Ständig zum Essen animiert

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    • Ständig zum Essen animiert

      Hallo,

      geht es vielen von Euch auch so, dass man gerade von den Leuten ständig zum Essen animiert wird, die einem eigentlich ständig kritisieren, dass man zu dick sei oder die einem lästig in den Ohren liegen, man solle endlich mal abnehmen?

      In meinem engeren Freundes- und Verwandtenkreis ist die Kritik an meinem Umfang und meinem Gewicht am größten. Wenn ich z. B. bei meinen beiden besten Freunden oder bei meiner Schwester auftauche steht sofort das Thema Gewicht, Abnehmen und gesunde Ernährung auf der Agenda. Das ist mir mittlweile so lästig, dass ich dort gar nicht mehr gerne hingehe.

      Stehen aber Einladungen an oder Feierlichkeiten, dann sind das genau die Leute, die einem dann ständig zum Essen und Trinken animieren wollen. Und das mit Sprüchen wie "Greif zu", "Es darf nix übrig bleiben", "Du kannst ein andermal abnehmen, heute nicht" usw. Jetzt will einer meiner Freunde unbedingt mal eine "Biergartentour" durch München machen. Der Hinweis, dass er mir doch ständig vorhalte, dass ich zu fett sei und ich abnehmen solle und eine "Biergartentour" doch dem Wege stünde (natürlich nur, wenn man dann auch Bier trinkt ;) ) wird dann nicht akzeptiert.

      Ich verstehe da manchmal die Widersprüchlichkeit der Leute nicht. Ohne mich jetzt mit Suchtkranken oder Suchtgefährdeten gleichsetzen zu wollen, animiert doch auch einen trockenen Alkoholiker niemanden zum Alkohol trinken oder es bietet doch auch kein verantwortungsvoller Menschen jemanden, der mit dem Rauchen aufhören möchte eine Zigarette an.

      Habt ihr auch schon solche Erfahrungen gemacht?

      (Natürlich hängt das von einem selber ab, ob man dann beim Essen dann zulangt oder nicht aber ich finde es von diesen Leuten dann komisch, dass man dann doch an einem Abend essen soll, was das Zeug hält).
    • Hallo Norberdi,

      da schilderst Du was -
      das ist bitter, wenn man der Betroffene ist -
      - der dann vielleicht doch kein "Spielverderber" sein möchte, oder der aus Rücksicht "auf den lieben Frieden" dann lieber nachgibt. Ich kenne das auch.
      Ich kenne das auch in Bezug auf Allergien. Da lädt mich jemand ein und fragt, ob ich irgendetwas nicht esse - ich sage, ich bin Milchallergiker - und was kocht sie? Käsefondue.
      "Ach, EINmal wird dir das doch nichts ausmachen! EINmal kannst du das!"

      Ich hab's für mich auf den Nenner gebracht, daß es "den anderen" völlig egal ist, wie es mir mit etwas geht. Es geht nicht um mich, oder um mein "Wohl".
      Es geht nur darum, daß ich etwas "SOLL". Was SIE wollen.
      Ich "soll" abnehmen, ich "soll" mich nicht so anstellen, ich "soll" kräftig zugreifen, weil sie doch "extra" gekocht hat, ... und vor allem SOLL ich nicht widersprechen, sondern einfach das tun, was SIE wollen.
      Was sie wollen, kann durchaus widersprüchlich sein. An einem Tag "soll" man abnehmen, am anderen Tag "soll" man drei Stück Kuchen essen.

      Kommt natürlich darauf an, wie Du damit umgehst.
      Ich jedenfalls bin in einem Alter, da gibt es kein "Soll" mehr für mich.
      Ein Arzt hat mal zu mir gesagt, ich soll mir ein Papier nehmen und alles drauf schreiben was ich "soll" - und dann soll ich das Blatt zerreißen und wegwerfen.

      Eigensinn ist eine große Heilkraft.
      Gut, wenn man wegkommt von "dein Wille geschehe", und hinfindet zu "ich sorge dafür, daß MEIN Wille geschieht!" - Nicht "mein Wille" was das Leben von anderen betrifft. Aber in meinem Leben - da hat mein Wille zu geschehen.

      Die Freundschaft mit dem Käsefondue hat für mich nicht gehalten.
      Das war bitter - IST immer noch bitter. Aber ungeheuer befreiend!

      Ich wünsch Dir was.
      Schönes Wochenende!
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Issi schrieb:

      Ich hab's für mich auf den Nenner gebracht, daß es "den anderen" völlig egal ist, wie es mir mit etwas geht. Es geht nicht um mich, oder um mein "Wohl".
      Ich unterstelle mal meinen näheren Freunden und meiner Schwester nicht mal, dass sie sich keine Sorgen um mich machten (meine Schwester ist in diesem Kreis eigentlich die einzige, die mich bei bestimmten Anlässen nicht zum Essen animiert) aber die Inkonsequenz finde ich nur sonderbar. Ständig wird man genervt aber auf einmal soll man zulangen, nur, damit man - richtig gesagt - keine "Spaßbremse" ist. Gut, wenn z. B. die Feierlichkeiten in einem Lokal stattfinden und es wird a la Carte bestellt, dann stehen die Portionen fest - dann geht's vielleicht nur noch dadrum, dass man dann vielleicht einen Kalorienreichen Nachtisch aufgeschwatzt bekommt, finden die Feierlichkeiten in Privatwohnungen statt, wo die Hausherrin kocht und richtet oder es gibt in einem Lokal ein Buffet, dann geht die Animation offen oder latent ständig.

      Aber schon richtig, es liegt an einem selbst.

      Ich glaube schon, dass die "Predigten" wegen dem Gewicht aus einer gewissen Sorge um meine Gesundheit und mein Wohlergehen erfolgen. Andererseits kommt es mir aber manchmal so vor, als ob nur deswegen gemäkelt wird, weil ich vielleicht optisch nicht in die Runde passe. Andererseits meine ich wieder, dass man meine Bemühungen nicht ernst nimmt oder dass man der Auffassung ist, dass ich nur demonstrativ sein möchte. Das fängt ja schon damit an, dass man bei Privateinladungen auch öfters auf ungeeigneten Stühlen sitzt und ständig am denken ist, dass dem Stuhl nix passiert. Die Bestuhlung richtet sich leider nach dem "passenden Ensemble" und nicht nach den individuellen Befindlichkeiten der Gäste.

      Issy schrieb:

      Es geht nur darum, daß ich etwas "SOLL". Was SIE wollen.


      Ich "soll" abnehmen, ich "soll" mich nicht so anstellen, ich "soll"
      kräftig zugreifen, weil sie doch "extra" gekocht hat, ... und vor allem
      SOLL ich nicht widersprechen, sondern einfach das tun, was SIE wollen.
      Was sie wollen, kann durchaus widersprüchlich sein. An einem Tag "soll"
      man abnehmen, am anderen Tag "soll" man drei Stück Kuchen essen.
      Genauso erlebe ich es. Ständig hört man sich das "Du-bist-zu-dick-du-musst-endlich-was-tun"-Gesabbel an und dann, wenn man es tut, wird's nicht ernst genommen oder es wird einem unterstellt, dass man trotzig ist und aus Trotz nicht zugreifen möchte.


      Issy schrieb:

      Kommt natürlich darauf an, wie Du damit umgehst.
      Tja. Eigentlich leider auch inkonsequent wegen der "Ruhe" und des "lieben Friedens" Willen. Da mache ich dann leider auch "Dein Wille geschehe". Andererseits bin ich es leid, wenn sich dann stundenlang über abnehmen und Gewicht unterhalten wird - und dabei geht es gar nicht mal immer um mich, sondern um andere Dicke - und dabei noch die Belastung des Gesundheitssystems und die ganzen zu erwartenden Krankheiten diskutiert wird aber gleichzeitig vom Gastgeber ständig das "Greif zu!" erschallt. Einmal musste ich mir von einem anderen eingeladenen Bekannten anhören, dass ich ruhig zugreifen könne, denn jeder wisse ja, dass ich zu dick sei und ich eh nicht an diesem Abend abnähme, wenn überhaupt. Und das führt natürlich zu kollektivem Gelächter oder hämischen Allgemeingrinsen, so dass man dann irgendwann froh ist, wenn der Abend vorbei ist.

      Das einzige wäre, bei zukünftigen Einladungen eben Gründe zu erfinden um nicht mehr zu kommen oder eben wahrheitsgemäß sagt, warum man die Einladung ausschlägt. Aber nie mehr eingeladen werden führt dann vielleicht doch dazu, dass man gar nicht mehr aus der Bude geht.

      Liebe Grüße
    • Hallo, Norberdi

      was Du da schilderst - daß über "die Dicken" diskutiert wird, und wie sie die Allgemeinheit belasten - und gleichzeitig wird Dir Essen geradezu aufgedrängt -
      wie fühlst Du Dich denn dabei?
      Ich wenn ich's wäre, ich glaube ich würde mir - Entschuldigung - verarscht vorkommen.
      So eine Situation hat durchaus etwas Perverses: pervers im Sinne von besonders bösartig und grausam.

      Wenn Deine Familie und Freunde wirklich an DIR interessiert sind, könnte vielleicht ein klärendes Gespräch weiterhelfen. So in dem Sinne, hört mal ich versuche so gut wie möglich zurechtzukommen, und dabei würde mir eure Unterstützung schon helfen - aber nicht eure Bevormundung. Wenn ich wirklich nichts essen will, brauche ich von euch, daß ihr das respektiert - daß ihr MICH respektiert - und mich insoweit unterstützt, daß ihr mir dann nicht dauernd in den Ohren liegt, ach iß doch, komm zier dich nicht, greif zu.
      Ich will nicht bevormundet werden, wann ich abnehmen soll und wie, und wann ich essen soll und wie viel. Also bitte, keine Bevormundung mehr, aber Unterstützung.

      So ähnlich vielleicht. Wenn sie wirklich an Dir interessiert sind.

      Hingehen zu einer Einladung kann man ja trotzdem. Man braucht sich aber nicht zwingen lassen, was zu essen, was man nicht will oder nicht verträgt. Man geht ja in der Regel nicht wegen des Essens hin, sondern um die Leute zu treffen.

      Na ja - ich will Dir hier keine guten Ratschläge geben. Ratschläge sind auch Schläge.
      Kann nur sagen, ich hab für mich herausgefunden - das muß jetzt nicht zwangsläufig auch für Dich gelten - daß es ungeheuer wichtig ist, den eigenen Raum und Körper zu schützen. Nichts "herein"lassen zu müssen, was ich nicht drin haben will. Kein Essen, wenn ich satt bin, und kein Käsefondue, wenn ich es nicht vertrage.

      Einfach viel weniger darauf geben, was "die anderen" wollen daß man tun soll - und viel mehr bei sich selbst bleiben, was man selber will und braucht.

      Jetzt wünsche ich Dir erst einmal einen schönen Sonntag
      Liebe Grüße
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • So habe ich das bisher noch nicht erlebt.....

      Ich habe seit einem 3/4 Jahr auf Low Carb Ernährung umgestellt (wegen einer beginnenden Diabetes Typ 2, die ich damit sehr gut in Schach halte). Meistens merken das die "Mitesser" gar nich - ich lasse halt einige Beilagen weg, halte mich an Gemüse, Fleisch, Salat usw. schadlos. Wenn ich das Brot vorweg verschmähe läuft das unter "Ich will mir den Appetit fürs eigentliche Essen nicht verderben", den Nachtisch kann man unter "Es passt nichts mehr rein" verbuchen - oder eben nur ein kleines Eis etc. nehmen.

      Bei Privateinladungen halte ich es ähnlich - bisher hat das gut geklappt. Alkohol wird in Grenzen konsumiert, denn meist muss ich noch Auto fahren - das wird in der Regel problemlos akzeptiert.

      Bei einer Biergartentour z. B. würde ich mich an einem alkoholfreien Weizenbier festhalten - oder meine Halbe mit mitgebrachter zuckerfreier Limo zum Radler verlängern. Statt Brezen gibt es Radi oder Obazda - mit wenig Brot.... Gerade in den Biergärten ist es ja auch immer noch üblich, dass man seine Brotzeit mitbringen kann - warum also nicht etwas Roggenvollkornbrot oder Eiweissbrot einstecken.....

      Zum Käsefondue : Ich könnte mir vorstellen, dass der "Köchin" gar nicht klar war, dass Käse ein Milchprodukt ist. Wobei in der Regel Käse sogar laktosefrei ist.... Wenn die Unverträglichkeit natürlich das Milcheiweiss betrifft, geht es natürlich nicht.... Das können nicht Betroffene oft gar nicht unterscheiden.

      Bei Essensanimationen hilft nur eins: standhaft bleiben, die eigene Linie verfolgen und die anderen reden lassen.....
    • Issi schrieb:

      was Du da schilderst - daß über "die Dicken" diskutiert wird, und wie

      sie die Allgemeinheit belasten - und gleichzeitig wird Dir Essen
      geradezu aufgedrängt -
      wie fühlst Du Dich denn dabei?
      Ich komme mir einerseits schlecht vor aber ich komme mir auch verarscht vor, wie Du es gesagt hast. Als ich als junger Erwachsener einmal abgenommen habe, weil es auch da schon hieß, wenn ich nicht jetzt anfange, dann wäre es vorbei, jetzt könnte ich's noch, wenn ich älter und schwerer würde, dann ginge es nicht mehr, habe ich nicht nur viel Sport gemacht und nur noch sehr wenig gegessen, sondern auch keinen Alkohol mehr getrunken, den ich zu gewissen Zeiten und Anlässen auch manchmal reichlich genossen habe. Da habe ich mir entweder normals Mineralwasser bestellt oder z. B. Apfelschorlen. Da hieß es auch oft von einigen Leuten: "Bist du krank?" oder "Eins geht doch" usw. Da war mir auch egal, ob ich deswegen eine Spaßbremse war, obwohl es sich mir nicht erschlossen hat, dass anderen das Bier nicht mehr schmeckt, wenn ich mir nicht auch eins bestelle. Hier konnte ich relativ gut den Animationen widerstehen und als sich die anderen dran gewöhnt hatten, war das akzeptiert und man ließ mich in Ruhe. Und das mit dem wenig oder kein Alkohol habe ich bis heute beibehalten (natürlich gibt es schon Anlässe, wo man mal ein bissel mehr zu sich nimmt, aber das sind sehr sehr wenige).

      Was das Essen betrifft können das scheinbar manche nicht aktzeptieren. Vielleicht ist das eh das Motto: "Jetzt biste schon mal eingeladen, dann kannste mal zulangen". Und beim Zulangen kann es dann sein, dass sich dann wieder über das Gewicht unterhalten wird, weil irgendeiner fängt garantiert damit an. Ich glaube eher, dass viele bewusst oder unbewusst der Auffassung sind, dass ich sowieso flunkere, wenn ich selbst davon spreche, die Bremse reinzumachen und mir das schlichtweg nicht abnehmen wollen. Deswegen kann ich auch zulangen.

      Ich habe mich auch schon dran gewöhnt, dass ich zwar abnehmen muss aber trotzdem am schön gerichteten Buffet aufladen oder bei einer Biergartentour mehrere Masskrüge reinschütten soll. Wie hieß es mal: "Jetzt sehen wir uns so selten, da kannste auch mal zulangen."

      Ich habe ja nichts dagegen, wenn sich darüber unterhalten wird. Aber es muss nicht Thema des Abends sein und sich nicht in einer Endlosschleife ergießen. Es gibt so viele schöne und wichtige Themen, da brauche ich nicht das Thema Gewicht. Ich bin doch der Betroffene, der damit fertig werden muss, DIE (leider) nicht.

      Oder wenn ich mich mit meinem besten Freund mal so treffe und das Thema kommt auf, komme ich mir manchmal so vor als säße ich auf der Anklagebank: Warum bist Du so?, Warum tust du nix? Willst du ewig so aussehen? Du fühlst dich doch garantiert nicht wohl? Bei Frauen hast du so doch keinen Marktwert. So wie Du aussiehst können wir mal nirgends hinfliegen, du passt ja in keinen Sitz. Und dann soll man bei Biergartentouren und bei Einladungen "hinlangen". Und das Kreuzverhör läuft dann wirklich unter der Rubrik, dass man mir das alles sagt, weil man sich Sorgen um mich macht oder weil man es gut meint.

      Bei meiner Schwester verhält es sich anders. Die hält mir ähnliche Vorträge, animiert aber nicht zum Essen. Die bietet mir eigentlich kaum was an oder sagt offen, dass ich vom Kuchen nix kriege. Vielleicht ein kleines Stück von diesem oder jenem, aber sonst reichts. Meine Schwester zählt mir nur die Krankheiten auf, die andere Übergewichtige haben und es ihr ein Rätsel sei, warum ich diese und jenes noch nicht hätte.

      Ich sage Dir ganz ehrlich Issi, komme ich von meinen Bekannten und Freunden wieder nach Hause habe ich manchmal entweder Wut im Bauch oder ich stehe kurz vorm Heulen. Es sei denn, es kommt vor, dass mal das Thema Gewicht nicht behandelt wurde. Und das ist tatsächlich manchmal so, dann komme ich nach Hause, atme auf und denke:"Gott sei Dank".

      Grüße
    • Da kann ich Dich gut verstehen, Norberdi. Das würde mich auch wütend machen.
      Wenn ich auf der "Anklagebank" säße, oder ein "Kreuzverhör" über mich ergehen lassen muß.

      Ich verstehe aus Deinen Ausführungen, daß es so ist, als ob die "Normalen" glauben herrlich über Dir zu sitzen und Dich nun mit mehr oder weniger offensichtlichen Erziehungsmaßnahmen auf den rechten Weg bringen wollen.

      Vor allem scheint mir, Du sollst gehorsam sein: so aussehen und so sein, wie sie es für richtig halten, und essen und trinken, wann sie es für richtig halten. Essen und trinken, WAS sie für richtig halten. Das kann von Zeit zu Zeit unterschiedlich sein - zu Hause "sollst" Du Dich anders verhalten als in ihrer Gegenwart?

      Ganz toll! (Vorsicht, das toll ist sarkastisch gemeint).

      Irgendwelche Pläne, wie Du damit in Zukunft umgehen willst?
      Irgendwelche Pläne, wie Du vermeiden kannst Dich schlecht zu fühlen, wenn Du nach dem Kreuzverhör nach Hause kommst?

      Grüße
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Mir ist aufgefallen, dass es oft dünne, sehr figurbewusste Leute sind, die einen zum Essen drängen.
      Als sollte man quasi für sie "mitessen" - sie verkneifen sich natürlich alles, aber "bei der Fetten " kommt es ja nicht so drauf an.
      Ich kenne das von Magersüchtigen, dieses andere bekochen und zum Essen nötigen.
      Vielleicht sollte man offensiv sein: "Weshalb holst DU DIR noicht eine zweite Portion?" oder " Iss du doch Sahnetorte, wenn du sie so gerne magst."
      Ausnahme sind Leute, die den zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, die meinen es nicht böse, wenn sie einen zum Essen drängen, die freuen sich eher, dass so viel da ist und keiner darben muss.
      ich kenne dieses Drängen auch. Da ich nicht sehr konfliktfähig bin , rede ich mich manchmal mit Magen- Darm raus. Das ist nicht sehr erwachsen, ich weiß, doch in meiner Familie kommen dann so Bemerkungen wie : "Ach wird sie wieder magersüchtig?" "Macht sie Diät?" etc. und alle unterhalten sich über mich, als wäre ich gar nicht anwesend. Gleichzeitig ziehen sie über irgendwelche dicken Leute her.

      Ich glaube, dass hat weniger mit Diskriminierung zu tun als mit einem ganz üblen Kommunikationsstil. :(

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Mir ist aufgefallen, dass es oft dünne, sehr figurbewusste Leute sind, die einen zum Essen drängen.
      Das stimmt. Alle die mich bei Festivitäten oder Einladungen zum Essen animieren sind "Normalgewichtig" oder, wie gesagt, figurbetont.


      Lisa Cortez schrieb:

      Als sollte man quasi für sie "mitessen" - sie verkneifen sich natürlich alles, aber "bei der Fetten " kommt es ja nicht so drauf an.
      Ich glaube das "Mitessen" ist eigentlich nicht der Hauptgrund. Ich glaube der Hauptgrund ist einerseits bei manchen einfach nur "Unbedachtheit" bei anderen mag der Grund sein, dass man mich oder uns nicht ernst nimmt. Wenn ich z. B. sage, ich esse weniger und möchte "etwas runtermachen" und sehe in einem halben, in dreiviertel oder einem Jahr immer noch so aus, dann nimmt man mich nicht für ernst. Dann heißt es bestimmt bei jenen im Unterbewusstsein: "Wollte der nicht?" Also wird man zum Zulangen animiert weil man einem den Gewichtsdreduktionswunsch nicht glaubt. Und eben: Dann spielt's eben beim "Dicken" oder beim "Fetten" keine Rolle oder es kommt dann eh nicht um einen Happen mehr an. Wenn er's eh nicht packt, dann kann er doch auch hier zulangen und braucht nicht den Zurückhaltenden zu spielen mit dem Hinweis weniger Essen zu wollen. Aber während dem Essen kommt dann der Small-Talk über Gewicht und wie sehr Dicke im Job benachteiligt sind oder etwas im Job nicht packen würden oder die Sozial- und Gesundheitskassen belasten würden (das tun ja Alkoholiker, Junkies, Kiffer, Spielsüchtige oder andere Gruppen auch aber bei Dicken wird das als schlimm angesehen, warum auch immer).

      Allerdings kann ich es meinen Freunden und Bekannten nicht immer verdenken, dass sich mich in Bezug auf Gewichtsreduktion nicht sonderlich ernst nehmen, wenn sie, wie gesagt, nach einem Jahr keinen Unteschied sehen. Aber da gebe ich mir selbst die Schuld, wenn ich selbst davon rede, bis wann ich wieviel verloren haben möchte und es nicht tue. Dann wird mir unterstellt, dass ich nur so dahinrede und den Willen nicht dazu hätte. Gut, öfters muss ich dann doch nachdenken und sagen: "Da haben die nicht mal unrecht".

      Wie gesagt, stört mich ja nicht das Unterhalten über das Gewicht, sondern das darauf Rumreiten, wenn sich an einem schönen Abend, der 4 bis 6 Stunden dauert 3 Stunden oder länger übers Gewicht unterhalten wird, entweder am Stück oder zeitlich aufgeteilt oder in einer Endlosschleife. Es wird sich beim Abendessen, beim Buffet oder bei Bier und Wein darüber unterhalten während der Hausherr ständig in die Runde ruft, dass man zugreifen soll und ich dann noch extra namentlich erwähnt werden. Allerdins muss ich dann sagen, dass mich die Hausherrin und die anderen Damen in Schutz nehmen so aus Mitleid vielleicht, weil sie mich als Opfer des Abends sehen. Ich weiß nicht.

      Gut. Bei einem Treffen in einer Pizzeria mit meinem besten Freund habe ich aber gleich von Vorneherein gesagt, dass ich mich nicht über Gewicht, über verpasste Karrierechancen und nicht über nicht erreichte Besoldungsstufen (das wären dann die nächsten Nervthemen neben dem Gewicht) oder mehr Ehrgeiz im Job unterhalten möchte, denn sonst ginge ich. Wenn wir uns schon so selten sähen, ich nicht mehr in meinem Heimatort wohne, dann brauchen wir uns nicht immer über Dinge zu unterhalten, bei denen ich in der Defensive oder so ein bischen der Angeklagte bin. Da hat mein Freund eben nur mal kurz blöd aufgeschaft und es wurde sich nicht darüber unterhalten. Das hat mich innerlich richtg erfreut.




      Lisa Cortez schrieb:

      Ich kenne das von Magersüchtigen, dieses andere bekochen und zum Essen nötigen.


      Vielleicht sollte man offensiv sein: "Weshalb holst DU DIR noicht eine
      zweite Portion?" oder " Iss du doch Sahnetorte, wenn du sie so gerne
      magst."
      Gut, Magersüchtige kenne ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nicht, aber das mit dem Mühe geben beim Essen zubereiten und dann Zulangen sollen hängt schon etwas zusammen. Dann stellt sich die Frage, ob man es tut, um die Hausherrin oder die Gastgeber nicht zu beleidigen weil es dann auch heißen könnte, es schmecke einen nciht oder man nicht zulangt um zeigen, dass man es mit dem weniger essen wollen ernst meint oder um zu zeigen, dass man selbst den Zeitpunkt bestimmen möchte, wann und ob man zulangt.


      Lisa Cortez schrieb:

      Ausnahme sind Leute, die den zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, die meinen es nicht böse, wenn sie einen zum Essen drängen, die freuen sich eher, dass so viel da ist und keiner darben muss.
      Meine Eltern waren WK II Generation. Meine Mutter war Jahrgang 17 und hat noch die Hungerzeit nach dem WK I mitgemacht, mein Vater war Jahrgang 23 und war von 41-45 bei der Kriegsmarine, dann bis 48 in Gefangenschaft. Ausserdem bin ich noch dazu ein Nachkömmling, meine beiden Schwestern sind 18 und 16 Jahre älter als ich. Ich hatte es auch immer irgendwie als belastend empfunden, Eltern zu haben, die eigentlich fast schon meine Großeltern hätten sein können. Gerade meine Mutter kenne ich fast nur als ältere und alte Frau. Mein Vater weniger aber meine Mutter umso mehr hat alle Gespräche immer auf den Krieg gelenkt sowie die Bombennächte an der Küste. Das nervte mit der Zeit, das nervte auch andere, die auch den Krieg erlebt haben aber sich nicht darüber unterhalten wollten. Bei meiner Mutter gab's eigentlich immer nur die Kriegszeit, ein bissel davor und kaum was danach.

      Eigentlich könnte man meine Eltern als Kriegstraumatisierte bezeichnen - so würde man es zumindest heute nennen - und Therapien gab's ja damals nicht oder ein Heer von Seelsorgern die sich ja heute um fast jede Kleinigkeit kümmern müssen.

      Beide Eltern wollten immer, dass ich esse, aus verschiedenen Gründen. Mein Vater meinte, ich müsse Boxer oder Ringer werden und ein guter Fussballer sein und deswegen müsse ich gut essen - vor allem Fleisch - und Nährbier trinken. Ich solle dann in den örtlichen Kraftsportverein und Fussballverein beitreten. Meine Mutter wollte, dass ich esse, "weil es früher nix gab und sie froh gewesen wäre, der Tisch wäre so gedeckt wie heute". Ich hätte also das Nachessen sollen, was es bei Adolf und davor nicht gab. Und folgsam wie ich war, habe ich gegessen - obwohl meine Mutter eigentlich keine gute Köchin war - und habe Nährbier getrunken. Allerdings wollte meine Mutter, dass ich turne und in den örtlichen Turnverein soll. Das wollte mein Vater nicht, da turnen im zu "weibisch" war. Im Endergebnis war ich in keinem Sportverein und war als Kind ein "goldiges Dickerchen" (so jedenfalls immer die älteren Tanten). Im Kindergarten und in der Grundschule war ich dann der "Dickmops" oder manchmal sogar schon der "Fettsack".

      Aber ich möchte hier nicht meine Vita darlegen. Wäre auch ein sehr großes Thema. <X Und auch nicht ganz unbelastend für mich. Möchte nur anfügen, dass, wenn ich mir Bilder von damals betrachte, ich gar nicht so recht verstehe, warum ich gehänselt wurde, da ich auf den Bildern fast durchgehend "normal" aussehe, zumindest während der Zeit nach dem Kindergarten. Ich hatt nur immer kräftige Beine. Obenrum war ich eigentlich ein Hänfling. Aber vielleicht waren vor 40 und 50 Jahren die Kriterien für "dick" andere als heute. Heute werden ja leicht (gut, was heißt das?) Übergewichtige schon als "normal" und "unbedenklich" angesehen.

      Also, lange Rede kurzer Sinn: Ich empfand es als belastend das Kind einer Kriegsgeneration zu sein und noch dazu ein "Nachkömmling". Und ich habe nicht immer für alles Verständnis, was diese Generation so von sich gegeben hat.


      Lisa Cortez schrieb:

      Da ich nicht sehr konfliktfähig bin , rede ich mich manchmal mit Magen- Darm raus. Das ist nicht sehr erwachsen
      Ich bin auch nicht sehr konfliktfähig. Ich gehe bis heute Konfrontationen aus dem Weg, wenn ich aus dem Weg gehen kann. Das hat mir auch einen kleinen Ruf als "Feigling" eingebracht. Das kann daher rühren, weil ich als Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener vielleicht öfters in der Opferrolle und in der ständigen Rechtfertigungsposition war und daher, weil mein Vater ausserhalb der Familie auch ein Angsthase war. Das Motto meines Vaters war immer: "Gosche halten, so kommt man am weitesten" oder "Hör auf, das hat keinen Zweck" bzw. "Das bringt nix". Da hätte ich mehr von der Mutter gebraucht. Allerdings hat die mich so dominiert und gemaßregelt, dass ich mit 27 ausgezogen bin, was ich hätte schon früher tun müssen. Aber wie heißt's im Lied: "Glücklich ist, wer vergißt, was nicht mehr zu ändern ist". Gut allerdings haben mich beide Elternteile für einen "Waschlappen" gehalten, gerade, weil ich mich unter meinen Altersgenossen kaum behaupten konnte.

      Und so steckt das in mir scheinbar heute noch drin. Wenn die anderen mich kritisieren, dann sitze oder stehe ich gesenkten Hauptes und ruhig da und weiß erst hinterher was ich hätte sagen können. Da kriege ich Wut auf mich selbst.

      Rausreden: Ich rede mich nicht mit Krankheiten oder Unbefindlichkeiten raus, sondern mit dem Hinweis, dass ich "langsam tun möchte". Nur glaubt es mir scheinbar niemand.

      Grüße
    • Issi schrieb:

      Irgendwelche Pläne, wie Du damit in Zukunft umgehen willst?


      Irgendwelche Pläne, wie Du vermeiden kannst Dich schlecht zu fühlen, wenn Du nach dem Kreuzverhör nach Hause kommst?
      Sehr gute Fragen die ich mir danach auch immer stelle oder dann wieder stelle, wenn ich eingeladen wurde.

      Einladungen ausschlagen oder nicht mehr zu den Freunden gehen, die man schon seit der Kindheit und Jugend kennt möchte ich aber auch nicht gänzlich, denn sonst würde ich mich ganz isolieren. Man kann ja mal diese oder jene Einladung ausschlagen wegen "Unpässlichkeit" aber jedesmal fällt auf. Da wird man dann auch nicht mehr in Erwägung gezogen.

      Man kann versuchen eben dagegenzuhalten und einfach sagen, dass es mal mit dem Thema Gewicht gut ist und auch dagegen halten, dass man einen weiteren Gang zum Buffest nicht braucht. Und dass nach dem zweiten Glas Bier oder Wein Schluss ist.

      Gut. Anders sieht es wieder aus, wenn mein Freund wünscht, dass man zu einem Kurztrip mitgeht und dann Zug fahren muss oder mit dem Flugzeug. Weil ich weiß, dass ich da mit den Sitzen und vielleicht Sitznachbarn Probleme kriegen könnte schlägt man mit gemischten Gefühlen ein oder man versucht, es so zu biegen, dass man zu dieser Zeit nicht kann. Und wenn man gefragt wird, warum man nicht könne, will man dann aber auch nicht sagen, dass es wegen der Sitze ist.

      Gut, als wir 2013 nach Israel geflogen sind, habe ich gut in den Sitz gepasst, dass war aber auch ein halbes Jahr nach meiner Kur. Jetzt sieht die Chose nicht so rosig aus. Und mein Freund will mit mir eine Woche nach Edinburgh fliegen (nach der Biergartentour in München). Da bin ich schon am Überlegen, wie ich das abbiege ohne die Katze aus dem Sack zu lassen (eben die Flugzeugsitze).

      Im Prinzip, Issi, habe ich zu Deinen Fragestellungen weder eine Strategie noch Theorie. Es würde alles darauf hinauslaufen zu vermeiden was in mein ehem. Heimatort führt aber kann das Sinn der Sache sein? Eigentlich müsste man den A...sch in der Hose haben zu sagen, dass jetzt mal Schluss sei und dass ich keine "Herren- und Biergartentouren" nach da oder nach dort brauche, wenn ich hinterher wieder kritisiert werde.

      Da wären mir dann die meisten meiner Arbeitskollegen lieber, denn bei diesen ist mein Gewicht bei Einladungen kein Thema - auch wenn ich mal zulange - und bei der Arbeit wird jeder mal wegen irgendetwas gefrozelt. Da ist dann aber wenigsten jeder mal dran.

      Grüße
    • So etwas ähnliches kenne ich auch. Und zwar sowohl "lang doch zu" so wie von dir beschrieben, als auch Versuche, mir Fleisch unterzujubeln. Ich bin seit 37 Jahren Vegetarierein, und zuvor habe ich auch schon nicht jedes Fleisch gegessen. Mittlerweile müssten die lieben Zeitgenossen gemerkt haben, dass ich (außer Milchprodukten) nichts Tierisches esse, aber trotzdem: Ach das bisschen Schinken - Fisch ist doch auch vegetarisch - einmal kannst du doch... blabla.

      Seit 37 Jahren mache ich mir darüber Gedanken, warum die Leute so etwas machen. Mehrere Hypothesen habe ich mir seitdem überlegt:

      - Essen ist auch ein sozialer Akt. Wer nicht mitmacht, grenzt sich aus der Gruppe aus. Das können manche Gruppen nicht ertragen. Abweichler machen Angst. Vielleicht ist es bei den Arbeitskollegen nicht so ausgeprägt, weil die Gruppenbindung schwächer ist. Da sind die sozialen Normen anders gelagert.

      - Es geht darum, auszutesten, wer den stärkeren Willen hat. So ein Primatenmännchen-Dominanz-Ding. Dafür würde sprechen, dass die "Damen" nicht so stark mitmachen. Wenn bekannt ist, dass jemand eh kein Durchsetzungsvermögen hat, schießt man sich auf denjenigen ein, um zumindest das Schlusslicht in der Hackordnung festzulegen - man(n) kann es schonmal nicht selber sein... Tu das, iss jenes - mit dem Chef würden die wohl nicht so reden.

      - Vielleicht haben diejenigen ein schlechtes Gewissen, wenn sie reinhauen und "sündigen". Heutzutage isst doch kaum noch jemand mit Freude. Ständig schweben Kalorienzahlen und Fettgehalte vor dem inneren Auge. Die gesellschaftliche Hirnwäsche wirkt gut. Das schlechte Gewissen wird aber gleich viel leichter, wenn jemand "mitsündigt", vor allem wenn der es sich eigentlich noch weniger "leisten" kann.

      - Schadenfreude, wenn jemand "scheitert". Besonders nach vollmundigen Ankündigungen, soundsoviel Kilo abzunehmen, macht es besonders viel Spaß, den Erfolg des Anderen zu unterlaufen. Das gehört auch wieder in die Kategorie "du bist schwach - wir sind stärker". Dadurch kommt man sich selber viel stärker, konsequenter, zielstrebiger vor.

      Mit Respekt vor der Person des Anderen hat das alles nichts zu tun. Wer an mir herumerziehen will, nimmt mich nicht als gleichrangige Person wahr, sondern als untergeordnet. Und wer sich nicht traut, sich dagegen zu wehren, landet am unteren Ende der Hackordnung, sehr zur Freude der Nicht-so-tief-Gesunkenen.

      Wie immer gibt es nur 3 Alternativen: love it - change it - leave it.

      Du kannst weiterhin mit diesen "Freunden" zusammensein wie bisher und still leiden.
      Du könntest "vorhungern" oder den Tag drauf fasten, damit trotz Fressorgien die Kalorienbilanz in etwa OK ist.
      Du könntest versuchen, mit den Freunden/Verwandten unter 4 Augen das Thema ansprechen. "Bist du mein Freund? Warum tust du mir das dann an?"
      Du könntest Verbündete suchen, die dich offensiv unterstützen. Was sagt denn deine Schwester? Nicht-Bedrängen allein ist keine Unterstützung. Oder haben alle Schiss vor dem Alphamännchen?
      Du könntest das Gelaber einfach ignorieren und ohne große Rechtfertigung essen was und soviel du willst. Gar nicht anfangen, mit Abnehmversuchen zu argumentieren, sondern einfach nicht darauf eingehen. Welchen Teil von NEIN habt ihr nicht verstanden?
      Du könntest das Thema unterbrechen. "Haha, jetzt habt ihr alle euren Spaß gehabt. Reden wir jetzt über XYZ?"
      Du könntest den Kontakt mit diesen Leuten einschränken, wenn sie sich weiterhin so verhalten, nachdem du ihnen deine Position klargemacht hast. Wenn sie nämlich weiter so machen, sind es keine echten Freunde, sondern brauchen dich nur als Underdog.
      Du könntest dir überlegen, warum du "um des lieben Friedens willen" einknickst. Was wäre der Supergau? Würden sie dich verhauen, dir das Essen mit Gewalt eintrichtern? Glaub ich nicht. Warum spielst du deren Spiel mit? Weil du "dazugehören" willst? Weil du von allen geliebt werden willst? (ist sonst eher ein Frauenthema, aber Männer ticken manchmal auch so) Weil du bestimmten Leuten nicht wehtun willst? (Mama hat extra gekocht und ist gekränkt, wenn man nicht reinhaut)

      Bist du bereit, immer wieder den Preis deiner Selbstachtung dafür zu zahlen?
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Sophie schrieb:

      - Essen ist auch ein sozialer Akt. Wer nicht mitmacht, grenzt sich aus

      der Gruppe aus. Das können manche Gruppen nicht ertragen. Abweichler
      machen Angst. Vielleicht ist es bei den Arbeitskollegen nicht so
      ausgeprägt, weil die Gruppenbindung schwächer ist. Da sind die sozialen
      Normen anders gelagert.
      Essen IST auch ein sozialer Akt und Essen macht ja auch in einer Gruppe Spaß und ist Genuss. In einer Gruppe isst man ja in erster Linie nicht, um satt zu werden. Natürlich sieht es doof aus, wenn man sich nur Klackse auf den Teller macht oder kaum was mitisst oder trinkt. Das dann alle fragen oder auch nur einer ist da ja schon vorprogrammiert. Wenn ich dann antworte, dass "ich zur Zeit langsam mache" wirkt das eher wie eine Show als wie das dann einer ernst nähme. Das sieht aus wie "jetzt will er uns nur was beweisen, zu Hause stopft er dann nach". Das ist wie bei Rauchern, die vollmundig verkünden, sie hörten auf aber im Keller oder in einem Versteck dann weiterrauchen. Gut, in meinem Bekanntenkreis gibt's ja nicht nur Leute, die das Thema dick immer ansprächen. Bei einigen bin ich so akzeptiert wie ich nun mal bin. Geht es nicht um Ess- und Dickenthemen werde ich ja durchaus ernst genommen. Nur bringt mal einer das Thema doch auf die Tagesordnung, dann empfinde ich das als unangenehm, auch wenn Hinweise erfolgen, dass man es nur gut meine. Gut, bei meinen Arbeitskollegen bin ich so anerkannt, wie ich bin. Und das ist gut und nicht überall in meinem Unternehmen so.


      Sophie schrieb:

      - Es geht darum, auszutesten, wer den stärkeren Willen hat. So ein
      Primatenmännchen-Dominanz-Ding. Dafür würde sprechen, dass die "Damen"
      nicht so stark mitmachen. Wenn bekannt ist, dass jemand eh kein
      Durchsetzungsvermögen hat, schießt man sich auf denjenigen ein, um
      zumindest das Schlusslicht in der Hackordnung festzulegen - man(n) kann
      es schonmal nicht selber sein... Tu das, iss jenes - mit dem Chef würden
      die wohl nicht so reden.
      Ich sehe mich bei diesen Treffen nicht am unteren Ende einer Hackordnung, obwohl mein bester Freund es ohne Abitur zu einer Führungsrolle aufgestiegen ist, wovon viele Abiturienten und examinierte Studenten bzw. promovierte Akademiker nur träumen können. Allerdings bin ich schon jemand, der nicht gerne im Vordergrund in einer Menge oder Masse agiert. Natürlich ist das Thema "Hackordnung" oder "Stellung in einer Hierarchie" durchaus ebenfalls ein Problemthema bei mir, nicht nur beim Thema Gewicht.


      Sophie schrieb:

      - Vielleicht haben diejenigen ein schlechtes Gewissen, wenn sie
      reinhauen und "sündigen". Heutzutage isst doch kaum noch jemand mit
      Freude. Ständig schweben Kalorienzahlen und Fettgehalte vor dem inneren
      Auge. Die gesellschaftliche Hirnwäsche wirkt gut. Das schlechte Gewissen
      wird aber gleich viel leichter, wenn jemand "mitsündigt", vor allem
      wenn der es sich eigentlich noch weniger "leisten" kann.
      Da ich oft damit beschäftigt bin aufzupassen, dass ich nicht zuviel esse oder trinke fällt mir nicht so auf, wieviel die anderen so essen. Allerdings denke ich mir oft, dass die halt auf Grund ihrer körperlichen Verfassung eben an zumindest solchen Tagen mehr essen können als ich. Natürlich gab es Zeiten wo man beim Essen nur noch Kalorientabellen im Kopf hatte. Da ist Essen auch kein Genuss mehr. Ausserdem soll man ja angeblich nicht satt vom Tisch gehen. Kalorientabellen interessieren mich aber schon lange nicht mehr auch, wenn es manchmal Leute gibt, die dann darauf hinweisen dass dies oder jenes aber soundsoviel Kalorien hätten oder das Trauben, obwohl Obst, "hochkalorisch" seien.

      Sophie schrieb:

      - Schadenfreude, wenn jemand "scheitert". Besonders nach vollmundigen
      Ankündigungen, soundsoviel Kilo abzunehmen, macht es besonders viel
      Spaß, den Erfolg des Anderen zu unterlaufen. Das gehört auch wieder in
      die Kategorie "du bist schwach - wir sind stärker". Dadurch kommt man
      sich selber viel stärker, konsequenter, zielstrebiger vor.
      Natürlich. Wenn ich im Januar 2016 verkünde, dass ich am abnehmen sei und sehe im Januar 2017 noch genauso oder dicker aus, dann wird natürlich geschmunzelt oder ein Scheitern angenommen. Wenn ich etwas verkünde, dann wollen die Leute Ergebnisse sehen. Dann wundere ich mich natürlich nicht, dass mir unterstellt wird, dass ich es gar nicht ernst meine. Erklärungsversuche werden dann nur als hilflose Ausreden gewertet. Ob sich jetzt die anderen aber überlegener vorkommen vermag ich nicht zu sagen.




      Sophie schrieb:

      Mit Respekt vor der Person des Anderen hat das alles nichts zu tun. Wer an mir herumerziehen will, nimmt mich nicht als gleichrangige Person wahr, sondern als untergeordnet. Und wer sich nicht traut, sich dagegen zu wehren, landet am unteren Ende der Hackordnung, sehr zur Freude der Nicht-so-tief-Gesunkenen.
      Gut. Stimmt. Da ich aber seit meiner Kindheit in Hackordnung eigentlich immer im unteren Bereich war, nehme ich das scheinbar auch nicht immer so wahr. Offenbar ist es für mich schon normal, in einer Hierarchie nur mittlere oder untere Plätze einzunehmen.

      Sophie schrieb:

      Du kannst weiterhin mit diesen "Freunden" zusammensein wie bisher und still leiden.
      Du könntest "vorhungern" oder den Tag drauf fasten, damit trotz Fressorgien die Kalorienbilanz in etwa OK ist.
      Du könntest versuchen, mit den Freunden/Verwandten unter 4 Augen das
      Thema ansprechen. "Bist du mein Freund? Warum tust du mir das dann an?"
      Du könntest Verbündete suchen, die dich offensiv unterstützen. Was sagt
      denn deine Schwester? Nicht-Bedrängen allein ist keine Unterstützung.
      Oder haben alle Schiss vor dem Alphamännchen?
      Du könntest das Gelaber einfach ignorieren und ohne große Rechtfertigung
      essen was und soviel du willst. Gar nicht anfangen, mit Abnehmversuchen
      zu argumentieren, sondern einfach nicht darauf eingehen. Welchen Teil
      von NEIN habt ihr nicht verstanden?
      Du könntest das Thema unterbrechen. "Haha, jetzt habt ihr alle euren Spaß gehabt. Reden wir jetzt über XYZ?"
      Du könntest den Kontakt mit diesen Leuten einschränken, wenn sie sich
      weiterhin so verhalten, nachdem du ihnen deine Position klargemacht
      hast. Wenn sie nämlich weiter so machen, sind es keine echten Freunde,
      sondern brauchen dich nur als Underdog.
      Du könntest dir überlegen, warum du "um des lieben Friedens willen"
      einknickst. Was wäre der Supergau? Würden sie dich verhauen, dir das
      Essen mit Gewalt eintrichtern? Glaub ich nicht. Warum spielst du deren
      Spiel mit? Weil du "dazugehören" willst? Weil du von allen geliebt
      werden willst? (ist sonst eher ein Frauenthema, aber Männer ticken
      manchmal auch so) Weil du bestimmten Leuten nicht wehtun willst? (Mama
      hat extra gekocht und ist gekränkt, wenn man nicht reinhaut)
      Den Kontakt einzuschränken brauche ich im Grunde nicht, da ich mich in meinem alten Heimatort maximal ein bis dreimal im Jahr aufhalte. Und mein Freund hat nur einmal im Jahr Geburtstag und mehr sehe ich ihn eigentlich gar nicht, ausser, wir treffen uns mal ausser der Reihe in der Stadt. Meine Schwester sehe ich auch nicht öfter. Insofern kann man "die Leiden" zweimal im Jahr auf sich nehmen. Aber es nervt trotzdem. Natürlich früher, als ich noch in meinem alten Heimatort gewohnt habe und man sich mehrmals in der Woche gesehen hat, war das natürlich anstrengend.

      Ausserdem habe ich schon angemerkt, dass bei diesem schönen Abend, das Thema Gewicht oder berufliche Karriere oder Nichtkarriere nicht unbedingt die beherrschenden Themen sein müssen.

      Es würde mich natürlich niemand verhauen, wenn ich weniger esse und eintrichtern tut es mir auch niemand. Nur halte ich es für widersprüchlich und nicht hilfreich, jemanden wegen seines Gewichts zu kritisieren aber dann ihn zu animieren ständig zuzugreifen, da nix übrig bleiben dürfe.


      Geliebt zu werden: In der Tat wollte ich in früheren Jahren immer geliebt werden bzw. beliebt sein. So habe ich so funktioniert wie es andere wollten, ohne zu merken, dass man dabei mit der Zeit der "Dorftrottel" oder "Klassenkasper" wird. Das hat sich erst gebessert, als ich von meinem Ort weggezogen bin. Wie sagte Franz Josef Strauß: "Everybody's Darling is everybody's Depp".


      Sophie schrieb:

      Bist du bereit, immer wieder den Preis deiner Selbstachtung dafür zu zahlen?
      Natürlich nicht, obwohl mangelnde Selbstachtung durchaus in früheren Jahren ein Problem bei mir darstellten und das nicht nur auf das Thema Aussehen und Gewicht bezogen. Wurde auch besser mit dem Wegzug.
    • Bester Spruch ever, als ich beim Kaffeetrinken nur einen Kaffee und keine Sahnetorte wollte.
      "Du wirst doch nicht magersüchtig werden!"

      Ich wäre dann die dickste Magersüchtige der Welt....sagte ich. Fast schon komisch, wenn es nicht so ärgerlich wäre, mit welchen Sprüchen man zum Essen genötigt wird. :(

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken