ich esse endlich normal....

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    • ich esse endlich normal....

      JAAAA - ihr hattet Recht.

      ich habe bisher zu wenig gegessen. Das führte zu Fressanfällen und nicht kontrollierbarem Heißhunger auf Süßigkeiten.

      Ich war jetzt in einer neurologischen Klinik wegen eines anderen Problems (Polyneuropathie)

      1) Von keinem der Ärzte kam irgendein Kommentar über mein Gewicht, super!
      Sie haben es nicht einmal in den Ärztebrief geschrieben, wie sonst immer,
      sondern "guter Ernährungszustand".

      2) Sie haben mich nicht hungern lassen. Als meine üblichen Bestellungen kamen: Morgens ein halbes Brötchen, mittags wenig und abends 1/2 Brot, haben sie es nicht durchgehen lassen.
      Sondern: Morgens mindestens ein Brötchen, Mittags ein normales Essen,
      nachmittags Kaffee und Plätzchen und abends mindestens zwei Brote.
      Daraugf wurde bestanden.


      3) Ich hatte tierische Angst, zuzunehmen oder Fressanfälle zu kriegen.
      Aber das blieb vollkommen aus.
      Ich hatte keinen Hunger, keine Magenschmerzen, keine Blähungen - nix.

      Und - was mir total wichtig ist - nicht diesen unkontrollbaren Süßhunger.
      Der war einfach weg.

      Ich esse jetzt auch wieder zuhause regelmäßig und recht viel.
      Damit geht es mir viel besser als mit dem abwechselnd Überessen und zuwenig essen.
      Und ich habe seit zwei Wochen keine Süßigkeiten mehr in mich hereingestopft. Ich habe keine Lust drauf.

      liebe Grüße Lisa

      hört sich komisch an, aber MANCHE Leute wie ich sind dick, weil sie zu wenig essen.
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Danke, euch allen.

      Meinem Körper geht es wirklich besser. Ich habe nicht mehr das Gefühl, ich muss mich vollessen, so lange es etwas gibt - denn hey, in 2- 3 Stunden gibt es wieder etwas, wenn ich das will.

      Heute habe ich das erste Mal - seit Jahren - das halbe Mittagessen stehen lassen, einfach weil ich satt war.
      Vorher hätte ich irgendwie gedacht : "Das muss ich jetzt essen, denn ich habe ein Recht darauf - dafür esse ich morgen nix!"

      Ich sehe aber auch, dass Überessen und Fressanfälle zumindest bei mir durch Diäten erst ausgelöst wurden.
      Als Kind und sogar als Teenie habe ich ganz normal gegessen , als junge Frau in den Zwanzigern fand ich mich dann viel zu dick - und da ging es erst los mit den Essproblemen.

      Morgen habe ich sozusagen eine "Bewährungsprobe" : Ich bin zum Adventskaffee eingeladen.
      Normalerweise habe ich mich vor so Einladungen gefürchtet, Grund: Ich habe dann zwei Tage vorher gar nix gegessen - und dann zum Kaffee in Gesellschaft auch wenig - aber dann zuhause alleine sehr viel. :eek:

      Ich bin gespannt, ob ich es schaffe, mir 1 oder 2 Stück Kuchen zu gönnen, einfach nur zu gönnen, weil ich sie gerne esse.
      Und dann zuhause auf den Körper hören: Bin ich satt, war es das, bin ich im Laufe des Abends hungrig, gibt es Abendessen.

      Ich danke euch, die ihr mir immer zugeredet habt. Es ist schön, einfach frei zu sein. Kontrolliertes Essen kostet so viel Energie.

      liebe Grüße Lisa
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      H.L. Mencken
    • Hi Lisa - ich versteh Dich gut.

      Zwar hab ich Glück mit mir , mir ist Essen nie so entglitten.Ich hatte immer ein ziemlich normales Eßverhalten.

      Aber ich habe mal jemanden begleitet, der sehr darum gerungen hat, zu normalem Eßverhalten zu finden und weiß , was das für ein Kampf ist.

      Ja, das ist viel gewonnene Feiheit. Das "Essen im kopf haben"-präsent als Dauerthema, kenn auch ich.

      Meiner Freundin damals hab ich einen Kalender und eine Dose mit vielen Aufklebesternchen geschenkt.Sie hat dann über einen langen Zeitraum immer ein Sternchen in Kalender geklebt, wenn es gute Eßtage waren.
      Sie sagt, das hätte sie motiviert- es wurden immer mehr Sterne.

      Ich wünsch Dir , daß das morgen mit dem Adventscafe so klappt, wie Du es Dir vorstellst . :advent1:
    • Ich verstehe Dich auch sehr gut. Und ich freue mich über Deinen Bericht. Es gibt doch immer mehr Ärzte und Kliniken, die andere Ansätze verfolgen, als die Gewohnten. Das finde ich gut, weil ich es für eine wesentliche Grundvoraussetzung halte, Übergewicht zu entproblematisieren.

      Ich hatte ja schon mal berichtet, dass ich auch sehr große Portionen esse. Ich bin nach meinen Mahlzeiten immer pappsatt. Und ich empfinde das als sehr angenehm. Es ist einfach ein gutes Gefühl, weil man weiß, man hat dem Körper das gegeben, was er braucht, um gut zu funktionieren.

      Leider ertappe ich mich dabei, dass ich es vermeide, das zu thematisieren, weil ich die Befürchtung habe, dass andere das als ein Zeichen von Essstörung werten könnten. Allein für diese Gedanken möchte ich mich manchmal auf den Mond schießen, weil ich natürlich genau weiß, welcher Konditionierung ich die zu verdanken habe.

      In Abnahme- und AC-Foren wird ein Hass auf das Essen besonders zelebriert und man möchte meinen, die Leute würden am liebsten überhaupt nicht mehr essen. Dass Essen eben sozusagen unser Sprit ist, ohne den wir nicht laufen würden und für den man dankbar sein sollte, das - so meint man - darf man heutzutage - und schon mal gar nicht als Dicker - gar nicht mehr sagen.

      Ich finde das so schade. Und gerade deshalb ist es wichtig, dass Gesundheitsfürsorger (als eine Art höhere Instanz) eine andere Einstellung dazu propagieren.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Martina () aus folgendem Grund: n nachgereicht

    • Ist es nicht schlimm, daß wir anscheinend immer erst jemand im Außen brauchen, der/die uns etwas erlaubt? Eine Autorität, einen Arzt, einen Gesundheitsfürsorger, ... eine xyz ... die uns erlaubt die natürlichsten Dinge der Welt zu tun? Beispielsweise: zu essen?

      Wir sollten uns viel viel mehr selbst erlauben. Wir sollten unsere eigene Autorität sein, die uns essen und wählen läßt. Die Autorität für uns sollte nur EINE sein: unser eigenes Inneres Gefühl, unsere eigene Innere Stimme ... die uns sagt, wann wir hungrig sind, die uns sagt, was wir essen wollen, die uns sagt, wann wir satt sind ...
      Autoritäten von außen können sich irren.
      Dein Körper und Deine Innere Stimme lügen nie ... die sagen Dir immer die Wahrheit ...

      Übrigens gilt das nicht nur fürs Essen, sondern auch für alle anderen Lebensbereiche ...

      Schöne Adventsgrüße von
      Issi
    • Schöne Adventsgrüße euch alle,

      das Kaffeetrinken lief super. Ich aß zwei Stücke Kuchen und lehnte ein drittes ab, weil ich satt war.:)
      Normalerweise hätte ich zur Strafe den ganzen Abend gehungert und den nächsten Tag auch ODER ich hätte weiter gegessen.
      Heute um 20 Uhr habe ich aber ganz normal zu abend gegessen - und keinen Fressanfall bekommen.

      ihr habt Recht, normalerweise müsste man ohne Vorschriften wissen, wann man satt oder hungrig ist. Nur - ich esse seit Jahrzehnten nicht normal.
      Daher hatte ich große Angst, dass mir mein Essverhalten völlig entgleitet, wenn ich mich nicht kontrolliere .
      Und wenn die Ärzte dann noch sagen: "Sie sind zu dick und müssen weniger essen!" , dann war das für mich immere ein Ansporn, mich noch mehr zu kontrollieren und mich so noch schlechter zu fühlen - denn ich war ja nicht einmal "erfolgreich" , sprich normalgewichtig.

      Ich fände es toll, wenn im Gesundheitssystem ein Umdenken erfolgt.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
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      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Schön zu hören, dass es immer besser wird bei einigen von uns mit dem Essen. Ich muss auch aufhören wenn mein Körper satt sagt. Dann lege ich die Gabel mitten im Essen nieder und traue mich nicht weiter zu essen. Es geht mir sonst schlecht.

      Meine Töchter waren als sie klein waren oft der Willkür der Ärzte unterworfen, denn die Große sollte mehr essen, sie war wie ihr Vater extrem dünn und die Kleine weniger essen und mehr Sport machen.
      Die Kleine hat weniger gegessen als die Große und war ein Sportjunkie. Ich habe die Kinder immer essen lassen wie sie wollten, denn das Gewicht ist stark genetisch.
    • @Lisa Cortez

      hört sich prima an, wie das Kaffeetrinken gelaufen ist !
      Wie ich mich freue, daß Deine ersten Schritte auf Deinem neuen guten Weg so ermutigend verlaufen !

      Ich glaube, jede/r von uns KANN bereits "richtig" oder "normal" essen. Jede/r weiß quasi von Geburt an, wie das geht. Wir müssen uns nur daran erinnern ... erinnere dich, sagt die Mythe ... im Erinnern liegt die Weisheit ...

      Wobei sich erinnern harte Arbeit sein kann: manchmal müssen erst ganze Wagenladungen von Erziehung und Geboten und Experten-Ratschlägen und was noch alles weggeschaufelt werden, bis die ersten Teile deines Inneren Wissens in Sicht kommen ...

      Du hast Recht: es wäre äußerst wünschenswert, daß auch "das Gesundheitssystem" umdenkt. Ich hoffe, daß ich mich irre - aber dieses Umdenken sehe ich noch in relativ weiter Ferne.
      Bis dahin können wir entweder still halten und auf bessere Zeiten hoffen, oder wir sind einfach selbst gefordert ... nicht mehr die Bestimmungsgewalt und/oder die Verantwortung für unseren Speiseplan (und/oder für andere Bereiche unseres Lebens) nach außen abzugeben, sondern ganz direkt selbst für uns, jeder für sich selbst, die Verantwortung zu übernehmen. Zu uns selbst und unseren Bedürfnissen zu stehen, zu unserem Hunger. Zu unserem Appetit.

      Eigen-willig werden.
      Eigen-mächtig werden.
      Eigen-sinnig werden.
      Drei Große Heilkräfte.

      Herzliche Grüße
      Issi
    • Issi schrieb:




      Eigen-willig werden.
      Eigen-mächtig werden.
      Eigen-sinnig werden.
      Drei Große Heilkräfte.




      Das ist schön. Erinnert mich an ein Buch, in dem es um ein anderes Thema geht " Eigenwilligkeit und Psychose - Noncompliance als Chance" von Thomas Bock. Der Psychologe schreibt hier darüber, erst wenn der Patient "Compliance" zeigt, bekommt er Hilfe. Compliance bedeutet hier Therapietreue, und es hilft dabei, wenn der Patient überzeugt davon ist,
      dass er ein schwerwiegendes Leiden hat.
      ( de.wikipedia.org/wiki/Compliance_%28Medizin%29)

      Mich erinnert das in der Tat an die Gewichtssituation. Erst wenn man "eingesehen "hat, dass man Übergewicht und damit etwas "ganz Schlimmes" hat, bekommt man oft erst ärztliche Hilfe
      (gottseidank war das jetzt nicht so in der Neurologischen Klinik).

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken