Selbsterfüllende Prophezeiung „du bist zu dick“

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    • Selbsterfüllende Prophezeiung „du bist zu dick“

      Das Fazit einer US-amerikanischen Studie lautet, dass wenn Mädchen, von Eltern oder Freunden, als zu dick bezeichnet werden, haben sie als Erwachsene tatsächlich ein höheres Risiko dick zu werden. KLICKKLACK

      Dieses Ergebnis kann ich nachvollziehen, aber genau das unterstreicht noch den Unsinn mancher Kinderärzte, wenn sie Kinder untersuchen und als adipös bezeichnen und Kuren empfehlen. Den Eltern wird dann auch noch eine Standpauke gehalten und manche von ihnen geben diesen Druck an ihre Kinder weiter :seufz:

      Ich kenne leider solch eine Kindheit und auch die Legitimation solcher Aussagen – ähnlich wie die der Blöd-Kampagne „Nichts ist härter als die Wahrheit“. In dem Bericht wird nur von Mädchen gesprochen - betrifft diese logische Erscheinung denn nur Mädchen :confused:
    • Das ist ja interessant, und ich kann es mir auch sehr gut vorstellen. In dem Buch Nudeldicke Deern von Anke Gröner steht auch, dass fast allen dicken Frauen, mit denen sie gesprochen hat, vom Kinderarzt gesagt wurde sie seien zu dick. Und das diese Frauen dass anhand von Fotos aus dieser Zeit überhaupt nicht nachvollziehen können.
      Mein Kinderarzt hat auch gesagt, dass ich zu dick sei. Meine Mutter war total verwundert dass ich mich da überhaupt dran erinnern kann. Aber das hat sich bei mir eingebrannt.
    • So ist es bei mir auch. Wenn ich überlege, dass der Arzt bei der Schuluntersuchung immer nur gesagt hat "das Kind ist zu dick" etc...
      Wenn ich dann Bilder aus der Zeit sehe, wo ich mir dann denke "wo bitte bin ich da dick?". Sicherlich kräftig, durchaus sehr frühentwickelt (was auch nicht grad ein Vorteil war, wenn ich an Belästigungen denke, mit denen ich nicht umgehen konnte). Da denke ich dann "verdammt, da hätte man mir mal öfter sagen sollen -Du bist toll und genauso richtig, wie Du bist-. Seufz.
      Naja, war halt so, ist nicht mehr zu ändern, also schaue ich, wie ich damit umgehe und mich weiter entwickle.
      Viele Grüße

      Andrea


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      Angst verhindert nicht den Tod, sie verhindert das Leben.
      Naguib Mahfouz
    • Ständig negative Kommentare sind auch Stress und dann wird Cortisol ausgeschüttet was auch dick macht. Das schlimmste ist doch, dass dem Kind immer wieder vermittelt wird, dass es so, wie es ist, nicht o.K. ist. Für mich ist das ein Versagen der Eltern.

      Ich hatte genau diese Kindheit. Meine Eltern, selber dick, haben immer auf mir rumgehackt, dass ich bald so dick würden wie Frau X, die dickste Frau im Dorf. Ratet mal, wer heute die dickste Frau im Dorf ist.......

      LG Finchen
    • sunny73 schrieb:

      Wenn ich dann Bilder aus der Zeit sehe, wo ich mir dann denke "wo bitte bin ich da dick?".


      Genau das denke ich mir auch immer, wenn ich meine Kinderbilder sehe!

      Als Teenager war ich bei einer Grösse von 1.60, 63 kg schwer und fand mich ungeheuer dick und diätete immer wieder. Ich könnt heute heulen vor Wut, wenn ich daran denke.

      LG Finchen
    • Finchen schrieb:

      […] Meine Eltern, selber dick, haben immer auf mir rumgehackt, dass ich bald so dick würden wie Frau X, die dickste Frau im Dorf.

      Genau dieselbe Aussage hörte ich und ich wuchs mit der Angst auf, dass ich so dick werde wie Frau X … schade, dass ich nicht so eine Krawallbürste war, wie meine Tochter es ist ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Bircan ()

    • War bei mir nicht anders.... 1,35 m groß, 32 kg, aber "zu dick". Na klar... :mad:

      Jetzt bin ich wirklich dick, aber ich kann damit leben. Ich bin mir aber ganz, ganz sicher: Wenn damals meine Mutter anders reagiert hätte - z.B. einfach zu sagen: "Ja, es gibt Kinder, die dicker sind und welche, die dünner sind als du. Jeder ist anders und das ist GUT so." - ich bin mir sicher, das wäre für mich ok gewesen.

      Ich bin mir sicher, da würde ich jetzt nicht mit 90-100 kg auf 1,65 Metern rumlaufen...

      Kleines Off-Topic: Bin gerade auf Sprachreise mit 6 Kollegen (6w, 1m) und zwei schlanke Kolleginnen essen weit mehr als ich und können sich nicht vorstellen, wie man bei meinem Konsum dicker sein kann als sie - ich tu ihnen richtig leid.
    • Malinki schrieb:


      Kleines Off-Topic: Bin gerade auf Sprachreise mit 6 Kollegen (6w, 1m) und zwei schlanke Kolleginnen essen weit mehr als ich und können sich nicht vorstellen, wie man bei meinem Konsum dicker sein kann als sie - ich tu ihnen richtig leid.


      Ich mag es nicht leiden, wenn das Essverhalten - sei es meines oder das der anderen - überhaupt bei irgendwelchen Veranstaltungen thematisiert wird. Ich persönlich beobachte nicht, wieviel andere essen und mag es wiederum nicht, wenn man die Bissen zählt, die ICH zum Munde führe :eek:
    • Ich werde auch oft beim Essen oder Essenfassen beobachtet, gelegentlich werden Köpfe zusammengesteckt, gibt es Getuschel, Gekicher oder gerümpfte Nasen. Meistens kucken die Leute aber einfach nur, was ich auf dem Teller habe, um entscheiden zu können, an welche Schlange in der Kantine sie sich anstellen wollen, oder weil sie einfach irgendwohin kucken müssen.

      Aber ich finde es nicht gräßlich, es ist mir schlicht und ergreifend scheißegal, was andere Leute über mein Essen denken (oder was und wieviel andere Leute essen). Wenn ich Hunger hab, ess ich. Wenn es mir schmeckt, ess ich genussvoll, nicht bebend vor Angst, was die Sittenwächter der Kalorienpolizei jetzt wohl wieder denken werden.
      Es kann für mich nur dann gräßlich sein, wenn ich mir die Weltsicht der Anderen zu eigen mache, dass es Essen gibt, das "richtig" ist, und Essen, das "falsch" ist, oder dass Essen an sich für dicke Menschen "böse" ist, und wenn ich mich selbst für das eine Essen verurteile und das andere Essen gutheiße.

      Falls der (extrem seltene) Fall eintritt, dass ich aktiv blöd angepampt werde, habe ich je nach Adressat ein paar Standardantworten in der Schublade.
      "Ich brauch halt Nervennahrung, bei der Menge Idioten, mit denen ich hier arbeiten muss."
      "Lebst du eigentlich schon oder wiegst du dich noch?"
      "Wusstest du nicht, dass ich nach Gewicht bezahlt werde?"
      "Ohne Mampf kein Kampf"
      "Das ist doch erst mein drittes Frühstück..."
      "Das tut mir aber leid, dass Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr alles essen können. *mitleidig-seufz* "
      Ohne Anstrengung und ohne Bereitschaft, den Schmerz und die Angst zu durchleben, kann niemand wachsen. (Erich Fromm)
    • Wenn man als Kind ständig mit dem Gewicht getriezt wird,
      ist das oft ein Einstieg in eine Essstörung....
      man is(s)t ja nicht mehr unbefangen....;)

      ich galt als 12jährige auch zu dick und zwar sowie im Elternhaus als auch in der Schule,
      nur - ich war sehr groß ( schon 1m 70)
      und mir passten halt die Hosen der 1,40 - 1,50 großen Mädels nicht....

      Mit 16 kam ich in Kur und da regten sich die Ärzte auf, dass ich für meine Größe untergewichtig wäre....
      die wollten mich mästen....
      mit Zusatz- Sahnequarkspeisen....morgens, mittags und abends....

      ich war völlig verwirrt.... ich war doch dick!!! Und ich hatte ja Angst, noch dicker zu werden -
      genau das ist der Einstieg in Essstörungen,
      die dann zwischen Fasten und Überessen dann tatsächlich irgendwann mal zu Übergewicht führen...

      ich kann mich auch im Freundeskreis an keine Teenagerin erinnern, die NICHT verzweifelt gewesen wäre, wenn die Mutter beispielsweise sagte:
      "Du hast ganz schön zugelegt! Mach mal langsam mit dem Essen...."

      Einige weinten dann.

      *sehr gesund das ganze!*:ironie:

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Aber auch im Artikel gibt es einen "Killersatz", also gerade das, was sie anprangern:

      Die Forscher vermuten, dass die Stigmatisierung die Betroffenen unfähig macht, ihr Verhalten zu ändern und ihr Gewicht zu kontrollieren

      Aha - da soll also wieder was geändert und kontrolliert werden.

      Na ich danke! Statt zu sagen: "Mädels, esst einfach normal!"

      das das Problem eher Mädchen trifft, wundert mich nicht so sehr. 95% der Esstörungen sind ja auch weiblich.
      Mädchen sind schlimmer vom "Blick des anderen auf den Körper" betroffen als Jungen und werden auch öfter über ihren Körper definiert:
      "Sie ist ein hübsches Mädchen"
      "Haben Sie eine süße Tochter",
      aber:
      "Ihr Junge ist ja ziemlich geschickt!".
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • Das kenn ich , ich wurde als Kind das erste mal mit 11 in Kur geschafft nachdem vorher alle Diätversuche des Kinderarztes und der Uniklinik nicht geholfen habe. Und wenn ich mir heute ein Bild anschaue kurz bevor ich 6 Wochen weggeschickt wurde frag ich mich , wo war ich dick, nicht mal stämmig, kräftig ja, aber alles nur nicht dick. Und was wurde ich in der Schule gequält, da kommt das Walross, mein Vater der immer meinte ich würde nie einen Mann abkriegen, denn wer will denn sowas ...........
    • Aber ich finde es nicht gräßlich, es ist mir schlicht und ergreifend scheißegal, was andere Leute über mein Essen denken (oder was und wieviel andere Leute essen). Wenn ich Hunger hab, ess ich. Wenn es mir schmeckt, ess ich genussvoll, nicht bebend vor Angst, was die Sittenwächter der Kalorienpolizei jetzt wohl wieder denken werden.
      Es kann für mich nur dann gräßlich sein, wenn ich mir die Weltsicht der Anderen zu eigen mache, dass es Essen gibt, das "richtig" ist, und Essen, das "falsch" ist, oder dass Essen an sich für dicke Menschen "böse" ist, und wenn ich mich selbst für das eine Essen verurteile und das andere Essen gutheiße.


      So sollte es eigentlich sein. Wir gucken ja bei einem hageren Menschen auch nicht auf den Teller und denken "isst er auch genug?".

      LG Finchen
    • Nein einem hageren Menschen wird gesagt er solle mehr essen. Oder die berüchtigte Eisdielenepisode wo der Besitzer meinem Mann sagte er hätte nicht geglaubt, dass mein Mann sein riesen Eis aufbekommt.

      Wir haben zu Hause beide Seiten und die Seite des Schmalen ist nicht unbedingt lustiger.
    • melisah schrieb:

      Nein einem hageren Menschen wird gesagt er solle mehr essen. Oder die berüchtigte Eisdielenepisode wo der Besitzer meinem Mann sagte er hätte nicht geglaubt, dass mein Mann sein riesen Eis aufbekommt.

      Wir haben zu Hause beide Seiten und die Seite des Schmalen ist nicht unbedingt lustiger.


      Das kann ich bestätigen, eine sehr schlanke Freundin von mir hat da auch ständig mit zu kämpfen.
      Grad erst gestern geschehen, wir sind in die Kantine, sie hatte sich was mitgebracht und aufgewärmt. Das war mehr als gedacht (war wirklich ne gute Portion) und sie lies etwas davon in ihrem Behälter.
      Prompt, als eine (uns dafür bekannte) Person vorbeikam, guckte sie bei ihr in den Behälter "Du hast ja wieder garnicht aufgegessen".
      Sie beschäftigt sich selber ständig mit Essen und Diäten und wir haben das Gefühl, dass sie neidisch darauf ist, dass meine Freundin alles essen kann und manchmal auch einfach nicht so sehr den Hunger hat.
      Meine Freundin ist sehr genervt davon, weil diese Kollegin jedes Mal beobachtet, was sie isst. Ich hab dann nur gesagt "Wenn man satt ist, ist man halt satt". Da kam dann nur der doofe Spruch von wegen "Teller nicht leer, schlechtes Wetter". Meine Antwort war, dann müsse sie aber ihren Ketchup und Mayo aber auch noch aufessen.
      Da ist sie dann gackernd gegangen.
      Meine Freundin belastet das, weil jeder tut, als sei sie magersüchtig. Sie wird genauso genervt damit wie ich, wenn man guckt, was ich grad auf dem Teller hab und wieviel.
      Viele Grüße

      Andrea


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      Naguib Mahfouz
    • melisah schrieb:

      Nein einem hageren Menschen wird gesagt er solle mehr essen. [...]
      Wir haben zu Hause beide Seiten und die Seite des Schmalen ist nicht unbedingt lustiger.


      Ja, ganz genau so gehts auch meinem Freund. Er verdrückt Unmengen und nimmt, wenn überhaupt, kaum zu. Lt. diesem elendigen BMI hat er relativ starkes Untergewicht, kann aber absolut nix dafür.

      (Was ich aber VERDAMMT ungerecht finde, ist, dass bei den Schlanken oft gesagt wird: Ja, die haben so einen Stoffwechsel, die können nix dafür... Wie oft wird das bei einem Dicken gesagt? Also ICH hab das noch nie von einem Diätologen oder Arzt o.Ä. gehört.)

      Als wir zusammengekommen sind und mal gemeinsam auf der Uni zu Mittag gegessen haben, wurde er gefragt, ob er von mir auf Diät gesetzt wurde, damit ich die Hälfte seines Essens auch noch vertilgen kann. Und das bei (meiner) Kleidergröße 44 oder 46, wohlgemerkt.
    • Malinki schrieb:



      (Was ich aber VERDAMMT ungerecht finde, ist, dass bei den Schlanken oft gesagt wird: Ja, die haben so einen Stoffwechsel, die können nix dafür... Wie oft wird das bei einem Dicken gesagt? Also ICH hab das noch nie von einem Diätologen oder Arzt o.Ä. gehört.)
      .


      Ja - das ist so: Bei Dünnen ist es der Stoffwechsel und Dicke sind verfressen!
      Ich habe aber auch eine Bekannte, die soll ärztlicherseits zunehmen -
      und die quält sich richtig ab , die Frau - sie nimmt und nimmt nicht zu.
      Auch ihr wird gesagt: "Ist doch ganz easy - iss doch einfach mehr", so wie Dicken gesagt wird: "Iss doch einfach weniger."

      Einen Vorteil hat die Dünne aber - sie wird nicht stigmatisiert, sondern sie wird beneidet mit : "Hast duuuu es guuuut!"

      liebe Grüße Lisa
      Für jedes komplexe Problem
      gibt es immer eine einfache Antwort,
      die klar ist, einleuchtend und falsch.


      H.L. Mencken
    • sunny73 schrieb:

      Du bist toll und genauso richtig, wie Du bist-.


      Ich glaube dass da viel dran hängt, wenn nicht fast alles.

      Ich habe das Glück, dass meine Mutter mir das als Kind vermittelt hat - bei vieler anderer Scheisse, die schieflief.

      Und ich bete mir dieses Mantra immer vor, wenn ich mit mir hadere.

      1. Gesetz: Du bist gut so wie du bist
      2. Gesetz: Menschen sind verschieden
      3. Gesetz: Mensch müssen miteinander auskommen

      Daraus ergibt sich für mich folgende Formel
      Wenn Probleme mit 3. dann gilt zunächst 1. mit Berücksichtigung von 2., daher noch 4. Gesetz: Kommunikation ist alles. :rolleyes:
      Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden
      ******Rosa Luxemburg******