Übergewichtig nur aufgrund von Fressattacken?

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    • Übergewichtig nur aufgrund von Fressattacken?

      Hallo an Alle,

      Ich habe neuerdings mal etwas über Nährstoff-Verhältnisse und Kalorien gelesen und da ist mir aufgefallen, dass meine Ernährung prinzipiell sogar echt ausgewogen ist. Allerdings plagen mich täglich regelrechte Fressattacken, die meine Kalorien durch Junkfood hochschießen lassen.
      Hättet ihr ein paar Ratschläge, wie ich dieses Verlangen unterdrücken kann?

      LG
    • FA (FRessanfälle/ attacken ) sind meistens psychisch, soviel ich weiß. Ein paar körperliche Ursachen KANN es meiner Kenntnis nach geben: Unterzuckerung (es gibt auch Leute ohne Diabetes, die so seltsame Blutzuckerschwankungen haben), vor der Migräne (Gier nach leeren Kohlehydraten ); während Diäten (ich nenne es dann "Dammbruch", man isst alles, was man sich verkneift)
      zumindest würde ich mich körperlich erstmal durchchecken lassen.

      Meistens hängen FA mit Stress und Stressabbau zusammen. Du könntest erstmal aufschreiben, wann du das hast und - ganz wichtig - wie du dich dabei fühlst: war dir langweilig? warst du traurig? war das nach Feierabend? entspannst du vor dem PC/ Fernseher mit Essen.
      Dann könntest du versuchen, für die Situationen einen Ersatz zu finden. Das klingt jetzt sehr einfach, doch das ist wirklich harte Arbeit. Es klappt auch oft nicht. Es kann Jahre dauern.
      Und ganz wichtig: ES bedeutet NICHT, dass du dünner wirst. Du hast aber keine FA mehr, das heißt das Gefühl des Ausgeliefertsein und der Hilflosigkeit ist weg und das tut der Psyche gut.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Für Fressanfälle kann es sooo viele Gründe geben. Lisa hat ja schon eine ganze Menge genannt.

      Wichtig ist, daß man sich nicht dafür "beschuldigt" oder denkt hach ich bin so unbeherrscht, warum schaffe ich das nicht.

      Wir sagen normalerweise, Stress ist psychisch. Stimmt auch, aber Stress hat ganz handfeste körperliche Auswirkungen und ist deshalb Verursacher von biologischen Ungleichgewichten und Veränderungen in der Körperchemie.
      Zum Beispiel wenn man sich vor lauter Stress oder sich-gegen-etwas-schützen-müssen dauernd verkrampft und die Muskeln unter der Haut anspannt, hat das Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel. Und das ist nur EIN Beispiel.

      Eine Sache, der erst neuerdings mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, sind posttraumatische Stressreaktionen. Auch die wirken sich körperlich aus und können m.W. sogar zu einem erhöhten Diabetes-Risiko führen ...

      Was es auch immer ist - es wird einen Grund geben, warum Dein Körper immer mal wieder nach "schneller Energie und viel davon!" verlangt.

      Lisa hat es schon gesagt: die Ursache herauszufinden - die wirkliche Ursache - kann Jahre dauern.
      Man darf sich nicht entmutigen lassen ...

      Beste Wünsche Issi
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Ich selber habe sie nicht, aber ich habe im Laufe der Jahre viel darüber gelesen und gehört und für mich stellt sich das immer so dar:

      Es ist immer Hunger, entweder ein Hunger des Körpers oder einer der Seele.
      Für beides kann man sich professionelle Hilfe holen.

      Ich glaube was man zusätzlich auf jeden Fall braucht, ist Geduld.
      Nur Du selbst bist Herr Deiner Gedanken.

      [SIZE=1]Von Itsme[/SIZE]
    • Es gibt sehr viele Ursachen für FA und meistens kann man wenig machen. Spontan fällt mir folgendes ein:

      Hast du vorher abgenommen?
      Wenn sich dein Körper nicht mehr im Hungerstoffwechsel befindet, verschwinden bei vielen Menschen die FA von selbst.

      Schläfst du genug?
      Wenn nicht hast du zu viel Ghrelin (Hunger) und zu wenig Leptin (Sättigung)

      Hast du Stress?
      Stress kann zu FA führen kann aber auch das Gegenteil bewirken.

      Wie lange dauern die Attacken bei dir?
      Bei vielen Menschen sind FA nicht von langer Dauer. Wenn es dir gelingt den Hunger 15-30 auszuhalten und dich abzulenken (z.B. Spaziergang) verschwinden die FA oft. Das ist aber leichter gesagt als getan und gilt nicht für jeden.

      Haben die FA Auswirkungen auf dein Gewicht?

      Süß oder Herzhaft?
      Wenn du eine FA hast, worauf hast du dann Hunger? Wäre es dir dann möglich nur Süß oder Fett zu essen?
    • Fressattacken hatte ich früher auch öfters mal, aber mittlerweile hat sich das gelegt. Sicherlich könnte man körperliche Ursachen nennen (Unterzuckerung, Langeweile), aber ich glaube, dass es sehr viel eher psychisch begründet war, wenn ich ehrlich bin. Heute habe ich einfach nicht mehr das Verlangen nach schlagartig viel hochkalorischem Essen. Bin mir sicher, dass das daran liegt, dass ich meine Beziehung zu Essen von grundauf geändert habe.
    • alex1 schrieb:

      Den Insulinspiegel dauerhaft auf einem stabilen Level zu halten ist bestimmt nicht so einfach, ich verzichte seit Jahren auf übermäßigen Fast Food Konsum (2-3x im Monat).
      Ist ja der Wahnsinn! Es soll (dicke) Leute geben, die schaffen das 28-31x im Monat.
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • Ich habe bei meinen Fressattacken plötzlich Bock auf was süßer oder salziges. Süßes mit Schoki-Anteil.
      Insbesondere, auf Arbeit, die total langweilig ist. Deswegen stimme ich denjenigen zu, die sagen, dass Stress und Langweile diese Attacken verursachen!
    • Also mein persönlicher Tipp gegen Heißhunger ist es vor allem abends sehr viel undichtes Gemüse zu essen also Gemüse mit einem hohen Wasseranteil. Beispielsweise eine ganze Gurke als Beilage. So nehme ich wenig Kalorien zu mir und bin gesättigt und bekomme auch keinen Heißhunger, vor allem wenn man das mal ein paar Tage und dann vlt. Wochen durchzieht.
    • Liebes Sabienchen,

      solche Tipps helfen bei psychisch induzierten Fressanfällen leider nicht sehr häufig.
      Es geht ja um starke Gelüste, die in den wenigsten Fällen durch eine Gurke gestillt werden können.

      Es soll cremig-süß, gehaltvoll oder auch salzig, knackig, intensiv schmecken.
      Zum Wohlfühlen, sich was Gutes tun...und alles was da so mitspielt.

      Das soll nun von meiner Seite aus nicht bedeuten, dass ich ausgewogene Ernährung -zu der für mich, zumindest zur Saison, auch sehr gerne eine knackig-erfrischende Gurke gehören kann - für vernachlässigbar halte.

      Es sind nur leider zwei verschiedene Dinge, die den gemeinsamen Nenner haben, dass Lebensmittel beteiligt sind.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Hallo Angelina,
      ja, genau , das ist es.
      Ich habe solche Attacken sogar, wenn ich satt bin und überhaupt keinen Heißhunger habe.
      Ich glaube, es ist Beruhigen, Trösten,
      dazu kommt, dass ich mir nichts verwehren kann, auch wenn ich weiß, dass es schädlich ist. Wenn ich mich im Essen einschränke, spüre ich genau diese Trostlosigkeit, Leere und Einsamkeit meiner "magersüchtigen Zeit", als ich mich so furchtbar geknechtet und fast verhungern lassen habe, daher geht das gar nicht.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Liebe Lisa,

      ich empfinde das ähnlich.
      Womöglich verzeiht die Threadstarterin mir auch, an dieser Stelle ein wenig abzuschweifen (seit April kam außerdem keine Reaktion mehr).

      Das Thema wurde zwar nicht unter Essstörungen eingestellt, aber ich wollte mich dennoch gern noch einmal auf deinen Beitrag beziehen:

      Lisa Cortez schrieb:

      Wenn ich mich im Essen einschränke, spüre ich genau diese
      Trostlosigkeit, Leere und Einsamkeit meiner "magersüchtigen Zeit", als
      ich mich so furchtbar geknechtet und fast verhungern lassen habe, daher
      geht das gar nicht.

      Genau diese Empfindungen sind es auch bei mir (neben mitlerweile noch anderen), die sich durch Essen vertreiben lassen.
      Beziehungsweise dieses Grundempfinden von Verlassensein, Haltlosigkeit und Sinnlosigkeit, was sich bisweilen existenzbedrohend anfühlt.
      Das lässt sich lindern durch Essen, nichts anderes wirkt dagegen so schnell und zuverlässig.
      Wohlwollender menschlicher Kontakt nützt auch, nur kann ich den genau dann kaum herstellen.

      Eine gute Selbstfürsorge durch regelmäßige und gute Ernährung kann es etwas eindämmen, aber eben nicht komplett verhindern, da es viel tiefer geht als "nur" körperlicher Hunger.

      Mir meine Gelüste komplett zu versagen, habe ich zum Glück aufgegeben.
      Was ich als Erfolg betrachte ist, dass es mir nicht mehr (oder nur noch selten) vor mir selbst peinlich ist, sie zu haben und ich mich dafür auch nicht mehr durch Nichtessen bestrafen muss.

      Aufgehört hat es nicht, ich kann nur besser damit leben.

      So, man verzeihe mir nun mein Abdriften ins Persönliche,
      mich hatte dein Post nur so berührt.
      [SIZE=2]Liberté toujours![/SIZE]
    • Die ganzen Diskussionen um Insulinspiegel etc. lassen meiner Meinung nach eine andere mögliche Ursache außer Acht, nämlich den Salzhaushalt.
      Vor ein paar Tagen hatte ich einen FA, bei dem ich alles mögliche aus dem Kühlschrank geplündert hatte, bis ich zum Schluss meinem Mann die Tüte Chips weggefressen hatte.
      Nach langer Überlegung habe ich den vermutlichen Anlass herausgefunden. Am Tag vorher hatte ich zum Frühstück Buttermilch-Bananen-Shake getrunken, später Kartoffeln mit Quark, Gurke, Tomaten, Wassermelone gegessen und viel Wasser (Leitungswasser mit einem Schuss Apfelessig) getrunken. Es war ja so warmes Wetter. Ich habe an dem Tag mindestens 15mal gepinkelt, und am nächsten Morgen wog ich ein ganzes Stück weniger, soviel Wasser hatte ich von mir gegeben. Und die Melone hatte mir dank meiner Fructosemalabsorption mehrere eilige Aufenthalte auf dem Klo eingebracht.
      Was ich da gegessen hatte, waren kaliumreiche Lebensmittel, zusammen mit Eiweiß, welches bei mir immer stark entwässernd wirkt, da dann meine Nierchen Amok laufen, plus dem Mineralverlust durch den Durchfall. Mir ging es aber nicht "erleichtert", sondern ich fühlte mich matt und zittrig, hatte Kopfweh, Schwindel und Angstattacken.
      Der Heißhunger am nächsten Tag kam bei mir definitiv vom akuten Natriummangel. Leider hatte ich schon alles mögliche Ungeeignete (noch mehr Obst, Süßes und Gemüse) gegessen, bis ich das Richtige erwischt hatte, nämlich die Chips. Als die Tüte leer war, war auch mein Unwohlsein weg.
      Wenn mich das nächstemal im Hochsommer nach einem "Pinkeltag" die Fressgier packt, versuche ich es mal zuerst mit einer Tasse Gemüsebrühe, kräftig gesalzen.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)