Diätwahn im Büro...die Hundertste *würg*

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    • Diätwahn im Büro...die Hundertste *würg*

      Liebe Forumsmitglieder,

      hallo! Das ist mein erster Beitrag. Ich hab heute dieses Forum gesucht und gefunden, weil mir der Diätwahn im Büro nun wirklich zu viel wird.
      Wir sind nur 6 im Büro, der Chef und seine Frau und 4 angestellte Frauen. Also insgesamt 5 Frauen, alle außer mir im Diät- und Sportwahn.
      Der Chef schätzt dünne sportliche Frauen und unterstützt das.

      Wir sind mitten im Wald und essen daher zweimal täglich gemeinsam am Tisch: Frühstück und Mittagessen. Beides ein Muss, von Chefseite. Wir kochen für ihn.
      Wäre ich in einer großen Firma, so wie früher, dann würde ich den Diätwahn-Kolleginnen einfach ausweichen. Hier geht das nicht.

      In meiner Familie sind alle Frauen eher mollig, und seit ich denken kann muss ich mir das Gejammere anhören. Auch ständig Kommentare wenn ich zugenommen hatte als Mädchen. Ich glaub ich hab da echt einen Schaden von damals, und Anfang 20 hatte ich auch Bulimie um endlich auch mal dünn zu sein.
      Seither halte ich mein Gewicht, esse aber sehr wenig im Vergleich zu anderen, weil ich echt leicht zunehme. Ich bin 157cm und habe 51 kg, schaue "dicker" aus als ich tatsächlich bin weil ich so klein bin. Ich fühl mich ganz wohl mit mir, aber bei meinen Kolleginnen fühle ich mich mittlerweile richtig dick!
      Die machen teure Fettreduktionen mit Kryolipolyse, Diätshakes, No Carb... es ist total verrückt!

      Mein Job besteht darin, mich um alles Komplizierte zu kümmern. Ich muss jeden Tag richtig viel arbeiten und nachdenken und darf keine Fehler machen.
      Mir kommt es langsam so vor, als hätten es sich alle anderen super fein gerichtet. Joggen in der Mittagspause.

      Woher kommt dieser Schlankheitswahn? Ich verstehe es einfach nicht!
      Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Erfahrungen mit mir teilen möchtet. Bislang habe ich einfach alles ignoriert, doch langsam nagt es sehr an mir. Ich hab schöne Hobbies, Gedanken, mich fasziniert die Astronomie...ich fände mein Leben so sinnlos wenn es sich ständig nur um mein Aussehen und Gewicht drehen würde...omg..

      Liebe Grüße, 11i
    • Ach, ist doch alles subjektiv. Ich finds auch schlimm wenn ich höre „Nee, ich kann das nicht essen, die Figur“, wenns nachmittags mal Stückchen oder Kuchen im Büro gibt – und ich hörs meistens von Kerlen.

      Ehrlich? Ich ess den Kuchen trotzdem und schmecken tut er auch und genießen tu ich’s auch. Und ja, ansehen tut man’s mir auch.

      Aber es ist echt anstrengend immerzu nur darüber nachzudenken was jetzt richtig und was falsch ist und ob die anderen es besser machen, weil was ändert das? Nix. Ich bewundere die, die sich wirklich täglich aufraffen zum Joggen oder anderen Sportarten, aber ich erwarte nicht von mir, dass ich das auch tue, denn ich weiß, das werde ich nicht.

      Woher dieser Schlankheitswahn kommt weiß ich auch nicht. Ich finde ihn nervig. Und ich finde ihn auch sehr unentspannt. Was ist schön daran ständig auf irgendwas zu verzichten von dem ich aber weiß, es schmeckt mir gut und ich hätte eigentlich auch Lust drauf? Wie viele machen eigentlich wirklich Sport, weil sie gerne Sport machen und es ihnen Spaß macht? Und wie viele rennen nur los, weil‘s halt Pflicht ist um besonders gut auszusehen?

      Ich versuche, mich nicht (mehr) darauf zu konzentrieren was ich esse und obs gesund ist oder nicht und ob ichs brauche oder nicht. Essen sollte nicht dein Leben bestimmen.

      Lass deine Kolleginnen doch machen, wenn sie wollen. Im Grunde hat es nix mit dir zu tun.
      "Make sure you know what I'm saying, before you try to tear me down"
      - Hedwig Robinson -
    • Du hast 51 kg, das ist nicht viel, das ist Idealgewicht bei deiner Größe.
      Wenn dich das Gezetere deiner Koleggen stört, dann sags doch einfach und gleich so, das du dann anmerkst, wenn es für euch kein anderes Thema gibt, dann suche ich mir einen anderen Platz zum Essen und wenns dem Chef nicht passt, dann hat er Pech, denn Essen ist Pause und Pause kann ich dort verbringen wo ich will..
    • na ja, für uns alte Hasen, die schon lange mit unerfüllbaren Idealen, Ausgrenzung und dergleichen zurecht kommen müssen - und durch vielleicht tatsächlich ein starkes Selbstbewusstsein gewonnen haben, so daß wir über den Schlankheitswahn nur die Schultern zucken können - für uns mag das ganz einfach sein, mit einer solchen Situation zurecht zu kommen.

      Für dich, 11i, ist es das offenbar (noch) nicht. Und das ist okay!

      Ich lese aus Deinem Beitrag erstens, daß der Schlank-Druck irgendwie nicht so direkt, sondern eher atmosphärisch ist. Du wirst nicht wirklich ausgegrenzt oder gehänselt, aber atmosphärisch, ohne daß man den Finger auf ein Wort legen könnte, fühlst du diesen Druck bei dem Schlankheitsgedöhns mitzumachen? Habe ich das richtig verstanden?

      Als zweites lese ich zwischen den Zeilen eine Art unterschwellige Ängste - weil der Chef nun mal auf dünne Frauen steht und den Schank-Hype noch anfeuert. Könnte das dann schließlich darin münden, daß eine nicht so schlanke Frau rausfliegt oder nicht befördert wird? Fühlst du das? Oder interpretiere ich deine Worte falsch?

      Auf jeden Fall ist es schwierig, "der" Außenseiter zu sein. Die einzige, die beim Diäteln nicht mitmacht. Das "Schlank" scheint ja das Haupt-Identifikations-und-Zugehörigkeitsmerkmal bei eurer Gruppe zu sein?

      Nach meiner persönlichen - auf keinen Fall maßgeblichen - Meinung, kommt der Schlank-Wahn daher, daß wir in unserer Gesellschaft in nahezu allen Bereichen das richtige Maß verloren haben. Das wird dann - stellvertretend? - gern den Dicken vorgeworfen, nämlich sie seien maßlos. Aber die Kehrseite der Medaille ist immer noch schlanker zu sein, unmäßig dünn sein zu müssen. Das ist - für mich - eine der Ursachen des Schlank-Wahns.

      Vielleicht hilft es Dir, wenn Du es wirklich als einen WAHN betrachtest, denn es ist doch Wahnsinn, in einen gesunden, funktionierenden, schönen Körper mit Kryolyse oder Diäten einzugreifen, so daß am Ende womöglich das ganze System koppheister geht. Gerade in diesem Forum können dir einige davon erzählen, was sie sich auf lange Sicht mit Diäten & Co. angetan haben.

      Ich kann an dieser Stelle nur die Empfehlung aussprechen, daß du ganz bei dir bleibst - bei deinen Bedürfnissen, bei deinem Hunger, bei deiner Sättigung, bei deinem Körpergefühl. Das ist viel wichtiger als die Meinung der anderen - die übrigens morgen schon eine ganz andere sein kann.

      Du hast ein Recht die zu sein die du bist!
      Du bist NICHT verpflichtet, in einem wahnhaften Schlank-Wettbewerb anzutreten.
      Du bist NICHT auf der Erde, um dem Frauenbild deines Chefs zu entsprechen.
      Du bist du - und das ist okay.

      Viel Glück und liebe Grüße
      Issi
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Bleibt in Deinem Betrieb soviel Zeit sich ums Essenkochen zu kümmern, Jogging zu machen oder Kalorien zu zählen? Da wären ja die Pausen länger als die Arbeitszeit. Wenn Euer Chef so scharf auf schmale und schlanke Frauen ist, dann soll er doch eine Modelagentur eröffnen oder ein Fitness-Center. Natürlich weiß auch ich wie das ist, wenn man ständig wegen dem Gewicht angegangen wird oder wenn ständig rumgemäkelt wird aber zumindest in meinem Job habe ich gottlob davor Ruhe. Da ist nur wichtig, dass ich in meinem Stellwerk die Weichen richtig stelle, sonst nix. Allerdings gibt es auch in unserer Fahrzeugwerkstatt solche Sachen wie "Obsttage" oder in den Kurzpausen so etwas wie Bewegungstraining. Aber gottlob nur dort und viele Ältere machen diese Betriebsarztspinnerei und -Bevormundung nicht mit. Das zieht nur bei den Azubis.
    • Warum war mein Kommentar nicht hilfreich?
      Es liegt doch nun mal an dir selbst, ob du dir den Tag davon versauen lässt. Du kannst die anderen schlecht ändern, also ändere dich selbst.
      Ich denke aber mal, damit tust du dich schwer, weil die Kollegen eben auch den Nerv bei dir treffen. Nämlich deine große Angst, dick zu werden.

      Du fragst, woher der Schlankheitswahn kommt, bist von ihm angenervt, unterwirfst dich ihm aber selber auch völlig und bist deinen Kollegen sauer, dass sie das ebenfalls tun.
      Ich bin eine Signatur
    • Ich weiß ja nicht - ich würde eher tippen (da solche Beiträge sich derzeit mehren), dass es eher darum geht, den Forum zu kapern, viel Blödsinn zu schreiben und sich über die Antworten zu amüsieren. Denn alle Beiträge sind voller Wiedersprüche. Ich wundere mich daher eher, dass diese keiner zu sehen scheint...

      Gehen wir doch mal das Posting durch.
      Wir haben also eine etwa 40-jährige Frau, die 51 kg wiegt, Bulimie hatte und seit dem sehr wenig isst. Dabei aber die Einzige ist, die nicht dem Diät- oder Sportwahn verfallen ist. Aber aus einer Familie stammt, in der alle mollig sind. Sehr interessant. In diesem Fall würde ich aber sagen - dann hat sie immer noch Bulimie, sonst würde sie das Gewicht nicht halten können.

      Es wird in der Firma gekocht. Zwei mal am Tag sogar. Alle essen zusammen. Daran teilnehmen ist ein muss. Klingt auch so, als ob man auch aufessen müsste, der Chef wacht darüber. Bis hierher würde ich die Sorge noch verstehen, wenn es denn darum gegangen wäre, dass sie auf Grund von so vielen Kalorien die Angst hat, zuzunehmen. Denn der Chef sorgt sich wohl eher, dass seine Mädchen alle viel zu dünn sind und will sie zwangsfüttern. OK, vielleicht wird ja auch nur Wasser gekocht. Weiß ich ja nicht. Denn der TE scheint es nicht klar zu sein, dass alles, was man so kocht, immer Kalorien hat. Menschen, die im Diätwahn sind, würden sich eher ein Salatblatt von zu Hause mitbringen und diesen noch auf 2 Mahlzeiten aufteilen.

      Die Frauen essen also alle mit dem Chef - und anschliessend gehen sie erstmal joggen und in den Zeiten außerhalb des Büros machen sie noch "teure Fettreduktionen mit Kryolipolyse, Diätshakes, No Carb..." - das würde meine These eigentlich unterstreichen, dass der Chef die Mädels eher füttert, weil er sich jeden Morgen zu tode erschreckt, wenn diese wandelnde Skelette im Büro erscheinen.

      Die Jobbeschreibung finde ich besonderes super.
      "Mein Job besteht darin, mich um alles Komplizierte zu kümmern. Ich muss
      jeden Tag richtig viel arbeiten und nachdenken und darf keine Fehler
      machen."
      Also ein Team mitten im Wald, dass nichts genaues tut und die TE da eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe hat. Als? Da wusste wohl jemand nicht, welche Jobbezeichnungen es so gibt in Frauenberufen... ;o)
      Ich bin keine Frau, ich sehe nur so aus.
      (von mir)
    • Das könnte aber trotzdem so sein. Gemeiinsame Mahlzeiten bedeuten ja nicht sofort Fressorgien. Ich könnte mir sehr wohl eine leicht sektiererische, auf ökologisch-politisch-korrekte, fett- und gentechnikfreie Lebensmittel (natürlich nur salzfrei gedämpft, niemals gebraten!) achtende Gruppe vorstellen, mit dem Chef als "Guru". Da bekommst du dann jedes Natur-Reiskorn in den Mund gezählt, und am besten isst du außerhalb der Gruppe nichts, weil da ja unkontrolliertes "Bäh" gegessen werden könnte.... Ich kenne so Leute!
      In solchen Kreisen darf man auch nicht von einem Nine-to-Five-Job ausgehen. Die leben am Arbeitsplatz, und dann hat man mittags natürlich Zeit zum Joggen. Dafür darf man bis Mitternacht arbeiten. So Leute kenne ich auch.
      Als ich noch 51 Kilo wog (und ich bin 5 cm größer als die TE), hieß es auch immer, ich wäre zu fett. Ich hätte einen Arsch wie ein Flugzeugträger und so Nettigkeiten. Also kann man auch mit Idealgewicht getriezt werden.

      In so einer Firma würde ich nicht bleiben wollen. Ganz abgesehen von dem unterschwelligen Psychoterror in Richtung Schlankheit- und Fitnesskult, halte ich es für übergriffig, wenn der Arbeitgeber sich bis in die Körperfunktionen seiner Mitarbeiter einmischt. Das ist ja gruselig!
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)