dick, Gelenkprobleme und Wunsch, wieder mit Kindern zu arbeiten

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    • dick, Gelenkprobleme und Wunsch, wieder mit Kindern zu arbeiten

      Liebes Forum,

      ich möchte etwas erzählen aus meiner Situation im Arbeitsleben. Ich fühle mich da zur Zeit insgesamt unter Druck und möchte euch von einem bestimmten der Probleme erzählen.


      Ich bin als Selbständige "teilzeitarbeitslos", muss also weitere Daueraufträge suchen, und habe dabei den großen Wunsch, teilweise wieder mit Kindern zu arbeiten. In einem Job, wo man diese in ihrem Alltag begleitet, bei seelischen und sozialen Problemen unterstützt und - häufig im Spiel - ihre Entwicklung fördert. Ich mache zur Zeit nur eine ähnliche Arbeitmit Erwachsenen und habe sie früher mal mit Kindern gemacht. Damit ihr euch den Job besser vorstellen könnt: ich bewerbe mich nicht als Vollzeit-Betreuerin, und ich wäre in der begrenzten Zeit bei einem Auftrag meistens für verschiedene Aufgaben und Aktivitäten zuständig.


      Dieser Job hat seine belastenden Seiten, ist aber wirklich auch sehr schön, und ich halte mich für wirklich gut geeignet. Die Kinder haben mit mir Spaß und können aber auch ihre ernsten Probleme einbringen. Und ich bringe auch ein paar Fachkenntnisse mit.


      Was mir Sorgen macht: körperliche Bewegung gehört zu den zentralen Bedürfnissen der Kinder, und häufig wird man auch eingesetzt, um sie darin zu fördern. Vielleicht soll man ein Kind auf den Spielplatz oder bei einem Ausflug begleiten, vielleicht will es mit mir Fangen spielen, vielleicht traut es sich nur dann auf die Kletterwand, wenn auch ich mit hochklettere ....

      Und da ist mein Problem: ich habe ein relativ beeinträchtigtes Kniegelenk und bin dick (schätze meinen BMI auf ca 32). Ich weiß gar nicht, wie es ohne das Gewicht wäre, wahrscheinlich ginge dann viel mehr, aber ein gewisser Schaden ist auch einfach da (und die Jüngste bin ich auch nicht mehr). Und um das Knie nicht zu überfordern, vermeide ich viele Dinge: laufen und rennen und hüpfen, Knien, Kletterwand, …


      Meine geplante Lösung soll darin bestehen, das Problem in Bewerbungen dezent anzugeben und mich nur auf solche Fälle zu bewerben, wo so eine sportliche Herangehensweise nicht so wichtig ist. Und dann möglichst geschickt damit umzugehen, indem ich mit dem Kind viel zusammen spazieren gehe oder Fahrrad fahre oder Tischtennis spiele (wenn es das auch mag), und indem ich natürlich alles ermutige, was das Kind an Bewegung macht, solange ich nicht mitmachen muss. Oder ich suche Herangehensweisen, wie man zusammen spielt, und das Kind zum Beispiel hüpft, während ich mich mit ruhigeren Bewegungen beteilige. Der Kreativität sind ja keine Grenzen gesetzt, ich könnte zb eine Puppe hüpfen lassen.


      Meine Fragen an euch:

      Habt ihr vielleicht Tipps, wie ich da vorgehen könnte, damit sich die Kinder durch meine Einschränkung nicht von ihrem Bewegungsdran abhalten lassen?

      Und wie kommt euch das überhaupt vor? Wenn ihr Mutter oder Vater von einem von mir betreuten Kind wärt, wärt ihr einverstanden mit meinem Vorgehen? Als ihr selbst Kinder wart, konntet ihr Zeit mit in ihren Bewegungen eingeschränkten Erwachsenen genießen und euch selbst frei fühlen, zu hüpfen oder zu toben?

      Bitte denkt nur drüber nach, wenn ihr auf Lust auf das Thema habt! Ich will euch hier nicht einspannen!

      Ich überlege auch, das Ganze noch mit Kollegen in Supervision besprechen. Aber da es ja mit dem Dicksein zusammenhängt , hätte ich gerne auch eure Meinungen dazu und ist es hier leichter für mich, damit anzufangen.


      Ich habe hier über die „handfeste“ Problematik im Zusammenhang mit dem Dicksein – in Verbindung mit einem Gelenkproblem - geschrieben. Meine Erfahrungen mit der sozialen Seite, was da im Rahmen der Hierarchie-Spielchen abläuft, würde einen eigenen Thread erfordern ...

      Danke fürs Lesen
    • Ich kenne mich jetzt zwar in diesem Bereich speziell nicht so gut aus, jedoch erscheint es mir schon etwas sonderbar zu denken, du müsstest mit den Kindern klettern. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, dass jemals irgendein Erwachsener – voll bewegungsfähig – mit mir auf dem Kinderspielplatz geklettert wäre. Die standen höchstens daneben, um mir vll. hoch zu helfen oder runter. Aber viele Klettergerüste sind viel zu klein, als das da – auch ein „normaler“ – Erwachsener viel Freude drauf hätte.


      Von der menschlichen Seite her kommt noch hinzu, dass ich mich – dick oder nicht – mit meinen 40 Lenzen auch nicht auf’m Spielplatz sportlich betätigen würde. Ich finde das sähe total albern aus.


      Von daher würde ich mich an deiner Stelle davon erstmal nicht abschrecken lassen. Auch mit Kindern kann man reden. Sollte da nun tatsächlich mal ein Kind sein, dass aus irgendwelchen Gründen nicht alleine aufs Gerüst klettern will nimmst du es an die Hand und gehst mit ihm dahin und stellst dich daneben. Davon ausgehend, dass du deutlich größer als ein Kind bist, sollte das schon reichen, um das Kind zu ermutigen und du musst nicht klettern. Auch kannst du dem Kind erklären, warum du das leider nicht (mehr) machen kannst.


      Ein größeres Problem würde ich eher im Laufen sehen, wobei ich da auch unterscheiden würde. Ich bin mir nicht sicher, ob ich als Elternteil erwarte, dass du mit meinem Kind durch die Gegend rennst – ich weiß nun auch nicht wie alt du bist – aber was ich natürlich erwarten würde, ist dass du körperlich in der Lage bist, schnell zu reagieren. Und dazu kann in mancher Situation auch mal Laufen/Rennen gehören.


      Spazieren gehen – ist das auch ein Problem für dich? Denn leichte Bewegung wäre vll. gar nicht so falsch. Hüpfen, Springen, usw. ist für unsereins sowieso pures Knochengift.

      Aus deinen Erzählungen gehe ich davon aus, du würdest eine Gruppe von Kindern betreuen und nicht ein einzelnes Kind oder? Denn sobald es eine Gruppe ist, ist auch Tischtennis (dein Beispiel) kein Problem.


      Sicher kannst du auch Bastelstunden veranstalten, z.B. wenn es draußen mal nicht warm genug ist. Aber auf Dauer wird das sicher nicht funktionieren. Ganz um Bewegung wirst du nicht herumkommen, aber eine totale Verausgabung sehe ich da nicht.


      Kannst du denn mit deinem Knie oder besser für dein Knie nichts tun? Nicht mal z.B. Aqua-Sport.
      "Make sure you know what I'm saying, before you try to tear me down"
      - Hedwig Robinson -
    • Liebe Steffi,
      vielen Dank für deine Gedanken.

      Es geht nur um die Betreuung von einzelnen Kindern.

      Das mit dem Klettern und Lauf-Spielen: ja, das müsste normalerweise nicht so zentral sein, dass ich das selbst mache.

      Spazieren gehen und radfahren sind für mich KEIN Problem. Dasselbe denke ich über Tischtennis-nur-zum Spaß, da ich dafür ja auch meine Arme einsetzen kann.

      Das mit dem Rennen in Ausnahmesituationen ist mein Schwachpunkt. Ich würde es wirklich gerne zu 100 % vermeiden, so lange ich nicht 20 Kilo leichter und aktuell gut durchtrainiert bin.

      Ich mache für mich selbst einiges an Gymnastik und habe in meiner Wohnung einen Fahradhometrainer und mache ab und zu (zuhause oder im Schwimmbad) Gymnastik, um die Beinmuskulatur zu stärken und zu dehnen.

      Leider muss ich aktuell unter Zeitdruck Arbeit suchen, ich kann da kein längeres Fitnessprogramm vorschieben. Ich denke, dass ich lieber nur etwas mit etwas älteren Kindern suche und mit nicht sovielen Stunden pro Woche oder einem großen Anteil Hausaufgabenbetreuung o.ä.. Mit nur einem Kind unterwegs sind aber auch Gefahrensituationen äußerst selten, nach meiner früheren Erfahrung.

      Und dann mal kucke, wie ich, parallel zum Arbeitsleben, mit meinem Körper weiterkomme. SEITDEM ich die Gefahr sehe, meine berufliche Selbständigkeit wieder zu verlieren, lässt sich mein Körper ständig etwas einfallen, was das "Fitnessprogramm" erschwert, Essen tue ich SEITDEM auch mehr, da muss ich also als erstes etwas Realistisches im Arbeitsleben finden, um meine innere Ruhe wieder herzustellen.

      Es gab aber auch mal die Einschätzung einer Ärztin, dass ja eine Arbeit, die mir gefällt, von der psychosomatischen Warte her gut für das Knie ist, auch wenn sie körperlich mehr belastet, deshalb hoffe ich wirklich sehr, dass ich auch mit Kindern einen machbaren Job finde.


      Liebe Grüße
    • Es gibt doch auch mit Kindern Tätigkeiten, die nicht gleich olympiareife Sportfähigkeiten voraussetzen. Du könntest z.B. als fest angestellte oder auch selbstständige "Besuchstante" in einer Kinderklinik arbeiten, oder wenn du starke Nerven hast, in einem Kinderhospiz. Viele Eltern wären froh, wenn sie gelegentlich Entlastung bei der Betreuung/Bespaßung kriegen, auch bei Hausaufgabenhilfe/Nachhilfe sind viele nicht so fit, und die Kinder sind auch dankbar für jedes neue Gesicht. Ich würde einfach mal anfragen. Manche Stellen werden z.T. gar nicht öffentlich ausgeschrieben, da man sich kaum Erfolg verspricht (nur Teilzeit, nur Wochenende z.B.)
      Ich weiß nicht, wo du lebst, aber in größeren Städten gibt es auch hin und wieder mal Stellen bei der AWO, Caritas etc., für Sozialberatung, Flüchtlingsbetreuung und dergleichen. Oft sind in den betroffenen Familien auch Kinder mit betroffen, die leider ganz schnell aus dem Fokus geraten, das sind die Ärmsten der Armen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Liebe Abis Z, ich habe auch schon Kinder einzeln betreut und nein, ich musste nicht mit ihnen klettern und laufen auch nicht. Nur - was ich wirklich unterschätzt habe,
      das sind die kleinen Stühlchen in Kita oder Schulzimmer,
      wenn man da eine Weile als Erwachsener sitzen muss, das wird schmerzhaft und man wird ganz steif.
      Meine Lösung war mein eigener Klappstuhl. Ansonsten gibt es keine Probleme. Klar ist es schön, wenn Mutter oder Lehrerin oder Erzieher oder Betreuerin sportlich sind, doch das ist nicht jedem gegeben und Kinder passen sich da ganz schnell an.
      Ich war Schulbegleiterin für ein autistisches Kind; ich weiß nicht, in welchem Bundesland du lebst, doch bei uns werden Begleiter aufgrund der flächendeckenden Inklusion sogar händeringend gesucht.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Eigentlich ist das eine total süße Frage, vonAbisZ! Ich war ein schlankes und sehr mobiles Kind einer dicken Mutter und hatte nie - aber wirklich nie - das Gefühl daß dies sich nachteilig auf unsere Aktivitäten oder Beziehung ausgewirkt hätte. Kinder sind da doch total unvoreingenommen. Das wäre ja noch schöner!
      Und es lehrt sie dass jeder unterschiedliche Fähigkeiten hat. Mal ehrlich, Sackhüpfen mit Erwachsenen ist doch doof. Du kannst doch den Bewegungsdrang der Kinder managen, Wettrennen, Schnitzeljagd... und du hast die Belohnung. ^^
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******
    • vonAbisZ schrieb:

      Spazieren gehen und radfahren sind für mich KEIN Problem. Dasselbe denke ich über Tischtennis-nur-zum Spaß, da ich dafür ja auch meine Arme einsetzen kann.
      Das klingt doch super.
      Ich meine, das könnte man sogar variieren, du auf dem Rad, das Kind auf dem Roller oder was auch immer es gerne nutzen möchte. Ich denke damit wäre schon ein großes Problem gelöst. Auch Schwimmen oder im Wasser spielen tun Kinder in der Regel sehr gerne - auch das dürfte kein Problem sein und schon hast du das Kind durchaus beschäftigt.

      Das mit dem Rennen in Ausnahmesituationen ist mein Schwachpunkt. Ich würde es wirklich gerne zu 100 % vermeiden, so lange ich nicht 20 Kilo leichter und aktuell gut durchtrainiert bin.
      Ich denke solche Situationen möchte jeder gerne vermeiden. Sie stellen sicher auch nicht den Alltag dar - je nach Kind :D

      Viel Erfolg.
      "Make sure you know what I'm saying, before you try to tear me down"
      - Hedwig Robinson -