XXL _ Studie der DAK

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    • Dick & einsam?

      Zurzeit geistern die Ergebnisse einer Studie, die die DAK durchgeführt hat, durch die Medien. Vergleichsweise ausführlich berichtet der Münchner Merkur darüber:

      Dicke werden in Deutschland ausgegrenzt

      Studie über Fettleibigkeit: Dick & einsam?

      Der zweite Artikel hantiert dann auch wieder ganz schön mit dem erhobenen Zeigefinger. Aber wenn ich das ausblende und über das Ergebnis dieser Studie nachdenke, stellen sich mir doch einige Fragen.

      Die Studie richtete sich an Menschen, die ihr Urteil über Dicke abgeben sollten. Ist es legitim, aus der sich daraus ergebenden Ablehnung der Dicken, den Schluss zu ziehen, dass Dicke per se einsam sind?

      Ich meine, weil manche Menschen meinen, Dicke ausgrenzen zu müssen, heißt es doch nicht, dass die, die dies nicht tun, nicht eine gute Gesellschaft für Dicke sind. Für mich scheint hier das Everybody's Darling-Prinzip durch. Nur wenn man überall beliebt ist, ist man nicht einsam. Oder wie?

      Und dann stellt sich mir noch die Frage: Gehören da nicht auch immer zwei zu, also einer, der ausgrenzt, und einer, der sich ausgrenzen lässt?

      Ich habe in letzter Zeit sehr interessante Erfahrungen gemacht: Anfangs dachte ich, wenn mich die Leute jetzt auch noch mit den Stöcken rumlaufen sehen, dann denken sie noch schlechter über mich. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Ich werde praktisch täglich von wildfremden Menschen freundlich angesprochen und bekomme Hilfe angeboten (obwohl ich sie nicht brauche). Ich bedanke mich immer freundlich dafür und sage, dass alles schlimmer aussieht, als es ist, sage manchmal auch, dass ich es sehr nett finde, dass sie Hilfe anbieten.

      Ausgegrenzt fühle ich mich nur als Rheinländerin in Schwaben. Und das ist figurunabhängig, aber auch nicht unbedingt erquicklich.

      Wie seht Ihr die Fragen, die ich aufgeworfen habe?
    • In der zweiten Studie werden "ungesundes essen" und "Bewegungsmangel"
      als Gründe genannt, aber keine der anderen Gründe, die wir hier ja so zahlreich gesammelt haben, von Essstörungen zu Medikamenten.

      Mit der Einsamkeit, ich würde mal so sagen, wenn jemand, weil er dick ist, einsam ist, hat er vermutlich noch andere Probleme, nicht nur das Dicksein.
      Wenn jemand nie nach draußen geht und sich abkapselt, wäre er auch einsam, wenn er im U- Gewicht wäre.

      Leuchtet mir nicht ein, die Studie.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Da ich durch die Polyneuropathie sehr gangunsicher geworden und einmal sehr böse gefallen bin, habe ich für meinen Alltag ebenfalls einen Gehstock bekommen.
      Es war mir am Anfang sehr peinlich, da ich mich um Jahre gealtert fühle.

      Ich habe allerdings die gleichen Erfahrungen wie Du, Martina gemacht. Die Menschen um mich herum sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Mir wird oft die Tür aufgehalten, oder ein Sitzplatz angeboten.

      Es liegt auch, so glaube ich viel an einem selbst, wobei man nicht immer so aus seiner Haut kann.

      Ich versuche so oft es geht außer Haus zu kommen, z.B. habe ich einen Französisch Kurs belegt und sehr nette Mitstreiter.

      Ich muss allerdings auch sagen, dass ich mich 10mal mehr bemühe einen guten Eindruck zu hinterlassen, was oft sehr anstrengend sein kann. Ich achte vermehrt auf mein Äußeres, auf meine Wortwahl und dränge mich niemals in den Vordergrund.

      Am allerschwersten fällt es mir in Gesellschaft anderer Paare ich selbst zu sein. In meinem Umfeld gibt es sehr wenige Übergewichtige Menschen. Ich fühle mich oftmals unattraktiv und hoffe niemandem peinlich zu sein.

      Deshalb glaube ich, wenn ich nicht verheiratet wäre, wäre ich einsam.

      Liebe Grüße

      Madame
    • Hallo, liebe Martina,

      will jetzt mal nur zwei Punkte herausgreifen aus Deinem Fragen-"Katalog".

      Daß Dick "einsam" machen kann, das hat der Eine oder Andere von uns sicherlich schon selbst erfahren. Wobei die Abwendung / Ausgrenzung viele Stufen hat, und in vielerlei Gestalt daher kommen kann.

      Vor allem aber stimmt es anders herum: einsam kann dick machen. WEIL "einsam" einer der Fünf Großen Stresszustände ist, die bei manchen Menschen hormonell "den Schalter umlegen". Das betrifft diejenigen, die von Stress dick werden.
      Nach Prof. Peters ("Mythos Übergewicht") sind die Großen Fünf, die zum Dickwerden führen können: Einsamkeit, Armut, Arbeitslosigkeit, Arbeitsstress, Partnerschaftskonflikte. Wobei Einsamkeit hier an erster Stelle steht.

      Entweder Prof. Peters oder aber Dr. Frank ("Lizenz zum Essen") - ich finde jetzt die Stelle nicht - sagt, daß wir vielleicht eine globale Welle von Dick haben, die in Wirklichkeit aber eine globale Epidemie von Einsamkeit sein könnte?


      Dann möchte ich Deinen Satz aufgreifen, daß zu jedem, der ausgrenzt, immer auch einer gehört, der sich ausgrenzen läßt?

      Das ist natürlich die optimistische Variante, und es ist schön, wenn das zutrifft. Weil dann hat man die Chance, etwas dagegen zu tun.

      Oft aber ist es meiner Ansicht nach so, daß der/die Ausgegrenzte wenig Chancen hat, sich nicht ausgrenzen zu "lassen".
      Beispiele: Mobbing, Anders-Sein, der "Sündenbock", u.a.
      Die ausgegrenzte Rolle wird diesen Menschen gegeben, ohne daß sie dazu befragt wurden. Es ist sehr schwer bis manchmal geradezu unmöglich, sich dagegen zu wehren. Manchmal gehen Ausgegrenzte zu Anwälten und vor Gericht, manchmal gehen Einige in ihrer Verzweiflung noch ganz andere Wege.

      Ausgrenzung aus der Gruppe ist meiner Meinung nach meistens nichts, was man "mit sich machen läßt", sondern etwas, das einem widerfährt.
      Doppelt Stress: erstens ausgeschlossen aus der Horde gleich Todesgefahr weil ein einsamer Jäger blitzschnell ein toter Jäger ist,
      und zweitens Stress durch die Erkenntnis, daß man keine Kontrolle über die Situation hat. Daß man ohnmächtig zusehen muß, "wie einem geschieht". Ausgegrenzt werden wird oft als der totale Kontrollverlust erlebt.

      Weiß nicht, ob andere das auch so sehen? Ist jedenfalls meine Meinung.

      Ganz liebe Grüße, und ein schönes Wochenende für Dich!
      Issi
    • Sich ausgrenzen lassen - das ist so eine Sache. Bis zu einem gewissen Grad hat man meist Einfluss darauf, dass man nicht ausgegrenzt wird. Das hängt meiner Meinung nach von der Art der Ausgrenzung ab, und wie man selbst charakterlich bzw. Stärke-Schwäche-mäßig ausgestattet ist. Auch gibt es einige Möglichkeiten, äußerlich, vom Ansehen her, andere positiv zu beeinflussen - sei es durch Kleidung, Frisur, Make-up oder auch Gangbild und Gestik/Mimik.

      Allerdings hat man, so wie ich das sehe, bei bestimmten Ausgrenzungen einfach nicht die Möglichkeit, da wirksam gegen anzugehen, bzw. diese auszumerzen.

      Beispiele: Wenn jemand einen blöd von der Seite anmacht, kann man diesem entsprechend antworten - sofern man sich dazu in der Lage sieht. Wenn man dagegen eine Bewerbung abschickt, kann es sein, dass man sich noch so gut präsentiert und noch so sehr auf die Anforderungen passt - und dass man trotzdem sofort eine Absage erhält, weil der Mensch am anderen Ende dicke Menschen direkt aussortiert. Da hat man dann so gesehen keinen Einfluss mehr drauf.

      Wenn es eine Häufigkeit gibt beim gemeinsamen Auftreten von "einsam" und "dick", kann es sehr gut sein, dass die Einsamkeit das spätere Dick-Sein begünstigt hat. Oder die Person war schon immer dick und ist zusätzlich einsam (geworden) - wobei das Dick-Sein ein Faktor sein kann, der mit dazu geführt hat.

      Allerdings finde ich auch, dass man nicht von einer Sache automatisch auf eine andere schließen kann. Nur weil es viele Menschen gibt, die insgeheim der Meinung sind, Dicke ausgrenzen zu wollen (ob sie es machen, sei ja noch dahingestellt), bedeutet das nicht automatisch, dass die meisten dicken Menschen einsam sind.

      Grüße
      Dani
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Ich wohne aber in Deutschland. Insofern ist das ein reales Beispiel.
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Man könnte meinen, ich sei einsam. Seit der Trennung von meinem Ex-Mann (vor fast 11 Jahren) bin ich keine Partnerschaft mehr eingegangen. Aber mir fehlt nix, ich genieße immer noch die Freiheit, alles tun und lassen zu dürfen, was ich mag. Auch ist mein Freundeskreis recht überschaubar, aber auch das liegt nicht an meinem Dicksein, sondern eher daran, dass ich extrem anspruchsvoll bin - mittlerweile. Seit ich mich so langsam aber sicher von meinem latenten Helfersyndrom verabschiede, muss ich nicht mehr mit jeder vermeintlich hilflosen Kreatur befreundet sein.

      Im Kollegenkreis bin ich anerkannt, in erster Linie für das, was ich kann und leiste. Meine Figur spielt dabei keine Rolle.

      Bewerbungen verschicke ich seit Jahren nur noch ohne Foto (und bin damit viel erfolgreicher).

      Und was den Stock angeht: Ich hatte vor gut 2 Wochen Klassentreffen. Eine Mitschülerin, noch keine 45 Jahre alt, kam gestützt auf ihren Mann und einen Stock. Sie hat ein geplatztes Aneurysma überlebt und musste alles wieder neu erlernen. Für sie war es ein Riesen-Erfolg, überhaupt wieder gehen zu können. Wenn ein Gehstock uns also ein Stück Freiheit zurück gibt, dann sollten wir ihn dankbar annehmen und nicht mit ihm hadern. Es gibt Dinge, die unser Leben ganz schnell radikal verändern können - selten zum Besseren.

      Aus Konsequenz aus einigen sehr unangenehmen Ereignissen mit und in der Deutschen Bahn vermeide ich Bahnfahren, so gut es geht. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann fahre ich 1.Klasse. Insofern ist das die einzige Situation, in der ich mich (freiwillig) ausgrenze(n lasse).
    • Das ist super, wenn die Dinge so selbstbestimmt laufen.
      Außerdem hat wahrscheinlich jeder Mensch irgendwann in seinem Leben eine Phase, in der er/sie das Alleinsein braucht - eine "Einsiedler-Phase".
      Und ob es einen Zusammenhang zwischen selbstgewählten Einsiedlertum und dick gibt, wäre vielleicht noch zu erforschen ???

      Gleichzeitig läuft im Moment allerdings offenbar noch ein anderer Prozess ab: unfreiwilliges Alleinsein in großem Maßstab, auf kollektiver Ebene. Die Anzahl der Single-Haushalte in den Großstädten spricht eine eigene Sprache, und daß Leute wochenlang in ihren Wohnungen liegen ohne von jemand vermisst zu werden, ebenfalls. Um nur mal zwei Beispiele zu nennen.

      Es ist ein großer Unterschied zwischen Alleinsein WOLLEN oder Alleinsein KÖNNEN einerseits, und Alleinsein MÜSSEN andererseits.
      Wenn jemand allein sein will, hat er gewiss andere Stress-Werte als jemand, der allein sein muss ???
    • Issi schrieb:


      Es ist ein großer Unterschied zwischen Alleinsein WOLLEN oder Alleinsein KÖNNEN einerseits, und Alleinsein MÜSSEN andererseits.
      Wenn jemand allein sein will, hat er gewiss andere Stress-Werte als jemand, der allein sein muss ???

      Das ist vermutlich richtig, aber ich glaube, dass der größte Unterschied darin besteht, wie ich mit den Umständen umgehe.

      Es wird immer mal vorkommen, dass jemand allein sein muss, der es lieber nicht wäre. Sei es, dass ein geliebter Mensch stirbt, sei es, dass eine Beziehung in die Brüche geht, sei es dass eine gewünschte Beziehung gar nicht erst zustande kommt, sei es aus völlig anderen Gründen.

      Diese Rahmenbedingungen kann ich nicht ändern. Egal wie weh es tut, egal wie ich mich anstrenge, egal wie sehr ich hadere. Was ich aber beeinflussen kann ist die Art und Weise, wie ich mit diesen Rahmenbedingungen umgehe.

      Es macht einen Unterschied, ob ich mich daheim verkrieche und verbittert oder neidisch das vermeintliche Glück der anderen beäuge oder ob ich trotz aller Widrigkeiten versuche, mein Leben so gut es geht zu leben. Denn das Leben geht weiter und wir haben nur dieses eine kleine Leben - egal ob wir uns daheim verstecken oder nicht.

      Das funktioniert nicht jeden Tag gleich gut und je nach dem ist auch trauern oder nachtrauern wichtig. Trotzdem darf man sich nicht auf Dauer verbittert daheim einigeln.

      Ich habe gerade den Blog einer Dame gefunden, die damit hadert, keinen Mann zu finden, obwohl sie doch alles dafür "tut". Ausführlich wird beschrieben, was für Nulpen ihr bei einer online-PArtnerbörse begegnet sind, obwohl sie doch so doll schon abgenommen hat, während andere schon lange den passenden Deckel gefunden haben, obwohl die alles andere als perfekt sind. Zwischen den Zeilen kommt jedoch ein so massiver Selbsthass zutage, dass man sich fragt, was genau diese Dame wirklich sucht. Denn diese Einstellung sich selbst gegenüber wird auch nach außen transportiert und stößt manche Menschen förmlich ab, im Falle der Dame nicht nur mich sondern vermutlich auch all die netten Männer, die sie eigentlich sucht. Das Problem wird sich wohl immer mehr verschärfen und sie läuft Gefahr immer bitterer zu werden, ohne das erhoffte Glück, dem sie so sehr hinterherläuft, jemals einzuholen. Dieser Dame wünsche ich eine wahre Freundin oder Arbeitskollegin, die ihr die Stange hält und ihr mal klar sagt, dass sie auf dem falschen Weg ist.

      Aber um noch mal aufs Thema zu kommen: wenn ich das AlleinseinMüssen als Chance sehe, all das zu tun, was man mit Partner nicht tun kann, dann senkt sich automatisch der Stresslevel. Denn plötzlich ist es nicht mehr unabänderliches Schicksal, sondern eine Chance. Ob ich die ergreife, bleibt allein mir überlassen.

      Ich muss auch nicht mit Riesentaten anfangen, sondern kann erst mal ganz kleine Schritte tun. Einfach mal abends allein was unternehmen. Ohne bereits Wochen vorher Absprachen treffen zu müssen, sondern ganz spontan entscheiden. (Das ist es übrigens, weswegen viele Menschen auf Singles neidisch sind!) Das muss noch nicht mal Geld kosten, einfach nur schauen, was vor Ort geboten wird. Da hat jemand in der Großstadt zwar eher die Qual der Wahl als in einem kleinen Dorf, aber selbst dort ist manchmal mehr los als man vermuten möchte. Der Vorteil dabei ist, dass man neue Leute kennenlernt - und das ist nie verkehrt.
    • Lisa Cortez schrieb:

      In der zweiten Studie ...
      Die Artikel beziehen sich zunächst mal beide auf dieselbe Studie. Der zweite Artikel geht dann aber weiter. Ich schrieb ja schon ... erhobener Zeigefinger ...

      Ansonsten scheine ich mich mal wieder nicht richtig ausgedrückt zu haben. Meine Fragen bezogen sich tatsachlich darauf, ob es legitim ist, aus den Ergebnissen einer solchen Studie diese Rückschlüsse zu ziehen ... und vor allen Dingen ... propagandistisch in diese oberflächliche Welt zu schmeißen, in der Menschen meist nicht über die Schlagzeile hinwegkommen. Und selbst wenn sie den Artikel ganz lesen, bin ich sicher, dass weit über 90% keine tiefergehenden Gedanken an das Zustandekommen solcher Rückschlüsse verschwenden.

      Wenn 15% der Befragten (waren das nur Schlanke oder der Bevölkerungsdurchschnitt, also inkl. Dicke?) den Kontakt zu Dicken meiden, finde es höchst gewagt, daraus den Schluss zu ziehen, Dicke seien per se ausgegrenzt und einsam.

      Natürlich weiß ich (@ Issi), dass es Menschen gibt, die Ausgrenzung nichts entgegenzusetzen haben. Aber darauf bezog sich meine Frage gar nicht. Sie war so gemeint, dass die Interpretation der Rückschlüsse aus einer so angelegten Umfrage schon allein deshalb fragwürdig sind, da Ausgrenzung durchaus keine Einbahnstraße ist, d.h. da kann man noch so sehr meinen, Dicke würden ausgegrenzt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie sich auch automatisch ausgrenzen lassen.

      Ich finde die persönlichen Postings auch sehr interessant und finde mich in manchem wieder. Heute kriege ich das nicht mehr hin, aber ich werde darauf auch noch eingehen. :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Martina () aus folgendem Grund: Tippfehler

    • Martina schrieb:

      Wenn 15% der Befragten (waren das nur Schlanke oder der Bevölkerungsdurchschnitt, also inkl. Dicke?) den Kontakt zu Dicken meiden, finde es höchst gewagt, daraus den Schluss zu ziehen, Dicke seien per se ausgegrenzt und einsam.
      Das ist wie mit Wahlen. Wenn 15% eine Partei gewählt haben und die sich in ihrem Erfolg sonnt, sollte man immer bedenken: 85% haben sie nicht gewählt. Also der weit größere Anteil (Nichtwähler mal nicht mitgerechnet.)
      Davon ausgehend, dass die Studie repräsentativ ist, d.h. eine genügend hohe Teilnehmerzahl aus der gesamten Bevölkerungsschicht, also nicht nur Dünne und nicht nur 100 Leute, dann ist die Frage, wer (sich) mehr aus(ge)grenzt (wird): Die Dicken oder die 15%, die sich jegliche Chance nehmen, den Menschen hinter der optischen Erscheinung kennen zu lernen. Und nach meiner Erfahrung (nicht repräsentativ) sind Menschen, die sagen "Dicke finde ich so bäh, da ist mir egal, wie nett die sind, mit denen will ich nicht reden!" diejenigen, mit denen man selber auch nicht reden will, weil sie oberflächlich und irgendwie primitiv sind.

      Meiner Meinung nach ist also der Schluss, "die Dicken" würden ausgegrenzt, aus dieser Studie nicht eindeutig ableitbar.
    • XXL _ Studie der DAK

      presseportal.de/pm/50313/3435872

      dak.de/dakonline/live/dak/Home-1824872.html

      ich hatte nicht die Zeit, alles durchzulesen, aber zumindest werden viele verschiedene Faktoren als Ursache anerkannt. Per se will man wohl weg von einseitiger "Schuldzuweisung".
      Aber dennoch: Es bleibt dabei, dass Übergewicht und noch mehr Adipositas chronische Krankheiten sind und gefährlich. Der zufriedene, gesunde Dicke kommt nicht vor - schade eigentlich. Ich weiß nicht, was das mit Menschen macht, die zwar nicht mehr als "selber schuld" tituliert wertden, aber als schlimm chronisch Kranke. Kratzt das nicht auch am Selbstbewusstsein? Was meint ihr ?
      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Ich weiß nicht, was das mit Menschen macht, die zwar nicht mehr als "selber schuld" tituliert wertden, aber als schlimm chronisch Kranke. Kratzt das nicht auch am Selbstbewusstsein? Was meint ihr ?


      Du hast Recht: der gesunde dicke Mensch kommt nicht vor.
      Allem liegt noch immer das Paradigma zu Grunde, daß dünn gleich normal und gesund sei, und dick gleich unnormal und krank.

      Ob es am Selbstbewusstsein kratzt, wenn man als "krank" eingestuft wird statt als "faul und gefräßig"?
      Kann schon sein. Weil dann wird einem noch ein letztes bißchen Macht genommen, das einem bisher - wenn auch fälschlicherweise - zugeschrieben wurde.
      Man ist dann noch eher mit der Ohnmacht konfrontiert. Und muß möglicherweise noch mehr Bevormundungsversuche über sich ergehen lassen. Weil das ja nun gleich "Therapievorschläge" gegen die Krankheit sind.

      Wenn das Dick in der Bevölkerung bisher als "bewegungsresistent" oder so was galt, könnte ein dicker Mensch, bei dem sich keine Schlankheit einstellen will, dann bei den Ärzten als "nicht compliant" gelten - als jemand, der sich weigert, den angeordneten Therapien und den Ratschlägen des Arztes zu folgen. Also einfach eine andere Form von Gehorsamsverweigerer ...

      Ich finde es trotzdem gut, daß eine Krankenkasse hier den Weg geht, Schuldzuweisungen aus dem Dick herauszunehmen. Innwie weit das gelingt, wird die Zeit zeigen.
      Und ob es die Stigmatisierung heraus nimmt, wird auch die Zeit zeigen.
      Wenn etwas als Krankheit eingestuft wird, kann es ja trotzdem noch stigmatisiert werden.

      Ich persönlich finde die Bildergalerie zum Teil sehr schön.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Issi () aus folgendem Grund: die liebe Rechtschreibung (seufz)

    • Martina schrieb:

      Da wir das Thema schon hatten, habe ich die beiden Threads zusammengeführt. :)
      :danke:
      ( ich habe mich echt nicht mehr daran erinnert.....:rolleyes:)

      Issi, ja und welcher "normale" Mensch möchte denn seine "Kramkheit" behalten? Dass sind eigentlich nur psychisch Kranke. (und da existiert die Möglichkeit des Zwanges)
      Was ist mit den OPs, um Dicke zu "heilen"? Wäre der Druck dann nicht noch mehr da?

      Die Bilder der Fotoausstellung fand ich auch sehr schön.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Issi, ja und welcher "normale" Mensch möchte denn seine "Kramkheit" behalten? Dass sind eigentlich nur psychisch Kranke. (und da existiert die Möglichkeit des Zwanges)
      Was ist mit den OPs, um Dicke zu "heilen"? Wäre der Druck dann nicht noch mehr da?


      Hallo Lisa,

      wahrscheinlich möchte niemand eine Krankheit behalten. Zumal wenn sie ihn beeinträchtigt.
      Aber inwieweit man Patienten zwingen kann, bestimmte Therapien anwenden zu lassen - keine Ahnung? Ich denke, man kann niemand zwingen. Zu nichts. Nicht zu einer Magen-OP, nicht zu Kaltwassergüssen auf die Beine, nicht zum Ansetzen von Blutegeln und nicht zu einer Chemotherapie.

      Ob aber der Druck zunimmt, wenn die "Anerkennung als Krankheit" gegeben ist - auch das wird die Zeit zeigen.

      Am wichtigsten wäre es, daß von Seiten der Medizin und Krankenkassen zugegeben wird, daß es sich bei Dick um eine äußerst komplexe Erscheinung handelt, die noch keineswegs erschöpfend verstanden ist. Und daß wir noch nicht wirklich wissen, wie man diese "Krankheit" dauerhaft "heilen" kann.

      UND daß es gleichzeitig aber auch Menschen gibt, bei denen "dick" KEINE Krankheit ist, sondern bei denen eine rundliche Form zu ihrem Naturell gehört. Denen dürfte man dann nicht einreden, daß sie unter einer "Krankheit" leiden. Oder ihnen gar Therapien aufzwingen wollen ... ?

      Wir hier im Forum wissen doch, wie komplex das alles ist ... ?

      Liebe Grüße
      Issi
    • Jetzt muß ich zu diesem Thema noch etwas nachtragen. Etwas, das ich mir heute aus berufenem Munde sagen lassen mußte:

      es könnte sein, daß die Kampagne, Übergewicht zu einer Krankheit zu erklären, vielleicht nicht ganz so "freundlich" gemeint ist wie das auf den ersten Blick erscheint.
      Ich war erstaunt zu hören, daß es einen so genannten Betreuungs-Struktur-Vertrag gibt, und daß die Krankenkassen umso mehr Gelder aus einem so genannten Risiko Struktur Ausgleich bekommen, je mehr schwer kranke und chronisch kranke Patienten sie haben.

      Also es stellt sich die Frage: könnte es vielleicht sein, daß dicke Menschen jetzt deshalb zu chronisch Kranken erklärt werden sollen, weil dann mehr Gelder fließen?

      Ich merke immer, daß ich anscheinend noch viel zu naiv bin. Freue mich, daß die Schuldfrage herausgenommen werden soll - und dann stecken möglicherweise noch ganz andere Absichten dahinter???
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Ja - nee oder?

      Ist das nicht eine verrückte Welt? Je kränker, desto Gewinn?
      Ich finde da keine Worte mehr.

      Danke, liebe Lisa, für den Link.
      "Alles ist völlig in Ordnung so wie es jetzt gerade ist - und es wird sowieso nicht so bleiben." - Ysolda Dee
    • Transparency International schätzt, dass 3 bis 8 Prozent der Kosten in der gesetzlichen Krankenversicherung durch Korruption verursacht werden, so letztens zu lesen in der Frankfurter Rundschau.
      Wenn dieses Übel mal angegangen würde, könnte man die Krankenkassenbeiträge glatt um 1 bis 4 Prozentpunkte senken.
      Nicht die Deutschen werden immer kränker und verursachen Kosten.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Die DAK legt nun nach:

      Mit neuen Methoden gegen die Fettleibigkeit (WDR)

      Allein, was ist daran neu? Oder habe ich irgendwas überlesen ...?
      Aus organisatorischen Gründen bevorzuge ich die Kommunikation per eMail. Daher habe ich die Funktion "Konversationen" für mich abgeschaltet. Wenn Ihr mich erreichen wollt, haltet bitte die Maus in der linken Spalte auf meinen Namen und klickt dann auf den Briefumschlag im sich öffnenden Fenster.
    • Nö, hast du nicht. Einfach nur seichtes Nachplappern von Allgemeinplätzen, mehr ist das nicht.
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Mich nervt so etwas Undifferenziertes.
      a) Ich kann sehr wohl auch mit Vollkornprodukten UND Gemüse zunehmen.
      (Das ist wieder das Vorurrteil von XXL- Portionen und Softdrinks, das angesprochen wird).

      b) Mit 20 kg kann man keinen Marathon mehr machen..... okay, aber das man nur noch die Treppen hochkommt, ist auch falsch. Eine Person mit 20 kg über dem gewünschten BMI fällt nicht auf der Straße auf. Die macht auch ganz normal Sport., zumindest Freizeitsport.
      So wie die schreiben, müsste da "200 Kilo" stehen.... :rolleyes:
      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Also diese Ernährungsseminare, die sie da mit einer Ernährungsfachkraft anbieten wollen, kann ich selbst geben. ;o) Geht vermutlich den meisten von uns so - wir kennen uns wirklich aus, was die Ernährung angeht...

      Na klar hilft die Ernährungsumstellung. Um abzunehmen, müsste z.B. ich meine Ernährung auf etwa 1200 kkal am Tag umstellen. Und dazu auch noch eine Menge Sport treiben. Sorry, aber das will ich nicht mein Leben lang machen. Denn dann hätte ich vielleicht (eben - nur vielleicht) eine angeblich bessere Figur. Aber vermutlich eine tiefste Depri...

      Ich bin ungefähr alle 6 Wochen in einem Restaurant, ich trinke keine Soft-Drinks, esse keine Fertiggerichte, immer nur Selbstgekochtes, viel Vollkorn und komme locker auf 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag, meistens sogar mehr. Die Letzte Packung Zucker habe ich vor etwa 2 Jahren gekauft, in der Dose ist immer noch etwa die Hälfte drin. Denn ich brauche Zucker überwiegend für Gäste, die Kaffee mit Zucker wollen. Schoki hat bei mir mindestens 70% Kakao und kann wochenlang offen da liegen. Und jetzt?

      Ich wohne im ersten Stock und mein Büro liegt in dem zweiten Stock. Aufzug, Rolltreppe oder dergleichen gibt es nicht. Die Treppe im Büro laufe ich mehrmals am Tag. Bis ganz runter und wieder zurück. Hilft nicht...
      OK, ich schaffe nicht jeden Tag einen Spaziergang zu machen. Aber ich bin immer wieder mal den ganzen Tag zu Fuss unterwegs. Es ändert auch nichts...

      Die Krankenkassen hätten besser getan, wenn sie etwas differenzierter vorgehen würden. Dick heisst nicht automatisch krank, verfressen und unbeweglich.
      Ich bin keine Frau, ich sehe nur so aus.
      (von mir)