Medikamentöse Behandlung von Ess-Sucht

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    • Medikamentöse Behandlung von Ess-Sucht

      Es dürften jetzt 10 Jahre sein, dass ich mich von der „klassischen“ Diät-Denke gelöst habe. Damals habe ich „Essen als Ersatz“ von Geneen Roth und „Lob des Essens“ von Susie Orbach gelesen. Auch das Buch „Übergewicht und seine seelischen Ursachen“ von Doris Wolf.

      Er gab mehrere Erfolgsphasen, in denen ich mich normal Ernähren konnte, die längste dauerte von Januar bis Oktober 2014. Dennoch: immer wieder kommt der Rückfall. Auch die ganzen üblichen Ratschläge wie darauf zu achten, was zum Rückfall geführt haben könnte, welche Umstände oder Gefühle im Spiel waren, nutzen nichts. Der Essdrang ist einfach wieder da und ich werde immer dicker. Wenn er verschwindet und ich normal essen kann (also nicht über meine Sättigung hinaus), dann passiert das ohne mein Zutun. Es passiert einfach.

      Kurz gesagt: Aufmerksamkeit, Nachdenken und Reflektieren nutzen nichts.

      Ich bin mittlerweile soweit mich zu fragen, was psychotherapeutische Maßnahmen überhaupt bringen sollen, denn letzten Endes ist jeder Gedanke, jedes Gefühl usw. doch nichts anderes als irgendwelche Stoffwechselvorgänge im Hirn und damit ist letztlich alles physischer Natur. Das bedeutet aber auch, dass man die Ess-Sucht medikamentös behandeln können müßte - falls es die entsprechenden Mittel dazu gibt.

      Natürlich habe ich mich schon mal umgeschaut und bin leider eher abgeschreckt. So habe ich gesehen, dass Antidepressiva, die auch ein Suchtpotential bergen können, gegen Ess-Sucht eingesetzt werden. Nichts gegen Antidepressiva, ich bin keiner von der Fraktion „HilfedasistjapösepöseChemie". Aber ich habe ja keine Depressionen und bin sehr bedacht darauf, keine unnötigen Risiken einzugehen.

      Seit dem bei mir ein ADS diagnostiziert wurde nehme ich übrigens bei bedarf Methylphenidat ein, dem ja auch nachgesagt wird, es würde den Appetit mindern. Das war für mich erst mal abschreckend, weil ich Angst vor einer Suchtverlagerung hatte (nach dem Motte was passiert mit einem Ess-Süchtigen, wenn man ihm den Appetit wegnimmt? Ich hab ja auch keine Lust, mit dem Rauchen oder Trinken anzufangen). Die Befürchtungen waren aber vollkommen unbegründet. Aber von der Appetitminderung merke ich halt auch nichts.

      Ich wäre dankbar für ein paar Erfahrungsberichte. Hat es mal jemand von euch medikamentös versucht?
    • ja, ich.
      Mir hat es nix gebracht. Während es sehr viele Medikamente gibt, die richtig dickl machen ( da auch die von dir genannten Antidepressiva!) , gibt es nix, was dünner macht, zumindest nix, was
      - legal
      - sicher
      - nebenwirkungsfrei

      ist. Ich würde die Finger davon lassen. In den Siebzigern und Achzigern gab es mal recht wirkungsvolle Appetitzügler, mittlerweile sind die alle vom Markt, wegen tödlicher Nebenwirkungen.

      Was anderes ist, wenn du Schilddrüsenprobleme oder Diabetes hast,. da kann die Wahl des riochtigen Medikamentes schon helfen, Gewicht zu verlieren.
      Als gesunder Mensch würde ich es mir nicht antun.

      Mit Methylphenidat habe ich keine Erfahrung.

      Gruß Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Naja, keine Nebenwirkungen wäre auch ein zu hoher Anspruch. Alles was wirkt, kann immer Nebenwirkungen haben.

      Ich glaube aber, dass ich mich falsch ausgedrückt habe, ich suche keinen Appetitzügler um Abzunehmen sondern ich frage mich, ob dieser Drang zum Überessen, medikamentös behandelt werden kann, so dass ich meiner inneren Regulation folgen kann. Also bei Hunger genau das essen, worauf ich Appetit habe und aufhören wenn ich satt bin. Ich hoffe es wird klar was ich meine, mir geht es nicht drum, über einen Appetitzügler weniger zu essem um möglichst viel abzunehmen, ich will nur ein normales Essverhalten.
    • @Günther

      medikamentös stelle ich mir extrem kompliziert vor.
      Du müsst erst mal genau wissen, in welchem Regelkreis irgendwas nicht so funktioniert, wie Du es gerne hättest ...
      Am Eßverhalten sind so viele Systeme beteiligt ... und bei weitem nicht nur eine Gehirnregion ...
      Liegt die Schwachstelle im Lernsystem? Im Belohnungssystem? Im "Betriebsrechner", der nicht mehr genau weiß, wie viel er nachbestellen muß? Sind es die Stresshormone und ein verringerter Brain-Pull? Ist es vielleicht sogar in irgendeiner Weise genetisch? ... usw. usw. ...

      Wie Du sagst, gibt es auch Zeiten, in denen Du Deiner inneren Regulation folgen konntest ... so daß es irgendeinen Anlass geben muß, warum diese zu anderen Zeiten wieder außer Kraft gesetzt wird?

      Bevor ich irgendein Medikament einnehmen würde, würde ich - aber das ist nur meine persönliche Meinung - genau wissen wollen, wo der Knackpunkt liegt ... ansonsten würde ich in einer solchen Situation die Finger von Medikamenten lassen. Wie gesagt - meine persönliche Meinung.

      Die moderne Medizin macht heute die reinsten Wunder. Aber ich muß oft an einen Ausspruch meines Arztes denken: "Wir wissen heute so viel ... so viel ... nur eines wissen wir immer noch nicht: wie ein menschlicher Körper funktioniert, und wenn ja, warum?"

      Ich wünsche Dir, daß Du einen Arzt findest, der Dir hilft, dem Phänomen auf die Spur zu kommen ... - oder daß Du selbst dem Phänomen auf die Schliche kommst ...

      Liebe Grüße
      Issi
    • Issi schrieb:

      @Günther
      Wie Du sagst, gibt es auch Zeiten, in denen Du Deiner inneren Regulation folgen konntest ... so daß es irgendeinen Anlass geben muß, warum diese zu anderen Zeiten wieder außer Kraft gesetzt wird?


      Tja, wie bereits erwähnt, dem versuche ich seit 10 Jahren auf die Schliche zu kommen. Da ich damit nirgendwo hingekommen bin meinte ich halt, dass es vielleicht eine klare physische Ursache geben könnte, die man mit Verhaltenstherapie-Massnahmen o.ä. halt nicht umgehen kann. So ähnlich, wie bei einem Farbfehlsichtigen: er kann tun was er will, für die Farbe, die er nicht sehen kann hat er entweder zu wenig Rezeptoren auf der Netzhaut, oder sie sind da, funktionieren aber nicht richtig. Mit nachdenken und das eigene Verhalten hinterfragen wird sich daran nichts ändern.

      Aber so wie Du es schreibst ist eine mögliche physische Ursache hierzu leider alles andere als klar.
    • so unzusammenhängend zu Deinem Beitrag einfällt

      -Laß dich mal von Endokrinologen abschecken- vielleicht ist was mit Deinem Insulin-Hormonhauhalt aus dem Lot

      - Du kannst wirklich keinen Zusammenhang mit Deiner Gefühlslage und Deinem Eßverhalten erkennen?

      - Schon mal ein Eß-Emotions-Tagebuch geführt

      -aber ich zweifle auch am Nutzen von Therapie- ich kann ganz genau sagen, warum ich zuviel esse, wofür ich es einsetzte und was ich eigentlich anderes bräuchte um "satt" zu sein- nutzt mir nur nix die Erkenntnis

      - Antidepressiva machen nicht abhängig und daß sie zu verminderten Appetit führen ist ein Gerücht...eher zu vermehrten..auserdem bringen alle Psychomedis irgendwas im Stoffwechesel aus dem Lot und die allermeisten nehmen mit dem Zeug zu...

      - nimmt jemand ab , in Zeiten wo er depressuv ist und AD schluckt, liegt das eher an der Depression- ich krieg dann kaum was runter , auserdem bin ich kaum in der Lage mich zu versorgen- einkaufen- gar kochen- geht nicht

      - ich glaub nicht an ADHS -Diagnosen die erst bei Erwachsenen festgestellt werden- allgemein halte ich es für eine Modediagnose und die Medikamente die man dann zu schlucken bekommt, für gefährlich
      Auserdem gibts eine interessante Studie- Umsatzsteigerung von Verkauf von Psychomedis durch gezielte Propaganda der Pharmaindustrie am B. von Ritalin

      - da bin ich mir nicht sicher ob Du nicht depressiv bist- lavierte Depression kann viele Gesichter haben

      - würdest Du wirklich ein Medidkament schlucken wollen, daß so nachhaltig in Deine Körperfunktionen eingreift, daß es per Zauberhand ein anderes Eßverhalten zaubert?

    • -Laß dich mal von Endokrinologen abschecken- vielleicht ist was mit Deinem Insulin-Hormonhauhalt aus dem Lot

      Danke für den Tipp!

      - Du kannst wirklich keinen Zusammenhang mit Deiner Gefühlslage und Deinem Eßverhalten erkennen?

      Intellektuell kann ich mir das zusammenreimen, aber ich spüre es nicht. Eine Therapeutin meinte mal, das ginge auch gar nicht, weil wir Zusammenhänge nicht spüren können. Nur geht es mir genau wie Dir: die Intellektuelle Erkenntnis ändert leider nichts an meinem Essensdrang.

      - Schon mal ein Eß-Emotions-Tagebuch geführt

      Ja, ist auch wirklich interessant, geholfen hat es aber leider nichts.

      -aber ich zweifle auch am Nutzen von Therapie- ich kann ganz genau sagen, warum ich zuviel esse, wofür ich es einsetzte und was ich eigentlich anderes bräuchte um "satt" zu sein- nutzt mir nur nix die Erkenntnis

      Genau so ist es.

      - ich glaub nicht an ADHS -Diagnosen die erst bei Erwachsenen festgestellt werden- allgemein halte ich es für eine Modediagnose und die Medikamente die man dann zu schlucken bekommt, für gefährlich

      Naja, mit Glauben hat das wenig zu tun. Mal abgesehen davon, dass ich unter meinen Konzentrationsproblemen schon seit meiner Kindheit gelitten habe, nur dass den Meisterpädagogen der damaligen Zeit nichts anderes eingefallen ist wie mich als "Sorgenkind" zu bezeichnen - im besseren Fall. Im schlechteren Fall hieß es auch mal "aus dem ist nicht mehr rauszuholen". Klar muß man alles kritisch hinterfragen, aber mit Propaganda und Modediagnose wäre ich vorsichtig. ADS hat eine klare physische Ursache, die meines Wissens über bildgebende Verfahren nachgewiesen wurde (zu wenig Dopamin am Synaptischen Spalt weil es zu schnell abtransportiert wird).

      ADS als Modediagnose abzutun führt dazu, dass die betroffenen als Kinder zu Dummköpfen, Zappelphillipen, Faulpelzen und Träumern abgestempelt werden. Als Erwachsene werden sie dann Chaoten, Tollpatsche, Dödel usw. genannt. Das kann Lebensläufe zerstören.
      Dem Problem einen Namen geben zu können und eine Behandlung durchzuführen halte ich für die wesentlich bessere Lösung.


      - da bin ich mir nicht sicher ob Du nicht depressiv bist- lavierte Depression kann viele Gesichter haben

      Lavierte Depression, hab ich noch nie gehört. Werde ich mich näher damit beschäftigen.

      - würdest Du wirklich ein Medidkament schlucken wollen, daß so nachhaltig in Deine Körperfunktionen eingreift, daß es per Zauberhand ein anderes Eßverhalten zaubert?

      Naja, an die Zauberhand glaube ich jetzt nicht. Wenn klar wäre, dass bei meinen Körperfunktionen was falsch läuft was sich durch ein Medikament bessern oder beheben läßt schaue ich mir an, welche Nebenwirkungen zu erwarten wären und entscheide dann, ob ich es nehme oder nicht.

      [/QUOTE]

    • Hm, ich weiß nicht mehr, wo ich das her habe, allerdings erinnere ich mich daran, dass es einen Zusammenhang zwischen ADS und unkontrolliertem Essverhalten gibt bzw. geben soll.
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Nordlicht schrieb:

      Hm, ich weiß nicht mehr, wo ich das her habe, allerdings erinnere ich mich daran, dass es einen Zusammenhang zwischen ADS und unkontrolliertem Essverhalten gibt bzw. geben soll.


      Na ja, ich gehöre zur Fraktion die davon überzeugt ist, daß es immer was mit der Psyche zu tun hat, wenn man Essen "zuviel zuwenig zukomisch" ißt.
    • Nordlicht schrieb:

      Hm, ich weiß nicht mehr, wo ich das her habe, allerdings erinnere ich mich daran, dass es einen Zusammenhang zwischen ADS und unkontrolliertem Essverhalten gibt bzw. geben soll.


      Soweit ich weiss sind ADSler generell gefährdeter, eine Sucht zu entwickeln. Zum Thema Essen meinte eine Verhaltenstherapeutin, bei der ich wegen ADS war, das Überessen sei keine zwanghafte (wie ich es formuliert hatte) sondern eine impulsive Sache. Macht Sinn, da ADSler zur Impulsivität neigen.

      Geholfen hat mir diese Erkenntnis leider auch nicht.
    • @ günther und zu aufmerksam-keits-defizit-syndrom

      Klar meine Meinung ist nicht wissenschaftlich fundiert, sondern mehr so ein Bauchgefühl und Zusammenfassung von vielem , was ich über ADS gelesen oder anders an Info geammelt habe .
      Vorallem auch meiner eigenen Erfahrungen beim Kennenlernen von Leuten , denen dieses Diagnose gestellt wurde, meinen Erfahrungen in Kliniken.

      Wer weiß denn wieviel Dopamin die richtige Dosis ist.
      Wer weiß ganz genau , was da so im Hirn spielt und ob es nicht beim einen so und beim anderen anders ist.

      Zu meiner Diagnose, die auch was mit Hirnstoffwechsel zu tun hat, kam immer nur die ärztliche Aussage- wir wissen nicht genau, wie alles zusammenhängt- wir vermuten daß Serotonin eine Rolle spielt...

      Allgemein blieb mir der Eindruck, daß da noch viele Unbekannten regieren, gehts um Psyche, Hirnstoffwechsel und soweiter...

      Aber ich erinnere mich eben gut an diese Studie- ich werd sie suchen und verlinken- in der es um Zusammenhang von Diagnosen und Einfluß der Pharmaindustrie darauf gewisse Modediagnosen zu puschen, weil damit viel Geld zu verdienen ist, ging.

      Ich habe eine Krankheit, bei der es lange hieß- auf jeden Fall Medikamente- immer - lebenslang.
      Mittlerweile gibt es da differenziertere Meinungen .

      Mir gehts ohne Medis jedenfalls bestens.

      Ich sah mal einen Bericht über drei Kinder mit ADS. Dem einen halfen die Medikamente, er sagte selber er würde ruhiger dadurch-sie täten ihm gut.
      Ein Mädchen tat mir leid.Sie war erst 5 und alle Welt suggerierte ihr "sie sei falsch".Ihre Eltern sprachen über sie , als sei sie falsch geliefert und könnte nun leider nicht umgetauscht werden .
      Welche Chance hat ein kleiner Mensch sich zu entwickeln und nicht auffällig zu werden, wenn alle Welt an ihm rummäkelt und ihm klar macht , er hat Fehler und paßt nicht.
      Ein Beispiel,daß ADS/ bzw psychische Auffälligkeit oft dadurch gepuscht wird, daß man versucht Menschen in eine Welt einzupassen, die nicht mehr sehr menschenfreundlich ist, bot das dritte Beispiel in dem Film.
      Das war ein wildes Mädchen.Die Eltern erzählten, sie war schon immer sehr umtriebig, stillsitzen nicht ihr Programm- sich lange auf was konzentrieren auch nicht, aber bevor sie in die Schule kam war das kein Problem.
      Dann wurde das Mädchen mit Regeln konfrontiert, mußte Dinge zu Ende bringen- und schon war sie ein ADS- Kind- die Diagnose trauen sich ja viele zu stellen, kaum ist ein Kind nicht "einfach".
      Die Eltern sahen sich genötigt, ihr Kind , daß sie bis dato einfach als wildes, kreatives , umtriebiges Mädchen erlebt hatten zum Arzt zu schleppen.
      Und sie waren entsetzt was Ritalin aus ihr machte.Das Gedämpftsein und all die Nebenwirkungen.
      Die haben die Reißleine gezogen und suchten nach einer Schule, die Kinder nicht nur in starre Lehrpläne zwängt, sondern wo Eigeninitiative auf dem Lehrpaln steht und "viel drausen sein".
      Und siehe da , das Mädchen kann sich durchaus konzentrieren, wenn der Druck weg ist.

      Was ich sagen will ist- vielleicht ist unsere Welt einfach so der "Natur" entfremdet, so eingezwängt in Leistungsdruck, daß Kindern kaum noch Möglichkeiten bleiben zwischen total angepaßt, aggressiv oder psychisch auffällig.

      Wer hat Dir gesagt, "so benimmt man sich nicht"?

      Wir sollten aufhören , uns der Welt anzupassen- damit meine ich all diese staren Konzepte, Regeln und was uns sonst einzwängt- sonder die Welt so gestalten, daß sie "uns paßt".

      Ich glaube damit wäre süchtiges Verhalten nicht mehr nötig und ADS ausgestorben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fraubrezle () aus folgendem Grund: vertippt

    • einfach ist nicht

      Günther schrieb:

      Da sind wir wieder am entscheidenden Punkt: was ist Psyche? Letzten Endes doch nur die physischen Vorgänge im Hirn. Wie behandelt man dann?



      Nein , ich glaube Psyche ist viel mehr als Hirnstoffwechselvorgänge.
      WIR sind viel mehr .Uns macht viel mehr aus.
      Erfahrungen, Sozialisierung und halt auch Einflüße von Hormonen und anderen Stoffen ....
      Ging es nur um Vorgänge im Hirn..könnte man es ja wieder mit Lobotomie versuchen.Wir operieren uns einfach das Hirn zurecht:ironie:

      Also ich hätte auch gerne eine einfache Antwort und ein Rezept.
      Gibts nicht.
      Es ist ein Prozeß- für mich einer der Heilung.Ich glaub immer noch, wenn ich mal die Baustellen in meinem Leben aufgeräumt habe, dann wird sich auch was am Eßverhalten ändern.
    • fraubrezle schrieb:


      Was ich sagen will ist- vielleicht ist unsere Welt einfach so der "Natur" entfremdet, so eingezwängt in Leistungsdruck, daß Kindern kaum noch Möglichkeiten bleiben zwischen total angepaßt, aggressiv oder psychisch auffällig.

      Wer hat Dir gesagt, "so benimmt man sich nicht"?

      Wir sollten aufhören , uns der Welt anzupassen- damit meine ich all diese staren Konzepte, Regeln und was uns sonst einzwängt- sonder die Welt so gestalten, daß sie "uns paßt".

      Ich glaube damit wäre süchtiges Verhalten nicht mehr nötig und ADS ausgestorben.


      Da stimme ich Dir voll zu. Ich weiß auch nicht, ob man ADS wirklich als Krankheit bzw. Störung sehen sollte, wir ticken halt anders. Das Problem entsteht erst dann, wenn man als ADSler in ein leistungsbetontes Raster passen soll. Schlechte Lehrer, Vorgesetzte usw. tun ihr übriges dazu. Ich hätte auch lieber eine Gesellschaft, in der man sich nach den eigenen Wünschen und Fähigkeiten orientieren kann (weswegen ich z.B. das bedingungslose Grundeinkommen durchaus sinnvoll fände, aber ich schweife zu weit ab, das ist eine andere Diskussion). Unterm Strich meine ich, käme für die Gemeinschaft mehr dabei raus, denn das, was man gerne und aus Überzeugung tut, wird man auch gut machen.

      Aber ich lebe halt auch in den von Dir erwähnten starren Konzepten, und da tue ich mich halt mit dem Medikament viel leichter. Da bisher keine Nebenwirkungen aufgetreten sind, komme ich damit gut klar. Im gerade zurückliegenden Weihnachtsurlaub habe ich das Methylphenidat übrigens fast komplett weggelassen. Wenn ich es mir einfach nur gut gehen lasse und nichts tun muss, wozu ich keine Lust habe, brauche ich es nicht. Nur anfangs habe ich es mal genommen, weil ich meine Steuererklärung machen mußte ...

      Wie immer im Leben haben wir es mit einem zweischneidigen Schwert zu tun. Die Diagnose ADS und die entsprechende Behandlung kann bewirken, dass man sich selbst nicht mehr unfähig oder falsch fühlt.
      So wie Du es beschrieben hast, kann die Diagnose auch erst bewirken dass man sich denkt, man sei nicht in Ordnung. Es gehört halt Einfühlungsvermögen und die Wahrnehmung individueller Eigenheiten dazu. Aber in einer Gesellschaft, in der meist alle über einen Kamm geschert werden?
    • fraubrezle schrieb:

      Nein , ich glaube Psyche ist viel mehr als Hirnstoffwechselvorgänge.
      WIR sind viel mehr .Uns macht viel mehr aus.
      Erfahrungen, Sozialisierung und halt auch Einflüße von Hormonen und anderen Stoffen ....
      Ging es nur um Vorgänge im Hirn..könnte man es ja wieder mit Lobotomie versuchen.Wir operieren uns einfach das Hirn zurecht:ironie:

      Also ich hätte auch gerne eine einfache Antwort und ein Rezept.
      Gibts nicht.
      Es ist ein Prozeß- für mich einer der Heilung.Ich glaub immer noch, wenn ich mal die Baustellen in meinem Leben aufgeräumt habe, dann wird sich auch was am Eßverhalten ändern.


      Naja, wo werden Erfahrungen und Sozialisierung gespeichert? Und wenn Sie unser Denken und Handeln beeinflussen, beeinflussen Sie damit auch die Vorgänge im Gehirn.

      Von einer einfachen Antwort war auch nicht die rede. Ich scheue ja nicht die Auseinandersetzung mit mir selbst, das mache ich ja seit 10 Jahren. Aber ich komme damit halt nicht weiter, deswegen möchte ich schauen, ob es ANDERE Antworten gibt. Ob die dann einfacher sind? Das kommt erst noch auf.
    • @ Günther

      Ich kann Dich gut verstehen. Manchmal sind wir mit Dingen und Situationen konfrontiert, die vielschichtig sind, und bei denen man manchmal jahrelang nicht den Finger auf den Punkt legen kann ... "multifaktorielle" oder gar "multidimensionale" Geschehen ...
      Tatsächlich kann es sehr ermüdend sein, an/mit einer solchen Situation zu arbeiten ... das geht mir dann auch so, dann habe ich manchmal Phasen, da bin ich nicht wütend, auch nicht traurig, ... ich bin dann einfach nur müde ...

      Dann hätte ich manchmal auch gern eine Pille, die's richtet ...
      einfach nur einwerfen und - bingo.
      ...
      einfach nur die Kohlenhydrate weglassen.
      einfach nur jeden Morgen denken, ich bin reich und schön.
      einfach nur ...
      Ich kann Dich gut verstehen. Wer ist nicht auf der Suche nach "einfach nur ..." ???

      Im Laufe der Zeit habe ich herausgefunden, daß die Dinge "so" leider nicht laufen ... nicht auf diesem Planeten hier ... nicht in der gegenwärtigen Zeit ...
      Hier und jetzt heißt es "leider" noch immer: weitersuchen ... weiterschürfen ... weitergehen und eine winzige Veränderung nach der anderen anstreben ... jede einzelne Mahlzeit eine symbolische "Wegkreuzung", an der Du Deine (neue?) Entscheidung treffen kannst ...

      Ich wünsche Dir, daß Du immer den richtigen Weg wählst ... ganz entspannt ... weil irgendwann führt sowieso jeder Weg ans Ziel ...
      und wer weiß, vielleicht findest Du auf Deiner Reise ja den Stein / die Pille der Weisen? ... möglicherweise an einer ganz unvermuteten Stelle? ...

      Liebe Weggenossen-Grüße von
      Issi
    • Günther,


      Man ist allerdings am Forschen.
      Wenn man beispielsweise den Gewichtszunahmeeffekt von Psychopharmaka genau verstehen und dann umkehren könnte....
      wie gesagt, die Forschung ist interessiert, wäre ein Milliardengeschäft.


      Die einzigen Medikamente, die als Nebenwirkung "Gewichtverlust" und "Verlust des Hungergefühles" haben, sind die Opioide.
      Zumindest stehts im Beipackzettel, aber bei mir ist es nicht so.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • ADS wird manchmal in der Schule angesprochen
      und es handelt sich vielfach überhaupt nicht
      um ADS sondern diese Kinder sind besonders
      begabt, langweilen sich und stören deshalb.

      Zum Gewicht: ich habe mal BEING FAT IS NOT A SIN
      von Shelley Bovey gelesen und vieles dadurch verstanden.
      Deutscher Titel ist doof
      Kann denn Dicksein Sünde sein

      falsch übersetzt.
    • Zur angeprochenen Impulsivität: Ich nehme an, dass das Gehirn einfach noch zu wenig verstanden bzw. erforscht wurde bisher, auch wenn ja mittlerweile eine gewisse Grundstruktur bekannt ist. Nur macht das noch keine medikamentöse Behandlung möglich.
      Das wäre so ähnlich wie: Der Bauch macht irgend welche Beschwerden, ich lass besser mal Chemotherapie machen, könnte ein Tumor sein.
      Bis jetzt ist ja nur bekannt, dass mit Impulsivität bzw. Störung der Impulskontrolle eine geringere Aktivität im Frontallappen im Zusammenhang steht. Das gilt allerdings nur als Risikofaktor für Impulsivität - man weiß also noch nicht mal, ob das ursächlich ist, eine Nebenwirkung oder vllt. nur zufällig damit einhergeht.

      Deshalb wird bisher sowas wie impulsives Essen, Kaufen, Nägelkauen etc. mit Verhaltenstherapie oder Psychoanalytik behandelt. Soweit ich das sehe, funktioniert das immer nur bis zu einem gewissen Grad, eben weil es eher Symptombekämpfung ist.

      Was mir noch einfällt, da Dopamin im Zusammenhang als wichtig angesprochen wurde: Man könnte höchstens versuchen, den Spiegel der verschiedenen Amine wie Dopamin und von Serotonin im Körper durch eine bestimmte Ernährungsweise zu beeinflussen, wobei da in erster Linie wahrscheinlich nur das Meiden von ungünstigen Dingen funktioniert. Was vorher eine gewisse Recherche voraussetzt, wo zB Dopamin o. a. Stoffe überhaupt enthalten sind. Das könnte sich als schwierig erweisen.

      Grüße
      Dani
      Fat people have the right to exist in fat bodies regardless of how we got fat, what being fat means, or if we could be thin through some means – however easy or difficult. There are no other valid opinions on this. We have the right to exist without [...] stigmatization, period. (Ragen Chastain)
    • Nordlicht schrieb:



      Was mir noch einfällt, da Dopamin im Zusammenhang als wichtig angesprochen wurde: Man könnte höchstens versuchen, den Spiegel der verschiedenen Amine wie Dopamin und von Serotonin im Körper durch eine bestimmte Ernährungsweise zu beeinflussen, wobei da in erster Linie wahrscheinlich nur das Meiden von ungünstigen Dingen funktioniert. Was vorher eine gewisse Recherche voraussetzt, wo zB Dopamin o. a. Stoffe überhaupt enthalten sind. Das könnte sich als schwierig erweisen.


      Da gibt es einiges: Ein indisches Nahrungsergänzungsmittel ,das "Juckbohne" heißt, Mucuna pruriens
      Vitamin B6, L-Phenylalanin,Omega3Säuren (alles Nahrungseregänzungsmittel)
      helfen Dopamin im Körper zu bilden.

      Nahrungsmittel, die schon Dopamin enthalten, nützen nix, weil die Blut- Hirnschranke nicht überwunden wird.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Beruflich habe ich gerade über 5 Ecken seltsame Zusammenhänge gefunden. (Lohnpfändung, drohender Wohnungsverlust, Messietum, Desorganisation...)
      Ich habe mich mal etwas ins Thema reingewühlt. ADS und Messietum scheinen irgendwie Berührungspunkte zu besitzen, wenn ich den Stand der Forschungen korrekt verstanden habe. Und Messietum wiederum hat Parallelen zu Esssucht: Man eignet sich etwas an und verliert dabei die Kontrolle. Der eine stopft seine Bude voll, der andere sich selber, manche sogar beides.

      Ich weiß nicht, wie ich es in Worte fassen soll: ADS scheint für mich eine Art "Parkinson der Gedanken" zu sein. Je konzentrierter und vor allem unter höherem Druck man sich auf etwas fokussiert, um so zappeliger wird man. So jedenfalls verstehe ich die Symptombeschreibungen. Ich habe selber keine Erfahrung mit ADS.
      Mein Schwiegervater hatte schwer Parkinson, und je gezielter er etwas greifen wollte, um so schlimmer wurde das Zittern. Lässig im Vorbeigehen etwas grapschen war kein Problem. Das gleiche Objekt zielgerichtet anzufassen, war schon schwerer, und einen kleinen Knopf oder eine Pille vom Tisch aufnehmen ging gar nicht. Das ist doch auch eine Dopamin-Sache.

      Um die Schleife zurück zu schlagen: ADS-Medikamente scheinen in einigen Fällen auch bei Messietum etwas zu helfen, also warum nicht bei Essdruck? In vielen Fällen sind aber psychosoziale Ursachen tonangebend, und Medikamente helfen dann nicht.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Ich hab mal vor Jahren einen Sci-Fi Roman gelesen, darin haben sie Süchte "substituiert". Wenn zum Beispiel jemand von einer Droge abhängig war und das nicht mehr wollte, haben sie ihn auf Sammeln von irgendwas "umgepolt" - zum Beispiel auf das Sammeln von Silberschühchen oder von irgendwelchen anderen Sachen ...

      Sie waren auch so weit, Drogensüchte medikamentös zu behandeln. Der Held des Romans war beispielsweise aus Versehen in eine unethische Werbezone geraten, innerhalb derer einige Zentren des Gehirns auf ein bestimmtes Produkt konditioniert wurden - und war von diesem Moment an abhängig von einem Getränk Namen "Moke".
      Er ging dann zur Kur, und da bekam er ein Medikament, das das Moke substituierte. In der zweiten Phase der Kur wurde ihm dann nach und nach das Substitut entzogen. Ich erinnere mich, daß er immer sagte: "Ich war jetzt clean und hatte kein Verlangen nach Moke - aber ach, was war die Welt so grau ..."

      Es ist bekannt, daß Messietum und Eßsucht - oder besser gesagt das Messe-Syndrom und Essstörungen Parallelen haben. Manchmal kommt / kommen noch eine weitere Sucht / noch weitere Süchte dazu.
      Anekdote: drei Straßen weiter lebte eine - im übrigen unanständig reiche - Frau, die magersüchtig und alkoholkrank war und ein Messie-Syndrom hatte ...

      Manchen Messie-Betroffenen scheint tatsächlich dieses Ritalin zu helfen.
      Drogensüchte kann man manchmal mit Methadon-Ersatz substituieren.
      Für Alkoholkranke soll es jetzt ein Medikament geben namens Baclofen.
      Susie Orbach nennt Quark den "Methadon-Ersatz der Eßsüchtigen".

      Ja - aber was passiert, wenn der medikamentöse Ersatz wegfällt?
      Ich denke, um das "Grau" aus der Welt rauszuzwingen, müssen ganz andere Dinge geschehen als auf Medikament zu bleiben ... und zwar ganz egal, wie sich die Störung nennt ... wie sich die Störung manifestiert ... als Sammelsucht, Magersucht, oder sonst etwas ... es zeigt einfach nur, daß etwas nicht in Ordnung ist ...
    • Sophie schrieb:

      ADS scheint für mich eine Art "Parkinson der Gedanken" zu sein. Je konzentrierter und vor allem unter höherem Druck man sich auf etwas fokussiert, um so zappeliger wird man. So jedenfalls verstehe ich die Symptombeschreibungen.


      Hupps, nicht alles was hinkt, ist auch ein Vergleich! ;)

      Aber beim Aufmerksamkeitsdefizit gibt es auch ein bisschen Begriffswirrwarr. Man unterscheidet zwischen

      Aufmerksamkeits Defizit Hyperaktivitäts Syndrom
      = ADHS. Das sind die Zappelphillips.

      und

      Aufmerksamkeits Defizit Syndrom = ADS. Das sind die Träumer.

      Wobei ich auch schon gelesen habe, dass das H in ADHS nicht nur für Hyperaktivität, sondern auch für Hypoaktivität stehen kann. Dann blickt halt endgültig keiner mehr durch ...

      Die Betroffenen haben gemeinsam,
      • dass es mit Motivation und Konzentration schlecht steht, wenn kein Interesse für die Aufgabe da ist
      • dass bei großem Interesse eine sogenannte Überfokussierung stattfinden kann
      • Hypersensibilität (ungefilterte Wahrnehmung aller Sinneseindrücke)
      • Impulsivität
      • und einiges mehr


      Der große Unterschied liegt darin, dass die ADHSler rumzappeln und die ADSler vor sich hinträumen. Aber warum das so ist, kann bis heute niemand mit Gewissheit sagen.

      Wenn es dich interessiert, hier ein Link zu einem Beitrag, der mal auf Bayern 2 lief. Ich fand den hochinteressant.
      br.de/radio/bayern2/wissen/iq-…ensch/adhs-gehirn100.html

      Viele Grüße
      Günther
    • @Günther

      Ich verstehe diesen Thread inzwischen so:

      1.) Du hast natürlich völlig Recht mit allem was Du sagst ... mit den Quellen die Du anführst ... und damit, daß die ganze Chemie im Gehirn ein ziemlich kompliziertes Thema ist, mit dem sich die "engagierten Laien" in diesem Forum selbstverständlich nicht fundiert auskennen.

      2.) Du hast selbstverständlich das Recht auf Deine eigene Meinung zum Thema Eßsucht und Gehirntätigkeit ... außerdem hast Du genauso selbstverständlich das Recht auf den Wunsch, es möge doch bitte eine Lösung zum Einehmen geben.

      3.) offenbar existiert diese Lösung noch nicht

      4.) alternative Sichtweisen und Vorschläge bzw. Drumherum-Wege sind, wie ich verstehe, nicht so Dein Ding. Okay.

      5.) ... und was nun? ... Eßsucht und alles so lassen bis die Pille auf den Markt kommt? ... oder was? ... ??? :nixweiss: ...

      :confused: