was hab ich lieber gute laune oder25 kg weniger

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    • was hab ich lieber gute laune oder25 kg weniger

      Ein ganzes Jahr lang war ich depressiv.
      Mit allem was das so bringt- Klinikaufenthalt,aller größte Verzweiflung,viel Chemie-in Form von Antidepressiva & Co,Suizidalität.....
      Depression-es war nicht meine erste -schlägt mir immer auf den Appetit.
      Der vergeht mir gänzlich.
      Da ich auch die klassischen Symptome habe, wie kein Antrieb und einfach nur noch das Allernötigste hin bekomme-da gehört einkaufen nicht dazu-und alleine lebe( Hilfe einfordern ist in der D auch kaum möglich )-gab es dann oft nix zu essen .
      Das müßte ja eingekauft werden.
      Hunger hatte ich gar keinen,es war also egal.Manchmal "zwang"ich mich ,rein aus rationaler Überlegung-alles was lebt,braucht Brennstoff und Wasser,irgendwas zu essen.
      Und in den 9 Wochen Klinik,stellten sie mir immer was zu Essen hin.
      Ich nahm in knapp drei Monaten so 25 Kilo ab.
      Das hätte mich vorher sehr gefreut,denn ich hatte mir ü-130 angefuttert,litt darunter-sogar eine Magen-OP hatte ich mal angedacht.
      Jetzt registrierte ich die Abnahme nur(in der Klinik"mußte"man sich wiegen)und war genervt über rutschende Hosen,zu weite Klamotten.
      Gewicht war mir egal.Ich wachte immer mit neuen Ideen auf,wie ich mich um die Ecke bringen könnte -dagegen an zu leben
      war wichtiger als eine Zahl auf einer Waage.
      Nach einem verdammt hartem Jahr,ging die Depression einfach wieder weg.
      Danach ging es mir kurz zu gut und ich rannte wie irre durchs Leben.
      Inzwischen habe ich meine emotionale Mitte wieder gefunden .Es geht mir gut und ich freu mich über jeden Tag,egal wie viele Probleme ich habe-Hauptsache nicht depressiv.
      Gerade als ich feststellte,wie viel ich abgenommen hatte- ich kam die Treppe in den vierten Stock wieder einfach hoch;hatte Lust Rad zu fahren, bewegte mich viel leichter und paßte in Klamotten,die ich schon aus sortiert hatte,weil ich mich wie Presswurst drin fühlte...da nahm ich wieder zu.
      Einfach so.Bzw ich mache,was ich lebenslang mache..ich kompensiere schräge Gefühlslagen / nicht zu lösende Probleme mit Essen.
      Und mein Schlaf ist sehr aus dem Lot oft bin ich tief in der Nacht noch wach oder schon wieder....ich schlafe generell maximal 4,5 Stunden...da ist dann viel Tag und so alle 4 Stunden hab ich Hunger
      Aber ich bin so viel in Bewegung,daß das in keinem Zusammenhang steht...Nahrungsmenge,Bewegung,Gewichtszunahme
      :huh: ich gehöre wohl zu den super Futterverwertern,ich brauch Essen nur angucken und nehme zu.
      Last but not Ende.....ich hab mir schon 10 Kilo wieder drauf gefuttert und eigentlich will ich auf keinen Fall wieder mehr zu nehmen,denn ich merke,wie es zwackt,wie schlecht es mir körperlich geht,durch die schnelle Gewichtszunahme...das Lymphödem ist zurück....das Asthma..war alles weg...

      :evil: die Geschichte vom Teufel,den man nur mit dem Bezelbub austreiben kann :cursing:

      Wenn man wählen soll gut gelaunt aber fett oder todtraurig und leicht....was würdet ihr da wählen? :thumbup:
    • Mir ging so durch den Kopf:
      Was will deine Depression dir sagen?
      Du drückst negative Emotionen weg durch Essen. Du "schluckst alles runter". Über einen längeren Zeitraum.
      Aber das funktioniert nicht. Nur für kurze Zeit werden die Gedanken dadurch weggedrückt, aber nach einer Weile ploppen sie wieder hoch. Immer wieder.
      Deine Seele weiß das insgeheim, und irgendwann hat sich so viel Schmerz angesammelt, dass deine Seele die Notbremse zieht und dich mit einer Depression aus den Latschen haut. Dann will sie kein Essen, weil Essen nicht das ist, was sie wirklich braucht.
      Wenn du dich wieder aus dem schwarzen Loch hervorgekämpft hast, fühlst du dich so erleichtert, ja übermütig, dass du den Hilfeschrei der Seele wieder vergessen hast. Mir geht es ja jetzt wieder gut.
      Wieder auf Anfang.

      Die Behandlung der Depression war nur eine Not-Op an der Seele. Nur wenn du lernst, deine unangenehmen Gefühle oder Probleme nicht einfach durch Essen zuzudecken, sondern auf wirksame Art und Weise aufzulösen, kommen die Depressionen nicht mehr wieder, zumindest nicht so schlimm. Zugedeckt ist ja nicht weg. Das ist sehr schwer, überhaupt die echten Ursachen für Probleme zu erkennen, oder auch mal unangenehme Gefühle einfach auszusitzen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Maky schrieb:

      In genau dieser Kombination - ersteres.
      Wobei ich wahrscheinlich (zur Zeit normalgewichtig) todtraurig sein würde, wenn ich plötzlich/kontinuierlich "fett" (deinen Ausdruck verwendend) werden würde.
      Dann bist Du wohl falsch in diesem Forum.
      Also wenn Du normal gewichtig bist (was immer das sein mag...ist ja sehr individuell...).
      und feststellst,daß es Dich traurig machen würde, wenn Du zunimmst, dann frage ich mich ..was willst Du hier..?.Da kommt denn bei mir der Verdacht auf.."ah wieder so ein Voyeur, der lebenslang sein Gewicht mit Disziplin hält und sich einbildet er hätte kein Problem"...schon die Tatsache daß Du glaubst dick macht traurig...zeigt daß Du ein Problem hast.
      Ist ja egal und auch nur meine Mutmaßung-
      Aber als lebenslang Dicke reagiere ich allergisch auf Blicke...oder geschriebene Gedanken von Fettvoyeuren..
      Und ja meine Wortwahl ist harsch,aber die Dinge so zu benennen, wie sie sind, erleichtert mir das Leben.
      Und ich hab da MEINE Gewichtseinteilung

      bis 90 kg war ich mopplig
      ab 120 dick
      alles darüber ist fett.....

      Das kann man in blumigere Worte kleiden oder man kann den Begriff FETT einfach nicht mehr so negativ besetzen.
      Dann beleidigt mich auch keiner mehr...die Fette."..jo....bin ich und sonst so..wie ist die Lage an der dürren Schicksen Front....?"-wäre eine meiner Gegenfragen-Feststellungen.
    • @wilmastante

      Jetzt aber! Gemach! Nicht nötig gleich so "auf Krawall gebürstet" zu sein.

      Es gibt durchaus Menschen, die ihr Leben lang von einer "dicken" Problematik begleitet werden, und dennoch normalgewichtige Phasen haben. Oder sogar untergewichtige Phasen.
      Deshalb sind sie keine "dürren Schicksen", sondern versuchen - wie so viele von uns - ihr inneres oder äußeres Gleichgewicht zu finden.

      Ich verstehe es so, daß bei Dir entweder Deine Seele oder eben Dein Körper ausdrückt, daß etwas aus dem Gleichgewicht ist.
      Ich drücke Dir von Herzen die Daumen, daß Du Dein Gleichgewicht findest - innerlich UND äußerlich!

      Ganz liebe Grüße !!!
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Die Behandlung der Depression war nur eine Not-Op an der Seele. Nur wenn du lernst, deine unangenehmen Gefühle oder Probleme nicht einfach durch Essen zuzudecken, sondern auf wirksame Art und Weise aufzulösen, kommen die Depressionen nicht mehr wieder

      (keine Ahnung warum die Zitiererei nicht mehr klappt...vielleicht klär mich jemand auf.)s

      @ Sophie....recht hast Du.
      Aber es ist nicht mein Ziel, nie wieder depressiv zu werden.Das kenne ich seit ich 9 Jahre alt war und glaub mir ich hab alles durch an Behandlungen und ganz wundersame Erkenntnisse gehabt.
      Ich erkläre Dir auch jederzeit warum ich mich wie fühle und was man da anders machen könnte damit ich mich nicht mehr so fühle.
      Mein Ziel ist ,in den depressionsfreien Intervallen möglichst vergnügt zu leben

      Davon-Erkenntnis und" genau hingucken bei sich "geht die Depression nicht weg.Genauso wenig wie wenn mein Körper irgendeinem Ideal entspräche oder ich reich würde und dadurch alles machen könnte was mir einfällt oder ein Prinz käme und mich auf Händen trägt.

      Depression hat bei vielen etwas mit Emotion und Verhalten oder Ereignissen zu tun.
      Bei mir nicht es ist eine Stoffwechselstörung, ein Seelenschnupfen.

      Es ist kein Zustand,keine Reaktion,kein Gefühl es ist eine ernstzunehmende, schwere Erkrankung bei der die Botenstoffe im Gehirn aus dem Lot sind

      Nichts mehr und nicht weniger.

      Wenn Du mir sagst,"guck mal richtig hin,dann wirst du nicht mehr depressiv"..ist das genauso ,wenn Du das Gleiche zu jemandem mit Parkinson oder Epilepsie sagen würdest.
    • Gemach, Wilmastante. Das ist ein familiäres Forum, wo "Fettvoyeure" schnell aufallen würden. Es gibt hier ein paar normalgewichtige, die gute Gründe haben, sich hier aufzuhalten. Ich gehöre auch dazu.

      Maky wäre unglücklich wenn sie derzeit fett würde, mehr hat sie erst einmal nicht gesagt. Wenn du damit nicht einverstanden bist, dann diskutiere das doch mit ihr - simple, nä.

      Mir fällt auf dass du wenig schläfst, das ist der Verstoffwechselung natürlich gar nicht dienlich. Die Verdauung läuft ja im Schlaf. Mal abgesehen davon dass du schnell abgenommen hattest, was unweigerlich zur schnellen Zunahme führt weil du deinen Körper in einen Hungerzustand versetzt hattest.

      Hier geht es in weiten Teilen darum, sich mit seinem individuellen Gewicht zu akzeptieren, damit man seinen Handlungspielraum erweitert und sich von der Gewichtsfixierung löst. Denn selbst wenn du dem Problem auf dem Grund kommst, dh irgend wann mal alle Gründe für dein hohes Gewicht identifiziert hast (heres Unterfangen!), dann bedeutet das nicht automatisch dass du schlank wirst. Schon mal daran gedacht?

      Ich hoffe dass sich deine Verfassung weiterhin stabilisiert und sende liebe Grüße
      Knallfrosch
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Liebe Wilmastante,

      wenn du so die Frage stelllst:

      Wilmastante schrieb:

      Wenn man wählen soll gut gelaunt aber fett oder todtraurig und leicht....was würdet ihr da wählen?
      dann würde ich spontan antworten, ich wünsche mir gute Laune, die von meinem Körpergewicht UNABHÄNGIG ist.....

      Wilmastante schrieb:

      Und ich hab da MEINE Gewichtseinteilung

      bis 90 kg war ich mopplig
      ab 120 dick
      alles darüber ist fett.....
      Das ist deine individuelle Sicht der Dinge, andere haben andere.;)


      Wilmastante schrieb:

      Depression hat bei vielen etwas mit Emotion und Verhalten oder Ereignissen zu tun.
      Bei mir nicht es ist eine Stoffwechselstörung, ein Seelenschnupfen.

      Es ist kein Zustand,keine Reaktion,kein Gefühl es ist eine ernstzunehmende, schwere Erkrankung bei der die Botenstoffe im Gehirn aus dem Lot sind
      Ich nehme Depressionen bei sehr ernst.
      Mittlerweile zweifle ich aber an der Serotoninhypothese der Depression oder der Dopaminhypothese der Psychosen. Ich glaube auch nicht daran, dass Antidepressiva oder Neuroleptika Probleme lösen.
      Warum dürfen psychische Krankheiten nicht psychisch sein?


      Wilmastante schrieb:

      Nach einem verdammt hartem Jahr,ging die Depression einfach wieder weg.
      Danach ging es mir kurz zu gut und ich rannte wie irre durchs Leben......

      Wilmastante schrieb:

      Und mein Schlaf ist sehr aus dem Lot oft bin ich tief in der Nacht noch wach oder schon wieder....ich schlafe generell maximal 4,5 Stunden...da ist dann viel Tag und so alle 4 Stunden hab ich Hunger
      Aber ich bin so viel in Bewegung,daß das in keinem Zusammenhang ....

      Hattest du solche Phasen schon vor deiner Depression? Oder jetzt erst? Nimmst du Antidepressiva?
      Mein Eindruck ist, dass da etwas Bipolares mitdrin ist - entweder so oder als NEBENWIRKUNG von Antidepressiva - und da sind Gewichtsschwankungen sehr häufig....


      Sophie schrieb:

      Die Behandlung der Depression war nur eine Not-Op an der Seele. Nur wenn du lernst, deine unangenehmen Gefühle oder Probleme nicht einfach durch Essen zuzudecken, sondern auf wirksame Art und Weise aufzulösen, kommen die Depressionen nicht mehr wieder, zumindest nicht so schlimm. Zugedeckt ist ja nicht weg. Das ist sehr schwer, überhaupt die echten Ursachen für Probleme zu erkennen, oder auch mal unangenehme Gefühle einfach auszusitzen.
      Ich sehe es wie Sophie - und glaube mir, ich habe über 10 Jahre lang Psychopharmaka genommen und mich gewichtsmäßig mehr als einmal halbiert oder verdoppelt. :S

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Mein Eindruck ist, dass da etwas Bipolares mitdrin ist - entweder so oder als NEBENWIRKUNG von Antidepressiva - und da sind Gewichtsschwankungen sehr häufig....
      ja klar heißt das Kind bipolar 2
      es ging mir mit dem Beitrag nicht darum Ratschläge zu bekommen oder so
      ich wollte einfach erzählen
      vom auf und ab des gewichts im zusammenhang mit der stimmung
      ich halte Depression und Psychose nicht für psychische Erkrankungen
      den Begriff kranke Psyche an sich finde ich überdenkungswürdig
      meine Psyche ist nie krank
      ich so als Ganzes hab mir vielleicht komische Verhaltensmuster angewöhnt
      und daraus können dann wieder zwischenmenschliche und andere Probleme resultieren die mich empfänglich dafür machen depressiv zu reagieren.
      so entstehen bei den meisten depressionen oder auch psychosen
      was ich erlebe ist so sehr auserhalb meines normalzustandes, daß es sehr tröstlich ist, zu wissen, das liegt daran, daß irgendwelche neurotransmitter polka tanzen
      und nicht an mir
      an einer kranken psyche....was soll das sein?
      hat schon mal einer diese viel besprochene psyche gesehen...kann man die beweisen...wie kann was,woran man"nur" glaubt und was nicht nachweisbar ist krank sein?
      was in meinem hirn abgeht,kann man sichtbar machen
    • Knallfrosch schrieb:

      wenn du dem Problem auf dem Grund kommst, dh irgend wann mal alle Gründe für dein hohes Gewicht identifiziert hast (heres Unterfangen!), dann bedeutet das nicht automatisch dass du schlank wirst. Schon mal daran gedacht?
      nichts anderes habe ich je gedacht
      also die hoffnung,daß ich schlank werde,wenn ich mir mal aller Gründe bewußt bin für mein Gewicht-süchtige Esserei....die Idee habe ich schon vor Jahrzehnten über Bord geworfen

      Knallfrosch schrieb:

      Mir fällt auf dass du wenig schläfst, das ist der Verstoffwechselung natürlich gar nicht dienlich. Die Verdauung läuft ja im Schlaf. Mal abgesehen davon dass du schnell abgenommen hattest, was unweigerlich zur schnellen Zunahme führt weil du deinen Körper in einen Hungerzustand versetzt hattest.
      da hast Du natürlich Recht. Das ist mir auch aufgefallen,wie das alles zusammenhängt,Gewicht,Laune, Schlaf.....
      Ich denke,das spielen Hormone und anderes zusammen,die wir noch nicht verstehen
      Aber mein "schlechter" Schlaf hat ganz viel mit meinem Gewicht zu tun.
      Und sicher,war der Körper bestrebt sich wieder zu holen, was er so schnell verloren hat.
    • wilmastante schrieb:

      an einer kranken psyche....was soll das sein?
      hat schon mal einer diese viel besprochene psyche gesehen...kann man die beweisen...wie kann was,woran man"nur" glaubt und was nicht nachweisbar ist krank sein?
      was in meinem hirn abgeht,kann man sichtbar machen
      Ein sehr interessantes und philosophisches Thema, zu dem ich viele Gedanken habe.

      Zunächst, dass man sichtbar machen kann, was in deinem Hirn abgeht, da habe ich große Zweifel. Man kann Gewebe und Blutfluss sichbar machen, aber deine Gedanken gehören nur dir, gottlob.

      Zunächst sehe ich keinen Grund, die Psyche oder den Körper separat zu betrachten. Deine Psyche - das bist du. Dein Körper - das bist du. Zusammen seid ihr eins - Wilmastante. Was immer an dem einen oder dem anderen Organ passiert, wirkt sich auf den Rest deines Selbst aus. Deine Psyche ist sicherlich nicht krank aber du wirst Bewußseinszustände haben, die für dich unangenehm sind (die Depressionen beispielsweise). Logischerweise würde ich denken dass es besser ist, diese nicht zu haben. Ob das stimmt, weiss ich allerdings nicht.

      Kranke Psyche - was ist das? Krankheit kann man als Störung des körperlichen, seelischen oder sozialen Wohlbefindens definieren. Damit hat man einigen Handlungsspielraum. Was für den einen sich als Krankheit darstellt (blödes Beispiel - zu großer Busen), ist für die andere gar kein Problem. In sofern gebe ich dir Recht, das ist nicht fix.

      Nun scheint es aber dass du definitiv mit einer Störung deines Wohlbefindens kämpfst, demnach wärest du krank und damit behandlungsbedürftig. Das hast du ja auch so beschrieben - Polka tanzende Neurotransmitter. Keine kranke Psyche zu haben wäre für mich demnach die Abwesenheit von emotionalem Unwohlsein, zumindest in dieser Stärke.

      Das schlimme an der Depression ist ja, das es unmittelbar in dir selbst passiert und sich nicht abtrennen läßt, so wie ein gebrochenes Bein. Ich stelle mir das unendlich schwierig vor, sich selbst klar zu machen dass man der Hoffnungslosigkeit nicht nachgeben darf. Dafür bewundere ich dich.

      Liebe Grüße vom Knallfrosch
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • Hallo wilmastante,
      danke für deine Antwort, das hilft mir, besser zu verstehen.

      wilmastante schrieb:



      ich halte Depression und Psychose nicht für psychische Erkrankungen
      den Begriff kranke Psyche an sich finde ich überdenkungswürdig
      meine Psyche ist nie krank
      ich so als Ganzes hab mir vielleicht komische Verhaltensmuster angewöhnt
      und daraus können dann wieder zwischenmenschliche und andere Probleme resultieren die mich empfänglich dafür machen depressiv zu reagieren.
      so entstehen bei den meisten depressionen oder auch psychosen
      was ich erlebe ist so sehr auserhalb meines normalzustandes, daß es sehr tröstlich ist, zu wissen, das liegt daran, daß irgendwelche neurotransmitter polka tanzen
      und nicht an mir
      an einer kranken psyche....was soll das sein?
      hat schon mal einer diese viel besprochene psyche gesehen...kann man die beweisen...wie kann was,woran man"nur" glaubt und was nicht nachweisbar ist krank sein?
      was in meinem hirn abgeht,kann man sichtbar machen
      Ich habe auch nix von "kranker Psyche" geschrieben, sondern "warum dürfen psychische Erkrankungen nicht psychisch sein?
      Ich halte - habe ich schon mal erwähnt - eine psychische Erkrankung für den Lösungsversuch einer unlösbaren Situation. Eine Art Double- bind- Situation, also eine Situation, die anders nicht bewältigt werden kann.
      Ein Beispiel: (fiktiv)
      1) Ich hasse meinen Job und meine Kollegen
      2) Ich muss aber hingehen, weil ich das Geld brauche
      Es gibt im Moment keine gangbare Lösung. Ich kann weder den Job verändern noch dafür sorgen, dass die Kollegen besser sind; ich kann aber auch nicht einfach kündigen,...nun gut, ein DILEMMA.
      Was ist zumindest eine kurzfristige Lösung? Ich zieh mich raus, ich stell mich tot, ich erstarre - ich werde DEPRESSIV. Ich bin erstmal raus aus der unerträglichen Situation. ( Natürlich begebe ich mich in eine neue unerträgliche Situation, aber das merke ich noch nicht, erst später. Ich bin nämlich jetzt bald Psychiatriepatiient )
      Wenn ich nicht der Typ für Depressionen bin, konstruiere ich eventuell auch eine neue Beziehung zu meinen Kollegen. Ein Netz aus Intrigen, Andeutungen, Blicken. Das Leben ist immer noch schwierig, jetzt aber ist es wenigstens spannend und mit Bedeutung aufgeladen. Ich selbst stehe im Mittelpunkt ( wo sonst gibt es die Möglichkeit?) DAS nennen sie dann paranoide Psychose.....
      Auch da gilt wieder: Das Dilemma wird aufgelöst, das ursprüngliche Problem ersetzt,
      empfehle Thorwald Dethlevsen /Ruediger Dahlke: Krankheit als Weg, Bedeutung von Depressionen und Psychosen, S. 317ff
      Dass sich unsere Seelenzustände mit Neurotransmittern wiederspiegeln ist klar, wir leben alles körperlich aus, wir sind schließlich keine Geister.
      Du weisst auch schon, dass noch niemals eine verringerte Serotoninkonzentration im Gehirn gemessen werden konnte, geht bei Lebenden nicht.

      Andere Frage: Wie sieht deine Behandlung aus?

      liebe Grüße Lisa

      Die Diagnose bipolar habe ich auch schonmal bekommen. Unter anderem.
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Interessanter Ansatz, Lisa.
      Die Definition für "Krankheit" ist auch gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen unterworfen. Es gibt/gab Gesellschaften, in denen wird/wurde Homosexualität als "Krankheit" definiert. Es gibt/gab Gesellschaften, in denen wird/wurde Epilepsie oder Stimmenhören nicht als "Krankheit", sondern als "heiliger" Zustand betrachtet. In unserer westlichen Leistungsgesellschaft gilt man als "krank", wenn man "arbeitsunfähig" ist. ("Sie können ja gar nicht krank sein, Sie haben doch gar keine Fehltage. Also stellen Sie sich mal nicht so an." - O-Ton meiner KK, als ich eine Kur wegen meiner Burnout-Problematik beantragte. Jetzt arbeite ich gar nicht mehr, und die kriegen von mir keine Beiträge mehr.)
      Auf der anderen Seite werden in unserer westlichen Leistungsgesellschaft gesunde Menschen, die sich wohl fühlen, als "krank" erklärt, um finanzielle Interessen zu bedienen. Es wird aktuell diskutiert, ob behandlungsbedürftiger (= lebenslänglich Pillen schlucken und die Pharmaindustrie mästen) Bluthochdruck ab 130 mmHg sinnvol ist: siehe Spiegel online

      Da bin ich ganz bei dir, Lisa, dass es nur jeder für sich entscheiden kann, ob er seelische oder körperliche Schmerzen leidet, und ob das behandelt werden soll (ob das geht, ist eine andere Sache). Und ich mache auch keinen Unterschied zwischen Hardware und Software (Körper und Seele). Beides ist untrennbar miteinander verbunden, und beides ist "Ich". Die Trennung ist lediglich kulturell bedingt. Der "aufgeklärte Westen" macht sich lustig über sogenannte "primitive" Völker, die diese Trennung nicht vornehmen, aber das ist auch nur kulturell bedingter Hochmut.

      Bei allen Krankheiten (als Zustand gesehen, unter dem man subjektiv leidet) gibt es wahrscheinlich unzählig viele begünstigende Faktoren, die zu diesem Zustand geführt haben: genetische Veranlagung, Beschädigungen (was durch äußere Einflüsse zurückbleibt, also nicht angeboren ist), Lebensbedingungen, eigene antrainierte Denk- und Verhaltensmuster, Lernerfahrungen usw.

      Ich sehe das wie eine Multiplikation. Wenn das Produkt aus allen Faktoren eine bestimmte Mindestgröße erreicht, ist die Bedingung für die jeweilige Krankeit "true". Das Ergebnis wird Null, wenn ein Faktor Null ist - aber da der Mensch ein biologisches und soziales Wesen ist, sind alle Faktoren immer größer als Null, wenn auch noch so winzig. Wenn dann mehrere Faktoren sehr groß sind, erkrankt die Person. Aber auch wenn ein Faktor sehr groß ist, kann er durch viele sehr kleine andere Faktoren kompensiert werden. In den Gesundheitsideologien wird in der Regel nur auf einen Faktor fokussiert. Welcher das ist, hängt von der jeweiligen "Schule" ab. Daher denke ich, dass es die Therapie bei so komplexen Dingen wie Depressionen nicht geben kann. Vielleicht ist es auch einfach unmöglich, alle begünstigenden Faktoren auszuschalten. Dann sollte neben Erste-Hilfe-Maßnahmen und dem Versuch der Wiederherstellung auch daran gedacht werden, wie man mit der Depression leben kann. Leider - und da spreche ich aus Erfahrung - ist das Ziel immer "weg damit", aber nie, die Frühwarnsignale zu erkennen, Work-arounds bei Beeinträchtigungen zu erlernen, und vor allem nicht die Akzeptanz. Die Krankheit ist falsch => du bist falsch.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Neu

      Ihr weisen Damen,
      das mit dem Zitieren klappt grad nicht..lädt ewig..passiert nix..Admins?

      Also versuch ich mal so eine Antwort.
      Es freut mich, daß ich zu so kontroverser Diskussion angeregt habe und so komplexe Überlegungen in Gang brachte.
      Wie gesagt,ich wollte keinen Rat ..ich wollte nur berichten...was ich erlebt habe das vergangene Jahr..im Groben.
      Die Beschreibung ala Dahlke,wie Depression entstehen kann,ist richtig.Depression ist oft eine Reaktion auf unlösbare Situationen.Erstarren vor dem Feind.
      Allgemein ist sie ein Anzeiger.."eh hier stimmt was nicht im Leben...halt mal inne..guck mal hin"
      Erlebt man das nur ein-zweimal im Leben, dann kann Depression etwas sehr Gutes sein.Es zwingt zum Hingucken, Überdenken, Erkennen, sich selbst Dinge eingestehen...und am Ende biste meist schlauer, hast tolle Leute kennen gelernt( bei der Behandlug)...und in deinem Leben geändert,was dich vorher behindert hat.
      Ich bin depressiv seit ich 14 bin...wahrscheins schon mit 9..aber als Kind,da traut sich immer noch keiner von zu reden..depressive Kinder....
      Zwischen 15 und 18 war ich ein sehr düsterer Teenager, der immer neue Selbstvernichtungspläne schmiedete
      Dann schickte mir "Einer" ein Kind.Um das habe ich mich dann 10 Jahre lang alleine ziemlich gut gekümmert.
      Dann ging nix mehr.Die Depression, die mir immer im Nacken saß zwang mich gnadenlos in die Knie.
      Als ich mein Kind mitnehmen wollte an irgendeinen besseren Ort als hier, begab ich mich zum ersten mal stationär in Behandlung .Das ist mittlerweile ein Vierteljahrhundert her.
      Die D kam immer wieder , egal was ich tat, wie ich behandelt wurde, was ich für tolle Erkenntnisse hatte
      Als ich in die Wechseljahre kam, war sie weg.Für 4 Jahre.Ich dachte wirklich das war es, es war einfach eine hormonelle Sache ( ich kenne das von anderen Patienten auch).
      Aber sie kam wieder.
      Klar gibt es Ursachen- mein durch die kranken Phasen aus dem Ruder gelaufenes einsames verarmtes Leben könnte immer ein Grund sein depressiv zu werden.
      Aber damit habe ich mich arrangiert.
      Sie kam einfach innerhalb von zwei Wochen daher und machte sich für ein Jahr breit.Ich wollte schon EKT machen oder mir einen Gehirnschrittmacher einpflanzen lassen,aus lauter Verzweiflung
      Es half keine Behandlung- keine Medikament- und "gelabbert ist genug geworden".
      Dann ging sie.Innerhalb von zwei Wochen.Wie sie gekommen war .
      Was ich damit sagen will---meine Krankheit ist wahrscheinlich eine andere Nummer,wie das,was die Meisten die sie mal erleben mußten, unter Depression verstehen.
      Was ich nun mache...mich behandle.
      Ich lebe und freu mich jeden Tag wie Bolle,den ich nicht depressiv bin.Ega wie schwierig meine Lebenssituation ist, wie einsam ich bin, woran alles ich sparen muß oder wenn mein dussliger Sohn mir den Kontakt zu den Enkeln verwehrt.
      Ich bin glücklich.
      Die Sorgen rauben die Kraft für morgen.
      Soll man lassen.
      Steht schon in der Bibel.
    • Neu

      Hallo Wilmastante,
      danke, dass du deine Überlegungen mit uns teilst.
      Und natürlich hat jede Krankheit ihr eigenes Gesicht. ( nicht umbedingt ihre eigene Diagnose, nach acht (!) verschiedenen Diagnosen sagte ich dann: Ihr habt einfach keine Ahnung, was mit mir los ist......)
      Deine Eingangsfrage war jedoch:
      "
      was hab ich lieber gute laune oder25 kg weniger"

      und das hat dann auch zur Diskussion über die Zusammenhänge geführt.
      Ich weiss nur von mir,
      wenn ich die Neurotransmitterhypothese akzeptiere,
      führt das im Schluss
      zu vielen Psychopharmaka,
      und noch mehr Psychopharmaka
      OHNE dass sich etwas geändert hatte.
      Mir ging es immer noch besch......, ich nahm 3-4 Medikamente gleichzeitig ( u. a. auch welche gegen die Nebenwirkungen der anderen Medikamente)
      habe mich dank der pharmakoinduzierten Adipositas gewichtsmäßig verdoppelt ( echt!)
      und mir ging es immer noch besch......
      Auf diese Weise habe ich 10 Jahre vertrödelt, war Drehtürpatientin in der Psychiatrie und ständig bedröhnt.....
      es ging dann nicht mehr ....

      wenn sie dir helfen konnten, ist alles gut; wenn du leben, lieben,lachen kannst, ist alles gut,
      dann würde ich auch sagen: "Sch..... auf die Kilos!"

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken