nur immer dicker werde.


      Ich glaube daran, dass mein Körper irgendwann merkt:

      "Oh... es gibt gar keine Hungersnöte mehr. Da kann ich ja mal einfach so langsam wieder anfangen, normal zu funktionieren..."

      Nach so vielen Fehlversuchen (Diäten) in so langen Jahren, will ich einfach meinem Körper die Zeit geben.
      Und in der Zwischenzeit werde ich mich so gut und so viel bewegen und so "vernünftig" essen, wie ich es kann, ohne mich und meinen Körper zu kasteien. Das hat er nach dem ganzen Murks wirklich verdient!:-o
    • Sally schrieb:


      Ist das der Preis, den ich zahle?


      Ich fürchte ja. Der Preis für ein selbstbestimmtes Leben, in das man sich nicht ungefragt hineinreden läßt. Der Preis für den Anspruch, selbst am besten zu wissen, was einem gut tut und der Preis für Akzeptanz ohne Erklärungen oder Entschuldigungen.

      Und da gehen sie hin, die Familienmitglieder, Freunde, Ärzte und Kollegen, die damit einfach nicht leben können.

      Bitter ist es, wenn man - wieder mal - feststellen muss, dass man sich in jemanden getäuscht hat.

      Ich zahle auch gerade.
    • madita schrieb:

      Fehler war vielleicht ihr Erklärungen zu geben. Das hättest Du Dir sparen können, da war jedes Wort zu viel. Denn solchen Leuten liefert man dann leider immer noch Futter für weitere "Hilfestellungen".


      Ja, das ist mir dann hinterher auch aufgegangen. Und ich habe mich noch über mich selbst geärgert, weil ich wieder drauf reingefallen bin. Sowie irgendeine Bemerkung in Richtung Gewicht fällt, verfalle ich in eine Art Verhaltensstarre - die dann heißt Rechtfertigung. Pawlow lässt grüßen.

      madita schrieb:

      Man sollte solche Gespräche einfach abbrechen und das Thema wechseln damit es nicht so endet wie nun leider bei Dir.


      Ich habe als letzte Notlösung, bevor es zum Bruch kam, dann noch vorgeschlagen, das Thema zu wechseln. Darauf sagte H., "dann mache ich mir nächstes Mal eine Liste, bevor wir uns treffen, welche Themen ich auf keinen Fall anschneiden darf, ja?".
      Das war's dann für mich. :mad:

      madita schrieb:

      Sind wir irgendjemandem ausser uns selbst Rechenschaft schuldig?
      Eben nicht - genau das war auch der Grund für meinen Ärger. Und was mich noch mehr geärgert hat: Diese sofortigen küchenpsychologischen Erklärungsversuche aus der Reihe "man merkt ja, dass du ein Problem hast, sonst würdest du dich nicht aufregen".

      Itsme schrieb:

      Und in der Zwischenzeit werde ich mich so gut und so viel bewegen und so "vernünftig" essen, wie ich es kann, ohne mich und meinen Körper zu kasteien. Das hat er nach dem ganzen Murks wirklich verdient!:-o

      So isses.

      Stadtmadl schrieb:

      Ich fürchte ja. Der Preis für ein selbstbestimmtes Leben, in das man sich nicht ungefragt hineinreden läßt. Der Preis für den Anspruch, selbst am besten zu wissen, was einem gut tut und der Preis für Akzeptanz ohne Erklärungen oder Entschuldigungen.


      Ja, das habe ich befürchtet.

      Glücklicherweise erlebe ich sowas nicht oft. Genauer gesagt, es ist das erste Mal seit Jahren.

      Danke für euer Verständnis.
      Das tut gut an einem Tag wie diesem.

      P.S. Und die Fee mit den drei Wünschen würde ich auch nicht rauswerfen. :cool2:
    • Sally,

      erst mal voraus: Du hast absolut das Richtige gemacht!

      Als ich das Posting gelesen hab musste ich laut lachen (trotz absolut allen Verständnisses für Deinen Ärger) und hab mich gefragt: Woher kennst denn Du meine Tochter. ..?

      Die Reaktion ist das Unverständnis eines Kontrollfreaks auf jemanden der sich zutraut diese Kontrolle zu unterlassen und bei dem es (welch Ärger) auch noch funktioniert. Wenn sich der ganze Lebensinhalt dieser Frau um die Vermeidung von Essen dreht, wieso kannst den Du dir das leisten diesen Druck nicht auch zu verspüren..... ?

      Lieben Gruss
      mica
    • So ähnliche Gedanken, wie Mica sie beschreibt, gingen mir hierzu gestern im Bett (!) durch den Kopf.

      Sie ist gerade 40 geworden, schlank (mit einem „ausgeprägten Po“) und muss dafür hart arbeiten. Sprich, sie geht nahezu täglich joggen und isst nichts ohne vorher darüber nachzudenken, ob sie es sich „leisten kann“. Für mich wäre das nichts, aber ich akzeptiere, dass sie es so macht wie sie es für sich für richtig hält. Sie spricht immer wieder davon, dass sie sich mit 10 kg mehr „einfach nicht wohlfühlt“ und deshalb ständig kämpft.


      "Sie geht jeden Tag joggen"...
      "isst nicht, ohne vorher darüber nachzudenken"...
      "kämpft ständig"...

      Ich weiß noch wie das ist!
      In alles spielt dieses Thema hinein. Es ist tatsächlich ein ständiges Kämpfen und Ringen. Es bestimmt enorm viel von allem Denken.
      Es ist wirklich so etwas wie eine Weltanschauung -
      und der Kampf um das äußere Erscheinungsbild ist fast wie eine Religion.

      Und dann kommt da jemand, der äußerlich so gar nicht dem entspricht, was doch der Nabel der Welt ist und sagt auch noch, das er sich wohl fühlt.
      Das darf nicht sein! Das kann nicht sein! Das bringt alles Denken durcheinander!

      Mittlerweile bin ich so weit, nicht mehr (mit Dir) wütend auf diese Person zu sein, sondern ich bin so weit, dass sie mir sehr sehr leid tut!

      Du hast ihr mühsam aufgerichtetes Gebäude, welches sie Stein für Stein gebaut hat, mit ein paar Sätzen zum Einsturz gebracht. Du hast gezeigt, das ihre Wahrheit, nicht Deine Wahrheit ist. Das verletzt und schmerzt sie und macht sie wütend und sie kann den Gedanken, Du könntest Recht haben, nicht zulassen, weil ja sonst all ihr Streben, alle ihre Bemühungen, all, - oder ein sehr großer Teil ihres Lebensinhaltes sinnlos wäre.

      Was soll denn dann dieses große Loch füllen?

      Nein, sie muss dagegen an gehen. Sie muss sich und ihre Einstellung verteidigen, denn sie sieht ja die Alternative (den anderen Weg) nicht.
      Sie kennt ihn ja gar nicht.

      Ich stelle mir das so vor:
      Man hat jemanden in den Krieg geschickt und hat ihm vorher sehr eindringlich klar gemacht, dass das, wofür er kämpfen soll, das einzig Wahre im Leben ist.
      Nun kämpft er mit seinem ganzen Herzen, mit all seiner Kraft, mit allem Mitteln, die er nur hat, für die "gute Sache".
      Er verzichtet dafür auf so vieles:
      einen großen Teil seiner Lebensfreude, einen großen Teil seiner Freiheit, einen großen Teil seiner Selbstbestimmung.
      Alles für die "gute Sache!

      Und dann kommt da jemand und sagt, er lebe ohne diesen Kampf zu kämpfen und er habe für sich verstanden, dass dieser Kampf vollkommen sinnlos ist. Und darum habe er auch kein schlechtes Gewissen, an diesem Kampf nicht teil zu nehmen. Und es gehe ihm sehr gut damit....

      Der Kämpfer muss sich betrogen, belogen, verar.... vorkommen.
      Er muss glauben, das sein Kampf einen Sinn hat, denn sonst hat er ja alles umsonst getan, auf alles umsonst verzichtet. Er würde wahrscheinlich zusammen klappen, würde er zulassen, zu glauben, dass er alle seine Zeit, seine Kraft, sein Engagement für NICHTS verschleudert hat.

      Insofern:
      Ich habe mittlerweile Verständnis für die Reaktion der Freundin.
    • Ich denke auch, Sally, dass Du das Richtige gemacht hast. So hart es ist, auf Personen, die sich Freunde nennen und trotzdem nicht respektieren, was Du für Dich als gut und richtig herausgefunden hast, kannst Du wirklich verzichten. Das Leben ist Kampf genug. Du brauchst nicht noch "Freunde" vor denen Du Dich rechtfertigen musst.

      madita schrieb:

      Fehler war vielleicht ihr Erklärungen zu geben. Das hättest Du Dir sparen können, da war jedes Wort zu viel. Denn solchen Leuten liefert man dann leider immer noch Futter für weitere "Hilfestellungen". ...
      Sind wir irgendjemandem ausser uns selbst Rechenschaft schuldig?
      Nun ja ... grundsätzlich gebe ich Dir ja recht. Aber man ist nunmal in solchen Situationen nicht so abgeklärt, dass man Angriffe, mit denen man nicht gerechnet hat, einfach so abprallen lässt. Wenn ich zum Arzt oder zu einem Vorstellungsgespräch gehe, bin ich von vornherein auf dumme Sprüche gefasst und habe mir schon eine passende Antwort zurecht gelegt, die ich dann gar nicht brauche, weil nichts kommt. Aber wenn ich mich mit einer alten Freundin treffe, gehe ich das ungewappnet und somit schutzlos an.

      Sally schrieb:

      Ich habe als letzte Notlösung, bevor es zum Bruch kam, dann noch vorgeschlagen, das Thema zu wechseln. Darauf sagte H., "dann mache ich mir nächstes Mal eine Liste, bevor wir uns treffen, welche Themen ich auf keinen Fall anschneiden darf, ja?".
      Das finde ich ziemlich dreist von ihr. Wenn sie wirklich eine Freundin ist, hat sie ein natürliches Gespür dafür, welche Themen sie vielleicht meiden sollte.

      Itsme schrieb:

      "Sie geht jeden Tag joggen"...
      "isst nicht, ohne vorher darüber nachzudenken"...
      "kämpft ständig"...

      Ich weiß noch wie das ist!
      In alles spielt dieses Thema hinein. Es ist tatsächlich ein ständiges Kämpfen und Ringen. Es bestimmt enorm viel von allem Denken.
      Es ist wirklich so etwas wie eine Weltanschauung -
      und der Kampf um das äußere Erscheinungsbild ist fast wie eine Religion.

      Und dann kommt da jemand, der äußerlich so gar nicht dem entspricht, was doch der Nabel der Welt ist und sagt auch noch, das er sich wohl fühlt.
      Das darf nicht sein! Das kann nicht sein! Das bringt alles Denken durcheinander!
      Das sehe ich auch so Itsme, allerdings fehlt mir das Verständnis für die Freundin. Wir sind doch keine Teenager mehr, die sich gegenseitig mit ihren Pickeln beeindrucken müssen. Da sitzt sie einer attraktiven, selbstbewussten, berufstätigen, allein erziehenden Mutter gegenüber und ihr ganzer Neid entlädt sich in deren Figur und darin, dass die tolle Frau isst, worauf sie gerade Lust hat? Kann irgendwie nicht sein. Der Hintergrund ist klar, aber nicht Sally ist diejenige, die Verständnis haben sollte, sondern H. diejenige, die sich mal einen guten Therapeuten suchen sollte.
      [CENTER]Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
      [SIZE=1](Søren Aabye Kierkegaard)[/SIZE]
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    • Ihr sprecht alle von Freundin und ich dachte schon, was hat die Sally für komische Freundinnen, da braucht sie sich nicht wundern... :eek:
      Es handelt sich gottseidank um eine ehemalige Kollegin, also emotional auch viel leichter ad acta zu legen.
      Und in ein paar Wochen beim Drandenken laut los "hahachen" (bevorzugt nachts im Bett, sodass man Angst hat, wenn man gehört wird eingeliefert zu werden).

      Manchmal muss man solche Erfahrungen machen um wieder ein bißchen Langmut und Demut für normale Menschen zu kriegen und zu wissen, was man an manchen Leuten hoch schätzen sollte.
    • Solche Leute kenn ich auch zur Genüge. Die Sache ist die, daß sie einfach kein Einfühlungsvermögen haben. Für sie wäre es das Schlimmste auf der Welt dick zu sein, also nehmen sie an daß es für alle Dicken die reine Hölle auf Erden sein muß. Es übersteigt ihre Vorstellung daß jemand in dem "Zustand" glücklich sein kann. Sie wissen nur wie sie sich selbst fühlen und alles andere "gibt´s einfach nicht" bzw sie können sich einfach nicht vorstellen daß andere Leute sich auch anders fühlen!

      Mir ist es sogar mal passiert da hat eine extrem dünne Frau auf einer Party (in Mini und Netzstrumpfhose) zu mir gesagt: "Es ist bestimmt schwer einen Freund zu finden wenn man so aussieht. Du mußt so einsam sein." Das zeigt nur wovor sie Angst hat bzw wie sie sich ihre Welt konstruiert hat: dünn= super, Erfolg bei Männern, viele Freunde
      dick= häßlich, einsam, Männer übersehen einen

      Solche Leute denken ihre Sichtweise auf Dinge ist die einzige die es gibt. Dafür müßten sie einem eigentlich wirklich leid tun, weil sie ein sehr eindimensionales Leben führen. Man muß ja eine andere Sichtweise gar nicht unbedingt VERSTEHEN aber wenigstens die MÖglichkeit einräumen dass eine andere Sichtweise EXISTIERT. Man muß es ja nicht genauso sehen, aber wenigstens kapieren daß jemand anders eine andere Sichtweise hat und das es nicht eine allgemeine "Wahrheit" gibt, die für alle Menschen gilt.
    • Also eigentlich glaub ich nicht, dass sowas schlimm ist. Eine richtige Freundschaft hält was aus. Du bist nicht ganz glücklich mit Deinem Gewicht. Sie ist offensichtlich nicht ganz glücklich, dass sie für Ihr (Normal)gewicht so viel tun muss. Nun habt Ihr Euch gegenseitig mal Euren Standpunkt erklärt und das wars. Vielleicht könnt Ihr beim nächsten Treffen schon wieder drüber lachen. :cool3:
    • Midori schrieb:

      Also eigentlich glaub ich nicht, dass sowas schlimm ist. Eine richtige Freundschaft hält was aus. Du bist nicht ganz glücklich mit Deinem Gewicht. Sie ist offensichtlich nicht ganz glücklich, dass sie für Ihr (Normal)gewicht so viel tun muss. Nun habt Ihr Euch gegenseitig mal Euren Standpunkt erklärt und das wars. Vielleicht könnt Ihr beim nächsten Treffen schon wieder drüber lachen. :cool3:

      Nein, so wird es ganz sicher nicht sein.
      Sie ist, wie ich oben geschrieben habe, eine ehemalige Kollegin, also alles andere als eine "richtige Freundin" (du hast Recht, eine richtige Freundschaft hält sowas aus ... allerdings habe ich solche Erlebnisse auch mit meinen engsten - schlanken - Freundinnen, die ich teilweise seit über 20 Jahren kenne, nie erlebt). Sehr nahe sind wir uns nie gewesen, aus verschiedenen Gründen.

      Sie hat mir noch eine Mail geschickt und sich dafür entschuldigt, dass sie offenbar bei mir eine Grenze überschritten habe, aber auch nochmal betont, dass sie bei mir eher einen Eindruck von Resignation habe, nicht von Selbstakzeptanz. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.

      Ich habe mich für Mail und Entschuldigung bedankt und gebeten, es jetzt einfach mal dabei zu belassen.
    • Tja, eine Entschuldigung.

      Ich frage mich immer, wenn diese nach einer beleidigenden oder verletzenden Meinungsäußerung kommt, ob die ehrlich ist? Häufig in Medien beobachtet, wenn irgend ein bekannter Mensch eine Entgleisung von sich gegeben hat, zu was auch immer, dann wächst der öffentlicher Druck und irgendwann kommt die Entschuldigung. Ob sich derjenige aber nur wegen des Drucks entschuldigt oder aber wegen der Einsicht, hier tatsächlich eine falsche Ansicht gehabt zu haben, die er nun für sich korrigiert hat???

      Auf den Allehol kann man so was auch nicht schieben - schon die alten Römer sagten ja: in Vino veritas.

      Bei mir bleib bei solchen Entschuldigungen immer irgendwie ein blöder Nachgeschmack und die Frage, ob man da nicht die wahre Einstellung eines Menschen gesehen hat, die er sich nur nicht immer oder überhaupt traut zu zeigen.
    • Kubalibre schrieb:

      Bei mir bleib bei solchen Entschuldigungen immer irgendwie ein blöder Nachgeschmack und die Frage, ob man da nicht die wahre Einstellung eines Menschen gesehen hat, die er sich nur nicht immer oder überhaupt traut zu zeigen.

      Genau das ist der Grund, warum ich mich zurückziehen möchte.
      Der Tenor der Mail war: Ich entschuldige mich dafür, dass ich dir auf die Füße gelatscht bin, aber meine Meinung bleibt unverändert.
    • Wenn mir jemand sagt: "Das nehme ich dir nicht ab", "Das bildest du dir nur ein", "Du machst dir bloß etwas vor", dann nimmt diese Person mich offensichtlich nicht für fünf Cent ernst.

      Ich bin nun einmal lieber mit Menschen zusammen, die mich ernst nehmen. Das ist kein "Preis", sondern die logische Konsequenz. Das tut nicht wirklich weh!
    • Offensichtlich fehlte es in dieser Freundschaft am nötigen Respekt, wenn der nicht da ist, kann man es völlig vergessen. Dann hat man vielleicht eine loese Bekanntschaft aber keinen Freund / Freundin.
    • Du solltest den Rat deiner Freundin ernst nehmen:weniger essen und mehr Sport machen!Da hat sie vollkommen recht,denn du bist ja nur dick,weil du zu bequem bist!Das was du ihr gesagt hast ist nur eine faule Ausrede!Du kannst froh sein solche Freunde zu haben...

      LG Frederike