Mutter einer dicken Tochter

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    • Mutter einer dicken Tochter

      Ein Text von Adele:

      Ich bin eine Mutter, schon älter und denke über vieles nach: Wie immer, wenn es Frühling wird, spielen die Übergewichtigen in den Medien eine große Rolle. Neben den tollsten Kochrezepten werden jede Menge Diäten angeboten. Das geht bis zu Operationen. Übergewichtige müssen ja sich selbst schrecklich finden.

      Es gibt viele Gründe für Übergewicht, Störungen, Anlagen u.ä.. Aber davon hört man sehr viel weniger.
      Ich habe eine dicke Tochter. Sie ist hochintelligent, hat eine ausgezeichnete Berufsausbildung, eine gute Stellung. Sie ist sportlich, isst normal und nimmt nicht ab.

      Ich habe erlebt, dass Mütter ihre Kinder wegen roter Haare, Übergewicht und Ähnlichem zurückgesetzt, ja sogar abgelehnt haben.

      Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Ich finde, man kann mit Liebe und Zuneigung viel mehr erreichen. Man sollte im Umgang mit einem dicken Kind Positives herausstreichen, für ein gutes Familienklima sorgen und mütterliches Verhalten beschützend vor dummes Geschwätz und Geschäftemacherei stellen. Nur dies gewährleistet das Gelingen der obersten Aufgabe einer Mutter, nämlich ihrem Kind ein hohes Selbstwertgefühl zu vermitteln, den wichtigsten Grundstock dafür, dass es im Leben zurecht kommt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Administrator ()

    • ja, das kann ich alles nur unterschreiben. es ist sehr schön adeles meinung zu lesen. beim lesen des textes ist mir eingefallen, dass es bei meiner mutter so ist: sie liebt mich, hält auch zu mir, aber dass dicksein schlecht, ungesund und hässlich ist, das glaubt sie unabhängig von mir.

      sie hat ja selbst einen lebenslangen kampf gegen eingebildete zuviel-kilos hinter sich und glaubt ja auch heute - mit 67 - dass sie zu dick ist.

      zunehmen, aus dem leim gehen, das sind ihre persönlichen supergaue.

      ich glaube auch immer mehr, dass es sich beim schlankheitswahn in meiner familie weniger um einen schlankheitswahn an sich als um frauenfeindlichkeit handelt. die leider sehr stark von einzelnen frauen meiner familie transportiert wurde (urgroßmutter, großmutter mütterlicherseits). zwanghaftigkeit, klischees entsprechen, um unangreifbar zu sein, das war für diese frauen ganz wichtig. und leider haben sie es so auch an ihre töchter weitergegeben. mit mehr oder weniger erfolg. wie eine frau sein soll, war klar festgelegt. nicht rauchen, schon gar nicht auf der straße, tagsüber nicht hinsetzen (sondern immer emsig auf den beinen sein)...

      ja, ich glaub, in meiner familie ist es ein frauenthema. denn einer meiner brüder, der absurderweise selbst an die 140 kilo wiegt, versucht durch nachfragen bei meiner mutter (hat sie jetzt schon abgenommen?) bis heute druck auszuüben. nach der beerdigung unseres gemeinsamen vaters verschwand er mit meiner ohnehin gebrochenen mutter in der küche und redete ihr ein, ich wäre die nächste, wenn ich nicht "endlich ernsthaft etwas gegen mein übergewicht tue".

      leider gab es in der nähe meiner mutter keine frauen wie adele, die sie bestärkt hätten, dass ich okay bin.

      übrigens, dazu noch ein filmtip: "little miss sunshine"
      sehr sehenswert.
    • Meine Mutter hat mich so, wie ich jetzt bin, nicht mehr erlebt, aber ich weiß, dass meine Kilos nie ein negatives Thema für sie gewesen wären. Dick oder dünnsein war in meiner Kindheit niemals ein Thema. Wenn ein Mensch thematisiert wurde, dann wegen seiner Charaktereigenschaften, nicht wegen irgend etwas, was mit seinem Äußeren zu tun hatte.

      Es wäre schön, wenn alle dickeren (oder in irgendeiner Form diskriminierten) Kinder eine Mutter wie Adele hätten und wenn alle Erwachsenen dicken Menschen eine Mutter wie Adele gehabt hätten oder hätten.
      Aber ich weiß, dass dies leider nicht so ist und das finde ich sehr sehr traurig.
    • Ich habe selbst 3 Kinder und es hätte immer genug " Gründe" gegeben eines niederzumachen. Auch sind meine Kinder nicht so schlank wie mein Mann. Aber es gibt keinen Grund der ausreichend genug ist so etwas zu tun. Immer wieder habe ich darauf geachtet das jedes Kind etwas besonderes ist und etwas sehr gut kann. Unser Jüngster kam auf eine Körperbehindertenschule in dem Jahr als seine 14 Monate ältere Schwester eine Klasse übersprungen hat. Unser Sohn ist sich bewusst das er genau so intelligent ist wie unsere Töchter und hat den Mädchen auch schon bei schulischen Dingen helfen können, Geschichte war zu dem Zeitpunkt sein Steckenpferd und er hat seiner 4 Jahre älteren Schwester auf dem Gymnasium helfen können. Wir haben als Familie zusammengalten.

      " Jedes Kind ist eine Leihgabe Gottes" wer das geschrieben hat weiß ich nicht aber es ist die schönste Leihgabe die Gott uns geben kann.
    • Ich hätte mir so eine Mutter gewünscht. Bei mir war/ist es leider so, dass keine Leistung, weder Abitur, noch Studium, noch Erfolg bei Hobbies oder die Tatsache, dass ich eine stabile Ehe führe und ein wirklich bezauberndes Kind habe in irgendeiner Form zählt. Das einzige, was in den Augen meiner Mutter eine wirkliche Leistung wäre, wäre es 40 kg abzunehmen. Sie denkt so und sie sagt es so. Ohne gute Figur bist du als Frau nichts wert.
    • @ babelfish

      Frauen wie Deine Mutter tun mir leid. Sie haben etwas sehr wichtiges nicht, nämlich Einfühlungsvermögen. Und wenn ich's ganz hart ausdrücke, möchte ich fast sagen, dass ihnen auch die Fähigkeit wirklich zu lieben fehlt.


      Wie schön, dass Du trotzdem eine tolle eigene Familie hast und Deinen Weg gegangen bist.:daumen:
    • Itsme schrieb:

      Es wäre schön, wenn alle dickeren (oder in irgendeiner Form diskriminierten) Kinder eine Mutter wie Adele hätten und wenn alle Erwachsenen dicken Menschen eine Mutter wie Adele gehabt hätten oder hätten.


      es wäre auch schön, wenn schlanken, normalgewichtigen kindern (wie ich eines war) nicht eingeredet würde, dass sie zu dick sind.
      weil die eltern ihren horror vor dem eigenen zunehmen projezieren bzw. ihre frauenfeindliche, lustfeindliche haltung auf eine lebendige achtjährige projezieren.

      ich wurde bei jeder mahlzeit ermahnt, bei familientreffen laut quer durch den raum, nicht zu viel zu essen,auf die linie zu achten. ich fand das so bizarr, aber vor allem so ungerecht. genauso bizarr beobachte ich heute das essverhalten meiner mutter. mir das immer vor augen zu halten, dass es nichts mit mir zu tun hat, sondern ausschließlich ihr problem war/ist, empfinde ich als große erleichterung.
    • babelfish schrieb:

      Ich hätte mir so eine Mutter gewünscht. Bei mir war/ist es leider so, dass keine Leistung, .... in irgendeiner Form zählt. Das einzige, was in den Augen meiner Mutter eine wirkliche Leistung wäre, wäre es 40 kg abzunehmen. Sie denkt so und sie sagt es so. Ohne gute Figur bist du als Frau nichts wert.

      Kann ich genauso unterschreiben.

      Itsme schrieb:


      Wenn ein Mensch thematisiert wurde, dann wegen seiner Charaktereigenschaften, nicht wegen irgend etwas, was mit seinem Äußeren zu tun hatte.

      Das Dick-Sein wurde als Charaktereigenschaft ausgelegt... faul, phlegmatisch, fett

      Und mit dem Rest hast du wahrscheinlich auch recht... man könnte die Gedanken weiterspinnen... aber darüber möchte ich jetzt nicht nachdenken.
    • Wenn man bedenkt, wie beeinflussbar und steuerbar Kinder sind, dann finde ich es besonders bemerkenswert, wenn man nicht unbewusst in die selben Denkmuster und Fehler verfällt.

      Ich habe mir erst spät eingestanden, dass auch meine Mutter nicht vollkommen war. Aber trotz der Erkenntnis nicht in dieselben Fehler zu verfallen, ist ganz schön schwer.
      Das Wichtigste ist jedoch, dass meine Mutter ihre Kinder wirklich geliebt hat und wir das auch spürten, weil sie einfach für uns da war, ein liebevoller, guter Freund und Ratgeber war. Da wiegen die im Vergleich dazu kleinen Fehler nicht viel.

      Jeder Mensch, der dies nicht so hatte und trotzdem um sich kämpft und sogar sich und andere Menschen lieben gelernt hat, hat meiner Meinung nach einen Orden verdient, denn um wievieles geringer sind unter solchen Umständen die Voraussetzungen dafür.
      Und dann auch noch die Mutter mit dem emotionalen Abstand sehen zu können, der (weitestgehend) davor schützt immer weiter verletzt zu werden, den kann ich nur mit ganz viel Respekt betrachten.
      Bestimmt ist dies ein sehr harter und schwerer Weg, aber ich denke, es lohnt sich, ihn zu gehen.
    • Ich habe gerade dieses Forum entdeckt und den Brief von Adele gelesen.
      Mir wurde schon früh deutlich gemacht das "Dicke" nicht "gut genug" sind. Eine Verwandte von mir hat schon als Kind extremes Übergewicht gehabt und wurde immer wieder auf ihr Gewicht reduziert. dabei war sie eine ganz liebe und konnte tolle geschichten erfinden. Damals war ich auch noch ein kind und nicht dick. Ich durfte Kakao und Nuss-Nougat-Creme essen so viel ich wollte und habe ich mir den dritten oder gar vierten Pudding genommen(ich kannte anscheinend nie ein Stop beim essen) hat niemand was gesagt. Bei ihr wurde sofort genörgelt. Ja,heute kann ich verstehen das sie den Kontakt zu allen abgebrochen hat,gerade auch zu mir,weil ich immer bevorzugt wurde.
      Nun bin ich selber dick. Und für meine Verwandschaft eine Enttäuschung,was man mich sehr deutlich hat spüren lassen.
      Ich mache seit etwa zwei Jahren keine Diäten mehr und ernähre mich so,wie ich gerade Lust habe.ich bin trotz meines Übergewichts erstaunlich gesund,was meinen Hausarzt in Erklärungsnot gebracht hat.:-D Er wollte mich in ein Ernährungsprogramm stecken weil ich ja so krank bin und ich wollte dafür einen Beweis. Also machte er ein großes Blutbild und nicht ein Wert war unnormal.
      Nun habe ich zwei Töchter. Nie habe ich etwas zu ihrem Gewicht gesagt. Auch mein Mann nicht. Aber seit ein paar Wochen kommen sie damit an das sie zu dick seien und gerne dünner werden wollen. Beide machen Sport,spielen viel draußen und ernähren sich sicher "gesünder" als ich in ihrem Alter. Sie sind 8 und 9 jahre alt,beide normalgewichtig. Ich betone immer ihre guten Seiten aber auf diese abnehmen wollen reagiere ich eher geschockt. Es ist so,das in ihren Klassen viele sehr dünne Mädchen sind und sie da schon heraus stechen.Aber auch der Hausarzt hat ihnen gesagt das sie total in Ordnung sind.Ich hoffe sehr,das diese Phase schnell vorbei geht und sich nicht in eine fixe Idee verwandelt.
      Mit einer so dicken Mutter wie mir haben sie es sicher nicht immer einfach,gerade weil andere Kinder schon mal dumme Sprüche losgelassen haben.
      Aber ich weiß nicht was ich noch tun kann.
    • Hallo Ria,

      ich denke, du machst es genau richtig.:) Eben indem du deinen Kindern zeigst, daß es wesentlich Wichtigeres gibt als einen dünnen Körper, nimmst du ihnen viel von dem Streß, den einige von uns in ihrer Kindheit erlebt haben. Ein möglichst entspanntes Verhältnis zum Essen ist die beste Haltung, die du deinen Kindern mitgeben kannst.
    • Hallo Ria,

      Ich finde das schlimm,wenn sich zwei Mädchen in diesem Alter schon Gedanken über das Gewicht machen.:confused:
      Ansonsten kann ich mich nur Pandoras Zeilen anschliessen.

      Adele ist eine tolle Mutter,aber es gibt bestimmt auch genügend normalgewichtige Kinder,die eine solche nötig hätten.

      Meine Mam hat immer zu mir gesagt,als ich als Kind zu dünn war und blöde Sprüche abbekam,pass auf ,dir geht der Kern schon noch auf wie man bei uns so schön sagt.
      Tja und wie er dann aufgegangen ist,aber deswegen liebt mich meine Mutter noch genauso.
    • Bayernmadl schrieb:

      ...ich finde das schlimm,wenn sich zwei Mädchen in diesem Alter schon Gedanken über das Gewicht machen.:confused:...


      Das ist gar nicht so unüblich. Ich selbst habe zwar keine Kinder, aber meine Schwägerin arbeitet in einem Gymnasium und war auf der Schulabschlussfeier dieses Jahr total entsetzt, wie viele Mädels extrem dünn sind und auch gar nichts essen, ja sogar einen regelrechten "Ekel" vor dem Essen haben.

      Ich finde es gut, wenn es auch Mütter gibt, die ihre Kinder essen lassen, ohne ihnen bei jedem Bissen die Kalorien in den Mund zu zählen.

      Liebe Grüße,
      simsalabine
    • Ich bin zwar nicht Mutter einer Tochter, aber dafür von drei Söhnen. Ich denke, dass ich Ihnen auch eine gute Mutter bin. Bis zu Pubertät waren meine beiden Großen ganz normal gewichtig. Der Älteste (heute 20) hatte mal so eine Phase, da war er super dünn und dann schlug das ganze um, er hatte ständig Hunger, ich konnte ihn nicht vom Essen abhalten und wollte das ehrlich gesagte auch garnicht. Er hat dann schon kräftig zugelegt und hat heute leichtes Übergewicht, ich finde er ist groß und kräftig, genau richtig für einen jungen Mann.

      Mein Zweiter wird jetzt 15 und ist voll in der Pubertät und ständig am essen, er ist aber leider ein Fast food Junkie, da kann ich reden wie ich will. Aber ich koche jeden Tag vernünftig und wir ernähren uns ansonsten "normal", deshalb hoffe ich, dass diese Phase bei ihm auch vorbei geht. Bei ihm habe ich immer ein bißchen Angst, weil er ganz nach mir geht. Aber er hat den Vorteil, dass er auch sehr groß ist. Was ich aber eigentlich sagen will, ist das ich meine Kinder nie auf ihr Gewicht reduzieren würde, im Gegenteil, ich hebe ihre guten Eigenschaften hervor und bin stolz auf sie, denn sie sind sehr intelligent. Wir führen oft Gespräche über Gott und die Welt und was ganz wichtig ist, sie haben Vertrauen zu mir und ich auch zu Ihnen. Das macht eine gute Mutter-Kind-Beziehung aus.

      Und damit ihr euch nicht wundert, weil ich von drei Söhnen schreibe auch noch was zu meinem Jüngsten. Der ist erst vier Jahre alt und ein ganz kleiner dünner Knopp, so wie sein Papa früher auch war. Er wird wohl mal keine Gewichtsprobleme bekommen oder erst wenn er mal über vierzig ist, einen dicken Bauch, so wie alle Männer in der Familie meines Mannes. Na und was solls, ein Mann ohne Bauch ist ein Krüppel oder.:)

      Eins muss ich noch sagen, ich kann mich immer aufregen über die Eltern, die ihre Kinder im Fernsehen so vorführen, die wissen garnicht, was sie den Kindern damit antun. Und diese Abnehmkliniken für Kinder finde ich scheußlich. Oder glauben die ernsthaft, so wie diese Kinder zum Sport gezwungen werden, dass die zu Hause jemals wieder Sport treiben. Viele Eltern sollten mal nachdenken, warum ihre Kinder so geworden sind und mal bei sich anfangen, dann würde sich so manches Übergewicht in Luft auflösen.

      Ohje jetzt hab ich wieder so viel geschrieben, aber wenn es um Kinder geht, da bin ich eben "Kampfmama" ;).

      LG Katrin
    • Bayernmadl schrieb:

      Ich finde das schlimm,wenn sich zwei Mädchen in diesem Alter schon Gedanken über das Gewicht machen.

      Simsalabine hat Recht: Das ist leider absolut nicht unüblich.

      Meine Tochter ist 9 Jahre alt, und in ihrer (4.) Klasse ist das immer wieder Thema. Es gibt - wie überall - auch dort Kinder in den verschiedensten Körperformen. "Erschwerend" kommt in diesem Alter (einige sind oder werden jetzt schon 10) dazu, dass die ein oder andere bereits anfängt zu pubertieren, wodurch sich der Körper ohnehin verändert. Meine (normalgewichtige) Tochter hat mir schon mehrfach erzählt, dass die dünnen Mädchen sie beim Sport aufziehen, sie habe einen Bauch und sie sei dick. Eins dieser dünnen Mädchen hat noch zwei Schwestern in höheren Klassen auf derselben Schule, von denen die ältere normalgewichtig, aber nicht dünn ist, die andere ziemlich pummelig (wie ihr Vater übrigens auch). Dementsprechend gebe ich meiner Tochter zum Beispiel mit, dass doch dieses andere Mädchen schon aus der eigenen Familie wissen müsste, dass es einfach verschiedene Körperformen gibt.

      Meine Tochter hat sich wegen mir schon einiges anhören müssen. Das gipfelte darin, dass ein Mitschüler sie im Unterricht für fast alle hörbar fragte, wie man "eine so fette Sau wie mich nur liebhaben könne". Die junge Lehrerin vor der Klasse war damit offensichtlich hoffnungslos überfordert. Ich habe damals einen Brief an den Direktor geschrieben, was zwar Sanktionen für den Schüler nach sich gezogen hat sowie eine Entschuldigung bei meiner Tochter, aber leider nicht - wie ich angeregt hatte - das Thema "Umgang mit Menschen, die 'anders' aussehen" einmal im Unterricht zu behandeln.

      Die Konsequenz aus alledem ist allerdings, dass meine Tochter unverbrüchlich zu mir steht und mir das auch immer wieder zeigt. Sie findet es vollkommen bescheuert, Menschen nach Äußerlichkeiten zu bewerten. Und ähnlich bescheuert findet sie es, sich nicht satt essen zu sollen. Das würde ihr nie einfallen. Ich hoffe sehr, dass ihr diese Einstellung auch in der Pubertät - wenn der äußere Druck noch steigt - erhalten bleibt. Alles, was wir hier im Forum wissen und vertreten, habe ich ihr immer wieder in aller Klarheit weitergegeben. Kinder verstehen mehr als man glaubt, wenn man es ihnen ordentlich erklärt. Das ist zumindest meine Erfahrung.
    • Sally du kannst stolz auf deine Töchter sein, die wissen worauf es ankommt im Leben. Und das sicher auch nur, weil du sie ernst nimmer und mit ihnen über Alles redest.
      Leider nehmen sich viele Eltern nicht die Zeit mit ihren Kindern ernsthaft zu reden. Und was manche Kinder so von sich geben, im Bezug auf dicke oder auch behinderte Menschen, haben sie auch nur im Elternhaus so gehört.

      Ich habe meinem Jüngsten auf die Frage warum ich so dick bin geantwortet es gibt dicke und dünne Menschen genauso wie es große und kleine, schwarze und weiße gibt und alle sind auf ihre Art liebenswert.

      LG Katrin
    • dicke Mama schrieb:

      Sally du kannst stolz auf deine Töchter sein, die wissen worauf es ankommt im Leben.

      Kleine Korrektur: Ich hab nur eine Tochter. :-o
      Oder auch: Ein Kinder. Alles Mädchen. :)

      Ich habe meinem Jüngsten auf die Frage warum ich so dick bin geantwortet es gibt dicke und dünne Menschen genauso wie es große und kleine, schwarze und weiße gibt und alle sind auf ihre Art liebenswert.
      Ja, so ähnlich sage ich das auch immer. Allerdings finde ich nicht alle liebenswert. Mir ist es wichtig, dass man Menschen nach ihrem Verhalten beurteilt und nicht nach ihrer äußeren Erscheinung. Es kostet auf diesem Weg etwas mehr Zeit herauszufinden, ob man mit ihnen mehr zu tun haben möchte oder nicht, aber es lohnt sich.
    • Meine Mutter

      Wenn ich an meine Mutter und das Thema Dick-sein denke werde ich sehr traurig. Sie hat immer an meinem Körper herumgemeckert - egal wie ich aussah. Ich habe inzwischen alle Gewichtsstufen von 47 bis 127 Kilo durch und ich war ihr IMMER zu dick, selbst wenn ich früher untergewichtig war. Momentan habe ich mein Höchstgewicht und meine Mutter ist von mir total angewidert. Wenn sie mich sieht guckt sie mich immer von oben bis unten an als sei ich total abartig und so redet sie dann auch mit mir. Ich bin für sie nur GEwicht - sonst nichts. Und das war auch schon so als ich z.B. 60 Kilo wog zu Abi-Zeiten, es ging immer nur darum daß ich fett sei.
      Inzwischen besuche ich sie kaum noch weil sie es schafft daß ich mich in ihrer Nähe wie ein Nichts fühle oder wie ein ekelhafter Abschaum. Ich habe ihr das auch schon oft gesagt, aber sie sagt dann nur sie will "nur mein bestes". In Wahrheit will sie nur das "beste" das sie für das beste hält.

      Ich bin 32 und meine Mutter schafft es immer noch, daß ich mich so schrecklich und zertrampelt fühle daß ich nach ein paar Stunden bei ihr das Gefühl habe ich möchte lieber sterben.

      Das gleiche war es bei uns mit anderen Körperlichen "Defekten". Meinem Bruder und mir wurden schon als Kinder ständig Muttermale wegoperiert - nicht weil es medizinisch notwendig war sondern weil meine Mutter das häßlich fand. Mein rechter Daumen ist breiter als mein linker und selbst das wollte meine Mutter opereiren lassen, da hat dann der Arzt zum Glück gesagt daß er das nicht macht und sich auch kein anderer Arzt zu so etwas unnötigem bewegen lassen wird. Weil ich aber da schon wußte dass meine Mutter meinem Daumen häßlich findet, hab ich ihn versucht mir mit Tesafilm schmaler zu quetschen bzw hätte ich mir so wahrscheinlich den Daumen abbinden können.

      Mein Bruder ist übrigens auch besessen von seinem Gewicht - das war halt seine Reaktion auf meine Mutter. Er denkt an fast nichts anderes als sein Aussehen und redet am Tag zu 50% über fettarme Ernährung und wovon man abnehmen kann, und was man im Fitness-Studio wofür am besten trainieren kann.
    • Lisa32 schrieb:

      Das gleiche war es bei uns mit anderen Körperlichen "Defekten". Meinem Bruder und mir wurden schon als Kinder ständig Muttermale wegoperiert - nicht weil es medizinisch notwendig war sondern weil meine Mutter das häßlich fand. Mein rechter Daumen ist breiter als mein linker und selbst das wollte meine Mutter opereiren lassen, da hat dann der Arzt zum Glück gesagt daß er das nicht macht und sich auch kein anderer Arzt zu so etwas unnötigem bewegen lassen wird. Weil ich aber da schon wußte dass meine Mutter meinem Daumen häßlich findet, hab ich ihn versucht mir mit Tesafilm schmaler zu quetschen bzw hätte ich mir so wahrscheinlich den Daumen abbinden können.


      das ist ja abartig. und so traurig. wie kann man zu kindern nur so mies sein, dass man das fertig bringt. halte dich fern von deiner mutter, wenn sie nicht imstande ist, sich anständig zu benehmen.
    • Zunächst möchte ich einmal sagen, dass Adele natürlich vollkommen recht hat. Wenn doch nur jede Mutter so denken würde...!

      Lovely Rita schrieb:

      es wäre auch schön, wenn schlanken, normalgewichtigen kindern nicht eingeredet würde, dass sie zu dick sind.
      weil die eltern ihren horror vor dem eigenen zunehmen projezieren bzw. ihre frauenfeindliche, lustfeindliche haltung auf eine lebendige achtjährige projezieren.


      Leider ist das etwas, was ich sehr oft bei Bekannten und (z. T. aus diesem Grunde auch ehemaligen) Freunden erleben musste: Dass schon siebenjährigen, völlig normalgewichtigen bis schlanken Kindern ständig gesagt wird: Du bist zu dick, diese oder jene Hose passt Dir schon wieder nicht mehr (nun ja, Kinder wachsen ja auch!), iss nicht so viel, sonst...

      Und ich habe es auch schon erlebt, dass besagte Siebenjährige beim Abendessen nach einem halben Teller Salat (!) aufstand und sagte: "Ich hör jetzt lieber auf zu essen und mache noch ein bisschen Gymnastik, sonst werde ich noch dick!" Ganz klar die Folge des ewigen mütterlichen Gemeckers (eine Mutter übrigens, die selbst ständig hungert, weil sie es nicht aushält, dass sie statt Größe 38 wie früher nun eigentlich Größe 40 tragen müsste :rolleyes: - sie quetscht sich aber trotzdem in Größe 38, damit die "richtige Zahl" auf dem Etikett steht, oder warum?).

      Auch eine andere, eigentlich sonst recht vernünftige Mutter, die ich kenne, "droht" ihren Kindern immer wieder damit, dass sie dick werden, wenn sie Schokolade essen - dabei sind alle drei Kinder dünn.

      So treibt man Kinder in eine Essstörung, vor allem, wenn diese die Pubertät erst noch vor sich haben. Diese Leute wissen überhaupt nicht, was sie ihren Kindern damit antun, dass sie sie nicht so akzeptieren, wie sie sind - denn diese Kinder werden sich dann auch selbst nie so akzeptieren können, wie sie sind und sich für den Rest ihres Lebens unzulänglich, nicht gut genug vorkommen.

      Ich versuche meinen Kindern immer wieder klar zu machen, dass ich sie so liebe, wie sie sind, um ihrer selbst willen (ich bin auch überzeugt davon, dass sie das wissen) - egal wie sie aussehen, ob groß, klein, dick, dünn, mit krummer Nase, Pickeln, Haarausfall, Narben oder was sonst so im Leben noch alles kommen mag. Ich hoffe nur, dass sie das wenigstens einigermaßen schützt vor dem Schlankheits- und Schönheitswahn dieser Gesellschaft. (Ansonsten kann ich zur Not ja noch als negatives Beispiel dienen, was passiert, wenn man sich dem Druck beugt und ständig Diäten macht...)
    • Lovely Rita schrieb:

      es wäre auch schön, wenn schlanken, normalgewichtigen kindern (wie ich eines war) nicht eingeredet würde, dass sie zu dick sind.
      weil die eltern ihren horror vor dem eigenen zunehmen projezieren bzw. ihre frauenfeindliche, lustfeindliche haltung auf eine lebendige achtjährige projezieren.

      Ein wahres Wort ...

      Ich habe die entsprechenden Erfahrungen ja auch machen "dürfen" (siehe z.B. meine Teamvorstellung).

      Allerdings sind auch die Einflüsse von außen nicht zu verkennen. Meine inzwischen knapp 10jährige Tochter ist groß, und ihr Körper fängt an sich zu entwickeln. In der Klasse (vor allem beim Sport) wird ihr immer wieder gesagt, sie sei dick, habe einen dicken Bauch etc. - vor allem von Mädchen, die einen Kopf kleiner und sehr zierlich sind.

      Sie wiegt 42 kg bei 1,50m Größe und ist schlank. Nicht dünn, aber schlank. Als jetzt für eine Matheaufgabe alle ihr Gewicht nennen sollten, hat sie gesagt "38 kg", weil sie sich geschämt hat, über 40 kg zu wiegen - und aus Angst, wieder angemacht zu werden.

      Da hast du als Mutter viel zu tun ...
    • Sally schrieb:

      Als jetzt für eine Matheaufgabe alle ihr Gewicht nennen sollten, hat sie gesagt "38 kg", weil sie sich geschämt hat, über 40 kg zu wiegen - und aus Angst, wieder angemacht zu werden.

      Da hast du als Mutter viel zu tun ...


      Was sind das für Lehrer :eek:, muß denn unbedingt das Gewicht für eine Aufgabe benutzt werden :eek:. Da bekomm ich gleich die totale Wut :mad:
      :stay:
      lg
      Renate

      Ein Freund ist jemand, der dich mag, obwohl er dich kennt. (Dr. Eckhart von Hirschhausen)
    • widerlich. gerade ab diesem alter kommen mädchen sehr unter druck, find ich. da brauchen nicht auch noch so dämliche rechenaufgaben gemacht werden. mich wollten die alpha-weibchen der klasse auch immer abwerten, aber dann kam der wurli-mann und hat mir vor der ganzen klasse gesagt, was für schöne augen ich hab. da waren sie dann fertig, die dummen gänse.

      deine tochter ist sicher super, geht gar nicht anders.
    • Das Beispiel war in ihrem Schulbuch groß abgebildet - da hat eine Klasse eben genau das gemacht, nach dem Motto: alle zusammen wiegen wir x kg.
      Die Lehrerin kann da gar nichts dafür, das gehört eben laut Lehrbuch zu dieser Unterrichtseinheit für die 4. Klasse.

      Ich finde das auch äußerst fragwürdig, ebenso wie so manches andere in der Schule (auch speziell in dieser Schule, aber das ist wieder ein anderes Thema).

      Vor Jahren hat mir mal ein Gesprächspartner gesagt, "die Schule ist der größte Eingriff in dein Leben und deine Erziehung, die es gibt." Damals hatte ich noch kein Kind und dachte, der Mann übertreibt. Heute weiß ich: Er hat Recht.