Unterirdisches Interview mit Kinderärztin

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    • Unterirdisches Interview mit Kinderärztin

      Es ist zwar schon eine Zeitlang her, aber ich könnte immer wieder aus der Haut fahren. Bayern 2 Radiowelt vom 14.8.2015. Ab 12:30 hört man ein Interview mit der Kinderärztin Brigitte Dietz aus Taufkirchen, es geht um den Bewegungsmangel bei Kindern. Und gleich zu Anfang wird wieder richtig schön reingehauen: körperlich rege ist auch geistig rege. Anders gesagt: die unsportlichen sind dumm.
      Zum Schluss hin wird noch drauf hingewiesen, dass Unsportlichkeit zu einem niedrigen Selbstbewusstsein führt, da die Kinder von ihren Klassen- oder Mannschaftskameraden vorgehalten bekommen, sie wäre zu träge oder zu dick. Und Kinder definieren sich nun mal durch sportliche Leistungen.

      Ja, kann sein. Aber dann wäre es doch erstmal wichtig, dass die Damen und Herren Pädagogen den Kindern beibringen ihre Mitmenschen nicht nach Sportlichkeit und Gewicht zu beurteilen. Dass es für den Wert eines Menschen vollkommen unerheblich ist, ob er im Ballspiel geschickt ist oder nicht. Dass es schlicht dumm ist, andere zu verachten, weil sie nicht so schnell rennen können.

      Aber nein, laut Dr. Dietz sollten die Defizite möglichst schon im Vorschulalter aufgedeckt werden, damit man daran arbeiten kann.
      Wer sich das Geschwafel antun will, kann das hier ab 12:30:

      cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9z…r-Alkohol-Anlegeplatz.mp3
    • Günther schrieb:

      Und gleich zu Anfang wird wieder richtig schön reingehauen: körperlich rege ist auch geistig rege. Anders gesagt: die unsportlichen sind dumm.


      Deswegen hat Stephen Hawking auch nie zwei zusammenhängende Gedanken gehabt.
      \Ironie off
      [CENTER]Summ summ summ
      [SIZE=1](Honigbiene)[/SIZE][/CENTER]
    • der Zusammenhang zwischen Sport und hoher Intelligenz ist was neues, noch in den Achzigern galt " Was man nicht im Kopf hat, muss man in den Beinen haben".
      In der Oberstufe gab es die Sportler - und die anderen.
      Ich wurde aber wirklich in der Schule gemobbt. Klassenbeste, klapperdünn - und sehr, sehr unsportlich , heutzutage würde man mich als Nerd bezeichnen.
      Allerdings hatte ich einen Schulweg zu Fuß von ca. 40 Minuten. Also Bewegung hatte ich.

      Vielleicht ist es tatsächlich so, dass den Kindern die "Alltagsbewegung" fehlt, zu Fuß zur Schule, draußen mit Freunden spielen, Hütten bauen, Bäche stauen ( ich bin auf dem Land aufgewachsen)

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Es ist heute schwieriger die Kinder laufen zu lassen, der gesellschaftliche Druck ist größer. Zwischen mir und meinen Kindern war der Unterschied schon groß. Zwischen mir und meiner Enkeltochter werden es Welten sein.
      Alleine in den Kindergarten gehen. Ich ja.
      Meine Älteste Tochter Ja, meine 2 Tochter, 3 Jahre jünger als die Große nein.

      Viele Eltern tun was sie können und bewegen sich mit ihren Kindern. Aber Intelligenz hat nichts mit Gewicht und Bewegung zu tun. Wenn meine Kinder mal nicht weiterkamen mit dem Lernen, habe ich sie gebeten einmal laut schreiend durch den Garten zu rennen, dann ging es besser mit dem weiterlernen der Kopf war frei.:)
    • Ich finde und bedaure, dass Kinder heute weniger Möglichkeiten haben, sich frei zu bewegen. In den 60ern haben wir auf der Straße gespielt. Die damals noch wenigen Autofahrer in der Gegend wussten dass und waren entsprechend vorsichtig.

      Aber Schulsport ist für mich eine andere Kategorie, die ich als sehr diskriminierende Angelegenheit in Erinnerung habe. Wenn ich es damals so hätte formulieren könne, wäre es das, was Günter bereits gesagt hat: Nicht auf die unsportlichen Kinder sollte Druck ausgeübt, sondern im Fall von Diskriminierung auf die anderen entsprechend pädagogisch eingewirkt werden.
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    • Günther schrieb:


      Zum Schluss hin wird noch drauf hingewiesen, dass Unsportlichkeit zu einem niedrigen Selbstbewusstsein führt, da die Kinder von ihren Klassen- oder Mannschaftskameraden vorgehalten bekommen, sie wäre zu träge oder zu dick. Und Kinder definieren sich nun mal durch sportliche Leistungen.
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      Schulsport hier ist unmöglich umgesetzt. Der Leistungs und Vergleichsgedanke permanent im Vordergrund, weniger sportliche Schüler werden vor der ganzen Klasse bloßgestellt.

      Das hat noch so was preußisches, versteht ihr, was ich meine?

      In jeder Klasse ist doch bestimmt mindestens ein Kind, was ein Trauma davonträgt, was meint ihr?

      Ich finde, das System Schulsport muss dringend überdacht werden.
    • Lunix schrieb:

      Aber Schulsport ist für mich eine andere Kategorie, die ich als sehr diskriminierende Angelegenheit in Erinnerung habe. Wenn ich es damals so hätte formulieren könne, wäre es das, was Günter bereits gesagt hat: Nicht auf die unsportlichen Kinder sollte Druck ausgeübt, sondern im Fall von Diskriminierung auf die anderen entsprechend pädagogisch eingewirkt werden.
      Solche Dinge wie Bundesjugendspiele zum Beispiel. Eine Veranstaltung, welche ich abgrundtief gehasst habe.

      Anstatt im Sportunterricht den Spaß an der Bewegung zu fördern, hat man bei den Kindern, die eh schon eher unsportlich verlangt waren oder für Sport nicht sonderlich Interesse aufgebracht haben, den letzten Rest Lust dazu komplett abgetötet.
    • Ach, wie hab ich den Schulsport gehasst! Der hat mir immer meinen Notendurchschnitt versaut. Ich hatte regelrecht Angst davor. Vor allem in der 8., glaub ich. Da waren zwei Mädels, die mich schon in der Umkleide aufs Korn nahmen und mich noch zusätzlich lauthals ver4rschten wegen meines Körpers und meiner Kleidung (ich durfte niemals z.B. einen Mini oder Hosen tragen und darunter eine Kompressionshose mit langem Bein).

      Gott sei Dank hab ich in dem Jahr eine Ehrenrunde eingelegt und hatte dann bis zur 11. die coolste Sportlehrerin überhaupt. Die hat tatsächlich nicht eine einheitliche Leistung abgefordert, sondern auch die individuellen, körperlichen Fähigkeiten und die Leistungsbereitschaft bewertet. In einem Zeugnis hatte ich dann tatsächlich eine 2! in Sport. In der Zeit habe ich dann auch an einer Volleyball- und Jazztanz-Gruppe teilgenommen, was mir sehr viel Spass gemacht hat und habe in meiner Freizeit Squash gespielt! Solche Lehrer sind leider Mangelware.
    • Der Schulsport hat dazu geführt, dass ich nach der Schule für mehrere Jahrzehnte erstmal völlig Abstand von sportlicher Betätigung genommen habe. Diese totale Wettbewerbsfixierung hat mindestens die Hälfte der Schüler angekotzt. Von wegen Kinder wollen das. Besonders leid hat mir eine Mitschülerin getan, die nach einer Meningitis (vermute ich mal) Lähmungserscheinungen in den Beinen hatte, und trotzdem von der Sportlehrerin getriezt wurde.

      Irgendwann habe ich auch mal berichtet, dass ich bei einem Langstreckenlauf meine Mitschülerinnen abgehängt hatte, aber dafür eine 6 wegen "Betrugs" kassiert habe. Es konnte ja nicht sein, dass die dicke Sophie die Sportverein-Asse abhängt. Seitdem habe ich konsequent den Schulsport geschwänzt, und danach jegliche organisierte sportliche Betätigung gemieden, abgesehen vom Fahrradfahren (als notwendiges Verkehrsmittel, nicht als "Sport") und vom Krafttraining in einer echten Muckibude zusammen mit echten Kerlen, also nicht das stylische Gehampel wie es heute üblich ist....

      Erst durch eine notwendige Reha nach einem üblen Arbeitsunfall bin ich überhaupt wieder auf den Geschmack gekommen, mich zu bewegen. Aber ich brauche die Selbstbestimmung: wann, wie lange, wie intensiv ich will, und nicht irgendein Trainer, Kursleiter oder sonst wer. Sobald es irgendwie in fremdbestimmten Zwang ausartet, verliere ich schlagartig die Motivation.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Kubalibre schrieb:

      Solche Dinge wie Bundesjugendspiele zum Beispiel. Eine Veranstaltung, welche ich abgrundtief gehasst habe.


      Da hatte ich schon Wochen vorher den Horror vor. Und ich habe nie auch nur eine Siegerurkunde bekommen. Später war ich an solchen Tagen immer gaaaaaanz zufällig krank. :D

      Kubalibre schrieb:

      Anstatt im Sportunterricht den Spaß an der Bewegung zu fördern, hat man bei den Kindern, die eh schon eher unsportlich verlangt waren oder für Sport nicht sonderlich Interesse aufgebracht haben, den letzten Rest Lust dazu komplett abgetötet.


      Ja, so ging es mir auch. Ich war immer die Dickste in der Klasse und beim Sport durfte ich mir die meisten blöden Sprüche anhören. In meiner Erinnerung haben wir meistens Volleyball gespielt, da war ich völlig unfähig und wurde auch nie freiwillig in ein Team gewählt, sondern die Lehrerin hat mich einem Team zugeteilt, wenn ich als Letzte übrigblieb. Oder wir haben Zirkeltraining gemacht, was genauso schlimm war. Unserer Sportlehrerin war das alles völlig egal, wer nicht mitkam, hatte halt Pech gehabt. Bei uns war es damals so, dass man, wenn man als Mädchen seine Tage hatte, beim Sport nicht mitmachen musste. Glaubt mal, die hatte ich mindestens zweimal im Monat. :cool:

      Später auf der HöHa hatte ich dann einen Sportlehrer, der es toll fand, uns bei 30 Grad im Schatten durch den Wald zu scheuchen. War auch ganz toll. Das endete regelmäßig damit, dass ich hinter den anderen hergekeucht bin und der Lehrer neben mir herlief und mich angemotzt hat, ich solle mich gefälligst mehr anstrengen.

      Ich habe den Schulsport abgrundtief gehasst und drei Kreuze geschlagen, als ich den Mist endlich hinter mir hatte. Bis heute habe ich dadurch eine tiefe Abneigung gegen Sport in einer Gemeinschaft. Vielen Dank auch, liebe Sportlehrer! :mad:
    • Mir hat der Schulsport die Gesundheit meiner Hände gekostet. Ich war ein sehr guter Torward und habe es gerne gemacht, bei Mädchen und Handball, leider hat mich die Lehrerin gezwungen auch beim Jungsfussball die Bälle zu halten, ohne Handschuhe und warmmachen. Heute 40 Jahre später habe ich immer noch Schmerzen und kann nicht viel machen. Bei meinen Kindern habe ich sehr stark aufgepasst , dass es Ihnen nicht so ergeht. Meine kleine Tochter 27 ist Torward und gut. Sie macht sich warm und bekommt Training und trägt Handschuhe. Die Angst um Sie bin ich nie ganz losgeworden.
    • Schulsport war für mich das "Selbstekeleinübungsprogramm". Nicht nur Mitschüler, auch Sportlehrer haben mich gemobbt .
      Schließlich benutzte ich meinen Verstand dazu, mir von verschiedenen Ärzten verschiedene Atteste zu besorgen - die ganze Oberstufe habe ich dann nicht mehr am Sportunterricht teilgenommen.
      Bundesjugendspiele - nun ja, da gab es wenigstens keine Noten. Ich war Expertin darin, im richtigen Moment einen Krampf im Fuß zu bekommen oder in Ohnmacht zu fallen. (!)
      Irgendwann gab man es auf mit mir.....

      ich habe gelesen, in Kanada bekommt jedes Kind einen individuellen Trainingsplan und die Fortschritte werden benotet....

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Sportunterricht war für mich als Kind das Schlimmste.
      Auch ich war eine ewig Letztgewählte, konnte nicht gut laufen (schon damals nicht). Dauerlauf war eine Strafe, einige andere Sportarten auch.
      Handball machte mir Spaß, Völkerball, Schwimmen, das war es auch schon fast. Gemobbt wurde ich (nicht nur dort), man machte sich gern lustig über mich (obwohl ich damals wahrhaftig noch nicht wirklich dick war, allenfalls kräftig).
      Auch ich habe Taktiken entwickelt, wenn mir nicht meine ungeschickten Füße zur Hilfe kamen (ich bin in der Zeit tatsächlich häufig umgeknickt, was ich dann weidlich ausgenutzt habe, um Sport zu schwänzen), hatte ich mein Sportzeug vergessen oder fand andere Möglichkeiten, Sport zu schwänzen.

      Bewegt habe ich mich trotzdem immer gern, bin immer viel Rad gefahren und habe früher immer wieder diverse (Power)Gymnastikkurse gemacht und bin auch ins Studio gegangen (richtige Muckibuden wie auch von Sophie beschrieben). Dort hab ich mich immer wohl gefühlt, die Männer waren immer umgänglich und hilfsbereit.
      Seit ich nicht mehr lange genug stehen kann, um normale Kurse mitzumachen, habe ich mich aufs Wasser verlegt. Wassergymnastik und Aqua Zumba. Wenn Kurspause ist, gehe ich immernoch gern ins Studio. Ich habe eins gefunden, welches meinen Anforderungen entspricht (ich kann außer einem auf alle Geräte, das Publikum und Chefin sind angenehm, es ist nicht weit und passt vom Preis).
      Viele Grüße

      Andrea


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      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz