Mutter einer dicken Tochter

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    • Ja, solche Schulbücher haben unsere Kinder auch!!!
      Und nicht nur in Mathe war das Gewicht schon Thema:

      In Bio hat die Lehrerin meines Sohnes letztes Jahr ellenlange Vorträge über Cholesterin gehalten und wie gefährlich das ist, und hat mit den Kindern Listen von gesunden und "ungesunden" Lebensmitteln erstellt (bilden die sich eigentlich nie weiter??? Hab dann zuhause "Gegenpädagogik" gemacht :-D).

      In einem Englisch-Übungsheft meiner Tochter sollten if-Sätze geübt werden. Da standen dann so Sachen drin wie: Wenn Paul weiterhin so viel isst, dann wird er dick und sehr krank werden usw. :rolleyes:

      Sally schrieb:

      In der Klasse (vor allem beim Sport) wird ihr immer wieder gesagt, sie sei dick, habe einen dicken Bauch etc. - vor allem von Mädchen, die einen Kopf kleiner und sehr zierlich sind.


      Genau das durfte sich meine Tochter (12) auch schon anhören, obwohl sie auch schlank und sehr sportlich ist. Ich merke es immer daran, dass sie so komische Fragen stellt wie z. B. "Mama, sehen meine Oberschenkel beim Sitzen dick aus?" Weil ich weiß, dass sie von alleine nie auf so blöde Ideen kommen würde, frage ich dann nach, und jedes Mal erzählt sie dann, dass wieder so ein Spruch gekommen ist. Da könnte ich :schrei2: ! Ich steuere natürlich dagegen, aber verunsichert ist sie schon.

      Mein Sohn, dessen eigenes Gewicht "außer Zweifel" steht, weil er nämlich sehr dünn, eigentlich schon mager ist, darf sich dann in der Schule Sachen anhören wie "Deine Mutter ist eine f***e S**!". Und daran scheint sich niemand zu stören, sowas ist anscheinend völlig in Ordnung. :mad:
    • Lea schrieb:

      Mein Sohn, dessen eigenes Gewicht "außer Zweifel" steht, weil er nämlich sehr dünn, eigentlich schon mager ist, darf sich dann in der Schule Sachen anhören wie "Deine Mutter ist eine f***e S**!". Und daran scheint sich niemand zu stören, sowas ist anscheinend völlig in Ordnung. :mad:

      Ja, davon kann ich auch ein Lied singen. Als ein Junge im Religionsunterricht (!!) meine Tochter mal (laut) gefragt hat, wie man eine so f***e S** wie mich nur liebhaben könne und sie daraufhin geweint hat, ist die offenbar überforderte junge Lehrerin einfach darüber hinweggegangen, und auf einen entsprechenden ausführlichen Brief (in dem ich angeregt hatte, das Thema "wen liebe ich eigentlich und warum" doch im Religionsunterricht mal anzusprechen) an Lehrerin und Direktor habe ich nie auch nur ansatzweise eine Reaktion erhalten.

      Auch die Klassenlehrerin (eine erfahrene Frau kurz vor der Rente, die es eigentlich besser wissen müsste), ist nie um Ratschläge verlegen, was man alles tun und lassen muss, damit man auch ja nicht dick wird.
    • Sally schrieb:

      und auf einen entsprechenden ausführlichen Brief (in dem ich angeregt hatte, das Thema "wen liebe ich eigentlich und warum" doch im Religionsunterricht mal anzusprechen) an Lehrerin und Direktor habe ich nie auch nur ansatzweise eine Reaktion erhalten.


      du hast das ja schon mal erzählt, aber dass da keine reaktion drauf kam habe ich nicht mitgekriegt. das ist ja ungeheuerlich. ihr vertraut denen ja immerhin eure kinder an. und dann noch dazu im religionsunterricht.

      auch was lea schreibt, klingt ätzend. im hallenbad, in dem ich immer schwimme, kommen dienstag und donnerstag ja immer schulklassen an, wenn ich grad am gehen bin. da sitz ich meistens grad beim umziehen, wenn die an mir vorüber in die klassengarderobe gehen. natürlich kriege ich mit, wie sie schauen, aber nachdem es mich in keinster weise mehr tangiert, hab ich noch nie was gehört. ich krieg aber sehr wohl mit, wie sie sich gegenseitig runterziehen und als "fett" bezeichnen, egal wieviel oder wiewenig an ihnen dran ist.
      es gibt schon ein paar moppelige mädchen, logo. meistens bemerke ich, dass die normal im bikini rauf ins bad gehen, dass es gerade sehr dünne mädchen sind, die sich im handtuch verhüllen. das ist so ein sensibles alter, was den eigenen körper angeht und dann solche geschichten.

      bei euch haben die kinder wenigstens die richtige unterstützung. jetzt heißt es nur noch durchhalten, bis sie da raus sind.

      liebe grüße, christine
    • Ja, die Schule meines Sohnes ist auch sehr gut darin, unliebsame Dinge unter den Teppich zu kehren (wie Mobbing z. B.).

      So wie Deiner Tochter, Sally, im Religionsunterricht, wo man eigentlich erwartet, dass gerade mit Themen wie Ausgrenzung usw. etwas sensibler und differenzierter umgegangen wird, ging es mal meiner Tochter im Politikunterricht. Sie haben über Schuluniformen diskutiert und sollten hinterher offen abstimmen, wer das gut findet und wer nicht. Meine Tochter war die Einzige, die dafür gestimmt hat (fand ich schon mutig, dass sie das überhaupt durchgezogen hat), und sie wurde dafür von der Klasse total fertiggemacht, wie sie nur dafür stimmen könne und warum überhaupt... Und der Lehrer, der das ja mitbekommen haben MUSS, da es direkt bei der Abstimmung passierte und nicht etwa hinterher in der Pause, hat dazu nichts gesagt! Als Politiklehrer!! Wäre das nicht der ideale Moment gewesen, um mal etwas zum Thema Meinungsfreiheit und Demokratie zu erklären, direkt am praktischen Beispiel? Solche Sachen erleben wir dauernd. Mich wundern gewisse Dinge schon lange nicht mehr... Was lernen die Kinder daraus fürs Leben? Man mag es sich gar nicht ausdenken...

      Lovely Rita schrieb:

      bei euch haben die kinder wenigstens die richtige unterstützung. jetzt heißt es nur noch durchhalten, bis sie da raus sind.

      :LG: Danke! Tut gut zu hören bzw. zu lesen. Ja, wir müssen in der Tat durchhalten, bis sie aus dem kritischen Alter raus sind. Hoffentlich schaffen wir es ohne größere "Blessuren".
    • Lea schrieb:


      :LG: Danke! Tut gut zu hören bzw. zu lesen. Ja, wir müssen in der Tat durchhalten, bis sie aus dem kritischen Alter raus sind. Hoffentlich schaffen wir es ohne größere "Blessuren".


      ach, das ist doch für alle beteiligten eine sehr anstrengende zeit. alle, die ihre kinder durch die durchbringen ohne sie zu zerstören, zu erwürgen ;) oder selbst die nerven wegzuschmeißen haben meine echte und aufrichtige bewunderung. und ich freu mich über jeden jungen menschen, der da am ende rauskommt und angenehm drauf ist. in meinem umfeld gibt es einige ganz gelungene beispiele und andere ganz schlimme leider.

      speziell alleinerzieherinnen haben mit söhnen arge phasen gehabt. als beobachterin hüte ich mich da immer sehr, gute ratschläge zu geben. und manchmal hätt ich nicht gewusst, soll ich die mama zur erholung mit nach hause nehmen oder das kind?

      kinder großziehen ist eine intensive sache, da müssen nicht noch so absurde extra-baustellen eröffnet werden. und auf sallys brief nicht zu reagieren find ich schlimmstens.

      bei mir ist gleich eine volksschule und eine hauptschule ums eck. früher hab ich mir von den kindern einiges anhören müssen. da hab ich überlegt, ob ich mal in die direktion rüber gehe. allerdings war jetzt schon ewig nichts mehr, außerdem beschimpfen sich die lieben kleinen aufs ärgste und unflätigste selbst. dabei wohn ich in der gutbürgerlichen josefstadt. aber wenn mädchen andere mädchen "fotze" nennen, tja, da gruselt mich schon ein wenig. klar, imponiergehabe, pubertät etc., aber grauslig.
    • Ich glaube, Schule müsste heute mehr pädagogische Aufgaben wahrnehmen, um die zunehmende Erziehungsunfähigkeit von Eltern, die ihrereseits Kinder erziehungsunfähiger Eltern sind, auszugleichen. Dafür sind Schulen aber nicht gerüstet, weder organisatorisch noch inhaltlich noch materiell.

      Das ist jetzt fast wieder off topic. Aber wenn sogenannte Pädagogen nicht willens sind, auch nicht nach einem solchen Brief, pädagogisch auf die Kids einzuwirken, dann ist einiges im Argen.
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    • Lunix schrieb:

      Ich glaube, Schule müsste heute mehr pädagogische Aufgaben wahrnehmen, um die zunehmende Erziehungsunfähigkeit von Eltern, die ihrereseits Kinder erziehungsunfähiger Eltern sind, auszugleichen. Dafür sind Schulen aber nicht gerüstet, weder organisatorisch noch inhaltlich noch materiell.


      Das kann ich als Betroffener nur unterstreichen... v.a. und leider den letzten Satz!!! :(

      LG
      LOF
    • ich wäre über die Idee, dass die Schulen die Erziehung übernehmen, garnicht glücklich.
      Das hätte ich bei meinen Kindern nicht gewollt.
      Ich bezweifle zudem, dass der pädagogische Einfluss in der Schule so stark ist, dass er bis über die Schulstunden hinaus reicht.
      Nach der Schule wird die Erziehung von den Eltern (im Idealfall) oder der Strasse bzw. den Vorbildern aus den Medien hier auch Internet übernommen.
      Bis zu einem gewissen Alter können wir unsere Kinder beeinflussen und ihnen eine solide Grundlage für das späteres Leben geben.
      Ab einem gewissen Alter (Pubertät) überwiegen meist die Einflüsse von außerhalb.

      toni
    • ich wäre über die Idee, dass die Schulen die Erziehung übernehmen, garnicht glücklich.


      Geht mir auch so. Wie ich mein Kind erziehe, möchte ich immer noch selbst entscheiden - vor allem hier in Bayern, wo die Trennung zwischen Staat/Schule und Kirche nur Makulatur ist und mir die bigotten Spießerlehrer sowas von auf den Geist gehen.
    • Ich glaube das will kein Lehrer: Eure Kinder erziehen.

      Es ist nur leider so, dass manche/immer mehr Elternhäuser diese Aufgabe gerne an die Schulen abwälzen möchten um zu Hause die "Heideidei-Plüsch-Liebelein"-Erzieher zu geben und den sozialen Umgang mit den Mitmenschen soll ihnen dann die Schule lernen, damit die Eltern mit ihrem Prinzchen oder dem Prinzesschen keinen Stress haben.
    • off topic, aber:

      Dass die Schulen bzw. die Lehrer die Erziehung meiner Kinder übernehmen, wollte ich auch nicht - schon mal gar nicht so, wie es derzeit läuft! Aber das könnte daran liegen, dass ich meine Kinder auch noch erziehe und nicht bloß "versorge", wie es heute oft üblich ist. Aus diesem Grund sind Ganztagsschulen auch ein zweischneidiges Schwert.

      Aber dass es in den Schulen Regeln geben sollte, die auch konsequent eingehalten werden und für die sich die Lehrer verantwortlich fühlen, das hätte ich schon gern. Es muss nämlich nicht sein, dass einige schlecht bzw. gar nicht erzogene Kinder die anderen (heute fast schon in der Minderheit) tyrannisieren. Allerdings müssten die Lehrer auch dahinter stehen, und die meisten Lehrer, die ich kenne (nicht alle!), machen nur noch "Dienst nach Vorschrift" und schauen ansonsten weg, egal was passiert. Natürlich wird das nicht besser durch überfüllte Klassen und Mangel an Personal und Material...

      Im Übrigen gebe ich Sonnenkuss recht, die mich jetzt gerade mit ihrem Beitrag überholt hat ;) - dass Erziehung nämlich nicht nur "Heideidei-Plüsch-Liebelei" ist, kriegen die meisten nicht mit. Wenn unsereins mal schimpft mit den lieben Kinderlein, weil sie sich danebenbenehmen, wird man hierzulande schon fast gesteinigt. Wie konnte man nur so "harte" Worte sprechen, nenene. :rolleyes:
    • Ich sehe den Ort für die soziale Erziehung eines Kindes nach wie vor im Elternhaus, bzw. im Vorschulbereich in Kindergärten und - tagesstätten. Bei nur einem Kind in der Familie wird es nämlich recht schwierig, dem Kind nur im Elternhaus das Leben in Gruppen zu vermitteln. Im Grundschulbereich kann eigentlich nur auf der vorhandenen Basis sozialer Fähigkeiten der Kinder aufgebaut werden.

      Die Schule hat speziell ab Sekundarbereich I vorrangig einen Bildungsauftrag, weniger einen erzieherischen Auftrag - Lehrer werden meiner Einschätzung und Erfahrung nach auch nur unzureichend für diesen Auftrag ausgebildet. Zumindest hier in NRW ist es so, dass zur Abdeckung der Defizite in den Schulen Sozialpädagogen eingesetzt werden.

      stübbken
    • stübbken schrieb:

      Zumindest hier in NRW ist es so, dass zur Abdeckung der Defizite in den Schulen Sozialpädagogen eingesetzt werden.


      Schön wär's.

      Wir (auch NRW) haben uns mal bemüht, eine Sozialpädagogin, die mit der Klasse ein Anti-Mobbing-Training macht, zu bekommen, aber der Schulleiter hat es schlicht und ergreifend abgelehnt. Das meinte ich vorhin auch mit "unter den Teppich kehren". Die Sozialpädagogin stand schon in den Startlöchern, aber wenn die Schule sich weigert...
      Standardmäßig werden die hier jedenfalls nicht eingesetzt (zumindest nicht in Gymnasien), manchmal (wenn die Schule überhaupt willig ist) müssen die Eltern gemeinsam für solche Sachen aufkommen, was viele dann ablehnen.

      Wie gesagt, ich bin auch nicht dafür, dass die Schulen die Erziehung übernehmen, aber ich muss meine Kinder da hinschicken, egal ob andere Eltern ihren Erziehungsauftrag ernst nehmen oder nicht. Und wenn die Schule als "geschützter Raum" nicht dafür sorgen kann (meinetwegen auch mit Sozialpädagogen oder Schulpsychologen!), dass Kinder dort morgens ohne Angst (vor gewissen Mitschülern) hingehen können, finde ich das schon schlimm.
    • Ich kenne es hier in Duisburg nur so, dass an den weiterführenden Schulen Sozialpädagogen eingesetzt sind.

      Ich arbeite auch oft und gerne mit ihnen zusammen, aber aus meiner Sicht (Jugendamt) sind in der Regel die Schulleiter sehr offen für erzieherische Problematiken. Bei den einzelnen Lehrern kann es da schon mal - nennen wir es einfach - Missverständnisse geben....

      Ich bin mir nicht wirklich sicher, aber ich meine, mich erinnern zu können, dass Schulleiter die Wahl zwischen einem Lehrer und einem Sozialpädagogen haben. Vielleicht ist das der Kasus knacktus....Es kann natürlich auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein, da die Schulen ja in der Regel in kommunaler Trägerschaft sind.

      stübbken
    • Ich denke, es ist ein himmelweiter Unterschied zwischen "zunehmende Erziehungsunfähigkeit ausgleichen" (Lunix) und "Erziehung übernehmen" (toni). Man kann doch das eine tun und das andere lassen, meine ich.

      Wenn, wie oben beschrieben, Pöbeleien oder verletzende Übergriffe passieren, finde ich schon, dass Lehrer/innen eingreifen können und auch sollen. Und zwar nicht nur, um im ersten Eifer zu schlichten, sondern auch, um das Verhalten zu reflektieren und vielleicht daraus zu lernen. Im besten Fall passt das ja auch in eine Unterrichtseinheit.

      Leider setzt die Schule, in die meine Tochter geht, ausschließlich auf autoritär-unterdrückende Maßnahmen, ohne die Gründe für Regeln zu erklären oder zu besprechen. Auch das ist Erziehung - und zwar eine, gegen die ich nichts machen kann. Aber erfreulicherweise sind die Tage bis zu den Sommerferien gezählt, dann ist Schulwechsel.

      Im besten Fall ergänzen sich Elternhaus und Schule in einer Erziehung, die die sozialen Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen fördert. Ich weiß, das ist ein Ideal.
    • stübbken schrieb:

      Ich kenne es hier in Duisburg nur so, dass an den weiterführenden Schulen Sozialpädagogen eingesetzt sind.

      Grundsätzlich? Als "Zusatzausstattung" zum Lehrerkollegium sozusagen? Dann habt Ihr es gut!

      stübbken schrieb:

      Ich arbeite auch oft und gerne mit ihnen zusammen, aber aus meiner Sicht (Jugendamt) sind in der Regel die Schulleiter sehr offen für erzieherische Problematiken. Bei den einzelnen Lehrern kann es da schon mal - nennen wir es einfach - Missverständnisse geben....

      Wir haben da wohl einfach Pech mit der Schule gehabt - hinterher hab ich dasselbe von einigen anderen gehört, dass dieser Schulleiter nämlich nicht am Bearbeiten von Problemen interessiert ist. Bei jedem Vortrag (Neuvorstellung der 5er, Elternabende etc.) erzählt er wieder, wie toll diese Schule ist und dass es ja gar keine Probleme (Diebstahl, Mobbing, Drogen) gibt. Die Realität sieht leider anders aus, aber das merkt man halt auch erst, wenn die Kinder eine Weile dort sind.

      stübbken schrieb:

      Ich bin mir nicht wirklich sicher, aber ich meine, mich erinnern zu können, dass Schulleiter die Wahl zwischen einem Lehrer und einem Sozialpädagogen haben. Vielleicht ist das der Kasus knacktus....Es kann natürlich auch von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein, da die Schulen ja in der Regel in kommunaler Trägerschaft sind.

      Ach so! Uns hat der Herr das anders dargestellt. Und wir sind ein Jahr lang Sturm gelaufen, hatten x Gesprächstermine, mit Lehrern, Rektor, Sozialpädagogin (privat!) und haben um ein externes Eingreifen gebeten, aber vergeblich.
    • Sally schrieb:

      Auch das ist Erziehung - und zwar eine, gegen die ich nichts machen kann.


      Ich halte es grundsätzlich für eine Illusion, dass Erziehung ausschließlich im Elternhaus stattfinden könnte. Jeder, der regelmäßig Kontakt mit einem Kind hat, erzieht es zwangsläufig auch, ob er will oder nicht.

      Übrigens scheint an die Gesellschaft delegierte Erziehung in den Kibbuzim problemlos zu funktionieren. Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mich näher damit befasst habe, aber ich habe nie nichts ;) davon gehört, dass es jemanden geschadet hätte.

      SoKu schrieb:


      Es ist nur leider so, dass manche/immer mehr Elternhäuser diese Aufgabe gerne an die Schulen abwälzen möchten um zu Hause die "Heideidei-Plüsch-Liebelein"-Erzieher zu geben und den sozialen Umgang mit den Mitmenschen soll ihnen dann die Schule lernen, damit die Eltern mit ihrem Prinzchen oder dem Prinzesschen keinen Stress haben.


      Etwas ähnliches habe ich oft bei alleinverziehenden Müttern mit zu Kronprinzen mutierten männlichem Einzelkind beobachtet. Und dann gibt es noch die Eltern, die eigentlich gar nicht aktiv erziehen, sondern die Blagen lieber vor der Glotze parken. Und das kommt auch längst nicht mehr nur in typischen Proll-Familien vor.
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    • Sehr schöne Beispiele!

      Mir fällt noch ein: Sich nicht bedienen lassen, sondern selbst mit anpacken (im Haushalt, bei alltäglichen Aufgaben in der Familie). Anderen helfen. Und nicht immer mit dem Kopf durch die Wand. Wobei ich kein Duckmäusertum meine!!! Aber manchmal ist auch eine Grenze erreicht, an der man sich einfach mal zurücknehmen muss. Und das müssen Kinder lernen, finde ich.

      Ich werde nie vergessen, wie ich vor Jahren mal bei einer Kollegin zum Essen eingeladen war. Es gab eine leckere Lasagne und Salat dazu. Der Sohn (damals kurz vor der Einschulung) haute mit der Gabel auf das Stück Lasagne auf seinem Teller und maulte: "Das esse ich nicht, ich will Fischstäbchen". Worauf Mama brav in der Küche verschwand, um dem Buben Fischstäbchen zu braten. Ich habe nur gestaunt ...

      Ein Beispiel, das zu Lunix' Theorie "alleinerziehende Mutter mit Kronprinz" passt. Natürlich gibt es auch andere Sohn-Mütter!!!! Aber dieses Beispiel hat mich doch ob seiner Klarheit erschreckt.

      Auch an diese Stelle hätte für mich ein Stück "aktive Erziehung" gehört!
    • Lunix schrieb:

      Etwas ähnliches habe ich oft bei alleinverziehenden Müttern mit zu Kronprinzen mutierten männlichem Einzelkind beobachtet.
      Es sind aber nicht nur die alleinerziehenden mit männlichem Nachwuchs, ich kenne auch eine ganze Reihe (Einzelkind-) Prinzessinnen, die von ZWEI Erwachsenen (den Eltern) regelrecht umtanzt werden. Dürfen alles, bekommen alles, laufen folgerichtig in der Welt herum mit der Einstellung, dass sich alles ausschließlich um sie zu drehen hat. Wenn Du dann von der Sorte 15 Mädchen in einer Klasse hast, kannst Du Dir ungefähr vorstellen, was los ist.

      Lunix schrieb:

      Und dann gibt es noch die Eltern, die eigentlich gar nicht aktiv erziehen, sondern die Blagen lieber vor der Glotze parken. Und das kommt auch längst nicht mehr nur in typischen Proll-Familien vor.
      Im Gegenteil: Die meisten Schwierigkeiten gibt es (zumindest in den Schulen und Klassen, die mir bekannt sind) nicht mit den Kindern finanziell armer Eltern, sondern mit den Reichen; zum Einen aufgrund ihres eingebildeten "Prinzen-/Prinzessinnenstatus" (s. o.), zum anderen eben, weil die Eltern nicht nur keine Zeit, sondern in vielen Fällen auch keine Lust für die Erziehung oder auch nur das Zusammensein mit den Kindern haben, weil sie so damit beschäftigt sind, Geld zu verdienen und Karriere zu machen. Diese Kinder sind i. d. R. dann mit allen technischen Finessen ausgestattet: Eigener Fernseher, eigenes Laptop, eigene Kamera, Handy sowieso, DVD-Player, Playstation usw., die ein Ersatz für elterliche Zuwendung sein sollen. Glücklich sind sie aber meistens nicht, jedenfalls verhalten sie sich nicht so.

      stübbken schrieb:

      Was beinhaltet eigentlich aktive Erziehung im Elternhaus?


      Für mich hat Erziehung zum Ziel, meine Kinder zu Mitgliedern dieser Gesellschaft zu machen, die einen gesunden Mittelweg finden zwischen "eigene Interessen durchsetzen" bzw. sich gegen unangemessene Ansprüche anderer zur Wehr setzen können und "Rücksichtnahme", d. h. eigene Interessen eben auch mal zurückstellen können zugunsten anderer/ der Allgemeinheit. Dazu gehört auch, sich "benehmen" zu können; zu wissen, wo Grenzen sind bei sich selbst und bei anderen und diese auch zu respektieren. Das erfordert seitens der Eltern natürlich eine gewisse Aktivität :D - einfach die Dinge nur laufen lassen, funktioniert nicht. (Aber das hat für mich nicht mit aktiver vs. passiver Erziehung zu tun, sondern mit Erziehung vs. Nicht-Erziehung...)

      Ach Sally, Du hast mich wieder überholt... Solche Beispiele könnte ich auch noch zur Genüge erzählen. Hier nur eins: Eine ehemalige Freundin meiner Tochter hat mal bei uns übernachtet (damals waren die Mädels so 6/7 Jahre alt). Zum Frühstück gab es Brötchen. Sie schnitt sich eins auf, aß die Oberhälfte und verlangte dann nach einem neuen Brötchen.
      Ich: "Du hast doch noch ein halbes auf dem Teller!"
      Sie: "Ich ess aber nur Oberhälften!"
      Ich: "Das gibt's bei uns nicht. Wenn du hier am Tisch jemanden findest, der seine Oberhälfte gegen Deine Unterhälfte tauscht, ist mir das egal, aber ein neues Brötchen bekommst Du nicht, solange da noch ein halbes liegt!"
      Es fand sich natürlich niemand am Tisch, der mit ihr getauscht hätte - wär ja noch schöner. Sie blieb dann todbeleidigt vor ihrem halben Brötchen sitzen und aß nichts mehr. War dann auch das letzte Mal, dass sie bei uns war...
    • Sally schrieb:


      Der Sohn (damals kurz vor der Einschulung) haute mit der Gabel auf das Stück Lasagne auf seinem Teller und maulte: "Das esse ich nicht, ich will Fischstäbchen". Worauf Mama brav in der Küche verschwand, um dem Buben Fischstäbchen zu braten.


      den kenn ich, den kenn ich! ein paar jährchen später ist er auf seine mutter losgegangen. zumindest der, den ich kenne...

      und leas beispiel mit der oberhälften-prinzessin erinnert mich auch an manches.

      es gibt aber auch viele sehr nette kinder. beim bau meiner terrasse hat ein 16jähriger geholfen, der hat einen bruder und seine mutter war auch alleinerzieherin. der junge mann war die reinste freude. keine spur von muffelig. so freundlich, fleißig und mit so einem natürlichen interesse bei der arbeit. er hat gearbeitet, um sich eine spiegelreflexkamera zu kaufen. er fing kurz später an einer grafischen schule an. es war für ihn selbstverständlich, dass sein lohn in die anschaffung reinfloss.

      und auch so sieht man immer wieder wirklich nette kinder. das sind dann wahrscheinlich solche wie eure :)
    • Wenn ich so lese, was ihr über gute Erziehung schreibt, könnte ich mich totlachen. Ihr liegt da total falsch! Das Hauptbestreben von uns Eltern hat darin zu liegen, es den Kindern angenehm zu machen. Schliesslich müssen sie es zu Hause gut haben, weil sie ja ansonsten auf die schiefe Bahn kommen.

      Gebt ihnen gefälligst überdurchschnittlich viel Taschengeld, sonst fangen sie an zu klauen. Räumt ihnen die Zimmer auf und ihre Klamotten hinterher. Wenn sie sich schlecht verhalten, geht kommentarlos darüber hinweg, denn wenigstens in der eigenen Familie sollen sie es ja gut haben.

      Wenn es doch mal zu Streitigkeiten kommt, gebt SOFORT wieder nach oder wollt ihr keine gute Mutter sein. Sonst seid ihr eventuell noch dran schuld, wenn sich euer Kind umbringt...

      Auch vom Erziehen zur Selbstständigkeit hält sie nicht wirklich viel. Das wäre doch auch taktisch unklug, denn man kann sein Kind doch durch dessen Unfähigkeit alleine durchs Leben kommen zu KÖNNEN, wunderbar an sich binden. Was dann nach dem Ableben selbiger kommt - sch... egal, nach ihnen die Sinnflut.

      Ich habe anscheinend echt ein Generationsproblem!
      Seid mir nicht böse über meinen Sarkasmus, aber all das, was ich oben beschrieben habe, habe ich mit meinen Schwiegereltern life und in Farbe durch. Dieses Thema ist für mich wirklich ein rotes Tuch, besonders da meine Schwiegermutter damit zumindest bei der Tochter meines Mannes Erfolg hat...