Unbändige Lust nach Zucker / Sucht?

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    • Unbändige Lust nach Zucker / Sucht?

      Hallo zusammen

      Ich habe es im Vorstellungs-Thread schonmal erwähnt, dass ich noch mehr in einem anderen Posting schreiben möchte.

      Immer wieder lese ich - essen ist emotional, es hat immer eine Ursache, irgendwo gibt es einen Hintergrund. Als ich angefangen habe abzunehmen habe ich mich bewusst auch damit ausseinander gesetzt. Wo ist meine ganz persönliche Ursache? Ich habe in meiner Kindheit und in meiner Teenie-Zeit gewühlt, aber so wirklich gefunden habe ich nichts. Meine Kindheit war glücklich, ebenso mein bisheriger weiterer Lebensweg. Ich konnte mich beruflich verwirklichen, ich hatte nie grössere Schicksalsschläge oder ähnliches zu verkraften. Den einzigen "Wunden Punk" könnte eventl. meine Mutter sein. Sie war sehr streng, hat auch oft mit Essen belohnt. Vielleicht ist mir das Unterbewusst geblieben? Mich selbst mit Essen zu belohnen? Dennoch war sie liebevoll und ist bis heute immer für mich da. Also so ganz bin ich im Punkt Ursache nicht schlau geworden.

      Wie schon der Titel sagt ist mein Hauptproblem Zucker, schon immer. Wann immer es ging habe ich mich damit vollgestopft, in meiner Kindheit noch kontrollierter aber als ich dann mobil wurde und eigenes Geld verdient habe, wurde es immer unkontrollierter. Wenn ich dann mal wieder einen Diätplan gefasst hatte und mich von allen Süssigkeiten befreit hatte, bin ich spätestens am dritten Tag zur Tanke gefahren und habe mich wieder eingedeckt. Ich bin mir sicher, das war/ist eine Sucht. Wenn ich nichts Süsses in Reichweite hatte, habe ich eben ersatzweise was sehr deftiges mit Kohlenhydraten gegessen.

      Hierzu eine kleine Geschichte: Meine Schwester und ich haben einen Adventskalender bekommen, der bestand aus jeweils einem Säckchen in das man jeden Tag reingreifen durfte. Er war bestückt mit Schokolade und kleinen Geschenken (zB Radiergummi etc). Ich habe dann heimlich die Geschenke gegen die Schokolade im Säckchen meiner Schwester getauscht, nur weil ich einfach die Schokolade wollte. Die Geschenk waren mir egal!

      Vor ca. 2.5 Jahren bin ich dann mal auf die Waage gestanden (davor sicher 15Jahre nicht mehr). Das war ein Schock. Dick habe ich mich nie wahrgenommen im Spiegel, hab ja was schwarzes an, das kaschiert! Fotos habe ich vermieden wann immer es ging, da wurde das Ausmass dann schon bewusster … Jedenfalls hat mich diese Zahl auf der Waage so schockiert, dass ich mein Essverhalten radikal geändert habe und auch bis heute - mehr oder weniger - durchhalte. Diese Lust nach Zucker ist aber nach wie vor präsent! Auch wenn ich es ganz gut im Griff habe. Dennoch habe ich Tage, da bin ich innerlich unruhig, habe das Gefühl ich MUSS jetzt einfach was haben. Kämpfe mit mir, ob ich im Laden etwas mitnehme oder nicht... Ganz schlimm ist es, wenn Kollegen Kuchen oder Süssigkeiten mitbringen. Es steht quasi vor meiner Nase. Meinen kompletten Arbeitstag wäge ich dann ab, kann ich das essen oder nicht? Wie viele KAL hat das, was muss ich dafür Abends einsparen? Ich google die KAL der einzelnen Süssigkeiten und nehmen dann das, was vermeintlich am wenigstes schlimm ist - Pest oder Cholera. Um sich dann hinterher elend zu fühlen, wieder nicht einfach an dem Naschteller vorbei gehen zu können.

      Ich weiss, für manche ist das jetzt vielleicht jammern auf hohem Niveau, denn meine "Fressattacken" beschränken sich und sind lang nicht mehr so kalorienreich wie früher. Aber für mich ist es jetzt schon "schlimm" wenn ich mal einen Kinderriegel oder Müsliriegel esse. Wenn die Waage dann am nächsten morgen gleichstand oder sogar 100-200gramm mehr anzeigt, denke ich mir: SIEHST DAS WAR DIE SCHOKOLADE GESTERN!

      Mittlerweile bin ich noch ein paar Kilos vom Normalgewicht entfernt. Mein Ziel dass ich mir am Anfang gesetzt habe, habe ich schon vor 10kg erreicht....trotzdem war dann nicht Schluss. Ich denke immer noch, ich habe ja zu viel auf den Rippen. Mein Selbstbild ist jetzt umgedreht, ich sehe mich dicker als ich wirklich bin....

      Habt ihr mir vlt ein paar Tipps wie ich endlich entspannter werden kann? Wir versucht ihr Eure Lust auf Zucker in den Griff zu bekommen ?

      Vielen Dank an alle die sich die Mühe gemacht haben und diesen lange Text gelesen haben! Danke!

      Ina

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Ina_Bad ()

    • Hallo Ina Bad ,

      mein erster Impuls war, als ich deinen Thread gelesen habe, zu denken : " Du nimmst Zucker und Süßes sehr wichtig."
      So ein bißchen nach dem Psychoanalytiker- Sprichwort : "WAs man durch die Haustür hinauswirft, kommt durch die Kellertür wieder hinein." Das heißt, je mehr du dich distanzierst und schon einen Kinderriegel als Schwäche ansiehst, desto mehr psychgischen Schwung bekommt die Sache.
      Ich würde erstmal versuchen, meinen Jieper voll und ganz zu akzeptieren und mir zurechtzulegen, was ich mir gönne. Es darf ruhig mal etwas Süßes sein.
      Oder - das schreibst du nicht, daher frage ich, hast du Sorge, dass ein Moment der Schwäche einen Essanfall auslöst ?

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • @Ina_Bad, dir ist aber schon bewusst, dass du nicht mit diesem Lebensstil aufhören kannst, wenn du auch noch diese letzten paar Kilos weg hast - sondern den Rest deines Lebens genau so weiter leben muss, auf jede Kalorie achtend und dir weiterhin die Süßigkeiten verkneifen? Denn das Wunschgewicht erreichen ist zwar eine harte Arbeit - die aber nix ist im Vergleich zum Wunschgewicht halten. Wenn du, wie du schreibst, schon nach etwas Naschen 200 g mehr auf der Waage hast, werden diese 200 g schnell zu 2000 g usw. zusammen sammmeln. Und eher du dich versiehst, hast du jedes einzelne abgenommene Kilo wieder drauf und dazu als Extra noch etwas mehr. Alternative ist eben - den Rest deines Lebens weiter dieselbe Diät durchhalten.
      Ich hoffe, dass diese Diät eine sehr ausgewogene Ernährung beinhaltet und drücke dir die Daumen, dass du den Rest deines Lebens mit dieser Diät leben kannst.
      Ich bin keine Frau, ich sehe nur so aus.
      (von mir)
    • Ina_Bad schrieb:

      Habt ihr mir vlt ein paar Tipps wie ich endlich entspannter werden kann? Wir versucht ihr Eure Lust auf Zucker in den Griff zu bekommen ?
      Hallo Ina_Bad

      wie Du entspannter werden kannst in Bezug auf das Essverhalten - das wäre vielleicht eine Frage, die Du mit einem Therapeuten besprechen könntest? Und das Körperbild, das nicht der Realität entspricht? Man fühlst Du Dich dünner als wirklich, mal fühlst Du Dich dicker als wirklich? -

      wenn Du den ganzen Tag an Kalorien denken mußt, und wenn einzelne Eßsachen für Dich geradezu "böse" sind oder verboten oder "die süße Sünde, die sich bitterlich rächt, gleich mit hundert oder zweihundert Gramm" -
      es könnte wirklich eine gute Idee sein, ein individuelles therapeutisches Gespräch zu suchen.

      Lust auf Zucker ist ein sehr komplexes Thema, und kann viele verschiedene Ursachen haben.
      Ich kann jetzt nur von mir sprechen und diese Dinge werden für Jede_n anders sein - aber wenn ich merke, daß ich besonderen Jappsch auf Zucker habe, dann schenke ich der Milz besondere Aufmerksamkeit. Vielleicht hast Du einen TCM Mediziner in der Nähe - der könnte einige Tipps auf Lager haben, wie man die Energie des Körpers langsam wieder aufbaut, so daß er nicht mehr so häufig nach der "schnellen Energie" schreien muß.
      Aber das geht nicht von heute auf morgen. Das dauert seine Zeit.
      Und es kann durchaus sein, daß Zucker für Dich persönlich außerdem noch andere Bedeutungen hat.
      Dann ist "Milz" nur ein Teilchen in einem ganzen Puzzle.

      Ich für mich habe gemerkt, daß ich manchmal auch vermehrt Lust auf Süßes habe, wenn ich mehr als üblich Proteine gegessen habe. Wo dran das liegt, weiß ich auch nicht. Es ist nur eine Beobachtung. Wenn ich den Proteinanteil wieder senke, geht die Lust auf Süßes automatisch zurück.

      "Random Input": Zucker steht in der Homöopathie für "Liebe". Kann man auch mal drüber nachdenken.

      Nach einer kleinen Süßigkeit werden im Körper Stoffe ausgeschüttet, die uns helfen zu entspannen und ruhig zu werden. Deshalb haben manche Leute früher ein "Betthupferl" gegessen - eine kleine Menge Zucker oder Honig, um zu entspannen und besser einschlafen zu können. Hast Du denn so viel Stress, daß Du unbewusst nach Entspannung "jieperst"?

      Die Zucker, die der Körper selbst gewinnt, beispielsweise aus Getreide und Kartoffeln, sind die energetische Grundlage für sehr viele Prozesse in den Körperzellen. Ohne Zucker läuft gar nichts.
      Der Industriezucker ist nur ein Ersatzprodukt für die Zucker aus "wirklicher" Nahrung. Es verhält sich so wie mit Leder und Kunstleder, Honig und Kunsthonig. Es mag nur ein kleiner, winziger Unterschied sein - aber der Körper kennt den Unterschied. Daher kommt es dann, daß der Körper tatsächlich hungrig ist - auf ein "richtiges" Essen - und wir füttern ihm aber den unzulänglichen Ersatz. Es gibt einen Spruch:
      Wenn man etwas bekommt, das man eigentlich nicht will und das man nicht wirklich gebrauchen kann, dann kann man von dieser Sache nie "genug" bekommen.

      Mir geht das manchmal so, wenn ein Essen wenig Geschmack hat. Dann ertappe ich mich dabei, daß ich immer weiter esse - als ob der Mund sagt "wann kommt denn jetzt endlich der erwartete Geschmack? Irgendwann MUSS es doch nach Erdbeeren schmecken, irgendwo MUSS der würzige Lauchgeschmack doch stecken?!"

      Beim Zucker kriegt man einen schnellen Energieschub, aber keine wirkliche "Kraft", keine wirkliche Energie. Die steckt in anderen Nährstoffen, die der Industriezucker nicht mitbringt.
      Was also, wenn der Körper sagt: ich muss noch mehr von diesem Zeug essen, klar ich fühle den schnellen Schub, aber wo ist die wirkliche Kraft? Irgendwo muss die richtige Kraft doch stecken? - Das wäre ein Fall, wo man von Zucker nie "genug" kriegen könnte.

      Du allein weißt, liebe Ina_Bad, welche Faktoren in Deinem persönlichen Fall eine Rolle spielen bzw. vorwiegen. Kannst ja mal "achtsam" hinschauen, hinfühlen ...
      Wenn Du willst, kannst Du uns ja mal von Deinen Erkenntnissen berichten?

      Liebe Grüße
      Wenn du dir vornimmst, alles ganz richtig zu machen - genau das ist der Fehler. Ysolda Dee
    • Vieles Wichtige wurde schon gesagt.
      Vielleicht ein kleiner Tipp, der ganz praktisch helfen kann gegen Süß-Yieper.

      Nüsse, in allen Formen! Walnüsse, Erdnüsse, Studentenfutter, Skyr mit geriebenen Nüssen, eine Schnitte mit Pindakaas (Crunchy). In Nüssen muss ein Stoff drin sein, der gegen die "Zuckersucht" "arbeitet". Deshalb habe ich im Winter immer einen großen Nussvorrat wie viele Tiere. An stressigen Tagen erlaube ich mir auch mal einen Süßigkeitentag. Aber wenn es wieder ruhiger wird und ich genug Nüsse knabbere, hält sich der Süßhunger im Rahmen.