Wie haltet ihr das mit der Ernährung

    Hier schreiben engagierte Laien. Soweit gesundheitliche Fragen erörtert werden, ersetzen die Beiträge und Schilderungen persönlicher und subjektiver Erfahrungen der Autoren keineswegs eine eingehende ärztliche Untersuchung und die fachliche Beratung durch einen Arzt, Therapeuten oder Apotheker! Bitte wendet Euch bei gesundheitlichen Beschwerden in jedem Fall an den Arzt Eures Vertrauens.

    • vonAbisZ schrieb:

      Würde dir konkret etwas Wichtiges einfallen, was du mit weniger Körpergewicht tun müsstest, was dir jetzt erspart bleibt?
      Schlank zu sein würde mich tatsächlich ein bisschen verunsichern, weil ich damit verbinde, dann auch attraktiver für andere Menschen zu sein, insbesondere für Männer. Ich müsste mich dann häufiger gegen Avancen wehren. Wegen meinem Asperger-Syndrom habe ich eher Angst vor Kontakten und bin schnell überfordert. Vielleicht könnte das eine Rolle spielen.
      Außerdem kann ich mich mit der traditionellen Geschlechterrolle der Frau nicht identifizieren, ich fühle mich irgendwo zwischen den Geschlechtern oder als mein eigenes Geschlecht. Vielleicht habe ich Angst, dass man von mir, wenn ich schlank wäre, mehr erwarten würde, mich wie eine typische Frau zu benehmen.
      Aber das ist viel Spekulation.

      vonAbisZ schrieb:

      Die Geschichte mit deiner Mutter –und wenn sie heute bei jedem Treffen über das Ernährungsthema spricht – ich glaube, wenn du dir das genauer anschaust, was da zwischen euch abläuft und wie du dich dabei fühlst (auch wenn das so schwierig zu identifizieren ist), das könnte interessant sein. Hättest du Lust, etwas diesbezügliches bei ihr anzusprechen?
      Ich war früher genervt, wenn sie das Thema ansprach, weil es dann oft nicht nur darum ging, ob sie gerade wieder zu- oder abgenommen hat, sondern oft kam auch ein mahnender Spruch in meine Richtung, was mich dann aggressiv gemacht hat. Ich habe ihr auch mal gesagt, dass sie das lassen soll, seither ist sie vorsichtiger, aber es kommt noch ab und zu vor, dass sie auch an meinem Gewicht rummacht. Inzwischen nervt es mich nicht mehr so sehr wie früher, weil ich nicht mehr die Schuld bei mir sehe. Ich kenne ein paar der Ursachen für mein Übergewicht, und das sind alles Sachen, für die ich nichts kann. Ich ignoriere alles, was sie über ihr Gewicht sagt, und reagiere einigermaßen gelassen, wenn sie was über mein Gewicht sagt.

      Ich finde es nur seit Jahren sehr abschreckend zu sehen, wie viel Lebenszeit jemand auf sein Gewicht verschwenden kann. Wenn das permanent ein Gesprächsthema ist, ist es sicher noch häufiger in den Gedanken von ihr.
      Und mir hat sie das dann halt auch aufgedrückt, weil dadurch auch mein Gewicht von Kindheit an immer ein Thema war.

      vonAbisZ schrieb:

      Will man eine epigenetische Prägung loswerden, so ist das ein schwieriger Weg, weil etwas ebenso Prägendes geschehen muss wie das, was bei den Eltern (oder bei einem selbst in früher Kindheit) zu der vorhergegangenen epigenetischen Veränderung geführt hatte.
      Ich frage mich, was das sein könnte, was so prägend ist, dass sich so ein Gen wieder umstellt. Wir leben ja im Überfluss, sollte das dann nicht dazu führen, dass sich das Gen wieder abschaltet? Oder müsste man mehrere Generationen im Überfluss leben?

      In meiner Familie sind übrigens alle dick, Mutter und Vater (er ist schon tot) und beide Schwestern und ich. Genetik spielt sicher eine Rolle, neben erlerntem Verhalten, ob es Epigenetik ist, keine Ahnung.
    • hallo Kaonashi,

      ich habe an dich eine Frage, ich bin auch Asperger, bei mir war es aber so,dass ich als Kind dünn war, weil ich nur bestimmte Sachen gegessen habe. I
      n meiner Kindheit galt aber noch, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt, und man hat versucht, meinen Willen zu brechen, in dem man mich bis vor die Nacht vor einem Teller Grießbrei ( ging gar nicht, hatte Klumpen!) oder Spinat ( war für mich nicht essbar, ohne mich zu übergeben) hat sitzen lassen. Ich habe es NICHT gegessen, und ging dementsprechend hungrig ins Bett.
      Hast du solche Erfahrungen auch? Auch das, dass du überhaupt nur bestimmte Sachen essen kannst?

      Wobei ich sagen kann, es ist weniger der Geschmack, als die Konsistenz eines Essen. Alles Breiige, Schwabblige, Wabblige, Klumpige bekomme ich nicht runter, sonst kann es exotisch sein.

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Lisa Cortez schrieb:

      Hast du solche Erfahrungen auch? Auch das, dass du überhaupt nur bestimmte Sachen essen kannst?
      Bei mir ist es so: ich habe eine lange Positivliste (mag ganz viele Sachen) und eine relativ kurze Negativliste mit Dingen, die ich gar nicht essen kann. Sachen, die gar nicht gehen, sind z.B. Kaffee und Bier, schwabbeliges Fett am Fleisch, rohe Zwiebeln oder bei Backwaren das Zitronat und Orangeat. Das sind Dinge, wo ich Würgereiz bekomme. Dann gibt's noch Sachen, die ich nicht mag, aber essen kann, wenn es sein muss (z.B. alles mit Essig).

      Meine Mutter hat das als normale Vorliebe/Abneigung eingestuft, wie Kinder sie halt haben. Ich wurde nicht gezwungen, etwas zu essen, was ich gar nicht wollte. Meine Mutter hat sogar extra wegen mir immer etwas Salat abgezweigt, bevor sie an den restlichen Salat die Zwiebeln gegeben hat. In der Hinsicht war sie tolerant.

      Finde ich nicht in Ordnung, wenn Eltern so stur sind wie deine. Wenn die Ernährung vom Kind nicht gerade so extrem einseitig ist, dass Gesundheitsschäden drohen, gibt es eigentlich keinen Grund, etwas zu erzwingen. Und Grießbrei ist ja auch nicht gerade lebenswichtig....

      Das einzige, wo mich meine Mutter gezwungen hat, ist, als ich noch klein war, den Teller leeressen, wenn ich schon satt war. Das hat aber auch aufgehört, als ich dann aus dem Kindergartenalter raus war. Bis dahin hatte ich das aber auch schon verinnerlicht, und es fällt mir bis heute schwer, etwas übrig zu lassen. Da arbeite ich gerade dran.
    • huhu,

      Auch ich kann mich noch gut erinnern besonders an die Worte meines opa,s der auf seinem Mülheimer Platt meinte....Fret ma men Kind frete mag Spass...und ich habe gefuttert ! Immer wenn sie von einer "Butterfahrt" aus Holland kamen steckte man mir eine riesengrosse Tafel Schoki zu die ich gegessen habe wie ein Butterbrot!
      Wenn ich bei der anderen oma war drückte sie mir ein paar mark in die Hand und schickte mich in den Tante Emma Laden um eine Schachtel Pralinen zu kaufen.
      Das grösste Glück für mich war aber wenn ich mal mit Mama alleine war unter eine Decke gekuschelt,schnuppern und fernsehen was wir wollten.
      Essen war für mich Gemütlichkeit und Geborgenheit!!
      Bis ich eines Tages auf meine Figur achten musste......

      lg uschi
    • Da sind viele Punkte genannt worden, die bei mir etwas klingeln lassen.

      Fett als Schutz vor männlicher Aufmerksamkeit. Eine Burka aus Fett habe ich es mal genannt.
      Sich nicht klein vorkommen wollen. Raum einnehmen, wahrgenommen werden.
      Nicht für das gute Aussehen Anerkennung bekommen, sondern für die Leistungen.

      Das trifft alles auf mich zu.

      Genetische Gründe: seit hunderten von Jahren überlebten unter meinen Vorfahren nur die besten Futterverwerter. Übergewicht ist nicht deswegen "Unterschicht", weil "ungebildet", sondern auch wegen der Gene der "armen Leute".

      Stress: chronischer Stress erhöht den Kortisolspiegel, der sorgt dann für Fettansammlungen in der Bauchgegend.

      Übrigens: bei beginnender Nebennierenerschöpfung bringt der Körper nicht mehr das Kortisolmaximum am Morgen, sondern erst am Abend. Kohlenhydrate (Zucker, Schoki...) wirkt dem Kortisol entgegen. Deshalb kann man dann auch besser schlafen, wenn man abends Süßes isst.

      Seit ich aus dem Job raus bin, nehme ich langsam aber kontinuierlich ab, obwohl ich absolut nichts an meiner Ernährung geändert habe. Einziger Unterschied: Ich schlafe morgens, bis ich von alleine wach werde und frühstücke nicht mehr um 6 Uhr, sondern um 9-10.
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)